Eigentlich Podcast

Micz & Flo
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Sep 12, 2024 • 1h 6min

EGL060 The Zone of Interest: Glazers Film über die Banalität des Bösen und die Konstruktion von Normalität

„Above all, we wanted this film to be as authorless as possible.“ Jonathan Glazer In dieser Episode widmen wir uns nun dem Film "The Zone of Interest" nachdem wir in der vorherigen Episode den historischen Kontext des Holocaust und der Täter besprochen haben. Jonathan Glazers beeindruckendes Werk setzt sich mit der Thematik der Banalität des Bösen auseinander. Flo stellt zunächst den Regisseur Glazer vor, der bereits in den 90er Jahren durch seine Arbeit an Musikvideos bekannt wurde und seitdem einen ganz eigenen künstlerischen Stil entwickelt hat. Seine letzten Filme zeichnen sich durch eine verstörende, aber auch herausragende Ästhetik aus. Im Mittelpunkt des Films "The Zone of Interest" von 2023 stehen die historischen Figuren Rudolf Höß und seine Frau Hedwig. Die räumliche Nähe zwischen dem idyllischen Familienleben der Höß und dem Konzentrationslager Auschwitz, in dem unvorstellbare Gräueltaten verübt wurden, bildet den Hintergrund, vor dem Glazer sein Publikum herausfordert. Die Alltagsnormalität der Familie Höß steht in einem absurden Kontrast zu den grausamen Geschehnissen im KZ, wo Mord und Vergasung zum Tagesgeschäft gehörten. Wir fragen uns, wie Menschen eine solche Trennung zwischen persönlichem Glück und systematischem Terror aufrechterhalten können ohne moralisch zu zerbrechen. Flo stellt Glazers einzigartige Herangehensweise an den Film vor: Der eigentlichen Produktion gingen jahrelange Recherchen und Vorbereitungen voraus. Die Darsteller der Hauptfiguren, Sandra Hüller und Christian Friedel, haben sich in intensiven Gesprächen mit Jonathan Glazer auf die Figuren und den Filmstoff eingelassen. Das Team entschied sich, am Originalschauplatz in Auschwitz zu drehen, direkt in der "Zone of Interest", dem Interessensgebiet wie die Nazis euphemistisch das bewachte Gebiet um die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau nannten. Dadurch erreicht der Film eine einzigartige Authentizität. Das Konzentrationslager selber wird jedoch nie gezeigt, nur die Tonspur lässt den Horror des Lagerlebens erahnen. Auch der orangefarbene Rauch, der nachts über der Lagermauer in den Himmel steigt, beherrscht die Stimmung im Hause Höß. Jonathan Glazer hat seinen Schauspieler:innen eine ungewöhnliche Freiheit in der Darstellung eingeräumt: Im nachgebauten Haus wurden Kameras installiert, die von einem polnischen Kamerateam ferngesteuert wurden. Auch die Regie war nicht direkt vor Ort, sondern beobachtete die Szenen vom Keller eines anderen Gebäudes aus. Die Regieanweisungen waren sehr reduziert, es blieb den Darstellenden überlassen, Szenen zu wiederholen oder zu improvisieren. Mit dieser Verfremdungstechnik gelingt es Glazer, den Zuschauer in die Köpfe der Figuren zu ziehen und gleichzeitig eine distanzierte, fast dokumentarische Perspektive aufzubauen. Micz stellt im zweiten Teil der Episode einen Ansatz von Klaus Theweleit aus dessen Buch "Männerfantasien" vor, um besser verstehen zu können, wie es historisch zu diesen gewaltbereiten Brigaden in den 20er Jahren kommen konnte zu denen auch Höß zählte. Theweleit untersucht, wie Männer in der Zeit des Nationalsozialismus ihre Identität und ihr Selbstbild konstruierten, oft durch die Abwertung von Frauen und die Idealisierung von Männlichkeit. Er argumentiert, dass diese Männerphantasien nicht nur individuelle psychologische Phänomene sind, sondern tief in gesellschaftlichen Strukturen verwurzelt sind. Abschließend reflektieren wir, wie der Film "The Zone of Interest" sowohl eine Kritik an der Menschheit als auch an der Gesellschaft formuliert. Er konfrontiert uns mit der Möglichkeit, dass „normale“ Menschen unter extremen Umständen unvorstellbare Entscheidungen treffen und damit die Grundlage für Massenterror schaffen können. Nach über 4 Stunden Aufnahmezeit (wir haben die beiden Episoden zu The Zone of Interest in einem Rutsch aufgenommen) sind wir doch ganz froh, dass wir jetzt mitten in Mitte am Rosa-Luxemburg-Platz zum Ende kommen. Shownotes Links zur Laufstrecke EGL060 | Wanderung | Komoot Links zur Episode The Zone of Interest (Film) – Wikipedia Jonathan Glazer – Wikipedia YT: Playlist of Jonathan Glazer music videos Under the Skin (2013) – Wikipedia Scarlett Johansson – Wikipedia Sexy Beast – Wikipedia Birth (Film) – Wikipedia A24 (Unternehmen) – Wikipedia Martin Amis – Wikipedia Rudolf Höß – Wikipedia Hedwig Höß – Wikipedia Christian Friedel – Wikipedia Sandra Hüller – Wikipedia KZ Auschwitz I (Stammlager) – Wikipedia Klaus Theweleit – Wikipedia Freikorps – Wikipedia Carolin Emcke – Wikipedia Streitraum: »Gewalt und Film« The Act of Killing – Wikipedia Margaret Mahler – Wikipedia The Zone of Interest review – Jonathan Glazer adapts Martin Amis’s chilling Holocaust drama | Film | The Guardian Interview Jonathan Glazer on his holocaust film The Zone of Interest: ‘This is not about the past, it’s about now’ https://www.youtube.com/watch?v=sfVcp8vuqcQ Jonathan Glazer & Team on The Zone of Interest and the Ethics of Representation | NYFF61 Dogma 95 – Wikipedia Rudolf Höß: Was tat der Lagerkommandant von Auschwitz? | NDR.de - Geschichte - Auschwitz und ich Im Haus des NS-Mörders: Sequenzanalysen zu The Zone of Interest - kinofenster.de “The Zone of Interest” Is an Extreme Form of Holokitsch | The New Yorker NS-CLIQUEN Von Menschen und Mördern · Podcast in der ARD Audiothek Mitwirkende Florian Clauß (Erzähler) Bluesky Mastodon Soundcloud Website Micz Flor Instagram Twitter YouTube (Channel) Website Verwandte Episoden EGL060 The Zone of Interest: Glazers Film über die Banalität des Bösen und die Konstruktion von NormalitätEGL097 Männerphantasien im Deutschen Theater Rudolf Höß: Vom Freikorps-Veteranen zum KZ-Kommandanten In seinem Film „The Zone of Interest“ widmet sich Jonathan Glazer auf eindrucksvolle Weise der Banalität des Bösen. Dabei rückt er die alltägliche Realität der Familie Höß, insbesondere die von Rudolf Höß, dem Kommandanten von Auschwitz, in den Fokus. Die Figur Rudolf Höß wird in der filmischen Darstellung als eine paradoxe Figur präsentiert. Er war kein sadistischer Massenmörder im klassischen Sinne, sondern ein durchschnittlicher, kleinbürgerlicher Mann, der seine Pflichten mit einer gewissen Ordnungsliebe und Pflichtbewusstsein erfüllte. Höß wurde 1901 geboren und war ein Kind seiner Zeit. Er wuchs in einer Ära auf, die von Männlichkeitskult und militärischer Glorifizierung geprägt war. In der Folge des Ersten Weltkrieges befand er sich in einer desorientierenden Welt, in der die Freikorps der 1920er Jahre vielen entwurzelten Kriegsveteranen eine neue Heimat boten. In diesen paramilitärischen Organisationen manifestierte sich, was Klaus Theweleit als „männlichen Körperpanzer“ beschreibt – eine psychische Struktur, die Gefühle abwehrt und Gewalt als Mittel der Selbstbestätigung glorifiziert. Die Entwicklung von Auschwitz von einem Internierungslager zu einer industriellen Tötungsmaschinerie veranschaulicht in beunruhigender Weise die Radikalisierung, die ihren Ursprung in den Freikorps hatte. Höß, der 1934 der SS beitrat und 1940 zum Kommandanten von Auschwitz ernannt wurde, verkörperte die bürokratische Effizienz, mit der der Massenmord organisiert wurde. Unter seiner Leitung avancierte Auschwitz zum Inbegriff des Holocaust. Der Ort stand für die Vernichtung und Verwertung von Menschen als industrielle Routine. In seinem Film verdeutlicht Glazer, dass das familiäre Glück der Höß‘ in einem deutlichen Kontrast zu den unvorstellbaren Verbrechen steht, welche hinter der Mauer ihres Gartens stattfanden. Die Gegenüberstellung eines scheinbar normalen Alltags mit dem systematischen Mord schafft eine beklemmende Atmosphäre, die den Zuschauer zur Reflexion über die menschliche Kapazität für Grausamkeit anregt. Glazers filmische Annäherung: Die Banalität des Bösen im Familienidyll Glazers Ansatz zur Darstellung des Massenmordes ist als einzigartig zu bezeichnen, da er die Gräueltaten nicht direkt zeigt, sondern durch akustische Elemente und subtile visuelle Hinweise andeutet. Anstatt sich auf explizite Gewaltdarstellungen zu konzentrieren, richtet er seinen Blick auf das scheinbar normale Familienleben der Höß-Familie, die in unmittelbarer Nähe zum Lager ein bürgerliches Idyll mit einem schön angelegten Garten pflegt. Der Kontrast zwischen der Alltäglichkeit des Familienlebens und dem Horror jenseits der Gartenmauer ist von einer tiefen Verstörung geprägt und wirft Fragen nach der menschlichen Fähigkeit zur Verdrängung und moralischen Abstumpfung auf. Die Entscheidung, am Originalschauplatz in Auschwitz zu drehen, verstärkt die Authentizität des Films, während die Abwesenheit von expliziten Bildern des Schreckens den Zuschauer dazu zwingt, sich mit der Realität des Holocaust auseinanderzusetzen. Die unkonventionelle Herangehensweise Glazers ermöglicht es dem Zuschauer, sich in die Gedankenwelt der Figuren hineinzuversetzen, während gleichzeitig eine distanzierte, beinahe dokumentarische Perspektive aufgebaut wird. Die Schauspieler Sandra Hüller und Christian Friedel, die die Rollen von Hedwig und Rudolf Höß verkörpern, waren sich während der Dreharbeiten der Verdrängung als zentralem Aspekt der Figurendarstellung bewusst. Die Darsteller waren gezwungen, die von ihnen dargestellten Figuren zu negieren, was eine Diskrepanz zwischen ihrer eigenen Wahrnehmung und der Darstellung dieser Figuren schuf. Glazer inszeniert „The Zone of Interest“ wie ein anthropologisches Stück und überlässt die Inszenierung vollständig dem Ort und den Schauspielern. Die Singularität des Settings – Holocaust auf der einen Seite der Mauer, Familienglück auf der anderen – erzeugt eine „Banalität des Bösen“, die die Aktualität seines Werkes in kinematografischer Wucht präsentiert. Mahnende Gegenwartskritik: Der Holocaust als Spiegel moderner Verdrängungsmechanismen „The Zone of Interest“ kann somit nicht nur als ein Film über die Vergangenheit betrachtet werden, sondern auch als eine dringende Mahnung für die Gegenwart. Der Film fordert die Zuschauer:innen dazu auf, die eigene moralische Positionierung in einer Welt zu reflektieren, in der Unrecht und Leid oft nur einen Klick oder eine Mauer entfernt sind. Glazer demonstriert, wie einfach es ist, sich in einer Blase des vermeintlichen Wohlstands und der Normalität einzurichten, während um uns herum Unvorstellbares geschieht. Der Film reflektiert sowohl eine Kritik an der Menschheit als auch an der Gesellschaft. Er konfrontiert mit der Möglichkeit, dass „normale“ Menschen unter extremen Umständen unvorstellbare Entscheidungen treffen und damit die Grundlage für Massenterror schaffen können. Diese Erkenntnis ist insbesondere im Hinblick auf die gegenwärtige politische Lage von Bedeutung, in der es von entscheidender Bedeutung ist, den eigenen Handlungsspielraum zu reflektieren und Verantwortung zu übernehmen.
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Aug 29, 2024 • 54min

EGL059 Effektgeräte für Gitarre: Chris' umfangreiches DIY-Special. Die Basics der Pedals, Funktionsweise des Transistors, Löten und die besten Links. Stromgitarre Teil 5

Verzerrung ist das, was man gleichzeitig vermeiden und haben will. Chris, unser diesjähriger Sommer-Stammgast im Podcast (gewissermaßen der eigentliche Star des Sommerlochs), teilt seine Erfahrungen über den Bau von Gitarren-Effektpedals. Effektpedale verändern das Gitarrensignal auf verschiedene Weisen (Verzerrung, Delay, Reverb, Chorus, u.A.). Während viele moderne Effekte Software-Modelling einsetzen, konzentrieren wir uns hier auf alles, was man selbst löten kann. Chris beginnt mit dem essentiellen ersten Schritt: Da die Schwingung der Gitarrensaite vom Positiven ins Negative hin- und herschwingt, muss das Signal komplett verschoben werden, sodass keine negative Spannung erzeugt wird. Dieser Prozess heißt Biasing. Dabei wird dem Gitarrensignal zu Beginn eine Gleichspannung (DC-Offset) hinzugefügt, um es in den positiven Spannungsbereich zu verschieben. Da die meisten Effektpedale mit 9V arbeiten, liegt der typische Wert für das DC-Biasing oft bei der halben Betriebsspannung des Effektgeräts, also 4,5V. Im zweiten Schritt spricht Chris ausführlich über Verzerrung und die Transistoren, die zur Signalverstärkung eingesetzt werden. Beide Themen hängen natürlich zusammen, denn Verzerrung ist oft das, was man gleichzeitig haben und vermeiden will. Es geht also um Transistoren, um Bausätze, um Klang und Geschichte und um Dioden, die in Verzerrungsschaltungen eingesetzt werden können. Also, ab an den Lötkolben mit einer Handvoll Widerstände (nein, der Witz ist nicht von der KI, das bin wirklich ich. sic!). Shownotes EGL059 | Wanderung | Komoot (YouTube) hertz donut Boost, Overdrive, Distortion & Fuzz Pedals - What's the Difference? - InSync Articles & Schematics at runoffgroove.com How Do Guitar Distortion and Overdrive Work? Mitwirkende Micz Flor (Erzähler, too) Instagram Twitter YouTube (Channel) Website Chris Flor (Erzähler times two) Während unserer Wanderung durch die Stadt haben wir viel über die Wirkungsweise von Transistoren gesprochen, in Bildern und Analogien (oder gar Metaphern?). Diesen Fluss an Assoziationen können wir nicht einfach so in einen Text gießen, deshalb hier noch mal etwas nüchterner die technischen Grundlagen etwa in der Tiefe, in der wir sie auch in der Episode dargestellt haben. Wie funktionieren Transistoren? Transistoren spielen eine zentrale Rolle in vielen Gitarren-Effektpedalen, da sie als Verstärker fungieren und das schwache Gitarrensignal auf ein Niveau bringen, das für die nachfolgende Signalverarbeitung geeignet ist. In einem typischen Fußpedal wird das Gitarrensignal durch den Transistor geleitet, der das Signal verstärkt und dabei den gewünschten Effekt erzeugt. So erklärt sich auch, warum der Verzerrer fast schon automatisch in jedem Pedal drinsteckt, denn dazu benötigt man einfach nur „zu viel“ Verstärkung. In einem Overdrive-Pedal wird der Transistor so konfiguriert, dass er das Signal verstärkt und dabei eine gewisse Distortion hinzufügt. Die Auswahl des Transistors, seine Schaltungsparameter und die Art der Biasing (also das Einstellen der Gleichspannung) beeinflussen maßgeblich den Klang des Pedals. Beispielsweise kann die Wahl zwischen einem Silizium- oder Germanium-Transistor die Klangfarbe und die Art der Verzerrung beeinflussen. Diese Feinabstimmung ermöglicht es, spezifische Klangeigenschaften zu erreichen und das Pedal an die gewünschten musikalischen Anforderungen anzupassen. Spannungsteiler und Transistoren ist gleich Verstärkung Der Spannungsteiler zusammen mit dem Transistor erlaubt Verstärkung. Verkürzt gesagt: das Signal aus der Gitarre ist zwar schwach, aber stark genug, um dem Transistor den Hahn auf und zu zu drehen, der dann die volle Kraft der Betriebsspannung wie eine Vergrößerung des schwachen Signals durchlässt. So gesehen, kann man sich das auch wie eine Lupe vorstellen(?!). Ein Transistor mit drei Beinen, auch als Bipolar Junction Transistor (BJT) bekannt (funktioniert als Verstärker oder Schalter) ist eine wesentliche Komponente in vielen elektronischen Schaltungen, einschließlich Gitarren-Effektpedalen. Die drei Beine eines BJTs sind die Basis (B), der Kollektor (C) und der Emitter (E). Ein Spannungsteiler ist eine grundlegende Schaltungskonfiguration in der Elektronik, die zwei Widerstände in Serie verwendet, um eine bestimmte Spannung zu erzeugen, die ein Bruchteil der Eingangsspannung ist. Diese Spannungsteiler-Konfiguration wird häufig in Effektpedalen genutzt, um die nötige Vorspannung oder Bias-Spannung für Transistoren bereitzustellen. Die Spannungsteiler-Schaltung besteht aus zwei Widerständen, die zwischen der Betriebsspannung und dem Ground geschaltet sind. Im Normalbetrieb wird der Transistor in der aktiven Region betrieben. Hierbei liegt eine Basis-Emitter-Spannung an, die hoch genug ist, um den Transistor leitend zu machen, aber nicht so hoch, dass er in die Sättigung übergeht. Die Basis-Emitter-Spannung muss typischerweise etwa 0,7 Volt für Silizium-Transistoren betragen. In diesem Zustand wird der Transistor als Verstärker verwendet, weil ein kleiner Basisstrom einen größeren Kollektorstrom ermöglicht.
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Aug 15, 2024 • 1h 43min

