SWR Kultur lesenswert - Literatur

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Apr 12, 2026 • 4min

„Was willst du in Berlin?“: Reiseprotokoll des Germanisten Klaus Kanzog

Die Geschichte beginnt an einem Wintertag in Halifax in Kanada. Ein unerhörtes Ereignis bricht in das Leben des pensionierten Frauenarztes Dr. Bernhard E. Smith herein. Doch eigentlich heißt Bernhard gar nicht „Smith“, sondern „Bernhard Schmidt“. Er hatte seinen Familiennamen bei seiner Einbürgerung in die USA abgelegt. Mit seiner amerikanischen Frau Isabelle war er später nach Kanada umgesiedelt. Mittlerweile ist Smith Kanadier und verwitwet.   Bereits mit dem ersten Satz des Romans ist alles anders als zuvor:  Du hast alle Brücken abgebrochen, die Vergangenheit abgeschüttelt, aber die Erinnerung holt dich wieder ein. Quelle: Klaus Kanzog – Was willst Du in Berlin? „Wer hatte ihm den Zeitungsausschnitt mit der Todesanzeige geschickt, ohne Absenderangabe? Wer kannte seine Adresse? Und warum jetzt? Terrys Tod lag, wie er feststellte, schon ein Jahr zurück. Abgestempelt war der Brief in Berlin.“   „Amerika – ein Traumziel“  Terry ist mehr als nur eine Jugendfreundin von Bernhard gewesen. Sie war seine Jugendliebe. Daher bringt die Nachricht Bernhards Leben aus dem Gleichgewicht. Er beschließt, zum ersten Mal seit über 50 Jahren wieder in die Stadt seiner Kindheit zu fliegen, nach Berlin.  Dort kennt man Bernhard noch unter seinem Spitznamen Hardy. Hardy hatte die Stadt bereits 1949 verlassen, lange vor dem Bau der Mauer, die seine Familie im Osten Berlins später von dem anderen Teil Deutschlands und der Welt abschnitt. Selbst nach dem Tod seiner Eltern war er nicht zurückgekommen. Seine Schwester Marianne macht ihrem Bruder Hardy daher Vorwürfe, als er ihr gegenüber von seinem neuen Selbstwertgefühl als Kanadier spricht:  „Wir mussten uns dieses Selbstwertgefühl hier erkämpfen“. Und: Du bist damals den bequemeren Weg gegangen, Bernhard. Natürlich hätte auch jeder andere die Chance genutzt, aus dieser Misere hier herauszukommen, und mancher war neidisch auf dich: Amerika – ein Traumziel! Quelle: Klaus Kanzog – Was willst Du in Berlin? Distanz zu inneren Gefühlen Klaus Kanzogs Roman zeichnet sich durch ein starkes Ortsgefühl aus. Wenn Hardy in der Kneipe berlinert oder mit der U-Bahn nach Schöneberg fährt, vermittelt sich der Eindruck, unmittelbar dabei zu sein. Ein innerer Stadtplan entsteht, so als könne man die Strecke beim nächsten Besuch in Berlin nachfahren. Die Hauptfigur umgibt ein Geheimnis. Dabei hält sie uns auf Distanz zu ihren Gefühlen.  Diese Distanz gibt der Autor erst auf, wenn sich Hardy an das jüdische Mädchen Abigail erinnert, die er als Zehnjähriger bei einer „Luftkur“ kennengelernt hatte. Später hat er während des Kriegs in Berlin nach Abigail gesucht, aber keine Spur mehr von ihr gefunden.   Ein Kanadier mit Berliner Vergangenheit  Hardy gibt Fremden und Jugendfreunden nur widerwillig Einblicke in sein Inneres, er fühlt sich fremd in der alten Heimat, empfindet sich als „einer aus der Generation der Täter“, „ein Kanadier mit Berliner Vergangenheit“. Das wird besonders stark deutlich, als Hardy herausbekommt, dass Abigail den Holocaust überlebt hat und jetzt unter anderem Namen in London lebt.  Das Buch von Klaus Kanzog ist ein Wechselbad von Distanz und Nähe, so wie Erinnerungen und Träume es auch sind. Mehrfach werden in „Was willst du in Berlin“ Briefe begonnen, aber nicht beendet oder abgeschickt. Am Ende weiß Hardy, wer ihm die Todesanzeige geschickt hat. Er kehrt mit Antworten aus Berlin nach Kanada zurück, konnte etwas klären, sich seiner persönlichen Schuld stellen.   Fiktion und Autobiographie  Klaus Kanzogs Romanfigur Hardy hat mit dem Autor so manches gemeinsam. Wie Hardy wurde auch Kanzog 1926 im Ostteil von Berlin geboren. Beide gehörten der sogenannten „Flakhelfergeneration“ an. Kanzog erlebte den Krieg und die Bombennächte an der Heimatfront, in großer innerer Distanz zur nationalsozialistischen Ideologie.  Ausgewandert ist der Germanist Klaus Kanzog nicht nach Kanada – sondern nach München. Den Arzt Hardy lässt er als sein Alter Ego in der Erzählung an Orte schmerzhafter Erinnerung zurückkehren.  So gelingt es Klaus Kanzog in „Was willst du in Berlin?“, einen Erinnerungsroman zu schreiben, der universelle Fragen stellt, ein gelungenes Spiel zwischen Fiktion und Autobiographie.
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Apr 10, 2026 • 6min

