

Die Leichtigkeit der Kunst - Kunstpodcast
Claudia Linzel
Kunstpodcast aus Ausstellungen, Ateliers und Sammlungen – über Prozesse, Entscheidungen, Kunstgeschichte und Gegenwart. Verständliche Gespräche, die die Relevanz von Kunst im Alltag greifbar machen.
Episodes
Mentioned books

Apr 3, 2026 • 45min
Alex Katz in der Kunsthalle Tübingen | Dr. Nicole Fritz | Kunstpodcast
Alex Katz in der Kunsthalle Tübingen mit Dr. Nicole Fritz
Kennst du das?
Du sitzt in einem Café, blickst auf und für einen Sekundenbruchteil nimmst du ein Gesicht wahr – einen Ausdruck, ein Lichtspiel, eine ganz bestimmte Stimmung.
Bevor dein Verstand anfängt zu analysieren, ist das Gefühl schon da. Der US-Maler Alex Katz hat aus genau diesen Momenten eine Weltkarriere gemacht.
In einer Zeit, in der wir von digitalen Bildern überflutet werden, lehrt er uns das bewusste Hinsehen. Seine Kunst ist unmittelbar, klar und von einer fast greifbaren Frische.
Zu Gast: Dr. Nicole Fritz
Die Direktorin der Kunsthalle Tübingen begreift das Museum nicht als Archiv der Vergangenheit, sondern als „Lernort der Sinne“, als Ort, an dem Wahrnehmung geschärft wird. Im Gespräch geht es darum, wie Kunst wirkt, bevor sie eingeordnet wird – und warum genau das heute relevant ist.
Der Ort: Kunsthalle Tübingen
Die Kunsthalle liegt oberhalb der Stadt, etwas abseits. Genau diese Situation schafft Ruhe.
Die Arbeiten von Alex Katz brauchen Raum. Sie wirken über Fläche, über Präsenz und über das Verhältnis zwischen Bild und Körper.
Ein Blick in die Tiefe: Alex Katz und Joseph Beuys – Zwei Wege zur Erkenntnis
In dieser Episode ziehen wir eine faszinierende Verbindung zwischen zwei Ikonen der Kunstgeschichte. Nicole Fritz, die über Joseph Beuys promovierte und sein Werk fundiert kennt, zeigt uns, wie unterschiedlich Wege zur Erkenntnis sein können.
Vor Katz war in der Kunsthalle die Ausstellung „Bewohnte Mythen“ zu Joseph Beuys zu sehen. Ein Künstler, der mit Symbolen, Geschichte und gesellschaftlichen Ideen arbeitet und die Welt mit Mythen heilen wollte.
Katz hingegen setzt ganz anders an; er lädt uns ein, die Präsenz des Lebens zu feiern. Er bleibt bei Menschen, bei Licht, bei Bewegung, bei dem, was im Alltag passiert.
Im Gespräch wird deutlich, dass genau darin eine Verbindung liegt. Beide beschäftigen sich mit Wahrnehmung – nur auf unterschiedlichen Wegen.
Es ist kein Gegeneinander, sondern eine wunderbare Ergänzung: Von der intensiven Sinnsuche bei Beuys hin zur „Linguistik der visuellen Welt“ bei Katz. Wir erfahren, warum seine Malerei „schneller als der Verstand“ sein will.
Das Besondere an Alex Katz
Katz malt Menschen aus seinem Umfeld, seine Frau Ada, Landschaften, Wasser, Bäume. Die Motive sind vertraut, fast beiläufig. Gleichzeitig entsteht eine Distanz.
Die Bilder sind nah, aber nie privat. Nicole Fritz beschreibt das als ein Spannungsfeld aus Zuwendung und Abkühlung. Genau darin liegt die Eigenart dieser Malerei.
Die Ausstellung: Alex Katz – Dancing with Reality
In Tübingen liegt der Fokus auf dem Spätwerk. Große Formate, neue Serien, Arbeiten direkt aus dem Studio.
Wasserflächen, Blumen, Nachtbilder, Bäume. Dazu kommt der Einfluss von Tanz, Film und Fotografie, der sich durch das gesamte Werk zieht.
Der Titel „Dancing with Reality“ beschreibt diese Arbeitsweise ziemlich genau: eine Malerei, die auf Wirklichkeit reagiert, ohne sie zu erklären.
Die Schwerpunkte des Gesprächs
Joseph Beuys & Alex Katz: Zwei unterschiedliche, aber gleichermaßen faszinierende Herangehensweisen an die Welt.
Joseph Beuys und „Bewohnte Mythen“
Alex Katz die Kunsthalle Tübingen und das Spätwerk
Das Handwerk: Wie aus Skizzen und Kohlestaub faszinierende Panoramen entstehen.
Resilienz durch Kunst: Warum das Training deiner Sinne dich widerstandsfähiger gegen Manipulation macht.
Nach dem Hören
Nach dem Hören dieser Folge wirst du vielleicht anders durch die Welt gehen. Achte auf das Licht in den Bäumen oder die nächste Begegnung im Vorbeigehen. Alex Katz zeigt uns, dass die Ewigkeit in der Konzentration auf den Augenblick liegt.
Links & Informationen
Museum & Ausstellung: Kunsthalle Tübingen
Ausstellung: Alex Katz – Dancing with Reality
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Hinter den Kulissen
Diese Episode entstand als persönliches Gespräch vor Ort in der Kunsthalle Tübingen im März 2026.
Interner Klick-Tipp
Wenn dich die Verbindung von intensiver Wahrnehmung und gesellschaftlichem Wirken fasziniert, hör unbedingt auch in diese Folgen rein:
Erfahre mehr über den spannenden Kontrast zur Arbeit von Joseph Beuys in den Kunstmuseen Krefeld
Marina Abramović & Joseph Beuys: Ein spannender Dialog über zwei Größen der Performance-Kunst und ihre Wirkung auf uns heute.

Mar 27, 2026 • 1h 25min
Wolfgang Hollegha im Museum Reinhard Ernst | Daniel Hollegha, Dr. Oliver Kornhoff und Lea Schäfer
Wolfgang Hollegha im Museum Reinhard Ernst | Daniel Hollegha, Dr. Oliver Kornhoff und Lea Schäfer
Malerei, Wahrnehmung und die Ausstellung „Denk nicht, schau“
Wann haben wir zuletzt wirklich geschaut?
Nicht schnell. Nicht im Vorbeigehen. Nicht vergleichend. Nicht mit dem schnellen Impuls, sofort zu verstehen. Sondern einfach: geschaut.
In einer Gegenwart, in der Bilder permanent erscheinen und verschwinden, wirkt diese Haltung fast ungewohnt. Wolfgang Hollegha hat dieser Form der Aufmerksamkeit ein ganzes Leben gewidmet. Seine Bilder entstehen aus Beobachtung, Bewegung und aus einem langen Blick auf die Welt.
Diese Folge von Die Leichtigkeit der Kunst führt zunächst auf den Rechberg in der Steiermark, wo Wolfgang Hollegha seit den frühen 1960er-Jahren lebte und arbeitete. Anschließend geht das Gespräch nach Wiesbaden in das Museum Reinhard Ernst, das dem Künstler mit der Ausstellung „Denk nicht, schau“ seine erste große Einzelausstellung in Deutschland widmet.