EGL058 The Zone of Interest Teil 1: Der Holocaust und die Täter

„Die Menschen, die in Treblinka, Belzec oder Sobibor ankamen, wurden innerhalb von zwei oder drei Stunden getötet und ihre Leichen verbrannt. Der Beweis sind nicht die Leichen, der Beweis ist die Abwesenheit von Leichen.“ Claude Lanzmann In diesem ersten Teil zu "The Zone of Interest" sprechen wir erstmal nicht über den 2023 erschienen Film von Jonathan Glazer. Wir wollen einige Themen als Vorbereitung vertiefen, um den Film im zweiten Teil besser einordnen zu können. Wir steigen mit dem Themenstrang Holocaust ein, wobei Flo einen persönlichen Zugang wählt: wann waren wir erstmals mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte konfrontiert? Wann haben wir zum ersten Mal eine Ahnung von der Monstrosität des Holocaust bekommen? Während wir uns über unsere persönlichen und familiären Geschichten austauschen, laufen wir durch das Denkmal für die ermordeten Juden und kommen an der Hannah-Arendt-Straße auf die Banalität des Bösen zu sprechen. Wie konnte so etwas Schreckliches passieren? Flo erzählt Szenen aus dem Film "Shoah" von Claude Lanzman, der 1985 erschien. Der Film ist ein einzigartiges Zeitdokument, in dem Augenzeugen des Holocaust ihre Geschichten und Erfahrungen berichten. Lanzman hat dabei konsequent auf historisches Material verzichtet und stellt in seinen Interviews mit Opfern und auch Tätern immer wieder scharfe Nachfragen, um ein präzises Bild von den Massenmorden in den Konzentrationslagern zu bekommen. Der Film fasst über 11 Jahre Arbeit auf 9 Stunden zusammen und entwickelt so eine Collage an persönlichen Geschichten, die eine Ahnung über die Ausmaße der Shoah vermitteln kann. Im zweiten Themenstrang vertiefen wir uns weiter in historische Filmwerke über den Holocaust, über Filme direkt nach dem Krieg wie "Die Mörder sind unter uns", über Produktionen aus den 60ern und 70ern bis zu "Schindlers Liste" von 1993. Dabei gehen wir der Frage nach, wie sich das Täterbild verändert hat und besprechen die Inszenierungen des Undarstellbaren. Für die 2000er stellen wir fest, dass uns Filme über die Täter wie "Der Untergang" nicht so interessieren, dafür aber Produktionen wie "Das Leben ist schön" und "Inglourious Basterds" stark emotionalisieren. Flo möchte noch einen weiteren Bogen aufspannen, um für "The Zone of Interest" die Figur Rudolf Höß besser verstehen zu können. Der Dokumentarfilm "The Act of Killing" von 2011 porträtiert eine Gruppe von Tätern in Indonesien, die an dem Massaker an kommunistischen und chinesischen Einwohner 1965-1966 nach einem Militärputsch beteiligt waren. Der Film zeigt die Täter von damals wie sie heute in einem inszenierten Reenactment die Rollen von Opfern und Tätern nachspielen ohne dabei eine Spur von Reue zu entwickeln. Micz vertieft dieses Thema mit der Frage, ob es aus psychologischer Sicht eine Tätertraumatisierung gibt. Auch hier zeigt sich ein Bedeutungswandel von der Einstellung, dass Täter nicht traumatisiert werden können hin zu neueren Annahmen, dass ein traumatisierendes Ereignis bei den Beteiligten eine Persönlichkeitsveränderung bis -störung auslösen kann. Mit diesem dichten Themenstrauß beenden wir die 1. Folge auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof am Grab von Bertold Brecht. Mit dieser Folge haben wir unsere thematischen Vorbereitungen abgeschlossen, um mit der nächsten Folge in den Film "The Zone of Interest" von Jonathan Glazer einsteigen zu können. Wir machen gleich weiter mit der Aufnahme, aber fürs erste sollte das erstmal reichen Shownotes Links zur Laufstrecke EGL058 | Wanderung | Komoot Denkmal für die ermordeten Juden Europas – Wikipedia Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden – Wikipedia Links zur Episode Holocaust – Wikipedia Holocaust (Begriff) – Wikipedia The Zone of Interest (Film) – Wikipedia Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V. Yad Vashem – Internationale Holocaust Gedenkstätte | Lea Rosh – Wikipedia Es könnte einer sagen.. - das Brandenburger Tor in der Mahnmaldebatte Aktion Reinhardt – Wikipedia Wannseekonferenz – Wikipedia Endlösung der Judenfrage Vernichtungslager Belzec – Wikipedia Vernichtungslager Treblinka – Wikipedia KZ Auschwitz-Birkenau – Wikipedia Auschwitzprozesse – Wikipedia Carolin Emcke – Wikipedia Streitraum: »Gewalt und Film« Shoah (Film) – Wikipedia Claude Lanzmann – Wikipedia Shoah 1985 | Part 1 [ENGLISH SUBTITLES] Shoah 1985 | Part 2 [ENGLISH SUBTITLES] Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen – Wikipedia KZ Oranienburg – Wikipedia Casablanca (Film) – Wikipedia Die Mörder sind unter uns – Wikipedia NS-Täter im Spielfilm - kinofenster.de Nackt unter Wölfen (1963) – Wikipedia Eichmann-Prozess – Wikipedia Hannah Arendt – Wikipedia Auschwitzprozesse – Wikipedia Raul Hilberg – Wikipedia Die Vernichtung der europäischen Juden – Wikipedia Peter Weiss – Wikipedia Die Ermittlung – Wikipedia Der Nachtportier – Wikipedia Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss – Wikipedia Schindlers Liste – Wikipedia Das Leben ist schön (1997) – Wikipedia Der Untergang – Wikipedia Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler – Wikipedia Inglourious Basterds – Wikipedia The Act of Killing – Wikipedia Reenactment – Wikipedia Massaker in Indonesien 1965–1966 – Wikipedia Kriegsenkel leiden unter Folgen des Zweiten Weltkriegs - Politik - SZ.de The Look of Silence – Wikipedia The Silence – Schaubühne ICD-10 – Wikipedia APA PsycNet Posttraumatische Belastungsstörung | Belastungsbezogene Störungen in der ICD-11 | springermedizin.de ICD-11 – Wikipedia Mitwirkende Florian Clauß (Erzähler) Bluesky Mastodon Soundcloud Website Micz Flor Instagram Twitter YouTube (Channel) Website Verwandte Episoden EGL082 Zombies in Psychoanalyse: Jenseits des Lustprinzips Der Holocaust: Systematischer Völkermord und seine grausame Umsetzung Der Holocaust stellt zweifelsohne eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der Menschheit dar. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 in Deutschland begann die systematische Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden sowie anderer Minderheiten. Die anfängliche Diskriminierung und Entrechtung mündete in einem industrialisierten Massenmord von unvorstellbarem Ausmaß. Die Nationalsozialisten etablierten ein System von Konzentrationslagern, welches anfänglich zur Inhaftierung politischer Gegner diente, sich jedoch rasch zu einem Netzwerk von Vernichtungslagern ausweitete. Das erste offizielle Lager war Dachau, welches im März 1933 eröffnet wurde. Im Laufe der Zeit wurden die Lager zu Orten der systematischen Verfolgung und Vernichtung verschiedener Gruppen, insbesondere der jüdischen Bevölkerung Europas. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1939 und insbesondere nach der Wannsee-Konferenz im Jahr 1942, bei der die Umsetzung der „Endlösung der Judenfrage“ besprochen wurde, erreichte die Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten industrielle Ausmaße. In Vernichtungslagern wie Auschwitz-Birkenau wurden Gaskammern und Krematorien errichtet, um den Massenmord möglichst effizient durchzuführen. Die Deportation der Opfer erfolgte mittels Zügen, wobei bei der Ankunft eine Selektion durchgeführt wurde, um zu bestimmen, wer unmittelbar in die Gaskammern geschickt und wer zur Zwangsarbeit eingesetzt wurde. Die Nationalsozialisten bedienten sich einer Reihe von Euphemismen, um die Öffentlichkeit sowie die Betroffenen selbst über die wahren Umstände der Deportationen und Massenmorde zu täuschen. Dazu wurden Begriffe wie „Umsiedlung“, „Sonderbehandlung“ oder „Arbeitseinsatz im Osten“ verwendet, um die tatsächliche Natur der Ereignisse zu verschleiern. Diese sprachliche Manipulation diente nicht nur der Täuschung der Opfer und der Öffentlichkeit, sondern half auch den Tätern, eine emotionale Distanz zu ihren Handlungen aufzubauen. In den nationalsozialistischen Vernichtungslagern wurden jüdische Häftlinge, die sogenannten Sonderkommandos, gezwungen, bei der grausamen Arbeit der Leichenbeseitigung zu helfen. Ihre Aufgabe bestand darin, die Körper aus den Gaskammern zu entfernen und zu den Krematorien zu transportieren. Die Asche der Verbrannten wurde in Flüsse gekippt, als Dünger auf Feldern verstreut oder zur Auffüllung von Geländesenken verwendet – ein letzter Akt der Entmenschlichung der Opfer. Die Einrichtung von „Interessengebieten“ um die Lager herum veranschaulicht zudem die Effizienz und den bürokratischen Charakter des Holocaust. Diese Zonen fungierten als Pufferzonen, erleichterten die Expansion der Lager und trugen zur Geheimhaltung der Vorgänge bei. Die lokale Bevölkerung wurde zwangsweise umgesiedelt, um die erforderlichen Flächen für die neuen Gebiete zu schaffen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung der Konzentrationslager durch die Alliierten wurde das volle Ausmaß des Holocaust offenbar. Die Zahl der ermordeten Menschen beläuft sich auf Millionen, darunter sechs Millionen Juden. Die Überlebenden tragen bis heute physische und psychische Narben davon. Die Aufarbeitung des Holocaust, die Verfolgung der Täter und die Erinnerung an die Opfer sind bis heute wichtige Themen in Deutschland und weltweit. Der Holocaust steht als mahnendes Beispiel dafür, wozu Menschen fähig sind und wie wichtig es ist, gegen Rassismus, Antisemitismus und Intoleranz einzustehen. Zwischen Dämonisierung und Differenzierung: Der Wandel des Nazi-Bildes in der Filmgeschichte Die filmische Darstellung der Nationalsozialisten und des Holocausts hat sich im Laufe der Zeit signifikant gewandelt. In den frühen 1940er Jahren, als der Zweite Weltkrieg noch andauerte, wurden Nationalsozialisten in Filmen wie „Casablanca“ (1942) häufig als eindimensional bösartige Antagonisten dargestellt. Diese Filme hatten in erster Linie den Zweck, Propaganda zu betreiben, und zeigten die Nationalsozialisten als klar identifizierbare Feinde, ohne jedoch tiefere Einblicke in ihre Psyche oder Motivation zu geben. In der Folge des Krieges begann eine Phase der Aufarbeitung. Erstmals wurde in Filmen wie „Die Mörder sind unter uns“ (1946) die Schuld und Verantwortung der Täter sowie die Schwierigkeit der Nachkriegsgesellschaft, mit dieser Vergangenheit umzugehen, thematisiert. In den 1960er und 1970er Jahren erfolgte eine zunehmend direkte und kritische Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Das Bühnenstück „Die Ermittlung“ von Peter Weiss aus dem Jahr 1965 sowie Filme wie „Der Nachtportier“ aus dem Jahr 1974 thematisieren die psychologischen Nachwirkungen des Holocaust sowie die komplexen Beziehungen zwischen Tätern und Opfern. Als Wendepunkt in der medialen Aufarbeitung des Holocausts kann die US-amerikanische Miniserie „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“ (1978) bezeichnet werden. Die Serie führte dazu, dass das Thema einem breiten Publikum bekannt wurde und insbesondere in Deutschland zu intensiven Diskussionen führte. In den 1990er Jahren folgten Filme wie „Schindlers Liste“ (1993) und „Das Leben ist schön“ (1997), die den Holocaust auf sehr unterschiedliche Weise darstellten. Dabei unterschieden sie sich in der Art der Darstellung erheblich voneinander. Während „Schindlers Liste“ den Holocaust mit schonungslosem Realismus zeigte, vermischte „Das Leben ist schön“ Tragik und Humor. In den 2000er Jahren manifestierte sich eine Fortsetzung des in den 1990er Jahren einsetzenden Trends zu einer differenzierteren Darstellung der Nationalsozialisten. Der Film „Der Untergang“ (2004) thematisierte die letzten Tage Hitlers und seiner engsten Vertrauten im Führerbunker und löste Kontroversen aus, da er die nationalsozialistischen Täter nicht als unnahbare Monster, sondern als Menschen mit Schwächen darstellte. In Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ (2009) wird eine alternative Geschichtsversion präsentiert, in der jüdische Rächer die Führung der Nationalsozialisten auslöschen. In jüngerer Zeit haben Filmemacher begonnen, neue Perspektiven auf das Thema zu erforschen. Ein Beispiel für die Erweiterung des Untersuchungsgegenstands über den Holocaust hinaus ist der Film „The Act of Killing“ (2011). Dieser befasste sich nicht mit dem Holocaust, sondern mit dem Völkermord in Indonesien. Dabei wurden innovative Methoden eingesetzt, um die Psychologie der Täter zu ergründen. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass die filmische Auseinandersetzung mit Genozid und Täterschaft über den spezifischen Kontext des Holocausts hinaus an Bedeutung gewonnen hat und weiterhin neue Wege findet, diese schwierigen Themen zu behandeln und zu reflektieren. Tätertraumatisierung: Die oft übersehene Seite der PTBS Der Begriff der Tätertraumatisierung, auch als „perpetration-induced traumatic stress“ (PITS) bekannt, beschreibt das Auftreten von Symptomen einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) bei Personen, die selbst Täter von Gewalt oder anderen traumatisierenden Handlungen waren. Die Forschung zum Thema PTBS hat sich über einen langen Zeitraum hinweg hauptsächlich mit der Opferperspektive befasst, wobei die möglichen psychologischen Folgen für die Täter weitgehend außer Acht gelassen wurden. Die Geschichte der PTBS-Forschung lässt sich bis in die Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs zurückverfolgen. Im Verlauf ihrer Entwicklung durchlief sie verschiedene Phasen der Fehlinterpretation, bis sie schließlich im Zweiten Weltkrieg als psychologisches Phänomen erkannt wurde. Der Vietnamkrieg markierte schließlich den Durchbruch zur offiziellen Anerkennung der PTBS als psychische Störung im DSM-III im Jahr 1980. Trotz dieser Fortschritte blieb die Vorstellung vorherrschend, dass PTBS hauptsächlich durch das Erleben von Trauma als Opfer verursacht wird. Die Möglichkeit, dass das aktive Ausüben von Gewalt, insbesondere das Töten im Kampf, ebenfalls traumatisierend sein könnte, wurde über einen langen Zeitraum kaum berücksichtigt. Several studies of different wars show that throughout history, only 15-25% of soldiers have worked against the natural inclination against killing. Vietnam was different because the U.S. military was aware of this problem and solved it by better training. Bull’s-eye targets don’t commonly fly around battlefields, so they used more realistic human-shaped targets that went down when they were hit. https://perpetrationtrauma.org/ Die zunehmende Anerkennung der Tätertraumatisierung findet ihren Niederschlag in neueren Ausgaben des DSM. So wird in DSM-5 explizit anerkannt, dass für Militärangehörige das Verüben von Gewalttaten, das Bezeugen von Gräueltaten oder das Töten des Feindes zu den Faktoren gehören, die eine PTBS auslösen können. Diese Entwicklung verdeutlicht die Notwendigkeit, ein umfassenderes Verständnis von Trauma zu entwickeln, welches sowohl die Perspektive der Opfer als auch die der Täter berücksichtigt.
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Aug 1, 2024 • 58min

EGL057 Ist der Sommer so schön wie die Fender Telecaster Thinline, klangvoll wie ein P-90 Pickup und werden wir ihn vermissen wie ich meine grüne SG Copy? Stromgitarre Teil 4