Zeitreise in die Sklaverei: „Verbunden“ von Octavia Butler

Diese Zeitreise ist ein Schock. Im Sommer 1976 sind die junge schwarze Schriftstellerin Dana und ihr weißer Ehemann Kevin gerade in die Nähe von Los Angeles umgezogen. Völlig überraschend wird der 26-jährigen Dana schwindelig, das Zimmer, in dem sie sich befindet, scheint sich aufzulösen, und auch ihr Mann gerät aus dem Sichtfeld. Plötzlich findet Dana sich im Jahr 1815 wieder. Und zwar in der Nähe einer Südstaaten-Plantage, wo sie Rufus, den Sohn der weißen Plantagenbesitzer, vor dem Ertrinken rettet. Eine Schwarze Frau in Jeans und Bluse statt im üblichen langen Kleid – das erregt Misstrauen bei Rufus' Eltern und den Schwarzen Sklaven. Danas Hautfarbe weist sie den Küchen- und Feldsklavinnen zu. Eigene Existenz muss gesichert werden Da der weiße Rufus einer von Danas frühen Vorfahren ist, befreit sie den zunehmend dominanter auftretenden jungen Mann aus wiederkehrenden Notsituationen, um die Generationenfolge ihrer Familie zu sichern. Ob und wie die Protagonistin letztlich in die USA der 1970er Jahre zurückkehrt, bleibt lange offen. „Ich fühlte mich, als wäre ich dabei, meinen Platz […] in meinem eigenen Zeitalter zu verlieren. Das Zeitalter von Rufus war eine Wirklichkeit, die klarer und stärker war. Die Arbeit war härter, die Gerüche und Geschmacksempfindungen intensiver, die Gefahr größer, der Schmerz schlimmer.“ Das Zeitalter von Rufus verlangte mir Dinge ab, die mir noch nie abverlangt worden waren, und es konnte mich ganz einfach das Leben kosten, wenn ich diesen Anforderungen nicht genügte. Quelle: Octavia E. Butler - „Verbunden“ Traumata wird erneut durchlebt Auf der Plantage muss Dana miterleben, wie Schwarze Sklaven und Sklavinnen dem jähzornigen weißen Hausherrn, seiner launischen Frau und später auch Rufus völlig ausgeliefert sind. Bald schon wird sie Zeugin, wie ein Mitglied eines weißen Suchtrupps einen Schwarzen Runaway-Sklaven auspeitscht: „[…] dann schlug er dem Schwarzen Mann quer über den Rücken. Der Körper des Mannes krümmte sich vor Schmerz, aber der einzige Laut, den er von sich gab, war ein Keuchen. […] Ich konnte regelrecht seinen Schweiß riechen, jeden zerklüfteten Atemzug hören, jeden Aufschrei, das von der Peitsche verursachte Aufreißen der Haut. […]“ „Bitte, Master“, flehte der Mann. „Um Gottes willen, Master, bitte …“ Dana kann nicht eingreifen, ohne sich selbst zu gefährden. Eigentlich eine emanzipierte Frau der 1970er Jahre, muss sie das Trauma ihrer Vorfahren noch einmal durchleben.   Rassimus auch in persönlichen Beziehungen ein großes Thema Der durch Schwindelanfälle ausgelöste Zeitsprung, der Dana und zeitweise auch ihren Ehemann Kevin in die Vergangenheit befördert, ist der schwächste Teil der Romankonstruktion, weil er sich nicht direkt aus der Handlung heraus entwickelt. Durch Kevins Zeitreise wird zusätzlich eine weiße, männliche Perspektive auf das System der Sklavenhaltung eingeführt.  „Dies könnte ein tolles Zeitalter sein“, sagte Kevin eines Tages. „Ich denke immer wieder, was für eine tolle Erfahrung es wäre, hierzubleiben – in den Westen zu gehen und zu sehen, wie das Land aufgebaut wird, zu sehen, wie viel an der Mythologie des alten Westens tatsächlich dran ist.“ „Der Westen“, sagte ich verbittert. „Dort machen sie das, was sie hier mit den Schwarzen machen, mit den American Indians!“ Er sah mich auf eine seltsame Art und Weise an. Das tat er in letzter Zeit oft. Quelle: Octavia E. Butler - „Verbunden“ Durch die unterschiedlichen Erfahrungen in der Gesellschaft der Sklavenhalter entfremdet sich das Ehepaar voneinander. Rassismus wirkt sich auf unsere persönlichen Beziehungen und auf gesellschaftliche Verhältnisse aus.   Starke Figuren und komplexe Dynamiken Von den zahlreichen „slave narratives“, den Autobiografien ehemaliger Sklaven, unterscheidet sich der Roman, weil die junge Dana ihre Geschichte aus zwei parallelen Perspektiven erzählt: Sie schildert ihre Erlebnisse als Zeitzeugin im 19. Jahrhundert und bewertet sie gleichzeitig mit dem Wissen einer US-Bürgerin aus dem 20. Jahrhundert. Die Figurenzeichnung vermeidet klischeehafte Typisierungen. Die Schwarzen Bediensteten sind Persönlichkeiten, die den engen Raum für Widerstand individuell unterschiedlich nutzen. Das Beziehungsgeflecht, in dem Dana sich zwischen wechselnden Aufsehern, Rufus und dem Schwarzen Hauspersonal positionieren muss, ist komplex und dynamisch. Es kann lebensgefährlich sein, die Interessen und Reaktionen der Weißen falsch einzuschätzen. Englischsprachiges Original ist empfehlenswert Die Dialoge haben im englischsprachigen Original unterschiedliche Sprachebenen. Octavia Butler ließ die Schwarzen Sklaven afroamerikanisches Englisch sprechen, das auf die fehlenden Bildungsmöglichkeiten für Schwarze hinweist. Die deutsche Übersetzung allerdings unterscheidet nicht zwischen den verschiedenen Sprachebenen, wodurch ein wichtiges stilistisches Element verloren geht. Die Schriftstellerin Octavia Butler gilt als Vertreterin des Afrofuturismus, der Elemente von Science Fiction, historischen Romanen und magischem Realismus verbindet. Bis heute steht Butlers Roman auf dem Lehrplan amerikanischer Schulen und Universitäten. Besonders jungen Schwarzen Leser*innen wird die oft verschwiegene eigene Geschichte dramaturgisch überzeugend mit einer Schwarzen Protagonistin als Identifikationsfigur vermittelt.  Teil der „banned books“ in den USA Angesichts von Geschichtsklitterung sowie sexistischer und rassistischer Tendenzen in den USA unter Trump ist Butlers 1979 erstmals veröffentlichter Roman heute von bedrückender Aktualität, auch weil er historische Aufklärung leistet. Von den um sich greifenden „book bans“ ist allerdings auch Butler betroffen: 2017 wurde „Verbunden“ als Graphic-Novel-Adaption zum preisgekrönten Bestseller. Diese Ausgabe ist in einzelnen US-Staaten inzwischen aber verboten. Daher wird das Buch von regierungskritischen Initiativen in den USA jetzt besonders empfohlen und dieser ausdrücklichen Empfehlung kann man sich für deutsche Leser*innen nur anschließen.
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Apr 10, 2026 • 55min

