

Archivradio – Geschichte im Original
SWR
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog
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Mentioned books

Sep 22, 2021 • 9min
Rechtsextreme Gewalt in Hoyerswerda | 22.9.1991
Bericht über die Ausschreitungen am 22. September 1991
In der sächsischen Kreisstadt Hoyerswerda werden am 17. September 1991 auf dem Markt vietnamesische Händler angegriffen. Das ist der Anfang von fünf Tagen mit rechtsextremen Ausschreitungen in der Stadt.
Neonazis werfen Brandsätze auf ein Asylbewerberheim, hunderte Anwohnerinnen und Anwohner, darunter auch Familien mit ihren Kindern, applaudieren, die Polizei kapituliert.
Später geben örtliche Behörden und Politiker den vietnamesischen und mosambikanischen Arbeitern die Schuld an der Gewalt. Sie hätten ihre Wohnheime vermüllt und im Einkaufszentrum gestohlen.
Die Ereignisse in Hoyerswerda werden Vorbild für Neonazis in weiteren Städten, wie Eisenhüttenstadt oder Rostock-Lichtenhagen, wo es in der Folge zu ähnlichen Ausschreitungen kommt.
Quelle: DRA / 2029622
Bundestagsdebatte am 25. September 1991 über die Ausschreitungen
Am 25. September 1991 diskutiert der Bundestag über die Ausschreitungen in Hoyerswerda. Es geht um die Asylpolitik und Ausländerfeindlichkeit in der frisch vereinigten Bundesrepublik, aber auch schon zu diesem Zeitpunkt um mögliche Versäumnisse bei der deutschen Wiedervereinigung.
Unter den Rednern Wolfgang Schäuble von der CDU und die FDP-Politikerin Cornelia Schmalz-Jacobsen.
Quelle: DRA / 201333

Sep 17, 2021 • 17min
Die Rolle der Ärzte in den Gaskammern | 8.10.1964 | Frankfurter Auschwitzprozess
Ehemaliger Häftling berichtet: Ärzte waren bei den Vergasungen dabei
In diesem Ausschnitt vom 8. Oktober 1964 erzählt der ehemalige Auschwitz-Häftling Filip Müller von seinen Beobachtungen. Er schildert, wie Ärzte im Umfeld der Gaskammern und Verbrennungsöfen agierten.
Der Richter fragt: „Waren Ärzte bei der Vergasung dabei?“ – „Ja.“ – „Trugen sie Gasmasken?“ Der Slowake Müller, übersetzt von seinem Dolmetscher, berichtet, dass sich die Ärzte die Masken allenfalls manchmal beim Öffnen der Gaskammer aufsetzten, um hineinzusehen und zu prüfen, ob alle tot waren. Der Richter will wissen, ob Zahnärzte den Toten die Zähne herauszogen. Müller verneint: Diese Arbeit hätten Häftlinge, nicht Zahnärzte erledigt.
Er befand sich in Block 13, als zwei neue Häftlinge ankamen, der eine davon ein Zahntechniker aus der Slowakei. Die beiden rückten am nächsten Tag ins Krematorium I und II aus, Müller folgte ihnen einige Stunden später und beobachtete, wie sie in einen leeren Raum ein Bett und einen Schrank trugen. Er erläutert den Zusammenhang nicht; möglicherweise war der Raum dafür vorgesehen, das Zahngold herauszulösen. Denn Filip Müller erzählt weiter, einige Tage später sei ein Auto vom Roten Kreuz in einen Teil des Krematoriums II hineingefahren, ein SS-Offizier stieg aus. Er forderte ihn auf, einiges aus dem Auto auszuladen: einige Schamottringe, Behälter mit Alkohol/Benzin, weißes Pulver. In einer Flasche war eine Säure. Außerdem gab es einen Koffer mit Pinzetten und anderen Instrumenten. Anschließend musste er den Raum verlassen.
Otto Molls Verbrechen an Kindern
Der Richter fragt, ob Müller beobachtet hätte, dass häufig Kinder nach dem Vergasen bewusstlos aus den Kammern gezogen wurden und das Herz noch schlug. Müller bestätigt das: Das wurde gemeldet, die Kinder wurden anschließend erschossen. „Gab es andere Arten, Kinder zu töten?“ fragt der Richter. „Soll ich das wirklich schildern?“ Und Müller berichtet von 1944: Der Leiter der Verbrennungsanlage Otto Moll sei ein Mensch, der häufig Kinder von Müttern wegnahm. Vor Krematorium IV habe es zwei große Gruben mit dem kochenden Fett der Verbrannten gegeben, in die er die Kinder dann lebend hineinwarf. Anschließend ging Moll zu seinem Kalfaktor (Diener) und sagte: „Es ist möglich, mich satt zu essen; meine Pflicht habe ich erfüllt.“
Zeuge Filip Müller schildert weitere Grausamkeiten
Ebenfalls 1944 traf Filip Müller auf zwei neu angekommene ungarische Häftlinge, von Beruf Patholgen, einer davon Dr. Miklos Nyiszli. Die beiden hatten schon mehrere medizinische Experimente unternommen, offenbar von Josef Mengele, dem Lagerarzt, angeleitet. Am Krematorium IV beobachtete Müller, wie die beiden Pathologen zusammen mit einem weiteren Häftling einen buckligen Mann in ein Fass drückten und mit Säuren und Salzen übergossen, „um sein Skelett zu gewinnen“. Außerdem habe er beobachtet, wie zwei SS-Leute auf dem Motorrad mit Beiwagen von Erschossenen Schenkelfleisch herausschnitten, in Eimern taten und damit wegfuhren.
Quelle: Fritz-Bauer-Institut

