

SWR Kultur lesenswert - Literatur
SWR
Die Sendungen SWR Kultur lesenswert können Sie als Podcast abonnieren.
Episodes
Mentioned books

Mar 13, 2026 • 55min
Neue Bücher von Dana Grigorcea, Elli Unruh, Christoph Peters und Siri Hustvedt
Siri Hustvedt trauert um ihren Gefährten Paul Auster. Marc-Uwe Kling schickt sein Känguru auf die Barrikaden. Und Christoph Peters erzählt von seiner Alkoholsucht und dem Entzug.

Mar 13, 2026 • 6min
Rasanter „Roadtrip in Versen“ von Yevgeniy Breyger
Homers Odyssee, die Geburtsstunde der europäischen Literatur
Einstmals klang das so:
„Andra moi ennepe, Musa,polütropon, hos malla polla planchthe“
Auf Deutsch:
„Erzähle mir, Muse, die Tatendes vielgewanderten Mannes“
Das ist der Anfang von Homers Odyssee und gleichsam die Geburtsstunde der europäischen Literatur. In ihr gibt es die berühmte Geschichte vom Zyklopen Polyphem, dem einäugigen Riesen, der Odysseus und seine Gefährten gefangengenommen hat und immer mal wieder genüsslich einen verspeist.
Aber dem schlauen Odysseus gelingt es, das einzige Auge des Ungetüms zu blenden. Der Listenreiche hat dem tumben Kerl seinen Spitznamen genannt und nicht seinen richtigen.
Dieser lautet nämlich „oytis“, der gleichzeitig wie das griechische Wort für „niemand“ klingt. Da hilft das verzweifelte Rufen: „Niemand hat mich geblendet“, des Ungetüms nichts. Seine Zyklopenfreude kapieren gar nicht, was er will.
Langgedichte aus der Neuzeit
Und heute beginnen Langgedichte so:
Er erzählte mir die Geschichte, wie er im Auto fuhr, wie er also im Auto fuhr und versuchte, keinem Gedanken zu folgen.
Quelle: Yevgeniy Breyger – hallo niemand
Yevgeniy Breyger hat seinen, wie er im Untertitel schreibt „Roadtrip in Versen“, in klarer Anspielung auf Homer „hallo niemand“ genannt.
Dieser Niemand ist das Alter Ego des Autors, mal da, mal fort, und oft genug ist bei dem wilden Verwirrspiel gar nicht klar, wer spricht, das Ich oder der andere - „Umwege um das Ich-sagen“, nennt Breyger dieses Verfahren.
Aber genau diese Verdopplung eröffnet ihm die verrücktesten Phantasieräume, sozusagen eine Schulung im Möglichkeitssinn.
Pathetische Entfesslung
Und was Breyger entfesselt, ist schon allerhand. Mit biblischem Pathos heißt es: „Niemand sei dein heiliger Name, die klaffende Wunde, du blutendes Loch aus dem die Teufel sprießen und das Atom“. Also der Glaube und das Wissen, das Böse und die Hoffnung auf Gutes, Schuld und Unschuld.
Breygers Motor: Nichts denken, die Sätze machen lassen, schauen, was passiert. Oder anders: Die Geburt der Geschichte aus dem Geist der Buchstaben, könnte man sagen.
„die welt ist ein herrlicher ort, die welt ist kein entbehrlicher ort / die welt ist ein bärchenwort und lebt im netz aus härchen fort / die welt ist das löwenmähnchen am amöbenbärtchen / kein löchriges schönmärchen schläft beim versöhnmädchen
es trillert preise der zwetschgen durch den naschmarkt laut/ bevor es sandschlösser in die grundstücke der händler baut / ist die welt erst am sich selbst verschönern, wird ein vogel / in ihren zahlen und figuren und keaturen wohnen
welt ist das eine, welt ist das andere, sie durchfährt mich / wenn ich von wörtchen zu mördchen wandere / welt ist weder gut noch schlecht / ich bastele mir ein nest in der welt zurecht / o welt, du mutter aller klagen"
Ich und Niemand auf der Autobahn
Die Reise mit einem Audi, lateinisch für „Horch!“, beginnt in Magdeburg, führt, nach einem Schlenker zur Dorfkirche in Klein Gübs, nach Wien ins obere Belvedere-Schloss, wo Gustav Klimts berühmtestes Gemälde „Der Kuss“ hängt.
Danach rasen Ich und Niemand zu einem Zirkus, bei dem der Erzähler seine Schweinenummer vorführt als hätte die Göttin Kirke ihn persönlich verwandelt.
Über den Naschmarkt von Wien geht die wilde Fahrt nach Hamburg, wo der Erzähler in einer Folterkammer landet, die Gregor Gysi mit den zwei Schmidts betreibt, mit Helmut und Harald. Alle verführerisch wie die Sirenen in superengen kurzen Bluejeans-Shorts.
Fieberträume und rettende Reime
Das klingt reichlich irre und ist doch noch nicht alles an Haken, die die Story schlägt: Alice Weidel treibt ihr Unwesen in entfesselten Alpträumen, Olaf Scholz spukt herum und Friedrich März, mit ä bitte, tritt in die AfD ein.
Weidel unterwandert die CDU, um sie in eine NCDU zu verwandeln, eine neue CDU. Allenfalls der Reim kann die Fieberträume des Protagonisten bändigen:
willkommen zurück, raunt gysi mit list / die brille blitzt klug, doch das lächeln vermisst / neben ihm weidel, die augen wie stahl / und scholz murmelt leise, fast klinisch banal / ein klemmbrett knackt, papier raschelt trocken / die worte erklingen, melodisch, dann stockend / patient zeigt symptome von schwerer verirrung / paranoiden ideen und realitätsverwirrung
Quelle: Yevgeniy Breyger – hallo niemand
Lyrik braucht keinen Sicherheitsgurt
Aber wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Unser Held beschließt in die Politik zu gehen, um Kanzler zu werden, um in einem großen Showdown gegen Weidel anzutreten. Spätestens jetzt dreht die Geschichte ins Religiöse. „Ich bin kein Odysseus, ich bin ja bloß Jude“ sagt unser Niemand. Aus der „Odyssee“ wird eine, Zitat, „Judisee“.
Wir hören Zank und Streit im Hause Gottes, der Schöpfer klagt über seine Schöpfung und die Geschöpfe beschweren sich über ihn. Yevgeniy Breygers Roadtrip ist definitiv ein Trip, der keine Grenzen anerkennt, keine der Fantasie, keine der politischen Korrektheit, keine der Poesie.
Lyrik braucht keinen Sicherheitsgurt. Möglichkeit schlägt Wirklichkeit. Das ist die eigentliche Botschaft. „Wrrrums“.

Mar 13, 2026 • 7min
Marc-Uwe Klings Bestseller „Die Känguru-Rebellion“
„Ich rebelliere!“
Fünf Bände Kapitalismuskritik – erfolgreich verkauft im Buchhandel Ihres Vertrauens – das ist die Känguru-Reihe von Marc Uwe Kling. Antikapitalismus als Bestseller – das muss man erstmal schaffen.