Mit neuen Büchern von Aiki Mira, Octavia Butler, Nadine Schneider und Alisha Gamisch – und einem Lesetipp von Irene Langemann

Umkehr der Zeit: Wir beginnen mit neuer Science Fiction. Dann arbeiten wir uns immer weiter in die Vergangenheit vor und lesen neue rumänien- und russlanddeutsche Geschichten.
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Apr 10, 2026 • 2min

Die Filmemacherin Irene Langemann empfiehlt Ulla Hahn

Die Filmemacherin Irene Langemann stammt aus Sibirien. Issilkul heißt ihr Heimatstädtchen im Oblast Omsk, das sie als junge Frau verließ, um in Moskau zu studieren und am Theater zu arbeiten. 1990 übersiedelte sie nach Deutschland, denn sie kommt aus einer russlanddeutschen Familie. In Köln fand sie eine neue Heimat. Der Makel der Herkunft In der Kölner Gegend spielen auch die Romane von Ulla Hahn, die Irene Langemann viel bedeuten. Vor allem Hahns Coming-of-Age-Geschichte „Das verborgene Wort“ wurde wichtig für Langemann. Darin geht es um die junge Rheinländerin Hilla Palm, der es gelingt, sich aus einem beengenden und streng katholischen Umfeld freizukämpfen. „Als Leserin hat mich das Buch sehr bewegt, denn das Thema, der vermeintliche Makel der Herkunft, beschäftigt mich auch“, sagt Irene Langemann auf SWR Kultur. „Ich wurde in Sibirien in eine deutsche Familie geboren und bin dort als Deutschstämmige als Faschistin stigmatisiert worden.“ Inspiration durch die Romane von Ulla Hahn Heute ist Irene Langemann bekannt für ihre hervorragenden Dokumentarfilme, die zwischen Deutschland und Russland oszillieren. Zuletzt erschien mit „Das Gedächtnis der Töchter“ ihr erster – autobiographisch inspirierter – Roman. Darin erzählt sie die sechs Generationen umspannende Geschichte einer deutschen Aussiedlerfamilie in Sibirien. Auch beim Schreiben des Romans fühlte sich Langemann inspiriert von Ulla Hahn: der „Präzision ihrer Milieubeschreibungen“ und ihrer „Sprachfantasie und Poesie“, sagt sie.
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Apr 10, 2026 • 7min

