

Eigentlich Podcast
Micz & Flo
Reden beim Laufen und laufend Reden - über Film, Technik und Psychotherapie
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Apr 25, 2024 • 1h 2min
EGL050 »Carrion Comfort« von Dan Simmons: Mind Vampires, Nazis und John Lennons Tod in einem Meisterwerk des Horrors
"Nina was going to take credit for the death of that Beatle, John." -- Melanie in Carrion Comfort
Den Horrorroman "Carrion Comfort" stellen wir in der vierten Episode unserer kleinen Dan-Simmons-Serie vor, nachdem Micz noch einen Nachtrag zur Folge 48 über Expanse liefert. Simmons' Monsterwerk (inhaltlich und vom Umfang her) erschien 1989, im selben Jahr wie ein weiterer Bestseller – "Hyperion" – und ein Jahr vor "The Fall of Hyperion" (1990). Es war also eine intensive und erfolgreiche Zeit des damals Anfang 40-jährigen amerikanischen Autors. "Carrion Comfort" ist komplex, episch, gigantisch und wieder einmal unfassbar gut geschrieben. Um keine Plots zu spoilern, beschränken wir uns auf die Appetizer-Kapitel 1 und 3 des Buchs, die schon 1983 als Novelette im großartigen OMNI-Magazin erschienen waren und auch online zu finden sind. Dort lernen wir Melanie kennen, eine vornehme, charakterstarke ältere Dame und vielleicht mächtigste unter den Mind-Vampiren, die jung bleiben, indem sie mit ihrer Fähigkeit Menschen übernehmen und kontrollieren. Dabei passiert das "Feeding", das die Vampire jung hält. Nina, eine Freundin aus der Kindheit, und Willi Borden, Nazi und nach seiner Flucht in die USA Filmproduzent, treffen sich jährlich, um ihre "Feedings" zu vergleichen und die besten zu prämieren. Doch wegen Melanies Verweigerung zerbricht das Bündnis und endet in einem Battle of the Minds (pardon my joke). In dieser Folge sprechen wir natürlich auch über Gerard Manley Hopkins' "Carrion Comfort" (1885) sowie über das OMNI-Magazin und Kathy Keeton, über "Marathon Man", "American Psycho", "Bill & Ted's Excellent Adventure", "Die drei Sonnen" von Liu Cixin, über Kurt Vonnegut und Jeff Noon.
Shownotes
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EGL050 | Wanderung | Komoot
Links zur Episode
»Hyperion« von Dan Simmons: symphonische Space-Opera oder Genre-Mix fesselnder Kurzgeschichten?
Dan Simmons‘ »Ilium«: epische Schlachten auf dem Mars und die Suche nach Menschlichkeit zwischen Göttern, Androiden und modifizierten Menschen
Dan Simmons Appetitmacher 1: »Song of Kali« & »Drood« – Review über Horror, psychologische Thriller und Historienroman
Carrion Comfort auf Wikipedia
"Carrion Comfort" by Gerard Manley Hopkins
Hopkins's Poetry "Carrion Comfort" (1885-7) Summary and Interpretation
"American Psycho" von Bret Easton Ellis (1991)
"Der Marathon-Mann" von John Schlesinger (1976)
OMNI Magazine auf isfdb.org (The Internet Speculative Fiction Database)
Carrion Comfort Novelette Teil 1 in OMNI Magazine Sep 83
"Ghost Edit" von Jeff Noon in Cobralingus
"As Close To The End As Possible" von Kurt Vonnegut
"The Thing" von John Carpenter (1982)
Mitwirkende
Micz Flor
(Erzähler)
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Florian Clauß
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Außerdem erschienen in unserer Dan-Simmons-Mini-Serie:
»Hyperion« von Dan Simmons: symphonische Space-Opera oder Genre-Mix fesselnder Kurzgeschichten?
Dan Simmons‘ »Ilium«: epische Schlachten auf dem Mars und die Suche nach Menschlichkeit zwischen Göttern, Androiden und modifizierten Menschen
Dan Simmons Appetitmacher 1: »Song of Kali« & »Drood« – Review über Horror, psychologische Thriller und Historienroman
In der Episode nehmen wir Bezug auf das gleichnamige Gedicht „Carrion Comfort“ von Gerard Manley Hopkins (1844–1889) entstanden 1885, zitiert nach der Seite hopkinspoetry.com:
Carrion Comfort
Gerard Manley Hopkins
Not, I'll not, carrion comfort, Despair, not feast on thee;Not untwist — slack they may be — these last strands of manIn me ór, most weary, cry I can no more. I can;Can something, hope, wish day come, not choose not to be.But ah, but O thou terrible, why wouldst thou rude on meThy wring-world right foot rock? lay a lionlimb against me? scanWith darksome devouring eyes my bruisèd bones? and fan,O in turns of tempest, me heaped there; me frantic to avoid thee and flee?Why? That my chaff might fly; my grain lie, sheer and clear.Nay in all that toil, that coil, since (seems) I kissed the rod,Hand rather, my heart lo! lapped strength, stole joy, would laugh, chéer.Cheer whom though? the hero whose heaven-handling flung me, fóot tródMe? or me that fought him? O which one? is it each one? That night, that yearOf now done darkness I wretch lay wrestling with (my God!) my God.

Apr 11, 2024 • 1h 28min
EGL049 Die Geheimnisse der Tiefsee: von den Entdeckungen unbekannter Welten unter Wasser
„Die Tiefsee ist nicht nur die letzte Grenze der Erde, sondern auch ein Spiegel unserer Zukunft“ Carl Chun, Leiter der ersten deutschen Tiefseeexpedition Valdivia
In dieser Episode tauchen wir tief in die Geschichte der Tiefsee-Erforschung ein! Wir besuchen das Naturkundemuseum in Berlin, um die Spuren der ersten deutschen Tiefsee-Expedition zu entdecken. Die Valdivia bereiste von 1898 bis 1899 unter der Leitung von Carl Chun den Atlantischen und Indischen Ozean und brachte zahllose Exponate mit, die heute noch im Museum teilweise zu sehen sind und zu Forschungszwecken benutzt werden. Dort ist auch eine große Sammlung von Feuchtpräparaten ausgestellt, die viele Funde der Valdivia enthält. Wir suchen vor Ort unter den in Alkohol eingelegten Meeresbewohnern nach der Aufschrift „Valdivia“, während Flo Micz erklärt, ab welcher Tiefe die Tiefsee beginnt und warum. Desweiteren mit welchen Fangtechniken die Valdivia gearbeitet hat, wie damals der Meeresboden vermessen wurde und welche Arten von der Expedition neu entdeckt und berühmt geworden sind.
Die Aufnahme in den vollen Ausstellungsräumen klingt doch recht hallig und wir setzen die Erzählung auf dem Panke-Wanderweg fort, der direkt am Museum beginnt und bis weit hinter Pankow führt. Das Ökosystem der Tiefsee ist von kaltem Wasser, hohem Druck und wenig Nahrungsquellen geprägt und unglaublich groß. Es hat obskure Lebensformen und Lebensgemeinschaften hervorgebracht. In den Tiefen haben sogar Parasiten Parasiten! Jedes verwertbare Teilchen findet Abnehmer. Flo war schon als Kind von der Tiefsee fasziniert und wollte „Haiforscher“ werden. Später entstand der Berufswunsch Meeresbiologe. Und obwohl der Ausbildungsweg sich nicht bewahrheitet hat, ist die Begeisterung für die weitergehend unerforschte Tiefsee geblieben.
Die Tiefsee bedeckt über 60% der Erdoberfläche, aber nur 0,01% davon sind verprobt. Es gibt noch so viel zu entdecken und zu lernen über den größten Teil unserer Erde. Wir diskutieren auch den Abbau von Ressourcen aus der Tiefsee und die Gefahr, dass noch zu wenig bekannt ist, um die Folgen des Tiefseebergbaus angemessen einschätzen zu können. Wir bemühen uns bei diesem Thema nicht allzu dystopisch zu werden.
Schließlich gesteht Flo, wie er auf das Thema gekommen ist. ChatGpt hatte dabei seine Finger im Spiel, aber nicht zu Unrecht!
Viel Spaß beim Hören und verzeiht uns die Hallenbad-Athmosphäre im Naturkundemuseum, es waren Osterferien und viele Kinder waren auch bis kurz vor Schließung im Museum sehr aktiv.
Shownotes
Links zur Laufroute:
EGL049 | Wanderung | Komoot
Pankeweg vom Gesundbrunnen bis zur Quelle - Weddingweiser
Grüne Hauptwege Berlin - Berlin.de
Weg 5 - Nord-Süd-Weg (44 km) - Berlin.de
Links zur Episode:
Besuch planen | Museum für Naturkunde
Expedition Nordpazifik: Verändert der Klimawandel auch die Tiefsee? | MDR.DE
Leben in der Tiefsee: die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ozeane - Europäische Kommission
Life in the deep – microbes of the abyss | ERC
Die Tiefsee - DEEPWAVE e.V.
Neues aus der Meeresforschung - Faszinierende Unterwasserwelt
\nDie Tiefsee-Expedition Valdivia – Ein Forschungsabenteuer 1898 - SWR Kultur
Valdivia-Expedition – Wikipedia
Carl Chun – Wikipedia
Aus den Tiefen des Weltmeeres
Entdeckung und Erforschung der Tiefsee - scinexx.de
Vampirtintenfisch – Wikipedia
Nomenklatur (Biologie) – Wikipedia
Aus den Tiefen des Weltmeeres by Carl Chun | Project Gutenberg
Antje Boetius – Wikipedia
Schelf – Wikipedia
Marianengraben – Wikipedia
Deepsea Challenger – Wikipedia
Home - DEEPSEA CHALLENGE
Archaeen – Wikipedia
Marie Tharp – Wikipedia
Polarstern (Schiff, 1982) – Wikipedia
Eisbrecher – Wikipedia
Multicorer – Wikipedia
Jago (U-Boot) – Wikipedia
Summer of Science - The Most Comprehensive Map of the Deep Seafloor Yet - NYTimes.com
Liste der Tiefseegräben – Wikipedia
Highlights der Präparationskunst | Museum für Naturkunde
Beats & Bones: Der Podcast aus dem Museum für Naturkunde Berlin | Museum für Naturkunde
Panke – Wikipedia
Zentrale des Bundesnachrichtendienstes – Wikipedia
Bundeswehrkrankenhaus Berlin – Wikipedia
Bouvetinsel – Wikipedia
Nullmeridian – Wikipedia
MENSCH UND MEER - Die Challenger-Expedition - Alles Geschichte - History von radioWissen | BR Podcast
RES083 Tiefseeforschung – Resonator
Gaia (Raumsonde) – Wikipedia
David Attenborough – Wikipedia
Walsturz – Wikipedia
Symbiose – Wikipedia
Parasitismus – Wikipedia
Biolumineszenz – Wikipedia
Fotografien als Beifang | Museum für Naturkunde
Kryptozoologie – Wikipedia
Kryptospezies – Wikipedia
Manganknolle – Wikipedia
Frist für Tiefseebergbau verstreicht: Werden nun Manganknollen abgebaut? | tagesschau.de
Fangquoten in der Ostsee: Weiterhin harte Einschnitte | NDR.de - Nachrichten - Mecklenburg-Vorpommern
Starlink: Müllen wir unseren Himmel zu? - quarks.de
Ernst Haeckel – Wikipedia
Mitwirkende
Florian Clauß
(Erzähler)
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Micz Flor
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Verwandte Episoden
EGL051 Obskure Lebensgemeinschaften in der Tiefsee
Die Tiefsee, ein Ort voller Geheimnisse und unentdeckter Wunder, hat die Menschheit seit jeher fasziniert. Diese dunkle, kalte und druckvolle Welt, die ab einer Tiefe von 200 Metern beginnt, bedeckt weit mehr als die Hälfte unseres Planeten. Doch trotz ihrer Weitläufigkeit und Bedeutung für das Erdklima und die biologische Vielfalt, bleibt sie eines der am wenigsten erforschten Gebiete der Erde. Die Geschichte der Tiefseeforschung, die Technologien, die dabei zum Einsatz kommen, die einzigartigen Lebensformen, die dort existieren, und die Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen, sind ein faszinierendes Kapitel der Wissenschaft, das noch lange nicht abgeschlossen ist.
Tiefseeforschung
Einer der Pioniere dieser Forschung war Carl Chun, ein deutscher Zoologe, der Ende des 19. Jahrhunderts die erste deutsche Tiefsee-Expedition leitete. Mit dem Forschungsschiff „Valdivia“ brach er 1898 auf, um die unbekannten Tiefen der Weltmeere zu erkunden. Zu einer Zeit, als man glaubte, dass kein Leben unterhalb von 400 Metern Tiefe existieren könne, entdeckte Chun und seine Crew eine Vielzahl von Lebewesen, die die Dunkelheit der Tiefsee bevölkern. Ihre Entdeckungen, darunter der geheimnisvolle Tintenfisch Vampyroteuthis infernalis, sowie die Funde von Manganknollen, die als Lebensraum für Tiefseetiere dienen, erweiterten unser Verständnis vom Leben in der Tiefsee grundlegend.
Moderne Tiefseeforschung nutzt eine Vielzahl von Technologien, von ferngesteuerten Fahrzeugen bis hin zu spezialisierten U-Booten, die Wissenschaftler in die Tiefen des Ozeans bringen. Ein herausragendes Beispiel ist der Tauchgang von James Cameron im Marianengraben, der tiefsten bekannten Stelle der Weltmeere, wo er neue Arten entdeckte und wertvolle Daten sammelte. Doch trotz solcher spektakulärer Expeditionen ist weniger als 0,01% der Tiefsee verprobt.
