Archivradio – Geschichte im Original

SWR
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Sep 4, 2022 • 38min

Charles de Gaulle in Bonn – Erster französischer Staatsbesuch im 20. Jahrhundert | 4. bis 5.9.1962

Deutsch-französische Gipfeltreffen – heute eine Selbstverständlichkeit, doch 1962 eine Sensation. Jahrhundertelang hatte kein französisches Staatsoberhaupt Deutschland besucht. Auch Präsident Charles de Gaulle lässt sich nach seinem Amtsantritt drei Jahre Zeit – zu groß sind das Misstrauen und die Befindlichkeiten in weiten Teilen der französischen Bevölkerung. Doch als er dann kommt, im September 1962, nimmt er sich Zeit: Fast eine Woche dauert seine Tour durch die Bundesrepublik. Sieben Städte in sechs Tagen. Entsprechend groß wird das Ereignis gefeiert. Charles de Gaulle spricht Deutsch Im zweiten Teil des Audios, etwa ab Minute 26, hören wir de Gaulles Rede in deutscher Sprache im Bonner Hofgarten. Doch die Berichterstattung beginnt schon mit seiner Ankunft am Köln-Bonner Flughafen und dem Empfang durch Bundespräsident Heinrich Lübke. Alles live im Radio übertragen und kommentiert. Wo immer Charles de Gaulle hinkommt, sind die Plätze voll, so auch im Bonner Hofgarten am 5.9., dem ersten Tag nach der Ankunft. De Gaulle spricht Deutsch – und das frei, ohne Notizen. Im Bild: Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer in Bonn
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Sep 3, 2022 • 4min

Aktion 100.000 – Südwestfunkhörer helfen Vietnamflüchtlingen | 3.9.1979

Ende der 1970er-Jahre besteht in der deutschen Gesellschaft eine große Hilfsbereitschaft gegenüber den sogenannten "Boat People": Tausende spenden Geld, einige Familien nehmen sogar vietnamesische Flüchtlinge bei sich auf. Hilfsschiff "Flora" unterstützt Rettung im Südchinesischen Meer In einem pathetischen Aufruf bittet der Südwestfunk darum, für Vietnamflüchtlinge zu spenden. Die Spenden werden u. a. dafür verwendet, das Hilfsschiff "Flora" des Roten Kreuzes mit "Hilfsgütern aller Art" auszustatten. Die "Flora" soll die vietnamesischen Flüchtlinge im südchinesischen Meer versorgen. An Bord des Schiffs befindet sich beispielsweise eine komplette Intensivstation, die durch die Spenden der Aktion 100.000 finanziert wurde. Walter Bargatzky, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, bedankt sich bei den Hörern für die Spenden.
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Sep 1, 2022 • 54min