Der Rechberg – ein Ort, der die Malerei geprägt hat
Seit 1962 lebte und arbeitete Wolfgang Hollegha auf dem Rechberg nördlich von Graz. Dort ließ er sich ein außergewöhnliches Atelier errichten: ein 14,4 Meter hoher Holzbau, nach eigenen Plänen gebaut und bewusst doppelt so hoch wie das Atelier an der Akademie der bildenden Künste in Wien.
Der Rechberg wurde zum Zentrum seines künstlerischen Lebens. Zwischen Wohnhaus, Winteratelier und Sommeratelier entwickelte sich über Jahrzehnte hinweg eine Malerei, die von genauer Beobachtung ausgeht und sich zugleich immer weiter von der Gegenständlichkeit entfernt.
Im Gespräch erinnert Daniel Hollegha, Sohn des Künstlers, an diese Umgebung und an die Arbeitsweise seines Vaters. Viele Motive begannen mit kleinen Dingen aus der Natur – Ästen, Pflanzen oder einfachen Gegenständen. Hollegha brachte sie ins Atelier, betrachtete sie oft über Wochen oder Monate hinweg und begann erst dann zu zeichnen oder zu malen.
Aus diesen Beobachtungen entstanden keine Abbildungen, sondern großformatige Bildräume aus Farbe, Bewegung und Rhythmus.
Ein Maler zwischen Wien und New York
Wolfgang Hollegha wurde 1929 in Klagenfurt geboren. Von 1947 bis 1954 studierte er an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Josef Dobrowsky und Herbert Boeckl.
1956 gründete er gemeinsam mit Josef Mikl, Markus Prachensky und Arnulf Rainer die Malergruppe St. Stephan, die bald zu einer wichtigen Stimme der österreichischen Nachkriegskunst wurde.
Ende der 1950er-Jahre wurde Hollegha international wahrgenommen. Der US-amerikanische Kunstkritiker Clement Greenberg lud ihn 1960 nach New York ein, wo seine Arbeiten in einer Ausstellung abstrakter Maler gezeigt wurden. Hollegha bewegte sich dort im Umfeld von Künstlerinnen und Künstlern wie Helen Frankenthaler, Morris Louis und Kenneth Noland.
Guggenheim-Preis, Carnegie Prize und documenta
1958 erhielt Wolfgang Hollegha den Guggenheim International Award für Malerei. In dieser Ausgabe wurde er als Vertreter Österreichs ausgezeichnet. Preisträger für andere Länder waren unter anderem Mark Rothko und Alberto Giacometti. Hollegha war damit einer der jüngsten Preisträger dieser international vergebenen Auszeichnung.
1961 folgte der Carnegie Prize in Pittsburgh, einer der bedeutendsten Preise für internationale Malerei.
1964 nahm Hollegha an der documenta 3 in Kassel teil.
Trotz dieser internationalen Anerkennung entschied er sich bewusst gegen eine dauerhafte Karriere in den großen Kunstmetropolen und entwickelte seine Arbeit weiter am Rechberg.
Malerei als Bewegung
Für Hollegha beginnt Malerei mit dem Blick auf das Sichtbare. Doch im Prozess der Arbeit verwandelt sich dieses Sehen.
Der Künstler beschrieb diesen Vorgang so:
„Solange ich die Dinge betrachte, sind sie lebendig. Wenn ich sie nun ganz stur abzeichnen würde, wären sie plötzlich tot. Also schaue ich, dass mein Körper, die Art, die Hand zu bewegen, die Verlagerung der Schwerkraft, die man spürt, dass all das in der Zeichnung erhalten bleibt. Die Spontaneität des Körpers spielt mit.“
Die Bewegung des Körpers, die Veränderung der Balance vor der Leinwand und die Bewegung des Auges im Raum werden Teil des Bildes. Farbe wird dabei häufig gegossen oder geschüttet, nicht klassisch mit dem Pinsel gesetzt.
So entstehen offene Bildräume, in denen Farbe, Struktur und Rhythmus miteinander arbeiten.
Wolfgang Hollegha im Museum Reinhard Ernst
Mit der Ausstellung „Denk nicht, schau“ feiert Wolfgang Hollegha im Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden seine große Deutschlandpremiere.
Der Künstler zählt zu den bedeutenden österreichischen Malern nach 1945 und war bereits um 1960 international erfolgreich. Clement Greenberg sah seine Arbeiten auf Augenhöhe mit wichtigen Positionen des Abstrakten Expressionismus.
Im Gespräch mit Dr. Oliver Kornhoff, Direktor des Museums, und Lea Schäfer, Kuratorin der Ausstellung, wird deutlich, wie sich Holleghas Werk in den Kontext der Sammlung einfügt. Das Museum Reinhard Ernst widmet sich der internationalen abstrakten Kunst nach 1945 und bringt Künstlerinnen und Künstler verschiedener Generationen miteinander in Beziehung.
Die Sammlung ermöglicht damit auch eine Wiederbegegnung mit historischen Weggefährt:innen Holleghas aus der internationalen Abstraktion.
Mehr über Architektur, Sammlung und die Entstehung des Museums ist in der ersten Podcastfolge zum Museum Reinhard Ernst zu hören:https://dieleichtigkeitderkunst.de/museum-reinhard-ernst-wiesbaden-podcast/
Auch die Ausstellung Helen Frankenthaler moves bildet einen wichtigen Bezugspunkt für das Programm des Hauses:https://dieleichtigkeitderkunst.de/helen-frankenthaler-museum-reinhard-ernst/
Themen der Folge
– Wolfgang Hollegha und der Rechberg– Atelierarbeit und Naturbeobachtung– Guggenheim International Award und Carnegie Prize– Die Malergruppe St. Stephan– New York und Clement Greenberg– Ausstellung „Denk nicht, schau“ im Museum Reinhard Ernst– Abstraktion und Wahrnehmung
Gäste
Daniel HolleghaArchitekt und Sohn von Wolfgang Hollegha
Dr. Oliver KornhoffDirektor, Museum Reinhard Ernst
Lea SchäferKuratorin der Ausstellung Denk nicht, schau, Museum Reinhard Ernst
Links & Credits
Museum Reinhard Ernsthttps://www.museum-reinhard-ernst.de
AusstellungDenk nicht, schau – Wolfgang Hollegha
OrtMuseum Reinhard Ernst, Wiesbaden
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Diese Episode ist als persönliches Gespräch vor Ort im Februar 2026 in Wolfgang Holleghas Stube am Rechberg in der Steiermark und im März 2026 im Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden entstanden.
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Aus dem Podcast Die Leichtigkeit der Kunst

Mar 13, 2026 • 1h
X-RAY. Die Macht des Röntgenblicks | Weltkulturerbe Völklinger Hütte | Dr. Ralf Beil | Kunstpodcast Die Leichtigkeit der Kunst
X-RAY. Die Macht des Röntgenblicks – die Sichtbarkeit des Unsichtbaren
Die Ausstellung „X-RAY. Die Macht des Röntgenblicks“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte untersucht die kulturelle Wirkung der Röntgenstrahlen seit ihrer Entdeckung im Jahr 1895. Kunst, Wissenschaft, Architektur und Mode begegnen sich hier in einem gemeinsamen Blick auf das Unsichtbare. In dieser Folge von Die Leichtigkeit der Kunstspricht Dr. Ralf Beil, Generaldirektor der Völklinger Hütte und Kurator der Ausstellung, über den Röntgenblick und seine Bedeutung für Kunst und Gesellschaft.