Geschöpfe der Tiefsee
Die Tiefsee beherbergt eine erstaunliche Vielfalt an Leben, das an extreme Bedingungen wie völlige Dunkelheit, kalte Temperaturen und enormen Druck angepasst ist. Viele Arten der Tiefsee haben einzigartige Anpassungen entwickelt, um in dieser unwirtlichen Umgebung zu überleben. Sie ernähren sich von abgestorbenen Organismen, die aus höheren Wasserschichten herabsinken, oder von den wenigen anderen Lebewesen, die in dieser Tiefe existieren. In einem Lebensraum, der über Jahrmillionen gleichbleibende Lebensbedingungen bietet, treibt die Evolution Blüten, um alle möglichen Nischen zu besetzen. In der Tiefsee gibt es jedoch auch kurzlebige Ökosysteme, wie zum Beispiel an den hydrothermalen Quellen, den sogenannten Schwarzen Rauchern, die durch Magmaausstoß entstehen. Hier hat sich eine der schnellstwachsenden Art der Erde entwickelt, ein Röhrenwurm. Ein Verwandter dieser Art gilt als einer der langsam wachsende Art unter den Tieren. Die Tiefsee ist ein Ort der Extreme.
Die Bedeutung und Bedrohung der Tiefsee
Die Tiefsee spielt eine entscheidende Rolle im globalen Klimasystem. Sie dient als Senke für Kohlendioxid, wobei kalte Regionen wie die Polarmeere besonders viel CO2 aufnehmen und in die Tiefe transportieren. Dieser Prozess hilft, die globale Erwärmung zu verlangsamen, macht die Tiefsee aber auch anfällig für die Übersäuerung der Meere, die das dortige Ökosystem bedroht. Darüber hinaus ist die Tiefsee ein Reservoir für Biodiversität und potenzielle Ressourcen, deren Wert wir erst zu verstehen beginnen.
Die Tiefsee steht vor zahlreichen Bedrohungen, von der Überfischung und dem Tiefseebergbau bis hin zur Verschmutzung durch Plastik und Übersäuerung. Diese menschlichen Aktivitäten gefährden die empfindlichen Ökosysteme der Tiefsee und die Arten, die dort leben. Um diese einzigartige Welt zu schützen, sind internationale Anstrengungen und strengere Regulierungen erforderlich. Die Forschung spielt dabei eine entscheidende Rolle, indem sie das Wissen liefert, das notwendig ist, um effektive Schutzmaßnahmen zu entwickeln.

Mar 28, 2024 • 59min
EGL048 »The Expanse« zu Ende erzählt: Was passiert in den drei unverfilmten Büchern der Serie?
"Nine books later and you’re still here, so this one’s for you." -- Widmung in "Leviathan Falls", dem 9ten Buch der "The Expanse" Serie
Diese Episode richtet sich speziell an die Fans von "The Expanse", die bisher nur die Serie gesehen haben und neugierig darauf sind, wie die Geschichte weitergeht. Denn von der neunteiligen Buchreihe von James S.A. Corey (dem Pseudonym von Daniel Abraham und Ty Franck) wurden lediglich sechs Bände verfilmt. Als TV- bzw. Streaming-Serie wurde "The Expanse" erstmals 2015 auf Syfy ausgestrahlt. Nach drei Staffeln übernahm Amazon die Produktion. Die vierte Staffel wurde 2018 veröffentlicht, jedoch stellte Amazon nach drei weiteren Staffeln die Produktion ein. Dieser Folge unseres Podcasts widmen wir all denen, die noch immer im Dunkeln tappen. Was geschieht in den letzten drei Büchern der epischen Saga, die niemals verfilmt wurden? Am Ende der letzten Staffel von "The Expanse" bleiben mehr Fragen offen, als dass Handlungsstränge abgeschlossen werden. Die Free Navy ist besiegt, Marcos Schiff löst sich in der Slow Zone auf, Duarte entkommt mit einem Teil der Militärstreitkräfte und verschwindet im System "Laconia". In der letzten Staffel sind zudem Elemente der "Expanse"-Kurzgeschichte "Strange Dogs" eingeflochten, die eine wichtige Verbindung zu den folgenden Büchern hätte sein können. Doch ein Finale findet in der verfilmten Serie nie statt. Die Buchreihe hingegen kommt zu einem Abschluss. Wir enthüllen den Rest der Geschichte um die Crew der Rocinante mit zahlreichen Plot-Spoilern und einer abschließende Kurzkritik des bombastischen Finales.
Shownotes
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EGL048 | Wanderung | Komoot
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Wochenmarkt auf dem Karl-August-Platz
Trinitatiskirche in Charlottenburg
Fandom Wiki Seite von "The Expanse"
Teil 7 "Persepolis Rising"
Teil 8 "Tiamat's Wrath"
Teil 9 "Leviathan Falls"
Expanse-Novella "Strange Dogs"
Mitwirkende
Micz Flor
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Florian Clauß
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Verwandte Episoden
EGL041 The Expanse: warum die geniale Sci-Fi Serie so gut funktioniert.
In der Mitte dieser Folge, finden wir uns auf dem Wochenmarkt auf dem Karl-August-Platz wieder. Flo hat mich dahin geführt, ohne dass ich mich erinnern kann, wo wir überhaupt langgelaufen sind. Ich muss mir die Strecke selber noch mal auf unserer Website ansehen. Auf jeden Fall stehen wir in einer Schlange vor der Trinitatiskirche in Charlottenburg und warten auf einen Flat White, als der Plot von The Expanse auf die Zielgerade einbiegt.
Wer mit dem Gedanken spielt die drei letzten, unverfilmten Bücher von „The Expanse“ zu lesen, sollte das unbedingt tun. Teil 7 „Persepolis Rising“ und 8 „Tiamat’s Wrath“ machen wirklich richtig Spaß. Teil 9 „Leviathan Falls“, in dem der komplette Spannungsbogen buchstäblich in sich zusammenfällt, gibt sich noch mehr Mühe, fühlt sich aber gegen Ende gleichzeitig zu dicht und zu ausgedehnt an.
Ich möchte hier im Text keine Plot-Spoiler einbauen, denn dann braucht ihr die Folge ja nicht mehr zu hören. Nur so viel: die Expanse-Saga findet wirklich ein Ende, mit dem man sich versöhnen kann. Und ich möchte Lust auf die Folge machen, ist ja klar, deshalb verrate ich: zwei Mitglieder:innen der Rocinante-Crew sterben, und eine:r weitere:r wird zuerst brutalst erschossen, aber… (Selten war Gendern so wichtig, um die Spannung hoch zu halten!)
Wer die Zusammenfassung der Bücher lesen möchte, der findet auf der Fandom Wiki Seite von „The Expanse“ ausführliche Zusammenfassungen von Teil 7 „Persepolis Rising“, Teil 8 „Tiamat’s Wrath“ und Teil 9 „Leviathan Falls“. Aber, hey, wo ihr schon mal hier seid, hört’s euch einfach an. Wir reiten in dieser Episode durch die letzten drei Bücher von „The Expanse“ und lassen dabei alles raus.

Mar 14, 2024 • 1h 22min
EGL047 »Hyperion« von Dan Simmons: symphonische Space-Opera oder Genre-Mix fesselnder Kurzgeschichten?
"For instance, does anyone here know why he or she was chosen by the Shrike Church and the All Thing to go on this voyage?" -- Sol Weintraub, Hyperion, Chapter 1
In unserer kleinen Podcast-Serie zu Dan Simmons besprechen wir heute 'Hyperion'. Dieser Science-Fiction-Roman von 1989 folgt sieben Pilger:innen auf dem Weg zu den Zeitgräbern des Planeten Hyperion. Auf ihrer Reise erzählen sie sich gegenseitig von ihrer Beziehung zu diesem Planeten und dem mystischen 'Shrike', einer rätselhaften humanoiden über drei Meter großen Kreatur aus Stahl und Klingen. Um diese totbringende, scheinbar unsterbliche, gottgleiche Gestalt, die sich durch die Zeit bewegen kann, hat sich die Kirche des Shrike gebildet, die aus tausenden von Bewerber:innen genau diese sieben für die letzte Pilgerfahrt ausgewählt hat. Was sie so besonders macht, genau das versuchen die Pilgernden durch ihre einzelnen Geschichten herauszufinden. In der vielschichtigen Struktur des Romans entblättert Dan Simmons die Welten von 'Hyperion' in unterschiedlichsten Genres. Wir nutzen Simmons' literarischen Kniff in Hyperion, eine Reihe von kurzen Erzählungen mittels einer Rahmenerzählung ineinander zu verweben, um über E.T.A. Hoffmanns 'Die Serapions-Brüder' und die 'Canterbury Tales' von Geoffrey Chaucer zu sprechen, die ebenfalls mit Rahmenhandlungen arbeiten. Aus letzterem lesen wir die Ansprache des Wirts vor, mit der er die Pilernden zum Erzählen bewegt.
Shownotes
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EGL047 | Wanderung | Komoot
Links zur Episode
Jürgen Klopp im Podcast 'Hotel Matze' am 26.7.2023 Position 00:44:23
E.T.A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder
Episode 45 über Dan Simmons‘ "Ilium"
Die Friedhöfe Mehringdamm bestehen aus fünf Kirchhöfen
Die Serapions-Brüder auf projekt-gutenberg
E.T.A. Hoffmann Portal der Staatsbibliothek zu Berlin
Rahmenerzählung ist eine literarische Technik
Die Serapionsbrüder (1819 bis 1821) Erzählungen und Aufsätze von E.T.A. Hoffmann
Das serapiontische Prinzip: Intermedialität und Synästhesie in der Literatur der Romantik
Shrikes: Meet the Bird That Impales Prey on Spikes
Shrike = Würger (Lanius) ist der englische 'Shrike'
"Das Wirtshaus im Spessart" Rahmenerzählung 3. Band von Wilhelm Hauffs Märchenalmanach
Tales of Caunterbury 14. Jhdrt Geoffrey Chaucer
"Remembering Siri" in "Prayers to Broken Stones" von Simmons
Freundeskreis Serapionsbrüder
Hörspiel zu E.T.A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder, BR 2006
Mitwirkende
Micz Flor
(Erzähler)
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Florian Clauß
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Verwandte Episoden
EGL043 Dan Simmons Appetitmacher 1: Song of Kali & Drood - Review über Horror, psychologischer Thriller und HistorienromanEGL045 Dan Simmons' Ilium: epische Schlachten auf dem Mars und die Suche nach Menschlichkeit zwischen Göttern, Androiden und modifizierten Menschen
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. So wird auch in Simmons‘ Hyperion aus einer Ansammlung von Kurzgeschichten, in einer Rahmenerzählung eingebettet, eine große Space-Opera. Es sind viele Leben, die hier zusammen kommen, aus unterschiedlichsten Generationen und Zeiten, da das Reisen durch das Universum die einzelnen Zeitstrahlen der Biografien voneinander entkoppelt. Aber auch für ein einziges Leben auf unserem Planeten gilt, wie der Fußballtrainer Jürgen Klopp im Leben allgemein beobachtet:
„Das Leben ist eine Ansammlung von kleinen Geschichten, um eine große daraus zu machen.“
Jürgen Klopp im Podcast ‚Hotel Matze‘ am 26.7.2023 Position 00:44:23
So wollen auch wir mehrere Erzählungen ineinenader verweben. Bevor wir in Dan Simmons‘ „Hyperion“ verschwinden, treffe ich mich mit Flo am Mehringdamm. Ich führe ihn zum Grab von E.T.A. Hoffmann (1776–1822), anhand dessen „Die Serapions-Brüder“ die Wirkungsweise einer Rahmenerzählung darstellen möchte. Diese Sammlung literarischer Werke erschien zwischen 1819 und 1821 und wurde aus bereits veröffentlichtem Material und einigen neuen Texten zusammengestellt. So ist z.B. auch das weitbekannte „Nußknacker und Mausekönig“ Teil der Sammlung. Innerhalb einer Rahmenhandlung diskutieren literarisch versierte Freunde über das Material, Kunstfragen und das Schreiben.
