
SWR Kultur lesenswert - Literatur Glück suchen und sich vom Glück finden lassen
Mar 9, 2026
04:09
Als der berühmte Psychotherapeut Paul Watzlawick Anfang der 1980er Jahre seine „Anleitung zum Unglücklichsein“ veröffentlichte, parodierte er damit die zahllosen Ratgeber zum Glücklichsein, die in den Vereinigten Staaten schon damals unglaublich populär waren.
Selbstverständlich ging es Watzlawick nicht darum, seine Leser tatsächlich unglücklich zu machen. Er wollte vielmehr zeigen, dass die angestrengte und verzweifelte Suche nach dem Glück oft ihr Gegenteil zur Folge hat und dass sich die meisten Menschen letztlich mehr Mühe mit ihrem Unglück geben als mit der Verbesserung ihrer Fähigkeit, Glück zu empfinden.
Die Paradoxie des Glücks
Diese Beobachtung bildet auch den Ausgangspunkt der „25 Lektionen zum Glück“, die Peter Finger in seinem Buch mit dem Untertitel „schnell und einfach glücklich werden“ präsentiert. Finger ist Lehrer an einer Berufsschule und zusätzlich Dozent für das Fach „Glück“, und er hat sich vorgenommen, seinen „Glücksunterricht“ an genau dieser Beobachtung auszurichten: „Mit diesem Buch möchte ich dir den Druck nehmen, ständig glücklich und erfolgreich sein zu müssen. Denn Menschen, die immer nur glücklich sein wollen, verfehlen das eigentliche Ziel leider oft. Je höher der Stellenwert von Glück in ihrem Leben, desto unglücklicher sind sie.“Der Imperativ des Glücks
Inzwischen ist die Welle der populären Ratgeber längst aus Amerika auch zu uns herüber geschwappt. Überall werden Tipps angepriesen, wie man sich optimieren und mehr Erfolg haben kann, wie man besser genießen und seine Lust steigern kann, und natürlich auch, wie man rundum glücklich wird. Die Suche nach dem Glück ist längst umstellt vom Imperativ, glücklich zu sein. Das Wichtigste ist für Finger daher zunächst einmal, zwischen einem „episodischen Glück“ und einer „grundsätzlichen Lebenszufriedenheit“ zu unterscheiden. Weil sich das „episodische Glück“ nicht einfach wiederholen lässt und darüber hinaus auch noch süchtig machen kann, rät er dazu, das individuelle „Glücksportfolio“ nicht daran auszurichten: „Die Basis für euer Glück ist eine grundsätzliche Lebenszufriedenheit. Diese bildet in eurem Portfolio das Fundament und sollte breit aufgestellt sein, also auf unterschiedlichen Säulen stehen, etwa Beruf, Familie, Freunde und Hobbys. Das episodische Glück sollte […] in eurem Portfolio keinen zu hohen Stellenwert besitzen.“Die Logik des Glücks
Um seine Fähigkeiten zur Glücksempfindung zu verbessern, ist es für Finger allerdings nicht nur wichtig, sich die stabilen Glücksquellen des Alltags und im Sozialleben zu vergegenwärtigen. Entscheidend ist, sich mit den Ursachen seiner Ängste und Frustrationen auseinanderzusetzen, die zu den größten Hindernissen auf dem Weg zu einem gelungenen Leben zählen. Denn glücklich zu sein, ist für Finger kein Ziel, das sich willentlich erreichen lässt, sondern ein Zustand, der sich von selbst einstellt, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.Das Selbstbild und eine positive Zukunft
Dazu gehört nicht nur eine gute Selbstkenntnis, sondern auch die Bereitschaft, sich wo nötig von der eigenen Vergangenheit loszusagen und auf eine offene Zukunft hin zu entwerfen:Das Entscheidende ist, dass wir unser Selbstbild nicht hauptsächlich über unsere Vergangenheit, sondern stärker über eine positive Zukunft definieren.„Wie wir bereits gelernt haben, konstruiert unser Gehirn unsere Zukunft auf der Grundlage unserer Erfahrungen und Erinnerungen. Es blickt also zurück und nicht nach vorn.“, schreibt Finger weiter. Zu Wort kommen bei Finger sowohl die antiken Philosophen einer stoischen Lebensführung als auch die aktuelle Glückforschung. Ausgehend von der Annahme, dass man Glücklichsein zwar nicht ohne Weiteres lernen, aber doch erstaunlich viel dafür tun kann, gelingt es Finger hervorragend, deren Einsichten einem breiten Publikum verständlich nahezubringen.Quelle: Peter Finger – In 25 Lektionen zum Glück. Schnell und einfach glücklich werden