Zeit für Teil fünf. Und diesmal geht’s nicht nur um Schnapspralinen. Sondern um Rebellion:
„Ich rebelliere!“, ruft das Känguru als es in die Küche kommt.„Aha“, sage ich, „wogegen rebellierst du denn?“ „Gegen die Zustände“„Verständlich“, sage ich „gerade zu löblich.“
Die erfolgreichste antikapitalistische Marke Deutschlands
Millionen verkaufte Bücher und Hörspiele, zwei Filme, ein – übrigens extrem unterhaltsames - Kartenspiel, ich hab es am vergangenen Silvesterabend stundenlang gespielt – und jetzt geht es weiter mit Teil fünf, der „Känguru Rebellion“ – man darf sicher behaupten: das Känguru ist die wohl erfolgreichste antikapitalistische Marke Deutschlands. Revolution im Taschenbuchformat.
„Rebellierst du mit?“, fragt das Känguru.„Sehr gerne.“„Hervorragend“, sagt das Känguru, „dann sind wir schon zu zweit.“
Quelle: Marc-Uwe Kling – Die Känguru-Rebellion
Ein Känguru will Eierkuchen machen
Angefangen hat das systemkritische Beuteltier 2008 mit der Radio-Comedy „Neues vom Känguru“ im Berliner Sender Radio Fritz – simple Geschichte: der Ich-Erzähler, und Alter Ego von Marc Uwe Kling, erfolgloser Kleinkünstler, öffnet eines Tages seine Tür, und davor steht ein sprechendes Känguru.
Es möchte Eierkuchen machen, hat aber keine Zutaten.
„Darf ich fragen, was sie beruflich machen“ setzt das Känguru unser Gespräch fort.„Na, Sie sind tagsüber immer zuhause und ohne Ihnen jetzt zu nahe treten zu wollen, es ist 13:00 Uhr und Sie sind immer noch im Pyjama“„Ich bin, ähem naja, irgendwie Künstler, ich arbeite nachts“, sage ich.„Anschaffender Künstler?“
„Freischaffend heißt das. Ich schreibe Geschichten und Lieder und dann trete ich auf uns“„Ah, sie sind Kleinkünstler“ ruft das Känguru. „Und Sie?“ frage ich. „Was machen Sie?“„Ich bin Kommunist! Was dagegen?“„Nee, nee“, sage ich.
Kurz darauf hat der Kleinkünstler einen neuen Mitbewohner – Kommunist, angeblich Vietcong Veteran, liebt Nirvana und Schnapspralinen. In lose miteinander verbundenen Geschichten, berichtet Marc Uwe Kling vom absurden Alltag mit seinem ungewöhnlichen Mitbewohner.
Das Känguru kommentiert die Absurditäten der Welt und stellt bürgerliche Kategorien grundsätzlich infrage.
Mein, dein, das sind doch bürgerliche Kategorien“
Quelle: Marc-Uwe Kling – Neues vom Känguru
Aus den Radiogeschichten wurden Bestseller, ihr Schöpfer Marc-Uwe Kling erfolgreicher Autor, nicht nur vom Känguru auch Fantasybücher, Thriller und das Kultbuch in vielen deutschen Kinderzimmern: das Nein-Horn, stammen von ihm.
Die Kapitalismuskritik des Kängurus wurde also so erfolgreich, dass sie alle Verkaufsstatistiken sprengt - kann man nach so einem Erfolg überhaupt noch glaubhaft rebellieren? Man kann.
Wenn dumme Menschen dumme Sachen machen, muss man den Stecker ziehen
Quelle: Marc-Uwe Kling – Die Känguru-Rebellion
Das Känguru predigt nicht, es unterhält
Wie kann eine Figur, die den Kapitalismus ablehnt, innerhalb genau dieses Wirtschaftssystems derart durchstarten? Weil das Känguru nicht predigt. Sondern unterhält. Weil es Teil des Systems ist – und sich genau darüber lustig macht.
Und ja, diese Art der Kritik ist ausgesprochen kompatibel mit einem gebildeten, saturierten Publikum. Systemkritik, über die man lachen kann.
Gut lesbar abends, wenn es endlich ruhig wird in der Charlottenburger Altbauwohnung, wenn die Kinder – erschöpft vom Kinderyoga – schlafen. Konsumierbar bei einem Glas Grauburgunder zwischen Weinregal und Bücherwand. Ich sage das als jemand, der diese Bücher genau dort liest.
Und das Schöne ist: Das Känguru weiß das alles längst. Es ist nicht trotz seines Erfolgs subversiv. Sondern im vollen Bewusstsein dessen.
Der Kapitalismus, dieser Pfiffikus, hat sich den Trick ausgedacht, seine erfolgreichsten Kritiker nicht zu bestrafen, sondern zu belohnen. Erbringt sie nicht zum Schweigen in dem er sie einsperrt, oder tötet, Nein, er will keine Märtyrer erschaffen. Der Kapitalismus bringt seine Kritiker zum Schweigen, in dem er sie reich macht.
Quelle: Marc-Uwe Kling – Die Känguru-Rebellion
Weniger Slapstick, mehr Systemanalyse
Aber funktioniert das auch in Teil Fünf noch?
Ja, aber anders: „Die Känguru-Rebellion“ ist weniger WG-Slapstick, weniger Alltagsabsurdität, dafür mehr Systemanalyse – inklusive Untergangs-Checkliste vom Beuteltier: soziale Ungleichheit. Klimawandel. Disruptive Technologien. Seuchen. Militarisierung. Und immer wieder: Profitinteressen – alles da, alles real.
„Und jetzt?“ frage ich „Was machen wir, damit es nicht kippt?“„Nun“ sagt das Känguru seelenruhig, „wir müssen dagegenhalten und gleichzeitig die ganze alte Scheiße auseinandernehmen, säubern und dann besser wieder zusammenbauen.“
„Aber wie?“ frage ich, während ich mit dem Regal kämpfe. „Wie soll das gleichzeitig gehen?“ „Wie?“ fragt das Känguru und steht auf. „Ich sag dir wie.“ Es kramt in seinem Beutel und holt einen kleinen Werkzeugkasten heraus. „Gemeinsam.“
Der Ton ist düsterer – aber nicht resigniert
Stärker als in den Vorgängern reflektiert das Buch aktuelle Themen: ungeregelte Künstliche Intelligenz, Desinformation, Aufmerksamkeitsökonomie, digitale Manipulation. Der Ton ist ernster geworden, düsterer – aber nicht resigniert.
Weniger verspielter Nonsens, mehr Frustration mit politischen Zuständen.Mehr Müdigkeit – aber auch mehr Konkretes. Diesmal geht es ums Ganze.
Das Känguru belässt es nicht bei Kommentaren, sondern organisiert. Die Idee:Man überzeugt zwei Leute zu rebellieren. Die wiederum zwei weitere. Rebellion als exponentielles Wachstum - Fast wie ein Kettenbrief, nur mit politischer Ambition.
Es entsteht eine Art satirisches Aktivismus-Modell. Die Rebellion ist nicht mehr nur Pointe, sie ist Methode.
„Okay,“ sage ich. Also jedenfalls einfach nur zwei Leute zum Rebellieren bringen, ja?„Ja. Gegen die Zustände.“ „Ich geh zu Herta!“ sagt das Känguru.Verdammt, denke ich.Also schlappen wir runter zur Straße. Herta sitzt vor ihrer neuen Eckkneipe.