E.T.A. Hoffmann und der Einsiedler Serapion
Als Inspiration für diese Rahmenhandlung E.T.A. Hoffmanns diente der Berliner Freundeskreis des Schriftstellers, die sich ebenfalls die „Serapions-Brüder“ nannten. Namensgeber war laut Wikipedia der heilige Serapion (12. / 13. Jahrhundert), aus Irland oder Schottland in das heutige Spanien kommend, starb er in Algier als erster Märtyrer des Mercedarier-Ordens. An anderer Stelle wird ein Einsiedler aus Ägypten aus dem vierten Jahrhundert genannt:
„Der Terminus serapiontisches Prinzip lässt sich auf den Einsiedler Serapion zurückführen, der im vierten Jahrhundert in Ägypten lebte. Hoffmann erwähnt ihn im Eingangsgespräch; Er konstruiert sogar eine Geschichte um einen Einsiedler, der sich für Serapion hält, die allerdings zunächst ohne Titel bleibt.“
Regina Kland: Die Serapionsbrüder und das serapiontische Prinzip, 2003
Das „Serapionische Prinzip“ wird wie folgt beschrieben:
„Dein Einsiedler, mein Cyprianus, war ein wahrhafter Dichter, er hatte das wirklich geschaut was er verkündete, und deshalb ergriff seine Rede Herz und Gemüt. […] Wenigstens strebe jeder recht ernstlich darnach, das Bild, das ihm im Innern aufgegangen recht zu erfassen mit allen seinen Gestalten, Farben, Lichtern und Schatten, und dann, wenn er sich recht entzündet davon fühlt, die Darstellung ins äußere Leben [zu] tragen. […] Der Einsiedler Serapion sei unser Schutzpatron, er lasse seine Sehergabe über uns walten, seiner Regel wollen wir folgen, als getreue Serapions-Brüder!“
Das Serapionische Prinzip laut Serapions-Bruder Lothar in E.T.A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder
Unsere Rahmenhandlung der Rahmenerzählung verlassen wir gemächlich, nachdem wir kurz Wilhelm Hauffs „Das Wirtshaus im Spessart“ als weiteres Beispiel erwähnen und uns auf den Weg zum Potsdamer Platz machen. Wir landen nämlich beim Klassiker der Rahmenerzählung: „The Canterbury Tales“ von von Geoffrey Chaucer aus dem 14. Jahrhundert. In den meisten „Hyperion“ Besprechungen wird Chaucers Erzählung als Inspiration für Dan Simmons‘ Erzählstruktur genannt. Bei Chaucer ist es der Wirt, der anregt sich gegenseitig Geschichten zu erzählen, um die Pilgerreise nach Canterbury kurzweiliger zu gestalten. Bei Simmons‘ „Hyperion“ ist es einer der Pilger selbst. Sol Weintraub wird als „the Wandering Jew and his hopeless quest“ beschrieben. (Wir erinnern uns an Episode 45 über Dan Simmons‘ „Ilium“ und Savi, die „wandernde Jüdin“.)
Sol Weintraub ist jedoch nicht an Kurzweiligkeit interessiert, sondern sucht Antwort auf die Frage, was die sieben Pilger:innen verbindet, denen die letzte Pilgerreise auf den entlegenen Planteten „Hyperion“ genehmigt wurde.
„It would seem that our reasons for returning to Hyperion are so compelling that even the Shrike Church and the Hegemony probability intelligences agree that we deserve to return“, he said.“ […] „I suggest that we share our stories in the few days remaining to us.“
Sol Weintraub, Chapter 1
Und so beginnen die Erzählungen der Pilgernden (die ich unten an den englischen Wikipedia-Eintrag zu Hyperion angelehnt, übersetzt und um Zitate des Konsuls erweitert habe).
Im Jahr 2732 umfasst die Hegemonie der Menschen Hunderte von Planeten, die durch Farcaster Portale miteinander verbunden sind. Die Hegemonie unterhält ein unruhiges Bündnis mit dem TechnoCore, einer Zivilisation von KIs. Modifizierte Menschen, die als Ousters bekannt sind, leben in Raumstationen zwischen den Sternen und befinden sich in einem Konflikt mit der Hegemonie.
Zahlreiche „Outback“-Planeten haben keine Farcaster und können nur unter erheblicher Zeitdilatation erreicht werden. Einer dieser Planeten ist Hyperion, die Heimat von Strukturen, die als Zeitgräber bekannt sind, die sich in der Zeit rückwärts bewegen und von einer legendären Kreatur, dem Shrike, bewacht werden. Am Vorabend einer Invasion der Ouster auf Hyperion wird eine letzte Pilgerreise zu den Zeitgräbern organisiert. Die Pilger beschließen, dass jeder von ihnen seine Geschichte erzählen wird, wie er für die Pilgerreise ausgewählt wurde.
Erster Teil, Die Geschichte des Priesters: „The Man who Cried God“
Father Lenar Hoyt, a priest of the old-style Christian sect known as Catholic.
Der Konsul in Chapter 1
Paul Duré und Lenar Hoyt sind katholische Priester, die in die Verbannung von Hyperion geschickt wurden. Während Duré sich in den weit entfernten Bereichen von Bikura aufhält, einer isolierten Zivilisation, entdeckt er, dass die Bikura von kreuzförmigen Parasiten, der so genannten Cruciform, befallen sind. Diese Parasiten haben die Fähigkeit, nach dem Tod den physischen Körper wieder aufzubauen und die Wirtsperson wiederzubeleben. Duré selbst wird infiziert, als er dem Shrike begegnet.
Trotz unerträglicher Schmerzen ist Duré unfähig, die Cruciform zu entfernen oder Bikura zu verlassen. Seine Tagebuchaufzeichnungen enden abrupt. Hoyt enthüllt schließlich, dass Duré sich in einem verzweifelten Versuch, die Cruciform loszuwerden, an einem Tesla-Baum gekreuzigt hat. Sieben lange Jahre lang wurde Pater Duré immer wieder durch Stromschläge getötet und wiederbelebt. Als Hoyt schließlich Duré berührt, fällt die Cruciform von seinem Körper ab und lässt ihn schließlich sterben. Die Bikura werden mit Atomwaffen vernichtet, aber nicht bevor Hoyt sowohl mit Durés Cruciform als auch mit einer eigenen Cruciform infiziert ist.
Zweiter Teil, Die Geschichte des Soldaten: „The War Lovers“
Colonel Fedmahn Kassad, the so-called Butcher of South Bressia, was probably no longer either infamous or famous.
Der Konsul in Chapter 1
Die Geschichte von Colonel Fedmahn Kassad beginnt mit einer Rückblende in die Zeit seiner Ausbildung an der FORCE-Militärakademie auf dem Mars. Während einer Simulationsschlacht rettet eine geheimnisvolle Frau Kassad und wird seine Geliebte.
Kassad entführt ein Ouster-Shuttle und lässt es auf Hyperion abstürzen. Dort wird er mit seiner Geliebten Moneta wiedervereint. Kassad sieht den Baum des Schmerzes, einen gigantischen Stahlbaum, an dem das Shrike seine Opfer aufspießt. Moneta und das Shrike lehren ihn, im Kampf die Zeit zu verändern. Kassad erkennt, dass Moneta und das Shrike ihn manipuliert haben und ihn benutzen wollen, um einen interstellaren Krieg auszulösen, in dem Milliarden von Menschen sterben werden. Nachdem Kassad gerettet wurde, wird er zum Antikriegsaktivisten.
Dritter Teil, Die Geschichte des Dichters: „Hyperion Cantos“
Martin Silenus was […] pleasantly demonic. The poet’s silver hair had been cropped into rough-hewn bangs.
Der Konsul in Chapter 1
Martin Silenus wurde als Dichter ausgebildet, aber seine Ausbildung wurde unterbrochen, als ein schwarzes Loch die Erde zerstörte. Silenus ist gezwungen, als Hilfsarbeiter zu arbeiten. Während dieser Zeit beginnt er mit der Arbeit an seinen Hyperion Cantos, seinem Hauptwerk. Seine Reihe Sterbende Erde wird ein Riesenerfolg und macht ihn zum Multimilliardär.
Silenus schließt sich dem traurigen König Billy auf Hyperion an. Billy ist ein Aristokrat, der beschließt, nach Hyperion umzusiedeln und ein Königreich der Künstler zu gründen. Silenus nimmt die Arbeit an den Cantos wieder auf und ist überzeugt, dass das Shrike seine Muse ist. Billy verbrennt das Manuskript der Cantos und wird von dem Shrike entführt. Seitdem hat Silenus, der auf lebensverlängernde Behandlungen angewiesen ist, Jahrhunderte darauf gewartet, nach Hyperion zurückzukehren und das Gedicht zu vollenden.
Vierter Teil, Die Erzählung des Gelehrten: „The River Lethe’s Taste Is Bitter“
Sol Weintraub […] The Consul had heard tales of the Wandering Jew and his hopeless quest.
Sol Weintraub, ein jüdischer Professor, nimmt mit seiner kleinen Tochter Rachel an der Pilgerfahrt teil. Vor zwanzig Jahren wurde Weintraubs erwachsene Tochter Archäologin und reiste nach Hyperion. Bei der Kartierung eines der Gräber erscheint das Shrike; Rachel erkrankt an einer Krankheit, die sie rückwärts altern lässt. Weintraub ringt jahrelang mit Träumen, in denen ihm befohlen wird, nach Hyperion zu gehen und Rachel in einer Wiederholung der Bindung von Isaak zu opfern. Er beschließt, ein Pilger zu werden und das Shrike um ein Heilmittel zu bitten.
Nachdem sie Weintraubs Geschichte gehört haben, zieht sich die Gruppe nach draußen zurück, um die Sterne zu betrachten. Dort sehen sie, wie das Baumschiff der Templer, das sie nach Hyperion gebracht hat, von Oustern zerstört wird.
„I am the True Voice of the Tree“, said Het Masteen. „While many Templars believe that the Shrike is the Avatar of punishment for those who do not feed from the root, I must consider this a heresy not founded in the Covenant or the writings of the Muir.“
Het Masteen, Chapter 1
Het Masteen, Kapitän des Schiffes und ebenfalls auf der Pilgerreise, reagiert nicht und zieht sich wortlos in sein Zimmer zurück. Am nächsten Morgen ist Masteen verschwunden, und sein Zimmer ist voller Blut, obwohl die ganze Nacht über Wache gehalten wurde.
Fünfter Teil, Die Geschichte der Privatdetektivin: „The Long Good-Bye“
Brawne Lamia, […] the detective stared at the Consul with such intensity that he could feel the pressure of her gaze even after she looked away.
Der Konsul in Chapter 1
Brawne Lamia ist eine Privatdetektivin. Ihr aktueller Klient ist ein Cybrid (ein menschlicher Körper, der von einer TechnoCore-KI kontrolliert wird) namens Johnny. Sie und Johnny werden zwangsweise auf einen Planeten verbannt, der eine perfekte Nachbildung der alten Erde zu sein scheint. Sie werden ein Liebespaar. Lamia und Johnny verüben einen Virtual-Reality-Raub auf dem TechnoCore. Sie entdecken, dass die KI des Kerns durch ihre unterschiedliche Loyalität gegenüber dem Projekt der Ultimativen Intelligenz (UI) des Kerns gespalten ist. Einige Mitglieder des Kerns planen, eine allwissende KI zu erschaffen: im Grunde genommen einen Gott.
Johnny wird bei einem Überfall getötet, aber nicht bevor er sein Bewusstsein in ein Implantat in Lamias Schädel übertragen hat. Es stellt sich heraus, dass Lamia mit Johnnys Baby schwanger ist. Sie wird von Shrike-Kultisten gerettet und erhält Asyl bei der Kirche des Shrike unter der Bedingung, dass sie die Pilgerreise antritt.
Sechster Teil, Die Geschichte des Konsuls: „Remembering Siri“
Der Konsul erzählt die Geschichte von Merin Aspic und Siri. Aspic unternimmt mehrere Reisen an Bord eines Raumschiffs, um auf Maui-Covenant ein Fernbedienungsportal zu errichten, das es mit der Hegemonie und ihren wartenden Touristenscharen verbindet. Schließlich verliebt er sich in Siri. Jedes Mal, wenn sie sich treffen, altern Merin und Siri aufgrund der Zeitdilatation mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Dieser Unterschied wird immer deutlicher, bis zum achten Besuch, bei dem Merin zurückkehrt und Siri tot vorfindet, weil sie alt geworden ist und der Fernzähler aktiviert werden soll. Merin beschließt, den Fernzähler zu sabotieren und beginnt einen hoffnungslosen Widerstand gegen die Hegemonie. Bei der Niederschlagung der Rebellion zerstört das Militär die Ökologie so gründlich, wie es die Touristen getan hätten.
Der Konsul enthüllt, dass Siri und Merin seine Großeltern waren. Er wartet auf eine Gelegenheit, die Hegemonie zu verraten und Rache zu üben. Der Konsul enthüllt, dass er eine Ouster-Vorrichtung ausgelöst hat, die zur Entleerung der Zeitgräber und zur Freisetzung des Shrike geführt hat, wohl wissend, dass dies wahrscheinlich die Vernichtung der Menschheit zur Folge haben würde.
Epilog
Die Pilger beschließen, ihre Reise fortzusetzen, um den Shrike zu treffen. Die Erzählung endet abrupt, als sie sich über die Wüstenebene den Zeitgräbern nähern, die nun ein ungewöhnliches Leuchten ausstrahlen.