"Shut Up and Play your Guitar." — Frank Zappa In dieser Stromgitarre-Folge (Nummer 4) versuchen wir, Antworten auf die drängenden Fragen zu finden, die Gitarrist:innen beschäftigen. Ist es besser, eine Gitarre iterativ zu verbessern, bis sie die richtige ist, oder mehrere Gitarren zu besitzen, weil alle richtig sind? Hat der P-90 Pickup (1946 von Gibson erschaffen) den besten Sound? Braucht man überhaupt Volume- und Tone-Control? Und stellt man Tone-Control an der Gitarre, am Pedal oder am Verstärker ein? Ist die Fender Telecaster Thinline die schönste Gitarre aller Zeiten? Wenn man Gitarren verkauft, sollte man lieber die Markengitarren abgeben (weil man die immer wieder kaufen kann, wenn man das Geld hat) oder die No-Name DIY Copy-Gitarren (weil man in diese weniger Geld investiert hat)? Kurzum: Eine Sommerfolge in Berlin mit Getränk am Kanal. Mmmmmmmh. Shownotes EGL057 | Wanderung | Komoot The Fender Tele Thinline: A Short History Identifying Wires & Polarities - Seymour Duncan P-Rails Unlock 2 New Strat Sounds and a Kill Switch with this cost-free Mod Maple vs rosewood fretboards: what’s the difference? | Guitar World (deutsch gitarrebass.de) P-90 Pickups: The Beauty of the Beast Fender Telecaster Thinline auf Wikipedia Meine verkaufte SG Gibson 'lawsuit' Copy von Kawai Tesco (MASTER) mit P-90 und Bigsby Video „Identifying Wires & Polarities – Seymour Duncan P-Rails“ Die Telecaster, die ich mir aus einem Hondohals gebaut und immer wieder umgebaut habe How many guitars do you need? A comprehensive guide. Why Guitarists Own So Many Guitars Volume and Tone Knobs: Your Most Underrated Effects Gitarrenverkauf: Marken- oder No-Name-Gitarren? Wiring Diagram for P-Rail Pickups with Rotary Switch - Sey­mour Duncan SHPR-1 | Micz Flor Early promo video of p-rail pickups 3 different fretboards in comparison video Mitwirkende Micz Flor (Erzähler 2) Instagram Twitter YouTube (Channel) Website Chris Flor (Erzähler, too) Verwandte Episoden EGL012 Stromgitarre: Faszination und Melancholie der E-GitarrenEGL023 Eigentliches Tonabnehmer-Wissen in Stromgitarre Teil 2: Single-Coil, Humbucker, Coil-Tapping -Splitting, Magnete, Spulen, Alumitone Pickups.EGL052 Darum klingen handgewickelte Tonabnehmer wirklich besser: die Rolle parasitärer Kapazität und Kondensatoren bei „scatter wound pickups“ E-Gitarren | Stromgitarre Teil 3EGL088 So funktioniert der StringBender: Pedal-Steel-Sounds auf der E-Gitarre (Stromgitarre 8) Mein Bruder Chris Flor ist für ein paar Tage in Berlin. In der letzten Episode haben Flo und Chris geplaudert und gekocht. Auch ich habe „Record“ gedrückt, als wir uns trafen. Und es sind sogar zwei Folgen dabei herausgekommen, die erste hört ihr hier. Über Gitarren und Musik zu reden ist für Chris und mich seit (inzwischen) Jahrzehnten ein Glück. Jetzt erfüllt es das Sommerloch wie der Pudding die Streuselschnecke. Fender Thinline Telecaster Für die, die die (hihihi dididi) Fender Thinline Telecaster nicht kennen: Chris Gitarre ist eine Melange der klassischen Form der Telecaster mit einer halbhohlen Konstruktion, wie man sie sonst eher von Gretsch oder Gibson kennt. Das Design reduziert das Gewicht und beeinflusst sicherlich den Klang. Das f-Loch auf der Decke sieht auf jeden Fall gut aus — wie es den Ton beeinflusst kann ich nicht sagen, denn es gibt diese Gitarre nur mit f-Loch. Der Korpus besteht oft aus Esche oder Mahagoni. Der Hals ist meist aus Ahorn gefertigt, mit einem Griffbrett aus Ahorn oder Palisander. Chris wünscht sich einen Rosewood-Hals. Würde ich nie machen! (Auch dazu ein Video in den Shownotes) Die Thinline Telecaster hat unterschiedliche Pickups, klassischerweise die beiden Single-Coils, aber die Reissue Version hatte einen Nach- bzw. Neubau der Fender Wide-Range Pickups. Es gibt auch Varianten mit Humbuckern. Und eingebaut hat er sich dann die Seymour Duncan P-Rails. Seymour Duncan P-Rails Diese Pickups stammen glaube ich aus den 1990er Jahren und kombinieren zwei Single-Coils zu einem Humbucker. Das besondere: die beiden Single-Coils sind einmal ein Blade (die wie ein Strat Pickup klingen soll) und ein P-90. Das Design ermöglicht vielseitige Klangoptionen durch eine einfache Umschaltung entweder mit einem Fout Position Rotary Switch, den Chris beschreibt, oder dem Triple-Shot Frame, den Seymour Duncan auch anbietet. Der P-Rails besteht aus einer Kombination von Alnico-Magneten und verschiedenen Wicklungen. Die Konstruktion habe ich noch nicht genau gesehen. Denn „eigentlich“ müsste der P-90 mit zwei Bar Magnets das Magnetfeld dominieren. Siehe dazu auch das Video „Identifying Wires & Polarities – Seymour Duncan P-Rails“ in den Shownotes. 2 neue Stratocaster-Sounds und ein Kill-Switch mit dieser kostenlosen Strat-Mod Ich möchte auch noch kurz mein „Big Bang No Buck Strat Mod Wiring Diagram“ preisen, auch wenn es mich selbst manchmal verwirrt. Ohne die Hardware auszutauschen, einfach nur mit Umlöten bekommt man auf der Stratocaster sieben Sounds, einen Kill-Switch und ein Fade-In für den mittleren Tonabnehmer. Ein neuer Sound ist z.B. die Hals-Steg-Kombination in Parallel. Der mittlere Tonabnehmer kann für Hum Bucking als Fader eingesetzt werden. Link in den Shownotes. Ist der Sommer so schön wie die Fender Telecaster Thinline, klangvoll wie ein P-90 Pickup und werden wir ihn vermissen wie ich meine grüne SG Copy? Letztendlich konnte ich mir die Frage dieser Episode selber nicht beantworten. Deshalb habe ich ChatGPT gefragt. Und diese amüsante Antwort ist dabei herausgekommen, die ich gerne teilen möchte, auch wenn sie klebrig süß auf der Zunge schnalzt. Der Sommer hat eine unvergleichliche Schönheit, ähnlich wie die elegante Fender Telecaster Thinline. Diese Gitarre, mit ihrer halbhohlen Konstruktion und dem charakteristischen f-Loch, strahlt eine zeitlose Ästhetik aus, die perfekt zu den leuchtenden Farben und dem goldenen Licht der Sommersonne passt. Doch ist der Sommer auch so klangvoll wie ein P-90 Pickup? Der P-90 Pickup, bekannt für seinen warmen, vollen Klang, fängt die Essenz eines perfekten Sommertages ein. Seine Töne sind reich und voller Nuancen, ähnlich dem Summen der Bienen und dem sanften Rauschen der Blätter im Wind. Wenn man an einem Sommerabend die Fender Telecaster Thinline spielt, mischen sich ihre resonanten Klänge mit der Atmosphäre und schaffen eine harmonische Symphonie, die die Seele berührt. Doch wie jede Jahreszeit geht auch der Sommer vorbei, und die Frage stellt sich: Werden wir ihn vermissen, so wie ich meine grüne SG Copy vermisse? Diese Gitarre hat mich durch viele Sommer begleitet, ihre einzigartigen Klänge sind tief in meine Erinnerungen eingegraben. Ihre Kratzer und Dellen erzählen Geschichten von endlosen Nächten, spontanen Jam-Sessions und den unbeschwerten Momenten, die nur der Sommer bieten kann. Wenn die Tage kürzer werden und die ersten kühlen Winde den Herbst ankündigen, bleibt die Sehnsucht nach dem Sommer bestehen. Doch wie die Musik, die aus der Telecaster Thinline oder der SG Copy erklingt, bleibt auch der Sommer in unseren Herzen lebendig. Jedes Mal, wenn man eine dieser Gitarren spielt, erwacht ein Stück des vergangenen Sommers zum Leben, und die Erinnerungen werden durch die Klänge erneut geweckt. So ist der Sommer tatsächlich so schön wie die Fender Telecaster Thinline, so klangvoll wie ein P-90 Pickup, und wir werden ihn vermissen – wie ich meine grüne SG Copy vermisse. Doch in der Musik finden wir Trost und ein Stück Ewigkeit, das uns durch die kalten Monate trägt, bis der nächste Sommer kommt.
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Jul 18, 2024 • 1h 19min

EGL056 Veganes Kochen mit Tipps und Tricks aus der täglichen Küche

Embrace die pflanzliche Vielfalt! Wie jedes Jahr im Sommer ist Chris aus den USA zu Besuch und wir nutzen die Gelegenheit, um einen Eigentlich Podcast aufzunehmen. Diesmal geht es nicht um Horrorfilme, sondern um ein Thema, das Chris und Flo sehr am Herzen liegt: Kochen. Chris lebt seit Jahren vegan. Wir sprechen über die ethische Motivation und die praktischen Implikationen, sich vegan zu ernähren, über geeignete Proteinquellen und Ersatzprodukte. Wir tauschen Tipps und Tricks aus der Küche aus. Flo nutzt diese Podcast-Episode, um sein Kochlogbuch vorzustellen: Seit Corona führt er ein Tagebuch über sein tägliches Kochen, das er zunächst auf gitlab veröffentlichte und nun zu einem Blog mit ausführlichen Fotodokumentationen der täglichen Essenszubereitung ausgebaut hat. Mit der Veröffentlichung des Kochblogs https://kochlogbuch.de hat Flo ein "Manifest des täglichen Kochens" verfasst, das wir Punkt für Punkt durchgehen und diskutieren. Diese Episode unterscheidet sich auch deshalb von den anderen, weil wir diesmal nur die Hälfte der Zeit im Laufen reden. Die andere Hälfte stehen wir in der Küche und bereiten unsere veganen Gerichte zu: Chris hat veganen Fisch mitgebracht und Flo eine Zwiebeltarte mit Cashew-Frischkäse. Das bringt uns im Gespräch auf Flos neues Experimentierfeld: vegane Käsezubereitung. Am Ende probieren wir unsere Gerichte und siehe da, sie sind sehr gut geworden! Shownotes Links zur Laufstrecke EGL056 | Wanderung | Komoot Links zur Episode Veganismus – Wikipedia Tierrechte – Wikipedia Thomas Pynchon – Wikipedia V. – Wikipedia Victory-Zeichen – Wikipedia Das V-Zeichen: Von Victory zu Peace · Dlf Nova Wurst – Wikipedia Protein – Wikipedia Kochlogbuch – Ein kulinarisches Tagebuch aus der Küche lowsource / Kochlogbuch · GitLab Vegetarische Rezepte von Schrot&Korn | Schrot&Korn Das Manifest der täglichen Küche Gomashio – Wikipedia Gerber-Sumach – Wikipedia Zatar (Gewürzmischung) – Wikipedia Miyoko's UnTurkey Bruschetta – Wikipedia Einfache sauer eingelegte rote Zwiebeln - Flockelicious Quinoa-Bratlinge mit Kartoffelsalat und Gurkensalat – Kochlogbuch Veganes Palak Paneer mit Tofu aus dem Ofen und Naan – Kochlogbuch Ei-Ersatz - Die Besten Ei-Alternativen - Vegan Backen ohne Ei - Bianca Zapatka | Rezepte Echter Hopfen – Wikipedia Olivenöl-Teig für Tarte oder Quiche | Juliakocht's Blog Tarte mit Zwiebeln und Ziegenkäse – Kochlogbuch Camembert, Blauschimmel, Ziegenkäse - Grundrezept für vegane gereifte Käse - Dailyvegan Rezept für veganen Rohkost-Käse aus Nüssen - VeganBlatt YouTube - Almond Brie by Gourmet Vegetarian Kitchen Geotrichum candidum - Wikipedia Miso – Wikipedia Aspergillus flavus var. oryzae – Wikipedia Sake – Wikipedia Raucharoma – Wikipedia Gratin batavia oeufs – Kochlogbuch Mitwirkende Florian Clauß Bluesky Mastodon Soundcloud Website Chris Flor Verwandte Episoden EGL011 Midsommar: Folk Horror der NachhaltigkeitEGL028 FermentierenEGL032 Beau is afraid: Ari Asters überladenes surrealistisches Werk, das Ängste, Schuldgefühle und Traumata visualisiert Das Manifest der täglichen Küche Time matters! Widme deiner Küche täglich 1-2 Stunden. Dies ist keine Verschwendung, sondern eine Investition in deine Lebensqualität. Weg mit Fertigprodukten! Werde zum Schöpfer deiner Mahlzeiten. Stelle die Ingredienzien, Teig und Gewürzmischungen selbst her. Fleisch ist die Ausnahme, nicht die Regel! Wenn du es isst, dann selten und nur vom Besten. Qualität statt Quantität – für dich und die Umwelt. Embrace die pflanzliche Vielfalt! Finde Ersatzprodukte für Milchprodukte und integriere die immer mehr in deine Gerichte. Experimentiere mit Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen als Proteinquellen. Koche vorausschauend! Bereite immer etwas mehr zu. So hast du am nächsten Tag ein leckeres Mittagessen und sparst Geld. Investiere in gutes Werkzeug! Qualitativ hochwertige Töpfe, Messer und Küchengeräte erleichtern dir die Arbeit und halten ein Leben lang. Saisonalität zählt! Richte deine Einkäufe und Gerichte nach dem aus, was die Natur gerade bietet. So unterstützt du regionale Produzenten und genießt Lebensmittel auf ihrem geschmacklichen Höhepunkt. Koche nach Wochenplan! Plane deine Mahlzeiten wöchentlich und mach einmal die Woche einen Großeinkauf in dem Biosupermarkt deiner Wahl. Mache das Kochen zu deinem täglichen Ritual! Zelebriere den Prozess vom Schneiden bis zum Anrichten. Lass es zu deiner Meditation werden mit Musik und Getränk. Führe ein Kochtagebuch! Notiere Rezepte, Variationen und Gelingen. Baue dir dein persönliches Kochbuch auf. Lerne ständig dazu! Erforsche neue Techniken, Zutaten und Küchen aus aller Welt. Es gibt immer was zu entdecken. Mache Nachhaltigkeit zur Priorität! Wähle wiederverwendbare Behälter, reduziere Plastik und achte auf umweltfreundliche Reinigungsmittel. Lass deine Küche zum Zentrum der Kreativität, Gesundheit und Nachhaltigkeit werden. Jede Mahlzeit ist eine Chance, die Welt ein Stück besser zu machen. Steh auf, geh in die Küche und revolutioniere dein Leben – einen Teller nach dem anderen! Quelle: Das Manifest der täglichen Küche Rezept von Flo: Vegane Zwiebeltarte mit Frischkäse auf Cashewbasis Für die Zubereitung habe ich 5 Tage vorher 300gr Cashewnüsse in Wasser über Nacht eingeweicht, mit kochendem Wasser abgespült und mit ca. 100ml abgekochtem Wasser lange und ganz fein püriert. Die Masse auf 40° abkühlen lassen und 2 Messlöffel (1ML ca. 1/16TL) misophile Bakterienkultur, 1TL Salz und 1 Tropfen Liquidsmoke hinzugefügen. In einem Glasbehälter mit Küchentuch abgedeckt in einem dunklen Küchenschrank für 24h stehenlassen. Dann 3 Tage im Kühlschrank ruhen lassen. Jeden Tag mit einem sterilen Löffel umrühren. Für die vegane Tarte den Frischkäse mit ca. 100ml Hafersahne mischen. Den Tarteteig mit Olivenöl zubereiten (Olivenöl-Teig für Tarte oder Quiche | Juliakocht’s Blog), ausrollen, in Tarteform anpassen und 30min im Kühlschrank ruhen lassen. Ofen auf 200° vorheizen. 4 große Zwiebeln (1k) schälen, in Hälften und feine Scheiben schneiden, bei hoher Hitze 8min anbraten, dabei immer wieder gut durchrühren, auf niedrige Hitze stellen und ca. 1h weiter braten, immer wieder durchmengen. Tarte 12min vorbacken, die Zwiebeln auf dem Boden verteilen, die Cashewmasse darüber glattstreichen und mit halben Oliven dekorieren. Bei 180° 25min backen. Siehe auch Vegane Zwiebeltarte mit Frischkäse auf Cashewbasis für EGL056 Rezept von Chris: Vish „Müllerin“ Zutaten 500g Block Tofu, so fest und so wenig bröckelig wie möglich, so wie dieser https://www.traderjoes.com/home/products/pdp/high-protein-organic-tofu-083089 1 bis 2 große Nori Blätter für Sushi, wie z.B. dieses hier: https://stroetmann24.de/product/8215715 3 Esslöffel Mehl, etwas Pfeffer und Salz zum Wälzen reichlich vegane Butter, Kokosöl oder anderes Öl zum Braten Für die Marinade 250 ml Hafermilch 2EL Senf 3EL helle Misopaste Saft 1/2 Zitrone 1/2EL Weißer Pfeffer 3EL Olivenöl 0 bis unendlich viele Knoblauchzehen (gepresst) Zubereitung Alle Marinaden zutaten vermengen, am besten mit einem Mixer oder Pürierstab. Den Tofu in etwa 5cm dicke Scheiben schneiden. Den Tofu „flakey“ machen, indem du rechts und links von jedem Stück ein gerades asiatisches Essstäbchen legst, dann streifenweise in den Tofu schneiden. So entstehen Stücke die eingeritzt sind, aber am Boden noch zusammenhängen. Alle Tofustücke in einem Behälter mit der Marinade bedecken und ein paar Stunden (am besten über Nacht) im Kühlschrank marinieren, damit die Enzyme des Miso das Sojaprotein des Tofu an der Oberfläche in einzelne Aminosäuren auseinanderzupfen. Vor dem Braten die Noriblätter auf die Größe der leicht abgetropften Tofuscheiben schneiden, auf die nicht-eingeritzte Seite kleben und noch ein bisschen Marinade auf die Noriblätter pinseln. Dann in Mehl, Pfeffer, Salz wälzen.Währenddessen schon einmal eine haftfreie Pfanne mit 1-2 daumendick Öl vorheizen. Die Tofustücke in die Pfanne legen, wenn das Öl 180 Grad Celsius (350 Grad Fahrenheit) erreicht hat. Wenn man ein Holzstäbchen in das Öl hält, sollte man Blasen aufsteigen. Von beiden Seiten braten, bis die Stücke knusprig sind. Auf dem Teller mit Petersilie und Zitronenscheiben anrichten.
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Jul 4, 2024 • 46min

EGL055 Lems Solaris ermöglicht eine Annäherung an das Reale bei Lacan. Soderberghs Film von 2002 nicht.