Quelle: Marc-Uwe Kling – Die Känguru-Rebellion
„Ich rebelliere…“ beginnt das Känguru.„Bin ick dabei,“ sagt Herta sofort.„Würdest du zwei…?“„Mach ick!“„Gutes Gespräch!“ sagt das Känguru.„Immer jerne. Hatte ehrlich jesacht nur druff jewartet, dat endlich mal jemand fragt.Das Känguru grinst mich an.„Das ist ja wirklich erstaunlich einfach“ sage ich.„Jetzt du.“
Genau – jetzt wir. Das ist die Leistung dieser Bücher: Sie bringen Menschen dazu, zu lachen – und während sie lachen, denken sie plötzlich über Zustände nach.
Das Känguru ist kein Revolutionär mit Molotowcocktail, es ist ein strategischer Organisator. Es ist ein Kommentar mit Fell. Und vielleicht beginnt jede ernst gemeinte Rebellion ja genau so: Nicht mit Pathos. Sondern mit einem Witz.

Mar 13, 2026 • 8min
Siri Hustvedt über ihren verstorbenen Mann Paul Auster: „Ghost Stories“
Geistergeschichten von Siri Hustvedt
Siri Hustvedt erzählt Geistergeschichten und ist vor allem einem Geist auf der Spur: Ihrem Mann Paul Auster. Im April 2024 verstarb er an einer Krebserkrankung. Nur wenige Tage vor seinem Tod sagte Paul Auster, er wolle als Geist zurückkehren.
Und tatsächlich: Immer wieder erschnüffelt Siri Hustvedt in ihrem Zuhause in New York wie aus dem Nichts Zigarrenrauch, der sie an ihren Mann denken lässt.
„Leider muss ich sagen, dass der Zigarrenrauch inzwischen stark zurückgegangen ist. Wenn ich diesen Geruch freiwillig aufrechterhalten könnte, würde ich es tun, aber das kommt wirklich sehr selten vor“, erzählt Siri Hustvedt.
„Vor etwa einer Woche habe ich einen kleinen Hauch davon wahrgenommen und fand es sehr beruhigend, aber meistens passiert mir das nicht mehr.“
„Dieses Buch war eine Notwendigkeit“
Sie findet einen anderen Weg, um Paul Austers Geist festzuhalten: Sie bannt ihn auf Papier.
„Ghost Stories“, Geistergeschichten, heißen ihre Memoiren, in denen sie dreiundvierzig gemeinsame Ehejahre, ihre Liebesgeschichte, den fortwährenden intensiven Austausch und ihre Trauer in Worte zu fassen versucht. Dieses Buch sei keine Entscheidung gewesen, sondern eine Notwendigkeit, sagt Hustvedt.
„Zwei Nächte vor seinem Tod, in der letzten Nacht, die wir zusammen im Bett verbracht und miteinander gesprochen haben, streichelte er lange meinen Arm und sagte: „Schreib weiter, arbeite weiter, lass dich nicht von meinem Tod aufhalten, okay?“, erinnert sich die Autorin.
„Ich meine, stellen Sie sich diese Großzügigkeit eines sterbenden Mannes vor, der so etwas sagt. Das bewegt mich zutiefst, und ich werde das bis zu meinem eigenen Tod mit mir tragen.“
Trauer ist keine Konstante
Siri Hustvedt schreibt weiter. Auch wenn sie immer wieder im Alltag strauchelt und versuchen muss, sich selbst wieder aufzusammeln. Trauer, stellt sie fest, ist nicht konstant: Hustvedt kann sich tagelang stabil fühlen, bis ein flüchtiger Blick auf Pauls leeren Esszimmerstuhl ihr den Boden unter den Füßen wegreißt.
Dieser Versuch, weiterzudenken und leben zu können, spiegelt sich auch in der Struktur ihres neuen Buches.
Noch mehr als in ihren vorherigen Essaybänden oszillieren hier Hustvedts Reflexionen zwischen privaten Erfahrungen und Philosophie, Psychoanalyse, Neurowissenschaften und Politik – wie Geister erscheinen die Themen, verschwinden wieder, tauchen wieder auf und suchen einen beim Lesen heim.
„Es geht hier nicht darum, dass Siri Hustvedt eine Trauer empfindet, die für andere Menschen nicht nachvollziehbar ist. Ich denke, es ist eine Erfahrung, die viele Menschen machen. Und wenn man die Intimität vermeidet, wenn man das vermeidet, was diese Erfahrung so universell macht, dann betrügt man meiner Meinung nach sich selbst und den Leser.“
Es ist intim. Der Tod ist intim. Krankheit, Tod, Trauer sind intime Erfahrungen.
Quelle: Silvi Hustvedt
Intime Texte finden sich in dem Band
Und deshalb spart Hustvedt auch die intimsten Texte in ihrem Erinnerungsbuch nicht aus: Liebesbriefe an Paul Auster aus ihrer Studentinnenzeit, E-Mails, in denen sie den Freundeskreis über Austers Krebserkrankung informiert.
Arztbesuche und Diagnosen. Behandlungsmethoden, Hoffnungsschimmer und niederschmetternde Nachrichten. Bis hin zu Tagebucheinträgen, in denen sie die letzten Tage mit Paul in ihrem Haus in Brooklyn festhält.
Auch von seinem Tod, von Siri Hustvedts letzten Worten an ihren Mann, können wir lesen. Es sind Passagen, die tief berühren, die aber auch überfordern. Diese Texte reinzubringen, auch das sei eine Notwendigkeit gewesen, sagt Hustvedt:
„Ich wollte etwas von diesem intimen Menschen zurückbringen. Deshalb sind Pauls Briefe in dem Buch. Und deshalb spreche ich über seine Persönlichkeit. Ich mochte seinen Charakter, aber es ist keine Hagiografie. Es geht nicht um den Heiligen Paul, den literarischen Gott, mit dem ich zufällig verheiratet bin.“
Ich wollte, dass die Leser die ganz normalen Spannungen und Freuden einer Partnerschaft spüren, insbesondere einer langjährigen Partnerschaft.
Quelle: Siri Hustvedt
Auch sieben Briefe, die Paul Auster an seinen Enkelsohn Miles hinterlassen hat, finden sich in dem Band. Miles war wenige Monate alt, als Paul Auster starb.
In dem Wissen, sein Enkelkind nicht wirklich kennenlernen zu können, hinterließ Paul Auster ihm Briefe, in denen er Miles von der Familie erzählt, in die er hineingeboren wurde.
Texte, die veröffentlicht werden, bevor Miles sie selbst lesen kann. Für Hustvedt waren sie ein Weg, Paul Auster selbst zu Wort kommen zu lassen.
Wunsch, den Dialog mit Paul Auster fortzusetzen
„Dadurch, dass ich diese Briefe in das Buch aufgenommen habe, konnte ich den Dialog fortsetzen, den Paul und ich 43 Jahre lang geführt hatten. Auch wenn es natürlich nicht dasselbe ist, wie wenn wir beide in einem Raum sitzen und reden, aber es ist eine schriftliche Version davon, die ich unbedingt in das Buch aufnehmen wollte“, erklärt Hustvedt.
Den Dialog in die Zukunft fortzusetzen, dieser dringliche Wunsch zieht sich durch „Ghost Stories“. Das unterscheidet Hustvedts Auseinandersetzung mit ihrem Verlust von einem anderen berühmten Buch über Trauer: „Das Jahr magischen Denkens“ von Joan Didion.