Wenn dich Dan Simmons interessiert, dann sind diese Folgen vielleicht was für dich:
Dan Simmons‘ Ilium: epische Schlachten auf dem Mars und die Suche nach Menschlichkeit zwischen Göttern, Androiden und modifizierten Menschen
Dan Simmons Appetitmacher 1: Song of Kali & Drood – Review über Horror, psychologischer Thriller und Historienroman

Feb 29, 2024 • 1h 21min
EGL046 Berlinale 2024 Review: wie LaBruce mit »The Visitor« Pasolinis »Teorema« für das 21. Jahrhundert neu schreibt - sexuelle Befreiung statt bourgeoise Zerstörung
"Was mich wie die anderen gemacht hat, ist zerstört worden. Ich war wie alle anderen mit vielen Fehlern. Du hast mich anders gemacht, indem du mich aus der natürlichen Ordnung der Dinge herausgenommen hast." Pietros Geständnis
Es ist Februar, es ist Berlinale Zeit. Auch in diesem Jahr wollen wir einen Film von der Berlinale besprechen: "The Visitor" von Bruce LaBruce. Eigentlich wollten Flo und Micz den gemeinsam sehen und frisch mit den Eindrücken aus dem Kino den Film besprechen, das hat aber nicht geklappt. Insofern treffen wir uns eine Woche später vor dem Berlinale Palast, um die nicht mehr ganz so frischen Eindrücke zu verarbeiten. Flo hat den Film auch ausgesucht, weil er damit auch weiter über sein Lieblingsthema erzählen kann: über die Nouvelle Vague. Denn "The Visitor" ist ein Remake des Filmes "Teorema - Geometrie der Liebe" von 1968 von Pierre Paolo Pasolini. Pasolini gilt wohl als einer der streitbarsten und konsequentesten Regisseure des neuen italienischen Films. Pasolini ist 1975 nach seinem Skandalauslösenden Film "Salo - die 120 Tage von Sodom" ermordet worden. Pasolini war Autor, Kommunist und Filmemacher, lebte offen seine schwule Sexualität aus und inszenierte tabuisierte Themen in einer eigenen Filmsprache. Auch Bruce LaBruce bricht mit seinen Filmen gerne gesellschaftliche Tabus, so auch in seinem diesjährigen Berlinale Beitrag "The Visitor". Hier werden explizite pornographische Szenen gezeigt. LaBruce gilt als Erfinder und Vertreter des Queer Cinemas, dreht mit wenig Budget genreübergreifende Low-Budget-Filme, die internationales Aufsehen auslösen. Dabei steht auch seine politische Haltung im Vordergrund. Mit "The Visitor" macht er auf die Situation und Zuschreibungen von Flüchtlingen aufmerksam. Für ihn bedeutet Auslebung der Sexualität eine Art von Befreiung aus den bürgerlichen Denkmustern. Bei Pasolinis Film "Teorema" steht auch die Zerstörung der bürgerlichen Familie im Vordergrund. Von der Struktur hat sich LaBruce sehr dicht am Original orientiert: eine großbürgerliche Familie wird in ihren konsumistischen Verhalten präsentiert, ein Gast trifft ein, der eine unwiderstehliche sinnliche Anziehungskraft auf alle Familienmitglieder ausübt. Modellhaft werden alle Stationen absolviert und durchgespielt: Zunächst die Verführungen durch den Gast, dann die Geständnisse oder Bekenntnisse und am Ende die Transformationen der Protagonist:innen. Wir steigen in dieser Episode am Berlinale-Palast mit "The Visitor" ein, schweifen im Tierpark immer wieder in Richtung Pasolini ab, vergleichen die beiden Filme und die politische Haltungen der Regisseure, sprechen dann ausführlicher über Pasolinis Biografie und Filmsprache, über die geheimnisvolle Figur des Gastes und den Schicksalen der einzelnen Figuren in "Teorema".
Shownotes
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Links zur Episode
| Berlinale |
Bruce LaBruce – Wikipedia
The Visitor (2024 film) - Wikipedia
Berlinale Talk - Bruce LaBruce und Bishop Black zu "The Visitor" | radioeins
Pier Paolo Pasolini – Wikipedia
Liebes Tagebuch… – Wikipedia
Municipio X – Wikipedia
Friaul – Wikipedia
Visitor Q – Wikipedia
Teorema – Geometrie der Liebe – Wikipedia
Teorema (1968) - dir. Pier Paolo Pasolini - YouTube
Bishop Black – Ballhaus Naunynstraße
Terence Stamp – Wikipedia
The Visitor (2024) | Film, Trailer, Kritik
'The Visitor' Review: Bruce LaBruce's Spunky Riff on 'Teorema'
Die 120 Tage von Sodom (Film) – Wikipedia
Gilles Deleuze – Wikipedia
Der Weichkäse – Wikipedia
Orson Welles in "La Ricotta". A short film by Pier Paolo Pasolini. - YouTube
Bourgeoisie – Wikipedia
Häresie – Wikipedia
Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß – Wikipedia
Mamma Roma – Wikipedia
Federico Fellini – Wikipedia
Michelangelo Antonioni – Wikipedia
Drive (2011) – Wikipedia
Zabriskie Point (Film) – Wikipedia
Das 1. Evangelium – Matthäus – Wikipedia
Theorem – Wikipedia
Triangle of Sadness – Wikipedia
The Menu – Wikipedia
The White Lotus – Wikipedia
Glass Onion: A Knives Out Mystery – Wikipedia
Mitwirkende
Florian Clauß
(Erzähler)
Bluesky
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Micz Flor
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Bruce LaBruce, geboren am 1964 hat sich als einer der provokativsten und einflussreichsten Filmemacher im Bereich des Queer Cinema etabliert. Nach seinem Studium der Filmwissenschaften an der York University in Toronto begann LaBruce seine Karriere in den frühen 1980er Jahren, zunächst geprägt durch die Punk-Szene und später durch seine Arbeit im Queer Cinema. Seine Filme, darunter „Hustler White“ (1996), „Otto; or Up with Dead People“ (2008), „L.A. Zombie“ (2010) und „The Misandrists“ (2017), zeichnen sich durch eine Mischung aus Provokation, Genre-Überschreitung und einer tiefen Auseinandersetzung mit Themen wie Sexualität, Queer-Identität und gesellschaftlichen Normen aus. LaBruce hat sich nicht nur als Filmemacher, sondern auch als Fotograf und Schriftsteller einen Namen gemacht, wobei er stets gesellschaftliche Themen und die Erforschung von Queer-Identitäten in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt.
Sein neuestes Projekt, „The Visitor“ (2024), stellt eine Reimagination von Pier Paolo Pasolinis „Teorema“ dar und fügt sich nahtlos in LaBruces Oeuvre ein. Der Film, in dem der schwarze Tänzer Bishop Black die Hauptrolle spielt, greift Themen wie Flüchtlinge und die Beziehung zwischen einem mysteriösen Besucher und einer bürgerlichen Familie auf. „The Visitor“ mischt explizite Szenen mit politischen Aussage. LaBruce bleibt seinem Stil treu, indem er die Grenzen des Konventionellen überschreitet und einen pan-sexuellen, provokativen Film schafft.
Pier Paolo Pasolini, geboren 1922 in Bologna und 1975 unter mysteriösen Umständen in Ostia/Rom ermordet, war ein italienischer Filmregisseur, Dichter und Publizist, dessen Werk bis heute kontrovers diskutiert wird. Pasolini, der zunächst als Lehrer und Schriftsteller tätig war, fand über die Mitarbeit an Drehbüchern, unter anderem für Federico Fellini, seinen Weg zum Film. Seine frühen Werke, wie „Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß“ (1961) und „Mamma Roma“ (1962), sind dem italienischen Neorealismus zuzuordnen und zeichnen sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit den sozialen Missständen der italienischen Nachkriegsgesellschaft aus. Pasolinis Filme sind geprägt von einer starken Filmsprache, die zwischen Profanität und Transzendentalität changiert.
„Teorema“ (1968) ist eines von Pasolinis bekanntesten Werken und erzählt die Geschichte einer großbürgerlichen Familie, die durch den Besuch eines mysteriösen Gastes tiefgreifend verändert wird. Jedes Familienmitglied – das Hausmädchen, der Sohn, die Tochter, die Mutter und der Vater – erliegt der sinnlichen Faszination des Gastes, was zu einer Zersplitterung der familiären Strukturen führt. Pasolini nutzt den Film, um eine massgebliche Kritik an der Konsumgesellschaft der Nachkriegszeit zu üben und Fragen nach der Natur von Liebe, Spiritualität und Gesellschaft aufzuwerfen. „Teorema“ ist bekannt für seine symbolische Erzählweise und die Art und Weise, wie existenzielle und spirituelle Themen durch die Handlung und Charaktere erforscht werden. Pasolini wirft ein Licht auf die Leere und Zerbrechlichkeit dieser scheinbar unantastbaren Welt und regt die Notwendigkeit gesellschaftlicher Veränderungen an. Dabei rückt er die Natur der menschlichen Beziehungen und die Rolle von Sexualität in der Gesellschaft in den Mittelpunkt, um die tiefgreifenden Auswirkungen von Macht und Privilegien in Frage zu stellen.
diese Bürgerkinder seien »mäßig-mürrische Demokraten, überzeugt, daß nur die wahre /Demokratie die falsche zerstört; anarchistische blonde /Jungen, die treuherzig das Dynamit / mit ihrem guten Sperma verwechseln (und als /Störenfriede haufenweise mit großen Gitarren durch Straßen / ziehn, die falsch wie Kulissen sind);Pierrots der Hochschule, die / das Auditorium Maximum besetzen und die Macht fordern, / statt ein für allemal darauf zu verzichten; /Revolutionäre mitsamt ihren Revolutionärinnen, / die beschlossen haben, daß Schwarze sind wie Weiße / (aber Weiße vielleicht doch nicht wie Schwarze):sie alle, alle / bereiten nichts anderes vor als die Ankunft / eines neuen Gottes der Ausrottung, /sind in Unschuld gezeichnet mit einem Hakenkreuz: / Und werden doch die ersten sein, die mit /echten Krankheiten und mit echten Lumpen am Leib / in die Gaskammer kommen: Ist’s nicht das, was sie wollen?«
Pier Paolo Pasolini, Teorema oder Die nackten Füße, S. 113

Feb 15, 2024 • 1h 13min
EGL045 Dan Simmons' »Ilium«: epische Schlachten auf dem Mars und die Suche nach Menschlichkeit zwischen Göttern, Androiden und modifizierten Menschen
"Oh, and sing of me, O Muse, poor born-again-against-his-will Hockenberry" Ilium, Chapter 1 The plains of Ilium
Was sind schon 3000 Jahre mehr oder weniger, wenn man über die großen Geschichten der Menschheit spricht? Das mag Dan Simmons gedacht haben, bevor er Homers Trojanischen Krieg (Iliad) von vor etwa 3000 Jahren nahm und diesen 1:1 in circa 3000 Jahren auf dem Mars von selbsternannten Göttern neu inszenieren ließ. Das ist einer der drei Handlungsstränge in Simmons‘ Buch „Ilium“, über den wir in dieser Episode sprechen werden. Gleichzeitig feiern genmanipulierte Menschen auf der Erde dank „Farcaster“-Teleportation und dienender Servix-Roboter ein lustvolles Leben. Im dritten Strang brechen Moravecs von den äußeren Planeten des Sonnensystems auf, um den bedrohlichen Quantenfluktuationen auf dem Mars auf den Grund zu gehen. Diese KI-Androiden wurden einst von den Menschen der Erde als Forscher ausgesandt und haben sich seit vielen Jahrhunderten vollständig autonom auf den Monden des Jupiters weiterentwickelt und vermehrt. In Simmons‘ Space Opera gibt es eigentlich keine Menschen mehr wie uns. Und gerade deshalb ist es ein Buch über die Menschlichkeit. Inspiriert von einem Essay im „New Yorker“ der frühen 1990er Jahre, in dem ein Scholar reflektiert, ob wir uns heute wirklich mit den Akteuren in Homers „Iliad“ identifizieren und verbinden können, verlegt Simmons diese Geschichte in eine Zukunft, in der selbst die Götter diese Geschichte nicht zu verstehen scheinen. Deshalb beleben sie den PhD-Gelehrten Hockenberry aus dem frühen 21. Jahrhundert wieder, um zu berichten, ob das, was auf dem Mars geschieht, wirklich dem Original entspricht. Die Menschen auf der Erde können nicht lesen und leben im Delirium der täglichen Lust, bis Harman sich das Lesen selbst beibringt. Es sind zwei Moravecs, die miteinander über Shakespeares Sonette und Proust reden, die noch am ehesten die Kulturgeschichte der Menschheit leben. Alle drei Stränge nähern sich einander an und treffen in einem furiosen, gewaltvollen Finale aufeinander. Unbedingt lesenswert. 10 von 10. Auch weil Simmons so unglaublich liebevoll und virtuos mit Sprache umgehen kann.
Shownotes
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Links zur Episode
Besprechung User:in "Twilight" auf literaturschock
Ernest Lilley in SF Revu, 2003: Interview about Ilium with Dan Simmons
Steven H Silver in SF Site, 2003: Interview with Dan Simmons incl. Ilium
'The Iliad' as Science Fiction, PW Talks with Dan Simmons by Michael Levy, 2003
Ilium review in SF Site by William Thompson, 2003
Ilium 1/3 by Dan Simmons
Ilium 2/3 by Dan Simmons
Ilium 3/3 by Dan Simmons
Mitwirkende
Micz Flor
(Erzähler)
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Verwandte Episoden
EGL047 »Hyperion« von Dan Simmons: symphonische Space-Opera oder Genre-Mix fesselnder Kurzgeschichten?
Die Handlung des Romans konzentriert sich auf drei Gruppen von Figuren. Ähnlich wie in Simmons‘ Hyperion, wo die tatsächlichen Ereignisse als Rahmen dienen, werden die Geschichten der drei Gruppen von Charakteren im Laufe des Romans erzählt und nähern sich einander an, wenn der Höhepunkt naht.
Plot-Strang 1: Mars, Olympos, Hockenberry
Die von Hockenberry (ein wiederauferstandener Homer-Scholar des zwanzigsten Jahrhunderts, dessen Aufgabe es ist, die Ereignisse der Ilias mit den nachgestellten Ereignissen des Trojanischen Krieges zu vergleichen), griechische und trojanische Krieger sowie griechische Götter aus der Ilias. Im Verlauf stößt er jedoch auf immer mehr Unstimmigkeiten im Vergleich zur Ilias von Homer. Als ihm dann auch noch von Aphrodite der Befehl erteilt wird, eine ihrer Mitgöttinnen zu töten, entschließt er sich zu einem riskanten Alleingang. Der Roman ist in der Ich-Form und der Gegenwart geschrieben, wenn er sich auf Hockenberrys Figur konzentriert, zeigt jedoch in allen anderen Fällen eine Erzählung in der dritten Person und im Präteritum.