Sep 12, 2021 • 8min
Afghanistan-Krieg beginnt durch Angriffe von USA und Großbritannien | 7.10.2001
Osama bin Laden meldet sich zu Wort
Am 7. Oktober 2001 greifen die USA zusammen mit Großbritannien Afghanistan an. Die Nachrichten fassen die ersten Reaktionen zusammen. Kurz darauf meldet sich al-Qaida-Anführer Osama bin Laden mit einem Video und droht den USA.
Gerhard Schröder deutet Bundeswehr-Engagement in Afghanistan an
In einem weiteren Bericht deutet Bundeskanzler Gerhard Schröder an, dass sich auch die Bundeswehr im weiteren Verlauf in Afghanistan engagieren wird.

Sep 12, 2021 • 6min
USA fordern Bundeswehr-Hilfe in Afghanistan | 6.11.2001
USA starten "Krieg gegen den Terror"
Als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 greifen die USA wenige Wochen später im Oktober Stellungen der Taliban in Afghanistan an. Es ist der Beginn des sogenannten "Krieg gegen den Terror". Und für den fordert die US-amerikanische Regierung internationale Unterstützung an – unter anderem von Deutschland.
Der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder (SPD) beschert diese Bitte eine Regierungskrise. Einige Abgeordnete vor allem der Grünen sind gegen einen Militäreinsatz der Bundeswehr in Afghanistan und wollen sich bei einer Abstimmung im Bundestag verweigern. In den folgenden Wochen wird auf politischer Ebene hitzig über das Für und Wider des Einsatzes diskutiert.
Bundeskanzler Gerhard Schröder macht am 6. November 2001 die Bitte der US-Regierung öffentlich und erinnert an sein Versprechen, stets zu den USA zu stehen.
Gerhard Schröder stellt die Vertrauensfrage
Bundeskanzler Gerhard Schröder knüpft die Frage, ob sich Deutschland an der US-Operation "Enduring Freedom" in Afghanistan beteiligen soll, an die Vertrauensfrage. Am 16. November 2001 erhält er im Parlament eine knappe Mehrheit der Stimmen.
Einige Wochen später, am 22. Dezember 2001, beschließt der Bundestag, dass sich deutsche Truppen außerdem beteiligen sollen an der ISAF Friedensmission der Vereinten Nationen in Afghanistan. Dafür bekommt die Regierung eine deutliche Koalitionsmehrheit.
Quelle: SWR1 Tagesthema