Darin versucht Didion, mithilfe „magischen Denkens“ etwas von ihrem verstorbenen Mann zu erhalten. So hebt sie etwa seine Schuhe auf, als könne sie ihn dadurch beschwören, wiederzukommen.
„Ich habe das Gefühl, dass meine Welt ohne Paul schlechter ist“
In magisches Denken flüchtet sich Siri Hustvedt nicht. Kurz nach Paul Austers Beerdigung mistet sie radikal aus. Nur ein paar seiner Pullover und Jogginghosen behält sie und trägt sie beim Schreiben.
„In meinem Fall bin ich in der Lage, das zu feiern, was zwischen mir und Paul war. Und ich muss sagen, das trage ich mit mir. Nun, das ist kein endgültiger Trost“, stellt die Autorin fest.
„Ich habe das Gefühl, dass meine Welt ohne Paul schlechter ist. Ich tue nicht so, als würde man überleben, die Trauer durchleben, alle Phasen durchlaufen und dann an einem großartigen, wunderbaren Ort landen. (Nein, ich glaube nicht, dass das stimmt.)“
Aber ich bin auch in der Lage, die Kraft zu spüren, die ich aus dieser Beziehung mit diesem Mann all die Jahre gewonnen habe, und die Kraft, die wir uns gegenseitig gegeben haben.
Quelle: Siri Hustvedt
Beziehung auf Augenhöhe
„Schreiben ist Handeln“ sagt Hustvedt und man versteht, dass es für sie notwendig war, dieses Buch zu schreiben, um weiterleben zu können. Und was erklärt, warum Hustvedt so viel Privates wie nie offenbart: Es ist ihr dringlicher Versuch, die Deutungshoheit über sie und ihren Mann zurückzubekommen.
Jahrzehntelang wurden die beiden von den Medien als vermeintliche Konkurrenten dargestellt. Immer wieder war Hustvedt, Autorin von sieben Romanen, zahlreichen Essays und Aufsätzen, Ehrendoktorandin an den Universitäten von Oslo, Grenoble und Mainz, die Frau an der Seite von Paul Auster.
Dabei pflegte Auster zu sagen: „Siri ist die Intellektuelle in der Familie, nicht ich.“ Er sei nie eingeschüchtert von ihr gewesen, nie habe Hustvedt Angst haben müssen, einen Gedanken nicht teilen zu können.
Philosophie des Dazwischen
Und das ist der größte Verlust, dem Hustvedt eigentlich in ihren „Ghost Stories“ nachgeht. Das „Und“, das zwischen ihr und Paul verloren ist. Sie nennt es ihre „Philosophie des Dazwischen“, das zwischen zwei Menschen in engem Austausch entsteht:
„Und dieses Dazwischen entwickelt sich im Laufe der Zeit weiter. Es ist nicht statisch. Es ist nicht so, dass man, einen Zustand des Glücks erreicht, wie wenn man den Mount Everest besteigt, und dann dort oben sitzt. Nein, so funktioniert das nicht. Es ist ein dynamischer, fortlaufender Prozess.“
„Und zwischen uns beiden hatte ich das Gefühl, dass wir dieses Dazwischen immer wieder neu erschaffen. Und das ist Teil meines Wunsches, etwas von Paul wieder zum Leben zu erwecken. Nicht nur von Paul, sondern von Paul und mir zusammen. Etwas, das nie wiederkommen wird.“
Siri Hustvedts „Ghost Stories“ ist ein Erinnerungsbuch voller Wärme und Liebe, die über das private Schicksal hinaus reichen. In unseren politisch dunklen Zeiten ist „Ghost Stories“ ein Plädoyer für das Dazwischen, für die Kraft des Austausches und den lebenslangen Dialog.

Mar 13, 2026 • 6min
Im Grenzgebiet: Elli Unruhs Debütroman „Fische im Trüben“
Die Namen der Menschen, die zu Zeiten der Sowjetunion im südlichen Kasachstan zu Hause sind, klingen vertraut: Sie heißen Dück und Pflaum, Fellinger und Fast.
Den Russen gelten sie als Faschisten, weil sie deutsche Namen tragen. Sie sprechen eine eigene Sprache, das Plautdietsch – ein Dialekt, der so etwas wie Halt ermöglicht in haltlosen Zeiten.
Dieses Plautdietsche ist eine westpreußische Variante des Ostniederdeutschen, und inmitten der Fremde haben sich die Mennoniten-Deutschen die Sprache als Heimat bewahrt.
Verfolgung der Mennoniten
Die Mennoniten, aus der Täuferbewegung der Reformationszeit hervorgegangen, hat es im 18. Jahrhundert in die ganze Welt verschlagen – vor allem weil sie immer wieder Verfolgungen ausgesetzt waren.
Lange Reisen sind die Mennoniten gewöhnt. Sie sind heute auf der ganzen Welt. In Kanada, Brasilien, in Paraguay, Bolivien und wo sonst noch alles.
Quelle: Elli Unruh – Fische im Trüben
Jene, die gen Osten gezogen sind, mussten gerade während des Stalinismus vieles ertragen, einige landeten in Straflagern, andere wurden etwa in den Nordkaukasus vertrieben. Auch Onkel Hein weiß, dass die russlanddeutschen Mennoniten sich nur in prekärer Sicherheit wiegen können.
Ja, es geht gut, Heinrich ist zufrieden, auch wenn alles – das weiß er wohl – schnell vorüber sein kann. Wie schnell, das hat er erlebt. Auch auf seinen guten Ruf kann Heinrich nicht zählen. Wenn sie mit einmal wollen, dann finden sie was, das ist klar.
Quelle: Elli Unruh – Fische im Trüben
Erzählerin, Bewahrerin
Diese Zeilen, gelesen von der Autorin selbst, stammen aus dem bemerkenswerten Debüt „Fische im Trüben“ der in Kasachstan geborenen Elli Unruh, die in Süddeutschland aufwuchs und heute in Stuttgart lebt.
Bemerkenswert ist ihr erster Roman in mehrfacher Hinsicht: Da ist diese untergegangene Welt, die sie mit großer Detailgenauigkeit und Nähe beschreibt und die den allermeisten Leserinnen und Lesern wenig vertraut sein dürfte.
Schon Kasachstan erscheint einem exotisch; eine ehemalige deutsche Minderheit, die es dorthin verschlagen hatte, sowieso. Elli Unruh ist als Erzählerin also zugleich eine Bewahrerin. Aus mehreren Perspektiven blicken wir auf eine Mennoniten-Gemeinde im „Grenzgebiet zwischen Kirgisien und Kasachstan“ in den 1970er Jahren.
Wir bekommen Einblick in eine von eigenen Riten und Traditionen geleitete Gruppe, die in der Sowjetunion nicht wohlgelitten ist, von allen Volksgruppen schief angesehen wird und sich gegen Schikanen behaupten muss. Und ihre eigene Sprache gegen die Mehrheitsgesellschaft verteidigt, so gut es eben geht.
„Soowout jefdet uk!“
„Verstehst alles auf Deutsch, ja?“, fragt die alte Oma Peters. „Ja“, sagt Krocha (…). Verstehen ist keine große Sache. Nur das Sprechen geht auf Russisch schneller.
Quelle: Elli Unruh – Fische im Trüben
„Gut, behalte es! Un opp Plautdietsch vesteist uk waut?“ „Nur bisschen.“ „Werom ess daut?“ „Plautdietsch haben wir verlernt“, antwortet Sara Fast für ihren Enkel.