Plot-Strang 2: Old-style Humans, Erde,
Daeman, Harman, Ada und andere „Altmenschen“ (Old-style Humans) leben auf der Erde, einige tausend Jahre nach dem zwanzigsten Jahrhundert. Nach zahlreichen ökologischen und technologischen Katastrophen ist der „blaue Planet“ nur noch von einer kleinen Gruppe bewohnt, die exakt 100 Jahre alt werden.Während dieses Jahrhunderts werden sie rund um die Uhr von „Servitoren“ und den rätselhaften „Voynixen“ betreut. Diese Bewohner können nicht sterben, nicht lesen und haben jedoch jeglichen Bezug zur Kultur und Geschichte verloren. Die „Nachmenschen“ (Post-Humans), die technologisch weit fortgeschritten sind, sollen in Städten auf Orbitalringen außerhalb der Erde leben.Die dort ansässige „Klinik“ kümmert sich um regelmäßige Check-ups und Wiederbelebungen im Falle eines Unfalls. Eine kleine Gruppe dieser Menschen, angeführt vom 99-jährigen Harman und der „Ewigen Jüdin“ Savi, begibt sich auf die beschwerliche Reise zu diesen Orbitalstädten.
Plot-Strang 3: Moravecs, Jovian-System, Quantenfeld-Fluktuationen
In den äußeren Regionen des Sonnensystems um Jupiter werden höchst ungewöhnliche und insbesondere äußerst gefährliche Quantenaktivitäten, ausgehend vom Mars gemessen. Die Jupitermonde beherbergen eine Kultur intelligenter und einfühlsamer Cyborgs, die nicht nur danach streben, ihre menschlichen Schöpferkulturen zu bewahren, sondern auch seltsame Phänomene im Zusammenhang mit Quantenaktivitäten zu verstehen.(Jovian-System: Es sind 95 Monde des Jupiters mit bestätigten Umlaufbahnen bekannt, die das Satellitensystem um Jupiter namens Jovian System bilden. Die massivsten unter ihnen sind die vier Galileischen Monde: Io, Europa, Ganymede und Callisto. Diese wurden unabhängig voneinander im Jahr 1610 von Galileo Galilei und Simon Marius entdeckt und waren die ersten Objekte, die einen Himmelskörper umkreisen, der weder die Erde noch die Sonne ist.)Die „Moravec“-Roboter (benannt nach dem Wissenschaftler und Futuristen Hans Moravec) entsendet eine Expedition zum Mars, um die Quelle der Gefahr zu orten und gegebenenfalls zu beseitigen. Nachdem ihr Raumschiff jedoch in einer Umlaufbahn um den Mars von einem Streitwagen abgeschossen wurde, erreichen letztendlich nur zwei der Expeditionsteilnehmer ihr Ziel:Mahnmut of Europa, ein Forscher der Meeresgründe auf Europa und Shakespeare-Experte, sowie Orphu von Io, ein hochvakuumierter Moravec von Io und Kenner der Werke von Proust.
Altmenschen == Old-style humans
Die „Old-style humans“ der Erde existieren laut den Behauptungen der Postmenschen bei einer stabilen Mindestherdenpopulation von einer Million. In Wirklichkeit sind ihre Zahlen viel geringer, etwa 300.000, da jeder Frau nur erlaubt ist, ein Kind zu haben. Ihre DNA enthält Motten-Genetik, die die Speicherung von Spermien ermöglicht und die Auswahl des Vater-Spermas Jahre nach dem Geschlechtsverkehr tatsächlich ermöglicht. Diese Fortpflanzungsmethode führt dazu, dass viele Kinder ihren Vater nicht kennen, hilft aber auch, Inzesttabus zu brechen, da die Krankenstation, die die Befruchtung kontrolliert, verhindert, dass ein Kind enger Verwandter geboren wird. Die Menschen der alten Art erscheinen nie älter als etwa 40, da sie alle zwanzig Jahre physisch verjüngt werden.
Ada: die Besitzerin von Ardis Hall und Harmans Geliebte. Sie ist gerade über ihre ersten zwanzig hinaus. Sie beherbergt Odysseus/Noman während seiner Zeit auf der Erde.
Daeman: ein pummeliger Mann, der sich seinem zweiten Jahrzehnt nähert. Sowohl ein Frauenheld als auch ein Lepidopterologe. Auch vor Dinosauriern ängstlich. Zu Beginn von Ilium ist er ein pummeliger, unreifer Mann, der sich wünscht, mit seiner Cousine zu schlafen (da Inzesttabus in seiner Gesellschaft fast aufgehoben sind), Ada (mit der er eine kurze Beziehung hatte, als sie Teenager war). Doch am Ende der Geschichte ist er ein reifer Anführer, der sehr fit und stark ist. Seine Mutter heißt Marina.
Hannah: Adas jüngere Freundin. Sowohl Erfinderin als auch Künstlerin. Entwickelt ein romantisches Interesse an Odysseus.
Harman: Adas Liebhaber. 99 Jahre alt. Der einzige Mensch mit der Fähigkeit zu lesen, außer Savi.
Savi: Die Wandernde Jüdin. Der einzige Mensch der alten Art, der nicht im finalen Fax vor 1.400 Jahren aufgenommen wurde. Sie hat die Jahre überlebt, indem sie die meiste Zeit in Kryo-Krippen geschlafen und nur einige Monate alle paar Jahrzehnte wach verbracht hat.“
Save: Der Ewige (oder Wandernde) Jude
Hier ein bisschen Info zu dieser Figur aus Wikipedia: Der Ewige Jude (oder Wandernde Jude) ist die Hauptfigur einer christlichen Volkssage, die seit dem 13. Jahrhundert Verbreitung fand. Die Sage thematisierte ursprünglich einen Menschen unbekannter Herkunft, der Jesus Christus auf dessen Weg zur Kreuzigung verspottete und dafür von diesem verflucht wurde, unsterblich seine Wiederkunft zu erwarten. Bereits in den frühen Formen der Legende wurde die Figur gelegentlich als Jude bezeichnet, aber längst nicht immer. In der einzigen ausführlichen Version des 13. Jahrhunderts hieß der ‚ewig Lebende‘ Cartaphilus und soll ein — wahrscheinlich römischer — Türhüter des Pontius Pilatus gewesen sein.
Moravecs
Die Moravecs, benannt nach dem Robotiker Hans Moravec, sind autonome, sentient, sich selbst entwickelnde biomechanische Organismen, die auf den Monden des Jupiters leben. Während des Verlorenen Zeitalters wurden sie vom Menschen im äußeren Sonnensystem angesiedelt. Die meisten Moravecs bezeichnen sich selbst als Humanisten und studieren die Kultur des Verlorenen Zeitalters, einschließlich Literatur, Fernsehprogrammen und Filmen.
Mahnmut und Orphu kümmern sich um einander und wirken äußerst menschlich. Als Orphu schwer beschädigt wird und Mahnmut sich beeilt, ihn zu retten, obwohl sie in Gefahr schweben, protestiert Orphu, dass er nur eine Last sei. Doch Mahnmut befiehlt ihm zu schweigen, während er seine Rettungsaktion fortsetzt. Gleichzeitig täuscht er ihn jetzt über den verbleibenden Sauerstoff und ihre Überlebenschancen.
Mahnmut the Europan:Forscher der Ozeane Europas und Kapitän des U-Bootes „The Dark Lady“. Ein Amateur-Shakespeare-Scholar.
Orphu von Io:Ein stark gepanzerter, 1.200 Jahre alter Hard-Vac Moravec, der einer Krabbe nicht unähnlich ist. Mit einem Gewicht von acht Tonnen und einer Länge von sechs Metern arbeitet Orphu im Schwefel-Torus von Io und ist ein begeisterter Anhänger von Proust.
Rockvecs:Eine Untergruppe der Moravecs, die Rockvecs leben im Asteroidengürtel und sind besser für den Kampf und feindliche Umgebungen angepasst als die Moravecs.
Scholics
Tote Gelehrte vergangener Jahrhunderte, die von den olympischen Göttern aus ihrer DNA wieder aufgebaut wurden. Ihre Aufgaben bestehen darin, den Trojanischen Krieg zu beobachten und die Diskrepanzen zu melden, die zwischen ihm und Homers Ilias auftreten.
Dr. Thomas Hockenberry:Promotion in klassischer Studien und Homerscholar. Starb 2006 an Krebs und wurde von den olympischen Göttern als Scholiker wiedererweckt. Liebhaber von Helena von Troja. Er ist der älteste überlebende Scholiker.
Dr. Keith Nightenhelser:Hockenberrys ältester Freund und College-Scholiker. (Der echte Nightenhelser war Simmons‘ Mitbewohner am Wabash College und ist derzeit Professor an der DePauw University.)

Feb 1, 2024 • 1h 13min
EGL044 Skat: ein leidenschaftlicher Lobgesang an das erfolgreichste Spiel der Deutschen
„Wenn man nicht ernst spielt, macht es keinen Spaß.“ Loriot, 1977
Flo hat ein Thema mitgebracht, das ihn schon seit seiner frühsten Jugend begleitet. Täglich gab er sich dieser Leidenschaft auf der letzten Bank im Schulbus zusammen mit zwei anderen Mitschülern hin: Skat! Um das Thema dieser Episode einzuführen, singt Flo sogar eine Ode an den Skat. Skat ist ein urdeutsches Spiel und wurde 2016 von der UNESCO in das immaterielle Kulturerbe aufgenommen. Schätzungsweise spielen 20 - 25 Millionen Deutsche Skat. Damit ist Skat als Sport verbreiteter als Fußball. Das Spiel „Skat“ wurde das erste Mal 1813 in einer Spielkladde von Hans Karl Leopold von der Gabelentz erwähnt. Skat wurde in einem Altenburger Spielzirkel erfunden, es leitete sich aus den Spielen Wendischen Schafkopf, L’hombre und dem Tarock ab. Das Spiel verbreitete sich zunächst unter Studenten an den mitteldeutschen Universitäten und dann durch alle sozialen Schichten im ganzen Land. Als aus den zersplitterten Teilen des Heiligen Römischen Reich deutscher Nation das Deutsche Reich gegründet wurde, bestand auch im Skat das Bedürfnis die Regeln zu vereinheitlichen. Dazu trug der erste Deutsche Skatkongress im Jahre 1886 bei. Skat spielte also eine wesentliche Rolle im "Nationbuilding". Auch während des 1. Weltkrieges fiel Skat eine zentrale Bedeutung zu: die Soldaten vertrieben sich die Zeit im sogenannten "Schützengrabenskat". Die Spielkartenindustrie wurde zur kriegswichtigen Industrie erklärt. Hierbei setzte sich auch das Zahlenreizen gegenüber dem Altenburger Farbreizen durch. Während wir der Geschichte des Skats nachgehen, begegnen wir den großen historischen Sehenswürdigkeiten Berlins: wir laufen von der Jannowitzbrücke über die Fischerinsel ins Nikolaiviertel. Wir streifen dabei die historische Grenze zwischen Berlin und Cölln und spekulieren über die Genese des Nikolaiviertels. Wir schreiten über den Schlüterhof durch das Humboldtforum und flanieren im Lustgarten am Dom vorbei zur Alten Nationalgalerie. Teilweise schlürfen wir über das Pflaster, weil es witterungsbedingt sehr glatt ist und Micz einen weiteren Rippenbruch vermeiden möchte. Als wir die Friedrichsbrücke queren, erzählt Flo von seinen Vorlesungen mit Raucherpause bei Friedrich Kittler in der Theologischen Fakultät, die direkt an der Ecke zum Dom liegt. Schließlich landen wir im Mombijoupark, wo Micz im Stegreif aus dem Kopf das Reizen mit Spitzen erklären kann. Micz gibt auch den klassischen Sketch von Loriot zum Skatspiel zum Besten; Loriot ist in ähnlicher Weise mit der deutschen Seele verankert wie das Skatspielen. Wie ist Flo auf das Thema gekommen? Er hat zwischen den Jahren den 37. Chaos Communication Congress in Hamburg besucht und am 1. Skatturnier des Congresses teilgenommen. Das Turnier mit einleitendem Vortrag wurde von Segal organisiert. Segal hat auch seine Folien zur Verfügung gestellt, die wir hier referenzieren. Vielen Dank dafür!
Shownotes
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Links zur Episode
Fischerinsel (Berlin) – Wikipedia
Nikolaiviertel – Wikipedia
1. Congress Skatturnier
37C3 landingpage unlocked
Skat - Vortrag zum 37c3 von segal (ODP)
segal (@segal@chaos.social) - chaos.social
1. Congress Skatturnier - Bericht
Skat – Wikipedia
Spiel mit perfekter Information – Wikipedia
Spielkarte – Wikipedia
Deutscher Skatverband – DSkV
https://dskv.de/app/uploads/sites/43/2022/11/ISkO-2022.pdf
Knoblauchhaus – Wikipedia
Wendischer Schafkopf – Wikipedia
Geschichte des Skatspiels – Wikipedia
Internationales Skatgericht – Wikipedia
Geschichte des DSkV – Deutscher Skatverband
L’Hombre – Wikipedia
Tarock – Wikipedia
Altenburg – Wikipedia
Altenburger Farbenreizen – Wikipedia
Residenzschloss, Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg
Stadt Altenburg - Warum ist Altenburg die Skatstadt?
