

Archivradio – Geschichte im Original
SWR
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog
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Apr 13, 2020 • 5min
NSDAP schwadroniert über "Lebensraum" | 14.10.1931
Breitscheid unterstützt die Notverordnungen
Der SPD-Abgeordnete Rudolf Breitscheid unterstützt die Notverordnungen der Regierung im Wesentlichen, weil sie sich gegen den Bürgerkrieg und die Auflösung der Demokratie richteten. Er kritisiert aber auch, dass sie zu Lasten der Arbeiterklasse gingen.
Die Tonaufnahme von Breitscheids langer Rede bricht sehr früh ab, nämlich an der Stelle, wo er erklärt, wie sich die Opposition von rechts im Jahr 1931 geändert habe.
Wilhelm Frick spricht von "Lebensraum" und "Kriegsschuldlüge"
Wilhelm Frick von der NSDAP führt in seiner Rede das Wort "Lebensraum" ein, den "Lebensraum für seine bei einer artgemäßen Führung des Reiches sich von selbst ergebende wachsende Volkskraft". Darin steckt bereits der Keim von Hitlers späterer Eroberungs- und Ausrottungspolitik. Frick lehnt alles Kompromisshafte seiner Vorredner ab. Mehrfach nutzt er das Wort der "Kriegsschuldlüge" und spricht der Regierung Brüning das Misstrauen aus. Die Notverordnungen nennt er "Terrormaßnahmen". Wenig später, kurz vor Ende seiner Rede, ist der Mitschnitt dieses Teils der Sitzung zu Ende. Wir hören insbesondere nicht, wie nach dem stürmischen Beifall der NSDAP-Fraktion diese – wie schon mehrfach zuvor – unter "Heil Hitler!"-Rufen den Saal verlässt.
Reichsfinanzminister verteidigt die Unterstützung deutscher Großbanken
Es folgen Ausschnitte aus den Reden von Ernst Oberfohren (DNVP), Josef Joos (Zentrum) und des Reichsfinanzministers Hermann Dietrich. Dietrich verteidigt die Unterstützung der deutschen Großbanken durch die Regierung und nimmt dann Stellung zu dem ehemaligen Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht. Schacht hatte in einer außerparlamentarischen Rede in Bad Harzburg drei Tage zuvor vom Bankrott der Weimarer Republik gesprochen. Seine Rede war von der Telegraphen-Union in einer entschärften Version verbreitet worden, was der Regierung wiederum den Vorwurf einbrachte, es mit der Wahrheit nicht so ernst zu nehmen. Die Rechtfertigung ist nicht im Audio-Material enthalten.
Die Redner:
Rudolf Breitscheid (SPD)Wilhelm Frick (NSDAP)Ernst Oberfohren (DNVP)Josef Joos (Zentrum)Hermann Dietrich (Reichsfinanzminister, DDP)
5. Wahlperiode. 1931/32