„Wout fa Mennisten siet jie dan?“„Unsere Eltern waren Lehrer. Sie haben ja auf Hochdeutsch unterrichtet in der Kolonie. Und mit uns haben sie auch nur Hochdeutsch gesprochen.“ „Soowout!“ Oma Peters nickt und legt die Hände übereinander. Dann schüttelt sie den Kopf. „Mennisten, dej nich Plautdietsch riede. Soowout jefdet uk!“
Das eigentlich Besondere ist Elli Unruhs Ton: Sie erzählt mit traumwandlerischer Leichtigkeit und poetischem Gespür, und sie tut das in einer Sprache, die mit plattdeutschen Vokabeln durchsetzt und von einer genauen Einfühlungsgabe genährt ist.
Atmosphärischer Schreibstil
Man kann nicht recht glauben, dass die Autorin damals selbst nicht dabei gewesen war, dass sie diesen Text rund um Erzählungen der Familie und aus historischen Aufzeichnungen gewoben hat.
Aber gerade mit ihrer atmosphärisch-prägnanten Sprache erschafft sie eine verschwundene Lebenswirklichkeit neu, ob sie von einem paradiesischen Apfelgärtchen schreibt oder von der abendlich-melancholischen Stimmung am Ende einer Hochzeitsfeier:
„Die Kälte kriecht aus der Erde, kommt über lange Schatten und hinter Mauerecken hervor. Sie breitet sich über den Hof, geht zwischen die Bänke und knabbert der Gesellschaft an den Beinen.“
Es folgt ein Konzert der Hunde. Nach und nach erlischt die Abendsonne, glimmt einmal noch auf und gibt sich artig in den dunkelblauen Horizont. Das Gebell hallt ihr nach wie heiseres Glockenwerk.
Quelle: Elli Unruh – Fische im Trüben
Im Herbst 1987 ging es los
Die kindliche Perspektive des neunjährigen Krocha, jene seiner Tante Hedi, deren erste Liebessehnsucht ausgerechnet einem Russen gilt, und die des schon erwähnten Heinrich: Es sind drei ganz unterschiedliche Wahrnehmungsweisen, die Unruh zusammenführt.
Unbekümmertheit und Neugier, Sorge und Wissen um die menschliche Grausamkeit, die gerade in den 1940er Jahren allgegenwärtig war. Nach und nach entsteht so ein Panorama.
Das Dunkle, die Anfeindungen, die Vertreibungen – das lässt Unruh auf fast beiläufige Weise einfließen, aber es grundiert das Leben der Menschen, es ist ein Erbe, das zur Wachsamkeit erzieht und zum Erinnern zwingt.
Erzählt wird von dieser Gemeinschaft schon aus dem Rückspiegel. Denn mit der Perestroika bieten sich Möglichkeiten, der Enge und Fremdheit zu entfliehen – zumindest entsteht die Hoffnung auf ein anderes Leben.
Im Herbst 1987 ging es los. Auf einmal verschwanden überall die Leute. Bald standen halbe Dörfer leer. Die Menschen hat als ob ein Fieber ergriffen. Ihre Pupillen sind geweitet, schwer zu sagen, ob vor Freude oder Angst.
Quelle: Elli Unruh – Fische im Trüben
Mit der Ambivalenz eines Aufbruchs nach Deutschland endet dieser Roman, 1987, im Geburtsjahr der Autorin. Dass das Verlorene dennoch nicht verschwindet, dafür ist die Literatur da. Elli Unruhs Roman gelingt die Vergegenwärtigung des Vergangenen in einer passgenauen Form.

Mar 11, 2026 • 6min
Beobachtung ohne Befund: Warum Sophie Passmanns „Wie kann sie nur?“ scheitert
Viele Fragen über It-Girls
Taylor Swift ist die Größte. Eingecremt will Supermodel Hailey Bieber aussehen, wie ein glasierter Donut. Lorelai Gilmore und Carrie Bradshaw sind „Hot Mess Girls“, attraktiv, aber auch ein bisschen chaotisch:
In 14 Kapiteln schreibt Sophie Passmann in „Wie kann sie nur?“ von Internetphänomenen, von Girlhood und Skincare, Diätkultur, Tradwives, Greta Gerwigs Film „Barbie“, Lana Del Rey und Billie Eilish.
Passmann ist eine begabte Sammlerin. Sie weiß, welcher Slang im Netz kursiert. Das ist gut beobachtet und unterhaltsam.
Der Text wirkt aber eher wie ein Glossar, das viele Trendbegriffe listet, aber keine Argumente bietet. Und das ist das Kernproblem des Essays: Antworten oder gar Thesen liefert Passmann nicht.
Stattdessen: viele Fragen, im Buchtitel und als ein wiederkehrendes strukturierendes Element:
„Ist Make-up, das Männern gefällt, automatisch ein schlechtes Zeichen?“ oder „Ist das Problem mit Kylie Jenner, dass sie zu viel oder zu gut „gemacht“ ist?“
Tradwives ohne gesellschaftlichen Kontext
Das klingt zunächst nach produktiver Offenheit. Tatsächlich weigert sich Sophie Passmann aber, ihre Beobachtungen ordentlich zu kontextualisieren oder theoretisch einzuordnen.
Ein Beispiel: Tradwives – jene Bewegung, in der junge Frauen online die Rückkehr zur Hausfrau als Lifestyle inszenieren. Passmann beschreibt die Ästhetik, benennt Vertreterinnen wie Nara Smith als missverstandene Satirikerin, die mormonische Influencerin Ballerina Farm als kluge Geschäftsfrau, blendet aber den großen, gesellschaftlichen Kontext aus:
Tradwives als Symptom eines organisierten Kulturkampfes im Zuge des Erstarken der Rechten. Dass digitaler Frauenhass ein politisches Phänomen ist, ein Instrument im rechten Kulturkampf – koordiniert, von Plattformökonomie auch noch begünstigt –, wird nicht benannt.
Daneben: Schönheitsstandards und Diätkultur, die das Netz dominieren. Dazu die feministische Theoretikerin Naomi Wolf: „Eine Kultur, die sich auf Dünnheit von Frauen konzentriert, ist nicht besessen von weiblicher Schönheit, sondern von weiblichem Gehorsam.“
Das Argument zitiert Passmann – und lässt es wieder fallen.
Werbeplakate in Berlin
Passmann schreibt über eine Welt, die von Schönheitsnormen profitiert, sie selbst arbeitet als Werbepartnerin von Kosmetikmarken.
Zur Buchveröffentlichung sieht man in Berlin ein hauswandgroßes Plakat, auf dem ihr Gesicht dreimal so groß abgebildet ist wie das Cover. Keine Pore ist erkennbar.
Ein analytisches Problem
Das soll kein moralischer Vorwurf sein, Werbepartnerschaften gehören zur ökonomischen Realität von Autorinnen. Das Problem ist ein analytisches: Wer die Schönheitsindustrie kritisiert, ohne die eigene Rolle in der kapitalistischen Verwertungskette zu erwähnen, beschreibt nur die Hälfte.
Feministinnen, die ähnliche Widersprüche produktiv gemacht haben, taten das, indem sie sie benannten, Roxanne Gay in ihrem Buch „Bad Feminist“ etwa.