Der Blick ins Innere gehört zu den großen Versprechen der Moderne. Technik macht sichtbar, was zuvor verborgen war – im Körper, in Materialien, in Strukturen. Mit jeder neuen Form der Sichtbarkeit entstehen jedoch auch neue Fragen: Was bedeutet es, wenn etwas durchleuchtet werden kann? Und welche Verantwortung entsteht mit diesem Wissen?
Vor über 130 Jahren entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen eine Strahlung, die erstmals einen Blick ins Innere des Körpers ermöglicht. Wenige Wochen später entsteht eines der bekanntesten Bilder der Wissenschaftsgeschichte: die durchleuchtete Hand seiner Frau Anna Bertha Röntgen. Mit dieser Entdeckung beginnt eine neue Form der Sichtbarkeit – in der Medizin, in der Wissenschaft und später auch in Kunst und Gesellschaft.
Dr. Ralf Beil
Dr. Ralf Beil ist Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte und Kurator der Ausstellung „X-RAY. Die Macht des Röntgenblicks“. In seiner Arbeit verbindet er Kunst, Wissenschaft und gesellschaftliche Fragestellungen und entwickelt Ausstellungen, die historische Themen mit gegenwärtigen Perspektiven zusammenführen. Im Gespräch erläutert er, wie die Entdeckung der Röntgenstrahlen eine neue Bildkultur hervorgebracht hat und warum sich Kunst und Wissenschaft hier auf besondere Weise begegnen.
Dabei wird auch deutlich, welche Rolle Ausstellungen heute spielen können: als Orte, an denen historische Entwicklungen sichtbar werden und in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt werden.
Weltkulturerbe Völklinger Hütte
Das Gespräch wurde vor Ort im Weltkulturerbe Völklinger Hütte aufgezeichnet. Die ehemalige Eisenhütte gehört seit 1994 zum UNESCO-Welterbe und zählt zu den bedeutendsten erhaltenen Industrieanlagen Europas.
Wo früher Roheisen produziert wurde, entstehen heute internationale Ausstellungen, künstlerische Projekte und kulturelle Programme. Die industrielle Architektur der Anlage bildet dabei einen besonderen Rahmen für Themen, die sich mit Technik, Gesellschaft und Geschichte beschäftigen.
Gerade deshalb ist die Völklinger Hütte ein besonderer Ort für eine Ausstellung über den Röntgenblick. Die Entdeckung der Röntgenstrahlen fällt in eine Zeit, in der industrielle Produktion, wissenschaftliche Forschung und technischer Fortschritt die moderne Welt grundlegend verändern.
Kunst, Gesellschaft und Verantwortung
Die Ausstellung „X-RAY. Die Macht des Röntgenblicks“ verfolgt die Wirkung der Röntgenstrahlen von ihrer Entdeckung im Jahr 1895 bis in die Gegenwart. Sie zeigt, wie der Blick ins Innere den Umgang mit Körpern, Materialien und Strukturen verändert hat – in der Medizin ebenso wie in Architektur, Mode und bildender Kunst.
Der sogenannte Röntgenblick steht dabei für mehr als eine technische Innovation. Er eröffnet Fragen nach Transparenz, Kontrolle und Verantwortung. Bilder, Technologien und wissenschaftliche Verfahren prägen, wie wir den menschlichen Körper, die Natur oder auch gesellschaftliche Strukturen wahrnehmen.
Im Gespräch geht es deshalb auch darum, welche Rolle Bilder und Technologien heute spielen – und wie Ausstellungen diese Zusammenhänge sichtbar machen können.
Zur Folge
Im Gespräch erläutert Dr. Ralf Beil, wie der sogenannte Röntgenblick unser Verständnis von Körper, Technik und Gesellschaft geprägt hat. Dabei wird deutlich, wie eng wissenschaftliche Entdeckungen, technische Entwicklungen und kulturelle Vorstellungen miteinander verbunden sind.
Themen der Folge
• Die Entdeckung der Röntgenstrahlen• Wilhelm Conrad Röntgen und Anna Bertha• Kunst und Wissenschaft• Sichtbarkeit und Transparenz• Körper und Identität• Industriekultur und Ausstellungspraxis
Weiterhören
Weitere Gespräche über Museen und Ausstellungen finden sich im Bereich→ Ausstellungen & Museen
Gespräche über Kultur und gesellschaftliche Fragen versammeln sich im Bereich→ Kultur & Gesellschaft
Besonders anschlussfähig sind Gespräche über→ Industriekultur→ Kunst und Wissenschaft
Links & Credits
Aufnahmeort Weltkulturerbe Völklinger Hütte
GastDr. Ralf Beil – Generaldirektor Weltkulturerbe Völklinger Hütte
Rahmenprogramm und AusstellungsrundgangX-Ray. Die Macht des Röntgenblicks
PodcastDie Leichtigkeit der Kunst
Diese Episode ist als persönliches Gespräch vor Ort im März 2026 entstanden.Im direkten Gegenüber, ohne digitale Distanz, entwickelt sich ein Austausch, der Gesten, Pausen und Zwischentöne ebenso zulässt wie persönliche Erfahrungen und individuelle Wege.
Aufnahmesituation für den Podcast Die Leichtigkeit der Kunst
Aus dem Podcast Die Leichtigkeit der Kunst

Feb 27, 2026 • 1h 21min
Rupprecht Geiger im Emil Schumacher Museum
Rupprecht Geiger im Emil Schumacher Museum
Kunstpodcast Die Leichtigkeit der Kunst
Im Emil Schumacher Museum in Hagen ist die Ausstellung „Rupprecht Geiger – Farbe. Licht. Energie“ zu sehen. Die Einzelausstellung versammelt Arbeiten aus unterschiedlichen Jahrzehnten und macht die einzelnen Werkphasen nachvollziehbar.
Im Mittelpunkt dieses Gesprächs mit Julia Geiger und Rouven Lotz stehen drei Ebenen:– die künstlerische und persönliche Entwicklung– die Arbeit im Archiv und im Museum– die kuratorische Entscheidung für diese Ausstellung sowie die Zusammenarbeit zwischen München und Hagen
Biografische Linien: Architektur, Krieg, Malerei
Rupprecht Geiger wurde 1908 in München geboren. Sein Vater war der Maler Willi Geiger.
Nach Beendigung der Schulausbildung beginnt Rupprecht Geiger 1926 ein Architekturstudium an der Kunstgewerbeschule München. Er studiert dort bis 1929 in der Architekturklasse des Neoklassizisten Eduard Pfeiffer.
Im Anschluss ist Geiger als Architekt tätig. Während des Zweiten Weltkriegs entstehen erste malerische Arbeiten.
Nach 1945 setzt er seine künstlerische Tätigkeit fort und arbeitet abstrakt. Im weiteren Verlauf seines Schaffens konzentriert er sich zunehmend auf Farbflächen.
Ausstellung im Emil Schumacher Museum
Die Ausstellung im Emil Schumacher Museum zeigt unterschiedliche Werkgruppen aus verschiedenen Jahrzehnten. Frühere Arbeiten stehen neben späteren großformatigen Farbfeldern.
Im Gespräch geht es um diese Entwicklung:Wie entwickelt sich Geiger vom Architekten zum Landschaftsmaler hin zum Farbfeldmaler? Wie verschieben sich Formate?Welche Rolle spielt das Rot?
Die Werke werden nicht chronologisch abgearbeitet, sondern in Beziehung zueinander betrachtet.
Archiv Rupprecht Geiger und Werkpflege heute
Im Gespräch mit der Kunsthistorikerin Julia Geiger wird deutlich, dass Werkpflege Gegenwartsarbeit ist. Als Leiterin des Archiv Rupprecht Geiger in München begleitet sie Leihanfragen, wissenschaftliche Projekte und institutionelle Kooperationen.