Apr 13, 2020 • 19min
Reichsinnenminister Joseph Wirth bestreitet "Bürgerkrieg" und problematisiert die Rundfunkfreiheit | 5.3.1931
Die Kommunisten wenden ein, die Regierung habe den Bürgerkrieg selbst begonnen, nämlich einen Krieg gegen das Proletariat. Wirth antwortet: "Die Faschingszeit liegt schon hinter uns." Er spricht über das Vorbild des englischen Wahlrechts, aber auch dort gäbe es Probleme. Er meint, der Auszug von 153 NSDAP-Abgeordneten würde noch keine Parlamentskrise auslösen.
Der Innenminister spricht auch den Rundfunk an. Solle man ihn als politisches Instrument einsetzen? Wenn ja, würde er, Wirth, die Zensur am liebsten selbst in der Hand haben:
Meine Herren, am Rundfunk werden heute, und zwar nicht erst seit meiner Amtsführung, sondern lange vorher, auch unter konservativen Ministern, politischen Weltanschauungsgruppen Möglichkeiten gegeben, an Feiertagen, sei es an christlichen Feiertagen oder an anderen Feierstunden, weltanschauungsgemäß den Rundfunk zu benutzen. Das erfordert großen Takt, und mehr als einmal sind hier Schwierigkeiten entstanden. Die Handhabung war aber – ich darf das betonen –, soweit ich jetzt zurückblicken kann, es ist bald ein Jahr, eine sehr liberale. Wir haben den Herren der Augsburger Konfession die Möglichkeit gegeben, zum ganzen deutschen Volke zu sprechen. Wir haben linksgerichteten Gruppen die Möglichkeit gegeben, auch Feiern geschlossener Art vorzutragen.
Quelle: Reichsinnenminister Joseph Wirth (Deutsche Zentrumspartei)
Hier ist der Mitschnitt zu Ende. Im stenografischen Protokoll führt Wirth noch weiter aus, dass in den Rundfunkreden "der Geist der Toleranz" Voraussetzung für eine Sendegenehmigung sei.
Redner
Joseph Wirth (Reichsinnenminister, Deutsche Zentrumspartei)
5. Wahlperiode. 1931/32

Apr 13, 2020 • 13min
Reichsaußenminister Julius Curtius beklagt erdrückende Reparationsleistungen | 10.2.1931
Julius Curtius berichtet von der Tagung des Völkerbunds in Genf. Deutschland sei dort "national", also selbstbewusst aufgetreten – auch wenn die Reparationsleistungen erdrückend seien.
Nicht im O-Ton vorhanden ist diese wichtige Passage: Der am Vortag zusammen mit seiner NSDAP-Fraktion unter Protest ausgetretene Abgeordnete Franz Stöhr wiederholt zu Beginn der Sitzung seine Ablehnung des Parlaments, weil die Regierung sich den Reparationsleistungen beuge:
Das Volk will, dass dem Tributwahnsinn ein Ende gemacht wird. Es hat es satt, Opfer über Opfer zu bringen, ohne ein Ziel dafür zu sehen. Es fordert stürmischer und stürmischer, dass Abrechnung gehalten wird mit der zwölfjährigen Bankrottpolitik, wie sie seit 1918 in Deutschland betrieben wurde. Wir werden uns diesem Willen des Volkes nicht entziehen. Und da er in diesem Hause des organisierten Verfassungsbruches nicht mehr mit Mitteln des parlamentarischen Kampfes durchgesetzt werden kann, werden wir den Tributreichstag verlassen und im Kampf um die Seele des Volkes die Sache der Nation zu unserer Sache machen. Dieser Reichstag ist aufzulösen, da er nicht mehr dem Willen des deutschen Volkes entspricht. Die nationalsozialistische Fraktion ruft den breiten arbeitenden Massen des deutschen Volkes zu: Nicht verzweifeln, kampfentschlossen her zu uns!
Quelle: Franz Stöhr (NSDAP)
Rede von Reichsaußenminister Julius Curtius (DVP) findet Zustimmung
Der eigentliche Ton-Mitschnitt beginnt später, vermutlich am Nachmittag. Reichsaußenminister Julius Curtius war gerade von der Tagung des Völkerbunds in Genf zurückgekehrt und spricht vom "nationalen", also selbstbewussten Auftreten Deutschlands in der Völkergemeinschaft, auch wenn die Reparationsleistungen erdrückend seien. Die Rede ist ausschließlich von Zustimmung begleitet. Die NSDAP-Fraktion hatte den Saal wieder aus Protest verlassen.
Akustisch nicht überliefert ist die folgende Passage, die auf die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen ein schlechtes Licht wirft. Der Reichsminister des Äußeren nannte das die "Probleme an der Ostgrenze":
Im Mittelpunkt der Tagung des Völkerbundrats stand die Behandlung der polnischen Gewalttaten gegen die deutschen Minderheiten in Oberschlesien sowie in Posen-Pommerellen. Es war das erste Mal, dass eine Ratsmacht von sich aus von der Befugnis Gebrauch machte, die Aufmerksamkeit des Völkerbundrats auf eine Verletzung derMinderheitenschutzbestimmungen zu lenken. Die Terrorakte waren besonders schwerwiegend. Sie erhielten ihr Gepräge durch Duldung und Förderung seitens amtlicher Stellen.
Quelle: Julius Curtius (DVP)
Redner
Julius Curtius (Reichsaußenminister)
5. Wahlperiode. 1931/32