DDR-Polizeifunk während Montags-Demonstration | Spätsommer 1989

Weil das Band undatiert ist, können die Archivarinnen der BStU nur anhand des relativ selbstsicheren, rüden Tons der Einsatzkräfte vermuten, dass es sich um eine der ersten Demonstrationen in Leipzig handelt, nicht jedoch um die erste. Denn den Funkdialogen nach zu urteilen, ist den Einsatzkräften die Lage auch nicht völlig neu. "Knüppel frei!" Vermutlich fand dieser Einsatz also an einem Montagnachmittag im September 1989 statt. Außer dem Befehl „Knüppel frei“ sind keine weiteren konkreten Übergriffstaktiken zu vernehmen, es ist auch nie von Festnahmen oder Eskalation die Rede. Trotz seiner Emotionalität hat es den Anschein, als ginge dieser Einsatz glimpflich, fast berührungslos vonstatten. Das Band zeigt die Dynamik einer Demonstration aus Sicht der Polizeikräfte. Die Demonstranten sind zwar nur in einigen wenigen Sprechfunkdurchsagen aus dem Hintergrund zu hören, aber indirekt stets präsent. Der Einsatzleiter gibt den Ton an, er koordiniert die Polizisten in Fahrzeugen und zu Fuß durch die Leipziger Innenstadt. Stellenweise hört es sich an wie eine Stadtrundfahrt. Die dramatischsten Situationen spielen sich in den ersten 15 Minuten ab. Später hört man zwar im Hintergrund an einigen Stellen die Demonstranten lauter als zuvor, aber bei 25 Minuten meldet ein Polizist nur noch 200-300 Personen vor der Nikolaikirche. Die Einsatzkräfte sammeln sich dann und fahren in ihre Ausgangspositionen zurück. Einige Zitate aus den Funkdialogen: "Die tätlichen Angriffe der Genossen werden stärker. Wir brauchen dringend Verstärkung.""Sie kommen über Petersstraße rein, und wir drücken sie über Dittrichring ab. Schlagstock frei.""151 zügig, die Bewegung geht Richtung Innenstadt. Den Druck halten jetzt. 153.""Zumachen, zumachen! Petersstraße: In voller Breite entfalten, dass wir über die freie Fläche kommen, und dann wird in Richtung Thomaskirche gedrückt, in Richtung Dittrichring, kommen.""Machen Sie schlagartig auf, und dann im Laufschritt runtergehen. Warum wird denn jetzt aufgemacht, 202? 202 hört. Warum machen Sie denn auf? Zumachen, schnell, so ein Quatsch.""Sie kommen! Sie kommen hier! Links aufpassen, 153!""Ich hab doch gesagt Thomaskirche. Da war noch ne Kette davor, die muss erst mal weg. Ich mach jetzt die Schulgasse zu, Richtung Innenstadt? Richtig.""Ja, das flößt doch was ein, das hat Wirkung. 212, weiterdrücken, weiterdrücken, unnachgiebig weiter drücken!""Wir stehen hier noch am Dittrichring und haben eine Sperrkette aufgezogen.""Die nehmen Sie weg, die nehmen Sie weg, Sie ziehen jetzt auf dem Ring im Laufschritt rum, sichert mir die Bosestraße und die Käthe-Kollwitz-Straße.""150, Sie unterstützen die Maßnahmen von Löwe 8 153?""Wollte mich gerade anbieten, stehe günstig.""Ah, mitgedacht.""Ich hab jetzt hier ne Pufferzelle geschaffen. Die Schaulustigen hab ich weggedrückt, die haben keinen Einblick mehr.""Ich glaub, wir haben’s jetzt im Griff.""Sie machen jetzt die zweite Welle, kehren alle Ecken aus, beachten die Baustellen, die Buden, dass da nichts mehr rumsitzt." Undatiertes Spulentonband Marke ORWO, vermutlich von einer frühen Montagsdemonstration 1989. Band beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, BStU.
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Aug 31, 2022 • 27min

Ronald Reagan in West-Berlin: "Mr. Gorbatschow, tear down this wall!" | 12.6. 1987

US-Präsident Ronald Reagan ist zum Staatsbesuch in der Bundesrepublik. Er besucht West-Berlin und hält vor dem Brandenburger Tor eine Rede. Am Ende fordert er den sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbartschow auf, die Mauer abzureißen. Die Rede wird simultan übersetzt.
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Aug 31, 2022 • 16min