Passmanns Widerspruch bleibt unbenannt, intersektionale Kategorien wie Race oder Klasse tauchen nicht auf. Damit schließt Passmann die Lebensrealitäten vieler Frauen schlicht aus.
Argumente einer Privatperson
Hinzu kommt eine Lücke, die Passmann öffnet, ohne sie zu sehen: Sie argumentiert als Privatperson. Als jemand, der den Sog von It-Girls und Perfektionsanspruch distanziert beobachtet und bestaunt. So heißt es:
„Mein Aussehen ist das Aussehen von allen Frauen. Ich bin Teil davon, ich bin auch alle Frauen. Und wie ich aussehe, ist der Versuch, mich durch eine Welt zu navigieren, die sich verschiedene Optionen dafür bereitgelegt hat, wie ich als Frau eventuell sein könnte, aber sicherstellt, dass keine von diesen Optionen bedeutet, dass ich erfolgreich bin.“
„Weder feministisch noch unfeministisch“
Dabei ist sie als Influencerin mit großer Followerschaft durchaus erfolgreich und als solche agiert sie nicht als Privatperson. Ihr Handeln hat Konsequenzen. Die Ansicht einer Person mit ihrer Reichweite wirkt anders als die einer Unbekannten. Diese nötige Selbstreflektion fehlt.
Passmanns Kernhaltung: „weder feministisch noch unfeministisch“. Das ist leider keine Differenziertheit, sondern eine dialektische Sackgasse. Dort landet Passmanns Argumentationsstruktur häufig.
Los Angeles im Abspann
Das Buch endet in Los Angeles. Im letzten Kapitel bereist Passmann den Ort, wo die meisten It-Girls wohnen. Dort schaut sie Videos, in denen sie kritisiert wird, liest die Kommentare und bilanziert:
„Heute lese ich mir das alles nur durch, um mich daran zu erinnern, dass diese Menschen keine informierten Urteile treffen. Sie kennen mich nicht, deswegen können sie mich gar nicht mögen.“
Indem dieser Schlussmoment Kritik und Hass zusammenfließen lässt, entledigt sich das Buch einer Unterscheidung, die fundamental wäre: Hass ist Hass. Kritik ist Diskurs.
Wer beides gleichsetzt, macht sich selbst unangreifbar – das ist die Schließung eines Textes gegen Einwände, die er selbst eingeladen hat.
Was will dieses Buch?
„Wie kann sie nur?“ ist assoziativ, leicht zugänglich, die Sprache ist einfach. Die gesammelten Reflektionen wären als popkulturelle Melancholie noch vertretbar, wenn die Lage nicht so ernst wäre.
Wenn das Internet nicht so eine Macht hätte, Normen zu setzen, die Frauen real schaden. Feministische Kulturkritik mit großer Reichweite ist notwendig. Aber sie wird nur dann wirksam, wenn sie sich traut, den nächsten Gedanken zu denken. Passmann bleibt meist einen oder zwei Gedanken zu früh stehen.

Mar 11, 2026 • 5min
Liebesporträt der Generation Trennungsunfähig - Dana von Suffrin über „Toxibaby“
13 Trennungen in drei Jahren haben Herzchen und Toxi hinter sich. Eine On-Off-Beziehung, über die Herzchen sagt:
Ich hatte nicht gewusst, wie sehr man sich an Terror gewöhnen kann und wie sehr man ihn sogar liebgewinnt.
Quelle: Toxibaby - Dana von Suffrin
Lieb haben sich Herzchen und Toxi – aber eben nur phasenweise. Ein Liebesportrait ihrer Generation habe Dana von Suffrin schreiben wollen. Und wenn man dieses Portrait liest, verfällt man in ein wohliges Schaudern.
Wie füreinander bestimmt
Dana von Suffrin bringt mit Herzchen und Toxi ein Paar zusammen, das sich so oder so ähnlich in vielen schönen Altbauwohnungen von Berlin bis München zoffen könnte – und dabei dieselbe Sehnsucht in sich trägt:
„Alle sehnen sich nach einer perfekten Karriere, nach einer perfekt kuratierten Wohnung, nach einem perfekten Körper und nach einer perfekten Beziehung. Und das scheint dann doch ein bisschen viel zu sein“, erzählt die Autorin.
Und auch Herzchen und Toxi waren der festen Überzeugung, sie wären füreinander bestimmt. Wie Platons Kugelmenschen hätten sie zueinander gefunden, zwei halbe Kugeln, die perfekt aufeinander passen.
Herzchens Retterinnen-Syndrom
Dass es zwischen beiden immer wieder funkt, liegt nicht nur an der gegenseitigen Anziehung, sondern auch an Herzchens beherztem Einsatz: Sie leidet am Retterinnen-Syndrom und ist der festen Überzeugung, die Frau zu sein, die Toxi zum Guten verändern könnte. Und vielleicht liegt im Liebesterror auch ein großer Lustgewinn?
„Ich glaube das auf jeden Fall, aber ich bin auch Freudianerin, und zwar wirklich bekennende. Und bei Freud wissen wir das eben auch, also der Lustgewinn äußert sich nicht immer so auf ganz offensichtliche Art und Weise und die Leute sind oft auf der Suche nach etwas, das sie eher in ihrem Todestrieb bestätigt“, so Dana von Suffrin.
Im Kraftfeld zwischen Todestrieb und Lebenstrieb bewegt sich auch Toxi. Er ist ein sehr schöner, mit viel Geschmack gekleideter Mann. Alle philosophischen und soziologischen Standardwerke hat er gelesen.
Alles außer ein anständiger Bürger
Einen richtigen Job oder Geld hat der Anfang 40-Jährige allerdings nicht. Will er auch nicht, denn für ihn gibt es nichts Schlimmeres als sich anzupassen und gesellschaftliche Erwartungen zu erfüllen.
Sein Ziel: bloß kein anständiger Bürger zu werden. Mit dieser Haltung geht es ihm allerdings alles andere als gut. Toxi leidet an der Welt.
„Toxi verweigert sich dem Ganzen, aber er verweigert sich auch nicht wirklich. Denn diese Art, wie er mit der Gesellschaft in Kommunikation tritt, sei es jetzt nur durch Aussehen, Kleidung, die ist dann ja doch auch wieder sehr an die Erfordernisse des Marktes angepasst“, erklärt von Suffrin.
„Also selbst, wenn man eine Nische schafft mit seiner Persönlichkeit, ist man ja erst recht Teil dieses Marktes. Es gibt da gar kein Entkommen.“
Kapitalismus und Romantik
Liebe im Spätkapitalismus wird konsumierbar – und wenn sie einem nicht mehr schmeckt oder zu anstrengend ist, wirft man sie eben weg und widmet sich dem nächsten Date – das Angebot auf dem Markt ist ja groß genug.
Wie der Kapitalismus die Romantik korrumpiert, hat die Soziologin Eva Illouz treffend analysiert. Dana von Suffrin liefert den Roman zur Analyse. Ihre Figuren Herzchen und Toxi sind eine Parodie der liebenden, helfenden Frau und des toxischen, egoistischen Mannes.
Dabei ist Herzchen keinesfalls verblendet. Das Tragische ist, dass sie ganz genau weiß, worauf sie sich mit ihm einlässt. Toxi mit all seinen widersprüchlichen Seiten seziert sie einem schwindelerregenden Erzähltempo. Nur durch Kommata getrennt schrauben sich ihre Sätze in die Höhe, voller Dramatik, Witz und Tempo.