Alisha Gamischs Roman „Parasiti“

Wie versteinert steht Großmutter Lydia in ihrem Wohnzimmer im bayerischen Fürstenfeldbruck. In der Hand hält sie eine winzige rosa Plastikfigur: die Nachbildung eines Fötus. Ihre Enkelin Rina und ihre Nichte Valli können machen, was sie wollen, die Großmutter rührt sich nicht mehr und schweigt. Den Plastik-Fötus hatten radikale Abtreibungsgegner in die Briefkästen der Reihenhaussiedlung geworfen. Am besten man kümmert sich um seine Privatangelegenheiten, so gut es geht, nimmt die Dinge selbst in die Hand, ohne irgendwelche Behörden auf sich aufmerksam zu machen, und überlässt den Rest dem Lauf der Zeit. Quelle: Alisha Gamisch - Parasiti Schweigen zwischen den Generationen Das ist die Haltung, mit der Lydia und ihre russlanddeutsche Familie hofften, durch den Alltag in der Sowjetunion zu kommen. Eine Haltung, die sie nach Jahren der Flucht und Vertreibung auch in Deutschland bewahrt haben. Es ist ein großer historischer Bogen, den die Autorin Alisha Gamish in ihrem Debütroman „Parasiti“ schlägt. Er handelt von der Geschichte dreier Frauen zwischen den 1960er Jahren in Nowosibirsk bis ins Jahr 2021 in Fürstenfeldbruck, wo Großmutter, Tante und Enkelin inzwischen leben. Großmutter Lydia und Tante Valli ermöglichte es die Ost-Politik Willy Brandts in den 1970er Jahren nach Deutschland zu kommen. Der Plastikfötus und das plötzliche Schweigen ihrer Großmutter werfen bei Rina Fragen nach der Vergangenheit auf. Fragen, mit denen sie ihre Tante Valli konfrontiert. Damit bricht sie allerdings einen Familien-Grundsatz: das Schweigen, vor allem über weibliche Schicksale in dieser Familie: „Sie sprechen gerne über Äußeres, darüber was die oder der trägt, wen der oder die geheiratet hat, […] wer Zucker und wer Brustkrebs bekommen hat. […] Dabei sind sie nicht immer einer Meinung, aber das muss auch nicht sein.“ Sie wissen, dass es ihnen am besten geht, wenn sie einander manche Fragen nicht stellen. Quelle: Alisha Gamisch - Parasiti Zwangsarbeit und Deportation Schicht um Schicht enthüllt die Erzählerin in Rückblenden, worüber die Frauen eigentlich schweigen. Besonders den Schmerz der drei spart die einfühlsame Erzählstimme nicht aus. Mal sind wir in der Gegenwart nah dran bei der Studentin Rina, die sich ihrer Großmutter und Tante so eng verbunden fühlt, als würden Seile die drei Frauen umschlingen – geborgen und eingeengt zugleich. Dann sind wir wieder bei Tante Valli: Für sie fühlt sich das Erzählen befreiend an. Aber sie verschweigt auch ganz bewusst Episoden aus der Vergangenheit, für die sie sich schämt. Besonders plastisch sind die Rückblenden in das Leben der Großmutter Lydia. Hautnah erfahren wir von den Ängsten und Unsicherheiten einer Frau, die in den 1960er Jahren in Novosibirsk lebt – und das nicht freiwillig. Hier landete sie, nachdem sie als Russlanddeutsche während des Zweiten Weltkriegs mehrfach deportiert worden war. In Sibirien lebt Lydia in eisiger Kälte, ohne fließendes Wasser und ohne Strom. Vorhänge teilen die Holzbaracke in Schlafbereiche - für Lydia, ihren trinkenden Ehemann Sashka, die kleine Tochter und ihre Nichte Valli und für den ständig nörgelnden Schwiegervater. Dem muss Lydia auch noch ihren gesamten Lohn abtreten. „Dafür darf sie mit dem Sashka im Zimmer schlafen, durch das der alte Gustav immer spaziert, in seiner weißen Unterhose, aus der sein Sack raushängt, vor dem sich Lydia furchtbar ekelt.