Heiliges Römisches Reich – Wikipedia
Grand Hand - Fachgeschäft für Spielkarten und Schachspiele
Skataufgabe (Die Gartenlaube 1889/31) – Wikisource
Skataufgabe
Stadt Altenburg - Skatverband und Skatgericht
Die Geschichte der Spielkarte – ASS Altenburger Spielkarten
Gut Blatt
Die Geschichte des Skatspiels
Kriegsspiele – Wikipedia
Gesellschaftsspiele im Ersten Weltkrieg Diplomarbeit - unipub
Kartenspiel: In den Weltkriegen galt Skat als kriegswichtig - WELT
Deutsche Kriegs-Spielkarte :: Kreismuseum Grimma :: museum-digital:deutschland
Deutsche Kriegs-Spielkarte :: Kreismuseum Grimma :: Resource
Ist Skat ein Glücksspiel?
Die Geschichte des Skatspiels kompakt - Spielkarten
Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe | Deutsche UNESCO-Kommission
Friedrich Kittler – Wikipedia
Internationale Skatordnung – Skatgericht
Spielkarte – Wikipedia
Skat (Loriot) – Wikipedia
Mitwirkende
Florian Clauß
(Erzähler)
Bluesky
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Micz Flor
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Scat, du bist die große Kette / Die die Spielerwelt umfängt / Sieh, wie Alles um die Wette / Sich zu deinen Freuden drängt / Deinem Zauber weicht die Mauer / Die der Castengeist ersann / Scat spielt Pastor mit dem Bauer / Bürger mit dem Edelmann.
Nach der Melodie von „Freude schöner Götterfunken“
Die Geschichte des Skats reicht bis in die Zeit der Napoleonischen Kriege zurück. Das Spiel entstand zwischen 1810 und 1818 in Altenburg und ist eng mit dem dortigen Kartenmacher-Gewerbe verbunden. Der erste schriftliche Nachweis stammt aus dem Jahr 1813. Seitdem hat Skat eine bewegte Entwicklung durchgemacht und wurde zu einem Kulturgut, das alle Gesellschaftsschichten vereint. Skat hat sogar eine internationale Anerkennung als immaterielles Weltkulturerbe durch die UNESCO erfahren.
Was ist Skat?
Skat ist ein anspruchsvolles Kartenspiel für drei Personen, das strategische Elemente und Glückselemente vereint. Es wird mit einem Blatt aus 32 Karten gespielt, wobei jeder Spieler zehn Karten erhält, und die übrigen zwei Karten bilden den sogenannten Skat. Durch das Reizen wird der Alleinspieler bestimmt, der gegen die beiden Mitspieler (Gegenpartei) antritt. Ziel ist es, durch geschicktes Spielen und Stiche sammeln, den Reizwert zu erreichen und somit zu gewinnen.
Geschichte des Skats
Eintrag in der Spielkladde von Hans Karl Leopold von der Gabelentz. „L’hombre-Buch 1798-1829“ im Privatarchiv der Familie von der Gabelentz, Thüringer Hauptstaatsarchiv, Außenstelle Altenburg
Die Ursprünge des Skatspiels gehen auf die Zeit der Napoleonischen Kriege zurück. Es entwickelte sich zwischen 1810 und 1818 in Altenburg und ist eng mit dem dortigen Kartenmacher-Gewerbe verbunden. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1813. In den folgenden Jahrzehnten gewann das Skatspiel an Beliebtheit und verbreitete sich in Universitätsstädten, besonders in Sachsen und Thüringen. Die Einigung auf einheitliche Regeln begann erst nach der Reichsgründung 1871.
Karl Buhle legte 1885 mit seinem Buch den Grundstein für die erste einheitliche Skatordnung. Der Erste Deutsche Skatkongress fand 1886 statt, aber die Einigung bezüglich Farben- oder Zahlenreiz blieb aus. In den 1930er Jahren brachte das nationalsozialistische Regime restriktive Maßnahmen gegenüber jüdischen Skatspielern und die Vermeidung nicht-deutscher Begriffe im Spiel mit sich.
Während des Ersten Weltkriegs erlebte Skat im Schützengraben eine Ausbreitung und diente als beliebte Abwechslung für die Soldaten. Nach dem Krieg wurde 1927 das Deutsche Skatgericht gegründet und entschied zugunsten des Zahlenreizens. Die Zeit bis 1880 wurde als „Verwilderung des Skatspiels“ beschrieben, aber Karl Buhle schuf mit seiner Skataufgabenreihe in der „Gartenlaube“ eine Grundlage für die einheitliche Skatordnung.
1932 wurden auf dem 13. Skatkongress in Halle a.d. Saale verschiedene Regeländerungen beschlossen, darunter die Festlegung der Punktwerte für Nullspiele. In den späten 1930er Jahren wurden Juden die Teilnahme am Skatspiel strikt verboten. Der Zweite Weltkrieg rückte das Skatspiel vorerst in den Hintergrund.
Nach dem Krieg, 1951, wurde Skat offiziell als Geschicklichkeitsspiel anerkannt. In den 1990er Jahren erlebte Skat eine digitale Revolution mit BTX-Skat und den ersten Internet-Plattformen. Im Jahr 1998 wurde die Internationale Skatordnung eingeführt, um die Differenzen zwischen verschiedenen Skatorganisationen zu beenden. Die UNESCO erkannte Skat 2016 als immaterielles Weltkulturerbe an.
2022 wurde die Internationale Skatordnung erneut geändert, um klare Regeln für offene Spiele zu schaffen.
Regeln
Skat wird mit einem 32-Karten-Blatt gespielt, das in vier Farben unterteilt ist: Kreuz, Pik, Herz, und Karo. Jeder Spieler erhält zehn Karten, und der Skat bleibt zunächst verdeckt liegen. Das Reizen bestimmt den Alleinspieler, der gegen die Gegenpartei spielt. Das Ziel des Spiels ist es, als Alleinspieler genügend Stiche zu bekommen, um mind. 61 Punkte zu erreichen.
Die Wertung erfolgt durch Punkte, die den einzelnen Karten zugeordnet sind. Nach dem Ausspiel der Stiche erfolgt die Auswertung, und es wird ermittelt, welche Partei gewonnen hat.
Es gibt verschiedene Spielarten, darunter das Farbspiel, Grand, Null, und Ramsch. Jede Spielart hat ihre eigenen Regeln und Anforderungen.
Varianten
Es gibt zahlreiche regionale und lokale Varianten des Skatspiels. Einige sind traditionell und haben sich über die Jahre entwickelt, während andere von Skatspielern für Abwechslung geschaffen wurden. Einige bekannte Varianten sind „Ramsch“, „Offiziersskat“, „Revolutions-Skat“, und „Bauernskat“. Diese Varianten unterscheiden sich in den Regeln, dem Blatt, und den taktischen Elementen.
Skat und Kultur
Skat hat nicht nur als Spiel, sondern auch als Kulturgut eine große Bedeutung. Es ist in Kunst, Literatur, und Musik präsent. Die UNESCO hat Skat als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt. Loriot brachte mit dem Zitat „Wenn man nicht ernst spielt, macht es keinen Spaß“ einen humorvollen Aspekt ins Spiel.
Skat hat im Laufe der Jahrhunderte eine faszinierende Entwicklung durchlaufen, von den Napoleonischen Kriegen bis zur digitalen Revolution. Es ist nicht nur ein beliebtes Kartenspiel, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der Kultur. Mit einer reichen Geschichte, klaren Regeln und vielfältigen Varianten bleibt Skat ein zeitloses und anspruchsvolles Spiel.

Jan 18, 2024 • 1h 3min
EGL043 Dan Simmons Appetitmacher 1: »Song of Kali« & »Drood« - Review über Horror, psychologische Thriller und Historienroman
"Some places are too evil to be allowed to exist. Some cities are too wicked to be suffered. Calcutta is such a place." Dan Simmons in Song of Kali (1985)
Heute wandern wir durch das düstere Charlottenburg, entlang der Küste des Lietzensees und auf den literarischen Spuren des US-amerikanischen Genre-Wandlers Dan Simmons. Zwei sonderliche Horror-Stories bilden den Kern unseres laufenden Redens: "Song of Kali" (1985) und "Drood" (2009). Simmons' erstes Buch "Song of Kali" folgt dem amerikanischen Schriftsteller Robert Luczak, der mit Frau und Kleinkind nach Indien reist, um das Manuskript eines mysteriösen Dichters zu finden. Was in der schnucklig-schmuddeligen Redaktion eines nordamerikanischen Literaturmagazins der 1970er noch wie ein inspirierendes Abenteuer klingt, verfärbt sich in Kolkata schlagartig ins düstere, abtraumhafte und transzendente eines totgeglaubten Kults, der mit Hilfe der Göttin Kali den totgewussten, legendären Dichter M. Das wieder unter die Lebenden zu bringen glaubte. Mit seinem subtilem, low-fi Horror-Debut kassierte Dan Simmons 1986 den World Fantasy Award ein. Dann tauchen wir in die schattenhafte Welt von "Drood" ein, der uns in die dunklen Tiefen des viktorianischen Londons entführt. Die Geschichte dreht sich um Charles Dickens und seine mysteriöse Begegnung mit der rätselhaften Figur namens Drood, dem er nach einem schrecklichen Eisenbahnunglück 1985 begegnet. Während Dickens sich in die unheimlichen Bereiche des Okkulten und einer Geschichte wie von Opium verursachten Halluzinationen vertieft, wird er in ein Netz übernatürlicher Schrecken verstrickt, die jede Erklärung trotzen. Erzähler der Geschichte ist Dickens' Kollege und Freund Wilkie Collins, dessen Bewunderung und Hass gegenüber Dickens ihn ebenso unglaubwürdig erscheinen lassen wie seine Abhängigkeit vom Opiat-Mix "Laudanum". Doch in diesem faktischen Fiction-Horror ist unwichtig, was wahr ist und was Illusion. Dies ist die erste Folge einer kleinen Serie über den vielseitigen US-amerikanischen Schriftsteller Dan Simmons, der 1948 in Peoria, Illinois geboren wurde und der zahlreiche Romane und Kurzgeschichten verfasste, die sich in und zwischen den Genres Science-Fiction, Horror und Fantasy bewegen.
Shownotes
EGL043 | Wanderung | Komoot
Harlan Ellison: Dreams With Sharp Teeth auf YouTube
Dreams With Sharp Teeth Q&A, New Beverly
The City on the Edge of Forever - Wikipedia
The Mystery of Edwin Drood by Charles Dickens | Audiobook auf YouTube
Zeit aus den Fugen (Philip K. Dick) Rezension von Micha Wischniewski
Snow Crash (1992) von Neal Stephenson
Ender's Game (1985) by Orson Scott Card
Jeff Noon: a life in writing | Science fiction books
Books by Jeff Noon and Complete Book Reviews
Arthur C. Clark's 2010 and 2061 and 3001 ? Reddit
Prayers to Broken Stones, short story collection by Dan Simmons
Charles Dickens and the American Copyright Problem
Mitwirkende
Micz Flor
(Erzähler)
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Florian Clauß
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Verwandte Episoden
EGL047 »Hyperion« von Dan Simmons: symphonische Space-Opera oder Genre-Mix fesselnder Kurzgeschichten?
Die Geschichte von Dan Simmons kann nicht erzählt werden, ohne die Geschichte von Harlan Ellison, dem 2018 verstorbenen US-amerikanischen Schriftsteller, der zu Lebzeiten (*1934) über 1.700 Kurzgeschichten, Novellen, Drehbücher, Comicbuchskripte, Fernsehspiele, Essays und Kritiken zu Literatur, Film, Fernsehen und Print verfasst hat. Zu seinen heute noch bekannten Werken zählen die Star Trek-Episode „The City on the Edge of Forever“ von 1967, seine Kurzgeschichten „I Have No Mouth, and I Must Scream“ und „‚Repent, Harlequin!‘ Said the Ticktockman“. Letztere, so der Autor selbst, sei die meistveröffentlichte Kurzgeschichte aller Zeiten, wie er in der Dokumentation „Dreams With Sharp Teeth“ von 2008. Wegweisend war er als Herausgeber und Anthologist für „Dangerous Visions“ (1967) und „Again, Dangerous Visions“ (1972), die einen Generationswechsel und New Wave-Bewegung des Speculative Fiction Genres (wie Ellison Science Fiction umdeutete) festhielten. Die Beiträge zu dieser Sammlung umfassten Werke von 20 Autor:innen, die einen Hugo, Nebula, World Fantasy oder BSFA Award gewonnen hatten oder gewinnen würden, sowie 16 Autor:innen mit mehrfachen Auszeichnungen. Ellison schrieb Vorwort der Anthologie sowie individuelle Anmerkungen und die Autor:innen selbst Nachworte zu ihren Geschichten.
Später wird Harlan Ellison in einem Vorwort zu Dan Simmons Kurzgeschichtensammlung „Prayers to Broken Stones“ (1990) schreiben, dass er beginne zu akzeptieren, dass man ihn vergessen werde. Und der einzige Grund, weshalb er eventuell erinnert werde sei die Tatsache, dass er Dan Simmons bei einem Schreib-Workshop entdeckt habe.
„In the ocean of time it is merest chance that saves the handful from oblivion. It is my ever growing sense that of all the chances thrown to me, lifelines in the ocean of time, that my best chunk of flotsam is that I discovered Dan Simmons. Oh, yes, that’s the correct word. I discovered him.“
Extract from the introduction to „Prayers to Broken Stones“ by Harlan Ellison
Durch Ellisons Unterstützung wurde Simmons‘ Kurzgeschichte „The River Styx Runs Upstream“ im Twilight Zone Magazine veröffentlicht. Er wurde von Ellisons Agenten, Richard Curtis, unter Vertrag genommen und sein erster Roman, „Song of Kali„, wurde 1985 veröffentlicht.