Zwischen Zwang und Besessenheit
Und tragischerweise klappt es nicht einmal im Bett mit den beiden:
„Toxi konnte sich nicht entspannen, er hatte keinen Humor, er war zwanghaft und hatte keine Fantasie, und ich wiederum wurde immer besessener von Sex und nichts auf der Welt kam mir begehrenswerter vor, und ich griff zu Toxis Entsetzen ständig in seine Unterhose, wo eine kalte, schwer atmende Muräne saß und ängstlich auf Störenfriede lauerte.“
Toxi zog meine Hand wieder heraus und wurde jedes Mal wütend, und ich fiel auf den Meeresgrund wie ein Hai, dem man die Flossen abgeschnitten hatte.
Quelle: Toxibaby - Dana von Suffrin
Generation Trennungsunfähig
Generation Beziehungsunfähig werden Millennials, also Menschen zwischen Ende 20 und Anfang 40, gerne betitelt.
Doch vielleicht trifft es Generation Trennungsunfähig eher: Wenn sich Herzchen und Toxi trennen, dann machen sie sich aus dem digitalen Staub und blockieren den Kontakt. Und gleichzeitig scheint es kein dauerhaftes Entkommen für die beiden zu geben, sie werden einander nicht los.
Beziehungs-Yo-Yo nennt das Dana von Suffrin.
Und wer weiß, vielleicht ist ihr unheimlich bitterböses und kluges Buch nicht nur unterhaltsam, sondern sogar heilsam für alle, die mal Toxi mal Baby sind.

Mar 10, 2026 • 7min
Wo Männer noch mit der Sense herumlaufen – Dana Grigorceas Roman „Tanzende Frau, blauer Hahn“
Die Nachricht vom Tod eines Freundes im spanischen Valencia setzt die Erzählbewegung dieses Romans in Gang: Hat Camil tatsächlich Kupferkabel in einem verlassenen Industrieschiff stehlen wollen? Im Raum mit dem Generator hat es vermutlich einen Knall gegeben, und den folgenden Stromschlag konnte der Einbrecher nicht überleben.
Camil, erklärt die Ich-Erzählerin, „war mein bester Freund, mein erster.“ – mit diesem Eingeständnis beginnt eine Erinnerungsreise zurück in die Zeit „nach der Wende“: Jahr für Jahr fährt Roxana mit dem Zug von Bukarest nach Bușteni, in eine Kleinstadt in den Karpaten.
„Zuerst fuhr der Zug an der Papierfabrik vorbei, die mit ihren vielen Gebäuden und umzäunten Arealen beinahe selbst eine kleine Stadt war. Als die kommunistische Unterstützung wegfiel, wurde die Produktion an den uralten Kesseln und Walzen nach und nach gedrosselt; so bröckelte das Gelände vor sich hin“, heißt es in dem Roman.
Und weiter:
„Hier und da wuchsen Gräser und roter Klatschmohn, zwischen den verwitterten Schuppen fanden sich die Hunde in Rudeln ein, und wenn ihr Gebell anschwoll, waren auch die ausgewachsenen Bären gekommen.“
Das Liebesleben der Dorfbewohner
In Bușteni verbringt Roxana ihre Sommerferien bei Großmutter und Großtante. Im Garten der beiden Damen findet sich regelmäßig die heimische Bevölkerung ein, und bald lernt die junge Städterin auch Camil kennen, der in der heruntergekommenen „Eisenbahnersiedlung“ wohnt.
Die beiden verstehen sich gut, spazieren durch die malerische Landschaft und machen sich einen Spaß daraus, über das Liebesleben der Dorfbewohner nachzusinnen.
Ganze Sommer lang folgten wir den Geschichten aus nächster Nähe, und wenn sie ins Stocken gerieten, griffen wir ein.
Quelle: Dana Grigorcea – Tanzende Frau, blauer Hahn
Der Sieg der Fantasie
Letzten Endes siegt die Fantasie immer in den Liebesvariationen der beiden. Viele Geschichten beginnen realistisch, handeln von Sehnsüchten und Enttäuschungen. Könnte der Verdacht aufkommen, die rumänische Provinz werde als postsozialistische Idylle beschrieben, mehren sich die surrealen, manchmal auch schockierenden Momente.
Da ist eine erfolgreiche Anwältin, die in ihrem Haus einen Kirschbaum wachsen lässt. Tatsächlich reißt sie das Gebäude irgendwann Stein für Stein ab, damit der „Wunschbaum“ gedeihen kann. Den notorisch untreuen Gatten hat die Frau rechtzeitig in eine Baracke gesperrt, wo er bald stirbt.
In solchen Szenen wirkt Bușteni wie der Schauplatz einer bizarren Telenovela. Kein Wunder, schauen die Bewohner doch ständig Fernsehserien, etwa die unendliche Geschichte der „Sklavin Isaura“, deren Hauptfigur so aussieht wie die schönste, aber auch einsamste Frau im Ort.
Zu unseligen Zeiten der Diktatur musste die spätere Frau Helman einen kleinwüchsigen Typen heiraten, der ständig mit einer viel zu großen Sense herumläuft.
Irgendwann promenieren Herr und Frau Helman gemeinsam durch den Ort, vielleicht weil sie eine Playboy-Ausgabe inspiriert hat, in der die Darstellerin der Isaura im Eva-Kostüm samt Schlange zu sehen ist.
Noch nie habe sich eine Ausgabe dieser Zeitschrift so gut verkauft wie die mit der Sklavin Isaura, sagte der Kioskbesitzer (…), und zu jeder Isaura verkaufe er noch eine Tageszeitung, um sie darin zu verstecken.
Quelle: Dana Grigorcea – Tanzende Frau, blauer Hahn
Ein bitterschöner Roman übers Geschichtenerzählen
Es gibt auch deutlich düstere Begebenheiten: Die in ärmlichsten Verhältnissen lebende Ana-Mia wird verspottet und von gemeinen Nachbarn aufgefordert, mit der selbstgebastelten Gummischleuder auf ihren zweibeinigen Hund zu schießen.
Das Geschichtenerzählen vollzieht sich in Dana Grigorceas bitterschönem Roman auf mehreren Ebenen: Denn in den Episodenlauf der Geschichten ist ein zweiter, kursiv gesetzter Erzählstrang eingeflochten, der von einer Schriftstellerin auf Lesereise handelt.
Sie ist mit einem deutlich älteren Klavierspieler namens Thierry unterwegs. Während die Autorin auf der Bühne Liebesgeschichten aus Bușteni vorträgt, bemüht sich der Mann an den Tasten, der Literatur auch musikalisch gerecht zu werden. Doch die Schriftstellerin ist ständig unzufrieden.
„Ana-Mia kommt nicht bei allen im Publikum sympathisch rüber, hat sie festgestellt. Viele nehmen Roxanas Perspektive ein, sehen Ana-Mia als ein störendes, abseitiges Kind. Dabei liegt ihr viel daran, dass die Leute sie mögen. Vielleicht kann Thierrys Musik unterstützen“, schreibt Grigorcea.
Das Rätsel um die Perspektive
In den Erzählungen aus Bușteni kommen sich Camil und Roxana jeden Sommer ein wenig näher, aber das Glück der große Liebe bleibt ihnen versagt. Die Schriftstellerin und der Musiker landen auf ihrer Tour nahezu zwangsläufig im Bett.