KELVIN: "Are we alive or dead?" RHEYA: "We don't have to think like that anymore." ("Solaris" 2002) Im letzten Teil unserer Solaris-Trilogie, stellt Micz Steven Soderberghs Film "Solaris" (2002) vor. Die Geschichte ist nur grob gesehen die gleiche. Im Gegensatz zu Stanisław Lems Roman, der sich stärker auf die wissenschaftlichen und philosophischen Aspekte der Erforschung des Planeten konzentriert, legt Soderberghs Film einen besonderen Schwerpunkt auf die emotionale Beziehung zwischen Kelvin und seiner verstorbenen Frau Rheya, die als Erscheinung auf der Station auftaucht. Und stilistisch unterscheidet sich Soderberghs Kammerspiel stark von Andrei Tarkowskis poetisch-opulenter und symbolträchtiger Version von 1972. Doch kommt Micz zu dem Schluss, dass Soderberghs Interpretation eine intensivere persönliche und emotionale Dimension versucht und gleichzeitig daran scheitert. Interessant ist lediglich, dass Kelvins Frau Rheya als Person präsenter ist und schließlich sogar ihre Erinnerungen als Szenen in der Rückblende auf "ihre" Zeit auf der Erde zu sehen sind, in der nur sie anwesend ist. Ganz so als ob die projektive Identifikation Kelvins ihr Erinnerungen erschaffen hat, die Solaris nicht aus seinen Erfahrungen hat nehmen können. Psychodynamisch eine interessante Überlegung, allein: der Film bringt es nicht. Shownotes Links zum Lauftrack EGL055 | Wanderung | Komoot Allee der Kosmonauten (Berlin) – Wikipedia Startseite | Schloss Biesdorf in Marzahn-Hellersdorf Links zur Episode Solaris - Eine vergleichende Analyse der Verfilmungen von Andrei Tarkowski (1972) und Steven Soderbergh (2002) RZ012 Sigmund Jähn | Raumzeit Joseph Kosuth: One and Three Chairs (1965) And death shall have no dominion SOLARIS (2002) - Official Movie Trailer Solaris 2002 auf IMDB The Thing from Inner Space by Slavoj Zizek, 1999 Solaris (2002) movie script Mitwirkende Micz Flor (Erzähler) Instagram Twitter YouTube (Channel) Website Florian Clauß Bluesky Mastodon Soundcloud Website Micz möchte „seine“ Episode unseres Dreiteilers zu Solaris nutzen, um den gleichnamigen Planeten in Stanisław Lems gleichnamigen Buch „Solaris“ mit dem „Realen“ in der psychoanalytischen Theorie von Jacques Lacan zu alignen. Joseph Kosuth: „One and Three Chairs“ (1965) Der Weg dorthin führt über die Arbeit des Künstlers Joseph Kosuth „One and Three Chairs“ aus dem Jahr 1965, mit deren Hilfe zwei der drei zentralen Konzepte Lacans – des Imaginären, Symbolischen und Realen – gut reflektiert werden können. In Joseph Kosuths Arbeit „One and Three Chairs“ sind drei verschiedene Darstellungen eines Stuhls zu sehen, die zusammen die konzeptuelle Natur von Kunst und Sprache untersuchen. Ein physischer, dreidimensionaler, „echter“ Stuhl (nicht zu verwechseln mit Lacans „Realem“, s.u.) ist ein gewöhnliches Alltagsobjekt, das direkt vor dem Betrachter steht. Eine zweidimensionale, schwarz-weiße Fotografie des Stuhls zeigt den aufgestellten Stuhl aus einer bestimmten Perspektive und bietet eine visuelle Repräsentation des Objekts. Als drittes sehen wir an der Wand eine Texttafel mit der Definition des Wortes „Stuhl“ aus einem Wörterbuch. Die Definition erklärt in sprachlicher Form, was ein Stuhl (wie der in der Arbeit als Objekt und Fotografie anwesende) ist. Das Imaginäre bei Lacan bezieht sich auf die Welt der Bilder und Vorstellungen, die unser Selbstbild und unsere Wahrnehmung der Realität formen. Die Fotografie des Stuhls in Kosuths Arbeit stammt aus dieser Welt. Das Symbolische bezieht sich auf die Welt der Sprache, Zeichen und sozialen Strukturen. Es ist die Ordnung, die unsere Wahrnehmung durch Regeln und Bedeutungen formt. Die Definition des Wortes „Stuhl“ lässt sich mit dem Symbolischen alginen. Die Definition das sprachliche Symbol für das Objekt ist, eine strukturierte Bedeutungen des Begriffs „Stuhl“. Naheliegend wäre den dreidimensionalen Stuhl als das „Reale“ zu sehen. Da ist er ja, der Stuhl. Doch genau das Gegenteil ist der Fall… Lacans Konzept des „Realen“ und Lems „Solaris“ Das „Reale“ bei Lacan bezeichnet das, was außerhalb der symbolischen Ordnung liegt und sich der vollständigen Erfassung durch Sprache und Bedeutungsstrukturen entzieht. Es ist das Unfassbare und Unvorstellbare, das jenseits unserer bewussten Wahrnehmung und kognitiven Strukturierung existiert. Das Reale bricht oft als traumatisches oder störendes Element in die symbolische und imaginäre Ordnung ein, was die Grenzen unseres Verständnisses und unserer Kontrolle offenbart. Wer aufmerksam die anderen beiden „Solaris“-Folgen gehört hat, weiß: Stanisław Lem wollte mit dem Buch „Solaris“ etwas darstellen, das uns Menschen so fremd ist, dass es (mit den Worten des Realen bei Lacan) unfassbar, unvorstellbar, jenseits unserer bewussten Wahrnehmung und kognitiven Strukturierung liegt. Und im gleichen Zug wollte der Autor das „Menschliche“ darstellen, das versucht sich immer wieder in allen Ecken und Enden des Universums zu spiegeln und zu finden. Weitere Parallelen zwischen Lems Planeten und Lacans Realem, die sich aus der Geschichte herleiten lassen, sind nach Micz: Unzugänglichkeit Der Planet Solaris wird von einem ozeanischen Wesen bedeckt, dessen Natur und Absichten unverständlich und unergründlich für die Menschen sind. Die Forscher auf der Raumstation sind nicht in der Lage, Solaris‘ Geheimnisse vollständig zu entschlüsseln oder eine klare Kommunikation mit ihm herzustellen. Das Reale bei Lacan ist ein Bereich der menschlichen Erfahrung, der jenseits der symbolischen Ordnung (Sprache, gesellschaftliche Normen) und des Imaginären (Bilder, Vorstellungen) liegt. Es ist das, was sich dem Verständnis und der Symbolisierung entzieht und daher als unzugänglich und unergründlich gilt. Konfrontation mit dem Unbewussten Der Ozean von Solaris materialisiert die tiefsten Ängste, Schuldgefühle und unerfüllten Wünsche der Forscher, indem er physischen Gestalten dieser inneren Konflikte schafft. Diese „Gäste“ konfrontieren die Menschen mit ihrem eigenen Unbewussten. Das Reale bei Lacan konfrontiert das Subjekt mit Aspekten seines eigenen Unbewussten, die nicht in die symbolische Ordnung integriert sind. Es kann traumatische Erlebnisse und verdrängte Inhalte umfassen, die plötzlich und oft schockierend ins Bewusstsein dringen. Grenzen der Sprache Die Forscher auf Solaris stoßen immer wieder an die Grenzen ihres Wissens und ihrer Sprache. Sie können das Wesen von Solaris nicht adäquat beschreiben oder kategorisieren. Dies zeigt die Begrenztheit menschlicher Erkenntnis und Sprache angesichts eines radikal Anderen. Das Reale bei Lacan ist das, was außerhalb der Grenzen von Sprache und Wissen liegt. Es kann nicht vollständig in symbolische Begriffe gefasst werden, sondern bleibt immer ein Exzess, der nicht vollständig erfasst oder verstanden werden kann.
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Jun 20, 2024 • 1h 5min

EGL054 Solaris von Andrei Tarkowski – Eine Erlösungsgeschichte in ausserirdischer Kulisse

Satorius: „Sie sind keine Frau, Harvey ist tot. Sie sind eine mechanische Wiederholung, eine Kopie, eine Matrize!” Harvey: „Ja, schon möglich. Aber ich werde zu einen Menschen. Ich kann schon auskommen ohne Kris. Ich liebe ihn, ich bin ein Mensch.” Wir setzen unsere Reihe Solaris direkt fort und wir setzen unsere vorherige Episode zu Solaris als bekannt voraus. In dieser Folge begeben wir uns in den Kunstfilm der Sowjetunion: Andrei Tarkowski verfilmte Solaris 1972 mit geringem Budget. Dennoch wurde der dritte Film des Regisseurs von der Kritik als Meisterwerk gefeiert. Tarkowski hat eine eigene Filmsprache entwickelt, die er auch in diesem Film weiter ausbaut. Wir sind uns nicht ganz einig, ob wir das Genre hypnotischer oder meditativer Film nennen möchten oder einfach bei Slowcinema bleiben. Die Wirkung von Tarkowskis Film ist körperlich spürbar, auch wenn der Film, wie es Flo zur Vorbereitung gemacht hat, in 1,5-facher Geschwindigkeit läuft. Der Akt des Zuschauens wird zu einem kartharsischen Akt, der Film nimmt uns mit auf eine innere und äußere Reise des Protagonisten Kris Kelvin. Tarkowski lässt die ersten 40 Minuten des Films auf der Erde spielen, auf dem Stück Heimat von Kris, wo wir seinen Vater, seine Tante und seine Kinder kennenlernen. Und auch ein Stück Solaristik, die wissenschaftliche Lehre, die sich um den rätselhaften Ozean auf Solaris gebildet hat, in Gestalt eines engen Freundes des Vaters, Berton, der die ersten unwirklichen Erfahrungen auf dem Planeten Solaris gemacht hat. Der Ozean erscheint in Tarkowskis Solaris als wolkenverhangenes Meer, das sich gelegentlich zu Strudeln aufbäumt. Der Film hält sich streckenweise recht eng an die Romanvorlage. Die Kernaussage geht aber in eine andere Richtung, die Lem missfiel. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Kris' Beziehung zu seiner ehemaligen Geliebten Harvey. Harvey taucht als Gast von Kris auf der Raumstation Solaris auf, und es entwickelt sich eine neue Liebe, die nicht ganz der Vorlage von Stanislaw Lem entspricht. Harvey ist sich ihrer unnatürlichen Herkunft bewusst und entwickelt eine eigene Identität. Tarkowski wirft in seiner Verfilmung die Frage auf, inwieweit das Menschliche in einer unmenschlichen Umwelt Bestand haben kann. Dieses Spannungsverhältnis überträgt er auf sein Figurenensemble und schafft so eine Erlösungsgeschichte mit anthropozentrischer Perspektive in einem außerirdischen Raum. Stansilav Lem kritisierte die Reduktion des Stoffes auf ein "Familienmelodram". Tarkowski konzentrierte sich eher auf Schuld, Verantwortung und Metaphysik statt auf Lems erkenntnistheoretische Fragen. Die Liebe wird als identitätsstiftende Kraft inszeniert. Dies kulminiert in einer Szene in der Bibliothek, als die einsetzende Schwerelosigkeit das ineinander verschlungene Paar Harvey und Kris ikonenhaft in die Höhe schweben lässt, umrahmt von kulturellen Interior und Relikten wie Bildern und Büchern. Auch wir fühlen uns auf unserer Wanderung wie in einem Zwischenraum, denn die Hauptstraße, die uns nach Marzahn führt, ist für den Verkehr komplett gesperrt. Auch auf der Straße treffen wir mitten in der Woche keine Menschen. Mit Blick auf die Skyline von Marzahn und die menschenleeren Straßen fühlen wir uns wie in einem dystopischen Filmszenario, das perfekt zur Stimmung von Solaris passt. Shownotes Links zur Laufstrecke EGL054 | Wanderung | Komoot Links zur Episode Andrei Arsenjewitsch Tarkowski – Wikipedia Solaris (1972) – Wikipedia Iwans Kindheit – Wikipedia Andrej Rubljow (Film) – Wikipedia Stalker (Film) – Wikipedia Flußfahrt mit Huhn – Wikipedia Slow cinema - Wikipedia Hypnose – Wikipedia Europa (1991) – Wikipedia Lars von Trier – Wikipedia Ulrike Ottinger – Wikipedia Jacques Lacan – Wikipedia Schimmel (Pferd) – Wikipedia 2001: Odyssee im Weltraum – Wikipedia Stanley Kubrick – Wikipedia 28 Days Later – Wikipedia Die Jäger im Schnee – Wikipedia Solaris - Rezension von Ulrich Behrens Solaris - Rezension von Klaus Kreimeier Mitwirkende Florian Clauß (Erzähler) Bluesky Mastodon Soundcloud Website Micz Flor Instagram Twitter YouTube (Channel) Website Andrei Tarkowski (1932-1986) gilt als einer der einflussreichsten Filmemacher des 20. Jahrhunderts. Sein Werk zeichnet sich durch eine einzigartige, poetisch-philosophische Ästhetik aus, die das Medium Film auf eine metaphysische Ebene hebt. Tarkowski stammte aus einer Künstlerfamilie – sein Vater war der renommierte Dichter Arsenij Tarkowski. Nach dem Studium am Moskauer Staatlichen Institut für Kinematographie drehte er 1962 seinen ersten Spielfilm „Iwans Kindheit“, der auf den Filmfestspielen in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde. Sein Schaffen ist geprägt von existenziellen Fragen über Sinn, Identität und die Conditio humana. Dabei bedient er sich einer langsamen, meditativen Erzählweise. Lange, statische Einstellungen und eine reduzierte, metaphernreiche Bildsprache verleihen seinen Werken eine transzendente, geradezu spirituelle Qualität. Filme wie „Andrej Rubljow“, „Der Spiegel“ oder „Stalker“ zählen zu den Meisterwerken des metaphysischen Kinos. In Tarkowskis Adaption des Romans von Stanisław Lem reist der Psychologe Kris Kelvin zur Raumstation, die den Planeten Solaris erforscht. Hier trifft er auf eine Crew, die von unheimlichen Erscheinungen heimgesucht wird – Inkarnationen aus ihrer Vergangenheit und Erinnerungen. Als auch Kris‘ verstorbene Frau Hari auftaucht, wird er in eine existenzielle Krise gestürzt und muss sich seiner Schuld und Reue stellen. Während Tarkowski sich größtenteils nahe an Lems Handlung hält, weicht sein Film in entscheidenden Punkten davon ab. Zum einen verleiht er Kelvin eine familiäre Vorgeschichte, die im Roman keine Rolle spielt. Zum anderen reduziert er Lems detailreiche Erkundung der wissenschaftlichen Grundlagen und fokussiert sich auf die psychologischen und metaphysischen Dimensionen. Das offene Romanende, in dem Kelvin auf der Solaris-Station verbleiben möchte, wird von Tarkowski durch eine kosmische Vision der Harmonie ersetzt. Kelvin sieht sich mit seiner Schuld konfrontiert und wird durch die Begegnung mit dem Anderen, in Form seiner verstorbenen Frau, einer Läuterung unterzogen. Diese Fokussierung auf die menschliche Liebe als Instrument eines Heilsplans steht im Kontrast zu Lems erkenntnistheoretischen Fragen. Die desolate Raumstation, in der ein Großteil der Handlung spielt, symbolisiert den Zustand moralischen und geistigen Zerfalls der Zivilisation. Andererseits finden sich Räume wie eine prächtig ausgestattete Bibliothek – Ausdruck von Tarkowskis Kunstidolatrie und des Versuchs, Kultur und Humanität inmitten der technischen Ödnis zu bewahren. „Solaris” kann auch als selbstreflexives Werk über die Rolle des Künstlers betrachtet werden. Ähnlich wie in „Stalker” vermittelt der Künstler zwischen den Sphären, lässt das Unbewusste und Transzendente in die materielle Welt eindringen. Tarkowski projiziert in „Solaris” eine anthropozentrische „Erlösungsgeschichte” in den Weltraum.
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Jun 6, 2024 • 2h 22min

