
Die Leichtigkeit der Kunst - Kunstpodcast Wolfgang Hollegha im Museum Reinhard Ernst | Daniel Hollegha, Dr. Oliver Kornhoff und Lea Schäfer
Wolfgang Hollegha im Museum Reinhard Ernst | Daniel Hollegha, Dr. Oliver Kornhoff und Lea Schäfer
Malerei, Wahrnehmung und die Ausstellung „Denk nicht, schau“
Wann haben wir zuletzt wirklich geschaut?
Nicht schnell. Nicht im Vorbeigehen. Nicht vergleichend. Nicht mit dem schnellen Impuls, sofort zu verstehen. Sondern einfach: geschaut.
In einer Gegenwart, in der Bilder permanent erscheinen und verschwinden, wirkt diese Haltung fast ungewohnt.
Wolfgang Hollegha hat dieser Form der Aufmerksamkeit ein ganzes Leben gewidmet. Seine Bilder entstehen aus Beobachtung, Bewegung und aus einem langen Blick auf die Welt.
Diese Folge von Die Leichtigkeit der Kunst führt zunächst auf den Rechberg in der Steiermark, wo Wolfgang Hollegha seit den frühen 1960er-Jahren lebte und arbeitete. Anschließend geht das Gespräch nach Wiesbaden in das Museum Reinhard Ernst, das dem Künstler mit der Ausstellung „Denk nicht, schau“ seine erste große Einzelausstellung in Deutschland widmet.
Der Rechberg – ein Ort, der die Malerei geprägt hat
Seit 1962 lebte und arbeitete Wolfgang Hollegha auf dem Rechberg nördlich von Graz. Dort ließ er sich ein außergewöhnliches Atelier errichten: ein 14,4 Meter hoher Holzbau, nach eigenen Plänen gebaut und bewusst doppelt so hoch wie das Atelier an der Akademie der bildenden Künste in Wien.
Der Rechberg wurde zum Zentrum seines künstlerischen Lebens. Zwischen Wohnhaus, Winteratelier und Sommeratelier entwickelte sich über Jahrzehnte hinweg eine Malerei, die von genauer Beobachtung ausgeht und sich zugleich immer weiter von der Gegenständlichkeit entfernt.
Im Gespräch erinnert Daniel Hollegha, Sohn des Künstlers, an diese Umgebung und an die Arbeitsweise seines Vaters. Viele Motive begannen mit kleinen Dingen aus der Natur – Ästen, Pflanzen oder einfachen Gegenständen. Hollegha brachte sie ins Atelier, betrachtete sie oft über Wochen oder Monate hinweg und begann erst dann zu zeichnen oder zu malen.
Aus diesen Beobachtungen entstanden keine Abbildungen, sondern großformatige Bildräume aus Farbe, Bewegung und Rhythmus.
Ein Maler zwischen Wien und New York
Wolfgang Hollegha wurde 1929 in Klagenfurt geboren. Von 1947 bis 1954 studierte er an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Josef Dobrowsky und Herbert Boeckl.
1956 gründete er gemeinsam mit Josef Mikl, Markus Prachensky und Arnulf Rainer die Malergruppe St. Stephan, die bald zu einer wichtigen Stimme der österreichischen Nachkriegskunst wurde.
Ende der 1950er-Jahre wurde Hollegha international wahrgenommen. Der US-amerikanische Kunstkritiker Clement Greenberg lud ihn 1960 nach New York ein, wo seine Arbeiten in einer Ausstellung abstrakter Maler gezeigt wurden. Hollegha bewegte sich dort im Umfeld von Künstlerinnen und Künstlern wie Helen Frankenthaler, Morris Louis und Kenneth Noland.
Guggenheim-Preis, Carnegie Prize und documenta
1958 erhielt Wolfgang Hollegha den Guggenheim International Award für Malerei. In dieser Ausgabe wurde er als Vertreter Österreichs ausgezeichnet. Preisträger für andere Länder waren unter anderem Mark Rothko und Alberto Giacometti. Hollegha war damit einer der jüngsten Preisträger dieser international vergebenen Auszeichnung.