Aug 31, 2021 • 6min
Greenpeace – die "Regenbogenkämpfer" | 12.4.1984
Protestaktion auf der Wesermündung gegen Dünnsäureverklappung
Im Jugendmagazins "Point" des Süddeutschen Rundfunks vom 12. April 1984 berichtet die Reporterin Ursula Barthold von der spektakulären Greenpeace-Aktion. Sie fand im Februar 1984 statt und richtete sich gegen die Dünnsäureverklappung des Chemieunternehmens Kronos Titan.
Jeden Tag, so die Reporterin, ließen die Tanker von Kronos Titan 1.200 Tonnen Abfall aus der Titandioxid-Produktion in die Weser ab. Nordseefischer berichten von deformierten Schollen und epidemieartigen Krankheiten. Gemeinsam mit Greenpeace übten sie nun Protest. Die Umweltorganisation, so die Reporterin, manage die Aktion fast perfekt: Ein Pressekontakter stehe jederzeit zur Verfügung, Greenpeace-Schlauchboote flitzten, mit Walkie-Talkies ausgerüstet, auf der Weser zwischen den Kuttern umher und koordinierten die Aktion.
Verklappungsgenehmigung nur für ein Jahr verlängert
Ingrid Jütting, Greenpeace-Koordinatorin für Chemie und Nordsee aus dem Hamburger Hauptquartier, erläuterte die Ziele der Aktion über Bordlautsprecher:
"Wir fordern eine sofortige Verlegung des Verklappungsgebietes, weil das bisherige Verklappungsgebiet eine weitere Belastung nicht mehr aushalten kann. Der Nordsee geht der Atem aus. Und es ist höchste Zeit, dass das Verklappungsgebiet wenigstens aus diesem Gebiet weggezogen wird. Wir würden uns einverstanden erklären mit einer übergangsweisen – übergangsweisen – Verlagerung des Gebietes in den Atlantik hinein. Wir fordern weiterhin, dass die Recyclinganlage, deren technisches Know-how kein Problem mehr darstellt, sofort gebaut wird.”
Greenpeace, so die Reporterin, beendete die Aktion, nachdem Mitarbeiter von Kronos Titan darum gebeten hätten. Sie fürchteten um ihre Arbeitsplätze, das Unternehmen habe Kurzarbeit angekündigt. Die Umweltschützer hätten jedoch einen Teilsieg errungen: Die Verklappungsgenehmigung sei nur für ein weiteres Jahr verlängert worden. Nicht, wie geplant, für zwei.
Greenpeace: weltweit bekannteste Umweltorganisation
Greenpeace ist bis heute die weltweit bekannteste Umweltorganisation. Sie war zwar nicht die erste, aber diejenige, die am besten wusste, wie man Aufmerksamkeit erregt. Die spektakulärsten Schlachten hat Greenpeace auf dem Meer ausgetragen, wo sich die Aktivisten in den 1980ern mit Schlauchbooten in gefährlichen Manövern den Walfangbooten in den Weg stellen oder, wie hier im Audio, den Schiffen der Firma „Kronos Titan“. Die kippte damals noch regelmäßig giftige verdünnte Schwefelsäure, sogenannte Dünnsäure, ins Meer. Nicht zuletzt zum Ärger der Nordsee-Fischer, die sich damals mit Greenpeace solidarisierten.
Quelle: Süddeutscher Rundfunk. Sendung: Point. Moderation: Stefan Siller. Erstausstrahlung: 12. April 1984

Aug 19, 2021 • 4min
Saigon wird evakuiert: Das Ende des Vietnamkriegs | 29.4.1975
Vietcong nehmen die südvietnamesische Hauptstadt Saigon ein
Am 29. April 1975 nehmen die kommunistischen Vietcong die südvietnamesische Hauptstadt Saigon ein. Damit endet der Vietnamkrieg nach fast zwei Jahrzehnten, in denen mehr Bomben fallen als im Zweiten Weltkrieg und schätzungsweise zwei bis vier Millionen Menschen sterben.
Evakuierung per Hubschrauber: "Operation Frequent Wind"
Nach der Kapitulation von Südvietnam bricht in den letzten Apriltagen 1975 in Saigon Panik aus. Tausende wollen vor den kommunistischen Truppen fliehen. Bilder zeigen Menschen, die verzweifelt versuchen, in einen US-Hubschrauber zu gelangen und von Marines zurückgestoßen werden. Die Evakuierung von Saigon geht als „Operation Frequent Wind“ in die Geschichte ein.
Die letzten Tage der bis dahin größten militärischen Niederlage der USA erlebt der Korrespondent Dietrich Mummendey vor Ort. Hier sein letzter Bericht aus Saigon vom 29. April 1975.