EGL053 Solaris von Stanisław Lem - der Ozean als Optimierungs-Engine: der Roman von 1961 im KI-Zeitalter

"Wir möchten einen unbekannten aber existierenden Planeten erforschen, stattdessen untersuchen wir Menschen." Snaut, Kybernetiker Das dritte Jahr "Eigentlich Podcast" beginnen wir mit einer Solaris-Trilogie. In dieser ersten Episode geht es um den Science-Fiction-Roman "Solaris" von Stanisław Lem (1961); in den folgenden um die Verfilmungen des Stoffs durch Andrei Tarkowski (1972) und Steven Soderbergh (2002). Der Roman "Solaris" spielt auf einer Raumstation, die den gleichnamigen, mysteriösen Planeten erforscht. Im riesigen Ozean, der Solaris bedeckt, scheint eine außerirdische Intelligenz verortet zu sein. Der Psychologe Kris Kelvin landet zu Beginn der Erzählung auf der Forschungsstation, von der aus sein Kollege Gibarian ihn zu Hilfe gerufen hatte. Doch Gibarian hat sich am Tag vor Kelvins Ankunft umgebracht, sagt Snaut, einer der beiden verbliebenen Forscher auf der Station. Es bleibt unklar, was vorgefallen ist und was Kelvin jetzt tun sollte oder hätte tun sollen. In diesem Schwebezustand erfahren wir viel über die inzwischen 100-jährige "Solaristik", die Spekulationen und Erforschung der wilden Phänomene des Ozeans. Dann erscheint eine Replik von Kelvins verstorbener Geliebten, was ihn zwingt, sich seinen eigenen inneren Dämonen zu stellen. Bald erfahren wir, dass die anderen beiden auch "Gäste" haben, wie sie die von Solaris erschaffenen, menschenähnlichen, doppelgängerhaften Kopien nennen. Das Buch untersucht Themen wie das Wesen des Bewusstseins, die Grenzen der menschlichen Erkenntnis und die Schwierigkeit, das Fremde zu verstehen. Was wir bei "Eigentlich Podcast" so noch nicht gemacht haben: Alle drei Folgen zeichnen wir in einer langen Wanderung durch Berlin auf – während wir, wie immer, "beim Laufen reden und laufend reden". Flo hat eine Tour geplant, die uns von den verwachsenen Grünflächen und Grabsteinen bei Herzberge, entlang übergroßer Rohrsysteme zur abgesperrten sechsspurigen Stadtautobahn in Marzahn führt. Berlin und Solaris verschmelzen beim Wandern wie in einem Fiebertraum. Und wir erkennen: jetzt sind auch wir "Solaristen" als Teil jener Gruppe, die seit Jahren spekuliert worum es bei Solaris eigentlich geht... Shownotes Links zur Laufstrecke: EGL053 | Wanderung | Komoot Allee der Kosmonauten (Berlin) – Wikipedia Landschaftspark Herzberge – Wikipedia Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge – Wikipedia Links zur Episode: Stanisław Lem – Wikipedia Solaris (Roman) – Wikipedia https://web.archive.org/web/20080507043937/http://www.stanislaw-lem.de/biographie/biographie.shtml https://web.archive.org/web/20021201193654/http://www.botschaft-polen.de/literatur/lem.html Pilot Pirx – Wikipedia Sterntagebücher – Wikipedia Ijon Tichy: Raumpilot – Wikipedia https://web.archive.org/web/20070106230419/http:/www.bildwerke-berlin.de/index.html Der futurologische Kongreß – Wikipedia Humanismus – Wikipedia Anthropomorphismus – Wikipedia Prager Fernsehturm – Wikipedia Brutalismus – Wikipedia „Intelligenz ist ein Rasiermesser.“ Stanislaw Lem im Interview mit Patrick Grossmann Solaris von Stanisław Lem — Zusammenfassung Stanislaw Lem: Solaris - Astron Alpha - Science-Fiction-Besprechungen Apokryphen – Wikipedia Dreikörperproblem – Wikipedia Die drei Sonnen – Wikipedia Begriffe der Dune-Zyklen – Wikipedia Dead Media Project - Wikipedia Kybernetik – Wikipedia "Die Mondnacht" von Stanislaw Lem - Hörspiel Pool | BR Podcast Neutrino – Wikipedia Neutrinoobservatorium – Wikipedia Reverse Engineering – Wikipedia Higgs-Boson – Wikipedia Potemkinsches Dorf – Wikipedia 42 (Antwort) – Wikipedia Large Language Model – Wikipedia Die Nacht (1961) – Wikipedia Picknick am Wegesrand – Wikipedia Slavoj Zizek-Bibliography/The Thing from Inner Space/Lacan Dot Com Солярис (1968)/Solaris (1968) Mitwirkende Florian Clauß Bluesky Mastodon Soundcloud Website Micz Flor Instagram Twitter YouTube (Channel) Website Der Ozean auf Solaris ist eine riesige Rechenstation Der Roman beginnt mit einer Erklärung, dass der Planet Solaris, der zwei Sonnen umkreist, eine instabile Bahn aufweist. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass diese Bahn seit der Beobachtung des Planeten durch die Solaris-Forscher immer wieder korrigiert wird, sodass eine stabile Umlaufbahn entsteht. Dies deutet darauf hin, dass eine intelligente Form existiert, die jenseits der menschlichen Vorstellungskraft liegt. Eine Analyse des Romans lässt den Schluss zu, dass der Ozean eine riesige Rechenmaschine ist, die durch Masseverlagerungen die Bahn des Planeten entsprechend der Korrekturberechnungen beeinflusst. Auch die von der Solaristik beobachteten und kategorisierten Ausformungen wie Symmetriaden und Asymmetriaden, die gigantische Ausmaße annehmen können, lassen sich daraufhin als Ausdruck für die Bahnberechnung und Schwerkraftverlagerung deuten. Bemerkenswert ist, dass diese These in der Solaristik nicht thematisiert wird, obwohl sie im Buch in den dort dargestellten Diskursen eine zentrale Rolle spielt. Lem demonstriert in diesem Werk die menschliche Sinnsuche und das Scheitern. Diese können wir auf unsere heutige Zeit übertragen: Versuche von Deutungen bestimmter Phänomene, deren Beweise uns fehlen.Im Folgenden gehen wir davon aus, dass dies zutrifft: Die größte Zeit ist der Ozean damit beschäftigt, Berechnungen und Bahnkorrekturen anzustellen. Die Ausbuchtungen könnten sowohl als Rechenprozessierung wie auch als Ergebnis interpretiert werden, wobei letzteres durch Gewichtsverlagerungen dargestellt wird. Die Rechenprozessierung wird durch die gleichmäßigen Formen, den Symmetriaden, unterstrichen, die eine symmetrische Gesetzmäßigkeit in der Mathematik, beispielsweise in der Fibunacci-Reihe oder in Primzahlenmustern, widerspiegeln könnten. Die Asymmetriaden könnten dem chaotischen System in einem Drei-Körper-Problem entsprechen. Dies würde bedeuten, dass der Ozean zu einem beträchtlichen Teil mit der Lösung dieser Aufgabe beschäftigt wäre. Es stellt sich die Frage, warum diese Vorfälle auf der Station geschehen,d.h. die Gäste erscheinen. Lässt sich diese Beobachtung durch eine gewisse Überkapazität des Ozeans erklären? Eine spielerische Form des Umgangs mit den außerirdischen Besuchern von „Solaris”?Zunächst ist festzustellen, dass der Ozean keine feindseligen Aktionen gegenüber den Forschern unternommen hat. Die einseitige Kommunikation scheint die Forscher bis zum Zerbrechen zu beschäftigen. Die Opfer auf Solaris sind stets auf Unfälle zurückzuführen, die sich aus einer Kombination von Unvorsichtigkeit und Unvorhersehbarkeit entwickelt haben. Ein Übergriff des Ozeans kann somit ausgeschlossen werden.Lem lässt in seinem Roman häufig Leerstellen, um größtmöglichen Raum für Interpretationen zu schaffen und auch, um nicht in dramaturgische Erklärungsversuche abtauchen zu müssen. Ein weiteres Beispiel für die von Lem angewandte Methode ist die interstellare Raumfahrt. Die Frage, warum die Gäste auf der Station auftauchen, bleibt jedoch offen. Der Ozean könnte die Gäste erschaffen, um die psychologischen und emotionalen Reaktionen der Menschen zu studieren. Die Materialisierung dieser inneren Aspekte der Wissenschaftler könnte dazu dienen, Daten über das menschliche Bewusstsein und Verhalten zu sammeln. Es besteht zudem die Möglichkeit, dass der Ozean eine Kommunikation mit den Menschen anstrebt. Aufgrund seiner fremdartigen Intelligenz nutzt er die menschlichen Erinnerungen und Emotionen, um eine Verbindung herzustellen. Die Gäste könnten als Kommunikationsmittel dienen, auch wenn sie für die Menschen oft traumatisch und verwirrend sind. Die Methode der Entstehung der Gäste kann von der Besatzung der Solaris teilweise wissenschaftlich nachvollzogen werden: Die Gäste werden über eine unbekannte Neutrino-Struktur erzeugt, die sich selbst regenerieren kann. Es lässt sich vermuten, dass der Ozean eine Technik entwickelt hat, die über Reverse Engineering die kleinsten Teilchen des Körpers, Zellen, Moleküle und Atome durch noch kleinere Teilchen, die Neutrinos, simulieren kann. Dabei scheinen sich die simulierten Teile wie natürliche zu verhalten. Die Gäste verhalten sich menschlich, sie haben Gefühle, essen und trinken wie richtige Menschen. Sie sind jedoch auch unzerstörbar und können verstörende Kräfte entwickeln. Der Ozean hat diese Gäste aus den Köpfen der Besatzung herausgelesen. Das ist das Eigentliche Unglaubliche, was Lem hier für ein Artefakt erschafft. Wie kann es möglich sein, die traumatischen Erfahrungen der Protagonisten zu entschlüsseln? Eine Antwort ist aus einer starken Traumatisierung heraus, denn alle erschienen Gäste weisen eine sehr starke emotionale Bindung mit den Wirten auf. Diese Informationen sind also für den Ozean lesbar, mehr noch, regenerierbar.Wenn wir davon ausgehen, dass die Hauptaufgabe des Ozeans die Bahnberechnungen sind, dann erleben wir mit der Erschaffung der Gäste seine wirkliche Dimension und technische Macht. Wir unterstellen dem Ozean eine Mission, Dinge auf die rechte Bahn zu bringen, also eine Art überdimensionale Korrekturmaschine zu sein, deren Motivation und Wege nicht erschließbar sind. Diese Maschine identifiziert in den Menschen unkorrekte Felder und entwickelt eine Methode, diese Felder in Form von natürlichen Gestalten ans Licht zu bringen. Es lässt sich folgern, dass der Ozean möglicherweise eine helfende Funktion ausübt. Eine weitere Betrachtung ist erforderlich: Es stellt sich die Frage, ob die Motivation des Ozeans in einer ethischen Entscheidung oder lediglich in der Umsetzung einer operationalen Option besteht. Dies könnte bedeuten, dass der Ozean Korrekturberechnungen an den Menschen vornimmt. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass der Ozean keine eigene Intelligenz ist, sondern lediglich ein Tool, welches von einer außerirdischen Intelligenz auf dem Planeten installiert wurde, um beispielsweise eine Technologie zur Bahnkorrektur von Planeten zu erproben. In diesem Fall wäre der Ozean eine von Außerirdischen erschaffene künstliche Intelligenz, die ähnlich unseren heutigen Large Language Models statistisch wahrscheinliche Lösungsoptionen anbietet. Ein Modell, das auf dem Planeten Solaris mit Dateninput trainiert wurde, also der Planetenlaufbahn und den Menschen. Da es sich jedoch um ein Modell handelt, kann es per se nicht in sinnvolle Kommunikation treten. Die Übersetzung von Solaris Es gibt zwei Übersetzungen in die Deutsche Sprache. Die einzige, die wir gelesen haben war die von Irmtraud Zimmermann-Göllheim, die sich manchmal sehr schwierig liest: „Ich wartete, wann sich der erste Stern eintrüben sollte. Ich gewahrte es nicht.“ Teilweise findet Micz es sogar schwierig den Text inhaltlich zu verstehen, z.B. wenn sie schreibt: „Ich bedauerte, daß es mir nicht geglückt war, den Prometheus noch zu sehen – er muß schon außer Sichtweite gewesen sein, als die automatische Vorrichtung das Sichtfenster öffnete.“ Zum Verständnis: es handelt sich bei „Prometheus“ um das Raumschiff, das Kelvin in die Nähe von Solaris gebracht hat. Das ist die deutsche Übersetzung der BRD. Es gab auch noch eine der DDR im Verlag Volk und Welt, Berlin 1983 von Kurt Kelm. Diese Ausgabe haben wir aber nicht gefunden. Angeblich sei der Text stark überarbeitet worden, weil er so deprimierend wäre. Außerdem gibt es zwei Englische Übersetzungen, die wir als Grundlage hatten. Die erste von Joanna Kilmartin und Steve Cox hat den Autoren nicht beglückt (würde Zimmermann-Göllheim vielleicht schreiben). Die Übersetzung von Bill Johnston aus dem Jahr 2017 bekommt viel Lob. In der folgenden Tabelle haben wir einen Teil des ersten Kapitels einmal gegenüber gestellt. Deutsch von Irmtraud Zimmermann-Göllheim 1972Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv), München 1983Translated from French by Joanna Kilmartin and Steve Cox / Tranlsation (c) 1970 Faber and FaberHarvest Book, first edition published 1987Translated from Polish by Bill JohnstonPublished 2017Wann geht es los? – fragte ich und hörte etwas rascheln, so, als rieselten Körnchen von feinstem Sand auf eine Membran.Du fliegst schon, Kelvin. Alles Gute! – antwortete Moddards nahe Stimme.“When is lift-off?” As I asked, I noticed a rustling outside, like a shower of fine sand.“You’re on your way, Kelvin. Good luck!” Moddard’s voice sounded as close as before.“When do I take off?” I asked, hearing a rustling noise like fine grains of sand falling on a diaphragm.“You’re already in flight, Kelvin. Be well!” came Moddard’s voice in my ear.Bevor ich noch daran glaubte, tat sich gerade vor meinem Gesicht ein breiter Spalt auf, durch den ich die Sterne erblickte. Vergebens bemühte ich mich, Alpha des Wassermanns aufzufinden, zu dem der Prometheus entflog. Der Himmel in dieser Gegend der Galaxis sagte mir nichts, ich kannte auch nicht eine Konstellation, im schmalen Fenster war andauernd funkenblitzender Staub. Ich wartete, wann sich der erste Stern eintrüben sollte. Ich gewahrte es nicht. Sie wurden nur schwächer und schwanden, verschwammen im immer röteren Grund. Ich begriff, daß ich schon in den äußersten Schichten der Lufthülle war.A wide slit opened at eye-level, and I could see the stars. The Prometheus was orbiting in the region of Alpha in Aquarius and I tried in vain to orient myself; a glittering dust filled my porthole. I could not recognize a single constellation; in this region of the galaxy the sky was unfamiliar to me. I waited for the moment when I would pass near the first distinct star, but I was unable to isolate any one of them. Their brightness was fading; they receded, merging into a vague, purplish glimmer, the sole indication of the distance I had already travelled.Before I believed it, a broad gap opened up in front of my face, through which I could see stars. I tried in vain to spot Alpha Aquarii, towards which the Prometheus was now headed. The sky in this part of the Galaxy meant nothing to me; I didn’t know a single constellation, and all I saw through the porthole was glittering dust. I waited for the stars to start smoking. I didn’t get to see it. They merely began to fade and disappear, dissolving against a reddening background. I realized I was in the upper strata of the atmosphere.Steif, in die pneumatischen Polster eingemummt, konnte ich nur geradeaus schauen. Noch immer war kein Horizont da. Ich flog und flog und spürte es gar nicht, nur daß meinen Körper langsam, schleichend, Gluthitze überflutete. Draußen regte sich leises, durchdringendes Zwitschern wie von Metall über nasses Glas. Ohne die Ziffern, die im Fensterchen des Kontrollanzeigers sprangen, hätte ich mir gar nicht klargemacht, wie jäh ich fiel. Sterne waren nicht mehr da. Rostrote Helle füllte das Sichtfenster aus.My body rigid, sealed in its pneumatic envelope, I was knifing through space with the impression of standing still in the void, my only distraction the steadily mounting heat. Suddenly, there was a shrill, grating sound, like a steel blade being drawn across a sheet of wet glass. This was it, the descent. If I had not seen the figures racing across the dial, I would not have noticed the change in direction. The stars having vanished long since, my gaze was swallowed up on the pale reddish glow of infinity.Stiff in my cocoon of pneumatic cushions, all I could do was look straight ahead. There was still no horizon. I flew on, not feeling any movement, but slowly and insidiously my body grew hotter and hotter. Outside there arose a soft penetrating twitter like the sound of metal against wet glass. If it weren’t for the numbers flashing on the gauge I wouldn’t have been aware of the speed of my descent. The stars were gone. The porthole was filled with a ruddy-colored brightness.Ich hörte den eigenen Puls schwer gehen. Das Gesicht brannte, im Nacken spürte ich den kalten Luftzug von der Klimaanlage; ich bedauerte, daß es mir nicht geglückt war, den Prometheus noch zu sehen – er muß schon außer Sichtweite gewesen sein, als die automatische Vorrichtung das Sichtfenster öffnete.I could hear my heart thudding heavily. I could feel the coolness from the air-conditioning on my neck, although my face seemed to be on fire. I regretted not having caught a glimpse of the Prometheus, but the ship must have been out of sight by the time the automatic controls had raised the shutter of my porthole.I could hear the heavy beat of my own pulse. My face burned; on my neck I felt cold blowing from the air conditioning. I regretted not having managed to see the Prometheus—it must have been out of sight by the time the porthole automatically opened.Die Kapsel zuckte einmal und noch einmal, vibrierte unerträglich, dieses Zittern ging durch alle Isolierhüllen, durch die Luftpolster, und drang tief in meinen Körper- der blaßgrüne Umriß des Kontrollanzeigers verwischte sich. Ich betrachtete das ohne Angst. Nicht um am Ziel zugrundezugehen kam ich von so weit hergeflogen.The capsule was shaken by a sudden jolt, then another. The whole vehicle began to vibrate. Filtered through the insulating layers of the outer skins, penetrating my pneumatic cocoon, the vibration reached me, and ran through my entire body. The image of the dial shivered and multiplied, and its phosphorescence spread out in all directions. I felt no fear. I had not undertaken this long voyage only to overshoot my target!The capsule shuddered once and twice, vibrated in a disagreeable way; the shaking passed through all the layers of insulation and cushions and entered deep into my body. The green face of the gauge grew hazy. I stared at it without being afraid. I hadn’t come all this way only to perish at my destination.Vergleich der deutschen und englischen (aus dem französischen!) Übersetzung von Solaris, Teil des ersten Kapitels.
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May 23, 2024 • 1h 8min