Archivarbeit bedeutet in diesem Zusammenhang Abwägung. Welche Kontexte tragen das Werk weiter? Welche Kooperationen sind sinnvoll? Und wie bleibt ein Œuvre offen für Forschung und Ausstellungspraxis?
Es wird deutlich: die Verantwortung eines Künstlernachlasses liegt nicht allein im Bewahren, sondern im kontinuierlichen Entscheiden.
Kuratorische Perspektiven im Emil Schumacher Museum
Rouven Lotz beschreibt die kuratorische Entscheidung für die Einzelausstellung in Hagen. Das Emil Schumacher Museum widmet sich seit Jahren der abstrakten Kunst nach 1945 und bietet einen institutionellen Rahmen, der auf Dialog setzt.
Die Folge thematisiert sowohl die Ausstellung, als auch die strukturellen Fragen hinter Werkpflege, Institution und Präsentation.
Langfristige Perspektive
Geigers Werk steht exemplarisch für eine künstlerische Haltung, die sich nicht an kurzfristigen Entwicklungen orientiert. Über Jahrzehnte hinweg bleibt die Auseinandersetzung mit Farbe zentral.
Die Ausstellung im Emil Schumacher Museum macht diese Konsequenz sichtbar und eröffnet eine Perspektive auf Dauer, Präzision und Konzentration.
Themen
Rupprecht Geiger · Farbfeldmalerei · Rot in der Kunst · Architektur und Malerei · Nachkriegskunst · Archivarbeit · Künstlernachlass · Ausstellungspraxis · Emil Schumacher Museum
Gesprächspartner:innen
Julia Geiger ist Leiterin des Archiv Rupprecht Geiger in München.Rouven Lotz ist Direktor des Emil Schumacher Museums in Hagen.
Das Gespräch wurde auf dem Museumsgelände in Hagen im Februar 2026 aufgenommen.
Ort: Emil Schumacher Museum, HagenAusstellung: Rupprecht Geiger – Farbe. Licht. Energie
Weiterhören
Diese Episode ist Teil einer Reihe von Gesprächen aus dem Emil Schumacher Museum. Weitere Folgen widmen sich:
– InformELLE – Künstlerinnen des Informel im Emil Schumacher Museum– Abstraktion & Ambition – Paris 1955 im Emil Schumacher Museum– Jean Fautrier – Genie und Rebell im Emil Schumacher Museum– Design.Impuls – Design und Zeitgeschichte im Emil Schumacher Museum
Weitere Gespräche zum Thema Künstlernachlass & Archivarbeit:
– Die Kunst der Nachlassverwaltung mit Dr. Loretta Würtenberger – Archivarbeit
Links & Credits
Archiv Rupprecht GeigerEmil Schumacher Museum
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Der Kunstpodcast Die Leichtigkeit der Kunst erscheint seit 2020 kostenfrei auf allen gängigen Plattformen. Die einzelnen Episoden widmen sich Kunst, Ausstellungspraxis, Institutionen und künstlerischen Entscheidungen im direkten Gespräch.
Diese Folge zu Rupprecht Geiger entstand als persönliches Gespräch vor Ort im Emil Schumacher Museum in Hagen. Ohne digitale Distanz entwickelt sich ein Austausch, der Zwischentöne, Gesten und Argumente gleichermaßen sichtbar bzw. hörbar macht.
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Jan 30, 2026 • 56min
Green Train – Kunst und Nachhaltigkeit auf leisen Wegen
Green Train – Kunst und Nachhaltigkeit – eine Bewegung zwischen Stille und Sinnlichkeit
Die Reise ist Teil von Nina Backmans Silence Project – doch dieser Podcast steht für sich.Wer die vorherige Folge kennt, wird Zusammenhänge entdecken. Wer neu einsteigt, wird eingeladen, sich dem Thema über Stimmen, Landschaften, Beobachtungen, Kunst und Nachhaltigkeit zu nähern.
Was passiert, wenn Kunst nicht belehrt, sondern begleitet?Wenn Stille nicht Leere bedeutet – sondern Präsenz?
Gäste
Nina BackmanKünstlerin, Kuratorin und Initiatorin des Silence Project.Sie verbindet künstlerisches Denken mit sozialem und ökologischem Bewusstsein – stets mit einer Haltung der Achtsamkeit, Offenheit und respektvollen Neugier. Das Projekt Green Train führt sie gemeinsam mit Akteur:innen aus ganz Europa durch Landschaften und Institutionen – und lässt dabei Fragen entstehen, statt Antworten zu inszenieren.
Mariella Salerno · European SleeperReflektiert als Marketing Communication Manager den gesellschaftlichen Wert von entschleunigtem Reisen – und warum Mobilität immer auch gesellig und politisch ist.
Ioana Bacanu & Matheus Mouraria · Mediamatic AmsterdamMediamatic erforscht neue Formen von Kunst und Nachhaltigkeit sowie Gesellschaft – künstlerisch, experimentell, wach.
Viola Karsten · Goethe-Institut AmsterdamBringt internationale Perspektiven ins Gespräch – über kulturelle Praxis, Verantwortung und das, was im Dialog zwischen Ländern entsteht.
Bram Opdam · Landgoed WelnaEin Refugium, das Kunst und Nachhaltigkeit sowie Wald und Rückzug vereint. Opdam erzählt, wie Stille und Natur als Lebensform wirken können.
Gerbrand Burger · Thinking Forest FoundationEin Blick auf das Denken mit dem Wald – nicht als Metapher, sondern als ernsthafte künstlerisch-ökologische Praxis.
Eine Reise zwischen Berlin und Amsterdam
Der Green Train ist keine klassische Ausstellung, kein statisches Projekt. Er ist Bewegung.Diese Folge fängt O-Töne, Pausen, Zuggeräusche und Gespräche ein – mal unterwegs im Zug, mal bei Mediamatic, mal in der Natur.Der Fokus liegt auf Erfahrung – nicht auf Erklärung.
Warum diese Folge jetzt?
Weil Europa sich verändert. Weil Mobilität politisch bleibt. Und weil Kunst in Zeiten des Wandels nicht erklärt – sondern einlädt.Diese Episode setzt ein stilles Zeichen für internationale Zusammenarbeit, für nachhaltige Wege und für eine neue Form des Zuhörens.
Zur Folge
Diese Podcastreise über Kunst und Nachhaltigkeit begleitet den Green Train durch Stimmen, Begegnungen und Zwischenräume. Sie dokumentiert keine Ergebnisse – sondern macht Prozesse hörbar.In einer Zeit, in der vieles laut und beschleunigt ist, entsteht hier ein Raum für leises Nachdenken – über die Verbindung von Kunst, Natur, Mobilität und Gesellschaft.Die O-Töne aus dem Zug, aus Amsterdam, aus dem Wald fügen sich zu einem Mosaik der Gegenwart.Eine hörbare Reise – leicht, verbindend, offen für neue Perspektiven.