“ Und immer reißt er das Fenster auf, weil man die Heizung im Winter nicht abstellen kann. Lydia sagt nichts, aber sie schließt das Fenster, wenn der Schwiegervater nicht hinsieht. Quelle: Alisha Gamisch - Parasiti Bloß kein „Parasit“ sein Nichts sagen, keine Widerworte geben, sondern sich irgendwie durchschlagen, das hat Lydia dieses Leben gelehrt. Lydia muss funktionieren, ob als Näherin in einer Fabrik oder als Mutter. Der Titel „Parasiti“, russisch für „Parasiten“, steht auch für die Angst, in der repressiven Sowjetgesellschaft als Nichtsnutz zu gelten. So wie Lydias Ehemann, der als trinkender arbeitsloser Musiker unter das sogenannte „Parasitengesetz“ fällt, das Faulenzerei tatsächlich unter Strafe stellte. Doch Alisha Gamisch verhandelt in ihrem Roman neben Zwangsarbeit und Deportation ein weiteres Feld der Unterdrückung: die sexuelle. Lydia wird nie aufgeklärt. Verhütungsmittel wie Kondome sind in der Sowjetunion teuer und rar. Abtreibungen hingegen sind legal und kostenlos und werden so zum einzigen Mittel der Familienplanung. Harmlos sind diese Eingriffe nie. Wie verzweifelt die Lage für ungewollt Schwangere in der Sowjetunion der 1960er Jahre ist, davon erzählt Alisha Gamisch in einem nüchternen, fast dokumentarischen Stil. Er entspricht der routinierten Härte, die in den Krankenhäusern vorherrscht. „Sie bereitet sich auf die vorwurfsvollen Blicke der Schwestern vor. […] Sie kennt den Kittel, das Umziehen, das „Schnell, schnell, beeilt euch, wir haben hier nicht ewig Zeit!“, das Barfuß-Staksen in den Behandlungsraum […]. Das Eisen, das sie brauchen, um das Knäuel rauszuholen.“ Abtreibungen als einzige „Verhütungsmethode“ Lydia muss abtreiben, wieder mal. Mit ihrem Mann kann sie nicht darüber sprechen, nur versuchen, ihn nachts auf Abstand zu halten. Ihre Sprachlosigkeit in Bezug auf alles Körperliche hat sie weitervererbt: Auch Lydias Enkelin Rina hat Schwierigkeiten, selbstbestimmt ihre Sexualität zu leben. Sie hat von den Frauen ihrer Familie gelernt, wie man die Auseinandersetzung mit einem Mann vermeidet und ihm trotzdem das Gefühl gibt, er bekäme, was er will. Aufpassen, wie man spricht, über was man spricht und mit wem - diese Erfahrung aus der Sowjetunion tragen die Frauen in Alisha Gamischs Roman bis in ihre Gegenwart in Deutschland. „Pajdjom?“ So zeigt Alisha Gamisch Folgen von Vertreibung und Unterdrückung auf, die noch Jahrzehnte später bis in die persönlichsten Lebensbereiche fortwirken. Und wenn man etwas nicht weiter besprechen will, heißt es „I vsjo!“ - Und Schluss! Russlanddeutsche Ausdrücke macht Gamisch zum wesentlichen Bestandteil der Sprache ihrer Figuren. Ein „kleines russlanddeutsches Inventar“ hinten im Buch hilft bei der Übersetzung. Und das Buch endet mit einer Frage auf Russisch: „Pajdjom?“ - Gehen wir, fragt Valli ihre Nichte Rina, als sie die noch immer schweigende Großmutter Lydia aus dem Krankenhaus abholen. Eine Frage, aber auch eine Aufforderung: loszugehen, das Gespräch zu beginnen und das Schweigen gemeinsam aufzubrechen. Alisha Gamisch verknüpft in „Parasiti“ die Perspektiven und Schicksale dreier Frauen-Generationen und nähert sie sich einem gewaltigen historischen Thema – aber auf eine persönliche und einfühlsame Weise, die beeindruckend ist für ein Romandebüt.
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Apr 8, 2026 • 4min

