

Archivradio – Geschichte im Original
SWR
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog
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Apr 7, 2023 • 13min
Nach Fukushima: Merkel läutet Atomausstieg ein | 14.3.2011 | Kernenergie
Die Atomkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 führt zu einem Kurswechsel. Ursprünglich hat die schwarz-gelbe Koalition unter Angela Merkel den von der rot-grünen Vorgängerregierung beschlossenen Atomausstieg rückgängig gemacht und im Herbst 2010 die Laufzeitverlängerung für die bestehenden Atomkraftwerke beschlossen. Doch drei Tage nach dem Reaktorunglück verkünden Kanzlerin Merkel (CDU) und Vizekanzler Westerwelle (FDP) am 14. März 2011 ein dreimonatiges Moratorium. Es ist der Anfang vom endgültigen Atomausstieg.
Angela Merkel und Guido Westerwelle treten vor die Presse
Gemeinsam mit Bundesaußenminister Guido Westerwelle tritt Angela Merkel am Montag, den 14. März 2011, vor die Presse. Das Unglück im Kernkraftwerk Fukushima werde nukleare Folgen für die ganze Welt haben, daher können man nicht zur Tagesordnung übergehen, so die Bundeskanzlerin. Eine solch gewaltige Naturkatastrophe wie in Japan sei in Deutschland nicht wahrscheinlich, die deutschen Kernkraftwerke seien sicher und die friedliche Nutzung der Kernenergie werde nach wie vor als Brückentechnologie benötigt. Dennoch gelte es, nach dem Reaktorunglück in Fukushima innezuhalten.
Nach dem Reaktorunglück in Fukushima muss die Lage neu analysiert werden
"Die Ereignisse in Japan lehrten uns, dass Risiken, die für absolut unwahrscheinlich gehalten wurden, doch nicht vollends unwahrscheinlich sind", sagt Bundeskanzlerin Merkel. Und aus diesem Grund müsse die Lage neu analysiert werden.
Moratorium: alle Atomanlagen in Deutschland werden überprüft
Für die im Herbst 2010 beschlossene Laufzeitverlängerung kündigt Merkel ein 3-monatiges Moratorium an. In dieser Zeit, so die Kanzlerin, sollten alle Atomanlagen in Deutschland einer umfassenden Sicherheitsprüfung unterzogen werden. Die Sicherheit der Bevölkerung sei dabei oberstes Gebot. Und auch die Menschen in Japan und deren Leid sollten bei der Diskussion um Kernenergie nicht vergessen werden.

Apr 7, 2023 • 4min
Treckerzug nach Gorleben – Protest gegen Endlagerpläne | 31.3.1979 | Kernenergie
Ende der 1970er-Jahre gerät das niedersächsische Gorleben nahe der deutsch-deutschen Grenze in den Fokus von Kernkraftgegnern. Denn dort soll ein Entsorgungszentrum für Atommüll eingerichtet werden, mit angeschlossener Wiederaufbereitungsanlage. Gleichzeitig wird der Salzstock unter Gorleben als mögliches Endlager ins Spiel gebracht – von der Bundesregierung Helmut Schmidt und der niedersächsischen Landesregierung unter Ernst Albrecht.
Der Protest gegen diese Pläne findet in Form eines Treckerzugs statt. Er beginnt am 25. März 1979 im Wendland und endet am 31. März mit einer Abschlusskundgebung in Hannover. Zwischen 50.000 und 100.000 Menschen nehmen daran teil.
Reaktorunfall in Harrisburg am 28. März 1979
Zusätzlichen Auftrieb bekommt der Protest durch ein Reaktorunglück beim US-amerikanischen Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg / Pennsylvania.

Apr 7, 2023 • 15min
Widerstand gegen Atomkraftwerk Wyhl eskaliert | 17. bis 27.2.1975 | Kernenergie
Wyhl: Baubeginn trotz anhängigem Eilantrag gegen die Baugenehmigung
Am 17. Februar 1975 beginnen die Bauarbeiten für das Kernkraftwerk Wyhl im Kaiserstuhl – obwohl beim Landgericht Freiburg noch ein Eilantrag gegen die Baugenehmigung anhängig ist.
Gegner des Kraftwerks besetzen deshalb tags darauf die Baustelle. Die Ereignisse eskalieren – zum ersten Mal bei einem Kraftwerksbau in der Bundesrepublik. Es folgt ein Polizeieinsatz mit gepanzerten Fahrzeugen, Hundestaffeln und Wasserwerfern. Nach zehn Tagen fasst der Südwestfunk am 27. Februar den Ablauf der Ereignisse in einem Rückblick zusammen.
Wyhl wird nicht gebaut
In der Zeit nach diesen Ereignissen geht gerichtlich noch ein paar Mal hin und her. Am Ende wird das Kernkraftwerk Wyhl nicht gebaut. Ministerpräsident Lothar Späth legte das Projekt auf Eis. 1994 wird der Bau offiziell eingestellt. Einige Komponenten wurden stattdessen im fast baugleichen Kernkraftwerk Philippsburg eingesetzt.