Themen der Folge
Kunst und Nachhaltigkeit · Mobilität und europäische Wege · Leises Reisen und kulturelle Bewegung · Internationale Kollaboration · Natur, Wald und Rückzug als künstlerisches Konzept · Sinnlichkeit im politischen Raum · Kunstprojekte zwischen Institutionen und Alltag
Weiterhören
Weitere Gespräche zu Kunst, Gesellschaft und nachhaltigem Denken finden sich in den Bereichen:· Silence Project – Nina Backman· Kultur & Gesellschaft· Internationale Perspektiven· Ökologische Praxis
Links & Credits
Silence Project Nina Backman ARTPRESS – Ute WeingartenLandgoed Welna European Sleeper Mediamatic Goethe-Institut Amsterdam Thinking Forest Foundation
Jetzt hören auf:
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Auch arte.tv hat den Green Train – Kunst und Nachhaltigkeit begleitet:
Green Train: Zukunft im Nachtzug säen – eine dreiminütige filmische Kurzdokumentation über künstlerische Impulse, ökologisches Handeln und gemeinsame Perspektiven zwischen Berlin und Amsterdam.Mit Bildern von Marco Berger, Text von Olivera Tornau. Zur arte.tv-Dokumentation (verfügbar bis 23.10.2026)
A gentle movement between art and sustainability
This episode follows the Green Train from Berlin to Amsterdam – a mobile artistic project initiated by Finnish artist Nina Backman as part of her Silence Project.
What happens when art moves through landscapes, rather than spaces?When it listens, instead of performing?When mobility becomes dialogue – and slowness becomes a political gesture?
This journey includes voices from:· European Sleeper – reflecting on the politics of train travel and deceleration· Mediamatic Amsterdam – exploring new forms of sustainability through art and experimentation· Goethe-Institut Amsterdam – shaping cross-cultural exchange and dialogue· Landgoed Welna – inviting retreat and nature as an artistic method· Thinking Forest Foundation – engaging with the forest not as metaphor, but as a method of thinking
Together, they reflect on artistic processes, ecological awareness and European collaboration – between forest and platform, between presence and pause.A quiet journey, captured on the move.This episode is recorded in English.
Listen now
Website · Spotify · Apple Podcasts · YouTube
Nina Backman, Initiatorin des Green Train und Silence Project

Dec 19, 2025 • 59min
Erinnerungskultur und Identität – Prof. Dr. Malte Thießen
Erinnerungskultur und Identität – Eine Leerstelle, die hörbar wird
Geschichte beginnt selten mit großen Worten.Sie beginnt dort, wo Menschen leben, streiten, entscheiden. In Routinen. In Konflikten. In kleinen Gesten.Erinnerungskultur entscheidet mit darüber, wer sich zugehörig fühlt – und wer nicht.
Prof. Dr. Malte Thießen
Für Prof. Dr. Malte Thießen, Direktor des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte in Münster, ist Geschichte deshalb nicht ausschließlich ein Blick zurück. Sie ist Gegenwart. Sie wirkt im Alltag, oft leise, manchmal unbequem, fast immer unterschätzt.Er versteht Geschichte als Haltung: als Möglichkeit, Gegenwart differenziert zu betrachten und Ambivalenzen auszuhalten.
LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, Münster
Das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, Münster erforscht Geschichte dort, wo sie wirkt: im Alltag, in Arbeitswelten, in gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen. Regionalgeschichte dient hier als Brennglas für größere Zusammenhänge. Diese Folge des Kunstpodcasts Die Leichtigkeit der Kunst ist Teil der Reihe Genau! Westfalen! im Jubiläumsjahr 1250 Jahre Westfalen. Und sie ist ihr Abschluss. Kein lautes Finale, sondern eine Einladung, Geschichte als Beziehung zu begreifen – zwischen Menschen, Zeiten, Orten und Erwartungen.
Erinnerungskultur und Identität
Wie prägt Geschichte unser Selbstverständnis?Wie wirkt Erinnerung in gesellschaftlichen Debatten weiter?
Im Gespräch wird schnell klar: Geschichte ist für Prof. Dr. Malte Thießen keine Ansammlung von Daten. Sie ist eine Haltung. Eine Art, auf Gegenwart zu schauen, ohne vorschnell zu urteilen.
Geschichte hilft, Komplexität auszuhalten. Sie schützt vor einfachen Erklärungen. Sie öffnet Räume für Ambivalenzen. Und sie erinnert daran, dass gesellschaftliche Fragen selten neu sind – wohl aber ihre Kontexte.
Geschichte zeigt sich dort, wo Gesellschaft über sich selbst spricht. Oft indirekt. Oft beiläufig. Genau deshalb lohnt es sich, ihr zuzuhören.
Warum dieses Thema jetzt?
Pandemie, Digitalisierung und gesellschaftliche Polarisierung haben den Umgang mit Geschichte verändert.Vergleiche werden schneller gezogen, Gewissheiten lauter formuliert. Erinnerungskultur ist kein starres Gebilde. Sie verändert sich. Auch an denselben Orten. Auch bei denselben Ereignissen.
Prof. Dr. Malte Thießen beschreibt Erinnerungskultur als einen Prozess gesellschaftlicher Selbstverständigung. Es geht darum, sichtbar zu machen, wer erinnert, was erinnert wird und was lange ausgeblendet blieb.
Erinnerung sagt immer etwas über Gegenwart. Über Machtverhältnisse. Über Zugehörigkeit. Über das, was als erzählenswert gilt – und was nicht.
Gerade Regionalgeschichte zeigt, wie eng Erinnerung an Lebenswelten gebunden ist: an Arbeit, Migration, Familie, Nachbarschaft. Erinnerung ist persönlich und politisch zugleich.
Diese Folge lädt dazu ein, genauer hinzusehen: Geschichte als Orientierung, nicht als Anleitung.
Impfgeschichte – Emotionen im Archiv
Ein zentrales Thema dieser Folge ist die Impf- und Seuchengeschichte. Nicht als medizinische Chronik, sondern als gesellschaftlicher Spiegel.
In historischen Quellen begegnen Ängste, Hoffnungen und Konflikte. Sehr konkret. Es geht um Vertrauen. Um Verantwortung. Um Schutz. Um das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft.
Diese Fragen tauchen immer wieder auf. Es lässt sich nicht pauschal sagen, dass sich Geschichte wiederholt – aber sie zeigt Muster. Sie macht sichtbar, wie Gesellschaften auf Krisen reagieren. Und wo Spannungen entstehen.
Der Blick in die Geschichte hilft hier nicht, einfache Antworten zu liefern. Er hilft, genauer hinzusehen.
Zur Folge
Das Gespräch mit Prof. Dr. Malte Thießen führt durch Erinnerungskultur, Pandemiegeschichte, Digitalisierung und regionale Identität. Westfalen dient dabei als Ausgangspunkt – die Fragen reichen darüber hinaus.
Pandemie und Gegenwart
Die Corona-Pandemie hat viele gesellschaftliche Debatten verdichtet. Auch den Umgang mit Geschichte.
Malte Thießen spricht darüber, wie schnell in Krisenzeiten nach historischen Vergleichen gesucht wird – und warum das problematisch sein kann. Geschichte liefert keine Blaupausen. Sie sensibilisiert.
Sie erinnert daran, dass Entscheidungen häufig unter Unsicherheit getroffen werden. Dass gesellschaftliche Aushandlungsprozesse konflikthaft sind. Und dass moralische Gewissheiten selten eindeutig sind.
Digitalisierung – ein langer Prozess
Auch Digitalisierung erscheint in dieser Folge nicht als plötzlicher Umbruch. Sondern als langer Weg.
Papier. Lochkarten. Rechenzentren. Daten, die per Fahrrad transportiert wurden. Diese Bilder machen deutlich: Digitalisierung ist kein abstraktes Phänomen. Sie ist eingebettet in Arbeitswelten, Infrastrukturen und Machtfragen.