Warum der Osten Schluss macht – Jana Hensel zieht eine schonungslose Bilanz

Die Ergebnisse der letzten Bundestagswahl waren für viele ein Schock, auch für Jana Hensel. Entsetzt sah die bekannte Journalistin, wie sich die ostdeutschen Bundesländer nun tiefblau färbten. Das Blau der AfD, das auch im Westen immer stärker wird. Hensel stammt aus Borna bei Leipzig, ist Jahrgang 1976. Die legendären Leipziger Montagsdemos erlebte sie als Teenagerin mit ihrer Mutter; sie erinnert sich gut an die damalige Aufbruchsstimmung und Euphorie.  Ungemütliche Antworten und Aussichten  Heute lebt Jana Hensel in Berlin und schreibt für jene großen Zeitungen, die von vielen im Osten als „Lügenpresse“ verachtet werden. Sie glaubt, wie sie betont, fest an die parlamentarische Demokratie – und weiß inzwischen gar nicht mehr, ob sie ihre ostdeutschen Landsleute überhaupt noch versteht. Oder für sie sprechen respektive schreiben darf. Was nur läuft im Osten so falsch, dass die Anti-Demokraten der AfD einen solchen Zulauf haben? Das versucht Jana Hensel herauszufinden. „Es war einmal ein Land“ ist ein ebenso verstörendes wie erhellendes Buch mit ungemütlichen Antworten und Aussichten. Gleich zu Beginn konfrontiert sie ihre Leser mit einer schonungslosen Diagnose. Sie vergleicht das Verhältnis der Ostdeutschen zur bundesrepublikanischen Demokratie mit einer gescheiterten Liebesbeziehung:   „Jene Ostdeutsche, die heute AfD wählen, sind im Begriff zu gehen. Es ist eigentlich ganz einfach. Sie machen Schluss. Sie trennen sich. Sie glauben nicht länger an die Beziehung und sagen deshalb: Es ist vorbei. Es bringt nichts mehr. Und sie tun das, weil ihnen der Abschied offenbar nicht mehr weh tut.“  Westdeutsche Empathielosigkeit und ostdeutsche Verletzlichkeit  Im ersten Teil ihres Buches erzählt Jana Hensel noch einmal die Geschichte des wiedervereinigten Deutschlands, aber aus ostdeutscher Perspektive. Es ist eine Geschichte, die gerade Leser aus dem Westen betroffen macht: mit vielen Aufs und Abs, mit Missverständnissen, enttäuschten Erwartungen und Demütigungen, mit westdeutscher Empathielosigkeit und ostdeutscher Verletzlichkeit. Für Jana Hensel war es im Rückblick vor allem Gerhard Schröders Agenda 2010 mit den Hartz-Reformen, die das Verhältnis der Ostdeutschen zur Demokratie nachhaltig beschädigt haben. Nicht nur, dass ihre Lebensleistung vom Westen nie wirklich anerkannt worden sei, nun mussten sie sich anhören, sie hätten es sich in der „sozialen Hängematte“ gemütlich gemacht.  Der Abschied eines Teils der Ostdeutschen von der Demokratie beginnt also wesentlich früher als angenommen. Und er lässt sich im Nachhinein in eine passive und eine aktive Phase teilen. Quelle: Jana Hensel – Es war einmal ein Land „Die passive besteht darin, dass immer weniger Menschen im Osten nach 2005 an Wahlen teilnehmen – und erst dann wieder ihre Stimme abgeben, als sich ihnen eine neue politische Alternative jenseits des demokratischen Parteienspektrums bietet.“ , schreibt Hensel. Angela Merkels Flüchtlingspolitik 2015 wäre dann nur der Auslöser zu einer Art Aufstand gewesen, angefacht von den Rechtspopulisten. Mit ihnen sei die ostdeutsche Wählerschaft eine, Zitat, „gefährliche Notgemeinschaft“ eingegangen. Eine „gefährliche Notgemeinschaft“  Im zweiten Teil ihres Buches spricht Jana Hensel mit wichtigen politischen Akteuren wie AfD-Vize Tino Chrupalla oder Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Und mit Menschen, die irgendwann nach rechts abgedriftet sind wie den ehemalige Tagesschau-Redakteur Alexander Teske. Aber auch mit jenen, die sich dem Rechtsruck im Osten entgegenstellen, wie der Erfurterin Katja Wolf vom BSW, die die Menschen mit dem Motto „Ich kümmere mich“ zu überzeugen sucht.   Jana Hensel glaubt, dass eine AfD-Regierung für die Menschen in Ostdeutschland am Ende nur eine weitere Enttäuschung bereithalten wird. Und dass das Zweckbündnis daher eines Tages endet. Das wäre die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass niemand weiß, was bis dahin alles kaputtgegangen sein wird.
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Apr 7, 2026 • 4min