Lady Dianas Unfall-Tod – verfolgt von Paparazzi | 31.8.1997

Medien, Alkohol und Raserei: Lady Di, Dody Al-Fayed und ihr Fahrer sterben Ihre Ehe mit Prince Charles war gescheitert, die beiden hatten sich 1992 getrennt, doch die Boulevardpresse interessierte sich weiter für Prinzessin Diana. So sehr, dass Paparazzi sie überall belauerten. Auch bei ihrem Besuch in Paris Ende August 1997, ein Jahr nach der offiziellen Scheidung. Diana und ihr Freund Dodi Al-Fayed versuchen, den Fotografen durch Tricks zu entgehen; es kommt zu einer tödlichen Verfolgungsjagd. Der Fahrer rast in einen Tunnel, verliert die Kontrolle, der Wagen prallt gegen einen Pfeiler. Mohamed Al-Fayed vermutete Auftragsmord durch MI5 Tags drauf stellt sich der Unfall in einem anderen Licht dar. Es stellt sich heraus, dass der Fahrer schwer betrunken war und mehr als 1,7 Promille Alkohol im Blut hatte. Der Vater von Dodi Al Fayed behauptet später, dass es sich bei dem Unfall um einen Auftragsmord des britischen Geheimdienstes gehandelt habe. Doch für diese Version konnten Ermittler keine Anhaltspunkte finden.
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Aug 31, 2022 • 2min

Handel mit den USA per U-Boot | 31.8.1916 | Erster Weltkrieg

U-Boote spielten auch eine Rolle im Ersten Weltkrieg – nicht nur die Militär-U-Boote. Die USA waren noch nicht offiziell in den Krieg eingetreten, sondern deutscher Handelspartner. Die deutschen Schiffe konnten aber wegen der britischen Seeblockade nicht den Atlantik überqueren. So fand der Handel u.a. mit U-Booten statt. Im Sommer 1916 kehrt das Handels-U-Boot "Deutschland" erstmals aus Baltimore zurück. Es hatte Farbstoffe und pharmazeutische Produkte in die USA geliefert und brachte als Rückfracht Kautschuk, Nickel und Zinn mit. Im Anschluss gab U-Boot-Kapitän Paul Leberecht König (1867 - 1933) die folgende Erklärung ab. U-Boot-Kapitän Paul Leberecht König über den Handel "Was der alte unternehmende Hansageist, deutsche Intelligenz und Tatkraft erschaffen, das erste Handelsunterseeboot der Welt "Deutschland", der englischen Blockade zum Trotz nach Amerika und wieder zurück in die Heimat gebracht zu haben, verdanke ich nebst der gütigen Vorsehung dem Pflichtbewusstsein und dem Mut der Besatzung, die mit nie erlöschender Bereitwilligkeit sich allen Strapazen gern unterzog. Dem friedlichen Handel inmitten des Weltkrieges zu dienen und den deutsch-fühlenden Herzen drüben in Amerika ein greifbares Zeugnis zu bringen, davon, dass Deutschland noch stark in ungebrochener Schaffenskraft besteht und aushalten wird für seine Ideale, um die Freiheit der Meere zu kämpfen, war und wird unsere erste Pflicht sein, auch auf den ferneren Fahrten." Quelle: U-Boot-Kapitän Paul Leberecht König Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)
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Aug 30, 2022 • 57min

Clara Zetkin träumt von "Sowjetdeutschland" | 30.8.1932

Wir hören exemplarisch den ersten Mitschnitt der 6. Wahlperiode, mit dem auch die erste Reichstagssitzung nach der Wahl beginnt. Es ist der 30. August 1932. Die NSDAP ist größte Fraktion. Der Mitschnitt beginnt mit Geräuschen und Atmo aus dem Parlament. Clara Zetkin spricht ab Minute 4. Die Alterspräsidentin Clara Zetkin (KPD) hält eine von keinem Abgeordneten unterbrochene 40-minütige Rede, in der sie vom "zusammenbrechenden Kapitalismus" spricht, auf die "proletarische Revolution" setzt und mit dem Wunsch schließt, trotz ihrer "Invalidität das Glück zu erleben, als Alterspräsidentin den ersten Rätekongress Sowjetdeutschlands zu eröffnen". Dazu kam es nicht mehr, denn Clara Zetkin starb ein Jahr später im Exil in der Sowjetunion. Nach einem großen Applaus werden die Abgeordneten des neuen Reichstags namentlich aufgerufen. Diese Passage ist ausgeblendet. Nicht im Mitschnitt enthalten ist die unmittelbar danach stattfindende Wahl des neuen Parlamentspräsidenten. Wir hören den Schriftführer, den Kommunisten Ernst Torgler, das Abstimmungsergebnis bekanntgeben: Von 587 abgegebenen Stimmen fielen auf Hermann Göring (NSDAP) 367. Göring tritt ans Rednerpult, verspricht, sein Amt "unparteiisch und gerecht" auszuüben und hält den Reichstag wegen der starken NSDAP-Fraktion für durchaus arbeits- und beschlussfähig. Die Redner: Clara Zetkin (KPD)Ernst Torgler (KPD)Hermann Göring (NSDAP)
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Aug 29, 2022 • 4min