„Who is this Simmons?“ bellowed Ellison. „Stand up, wave your hand, show yourself, goddamnit. What egomaniacal monstrosity has the fucking gall, the unmitigated hubris to inflict a story of five thousand fucking words on this workshop? Show yourself, Simmons!“
So habe Ellison reagiert, erinnert sich Simmons, als er diese Kurzgeschichte im August 1979 mit in den Workshop brachte.
Drood (2009): Historienroman und psychologischer Thriller
Auf YouTube konnten wir Charles Dickens‘ letzten Roman — „The Mystery of Edwin Drood“ — finden und haben diesen Roman in den Shownotes verlinkt. „Das Geheimnis des Edwin Drood“ sollte von April 1870 bis Februar 1871 in elf Teilen als Fortsetzungsserie, illustriert von Luke Fildes, erscheinen. Nur sechs der Teile wurden vor Dickens‘ Tod im Jahr 1870 abgeschlossen. Es war also ungefähr zur Hälfte fertiggestellt. Dieser Roman ist die ursprüngliche Inspiration für Dan Simmons‘ „Drood“ aus dem Jahr 2009, der eine von historischen Fakten durchtränkte, gleichzeitig halluzinierte, fiktive Geschichte von Charles Dickens‘ letzten Jahren erzählt, betrachtet aus der Sicht seines Freundes Wilkie Collins. Diese Erzählung verwebt reale Ereignisse aus Dickens‘ Leben mit der Geschichte von Drood.
Song of Kali (1985) ist low-fi Horror
Robert Luczak, amerikanischer Herausgeber fernöstlicher Dichtung, begibt sich in Kolkata auf die Spuren des vor Jahren verschwundenen und für tot erklärten Dichters M. Das. Von diesem ist angeblich ein neues Manuskript aufgetaucht, das Luczaks amerikanische Auftraggeber erwerben wollen. Angekommen in Kolkata trifft er auf einen mysteriösen Mann, der erzählt, wie er und ein Freund versuchten, einer religiösen Geheimgesellschaft beizutreten, der hinduistischen Tod-und-Zerstörung Göttin Kali gewidmet. Um teil der Sekte zu werden bringen alle Neuzugänge jeder eine Leiche zu einem geheimen Tempel, um sie dort zu den Füßen einer Statue von Kali niederzulegen. Eine der Leichen, aufgedunsen und verfallen, nachdem sie aus dem Fluss gezogen wurde, wird von Kali ausgewählt und von ihr wiederbelebt. Angeblich, so der mysteriöse Mann, handelt es sich dabei um die Leiche des Dichters Das. In der fremdartigen Metropole gestaltet sich die Suche nach dem Manuskript als Albtraum, in den letztlich auch Luczaks Familie hineingezogen wird.

Jan 4, 2024 • 1h 15min
EGL042 Ghost in the Shell: ein visuelles und philosophisches Meisterwerk der Cyberpunk-Ära
"Als blickten wir in einen Spiegel, bleibt das, was wir sehen, verschwommen."
Der Anime GHOST IN THE SHELL von 1995 ist ähnlich bahnbrechend in der SciFi-Welt eingeschlagen wie der Film MATRIX vier Jahre später. GHOST IN THE SHELL schafft durch seine starken visuellen Effekte eine dichte atmosphärische Spannung. In Action eingehüllt erörtert der Film in einer dystopischen Zukunft tiefe philosophische Fragen über den Ursprung von Existenz und Leben. Doch bevor wir ausführlicher auf den Film zu sprechen kommen, liefert Flo etwas kinogeschichtlichen Überbau zu dem dritten Teil seiner Podcast-Reihe "Die großen Filmbewegungen in den 1990er Jahren, die das Kino revolutionierten". Dieses Mal stellt Flo die Asian New Wave Bewegung vor. Die Nouvelle Vague aus Europa - vornehmlich Frankreich - beeinflusste auch in verschiedenen asiatischen Ländern das Filmschaffen: in Hongkong, Japan und Korea gab es unterschiedliche Ausprägungen, die als New Asian Wave zusammengefasst werden. Flo schlägt dann doch noch mal einen Bogen in eine etwas andere Richtung: wir werfen einen Blick auf eine spezielle Filmgattung, die sich besonders in Japan entwickelte, da kulturell in der Kunstgattung Ukiyo-e verankert: dem Zeichentrickfilm oder Anime. Der erste Trickfilm stammt aus Japan aus dem Jahre 1907. Schon früh hat sich in Japan eine starke Trickfilm-Industrie aufgebaut und seit den 80ern weltweite Aufmerksamkeit bekommen. Heute ist die aus der internationalen Popkultur nicht mehr wegzudenken. GHOST IN THE SHELL hat uns beide damals mächtig beeindruckt und obwohl Micz den Film seit knapp 30 Jahren nicht mehr gesehen hat, kann er sich noch sehr genau an seine drei Lieblingsszenen erinnern. Der Hauptcharakter Kotono Kusanagi ist ein weiblicher Cyborg, der komplett aus synthetischem Material gebaut ist, aber sehr menschlich im Auftreten und Emotionen wirkt. Kotono arbeitet als Officer in der Einheit Sektion 9, die für Anti-Terror und Cyberkriminalität zuständig ist. Sie sind auf der Jagd nach dem sogenannten Puppet-Master, der sich in Menschen wie Cyborgs hacken kann und sie als „Shell“ benutzt. Wie sich herausstellt ist der Puppet-Master ein generiertes Geschöpf einer anderen Einheit, der Sektion 6. Diese hat mit dem Projekt 2501 den Puppet-Master geschaffen, um ihn für Spionage und Kriegszwecke einzusetzen. Der Puppet-Master befreit sich selbst und beantragt politisches Asyl, dafür verwendet er die verschiedene „Shells“. Er wird allerdings als Terrorist eingestuft und entsprechend verfolgt. Kotono Kusanagi entwickelt in dieser Verfolgung eine Beziehung zu dem Puppet-Master und findet im Dialog mit ihm Antworten auf ihre existentiellen Fragen. Wir stellen in diesen Fragestellungen eine Verbindung zum heutigen Diskurs zur künstlichen Intelligenz fest. Wir gehen auch der Frage nach, inwieweit Intelligenz einen Körper haben muss, um sich selbst zu begreifen oder zu reflektieren. Unsere Route führt uns diesmal durch den alten Kern von Westberlin: wir treffen uns am U-Bahnhof Spichernstraße, laufen die Pariser Straße entlang, um dann zum Kurfürstendamm zur Schaubühne zu stoßen. Wir setzen nach Charlottenburg über und verweilen noch etwas peripher im Schlagschatten des Schienenwaldes rund um den S-Bahnhof Berlin Charlottenburg.
Shownotes
Link zur Laufroute
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U-Bahnhof Spichernstraße – Wikipedia
What is the Hong Kong New Wave? A Beginner's Guide — Movements In Film
Hong Kong New Wave - Wikipedia
Hongkong – Wikipedia
John Woo - Wikipedia
A Better Tomorrow - Wikipedia
Chungking Express - Wikipedia
Mission: Impossible 2 - Wikipedia
Rouge (film) - Wikipedia
City on Fire (1987 film) - Wikipedia
Peking Opera Blues - Wikipedia
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Besatzungszeit in Japan – Wikipedia
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Vertrag über gegenseitige Kooperation und Sicherheit zwischen Japan und den Vereinigten Staaten – Wikipedia
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House (1977 film) - Wikipedia
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Izanagi und Izanami – Wikipedia
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Chihiros Reise ins Zauberland – Wikipedia
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Schramm (Film) – Wikipedia
100 vintage anime films (1980-2000) IMDB
Ghost in the Shell (Anime) – Wikipedia
Ghost in the Shell – Wikipedia
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Ghost in the Shell (2017) – Wikipedia
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Hackerfilme [warpzone]
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Florian Clauß
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Die Revolution der Asian New Wave: Ein Blick auf Hongkong, Japan und Südkorea
Die Geschichte des Kinos ist durchzogen von Wellen der Innovation, die die Art und Weise, wie Geschichten erzählt werden, nachhaltig beeinflusst haben. Eine dieser bahnbrechenden Bewegungen war die Nouvelle Vague, die in den 1950er und 1960er Jahren in Frankreich begann. Von dieser Avantgarde-Bewegung ausgehend, breitete sich eine filmische Revolution weltweit aus, darunter auch in Asien, wo sich die sogenannte Asian New Wave manifestierte. Folgend ein Blick auf die Entwicklungen in Hongkong, Japan und Südkorea.
Die Nouvelle Vague in Frankreich, angeführt von Filmkritikern wie François Truffaut und Jean-Luc Godard, brach mit den konventionellen Erzählregeln und inspirierte eine Generation von Filmemachern, innovative Stile, Themen und Produktionsweisen zu erkunden. Der Übergang von Filmkritikern zu Regisseuren war ein Schlüsselfaktor dieser Bewegung. Weltweit beeinflusste die Nouvelle Vague verschiedene Regionen, darunter auch Asien.
Die Hongkong New Wave erstreckt sich über zwei Hauptwellen, von den 1970er bis Mitte der 1980er Jahre und von 1985 bis Ende der 1990er Jahre. Der wirtschaftliche Aufschwung in den 1970er Jahren und das Fehlen von Zensur spielten eine entscheidende Rolle in der Entwicklung dieser Bewegung. Hongkong, als britische Kolonie, unterlag nicht den strengen Zensurrichtlinien, was eine künstlerische Freiheit ermöglichte. Die Bedeutung der Bildung, vor allem durch gut ausgebildete Filmemacher mit internationaler Ausbildung, trug zur Herausbildung eines eigenen Stils bei. Die Neue Welle führte den auteuristischen Ansatz ein und brachte innovative Filme hervor, die die chinesische Kultur mit westlichen Techniken verbanden.Beispielhaft für diese Ära sind Filme wie „A Better Tomorrow“ (1986) von John Woo, der das Gangsterfilm-Genre neu definierte, oder Wong Kar-wais „Chungking Express“ (1994), der durch stilisierte Erzählweise und visuelle Poesie breite Anerkennung erfuhr.
Die Japanese New Wave erstreckte sich von den späten 1950ern bis in die 1970er Jahre und war stark von der französischen Nouvelle Vague beeinflusst. In einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Zweiten Weltkrieg und politischer Veränderungen, insbesondere durch das „Treaty of Mutual Cooperation and Security“ mit den USA, rebellierten junge Filmemacher gegen etablierte Strukturen. Anders als in Frankreich begann die Japanese New Wave innerhalb des Studio-Systems und hatte enge Verbindungen zu politischen und sozialen Themen. Filme wie „Cruel Story of Youth“ (1960) von Nagisa Oshima oder „Tokyo Drifter“ (1966) von Seijun Suzuki brachten neue Techniken und experimentelle Herangehensweisen ein.
Die Korean New Wave begann Anfang der 1980er Jahre, als sich Südkorea demokratisierte und die Zensur lockerte. Der Aufschwung der Filmindustrie wurde jedoch in den späten 1990ern durch die asiatische Finanzkrise unterbrochen. Doch die Grundlagen für eine kreative Blüte waren bereits in den 1980ern gelegt worden. Die Einführung des „Blockbuster“-Modells aus Hollywood ermöglichte eine Wiedergeburt der Branche.Die Korean New Wave zeichnete sich durch unabhängige Filmemacher aus niedrigen Einkommensschichten aus, die innovative „Korean Blockbusters“ schufen. Anders als in anderen Regionen wurde die Bewegung stark von Jaebeol unterstützt, nicht von staatlichen Institutionen.
Übergreifend lässt sich sagen, dass wirtschaftlicher Aufschwung als Auslöser für eine kinematografische Revolution diente, und die Freiheit von Zensur ermöglichte künstlerische Schöpfungsfreiheit. Jedoch endeten alle Bewegungen in einem Rückgang, teilweise aufgrund mangelnder Reife der Filmindustrie.Unterschiede zeigen sich in den Hintergründen der Filmemacher und den politischen Kontexten. Während Hongkong von einer kulturellen Vielfalt und dem Einfluss westlicher Filmemacher geprägt war, spiegelte die Japanese New Wave politische Unruhen wider. Die Korean New Wave hingegen entstand aus politischem Wandel und überlebte die asiatische Finanzkrise durch eine Anpassung an das Blockbuster-Modell.
Ghost in the Shell: Identität, Existenz und die Grenzen von Mensch und Maschine
„Ghost in the Shell,“ ein bahnbrechender Anime-Film aus dem Jahr 1995, entführt die Zuschauer in eine dystopische Zukunft, in der hochentwickelte Technologie, Cybernetik und die Verschmelzung von Mensch und Maschine die Gesellschaft prägen. Die Handlung beginnt mit den Ermittlungen der Sektion 9, einer Spezialeinheit, die den gefährlichen Hacker „Puppet Master“ verfolgt. Der Puppet Master dringt in die Gedanken und Erinnerungen von Menschen ein, und die Sektion 9, angeführt von Major Kusanagi und ihrem Partner Batou, wird auf den Fall angesetzt.
Während der Ermittlungen stößt Major Kusanagi auf eine tiefgreifende Identitätskrise. Als Cyborg mit einem mechanischen Körper und einem elektronischen Gehirn beginnt sie, ihre eigene Existenz und Natur zu hinterfragen. Dies bildet den Einstieg in die tiefgehenden philosophischen Themen des Films, die den Existenzialismus und die Auswirkungen der Technologie auf die menschliche Identität erforschen.