EGL052 Darum klingen handgewickelte Tonabnehmer wirklich besser: die Rolle parasitärer Kapazität und Kondensatoren bei "scatter wound pickups" E-Gitarren | Stromgitarre Teil 3

"Ein Tonkondensator ist im Prinzip nichts anderes als ein frequenzabhängiger Widerstand." -- Das Rockinger-Manual In dieser Episode geht es um Tonabnehmer (im englischen: Pickups) und die Frage, ob wissenschaftlich belegt werden kann, dass handgewickelte -- bzw. „scatter wound“ -- Tonabnehmer angeblich besser klingen als maschinell gefertigte. Die Antwort ist: Ja, den gibt es und er hat mit der Kapazität zu tun, die einer Spule innewohnt, die parasitäre Kapazität. Fast jede E-Gitarre hat mindestens einen Kondensator fest verbaut, der mit seiner Kapazität für die Veränderung der Klangfarbe (Tone) genutzt wird. Deshalb beginnt Micz mit einer bildhaften Erklärung zu veranschaulichen wie Kondensatoren funktionieren. Und im Anschluss darain die Kapazität einer Spule zu erklären -- und wie diese den Klang beschneidet. Dass es sich dabei um die "parasitäre Kapazität" handelt, die weiter unten im Blog erklärt wird, findet er erst später heraus. Doch bevor wir ins Detail gehen, beginnen wir diese Episode am Helmholtzplatz im Prenzlauer Berg und plaudern über die 1990er Jahre, die Walpurgisnacht am Helmholtzplatz und Kollwitzplatz und die Swing-Band der Polizei. Eine Verzögerungstaktik von Micz, der Flo nicht wieder mit E-Gitarren langweilen will? Auf der Tour gelangen wir schließlich in den Mauerpark, wo wir reichlich Anschauungsmaterial für Tonabnehmer bei Gitarren finden -- von Danelectro Lipstick Pickups über Piezo und Coils -- die dort beim Busking aktiv sind. Die Tour endet am Gesundbrunnen. Und beginnt inhaltlich jetzt erst für die, die "Play" drücken, um zu erfahren wie die Kapazität in Spulen und Kondensatoren das Klangbild ihrer E-Gitarren beeinflusst. Shownotes Link zum Lauftrack EGL052 | Wanderung | Komoot Link zur Episode Über den 'gravierenden Wandel, den das Untersuchungsquartier Helmholtzplatz in Berlin Prenzlauer Berg in den letzten 20 Jahren erlebt hat', MASTERARBEIT, Susanne Lehner, Wien, 2010 'Entwicklungen im Quartiersmanagementgebiet Helmholtzplatz' in: Handbuch zur Partizipation der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin 2012, S. 287 Geschichte der Walpurgisnacht in Berlin: Hexentänze und Punk-Partys, in: online TIP-Berlin 2024 Die Geschichte des revolutionären 1.Mai in Berlin, autox.nadir.org CyberTattoo - The Machine Potis und Kondensatoren | Das Rockinger Manual | | Rockinger Guitars Kondensator (Elektrotechnik) – Wikipedia What are Lipstick Pickups? Here’s All You Need to Know Alles über Tonabnehmer für die Akustikgitarre - Bonedo Mitwirkende Micz Flor (Erzähler ) Instagram Twitter YouTube (Channel) Website Florian Clauß Bluesky Mastodon Soundcloud Website Verwandte Episoden EGL012 Stromgitarre: Faszination und Melancholie der E-GitarrenEGL023 Eigentliches Tonabnehmer-Wissen in Stromgitarre Teil 2: Single-Coil, Humbucker, Coil-Tapping -Splitting, Magnete, Spulen, Alumitone Pickups.EGL057 Ist der Sommer so schön wie die Fender Telecaster Thinline, klangvoll wie ein P-90 Pickup und werden wir ihn vermissen wie ich meine grüne SG Copy? Stromgitarre Teil 4 Schwer verständlich scheint auf den ersten Blick, dass es einen klanglichen Unterschied machen soll, wenn die Saite einer Gitarre über einer Spule schwingt, die wie fein gekämmt von einer Maschine gewickelt ist oder eher Kreuz und Quer von Hand. Wenn ich einen Tonabnehmer wickel, dann sind die Variablen, die den Ton beeinflussen die Dicke des Drahts, die Stärke des Magnetfeldes, der Abstand der Spule vom Zentrum, die Höhe und Breite der Spule, Single Coil oder Humbucker, usw. usf. Aber ist es nicht Jacke wie Hose, wie die Spule gewickelt ist? Nein, ist es nicht. Und warum „scatter wound“ mehr Frequenzen transportieren kann, darum handelt diese Folge. Um genauer zu verstehen, wie die Art der Wicklung wirkt, möchte ich zuerst erklären was Kapazität bedeutet und fange deshalb bei dem Bauteil an, was in fast jeder Gitarre ist — und dessen Kapazität gewünscht ist: Wie beeinflusst der Kondensator die Klangfarbe bei E-Gitarren? Ein Kondensator ist ein passives elektronisches Bauelement, das elektrische Energie in einem elektrischen Feld speichert. Die grundlegende Struktur eines Kondensators besteht aus zwei elektrisch leitenden Platten, die durch ein dielektrisches Material getrennt sind. Dieses Material stellt sicher, dass durch einen Kondensator kein Strom fließen kann, sondern zwischen den Platten nur Ladung gespeichert wird. Die Kapazität, die in Farad (F) gemessen wird, ist ein Maß für die Fähigkeit des Kondensators, Ladung zu speichern, und hängt von der Fläche der Platten, dem Abstand zwischen ihnen und dem Dielektrikum ab. Wenn eine Spannung an den Kondensator angelegt wird, sammeln sich positive Ladungen auf einer Platte und negative Ladungen auf der anderen. Diese Ladungsspeicherung erzeugt ein elektrisches Feld zwischen den Platten. Der Kondensator kann dann Energie in diesem Feld speichern und sie bei Bedarf wieder abgeben. Diese „Speicherung“ ist aber nicht das, worum es in der E-Gitarre geht. Kondensatoren wirken auf die Frequenzen von Wechselstrom in der E-Gitarre ein Ein wesentliches Merkmal eines Kondensators ist, dass er Gleichstrom (DC) blockiert und Wechselstrom (AC) durchlässt. Letzteres macht ihn zu einem wichtigen Bauelement in elektronischen Filterschaltungen, wie z.B. der Klangregulierung in der E-Gitarre. In E-Gitarren wird der Kondensator hauptsächlich im Tone-Regelkreis verwendet, um die Klangcharakteristik des Instruments zu beeinflussen. Diese Anwendung basiert auf der Fähigkeit des Kondensators, als Frequenzfilter zu fungieren. Hier sind die wesentlichen Aspekte, wie ein Kondensator zur Tonveränderung eingesetzt wird: Üblicherweise in Verbindung mit einem variablen Widerstand (Potentiometer) bildet der Kondensator einen Hochpass-Filter. Dies bedeutet, dass hohe Frequenzen den Kondensator passieren können, während tiefe Frequenzen blockiert werden. Im Podcast erkläre ich das bildhaft mit einem Flussbett, in dem am Boden eine kleine Rille eingezogen ist. Wenn große Wellen durch das Flussbett gleiten (die Bässe), dann hat diese Rille keinen Einfluss. Bei kleinen Wellen (und genau genommen hochfrequenteren) lässt sich veranschaulichen, wie eine kleine Welle von dieser Rille quasi auch mal verschluckt werden kann. Sie erreicht die andere Seite der Rille nicht. So ist es mit dem Kondensator, der im Wechselstrom dafür sorgt, dass die Ladung, die hochfrequent hin und her rauscht, den Kondensator sozusagen durchfließen kann. Nicht die Elektronen selbst, aber die Schwinungung derselben. Über den Poti werden die hohen Frequenzen dann zur Masse abgeführt. Der Wert des Kondensators (gemessen in Mikrofarad, µF) beeinflusst, wie viele hohe Frequenzen herausgefiltert werden. Kleinere Werte lassen mehr Höhen durch, während größere Werte mehr Höhen abschneiden. Übliche Werte für Tonkondensatoren in E-Gitarren liegen zwischen 0,022 µF und 0,047 µF. Wie beeinflusst die parasitäre Kapazität den Klang eines Tonabnehmers? Noch mal zur Erinnerung: Tonabnehmer in E-Gitarren bestehen aus Spulen, in denen Draht mehrfach um einen Magnetkern gewickelt wird. Diese Spulen wandeln die mechanischen Schwingungen der Saiten in elektrische Signale um. Eine Spule hat immer eine Kapazität, die nicht immer erwünscht ist. Man nennt sie die parasitäre Kapazität. Diese Kapazität entsteht aufgrund der Anordnung und Nähe der Drahtwicklungen zueinander. Wenn die Drahtwicklungen sehr parallel und dicht beieinander liegen, wie es oft bei maschinell gefertigten Tonabnehmern der Fall ist, erhöht sich die parasitäre Kapazität. Diese Kapazität kann dann als Hochpassfilter wirken, der hohe Frequenzen im Signal dämpft. Das führt zu einem Verlust an Höhen und einem weniger klaren Klang. Warum klingen handgewickelte („Scatter Wound“) Tonabnehmer besser? Handgewickelte Tonabnehmer, oft als „scatter wound“ bezeichnet, haben eine unregelmäßigere Drahtanordnung. Dies wird erreicht, indem der Draht beim Wickeln bewusst zufällig verteilt wird. Diese unregelmäßige Anordnung reduziert die parasitäre Kapazität der Spule. Hier sind die wesentlichen technischen Aspekte: Reduzierte parasitäre Kapazität: Durch die weniger parallele Anordnung der Drähte in handgewickelten Spulen entsteht eine geringere Kapazität zwischen den Wicklungen. Dies bedeutet, dass weniger hohe Frequenzen gefiltert werden. Erhalt hoher Frequenzen: Da die parasitäre Kapazität reduziert ist, bleibt das Signal der hohen Frequenzen weitgehend intakt. Das führt zu einer verbesserten Präsenz und Brillanz im Klang der Gitarre. Inzwischen gibt es viele Wege ein Signal auch „aktiv“ aufzumotzen, aber das ist ein anderes Thema für eine andere Episode. Wichtig für diese ist festzuhalten: nur die Frequenzen, die der passive Tonabnehmer weiterleitet, können auch verstärkt und/oder bearbeitet werden. Deshalb sind handgewickelte („Scatter Wound“) Tonabnehmer klanglich reichhaltiger und haben einen größeren Frequenzverlauf.
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May 9, 2024 • 1h 13min