ARD zeigt unzensierte "Casablanca"-Version – mit Nazis | 6.10.1975

Nazis, Widerstandskämpfer und Schlüsselszenen verschwinden 1952 Der Filmklassiker "Casablanca" entstand 1942 – eine Romanze vor dem Hintergrund der Ereignisse im Zweiten Weltkrieg. Humphrey Bogart rettet seine ehemalige Geliebte und deren Mann in Marokko vor den Nazis. 10 Jahre später, im August 1952, kommt der Film in die deutschen Kinos – allerdings völlig entstellt. Nazis kamen darin nicht vor. Alle Bezüge zum Zweiten Weltkrieg wurden herausgeschnitten oder durch die Synchronisation unkenntlich gemacht. Viele Schlüsselszenen wie die, in der die Besucher von "Rick's Café" die Deutschen Soldaten mit der Marseillaise übertönen, fehlen. Aus dem tschechoslowakischen Widerstandskämpfer Victor Laszlo wurde der norwegische Atomphysiker Victor Larsen, der eine neue Strahlenart entdeckt hat. In deutsche Kinos kommt "Casablanca" 1952 als belangloser Liebesfilm Geblieben ist ein belangloser, unpolitischer, inhaltlicher wirrer und um eine knappe halbe Stunde gekürzter Liebesfilm. Obwohl Krieg und Nazi-Diktatur schon sieben Jahre zurücklagen, war die Zeit noch nicht reif für einen Film, in dem die Deutschen nicht gut wegkommen. Originalgeschichte in Deutschland erst 1975 zu sehen – im Fernsehen Erst 1975 entstand eine völlig neue Fassung – in der Originallänge, die auch in der Deutschen Synchronisation die Originalgeschichte erzählt. Premiere hatte diese neue Fassung am 5. Oktober 1975 in der ARD. Die Aufmerksamkeit war groß – erst danach wurde der Film auch in Deutschen zum Klassiker. Hier die Besprechung damals im Südwestfunk von Anne Quirin. Im Bild: Deutschsprachiges Filmplakat von 1952
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Aug 29, 2022 • 5min

Panne bei Apollo 13: "Houston, wir haben ein Problem." | 14.4.1970

Die zuvor wenig interessierte US-Öffentlichkeit verfolgt nun geschockt die Nachrichten aus dem All. Als sich Korrespondent Werner Baecker mit seinem Bericht in der Mittagssendung des Südwestfunks meldet, ist das Schlimmste aber schon überstanden.
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Aug 29, 2022 • 6min

Apollo 13 vor dem Start: "Die NASA wünscht sich mehr Aufregung" | 13.4.1970

Am 13. April 1970 berichtet Korrespondent Robert Röntgen im Südwestfunk über die Apollo-13-Mission. Der Start scheint geglückt, alles läuft normal. Die Astronauten sind zu Scherzen aufgelegt. Die amerikanische Öffentlichkeit hat sich inzwischen an die Raumfahrtmissionen gewöhnt und so bemerkt Röntgen, eigentlich wünsche sich die NASA mehr Aufregung. Dieser Wunsch geht bald in Erfüllung.

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