Spannend und informativ: „Die Buchhandlung der Exilanten“ von Uwe Neumahr

Als Adrienne Monnier 1915 in der Pariser Rue de l’Odéon ihr Geschäft eröffnete, hatte sie bereits mehr im Sinn, als eine landläufige Buchhandlung:  ‚La Maison des Amis des Livres‘: Das Haus der Bücherfreunde sollte ein kulturelles Zentrum werden, in dem die papierenen Produkte schriftstellerischen Bemühens ebenso zusammenkamen wie ihre Urheber und Leser. Quelle: Uwe Neumahr – Die Buchhandlung der Exilanten Und das gelang ihr in kürzester Zeit.  Zwei Häuser für Bücherfreunde in Paris  Guillaume Apollinaire, Louis Aragon, André Breton und Paul Valéry, André Gide, Paul Claudel, Jean Cocteau … Quelle: Uwe Neumahr – Die Buchhandlung der Exilanten …verkehrten, lasen und diskutierten bald in der Rue de l’Odéon. Und das ab 1919 auf der einen wie anderen Straßenseite, wo die Amerikanerin Sylvia Beach bei „Shakespeare & Company“ englischsprachige Literatur feilbot. Und auch diese Buchhändlerin war weit mehr als das. 1921 kam ein vollkommen entmutigter James Joyce in ihr Geschäft, weil niemand seinen Roman über einen Tag im Leben des Leopold Bloom veröffentlichen wollte.   Sie fragte den entmutigten Schriftsteller, der schwer seufzend in ihrem Laden saß: ‚Würden Sie Shakespeare & Company die Ehre erweisen, Ihren Ulysses herauszubringen?‘ Quelle: Uwe Neumahr – Die Buchhandlung der Exilanten Verlegen und Verzeihen So wurde die darin alles andere als kundige Sylvia Beach Verlegerin. Der selbst- wie trunksüchtige James Joyce allerdings dankte ihr diesen Mut und seinen einsetzenden Ruhm schlecht. Als er erfolgreich war, trotzte er der gutmütigen Frau die Rechte am Roman ab, beschimpfte und beleidigte sie, als sie zunächst noch zögerte. Sylvia Beach aber verehrte und verzieh Joyce. Sie sagte:  Der ‚Ulysses‘ gehörte ja schließlich Joyce. Ein Baby gehört seiner Mutter und nicht seiner Hebamme, nicht wahr?  Quelle: Uwe Neumahr – Die Buchhandlung der Exilanten Heimstatt für intellektuelle Exilanten  Wenn auch nicht ohne Schmerzen: die Herausgabe des „Ulysses“ machte auch Sylvia Beach bekannt. Ganz anders als ihre Freundin und Lebenspartnerin Adrienne Monnier, von der viel weniger bekannt ist – bis nach Lektüre dieses aufschlussreichen Buches. Uwe Neumahr hat sich in die Archive begeben, um insbesondere Adrienne Monniers Leben zu erforschen. Das leuchtet nun hell zwischen allen Zeilen, immer aber fällt auch genug heller Schein auf Sylvia Beach. Und vor allem auf beider Verdienste während der 30er und 40er Jahre, als immer mehr Exilanten nach Paris und in die Buchhandlungen strömen. Walter Benjamin hatte einige Gedichte der auch sonst schriftstellerisch ambitionierten Adrienne Monnier gelesen und kam regelmäßig.  Im Lauf der Zeit trat Adrienne zu Benjamin in ein Verhältnis, das sich, wie Benjamin einem Freund schrieb, ‚einem freundschaftlichen im deutschen Sinne sehr nähert‘.  Quelle: Uwe Neumahr – Die Buchhandlung der Exilanten Der Architekt und Journalist Sigfried Kracauer betrat eines Tages zufällig La Maison des Amis des Livres und war sofort in den Bann geschlagen.  In Adrienne sah Kracauer eine Verkörperung des eigenständigen Frankreichs.  Quelle: Uwe Neumahr – Die Buchhandlung der Exilanten Buchfreundin und Lebensretterin  Als solche half Adrienne Monnier dann auch mutig und uneigennützig während der deutschen Besatzung. Sorgte nicht nur dafür, dass ihre Freundin Sylvia Beach, die als „feindliche Ausländerin“ im Internierungslager saß, frei kam, sie rettete auch den beiden Männern das Leben und bewahrte Gisèle Freund vor der Abschiebung. Die deutsche Fotografin hatte in Adriennes Buchhandlung begonnen, Schriftsteller zu portraitieren und damit erste große Erfolge erzielt:  „Aus rätselhaften Gründen – vielleicht weil sie auf Französisch schrieb, vielleicht weil sie eine mit niemandem vergleichbare Doppelexistenz als Buchhändlerin und Schriftstellerin führte, vielleicht weil sie mit ihrem Stil, ihren Gewohnheiten und ihrem Auftreten aus der Zeit gefallen schien – wurde Adrienne Monnier nie der internationale Ruhm jener beiden Frauen zuteil, die sie inspirierte: Sylvia Beach und Gisèle Freund.“  Uwe Neumahr trägt nun seinen ausgezeichneten Teil dazu bei, das es anders werden könnte. Mit den unzähligen kleinen, so spannend wie informativ zu lesenden Kapiteln seines Buches blättert er sprichwörtlich die Zeit auf. Von der Phase ausgelassener Lebens- und Leselust nach dem Ersten Weltkrieg bis zur deutschen Besatzung von Paris 1940 und der dunklen Zeit bis zur Befreiung. Erzählt vom Leben, Lieben und Leiden, vor allem aber dem Mut der beiden außergewöhnlichen Buchhändlerinnen der „Odéonie“, wie das Gebiet rund um die jene besondere Straße heißt, in der zwei Freundinnen Bücher, Leser und Literaten wohl behüteten.
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Apr 6, 2026 • 4min