Obwohl auch dieser Beischlaf keine Erfüllung bringt, liefert die Sex-Szene immerhin eine Überraschung hinsichtlich der Frage, wer hier überhaupt für welche Geschichte verantwortlich ist.
Das Rätsel um die Erzählperspektive ist dabei keineswegs nur ein literarisches Spiel. Dass nicht das belesene und umschwärmte Mädchen aus gutem Hause sich zur Schriftstellerin entwickelt, sondern die soziale Außenseiterin, ist kein Zufall, sondern verweist auf den politischen Kern dieses Romans.
So sind die Liebesverwirrungen in „Tanzende Frau, blauer Hahn“ immer Teil einer gesellschaftlichen Entwicklung. Zu Roxanas Verehrern in Jugendtagen gehörte auch Ovidiu.
Der rumänische Name mit lateinischem Ursprung heißt wörtlich übersetzt: Schafhirte. Doch dieser Ovidiu führt sich und seine Herde in den Abgrund.
Während des Studiums hat er sich zum übergriffigen Verführer entwickelt, womit der Schritt zum rücksichtslosen Karrieristen folgerichtig erscheint.
In jeder Liebesvariation lauert ein Abgrund
„Einige Jahre später wurde Ovidiu Präsident der rumänischen Post, bevor er in der Politik Karriere machte als jener ominöse Minister für Umwelt und Tourismus, der das Projekt mit dem Dracula-Park in Transsylvanien wieder aufgenommen hatte und dafür Aktien verkaufte in Milliardenhöhe, bevor das Projekt am Widerstand der Naturschutzaktivisten scheiterte.“
Das ist gewiss als kleine Referenz an Grigorceas Roman „Die nicht sterben“ zu lesen, in dem es unter anderem auch um verfehlte Vampir-Vermarktung in Transsylvanien geht. „Tanzende Frau, blauer Hahn“ ist ein kleines Meisterstück der erzählerischen Doppelbödigkeit.
Die Paargeschichten im postsozialistischen Rumänien sind durchweg im heiteren, schelmischen Tonfall gehalten, aber in jeder Liebesvariation lauert ein Abgrund.
Als bekennender Opernfan spielt Grigorcea gekonnt mit musikalischen und literarischen Motiven in einem Roman, der dem Hochgefühl in Dur grundsätzlich eine Krise in Moll folgen lässt.

Mar 9, 2026 • 4min
Glück suchen und sich vom Glück finden lassen
Als der berühmte Psychotherapeut Paul Watzlawick Anfang der 1980er Jahre seine „Anleitung zum Unglücklichsein“ veröffentlichte, parodierte er damit die zahllosen Ratgeber zum Glücklichsein, die in den Vereinigten Staaten schon damals unglaublich populär waren.
Selbstverständlich ging es Watzlawick nicht darum, seine Leser tatsächlich unglücklich zu machen. Er wollte vielmehr zeigen, dass die angestrengte und verzweifelte Suche nach dem Glück oft ihr Gegenteil zur Folge hat und dass sich die meisten Menschen letztlich mehr Mühe mit ihrem Unglück geben als mit der Verbesserung ihrer Fähigkeit, Glück zu empfinden.
Die Paradoxie des Glücks
Diese Beobachtung bildet auch den Ausgangspunkt der „25 Lektionen zum Glück“, die Peter Finger in seinem Buch mit dem Untertitel „schnell und einfach glücklich werden“ präsentiert.
Finger ist Lehrer an einer Berufsschule und zusätzlich Dozent für das Fach „Glück“, und er hat sich vorgenommen, seinen „Glücksunterricht“ an genau dieser Beobachtung auszurichten:
„Mit diesem Buch möchte ich dir den Druck nehmen, ständig glücklich und erfolgreich sein zu müssen. Denn Menschen, die immer nur glücklich sein wollen, verfehlen das eigentliche Ziel leider oft. Je höher der Stellenwert von Glück in ihrem Leben, desto unglücklicher sind sie.“
Der Imperativ des Glücks
Inzwischen ist die Welle der populären Ratgeber längst aus Amerika auch zu uns herüber geschwappt. Überall werden Tipps angepriesen, wie man sich optimieren und mehr Erfolg haben kann, wie man besser genießen und seine Lust steigern kann, und natürlich auch, wie man rundum glücklich wird. Die Suche nach dem Glück ist längst umstellt vom Imperativ, glücklich zu sein.
Das Wichtigste ist für Finger daher zunächst einmal, zwischen einem „episodischen Glück“ und einer „grundsätzlichen Lebenszufriedenheit“ zu unterscheiden. Weil sich das „episodische Glück“ nicht einfach wiederholen lässt und darüber hinaus auch noch süchtig machen kann, rät er dazu, das individuelle „Glücksportfolio“ nicht daran auszurichten:
„Die Basis für euer Glück ist eine grundsätzliche Lebenszufriedenheit. Diese bildet in eurem Portfolio das Fundament und sollte breit aufgestellt sein, also auf unterschiedlichen Säulen stehen, etwa Beruf, Familie, Freunde und Hobbys. Das episodische Glück sollte […] in eurem Portfolio keinen zu hohen Stellenwert besitzen.“
Die Logik des Glücks
Um seine Fähigkeiten zur Glücksempfindung zu verbessern, ist es für Finger allerdings nicht nur wichtig, sich die stabilen Glücksquellen des Alltags und im Sozialleben zu vergegenwärtigen.
Entscheidend ist, sich mit den Ursachen seiner Ängste und Frustrationen auseinanderzusetzen, die zu den größten Hindernissen auf dem Weg zu einem gelungenen Leben zählen.
Denn glücklich zu sein, ist für Finger kein Ziel, das sich willentlich erreichen lässt, sondern ein Zustand, der sich von selbst einstellt, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.
Das Selbstbild und eine positive Zukunft
Dazu gehört nicht nur eine gute Selbstkenntnis, sondern auch die Bereitschaft, sich wo nötig von der eigenen Vergangenheit loszusagen und auf eine offene Zukunft hin zu entwerfen:
Das Entscheidende ist, dass wir unser Selbstbild nicht hauptsächlich über unsere Vergangenheit, sondern stärker über eine positive Zukunft definieren.
Quelle: Peter Finger – In 25 Lektionen zum Glück. Schnell und einfach glücklich werden
„Wie wir bereits gelernt haben, konstruiert unser Gehirn unsere Zukunft auf der Grundlage unserer Erfahrungen und Erinnerungen. Es blickt also zurück und nicht nach vorn.“, schreibt Finger weiter.
Zu Wort kommen bei Finger sowohl die antiken Philosophen einer stoischen Lebensführung als auch die aktuelle Glückforschung. Ausgehend von der Annahme, dass man Glücklichsein zwar nicht ohne Weiteres lernen, aber doch erstaunlich viel dafür tun kann, gelingt es Finger hervorragend, deren Einsichten einem breiten Publikum verständlich nahezubringen.

Mar 8, 2026 • 52min
Neue Bücher von Helene Bukowski, Son Lewandowski, Anja Gmeinwieser, Marina Vujčić und Clara Leinemann
Zum Internationalen Frauentag am 8. März widmen wir das SWR Kultur lesenswert Magazin Romanen und Autorinnen, die gegen strukturelle Gewalt und Machtmissbrauch anschreiben.