Apr 13, 2020 • 6min
Die NSDAP droht und verlässt das Parlament | 9.2.1931
Nach der 18. Sitzung am Freitag folgte am Sonnabend, den 7. Februar 1931, die 19. Sie endete mit einer Abstimmung über einen Misstrauensantrag und ist nicht im Originalton überliefert.
Am Montag darauf sind gleich zwei Sitzungen verzeichnet, nämlich die 20. und 21. Zur Vorlage steht Antrag 698, dem zu Folge "Finanzvorlagen ohne Beratung dem Haushaltsausschuss überwiesen [werden], wenn nicht die Reichsregierung einer abweichenden Behandlung zustimmt." Besonders turbulente Passagen der Debatte sind akustisch in Ausschnitten überliefert.
Rede des NSDAP-Gegners Johannes Bell wird ausgeblendet
Der Reichstagspräsident versucht vergeblich, die Abgeordneten zurück auf ihre Sitze zu rufen und Ruhe einkehren zu lassen. Dann spricht der Zentrumsabgeordnete Johannes Bell. Bell hatte 12 Jahre zuvor den Versailler Kapitulationsvertrag mit unterschrieben und deswegen scharfe Gegner bei den Nationalsozialisten. Die Rede wurde im Originalmitschnitt ausgeblendet.
Nationalsozialisten singen das Horst-Wessel-Lied und verlassen den Saal
Es folgt der Nationalsozialist Franz Stöhr. Er warnt die "Weltöffentlichkeit", dieses Parlament noch ernst zu nehmen und droht den Vertretern des Zentrums wörtlich: "Es kommt der Tag, und er kommt sehr bald, an dem Ihnen für Ihr schamloses Verhalten die Quittung ausgestellt werden wird, die Sie verdienen! Wir verlassen zum Protest gegen Ihre Handlungsweise den Saal." Während die von Stöhr geführten Abgeordneten aufstehen, rufen sie "Heil!" und singen die NS-Hymne, das Horst-Wessel-Lied. Die kommunistische Fraktion fängt dann auch an zu skandieren, nämlich "Prolet erwache!"
Die Redner:
Hans Bell (Zentrum)Paul Löbe (Reichstagspräsident)Franz Stöhr (NSDAP)Walter Stoecker (KPD)Thomas Esser (Vizepräsident)

Apr 13, 2020 • 14min
Tumulte und Streit um "Katholikenhetze" | 6.2.1931
Der Zentrums-Abgeordnete Josef Joos greift den Domprediger Bruno Doehring von der Deutschnationalen Volkspartei an, weil er gegen Katholiken hetze und der Zentrumspartei Linkslastigkeit vorwerfe.
Nach Tumulten und dem Ausschluss mehrerer Abgeordneter durch Reichstagspräsident Paul Löbe (SPD) fährt Josef Joos mit einem Plädoyer für Gewaltlosigkeit fort. Er fordert eine politische Kultur, die keine "Zerstörungsinstinkte" beim Mob auf der Straße wecke, sondern ihre Arbeit tue.
Redner
Josef Joos (Zentrum)Paul Löbe (Reichstagspräsident, SPD)
5. Wahlperiode. 1931/32

