Archivradio – Geschichte im Original

SWR
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Jun 2, 2021 • 53min

Zermürbung des Angeklagten Otto Fleischer | 1953

Zu hören ist vermutlich der zweite Teil des ersten Verhandlungstags, der Nachmittag des 21. September 1953. Es beginnt die Zermürbung des Hauptangeklagten. Staatsanwalt Ernst Melsheimer und Richter Walter Ziegler nehmen Fleischer, manchmal unisono gegen ihn ansprechend, in die Zange. Richter und Kläger ziehen an einem Strang Richter und Kläger zogen in diesem wie in den meisten DDR-Prozessen der 1950er Jahre an einem Strang und sie folgten dem Gedanken, dass Fleischer "ein U-Boot des Westens im Herzen der DDR-Energiewirtschaft" war. Tatsächlich wagte sich Fleischer weit vor, in dem er einem inzwischen zum Westspion gewordenen Schulfreund namens Clemens Laby detaillierte Informationen darüber lieferte, woran es dem DDR-Bergbau am meisten mangelte. Laby unterband dann genau die Lieferung dieser Ersatzteile. Fleischer saß nun zwischen allen Stühlen und nahm eine Verweigerungshaltung an, aus der ihm das Gericht schlimmste Verbrechen strickte: Sabotage und Kriegshetze.
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Jun 2, 2021 • 28min

Generalstaatsanwalt vernimmt Otto Fleischer | 1953

Ein im Ton des Generalstaatsanwalts Ernst Melsheimer scharfer Teil der Vernehmung des Angeklagten, vermutlich am 21. September 1953. Melsheimer legt dem Angeklagten, auch indem er ihn laufend unterbricht, Aussagen in den Mund, die er vermutlich ohne diesen Druck nicht abgegeben hätte. Otto Fleischer gibt seine kritische Einstellung zur DDR zu und erläutert Maßnahmen, den Bergbau zu schädigen. In diesem von der Staatssicherheit der DDR angefertigten Tonbandmitschnitt hören wir auch kurz den Verteidiger Fleischers. Verteidiger waren damals Handlanger des Gerichts.
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Jun 2, 2021 • 1h 13min

Otto Fleischer wird vernommen | 1953

Beginn der Vernehmung des Hauptangeklagten am 21. September 1953. Mit Oberrichter Walter Ziegler und, gelegentlich, Staatsanwalt Ernst Melsheimer. Das Tondokument wirft einen Blick auf den problematischen Wiederaufbau des Bergbaus nach dem Zweiten Weltkrieg und auf zentrale Figuren in dieser Industrie in Ost- und Westdeutschland. Das Verfahren fand statt vor dem 1. Strafsenat des Obersten Gerichts der Deutschen Demokratischen Republik, dem höchsten Gericht der DDR. 1953 gab es die DDR erst vier Jahre.
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Jun 2, 2021 • 37min