Aug 15, 2021 • 19min
Intendanten von SDR und SWF schlagen gemeinsamen Sender vor | Hermann Fünfgeld und Peter Voß | 15.8.1996
Rundfunklandschaft im Südwesten: von Nachkriegszeit geprägt
Bis in die 1990er-Jahre hinein wird die Rundfunklandschaft in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz von der Nachkriegs-Logik der Besatzungszonen geprägt. Es gibt den Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart, der für die nördliche Hälfte Baden-Württembergs zuständig ist, und den Südwestfunk, der für das südliche Baden-Württemberg einerseits und Rheinland-Pfalz andererseits sendet, und der seinen Sitz in Baden-Baden hat – fern jeder Großstadt. Aber in Baden-Baden ist nun mal das Hauptquartier der französischen Besatzungsstreitkräfte.
Diskussion über Alternativen
Dass sich das überholt hat, darüber sind sich in den 1990er-Jahren alle einig. Allerdings nicht darüber, wie eine Alternative aussehen soll, der beide Bundesländer zustimmen können. Verschiedene Modelle werden immer wieder diskutiert von einem reinen Landessender in Baden-Württemberg bis hin zu einem Großsender, der dann auch den Saarländischen Rundfunk mit übernehmen würde.
Hermann Fünfgeld und Peter Voß machen gemeinsamen Vorschlag
Am 15. August 1996, ein paar Monate nach den letzten Landtagswahlen, machen schließlich die Intendanten von SDR und SWF, Hermann Fünfgeld und Peter Voß, einen gemeinsamen Vorschlag, der in den Grundzügen später auch umgesetzt wird, als beide Länder 1998 zum Südwestrundfunk (SWR) fusionieren, wobei SDR-Intendant Fünfgeld 1996 noch nicht den Begriff "Fusion" verwenden will.

Aug 11, 2021 • 44min
Der Mauerbau 1961 – Eskalation im Kalten Krieg | Archivradio-Gespräch
Um Mitternacht wird die Sektorengrenze abgeriegelt. Reporter berichten schon in den frühen Morgenstunden von den Bauarbeiten. Mit Betonpfählen und Stacheldraht beginnt der Bau der Berliner Mauer. Zu hören: Aufnahmen aus Ost und West.
Gábor Paál im Gespräch mit Dr. Stefan Wolle, DDR-Museum Berlin (SWR 2021)
Manuskript und mehr zur Sendung: http://swr.li/mauerbau
Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de
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Aug 6, 2021 • 4min
Walter Ulbricht im Gespräch mit Arbeitern und Soldaten | 14.8.1961
Am Tag nach Beginn des Mauerbaus begleitet das DDR-Fernsehen Walter Ulbricht, wie er sich in Ostberlin unters Volk mischt und mit Arbeitern und Soldaten spricht – vorbereitet durch eine überschwängliche Anmoderation.

Aug 6, 2021 • 2min
Propagandamusik zum Mauerbau: "Unser schönes Berlin wird sauber sein" | 14.8.1961
Zur DDR-Propaganda gehörte auch Musik. Einen Tag nach Abriegelung der Sektorengrenze in Berlin sendet Radio DDR am 14. August 1961 einige Lieder, die die Maßnahmen der Regierung als Befreiung und Säuberung Berlins glorifizieren.
Den Anfang macht das Stück des Komponisten Walter Kubiczeck. Der Text stammt von Eberhard Fensch. Laut der Ansage im Radio wurden dieses und andere Stücke angeblich innerhalb weniger Stunden geschrieben.
Im Lied ist von den „Kalten Kriegern am Rhein“ die Rede. Dies spielt auf einen Vorwurf an, der in der DDR immer zu hören war, dass es in Bonn Pläne gäbe, die DDR zu annektieren und schließlich die Grenzen von 1939 wieder herzustellen.
Liedtext
Unser schönes Berlin wird sauber sein, denn wir haben den kalten Kriegern am Rhein ihre Menschenfalle verriegelt und mit rotem Wachs versiegelt.
Ja, ja der helle Berliner sagt prima, was reinigt so dufte das Klima?Es ziehen jetzt Ruhe und Frieden ein, und sauber, ja sauber wird unsre Hauptstadt sein.
Und nun zieht das Agentengelichter dort in Schöneberg lange Gesichter. Und es jammern die Schwindelkursdrohnen, nun will das Geschäft nicht mehr lohnen.
Ja, ja der helle Berliner sagt prima, das reinigt so dufte das Klima. Es ziehen jetzt Ruhe und Frieden ein, und sauber, ja sauber wird unsre Hauptstadt sein.