Aufwachsen in Westberlin: „Kann gehörig wehtun“

In einigen Hinterhöfen werden noch Kühe gehalten, die Kinderärztin raucht Kette, während sie ihre kleinen Patienten untersucht, und im Ring des Boxvereins gehen sie aufeinander los, als wollten sie sich umbringen.  Das ist die raue Wirklichkeit mitten in Westberlin, im Bezirk Schöneberg, im Jahr 1969, die Michael Wildenhain in seinem Roman detailreich einfängt. Wildenhain, 1958 geboren, kennt Ort und Atmosphäre aus eigener Erfahrung. Davon profitiert sein Roman.   Es ist so, dass ich stark aus biografischem Material schöpfe, aber dieses Buch einigermaßen weit weg ist von einer autofiktionalen Erzählung. Quelle: Michael Wildenhain Kriegsruinen und leere Häuser bieten kaum kontrollierte Freiräume für die Kinder des proletarisch geprägten Viertels rund um die Belziger Straße.  Boxtraining zur Verteidigung Michael Wildenhain erzählt überwiegend im Präsens aus der Perspektive eines dreizehnjährigen Jungen. Er erzeugt so eine ungemein starke, den Leser fesselnde Gegenwärtigkeit.  Der namenlose Held ist mit seinen Eltern und dem jüngeren Bruder zugezogen. Der zurückhaltende Teenager liebt es, von seinem Fensterplatz in der Wohnung im vierten Stock das Geschehen draußen mit einem Fernglas zu beobachten, aber es zieht ihn auch hinaus auf die Straße. Hier gilt der am meisten, der am härtesten zuschlagen kann. Da ist es naheliegend, sich zum Boxtraining anzumelden.  Bedingungslose Loyalität  Der Umkleideraum riecht nach Schweiß wie die Umkleide der Schulturnhalle. Dem Trainer fehlen etliche Vorderzähne des Oberkiefers, die Nase wirkt mehrfach gebrochen, die Augen sind wasserblau und klar. „Kann gehörig wehtun, der Sport, das weißt du?“ Ich nicke. Quelle: Michael Wildenhain – Das Ende vom Lied Schmerzhaft ist für den Ich-Erzähler nicht nur das Boxen. Der sensible, aufmerksame Junge spürt, wie sich seine Eltern immer weiter voneinander entfernen und die vom Krieg versehrte und verstörte Familie zu zerbrechen droht.  Die häusliche Unsicherheit bringt ihn dazu, noch entschiedener auf der Straße nach Anschluss zu suchen. Jugendgangs bestimmen die Szenerie. Allen voran die Bande von Körschi.  Der sechzehnjährige Anführer ist stärker, entschlossener, brutaler als alle anderen. Er nimmt den Jüngeren unter seine Fittiche, erwartet dafür aber bedingungslose Loyalität und immer wieder auch – teils demütigende – Gegenleistungen. Verweigerung ist ausgeschlossen.   Jargon der Straße  He, abgezockt? Treib’s nicht zu weit mit dem herzensguten Körschi. Solltest wissen, wo die Grenze verläuft. Kräfteverhältnis falsch eingeschätzt – schon gehste ab, bist weg vom Fenster. Und du willst doch hier noch ’ne Weile friedlich wohnen, oder?  Quelle: Michael Wildenhain – Das Ende vom Lied Ein lässiger oft derber Ton bestimmt die Sprache des Romans, es ist der Jargon der Straße, den Michael Wildenhain sicher beherrscht. Die Handlung treibt er entlang zweier straff gespannter Spannungsbögen voran: Sein Held kommt den Geheimnissen der Eltern näher, wobei ihm dabei – immer wieder und vielleicht zu oft – der Zufall hilft.  Und er emanzipiert sich von Körschi, auch weil er sich in dessen Freundin Alina verliebt hat. Es ist ein Reifeprozess im Schnelldurchgang.  Schnelle Reife in schwierigen Zeiten „Er altert in diesen acht oder neun Monaten, die die Handlung im Roman umfasst, sicherlich um fünf bis zehn Jahre, so hat man den Eindruck. Und das liegt natürlich daran, dass er dazu auch gedrängt wird und gezwungen ist, sehr vieles mit sich auszumachen,“ erklärt der Autor. Also wenn man in extreme Situationen reingestoßen wird, das ist die Hypothese, dann muss man sich behaupten, und dann muss man auch extreme Sprünge machen. Aber es ist auch ein Zugeständnis an die Dramaturgie, keine Frage.“  Diese Sprünge macht der Junge jenseits der abflauenden Studentenproteste. Der Reifeprozess der Hauptfigur verläuft nahezu unberührt vom gesellschaftlichen Um- und Aufbruch, aber doch spiegelbildlich zu diesem.  Michael Wildenhain, der in kurzen essayistischen Passagen den zeitgeschichtlichen Hintergrund umreißt, will in zwei nachfolgenden Bänden die späteren Dekaden in den Blick nehmen. Man darf darauf gespannt sein, wohin inmitten des gesellschaftlichen Wandels der Weg seines Protagonisten führt.
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Apr 5, 2026 • 17min

Norbert Gstrein: „Im ersten Licht“

Adrian Reiter wird im Jahr 1901 geboren. Erster Weltkrieg, Nationalsozialismus, Nachkriegszeit. Adrian steht daneben und ist trotzdem Teil des Ganzen. Norbert Gstreins elegante Sätze schlagen den Bogen über ein Jahrhundert.
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Apr 5, 2026 • 15min

Siri Hustvedt: „Ghost Stories. Ein Buch der Erinnerung“

Im April 2024 ist der Schriftsteller Paul Auster gestorben. 43 Jahre lang waren er und die Schriftstellerin Siri Hustvedt verheiratet. In ihrem neuen Buch beschwört sie Austers immer noch lebendigen Geist herauf und setzt das Gespräch mit ihm fort.

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