Wer bekommt Anschluss?Wer bleibt außen vor?Welche Wertigkeiten entstehen neu?
Geschichte hilft, diese Prozesse einzuordnen – jenseits von Technikbegeisterung oder Kulturpessimismus.
Regionalgeschichte – Westfalen als Brennglas
Westfalen spielt in der Folge Erinnerungskultur und Identität eine besondere Rolle. Nicht als Folklore. Sondern als gesellschaftliches Brennglas.
Ruhrgebiet, Münsterland, Sauerland, Ostwestfalen, Lippe: unterschiedliche Lebenswelten liegen dicht beieinander. Urbane und ländliche Räume. Industriegeschichte und Gegenwart. Migration und Verwurzelung.
Prof. Dr. Malte Thießen nennt Westfalen eine „Wundertüte“. Vielfalt in Verdichtung. Regionalgeschichte erzählt hier Welt im Kleinen. Sie macht sichtbar, wie globale Entwicklungen lokal unterschiedlich gelebt werden – ein Prozess, der oft als Glokalisierung beschrieben wird.
Zugehörigkeit entsteht pragmatisch. Manchmal zeigt sie sich in kleinen Gesten. In Sprache. Im berühmten „Moin-Faktor“.
Zugehörigkeit – leise und veränderlich
Was bedeutet es, dazuzugehören? Wer entscheidet darüber? Und wie wandelbar ist Identität?
Diese Fragen ziehen sich durch das Gespräch. Zugehörigkeit erscheint nicht als starres Konzept, sondern als etwas Alltägliches. Als Beziehung. Als Aushandlung.
Regionalgeschichte bietet dafür einen besonderen Zugang: nah genug, um berührbar zu sein, und weit genug, um gesellschaftliche Linien sichtbar zu machen.
Geschichte als Orientierung
Die Folge „Erinnerungskultur und Identität“ versteht Geschichte nicht als Anleitung und nicht als Sockel. Sie versteht Geschichte als Orientierung.
Als Möglichkeit, Gegenwart einzuordnen, ohne sie festzulegen. Als Einladung, zuzuhören. Und als Chance, Fragen offen zu halten.
Abschluss der Reihe Genau! Westfalen!
Die Folge „Erinnerungskultur und Identität“ ist Teil der Reihe „Genau! Westfalen“ und der Zusammenarbeit LWL x Die Leichtigkeit der Kunst. Sie bildet den Abschluss der Serie und lädt dazu ein, Geschichte als Beziehung zu begreifen – zwischen Menschen, Zeiten, Orten und Erwartungen.
Themen
Erinnerungskultur · Identität · Geschichte und Gegenwart · Pandemie · Digitalisierung · Regionalgeschichte · Zugehörigkeit · Glokalisierung
Weiterhören
Weitere Folgen der Reihe Genau! Westfalen
Gespräche aus der Kategorie LWL x Die Leichtigkeit der Kunst
Neu hier? – Einstieg in den Kunstpodcast
Links & Credits
LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, Münster1250 Jahre WestfalenLWL-Kulturstiftung
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Letzte redaktionelle Überarbeitung: Januar 2026.
Aus dem Podcast Die Leichtigkeit der Kunst x Genau Westfalen im Rahmen von 1250 Jahre Westfalen
Gesprächssituation für den Podcast Die Leichtigkeit der Kunst mit Prof. Dr. Malte Thießen und Claudia Linzel

Dec 12, 2025 • 43min
Birte Bosse und Thomas Rentmeister – Ateliergespräch | 2025
Birte Bosse und Thomas Rentmeister im Kunstpodcast die Leichtigkeit der Kunst
Geplant war ein Gespräch mit dem Künstler Thomas Rentmeister Doch manchmal öffnen sich Räume anders – und lassen tiefer blicken als gedacht.Spontan kommt die Künstlerin Birte Bosse dazu.Und aus einer Begegnung zu zweit wird ein Gespräch zu dritt – ruhig, offen, konzentriert.
Im Atelier
Im Atelier vor den Toren Berlins treffen Zeichnung auf Skulptur, Alltag auf Material, Erinnerung auf Form.
Birte Bosse und Thomas Rentmeister sprechen über künstlerisches Arbeiten, über das feine Gespür für Kritik – und über Nutella, Wäscheständer, Kindheit und räumliche Entscheidungen.Das Gespräch bewegt sich zwischen Berlin und Brandenburg zwischen Reken und Worpswede – zwischen Theorie und Gegenwart, zwischen Nähe und Eigenständigkeit.
Was entsteht, ist ein spannender Dreiklang: beobachten, arbeiten, miteinander sein.
Themen der Folge
– Kennenlernen Throwback in die 00er Jahre– Birte Bosse & Thomas Rentmeister, Günther Uecker & Alfonso Hüppi: Studieren und Lehren
– Beobachtung als künstlerische Praxis– Atelier und Alltag als geteilter Raum– Atelierarbeit als Paar: zwischen Kritik & Vertrauen– Zeichnung, Skulptur und Materialien des Dazwischen– Materialwahl zwischen Nutella und Wäscheständer– Erinnerungen an die Dorfstraße 23 – Ausstellung im Sprengel Museum– Arbeiten und Wohnen – zwischen Berlin und Brandenburg– Unerwartete Nähe und das feine Geschenk eines offenen Gesprächs
Links & Credits
Gäste & Rollen
→ Birte Bosse, Zeichnerin und Bildhauerin→ Thomas Rentmeister, Bildhauer und Professor für Bildhauerei
Galerien→ Galerie Nave → Galerie Tobias Naehring→ Galerie Paulina Caspari
Hören:
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Weitere Gespräche aus Ateliers und mit Künstler:innenWer Lust hat auf mehr Einblicke in künstlerische Prozesse, findet unter folgendem Link weitere Atelier- und Künstler:innengespräche: www.dieleichtigkeitderkunst.de/kuenstler:innen
Ausstellungshinweise
Birte Bosse: Einzelausstellung Butterflies & Black Holes in der Galeria Nave in Lissabon – noch bis zum 19. Dezember 2025.
Thomas Rentmeister: Einzelausstellung Flight Mode in der Galerie Tobias Naehring in Leipzig ab 10. Januar 2026Einzelausstellung in der Galerie Paulina Caspari in München ab September 2026

Dec 9, 2025 • 57min
Geza Schön – Moleküle, Duft und Wahrnehmung - 2025
Geza Schön – Moleküle, Duft und Wahrnehmung im Kunstpodcast die Leichtigkeit der Kunst
Ein Gespräch über das Unsichtbare – bzw. was passiert, wenn Reduktion zur Haltung wird?
Wenn ein Duft nicht auffallen will, sondern mitgeht. Wenn Moleküle nicht überwältigen, sondern andocken. Wenn das, was wir riechen, nicht beschrieben, sondern erlebt werden will.
Diese Folge ist eine Einladung zum Nachdenken über Duft als Wahrnehmungsform. Über Moleküle, Reduktion, Erinnerung. Und über die Kunst, mit sehr wenig sehr viel zu sagen.
Geza SchönParfümeur und Molekularästhet. Gründer von Escentric Molecules, einem Duftkonzept, das auf einem einzigen Molekül basiert. Geza Schön denkt Parfum nicht als Dekoration, sondern als Ausdruck. Seine Kreationen sind direkt, eigensinnig, reduziert. In seinem Atelier in Berlin spricht er über das Zusammenspiel von Idee, Erinnerung und Haut. Seine Düfte entstehen aus Konzept, Materialerfahrung und Instinkt.