DDR-Strafprozess gegen Otto Fleischer beginnt am 21.9.1953 | 1/8

Dieses Verfahren fand im September 1953 vor dem 1. Strafsenat des Obersten Gerichts der Deutschen Demokratischen Republik statt, dem höchsten Gericht der DDR. 1953 gab es die DDR erst vier Jahre. Die Aufnahmen sind Teil der Tonaufnahmen der Stasi-Unterlagenbehörde Nach dem Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953, nur drei Monate vor dem Prozess, griff die Staatspartei SED über ihren Geheimdienst, die Stasi, und die Gerichte hart gegen jeden durch, der sich nicht stromlinienförmig verhielt. Zur Höchststrafe verurteilt Otto Fleischer war 52 Jahre alt, einer der renommiertesten und erfahrensten Experten für den Steinkohleabbau, der wichtigsten Brennstoffquelle für Kraftwerke und Industrie damals. Man warf Fleischer und den weiteren Angeklagten vor, mit Bergbau-Funktionären im Ruhrgebiet, also im Westen, zusammengearbeitet zu haben, um Patente, Statistiken und andere Details zu verraten und die eigenen Bergwerke in und um Zwickau zu sabotieren. Fleischer bekam die höchste Strafe. Er wurde zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Bislang unveröffentlicht Die vielen Tonbänder mit großen Teilen des Prozesses, insgesamt 30 Stunden, sind ein Fund im Audioarchiv der Stasi-Unterlagenbehörde BStU. Das Archivradio präsentierte sie erstmals ab Oktober 2013. Personen Richter Ziegler: Zeugen werden in den Saal gerufen, ihnen die Auftrittszeiten mitgeteilt. Zeugen verlassen den Saal. Sachverständige müssen immer im Saal sein. Fleischer, Otto Fritz, geboren am 30.1.1901 in Breslau, Professor der Bergkunde. Lehrstuhlinhaber. Kappler, Wilhelm, geboren am 27.2.1892, technischer Leiter im Martin Hoop Werk Zwickau. Hans Erich Hertel, geboren 1904, Diplombergingenieur, Direktor Deutschlandschacht Zwickau. Georg Robert Bank, geboren 1900, Dipl. Bergingenieur, VVB-Steinkohle Zwickau. Ludwig Kandler, geboren 1894, Bergtechniker, Grubeninspektor Karl Marx Werk Zwickau. Bruno Emil Fankhähnel, geboren 1901, Obersteiger, Bergtechniker, Karl Marx Werk Zwickau. Herbert Antonius Kribus, geboren 1905, Dipl. Bergingenieur, Planungsbüro. Konrad Arthur Kuchheida, Dipl. Bergingenieur, Konstruktionsbüro Kohle, Außenstelle Zwickau. Ziegler listet die Verteidiger auf: Rechtsanwalt Hückel für Fleischer, Kolberg für Kappler, Jeckel für Härtl, Ködel für Bank und Fankhähnel, Köhler für Kandler, Zumpe für Kriebus und Kuchheida. Stichworte Generalstaatsanwalt Melsheimer: Man war aufgebrochen, den deutschen Faschismus zu zerschlagen. DDR Werktätige, Fortschritt. Amerikanische Imperialisten mit dem Handlanger Westdeutschland. Adenauers Scheinsieg bei Bundestagswahl. Im Westen: Spione und Vaterlandsverräter gegen DDR. 17. Juni Putschversuch mit faschistischem Charakter.Steinkohle wesentlichste Energiequelle. Zwickau bedeutendstes Steinkohlevorkommen. Westdeutsche kapitalistische Grubenbesitzer untergruben das. Missstände häuften sich. Schweres Grubenunglück, 48 Bergarbeiter tot. Untersuchungen ergaben, Verbrechen waren begangen worden. Die Beschuldigten sind die umfangsreichste Schädlingsgruppe im Bergbau. Waren im Faschismus erfolgreich, DDR gab ihnen eine Chance, wurden zu Verrätern. 1947 von Deutscher Kohlenbergbauleitung (Vorläufer der Ruhrbehörde in Essen) gesteuert. Fleischer suchte 1948 Kohlenbergbauleitung auf. Hatte in Vernehmung zugegeben: Habe schon 1946 schädliche Maßnahmen unternommen, wollte flüchten. Der West-Mann Stefan: Bleiben Sie im Osten, versuchen Sie dort, die Steinkohleproduktion der DDR lahmzulegen. Sabbas und Wehrhahn waren ebenfalls dort, Laby (der Spion) 1949 nach Westberlin geflüchtet. Alle Angeklagten trafen sich zur Schwächung der DDR konspirativ.Anklageschrift zu Spionage. "Untersuchungsausschuss für freie Juristen" war Kontaktstelle für Fleischer im Westen. Dorthin übergab er auch Patente, von dort liefen sie weiter, auch an den amerikanische Harriman-Konzern.Organisierte Kriminalität. Vorsätzlich falscher Steinkohle-Abbau praktiziert, Brände und Katastrophen, Schuld an Unglücken, Martin-Hoop 4 in Zwickau. Wirtschaftsspionage. Beseitigung Oder-Neiße-Grenze konspirativ besprochen. Das sind Verbrechen nach Artikel 6, Kontrollratsdirektive Artikel 38 3 A. 3 und Befehl 160 SMAD. Richter Ziegler verliest den Eröffnungsbeschluss. Fleischer seit 22.12.1952 in Haft. Bandsignatur MfS HA IX Tb 2166.
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May 30, 2021 • 4min

Öffentliches Gelöbnis der Bundeswehrsoldaten | 31.5.1996

Wenn Bundeswehrsoldaten ihren Eid aufs Grundgesetz ablegen, fand das früher nur in den Kasernen statt. 1980 gab es erstmals eine große öffentliches Gelöbnisfeier im Bremen Weserstadion, aber die wurde von teils gewalttätigen Demonstranten so massiv gestört, dass die Bundeswehr bis auf Weiteres darauf verzichtete. Erst 1996 initiiert der damalige Bundesverteidigungsminister Volker Rühe wieder ein großes öffentliches Gelöbnis, und zwar in Berlin. Seitdem gibt es diese Feiern regelmäßig. Obwohl das Gelöbnis auch 1996 keineswegs störungsfrei ablief.
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May 28, 2021 • 5min