1961 folgte der Carnegie Prize in Pittsburgh, einer der bedeutendsten Preise für internationale Malerei.
1964 nahm Hollegha an der documenta 3 in Kassel teil.
Trotz dieser internationalen Anerkennung entschied er sich bewusst gegen eine dauerhafte Karriere in den großen Kunstmetropolen und entwickelte seine Arbeit weiter am Rechberg.
Malerei als Bewegung
Für Hollegha beginnt Malerei mit dem Blick auf das Sichtbare. Doch im Prozess der Arbeit verwandelt sich dieses Sehen.
Der Künstler beschrieb diesen Vorgang so:
„Solange ich die Dinge betrachte, sind sie lebendig. Wenn ich sie nun ganz stur abzeichnen würde, wären sie plötzlich tot. Also schaue ich, dass mein Körper, die Art, die Hand zu bewegen, die Verlagerung der Schwerkraft, die man spürt, dass all das in der Zeichnung erhalten bleibt. Die Spontaneität des Körpers spielt mit.“
Die Bewegung des Körpers, die Veränderung der Balance vor der Leinwand und die Bewegung des Auges im Raum werden Teil des Bildes. Farbe wird dabei häufig gegossen oder geschüttet, nicht klassisch mit dem Pinsel gesetzt.
So entstehen offene Bildräume, in denen Farbe, Struktur und Rhythmus miteinander arbeiten.
Wolfgang Hollegha im Museum Reinhard Ernst
Mit der Ausstellung „Denk nicht, schau“ feiert Wolfgang Hollegha im Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden seine große Deutschlandpremiere.
Der Künstler zählt zu den bedeutenden österreichischen Malern nach 1945 und war bereits um 1960 international erfolgreich. Clement Greenberg sah seine Arbeiten auf Augenhöhe mit wichtigen Positionen des Abstrakten Expressionismus.
Im Gespräch mit Dr. Oliver Kornhoff, Direktor des Museums, und Lea Schäfer, Kuratorin der Ausstellung, wird deutlich, wie sich Holleghas Werk in den Kontext der Sammlung einfügt. Das Museum Reinhard Ernst widmet sich der internationalen abstrakten Kunst nach 1945 und bringt Künstlerinnen und Künstler verschiedener Generationen miteinander in Beziehung.
Die Sammlung ermöglicht damit auch eine Wiederbegegnung mit historischen Weggefährt:innen Holleghas aus der internationalen Abstraktion.
Mehr über Architektur, Sammlung und die Entstehung des Museums ist in der ersten Podcastfolge zum Museum Reinhard Ernst zu hören:
https://dieleichtigkeitderkunst.de/museum-reinhard-ernst-wiesbaden-podcast/
Auch die Ausstellung Helen Frankenthaler moves bildet einen wichtigen Bezugspunkt für das Programm des Hauses:
https://dieleichtigkeitderkunst.de/helen-frankenthaler-museum-reinhard-ernst/
Themen der Folge
– Wolfgang Hollegha und der Rechberg
– Atelierarbeit und Naturbeobachtung
– Guggenheim International Award und Carnegie Prize
– Die Malergruppe St. Stephan
– New York und Clement Greenberg
– Ausstellung „Denk nicht, schau“ im Museum Reinhard Ernst
– Abstraktion und Wahrnehmung
Gäste
Daniel Hollegha
Architekt und Sohn von Wolfgang Hollegha
Dr. Oliver Kornhoff
Direktor, Museum Reinhard Ernst
Lea Schäfer
Kuratorin der Ausstellung Denk nicht, schau, Museum Reinhard Ernst
Links & Credits
Museum Reinhard Ernst
https://www.museum-reinhard-ernst.de
Ausstellung
Denk nicht, schau – Wolfgang Hollegha
Ort
Museum Reinhard Ernst, Wiesbaden
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Diese Episode ist als persönliches Gespräch vor Ort im Februar 2026 in Wolfgang Holleghas Stube am Rechberg in der Steiermark und im März 2026 im Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden entstanden.