Zur Folge
Geza Schön spricht über Kindheitserinnerungen an Duft, die Magie des ersten Riechens, den Umgang mit Willkür in der Parfümwelt – und darüber, warum seine Arbeit immer mit einer Idee beginnt. Die Folge erzählt von Zellen, die tanzen, von Hautwärme, die Moleküle aktiviert, und von Düften, die sich nicht festhalten lassen.
Eine sinnliche Spurensuche zwischen Geruch, Gesellschaft und Gestaltung.
Themen der Folge
Duft als Kunstform · Geruch und Erinnerung · Molekulare Parfümerie · Wahrnehmung und Gesellschaft · Reduktion als Stilmittel · ISO E Super · Sensorische Erlebnisse · Ästhetik des Geruchs · Duft und Psyche · Minimalismus in der Parfümerie
Warum jetzt?
Weil Wahrnehmung nicht laut sein muss. Weil Reduktion nicht Verzicht bedeutet, sondern Konzentration. Weil Duft nicht Trend, sondern Sprache sein kann. Und weil Moleküle manchmal mehr sagen als Kompositionen.
In einer Welt, die überreizt ist, öffnet diese Folge einen leisen Raum für ein sensorisches Nachdenken: Was nehmen wir wahr? Was prägt uns olfaktorisch? Was bedeutet es, einen Duft nicht zu tragen, sondern mit ihm zu leben?
Zitate aus dem Gespräch
„Das mit dem Riechen, das war irgendwie meine eigene kleine Welt.“
„Wenn man was Schlechtes riecht, ist es in der Regel ja schon zu spät. Man hat’s ja gerochen.“
„Wir gewöhnen und wir entwöhnen uns an Gerüche, die uns im Laufe der Zeit so begleiten.“
„Ich habe gerne eine Logik und einen konzeptionellen Anfang in einem Geruch oder einem Duft.“
„Die Zelle fing an zu tanzen.“
„Die Willkür in der Parfümerie, das klappt nicht meiner Ansicht nach.“
„Wir sind sicherlich mit das subtilste gut riechendste, was es im Markt gibt.“
„Wir mögen Düfte, weil wir sie in der Kindheit idealerweise unter guten Umständen erfahren haben.“
„Es gibt eine Korrelation zwischen einem olfaktorischen Empfinden und einem momentanen situativen Moment.“
„Man muss immer neugierig bleiben.“
Weiterhören
Die Folge mit Robert Müller-Grünow zu Duftkonzepten für Marken und Institutionen.
Das Gespräch mit Michael Sailstorfer über „Tears’Trees“ und Duft in seiner Kunst
Alle Folgen zum Thema Kultur, Gesellschaft & Wahrnehmung
Alle Podcastfolgen mit Künstler:innen
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Escentric Molecules
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Letzte redaktionelle Überarbeitung: Januar 2026

Nov 28, 2025 • 1h 14min
Fußball und Identität – Rainer Schütte über Gemeinschaft & Westfalen
Fußball und Identität
Identität zeigt sich oft dort, wo sie nicht erklärt werden muss. In Ritualen. In Wiederholungen. In Orten, die Menschen über Jahre miteinander verbinden. Fußball gehört zu diesen Orten. Als sozialer Raum, als Treffpunkt, als gemeinschaftliche Praxis.
Rainer Schütte
Rainer Schütte war viele Jahre Präsident von Arminia Bielefeld (bis 2025).In dieser Funktion prägte er den Verein durch Kontinuität, Verlässlichkeit und eine langfristig angelegte Führungskultur.
Schütte begleitete Arminia Bielefeld durch sportlich wechselhafte Phasen, strukturelle Umbrüche und einen Generationenwechsel im Verein. Sein Verständnis von Verantwortung war dabei weniger auf kurzfristige Erfolge ausgerichtet als auf Stabilität, Haltung und die Rolle des Vereins als gesellschaftlicher Akteur in der Region.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Folge hat Rainer Schütte sein Präsidentenamt altersbedingt an die nächste Generation übergeben – ein Übergang, der dem Gespräch eine besondere Perspektive verleiht: den Blick zurück auf gelebte Verantwortung und nach vorn auf die Zukunft gemeinschaftlicher Strukturen.
SchücoArena, Bielefeld
Die SchücoArena – vielen noch als „die Alm“ bekannt – ist ein Ort kollektiver Erinnerung. Generationen haben hier erlebt, was Zugehörigkeit bedeuten kann: Nähe, Spannung, Hoffnung und Gemeinschaft über Jahrzehnte hinweg.
Fußball und Identität
Fußball erscheint in diesem Gespräch nicht als Wettbewerb, sondern als kultureller Raum.Als Ort, an dem Gemeinschaft entsteht, Verantwortung sichtbar wird und regionale Identität gelebt wird.
Was hält Menschen über Jahrzehnte an einen Verein gebunden – auch in schwierigen Zeiten?Wie entsteht ein „Wir“, das unabhängig von Erfolg oder Niederlage trägt?
Im Gespräch geht es um Verlässlichkeit, Übergänge zwischen Generationen und um die Rolle von Fußball als gesellschaftlicher Resonanzraum. Westfalen dient dabei als kultureller Rahmen – die Fragen reichen darüber hina
Warum dieses Thema jetzt?
Im Jubiläumsjahr 1250 Jahre Westfalen rücken Fragen nach Herkunft, Zugehörigkeit und regionaler Identität neu in den Blick.
Fußball zeigt, wie solche Bindungen im Alltag gelebt werden: pragmatisch, emotional, dauerhaft. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Fragmentierung wird deutlich, welche Rolle gemeinschaftliche Orte spielen können.
Zur Folge
Das Gespräch mit Rainer Schütte verbindet persönliche Wegmarken mit größeren gesellschaftlichen Linien. Fußball wird hier als Teil von Alltagskultur sichtbar – leise, wirkungsvoll und über den Sport hinaus.
Die Folge führt in die Geschichte Arminias, in persönliche Wegmarken und in Werte, die im Fußball oft leise wirken: Verlässlichkeit, Verantwortung, Gemeinschaft. Gleichzeitig öffnet sie einen Blick auf größere gesellschaftliche Fragen: Welche Rolle spielt Sport für Identität und Zusammenhalt? Wie entsteht Nähe, wenn Erfolge ausbleiben? Und warum bleibt Fußball ein Resonanzraum, der weit über das Spielfeld hinauswirkt.
Diese Episode ist Teil der Reihe Genau! Westfalen und der Zusammenarbeit LWL-Kulturstiftung x Die Leichtigkeit der Kunst.
Themen
Fußball und Identität · Gemeinschaft · Zugehörigkeit · Haltung · Regionale Kultur · Verantwortung · Westfalen · Verein und Alltag
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Weitere Folgen der Reihe Genau! Westfalen
Gespräche aus der Kategorie LWL x Die Leichtigkeit der Kunst
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Arminia BielefeldLWL-Kulturstiftung
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Letzte redaktionelle Überarbeitung: Januar 2026.
Spontane Aufnahme in der Schüco-Arena für den Podcast Die Leichtigkeit der Kunst

Nov 21, 2025 • 1h 5min
New Talents Ruhr – Mentoring und künstlerische Wege im Ruhrgebiet
New Talents
Wo beginnt Talent – und was braucht es, damit es wachsen kann, ohne sich zu verbiegen? Im Ruhrgebiet entsteht mit New Talents Ruhr ein Rahmen, der genau diese Frage ernst nimmt: als Arbeitsrealität, als Verantwortung, als Einladung. Es geht um Anfänge, um das Suchen, um erste Entscheidungen. Und um Begleitung, die nicht drängt, sondern tragfähig wird.