Start der ICE-Züge – mit peinlicher Panne | 31.5.1991

ICE – der neue Hochgeschwindigkeitszug der Bahn Kaum vorstellbar: Bis 1991 war der Intercity das Schnellste, was die Bahn zu bieten hatte. Doch dann die Revolution: Bahnfahren mit 250 Stundenkilometern. Von München nach Hamburg in fünfeinhalb Stunden. Züge mit Büroabteilen und Kopfhöreranschluss. Die neuen Züge sollten ursprünglich HGZ heißen, Hochgeschwindigkeitszüge, aber dann entscheidet sich die Bundesbahn doch für den international verständlicheren Namen Intercityexpress, kurz ICE. Am 29. Mai 1991 wurde der ICE offiziell in Betrieb genommen. Die großen Feierlichkeiten, vor allem in Baden-Württemberg, fanden am 31. Mai statt. Erwin Teufel: "Neue Epoche nach der Erfindung des Rades" Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel ist begeistert bei der großen Einweihungsfeier am Stuttgarter Hauptbahnhof und spricht von einer „neuen Epoche 5000 Jahre nach der Erfindung des Rades“. Teufel nimmt anschließend an einer Schnupperfahrt von Stuttgart nach Mannheim statt. Neue Bahnhöfe und Trassen Es sind nicht nur die schnellen Züge, die das Bahnfahren beschleunigen, sondern auch zum Beispiel der neue Durchgangsbahnhof Kassel-Wilhelmshöhe oder neue Trassen wie die zwischen Göttingen und Würzburg sowie Stuttgart und Mannheim, die für den ICE reserviert sind und ein paar Abkürzungen mit sich bringen. Allerdings: Als die neugierigen Besucher in Mannheim auf die Schnupper-ICEs aus Stuttgart und Frankfurt warten, kommt es gleich – imagegerecht – zu einer Verspätung. Einer der Züge hat eine technische Panne ... Fahrplanwechsel am 2. Juni 1991 Mit dem offiziellen Fahrplanwechel am 2. Juni 1991 geht der ICE schließlich in den Regelbetrieb. Archiv des SWR: W0033088
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May 14, 2021 • 13min

Suchdienst Rastatt fahndet nach Kriegs-Vermissten | März 1951

1951, 6 Jahre nach dem Krieg, werden noch immer viele Soldaten vermisst. Auch von etlichen Zivilpersonen fehlt noch immer jede Spur. Um nach diesen Personen zu fahnden, werden Suchdienste aufgebaut, zunächst dezentral in den verschiedenen Besatzungszonen, schließlich werden sie zentralisiert. Die Aufgabenverteilung schildert zunächst der folgende Bericht vom 20. März 1951. Für „alles was im Osten vermisst ist“, ist der der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes in München zuständig. Für Zivilisten der Suchdienst der Caritas, ebenfalls in München. Rastatt ist zuständig für „alles, was im Westen vermisst ist“. Wobei mit „alles“ in diesem Fall Soldaten gemeint sind und der „Westen“ von Skandinavien über Frankreich bis Afrika reicht. Anschließend hören wir, wie der Suchdienst vorgeht und arbeitet. Darauf geht insbesondere der zweite Bericht von Reporter Reinhard Albrecht noch einmal näher ein. Er wird am 29. März 1951 gesendet. Zum 31.10.1951 wurde der Rastatter Suchdienst aufgelöst. Im Bild: Karteikarten vermisster und toter deutscher Soldaten in einem Karteikasten des Deutschen Suchdienstes München
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May 13, 2021 • 29min