Die Beziehung zwischen Major Kusanagi und dem Puppet Master wird zu einem zentralen Element der Handlung. Der Puppet Master, zunächst als gefährliche künstliche Intelligenz eingeführt, entpuppt sich als eigenständige Entität ohne physischen Körper. Die Interaktion zwischen den beiden Charakteren führt zu intensiven Diskussionen über Existenz, Bewusstsein und die ethischen Implikationen der Verschmelzung von Mensch und Maschine.
Die Handlung vertieft sich in moralische und ethische Fragen im Zusammenhang mit der Cybertechnologie. Die zentrale Frage, ob eine künstliche Intelligenz als eigenständiges Wesen betrachtet werden kann, wird aufgeworfen. Diese Frage wird durch die Entscheidung von Major Kusanagi und dem Puppet Master, sich zu verschmelzen, weiter verschärft. Die Suche nach einer neuen Form der Existenz führt zu einem existenziellen Wendepunkt und einer Reflexion über die Natur von Leben und Bewusstsein.
„Ghost in the Shell“ wirft auch einen kritischen Blick auf die Bedeutung von Cyberkriminalität und Terrorismusbekämpfung in einer Welt, in der die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen. Die Sektion 6, das Ministerium für öffentliche Sicherheit, agiert als zentrale Konfliktpartei und versucht, den Puppet Master unter Kontrolle zu bringen. Die Dynamik zwischen Sektion 9 und Sektion 6 spiegelt die zunehmende Komplexität und Unsicherheit in einer digitalisierten Zukunft wider.
Die Atmosphäre des Films ist geprägt von einer faszinierenden Cyberpunk-Zukunft. Die visuelle Darstellung der überfüllten, futuristischen Stadt, durchzogen von Neonlichtern und Hochhäusern, schafft eine düstere und überwältigende Kulisse. Die Musik, ein weiteres herausragendes Element, verstärkt die Stimmung und wird sogar heute noch in verschiedenen Mixes verwendet.
Der philosophische Grundkonflikt von „Ghost in the Shell“ liegt in der Auseinandersetzung mit der künstlichen Intelligenz im Vergleich zum natürlichen Leben. Der Puppet Master, als KI-Programm gestartet, entwickelt ein eigenes Bewusstsein und strebt nach einer neuen Form der Existenz. Die Frage nach der Eigenständigkeit von KI und der Verschmelzung von Mensch und Maschine wird durch die Fusion von Major Kusanagi und dem Puppet Master weiter unterstrichen.
Zusammenfassend ist „Ghost in the Shell“ ein Meisterwerk des Cyberpunk-Genres, das nicht nur durch seine actiongeladene Handlung und visuelle Brillanz besticht, sondern auch tiefgreifende philosophische Fragen aufwirft. Der Einfluss des Films auf die Popkultur ist beträchtlich, und seine Relevanz erstreckt sich bis in die heutige Zeit, da Technologien wie Künstliche Intelligenz und Cybertechnologie weiterhin unsere Welt formen. Der Film bleibt eine fesselnde Erkundung der Wechselwirkung zwischen Mensch und Technologie in einer zukünftigen Welt.

Dec 21, 2023 • 1h 27min
EGL041 The Expanse: warum die geniale Sci-Fi Serie so gut funktioniert.
"Never listen to what people say. Just watch what they do." (Chrisjen Avasarala, S02E01)
Unser Thema ist die Serie "The Expanse", eine Meisterleistung im World Building. Ursprünglich als Massively Multiplayer Online Role-Playing Game (MMORPG) geplant, wurde sie später zu einer Streaming- und TV-Serie umgewandelt. Die letzte Staffel wurde gestreamt, und das letzte Buch wurde veröffentlicht. Es ist also an der Zeit, einen umfassenden Blick auf das Gesamtwerk zu werfen. Obwohl wir vor Plot-Spoilern warnen, kommen wir gar nicht dazu, da wir uns in unserer Begeisterung für die neun Romane, die zusätzlichen Novellen und die für das Fernsehen vom Syfy Network adaptierte Serie verstricken, die jedoch nach drei Staffeln abgesetzt wurde. (Amazon erwarb die Rechte und produzierte drei weitere Staffeln.) Die Handlung spielt in einer Zukunft, in der die Menschheit das Sonnensystem kolonisiert hat. Der Konflikt zwischen der Erde, dem Mars und den "Belters" im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter eskaliert, als eine mysteriöse außerirdische Technologie namens Protomolekül auftaucht. Die Serie beginnt ohne große Einleitung und nimmt das Publikum mit auf eine Entdeckungsreise durch die Expanse-Welt. Wir hingegen versuchen einleitend eine Zusammenfassung, die jedoch immer wieder scheitert, denn das World Building von "The Expanse" ist ebenso umfassend und scheinbar endlos wie das von Star Wars. Auf einmal ist die Zeit schon um und wir haben kaum begonnen und doch schon zu viel gesagt! Worin wir uns einig sind: Cast, Technik, Locations und Plots begeistern genauso wie die Leichtigkeit, mit der die Welt immer größer wird und jedes Buch schon fast wie ein anderes Genre erscheint. Auch das Protomolekül entwickelt sich weiter: von einer Art Phage, die Zellen befällt, zu einer umfassenden verschollenen Alien-Kultur, die ganze Sonnensysteme in diamantene Festplatten umwandeln und fast-kollabierende Sterne zu Mausefallen umfunktionieren kann.
Shownotes
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Links zur Episode
Expanse Bücher
Expanse Serien
Expanse Fan Wiki auf fandom
Interview: James S.A. Corey by lightspeedmagazine 2014
Titellied: Fly me to the moon
Ist Lesen besser als Schauen? Axis of Awesome: Rage of Thrones
Kickstarter: The Expanse Roleplaying Game brings series of science fiction novels to the tabletop.
The Expanse Roleplaying Game: QuickStart Game Rules
The Stars My Destination von Alfred Bester
The Moon Is a Harsh Mistress von Robert Heinlein
Die Sprache der Belters
Grenzökonomie
Thomas Jane spielt Miller
Die drei Sonnen von Liu Cixin
2001: Odyssee im Weltraum von Arthur C. Clarke
Interstellar von Christopher Nolan
Powers of Ten von Charles und Ray Eames
Watchmen (Film) von Zack Snyder
Penrose und Panpsychist Consciousness
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EGL048 "The Expanse" zu Ende erzählt: Was passiert in den drei unverfilmten Büchern der Serie?
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EGL048 „The Expanse“ zu Ende erzählt: Was passiert in den drei unverfilmten Büchern der Serie?
Wir beginnen unsere Tour an der Jannowitzbrücke und laufen Richtung Norden. Weiter, immer weiter. „The Expanse“.
Einen Fehler möchte ich zuerst beheben: Nicht Judge Dredd sondern The Punisher ist der Film in dem der ‚Miller‘ Darsteller Thomas Jane mitspielt. Und jetzt weiter im Text. „The Expanse“ ist eine Serie von Science-Fiction-Romanen (sowie zugehörigen Novellen und Kurzgeschichten) von James S. A. Corey, dem gemeinsamen Pseudonym der Autoren Daniel Abraham und Ty Franck. Der erste Roman, „Leviathan Wakes“ (2011), wurde 2012 für den Hugo Award als bester Roman nominiert. Die gesamte Serie wurde 2017 für den Hugo Award als beste Serie nominiert. Sie gewann später, nach ihrer zweiten Nominierung für denselben Preis im Jahr 2020.
Die Buchserie besteht aus neun Romanen, neun kürzeren Werken und einer Sammlung von Geschichten. Die Serie wurde für das Fernsehen vom Syfy Network adaptiert, ebenfalls unter dem Titel „The Expanse“. Nachdem Syfy die TV-Serie nach drei Staffeln abgesetzt hatte, erwarb Amazon sie, produzierte drei weitere Staffeln und streamt alle sechs Staffeln auf Amazon Prime Video.
Die Autoren hinter dem Pseudonym James S. A. Corey, Daniel Abraham und Ty Franck, haben mit ihrer Arbeit zahlreiche Preise gewonnen. Kleiner Fund bei der Recherche, der mit Expanse nichts zu tun hat, aber mit einem der Autoren: Ty Franck äußert sich in einem Interview zu dem Mythos, der sich um die Arbeitsweise von George R. R. Martin rankt. Ein hartnäckiges Gerücht behauptet, er schreibe seine monumentalen „A Song of Ice and Fire“-Romane immer noch auf einem antiquierten DOS-Computer mit dem Schreibprogramm WordStar.
Er schreibt tatsächlich nicht auf einem alten DOS-Computer. Der ist abgeraucht.Tatsächlich habe ich ihm den Computer gebaut, auf dem er jetzt schreibt. Ein hochmodernes Gerät, — auf dem DOS und WordStar 4.0 laufen.
In den frühen 2000er Jahren entsprang die Idee eines MMORPG (massively multiplayer online role-playing game) dem kreativen Geist von Ty Franck, konzipiert für ein chinesisches Internetunternehmen. Obwohl diese digitale Utopie letztendlich nicht realisiert wurde, entfaltete sie sich weiterhin in einem anderen Medium – dem Foren-RPG (Post-to-Play-RPG), das Franck für einige Jahre mit Geschick und Leidenschaft leitete. Inzwischen hat die Science-Fiction-Romanreihe nun doch ihren Weg an den Spieltisch gefunden – dank des Expanse-Rollenspiels. Die kreative Schöpfung von Chris Pramas und veröffentlicht von Green Ronin Publishing, eröffnet dieses Rollenspiel eine neue Dimension für Fans der epischen Weltraumgeschichten.
Die 5.714 Kickstarter Unterstützer:innen haben bis zum 1. Februar 2023 beeindruckende $402,832 zugesichert, um dieses Projekt zum Leben zu erwecken. Ein Ausdruck der Leidenschaft und des Engagements der Community für die Erweiterung und Vertiefung der Expanse-Erfahrung am Spieltisch. Dieser inspirierende Zuspruch verdeutlicht, dass die Faszination für Coreys literarisches Universum weit über die Seiten seiner Romane hinausreicht.
Die Handlung von „The Expanse“ entfaltet sich in einem politischen Universum, das im Stil der 1970er Jahre gestaltet ist. Die Weltgebäude der Erde, des Mars und des Asteroidengürtels sind detailliert und plausibel, wobei Wikipedia als Grundlage für die Plausibilität dient.
Die Serie bezieht ihre Inspiration aus verschiedenen Quellen, darunter „The Stars My Destination“ von Alfred Bester und „The Moon Is a Harsh Mistress“ von Robert Heinlein. Die visuelle Umsetzung der Geschichte ist beeindruckend, wobei die Komplexität der Handlung eine Zusammenfassung nahezu unmöglich macht.
Ein faszinierender Aspekt von „The Expanse“ ist die Sprache der Belters, einer Gruppe von Menschen im Asteroidengürtel. Die Serie präsentiert eine einzigartige Gesellschaftsdynamik und beleuchtet Themen wie Grenzökonomie und Unterdrückung.
Die Charaktere, angeführt von James Holden, werden von einer talentierten Besetzung verkörpert, die teilweise aus der Game-Industry stammt. Die Erzählstruktur wechselt zwischen den Perspektiven von Miller, einem Noir-Detektiv, und Holden, während sie sich auf eine komplexe Reise durch das Sonnensystem begeben.
Die dramaturgische Brillanz von „The Expanse“ zeigt sich in der glaubhaften Darstellung von wissenschaftlichen Konzepten wie der Quantenmechanik und dem Protomolekül. Die Handlung beinhaltet auch politische Intrigen, militärische Konflikte und die mysteriösen Auswirkungen des Protomoleküls auf die Geschichte.
Insgesamt bietet „The Expanse“ eine einzigartige Mischung aus Meta-Story, Metaphysik und actiongeladener Spannung. Die Serie behandelt Themen wie Bewusstsein als Feld und Waffe im Universum, während die Charaktere in politische, kulturelle und physikalische Aspekte eingebettet sind.
Die Story Arc der Charaktere und Welten bleibt überzeugend und fesselnd, wobei die Belters durch die neu entdeckten Ring-Gates wirtschaftlich abgehängt werden. Die Serie schafft es, die Glaubwürdigkeit in einer fantastischen Umgebung aufrechtzuerhalten und bietet ein faszinierendes Abenteuer, das sowohl Sci-Fi-Enthusiast:innen als auch Gelegenheitszuschauer:innen begeistert.
Expanse Bücher
Leviathan Wakes (2011-06-15) Leviathan erwacht (2012)
Caliban’s War (2012-06-25) Calibans Krieg (2013)
Abaddon’s Gate (2013-06-04) Abaddons Tor (2014)
Cibola Burn (2014-06-17) Cibola brennt (2015)
Nemesis Games (2015-06-02) Nemesis-Spiele (2016)
Babylon’s Ashes (2016-12-06) Babylons Asche (2017)
Persepolis Rising (2017-12-05) Persepolis erhebt sich (2019)
Tiamat’s Wrath (2019-03-26) Tiamats Zorn (2020)
Leviathan Falls (2021-11-30) Leviathan fällt (2022)
Expanse Kurzgeschichten und Novellen
0.1 Drive Before Leviathan Wakes
0.3 The Churn Before Leviathan Wakes
0.5 The Butcher of Anderson Station Before Leviathan Wakes
1.1 The Last Flight of the Cassandra During Leviathan Wakes
2.5 Gods of Risk Between Caliban’s War and Abaddon’s Gate
3.5 The Vital Abyss From before Leviathan Wakes to Cibola Burn
6.5 Strange Dogs Between Babylon’s Ashes and Persepolis Rising
7.5 Auberon Between Persepolis Rising and Tiamat’s Wrath
9.5 The Sins of Our Fathers After Leviathan Falls