Im Gespräch treffen Perspektiven aufeinander, die sich selten in dieser Form begegnen: Programmarbeit, Mentoringpraxis und die Stimmen junger Teilnehmender. Sophie Charlotte Kirk (Regionalverband Ruhr) spricht über Ziele, Strukturen und Spannungen eines Förderprogramms, das künstlerische Entwicklung ermöglichen will, ohne Identität festzuschreiben. Daniel Bausch teilt seine Sicht als Mentor: Wie entsteht Vertrauen, wenn Begleitung auf Augenhöhe angelegt ist? Alia Brunschier und Selma Hildebrand sprechen über ihren Weg im Programm – über Rollenbilder, Mut zur eigenen Sprache und den Moment, in dem etwas Inneres eine Form im Außen sucht.
New Talents Ruhr im Ruhrgebiet
New Talents Ruhr ist ein Förderprogramm des Regionalverbands Ruhr für junge Künstler:innen ab 16 Jahren. In der Folge wird der Rahmen als mehrjähriger Prozess beschrieben: Entwicklung wird nicht als Sprint verstanden, sondern als Strecke mit Übergängen, Rückfragen und Wiederholungen. Thematisch geht es um künstlerische Felder wie elektronische Musik, Urban Arts, digitale Kunst, Performance und Neuer Zirkus. Die Aufnahme markiert damit auch ein Gegenwartsbild des Ruhrgebiets: eine Region, in der künstlerische Praxis mit Stadt, Biografie, Community und Infrastruktur verwoben ist.
Im Gespräch wird außerdem benannt, dass das Programm im Rahmen von „Neue Künste Ruhr“ gefördert wird und zeitlich als Zyklus angelegt ist, der bis in das Jahr 2026 reicht. Der Fokus liegt dabei weniger auf Selbstdarstellung als auf konkreten Bedingungen: Wer unterstützt wen, an welchen Stellen, mit welchen Spielräumen?
Mentoring als Praxis: Nähe, Verantwortung, Methode
Diese Folge bleibt nah an dem, was Mentoring im Alltag wirklich ausmacht. Daniel Bausch beschreibt Begleitung als Haltung: zuhören, Resonanz geben, Impulse setzen, ohne fremde Ziele überzustülpen. An mehreren Stellen wird spürbar, wie sehr junge künstlerische Wege von Rahmenbedingungen abhängen: Zeit, Orte, Feedback, Zugang zu Technik, Wissen über Abläufe, Möglichkeiten zum Auftreten und Scheitern.
Alia Brunschier und Selma Hildebrand erzählen, wie sich Professionalität anfühlt, wenn sie nicht als „fertig sein“ gedacht wird, sondern als Prozess. Es geht um Selbstvertrauen, um das Ringen mit Erwartungen, um den Blick von außen – und um den Unterschied zwischen Leistung und Entwicklung. Mentoring erscheint hier als Beziehung, die den nächsten Schritt leichter macht, ohne ihn vorzugeben.
Felder, Partner, Räume: wer das Programm trägt
Im Gespräch werden die künstlerischen Kooperationspartner als entscheidender Teil der Struktur beschrieben – mit Leitungen, die aus den jeweiligen Feldern kommen. Genannt werden u. a. die Akademie für Theater und Digitalität, das Theater Dortmund und das Theater im Depot Dortmund für digitale Kunst und Performance. Für Urban Arts wird Pottporus e. V. genannt. Für den Bereich elektronische Musik fällt die Folkwang Universität der Künste (Pop-Institut) als wichtiger Bezugspunkt. Diese Aufzählung macht sichtbar: Förderung ist keine Einzelmaßnahme, sondern ein Netzwerk aus Institutionen, Menschen, Orten und Routinen.
Bühne, Bildschirm, Beats: künstlerische Identität heute
Ein roter Faden der Episode ist die Frage, wie künstlerische Identität heute entsteht – zwischen Präsenz, digitaler Öffentlichkeit und lokalen Szenen. Die Gespräche berühren dabei auch Rollenbilder: Wer wird als „Talent“ gelesen? Wer bekommt Raum? Wer bleibt unsichtbar? Alia Brunschier und Selma Hildebrand sprechen über Arbeitsweisen, über Mut, über das Sprechen in eigenen Formen. Daniel Bausch ergänzt diese Perspektiven aus Mentorensicht: Welche Art von Feedback stärkt, welche Art verengt?
In dieser Folge wird das Ruhrgebiet als Anker erfahrbar – nicht als Etikett, sondern als Realität: Wege sind oft nah, Szenen sind vernetzt, Ressourcen sind begrenzt, Energie ist hoch. New Talents Ruhr wird so zum Beispiel dafür, wie Regionalität künstlerische Entwicklung tragen kann.
Von Kunstcamp Ruhr zu New Talents Ruhr
Im Gespräch wird außerdem die Entwicklungslinie von Kunstcamp Ruhr hin zu New Talents Ruhr angesprochen. Der Übergang steht für einen Perspektivwechsel: weg vom Ereignis, hin zu Begleitung über Zeit. Wer zuhört, bekommt ein konkretes Bild davon, wie Programme wachsen: durch Erfahrung, durch Korrekturen, durch Verantwortung gegenüber den Teilnehmenden.
Themen dieser Folge
New Talents Ruhr · Mentoring · Ruhrgebiet · Nachwuchsförderung · Urban Arts · Elektronische Musik · Digitale Kunst · Performance · Neuer Zirkus · Netzwerke · Rollenbilder · Vertrauen
Gäste
Sophie Charlotte Kirk · Projektmanagement New Talents Ruhr (Regionalverband Ruhr)Daniel Bausch · MentorAlia Brunschier · Teilnehmerin New Talents RuhrSelma Hildebrand · Teilnehmerin New Talents Ruhr
Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West
Diese Episode entstand in Zusammenarbeit mit der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West.Die Stiftung engagiert sich für kulturelle Teilhabe, Bildung und soziale Verantwortung. Sie unterstützt Projekte, die künstlerische Entwicklung ermöglichen, Orientierung geben und gesellschaftliche Zusammenhänge stärken – langfristig, verlässlich und mit Blick auf nachhaltige Strukturen.
Weitere Gespräche aus der Zusammenarbeit mit der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West: Alle Folgen der Zusammenarbeit mit der Sparda-Stiftung
Links & Credits
New Talents Ruhr · Regionalverband Ruhr · Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West · Daniel Bausch
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Anknüpfend
Anknüpfend dazu vertieft eine Podiumsdiskussion zur Förderung von Kunst und Künstler:innen Fragen nach Verantwortung, Struktur und Sichtbarkeit: Podiumsdiskussion zum Thema Förderung von Kunst und Künstler:innen der Stiftung Brandenburger Tor
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Weitere Gespräche zu Kunst, Bildung und gesellschaftlicher Verantwortung finden sich im Bereich: Kultur und Gesellschaft.
Von „New Talents Ruhr“ zu „Holding Pattern“Fragen nach Systemen, Kontrolle und Wahrnehmung werden im Gespräch Holding Pattern im HMKV Dortmund vertieft.
Diese Episode ist als persönliches Gespräch vor Ort entstanden. Letzte redaktionelle Überarbeitung: Februar 2026.