Konrad Zuse erzählt, wie er 1941 den Computer erfand | 17.5.1984

Konrad Zuse baute 1941 den ersten programmgesteuerten Computer der Welt: Z3. Schüler befragten Zuse 1984 zur Funktion, aber auch zur Ethik militärischer Anwendungen. Konrad Zuse baute zuerst "Z1" – einen mechanischen Rechner. Später, 1941, baute er mit "Z3" den ersten universellen Computer. "Z" stand für "Zuse". Schon während des Studiums, so Zuse, habe er begonnen, die Idee eines Computers zu verwirklichen. Der Pionier erklärt, wie sein erster Computer funktionierte und mit welchen Problemen Erfinder bei der Fehlerbeseitigung in ihren Erfindungen zu kämpfen hätten. Der ethischen Frage nach möglichen militärischen Anwendungen seines Rechners weicht Zuse aus. Es läge irgendwann nicht mehr in der Hand des Erfinders, auf die Verwendung seiner Erfindungen Einfluss zu nehmen. Zuse: "Amerikaner und Japaner waren schlicht cleverer." Warum er nicht zu den bekanntesten Erfindern der Welt gehört, erklärte er folgendermaßen: "Meistens ist es so, dass (…) erfinderisches Talent und kaufmännisches Talent und auch das Glück, was dazu gehört, nicht unbedingt zusammen kommen." Zum Rückstand Deutschlands in der Entwicklung von Computern meinte Zuse, die Amerikaner und Japaner seien schlicht cleverer gewesen. Sie hätten beispielsweise auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz weniger Hemmungen gehabt als er selbst. Auf die Frage, ob durch Computer die Visionen eines totalitären Überwachungsstaats wie in George Orwells Roman "1984" Realität werden könnten, meint Zuse, dass dies in Teilen der Welt schon Realität sei. Dies sei aber auch immer schon unabhängig von der Entwicklung von Computern möglich gewesen. Vielmehr müsse man sehen, "dass wir die technischen Mittel, die zur Verfügung stehen, positiv einsetzen. Und das ist Sache der Jugend", so Zuse. Süddeutscher Rundfunk. Erstsendedatum: 17.5.1984. Schüler eines Esslinger Gymnasiums befragen den Computerpionier Konrad Zuse.
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May 8, 2021 • 36min

DDR-Flüchtlinge und Vertriebene im Lager Rastatt | 1952 - 1959

Unwürdige Zustände, beengte Verhältnisse, viele Schlafplätze in einem Raum, Schlägereien unter Flüchtlingen – das alles gab es schon in den 1950er-Jahren, als Hunderttausende aus der DDR in den Westen flohen und Millionen ihre Heimat in den ehemals deutschen Ostgebieten verlassen mussten. Im Südwesten kommen viele von ihnen in das Flüchtlingslager Rastatt. Es handelt sich um ein ehemaliges Lazarett aus der Zeit der Badischen Revolution im 19. Jahrhundert. In der NS-Zeit wurde das Lazarett zur einer Anstalt für psychisch kranke Menschen – im Volksmund "Irrenhaus" – umfunktioniert. Dann war es eine Kaserne. Nach dem Krieg diente es ab 1945 als Lager für Displaced Persons – also vor allem Zwangsarbeiter aus dem Osten, die sich nach Kriegsende in Deutschland aufhielten. Ab 1952 werden Flüchtlinge hier untergebracht. Obwohl es Durchgangslager heißt, bleiben manche über Jahre hier. Wie die drei Berichte aus den Jahren 1952, 1957 und 1959 zeigen, verschärft sich die Situation zunehmend. Die Reportage vom 14. Juli 1952 lässt vor allem die Bewohner zu Wort kommen. Spendenaufruf des SWF: "Flüchtlingsgroschen" Die nächste Reportage vom 15.2. 1957 kommt ebenfalls aus dem Lager in Rastatt. Inzwischen halten sich 400.000 Flüchtlinge in der Bundesrepublik auf. Angesichts der desolaten Verhältnisse im Lager verbindet der Südwestfunk den Bericht mit einem Spendenaufruf, einem „Flüchtlingsgroschen“. Am 28.6.1959 beginnt das von der UNO ausgerufene Weltflüchtlingsjahr. Der Südwestfunk nimmt dies zum Anlass, seinen Reporter Erich Bottlinger Anfang Juli erneut ins Flüchtlingslager nach Rastatt zu schicken. Und der beschränkt sich in dieser Reportage nicht darauf, die Situation der Flüchtlinge darzustellen, sondern diskutiert darüber auch mit dem Lagerleiter und dem Rastatter Pfarrer. Im Bild oben: Flüchtlinge in der Baracke 5 im Wohnlager Allach-Ost / München am 27.4.1949 Überfüllte Flüchtlingslager in Rastatt 1961 Landesauffanglager Rastatt 1961
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May 7, 2021 • 5min

Rede von Jan Josef Liefers vor dem Mauerfall | 4.11.1989

Kurz vor dem Mauerfall spricht der Schauspieler Jan Josef Liefers auf der Groß-Demonstrationen auf dem Berliner Alexanderplatz. Es ist die erste offiziell genehmigte Demonstration in der DDR, organisiert von Schauspielern und Mitarbeitern an Ost-Berliner Theatern.

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