Apr 13, 2020 • 31min
Haushalt des Deutschen Reichs wird verhandelt | 5.2.1931
Aus dieser Wahlperiode sind Tonaufzeichnungen von 18 Sitzungen erhalten: Keine ist komplett, sie alle enthalten aber entscheidende Momente des jeweiligen Tages. Die erst Aufnahme stammt von der 17. Sitzung vom 5. Februar 1931, einem Donnerstag.
Reichskanzler Brüning über die Landwirtschaft im Osten des Reichs
Der Haushalt des Deutschen Reichs wird verhandelt. Der Zentrums-Abgeordnete und Reichskanzler Heinrich Brüning hält ein "Ermächtigungsgesetz" (nicht zu verwechseln mit dem Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten zwei Jahre später) für nötig, um den Haushalt mit seinen drastischen Sparmaßnahmen zu verabschieden. Er geht in seiner mehrfach von Kommunisten und Nationalsozialisten unterbrochenen Rede insbesondere auf die darniederliegende Landwirtschaft im Osten des Reichs ein und pocht darauf, die Reparaturleistungen an die Siegermächte des Ersten Weltkriegs zu begleichen.
Der NSDAP-Abgeordnete Joseph Goebbels, später Hitlers Propagandaminister, wirft dem Brüning-Kabinett Versagen auf der ganzen Linie vor. Zwei Jahre später ist die Demokratie abgeschafft.
Die Redner
Paul Löbe (Reichstagspräsident)Heinrich Brüning (Reichskanzler)Franz Stöhr (NSDAP)Joseph Goebbels (NSDAP)

Mar 6, 2020 • 4min
Gustav Heinemann ruft zur Mäßigung auf | 14.4.1968
Drei Tage nach dem Anschlag auf Rudi Dutschke und den anschließenden Ausschreitungen hält Bundesjustizminister Gustav Heinemann eine Ansprache in der Tagesschau. Darin ruft er alle Seiten zur Mäßigung auf. Auch die Politik müsse sich fragen, ob sie nicht Fehler gemacht habe.

Mar 6, 2020 • 4min
DDR-Nachrichten über Anschlag auf Rudi Dutschke | 12.4.1968
Auch der DDR-Rundfunk berichtet über den Anschlag auf Rudi-Dutschke und die anschließenden Ausschreitungen. Hier die 18-Uhr-Ausgabe der DDR-Nachrichten am Tag nach dem Anschlag. Typisch für den DDR-Rundfunk – und für westliche Ohren ungewohnt – sind die oft wertenden Formulierungen in Nachrichtensendungen:
"Tausende von Westberlinern demonstrieren zur Stunde gegen den heimtückischen Mordanschlag auf den führenden SDS-Funktionär Rudi Dutschke. Auf mitgeführten Transparenten werden der Rücktritt des Schütz-Senats, die Enteignung des Springerkonzerns sowie die Bildung einer antifaschistischen Einheitsfront gefordert.
Auf dem Kurfürstendamm versuchten die unter dem direkten Kommando des SS-Verbrechers Werner stehenden und in höchster Alarmbereitschaft versetzten Polizeibüttel unter brutalem Einsatz von Schlagstöcken, Rauchbomben, Reiterstaffeln und Wasserwerfern die Demonstranten auseinander zu treiben. Unter dem Gesang der Internationale gelang es schließlich, den empörten Bürgern die dicht gestaffelten Polizeiketten zu durchbrechen und sich erneut zu einem Protestzug zu vereinigen.. "

Mar 6, 2020 • 2min
Umfrage nach Attentat auf Dutschke | 12.04.1968
Am Tag nach dem Attentat auf Rudi Dutschke erfolgt eine Umfrage in der Berliner Bevölkerung.
"Ich bin sehr erschüttert darüber, dass es das bei uns in Deutschland und überhaupt gibt, dass wenn jemand sich außerhalb der normalen Grenzen bewegt, dass der dann einfach irgendwie beseitigt wird."

Mar 6, 2020 • 1min
Attentat auf Rudi Dutschke – Live-Reportage vom Tatort | 11.4.1968
Vor dem Büro des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) am West-Berliner Kurfürstendamm schießt der junge rechtsextreme Hilfsarbeiter Josef Bachmann dreimal auf Rudi Dutschke. Ein Reporter schildert die Situation.