EGL051 Obskure Lebensgemeinschaften in der Tiefsee

"Evolution is a process of constant branching and expansion." Stephen Jay Gould Während wir durch den grünen Weg vom Velodrom zum Prenzlauer Berg flanieren, reflektieren wir über die Entstehung unseres Podcasts und die Verbindung unserer Laufstrecken zu unseren Themen. Dann stellt Flo sein Thema vor, ihn hat die Tiefsee vom letzten Mal nicht losgelassen. Doch bevor wir in die obskure Welt der symbiotischen Beziehungen in der Tiefsee absteigen, möchte Flo als Mindset für diese Folge die Arbeit des Evolutionsbiologen Stephen Jay Gould mitgeben: Der Begriff der Evolution impliziert nicht zwangsläufig einen Fortschritt. In der Natur gibt es keine Entwicklung vom Niederen zum Höheren. Stattdessen sind alle Phänomene gleichwertig. Gould verwendet in diesem Zusammenhang das Bild eines Busches, der sich in alle Richtungen ausbreitet. Flo präsentiert in dieser Podcast-Folge drei Beispiele für symbiotische Gemeinschaften in der Tiefsee. Als erstes Beispiel wird der Anglerfisch genannt, der mit biolumineszenten Bakterien zusammenlebt, welche ihm helfen, Beute anzulocken. Dies stellt ein wunderbares Beispiel für Mutualismus dar. Im Anschluss erfolgt ein Exkurs über Sexualdimorphismus, der sich in signifikanter Weise beim Anglerfisch ausgeprägt hat. Hierbei verwachsen die Männchen mit dem 10-fach größeren Weibchen und fungieren lediglich als hormonell gesteuerte Samenspender. Das zweite Beispiel sind Bartwürmer, die in einer symbiotischen Beziehung mit chemoautotrophen Bakterien leben. Die Bakterien stellen die komplette Energie bereit, die die Bartwürmer zum Überleben benötigen. Der Bartwurm selbst hat keinen Mund mehr. Die Fundorte dieser speziellen Bartwurmart sind hydrothermale Quellen, sogenannte „Schwarze Raucher”, von deren Ausstoß sich die Bakterien ernähren. Diese Quellen werden als Ursprung des Lebens auf der Erde diskutiert. Schließlich thematisiert Flo eine parasitäre Beziehung zwischen dem Grönlandhai und dem Ruderfußkrebs Ommatokoita elongata. Der Grönlandhai ist eines der Tiere, die das höchste Alter aller bekannten Tiere erreichen. Er wird über 500 Jahre alt, was vor allem auf seinen verlangsamten Stoffwechsel zurückzuführen ist. Es wurde festgestellt, dass nahezu 99 % der gefangenen Grönlandhaie von diesem Parasiten im Auge befallen sind, der den Hai mit der Zeit erblinden lässt. Aufgrund dieser hohen Befallquote wird jedoch in jüngster Wissenschaft die Frage aufgeworfen, ob die Beziehung tatsächlich parasitär ist oder welche Vorteile der Grönlandhai von dem Krebs haben könnte, der die Augenflüssigkeit absaugt. Die Beispiele dienen der sinnhaften Veranschaulichung der unterschiedlichen Ausprägungen und Intensitäten der Verbindung in symbiotischen Beziehungen. Unsere Laufroute endet auf der Prenzlauer Allee, wobei wir das Planetarium um eine Querstraße verfehlt haben. Dies kann jedoch Gegenstand einer anderen Podcast-Episode sein. Shownotes Links zur Laufstrecke: EGL051 | Wanderung | Komoot Quer durchs Karwendel in drei Etappen • Mehrtagestour » alpenvereinaktiv.com Alternativlos 42 Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark – Wikipedia Velodrom (Berlin) – Wikipedia Volkspark Anton Saefkow – Wikipedia Anton Saefkow – Wikipedia Zeiss-Großplanetarium – Wikipedia Verknüpfte Eigentlich-Episoden EGL049 Die Geheimnisse der Tiefsee: von den Entdeckungen unbekannter Welten unter Wasser – Eigentlich-Podcast EGL010 Ameisen: Über die evolutionsbiologischen Vorteile einer staatenbildende Art – Eigentlich-Podcast Links zur Episode: Symbiose – Wikipedia Stephen Jay Gould – Wikipedia The Mismeasure of Man – Wikipedia Illusion Fortschritt Intelligent Design – Wikipedia Mi294 – „12 Gebote“ | Methodisch inkorrekt Substrate evaporation drives collective construction in termites | eLife Termiten – Wikipedia Eusozialität – Wikipedia Mutualismus (Biologie) – Wikipedia Kommensalismus – Wikipedia Parasitismus – Wikipedia Protokooperation – Wikipedia Pamphobeteus – Wikipedia Blattschneiderameise – Wikipedia Mikrobiomübertragung von Mutter auf Kind | Science Media Center Germany Flechte – Wikipedia Ektosymbiose – Wikipedia Aphidophilie – Wikipedia PDF Dissertation "Untersuchungen zu Form und Funktion der Leuchtorgane des Nordischen Krills" Biolumineszenz – Wikipedia Tiefsee-Anglerfische – Wikipedia Leuchtorgan – Wikipedia Rutenangler – Wikipedia Dinoflagellaten – Wikipedia Warum Tiefsee-Anglerfische so schön leuchten | BR24 Der dunkle Wald – Wikipedia Das Fenster zum Hof (1954) – Wikipedia Piraten | Von Haustieren an Bord und brennenden Bärten - CheckPod - Der Podcast mit Checker Tobi | BR Podcast Sexualdimorphismus – Wikipedia Grüner Igelwurm – Wikipedia Ruderfußkrebse – Wikipedia Bartwürmer – Wikipedia Raucher (Hydrothermie) – Wikipedia Hydrothermale Lösung – Wikipedia Lokis Schloss – Wikipedia Lost City (Hydrothermalfeld) – Wikipedia Autotrophie – Wikipedia Riftia pachyptila – Wikipedia Neue Erkenntnisse zur Entstehung des Lebens durch chemische Prozesse an Tiefseeschloten | Max-Planck-Gesellschaft Europa (Mond) – Wikipedia Enceladus (Mond) – Wikipedia 2010: Odyssey Two - Wikipedia 2061: Odyssey Three - Wikipedia Grönlandhai – Wikipedia Ommatokoita elongata – Wikipedia Das geheimnisvolle Leben des ältesten Hais der Welt – Meeresblog Ig-Nobelpreis – Wikipedia Liste der Träger des Ig-Nobelpreises – Wikipedia Mitwirkende Florian Clauß (Erzähler) Bluesky Mastodon Soundcloud Website Micz Flor Instagram Twitter YouTube (Channel) Website Verwandte Episoden EGL010 Ameisen: Über die evolutionsbiologischen Vorteile einer staatenbildende ArtEGL049 Die Geheimnisse der Tiefsee: von den Entdeckungen unbekannter Welten unter Wasser Illusion Evolution als Fortschritt Der theoretische Überbau zur Einstimmung auf das Mindset dieser Episode folgt dem Evolutionsbiologen Stephen Jay Gould: Die Evolution wird nicht von Fortschritt angetrieben. Die Vielfalt der Evolution ist durch eine fehlende Zielrichtung gekennzeichnet, die vielmehr das Ergebnis des Zufalls ist. Diese Auffassung wird von Stephen Jay Gould vertreten, der den Menschen als ein Produkt des Zufalls und nicht als eine zielgerichtete Entwicklung betrachtet. Kritisch zu betrachten ist zudem die gängige Vorstellung, dass Evolution ein gradliniger Prozess zur Höherentwicklung ist. Dies lässt sich am Beispiel der Pferdeentwicklung verdeutlichen: Das heutige Pferd ist lediglich ein Überlebender eines ausgedehnten Entwicklungsbuschs. Evolution kann demnach als Busch betrachtet werden, in dem Vielfalt in alle Richtungen zunimmt, ohne dass eine bevorzugte Entwicklung erkennbar wäre. Die am erfolgreichsten überlebenden Lebensformen sind in der Regel einfache Organismen wie Bakterien. Die Evolution ist von statistischen Wahrscheinlichkeiten und Zufällen geprägt. Dies wird auch bei Termitenbauten deutlich. Die komplexe Architektur lässt die Vermutung zu, dass ein kontrollierender Erschaffer den Plan in die vielen einzelnen Individuen implementiert hat. Die Ausprägung einer solchen Gestalt kann Rätsel aufwerfen. Die Entstehung komplexer Bauten war bisher nicht geklärt. Man nahm an, dass die Krümmung dafür verantwortlich ist. Nun hat man jedoch herausgefunden, dass die Luftfeuchtigkeit dafür ein Indikator ist. Die Tiere sind durch ihre weiche Körperform sensibel, wenn die Luftfeuchtigkeit unter 70 % sinkt. Termiten bauen dort, wo die Verdunstung am höchsten ist. Dabei entstehen diese Bauten. Was bezeichnet Symbiose? Der Begriff „Symbiose” bezeichnet eine enge und oft langfristige Interaktion zwischen zwei verschiedenen biologischen Arten, die für mindestens einen der Partner vorteilhaft ist. Es gibt verschiedene Formen der Symbiose, darunter den Mutualismus, bei dem beide Partner profitieren, den Parasitismus, bei dem ein Partner auf Kosten des anderen profitiert, und den Kommensalismus, bei dem ein Partner profitiert, ohne dem anderen zu schaden oder zu nutzen.Die Unterscheidung erfolgt anhand des Grades der wechselseitigen Abhängigkeit der beteiligten Arten. Dabei wird zwischen folgenden Formen unterschieden: Protokooperation (Allianz): Hierbei handelt es sich um die lockerste Form einer Symbiose. Beide Arten ziehen zwar einen Vorteil aus dem Zusammenleben, sind aber ohne einander gleichwohl lebensfähig. Mutualismus: Eine regelmäßige, jedoch nicht lebensnotwendige Beziehung der Symbionten. Eusymbiose, auch obligatorische Symbiose (altgriechisch εὖ eu „gut, echt“): Bei der Eusymbiose sind die Partner alleine nicht mehr lebensfähig. So kultivieren Blattschneiderameisen in ihrem Bau Pilze, von denen sie sich ernähren; die Pilze wiederum können sich ohne die Ameisen nicht vermehren. Die Unterscheidung zwischen einer räumlichen und einer körperlichen Beziehung der beiden beteiligten Arten erfolgt wie folgt: Bei der Endosymbiose wird einer der Partner (Endosymbiont) in den Körper des anderen (Wirt) aufgenommen. Als Beispiele können bestimmte Enterobakterien im Darm von Menschen und Tieren, Knöllchenbakterien in den Wurzeln von Hülsenfrüchtlern, Zooxanthellen in den riffbildenden Steinkorallen des Tropengürtels sowie Nitrat-atmende Bakterien in den anaeroben Tiefen einiger meromiktischer Seen angeführt werden. Im Gegensatz dazu steht die Exosymbiose, bei der die Partner lediglich über ihre Oberfläche miteinander in Kontakt stehen. Als Beispiele können die Flechtensymbiose sowie die Epixenosomen (zu den Verrucomicrobia gehörende Bakterien) des Wimpertierchens Euplotidium angeführt werden. Ferner sei auf die Parabiose und den Epibionten verwiesen, wobei hier die Spezialfälle Epiphyt und Epizoon zu berücksichtigen sind.Bei der Ektosymbiose bleiben die Partner einer Symbiose körperlich getrennt, wie etwa Blüten und ihre Bestäuber oder Clownfische und ihre Seeanemonen. Die Unterscheidung der Symbioseformen erfolgt anhand des erzielten Nutzens für die beiden beteiligten Arten.Ein Beispiel für eine Fortpflanzungssymbiose ist die Symbiose zwischen Bienen und Blütenpflanzen. Die Biene konsumiert den Nektar der Blüten als Nahrungsquelle, wobei die Pollen der Blüte an ihrem Körper haften bleiben. Diese werden von der Biene weitergetragen und ermöglichen so die Bestäubung einer anderen Blüte, wodurch deren Vermehrung gewährleistet wird. Diese Form der Bestäubung wird als Zoophilie bezeichnet und stellt den „normalen“ Akt der Bestäubung von Blütenpflanzen (Angiospermen) durch Insekten oder Vögel dar. Dabei erhalten die Insekten bzw. Vögel sowohl Nektar als auch Pollen als Nahrung.Ein weiteres Beispiel für eine Symbiose, die dem Schutz vor Feinden dient, ist die Beziehung von Ameisen zu Blattläusen. Die Ameisen bieten den Blattläusen Schutz vor Feinden, im Gegenzug lassen sich diese von den Ameisen „melken“. Dabei sondern die Blattläuse eine Zuckerlösung ab, welche die Ameisen zu sich nehmen. Symbiose Tiefsee-Beziehung 1: Anglerfisch und biolumineszierende Bakterien Exkurs Biolumineszenz Wie wird Licht erzeugt?Biolumineszenz ist eine katalysierte, exergonische chemische Reaktion. In den meisten Fällen wird ein organisches Substrat, das Luciferin, von einem Enzym (der Luciferase) mittels Sauerstoff zum Peroxiluciferin oxidiert, welches einen angeregten Singulettzustand darstellt. Beim Rückfall eines Elektrons auf den Ausgangswert wird ein Photon emittiert. Durch die Verwendung des Die Verwendung von Sauerstoff wird postuliert, um zunächst unter reduzierenden Bedingungen freie Radikale oder ähnlich reaktive Substanzen zu entgiften. Die Lichtproduktion stellt dabei ein Nebenprodukt dar, welches erst später in der Evolution an Bedeutung gewann. Bei der Lichtproduktion in Leuchtorganismen wird grundlegend zwischen der intrinsischen und der bakteriellen bzw. Es wird zwischen zwei Formen der Biolumineszenz unterschieden, der intrinsischen und der symbiotischen Biolumineszenz. Bei der ersteren produziert der Organismus alle nötigen Enzyme und Substanzen selbst (oder nimmt sie über die Nahrung auf) und kann die Lichtproduktion regulieren, indem er die chemischen Reaktionen innerhalb der lichtproduzierenden Zellen, der sogenannten Photozyten, steuert. Die vollständige Einstellung der Lichtproduktion ist ebenfalls möglich. Die Steuerung erfolgt vermutlich in den meisten Fällen über die Begrenzung der Sauerstoffzufuhr. Demgegenüber existieren Leuchtorgane, in denen der Wirt mit Leuchtbakterien eine Symbiose eingegangen ist. Der Wirt liefert die erforderlichen Nährstoffe, während die Bakterien dauerhaft leuchten. Beispiele für Verwendungsmechanismen von Biolumineszenz Terrestrische Leuchtkäfer: Innerartliche Kommunikation durch zeitliche Abstände zwischen Einzelblitzen. Beispiel: Photuris macdermotti, Weibchen antwortet auf Männchenblitze mit Verzögerung. Räuberische Arten: Imitieren den Kommunikationskode, um Beute anzulocken (z. B. Photuris versicolor). Deutsche Lampyridae: Die Geschlechtspartnerfindung erfolgt über Pheromone, während die Biolumineszenz der Abschreckung von Fressfeinden dient, nicht der Partneranlockung. Marine Organismen: Aufgrund technischer Herausforderungen bei der Beobachtung sind die Zusammenhänge zwischen Biolumineszenz und Verhalten weniger aussagekräftig. In der Tiefsee, in der das Sonnenlicht nicht mehr eindringen kann, stellt biolumineszentes Licht oft die einzige Lichtquelle dar. Eine Vielzahl von Tiefseeorganismen nutzt diese Lichtquellen zur Nahrungssuche. Exemplarisch sei hier angeführt, dass einige Tiefseeorganismen ihre Beute mit ihrem eigenen biolumineszenten Licht anlocken. Tarnung und Täuschung: Die Fähigkeit zur Biolumineszenz stellt für zahlreiche Tiefsee-Organismen ein wichtiges Mittel zur Tarnung und Täuschung dar. Einige Tiere sind in der Lage, Licht zu produzieren, um sich im Dunkeln zu tarnen oder um Feinde zu verwirren. Andere wiederum sind in der Lage, Lichtblitze zu erzeugen, um potenzielle Angreifer zu desorientieren oder abzulenken. Kommunikation: Licht kann zudem als Mittel der Kommunikation zwischen Tiefsee-Organismen dienen. Einige Arten nutzen biolumineszente Signale, um Artgenossen anzulocken, Partner zu finden oder territoriale Ansprüche zu markieren. Orientierung: In der dunklen Tiefsee kann Licht für die Navigation und Orientierung von entscheidender Bedeutung sein. Einige Tiere, darunter bestimmte Tintenfische und Fische, nutzen biolumineszentes Licht zur Erkundung ihrer Umgebung sowie zur Lokalisierung potenzieller Beute. Die häufigste beobachtete Lichtverwendung bei marinen Gruppen ist die Gegenlichterzeugung, Räubervertreibung oder -abschreckung. Eine weitere Hypothese besagt, dass das Licht Räuber zweiter Ordnung anlockt, die den ursprünglichen Räuber angreifen. Im Folgenden werden spezifische Beispiele angeführt: Dinoflagellaten (Panzergeißler, Einzeller) blitzen in Abhängigkeit von Scherkräften und zeigen einen circadianen Rhythmus. Studien belegen, dass Copepoden bei hoher Dinoflagellatenkonzentration weniger fressen und dass Dinoflagellatenblitze das Schwimmverhalten von Copepoden beeinflussen. Ruderfußkrebse: Bei Gefahr geben sie hell leuchtende Substanzen ins Wasser ab. Beobachtungen: Es wurden keine spontanen Blitze in Abwesenheit von Räubern festgestellt, jedoch intensive Blitze bei Anwesenheit von Krill. Muschelkrebse (bis zu 2 mm groß) zeigen artspezifische biolumineszente Blitzfolgen. Die Biolumineszenz wird auch als Mittel gegen Angreifer eingesetzt. Schlangensterne (Echinodermata: Ophiuroida) zeigen eine Biolumineszenzreaktion bei Berührung, welche als aposematisches Signal dient. Seegurken (Echinodermata: Holothuroida) produzieren Licht durch Berührung, welches der Verteidigung dient. Cephalopoden (Kalmare) zeigen eine Abhängigkeit des Jagderfolgs von der Dinoflagellatenkonzentration. Fische Anglerfische (Ceratioidae) zeigen möglicherweise eine intraspezifische Kommunikation mittels Biolumineszenz. Zudem lassen sich verschiedene Funktionen der Leuchtorgane (Esca) ableiten. Drachenfische (Malacosteidae) verwenden rote Licht ausstrahlende Leuchtorgane unterhalb der Augen. Ponyfische (Leiognathidae) zeigen im Labor verschiedene Leuchtmodi, was auf eine mögliche innerartliche Kommunikation hindeutet. Der „Blitzlichtfisch” (Photoblepharon palpebratus) verwendet seine Leuchtorgane für verschiedene Verhaltensweisen, darunter das Anlocken von Beute und die Verteidigung.Es gibt auch Fische, die keine Artbeschreibung aufweisen, aber dennoch über Biolumineszenz verfügen. Dabei handelt es sich um Beobachtungen von Fischen, die Krill nahe der Oberfläche fressen und dabei leuchten. Die Einsatzweisen und Verhaltensweisen der Biolumineszenz sind bei marinen Tieren vielfältig. Dazu zählen Kommunikation, Anlocken von Beute, Abschreckung oder Verteidigung gegen Räuber. Die spezifischen Einsatzweisen und Verhaltensweisen variieren stark zwischen den Arten und Ökosystemen. Technische Herausforderungen limitieren das Verständnis der Rolle von Biolumineszenz bei Tiefseeorganismen.Neben der Gegenlichterzeugung lassen sich die meisten der bisher unter natürlichen Bedingungen beobachteten Lichtverwendungen dem Bereich der Räubervertreibung oder -abschreckung zuordnen.Tageszeitliche Vertikalwanderungen reagieren bereits positiv auf die schwachen Helligkeitsveränderungen. Ein möglichst durchsichtiger Körper absorbiert weniger Licht, und tatsächlich besitzen viele Tiefseeorganismen bis zu einer bestimmten Tiefe fast farblose, durchsichtige Körper. Bei Organismen, die sich von biolumineszenten Arten ernähren, konnte eine starke Pigmentierung um Magen und Verdauungsorgane festgestellt werden. Diese ist höchstwahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die Abstrahlung von Licht vermieden werden soll.Fressschutz: Neben der Durchsichtigkeit, welche einen möglichst schwachen Schattenwurf bedingen soll, Bei den Laternenfischen (Myctophidae) konnte nachgewiesen werden, dass sie ein kleines Leuchtorgan oberhalb des Auges besitzen, welches direkt durch das Auge auf einen kleinen Bereich der Retina leuchtet (Lawry, 1974). Diese Eigenschaft ermöglicht es den biolumineszenten Tieren vermutlich, ihre eigene Leuchtkraft in Relation zum Umgebungslicht zu messen, da die Tiere vor allem blaues Licht im Bereich von 460–490 nm abstrahlen. Diese Wellenlängen werden am wenigsten von Meerwasser absorbiert. Anglerfische (Ceratioidae) Anglerfische kommen in allen Weltmeeren unterhalb von 300 Metern Tiefe vor. Die Tiefsee-Anglerfische bestehen aus elf verschiedenen Familien und werden zur Ordnung der Armflosser (Lophiiformes) gezählt. Die Weibchen sind mit einer „Angel“ (Illicium) und einem daran anhängenden „Köder“ (Esca) ausgestattet, der üblicherweise mit einem Leuchtorgan versehen ist. Bei den Weibchen können Leuchtorgane auch an anderen Stellen vorhanden sein. Exkurs Sexualdimorphismus / „Sexualparasitismus“ Männchen erreichen in der Regel nur 5 bis 10 Prozent der Körperlänge von Weibchen. Die kleinsten Wirbeltiere überhaupt sind Zwergmännchen aus der Familie Linophrynidae, die lediglich eine Länge von 6 bis 10 mm erreichen. Bei manchen Tiefseefischen wie den Tiefsee-Anglerfischen degenerieren die Männchen zu „Anhängseln“ des Weibchens, mit denen sie vollkommen verwachsen sind und über deren Blutkreislauf sie mit ernährt werden. Die Köpfe der Männchen können bei anderen Arten auch großflächig von der Unterkieferspitze bis zum Hinterschädel mit der Haut der Weibchen verschmelzen. In der Folge sind sie nicht mehr in der Lage, sich eigenständig zu ernähren, und werden ähnlich wie Embryonen in der Gebärmutter der Säugetiere durch den Blutkreislauf des Weibchens ernährt. Angewachsene Zwergmännchen zeigen zudem eine deutliche Größenzunahme, auch im Vergleich mit der Länge frei lebender Männchen der gleichen Art. Sie laichen mit den Weibchen und sterben mit dem Tod der Weibchen. Bei vielen Arten ist ein angewachsenes Zwergmännchen pro Weibchen die Normalität, bei anderen können es mehrere sein. Der Rekord beobachteter Exemplare liegt bei acht Zwergmännchen an einem Weibchen. Das Anwachsen ist seit den 1920er-Jahren bekannt und wird in vielen angelsächsischen Veröffentlichungen als Sexualparasitismus bezeichnet, hat jedoch mit der Definition von Parasitismus nichts zu tun. Symbiose der Anglerfische mit biolumineszierende Bakterien Die innere Struktur der Esca ist komplex und beinhaltet eine Vielzahl von Bläschen, die mit lumineszierenden Bakterien gefüllt sind. Zudem weist sie lichtabsorbierende Schichten, Pigmente, reflektierendes Gewebe, röhrenförmige, lichtleitende Strukturen, Nerven, Blutgefäße und Muskelfasern auf. Es gibt Hinweise darauf, dass die Esca auch Pheromon-produzierende Drüsen enthält, die dazu dienen, Männchen anzulocken. Dieses Beispiel für eventuelle intraspezifische Kommunikation mittels Biolumineszenz ist jedoch nicht die normalerweise für die Köderangeln angenommene Anwendung. Die an den Spitzen abgewandelter Rückenflossen sitzenden Leuchtorgane (Esca) können mehrere verschiedenen Funktionen übernehmen:Dauerleuchten, Blinken und die Abgabe von leuchtenden Substanzen in das Meerwasser werden als mögliche Funktionen der Esca angenommen. Es wird vermutet, dass die dauerleuchtenden Esca leuchtende Kotstücke imitieren, die von Tiefseefischen abgegeben werden und in denen biolumineszente Bakterien leben. Dieser Kot wird z. B. von einigen Krebsen gefressen, die damit als mögliche Beute für die Anglerfische dienen könnten.Die Intensität und Farbe des von den Anglerfischen abgegebenen Lichts kann durch den Anglerfisch selbst variiert werden, um verschiedene Arten von Beute anzulocken oder um sich an verschiedene Umweltbedingungen anzupassen. Symbiose Tiefsee-Beziehung 2: Bartwürmer mit chemoautotrophen Bakterien Exkurs Schwarze Raucher Hydrothermale Quellen entstehen, wenn Meerwasser in den Meeresboden eindringt und dort auf heiße Gesteine trifft. Eine hydrothermale Lösung bezeichnet eine Wasseransammlung in Gesteinsschichten, die aufgrund der herrschenden Druckverhältnisse noch bei weit über 100 °C flüssig sein kann, allerdings nur bis zum kritischen Punkt des Wassers bei 374,15 °C. Das Wasser wird dabei stark erhitzt und löst Mineralien aus den Gesteinen, bevor es durch Risse und Spalten im Meeresboden wieder aufsteigt. Im austretenden Heißwasser der Raucher sind vor allem Sulfide sowie andere Salze von Eisen, Mangan, Kupfer und Zink gelöst. Das beim Austritt bis über 300 °C heiße Wasser der Thermalquelle, reich an gelösten Stoffen, trifft mit dem 2 °C kalten Wasser des Meeresgrundes zusammen. Bei der Abkühlung werden Minerale als feine Partikel ausgefällt, wodurch sich der Austrittskegel oder Schornstein sowie dessen „Rauchfahne“ bilden. Ist diese Partikelwolke reich an Eisensalzen (z. B. Pyrit), so hat sie eine charakteristische schwarzgraue Färbung, weshalb von „Schwarzer Raucher“ gesprochen wird.An einem etwa 2.500 Meter tiefen Schwarzen Raucher am Ostpazifischen Rücken wurde ein Grünes Schwefelbakterium entdeckt, das eine anoxygene Photosynthese mit Schwefelwasserstoff oder Schwefel als Reduktionsmittel betreibt. In dieser Tiefe gelangt kein Sonnenlicht zu den Bakterien. Die Chlorosomen des Bakteriums sind jedoch in der Lage, die Wärmestrahlung (nahes Infrarot) der austretenden heißen hydrothermalen Lösung des Rauchers aufzunehmen und als Energiequelle für die Photosynthese nutzbar zu machen. Des Weiteren beherbergt das Biotop unter anderem Spinnenkrabben ohne Augen, Hoff-Krabben, Yeti-Krabben, Bartwürmer, Venus* und Miesmuscheln sowie Seesterne.Die hier lebenden Bartwürmer besitzen kein Verdauungssystem, sondern erhalten ihre Nährstoffe von Bakterien, mit denen sie in Symbiose leben. Diese Bakterien leben in gut durchbluteten Organen der Bartwürmer, den sogenannten Trophosomen, wodurch die Bartwürmer direkten Zugang zu den von den Bakterien gebildeten organischen Stoffen haben. Felder hydrothermaler Tiefseequellen sind nur ungefähr 20 Jahre aktiv. Die Verstopfung der Röhren und Spalten durch ausgefällte Mineralien führt zum Versiegen der Quellen und damit zum Aussterben der Fauna in der Umgebung, die nun als lebensfeindlich zu bezeichnen ist. Die Frage, wie die Lebewesen an neue Felder hydrothermaler Quellen gelangen, ist bisher nicht erforscht. Es gibt derzeit zwei verschiedene Hypothesen: Die Tiere geben ihre Eier in das Umgebungswasser ab, durch das sie dann über weite Strecken durch Meeresströmungen weitergetrieben werden. Sobald ein Ei eine hydrothermale Quelle mit optimalen Lebensbedingungen erreicht, wächst daraus eine Larve. Die erwachsenen Tiere sind in der Lage, von Quelle zu Quelle zu „springen“. Wal-Kadaver könnten als „Trittsteinbiotope“ von einem Schwarzen Raucher zum nächsten fungieren. Die genauen Abläufe dieses Vorgangs sind unter Forschern umstritten. Bislang wurden auch keine beweglichen Stadien nachgewiesen.Die extremen Umweltbedingungen, wie sie in den hydrothermalen Feldern der Tiefsee in der Nähe der Schwarzen Raucher herrschen, lassen an die Verhältnisse in der frühen Erdgeschichte denken, in denen Evolutionsbiologen den Ursprung des irdischen Lebens vermuten. Vulkanismus mit hohen Temperaturen und hohem Druck, Mangel an Licht und eine hohe Konzentration anorganischer Stoffe haben einige Forscher (u. a. Günter Wächtershäuser) dazu bewogen, der Umgebung von Schwarzen Rauchern eine besondere Bedeutung in der Entwicklung des Lebens zuzuweisen. Die Untersuchung des Genoms chemoautotroph aktiver Bakterien und Archaeen hydrothermaler Quellen, deren Genom eingehend untersucht wurde und bei vielen Arten vollständig entschlüsselt werden konnte, hat zu diesem Ergebnis beigetragen. Aufgrund ihres anaeroben Stoffwechsels und der Energiegewinnung ohne die Möglichkeit der Nutzung von Sonnenlicht sowie ihres Habitats, das auf der frühen Erde sehr häufig war, werden sie von einigen Forschern als repräsentativ für die frühesten Formen des Lebens angesehen. Andere in der Umgebung von hydrothermalen Quellen lebende Organismen, wie die in langen Röhren sitzenden Bartwürmer und Pompejiwürmer mit reduzierten Verdauungsorganen oder Muscheln der Art Calyptogena magnifica, die in Symbiose mit chemoautotrophen Schwefelbakterien leben, sind hochspezialisiert. Diese Lebensformen sind hochspezialisiert und lassen sich eher als Produkte einer langen Evolution denn als Ursprung bezeichnen. Einige Biologen erwarten, ähnliches Leben auf Eismonden der Gasplaneten wie z. B. dem Jupitermond Europa oder dem Saturnmond Enceladus zu finden, da dort unter den jeweiligen Eiskrusten Wasserozeane mit hydrothermalen Quellen vermutet werden. Bartwürmer und autotrophe Ernährung Bartwürmer und autotrophe Ernährung Die Bartwürmer oder Bartträger (Siboglinidae) sind eine Familie röhrenbauender Ringelwürmer (Annelida), die ihren Lebensraum auf dem Meeresboden fast aller Weltmeere vor allem in 1.000 bis 10.000 Metern Tiefe haben. Die Größe der Bartwürmer variiert zwischen 0,5 und 300 Zentimetern. Das Material für die Röhren der Bartwürmer wird von Drüsenzellen in der Epidermis der Bartwürmer gebildet und abgesondert. Die Tiere besitzen als ausgewachsene Würmer weder einen Mund noch einen durchgehenden Darm oder einen After. Die Ernährung der Bartwürmer erfolgt durch ein aus dem Darm entwickeltes Organ, das Trophosom. Dieses wird bereits in einem frühen Larvenstadium als spezielles Gewebe angelegt. Das Trophosom enthält Bakterien, die für die Ernährung der Tiere essenziell sind. Ihre Ernährung ist nahezu vollständig auf die Symbiose mit chemoautotrophen Bakterien abgestimmt. Diese leben im Trophosom der Bartwürmer und oxidieren aufgenommene anorganische Schwefelverbindungen. Die dadurch gewonnene Energie nutzen sie zur Reduktion von Kohlenstoff, also zum Aufbau organischen Materials und zur Synthese energiereicher Substanzen wie Adenosintriphosphat (ATP). Der Begriff Autotrophie, wörtlich „Selbsternährung“, bezeichnet in der Biologie die Fähigkeit von Lebewesen, ihre Baustoffe (und organischen Reservestoffe) ausschließlich aus anorganischen Stoffen aufzubauen. Dieser Stoffaufbau erfordert Energie.Als autotrophe Lebewesen sind insbesondere photosynthese-betreibende Primärproduzenten zu nennen, zu denen Pflanzen gehören. Bei ihnen dient Licht als Energiequelle (Photoautotrophie). Es gibt jedoch auch Organismen, die chemische Stoffumsetzungen als Energiequelle nutzen können (Chemoautotrophie). Bei der Chemoautotrophie wird chemische Energie genutzt, um Kohlenstoffdioxid zum Aufbau von Biomasse zu verwenden.Die Nährstoffe und die Bakterien selbst dienen dem Wurm als Energiequelle. Über ein sehr fein strukturiertes Blutgefäßsystem werden die Bakterien mit Sauerstoff, Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff versorgt. Um den giftigen Schwefelwasserstoff zu transportieren, weisen die Hämoglobin-Moleküle des Blutes bei den Bartwürmern eine besondere Struktur auf. Infolgedessen wird der Schwefelwasserstoff in ungiftige Wasserstoffsulfid-Ionen umgewandelt. Zudem binden sie Sauerstoff und Schwefelwasserstoff an zwei unterschiedlichen Bindungsstellen, um eine Oxidation zu verhindern. Parasitäre Tiefsee-Beziehung 3: Der Grönlandhai und Ommatokoita elongata Der Grönlandhai (Somniosus microcephalus), auch Eishai genannt, gilt als ältester Hai der Welt mit einem geschätzten Alter von bis zu 512 Jahren. Somit erreicht er von allen bekannten Wirbeltierarten das höchste Alter. Der Grönlandhai erreicht eine durchschnittliche Länge von 4 bis 5 Metern, wobei größere Exemplare eine Länge von fast 8 Metern erreichen können. Er ist in der Lage, bis zu 2.000 Meter tief zu tauchen, wobei er in einer Tiefe zwischen 200 und 800 Metern am häufigsten angetroffen wird. Aufgrund seiner Trägheit und seines niedrigen Stoffwechsels ist der Grönlandhai für ein langes Leben prädestiniert. In eiskalten Gewässern bewegt er sich langsam und sein Stoffwechsel ist aufgrund niedriger Temperaturen ebenfalls langsam. Der Herzschlag liegt bei 10–30 Schlägen pro Minute. Der Zeitpunkt der Geschlechtsreife wurde auf mindestens 150 Jahre taxiert. Früher wurde vermutet, dass er sich von Aas vornehmlich ernährt. Neueren Erkenntnissen zufolge scheint er sich jedoch hauptsächlich von Robben und Fischen zu ernähren und diese sowohl in großen als auch in geringen Tiefen aktiv zu jagen. Es wird vermutet, dass der Grönlandhai trotz seiner langsamen Fortbewegung Robben erbeuten kann, da er sie angreift, während sie schlafen. Die frühere kommerzielle Fischerei hat zu einer starken Dezimierung der Grönlandhai-Populationen geführt. Aufgrund ihres hohen Alters und der späten Geschlechtsreife erholen sie sich nur langsam. Grönlandhaie spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem der Polarmeere, da sie zu den Spitzenräubern gehören und somit zum Gleichgewicht des gesamten Ökosystems beitragen. Die IUCN stuft den Grönlandhai seit 2019 als „verwundbar“ ein, sodass Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung der Art dringend erforderlich sind. Parasit Ruderfußkrebse Ommatokoita elongata Wie bei zahlreichen Vertretern der Lernaeopodidae zeigt auch Ommatokoita elongata einen ausgeprägten Sexualdimorphismus. Adulte Weibchen von Ommatokoita elongata erreichen, inklusive der anhängenden Eiersäcke, eine Länge von 4–6 cm und sind damit ungewöhnlich groß für Vertreter der Ruderfußkrebse. Adulte Männchen sind sehr viel kleiner als die weiblichen Tiere und erreichen lediglich eine Gesamtlänge von 2,5 mm.Ein parasitärer Befall der Augen durch kleine Ruderfußkrebse (Ommatokoita elongata) führt zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Sehvermögens von Grönlandhaien. Die Krebse setzen sich an den Augen der Haie fest, um sich von deren Gewebeflüssigkeit zu ernähren. Die Augen der Haie bieten den Ruderfußkrebsen einen geschützten Lebensraum mit leicht verfügbarem Nahrungsmittel. Die Befallsrate liegt bei 98,9 %. Geschlechtsreife Weibchen und Larven des Krebses parasitieren am Augapfel von Grönlandhaien, wo sie schwere Gewebeschäden verursachen, die unter Umständen bis zur Erblindung des befallenen Tieres führen können. Aufgrund der hohen Befallsrate wurde die Hypothese aufgestellt, dass das Verhältnis zwischen Ommatokoita elongata und den befallenen Wirtstieren eher mutualistisch als rein parasitisch sei. Insbesondere wurde spekuliert, dass der biolumineszente, frei am Auge baumelnde Krebs dem Hai dabei helfen würde, potentielle Beutetiere anzulocken. Diese Parasiten erzeugen ein schwaches, grünes Licht (Biolumineszenz), dessen Einfluss auf das Jagdverhalten der Haie weiterer Forschung bedarf. Trotz eingeschränkter Sehfähigkeit sind Grönlandhaie effiziente Jäger, da sie über ein gut entwickeltes Netzwerk von Elektrorezeptoren verfügen.

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