Apr 7, 2023 • 4min
Wird Atomschiff "Otto Hahn" doch kein Frachter? | 20.10.1969 | Kernenergie
Schon ein Jahr nach der Probefahrt von Deutschlands erstem atomaren Forschungsschiff zeichnet sich ab: Handelsschiffe mit Nuklearantrieb haben wohl doch keine Zukunft. Ein Mitarbeiter des Arbeitskreises Kernenergie des Bundes und der Küstenländer erklärt, welche ungeahnten Probleme es gibt.
Viel Forschung – wenig Fracht
Bilaterale Verhandlungen für Anlaufgenehmigungen zogen sich in die Länge oder waren an ungewöhnlich hohe Risikosummen gebunden. So verlangte man beispielsweise für den norwegischen Hafen Narvik eine Deckungssumme von 400 Millionen DM. Als einzige anlaufbare Häfen verblieben Lissabon, Southampton und Rotterdam.
Die "Otto Hahn" erwirtschaftete in ihren Jahren als Nuklearfrachter 13,7 Millionen DM. Aus wissenschaftlicher Sicht war dies jedoch kein Misserfolg, Wirtschaftlichkeit erwartete man erst in der nächsten Generation ziviler Nuklearschiffe.
Auf ihren Fahrten legte die "Otto Hahn" insgesamt 650.000 Seemeilen zurück und verzeichnete 65.000 Reaktorbetriebsstunden, was der Lebensdauer von Reaktoren an Land nahe kam. Die Erkenntnisse sollten in den Bau des Nachfolgeschiffes, der NCS-80, einfließen.
Kein Durchbruch trotz Ölkrise
Als 1973 die Ölkrise kam, herrschte für einige Jahre Hochstimmung unter den Befürwortern einer nuklearen Handels- und Fahrgastflotte. Trotzdem kam es nicht zum Durchbruch, die geplanten Nuklear-Containerschiffe NCS 80 und 240 fanden keinen Auftraggeber. Dies hatte neben fehlender Anlaufgenehmigungen auch mit einer gewissen Skepsis gegenüber der Kernenergie zu tun. Zudem waren die Anlagen der "Otto Hahn" noch im Prototyp-Stadium und hätten weitere Investitionen in die Entwicklung notwendig gemacht.
Bereits 1974 wurden die Anläufe der "Otto Hahn" spärlicher. 1977 entschied man sich gegen eine dritte Erneuerung des Reaktorkerns. 1979 wurde das Schiff verkauft und bis 1982 dekontaminiert. Bis zur Stilllegung 1979 waren etwa 200 Millionen DM in das Projekt investiert worden.
Quelle: Radio Bremen

Apr 7, 2023 • 3min
Deutschlands Nuklearfrachter "Otto Hahn" sticht in See | 11.10.1968 | Kernenergie
Am 11. Oktober 1968 ist es so weit. Der kernkraftbetriebene Forschungsfrachter "Otto Hahn" sticht in Kiel in See. Hunderte Schaulustige stehen am Ufer der Kieler Förde und sehen zu. Von Bord berichtet Reporter Hermann Rockmann über Seefunk und ist begeistert, wie geräuscharm das Schiff fährt.
Ein ambitioniertes Projekt
Die "Otto Hahn" war bereits 1964 vom Stapel gelaufen, noch in Anwesenheit Otto Hahns selbst. Der Einbau des Antriebsreaktors dauerte dann noch 4 Jahre und war der mit Abstand aufwendigste Teil der Konstruktion.
Insgesamt kostete das Projekt 56 Millionen DM, wovon die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) 16 Millionen übernahm. Etwa die Hälfte, 27,5 Millionen DM, entfiel allein auf die Konstruktion des Reaktorkerns und die dafür nötigen weiteren Einrichtungen auf dem Schiff. Dazu gehörte unter anderem ein Zwischenlager ("Serviceeinrichtung") für verbrauchte Brennelemente – eine Lagerung an Land war nämlich nicht bewilligt worden. Weitere Komponenten und Dienstleistungen wurden von französischen, niederländischen, luxemburgischen und italienischen Unternehmen geliefert.

Apr 7, 2023 • 3min
Reaktoreinbau in Atomfrachter "Otto Hahn" | 20.9.1965 | Kernenergie
Die Vorbereitung für den ersten deutschen Atomfrachter "Otto Hahn" gehen voran. Er entsteht in den Kieler Howaldtswerken, im September 1965 wird der Reaktor eingebaut – samt Auffangbehälter für Brennelemente.
Die nuklearen Antriebssysteme versprachen Unabhängigkeit von Diesel- und Schweröl und einen verhältnismäßig stark reduzierten Ressourcenverbrauch.
Die Vorbereitung für den ersten deutschen Atom-Frachter "Otto Hahn" gehen voran. Er entsteht in den Kieler Howaldtswerken, im September 1965 wird der Reaktor eingebaut – samt Auffangbehälter für Brennelemente.
Fast genau 10 Jahre später, am 11. Oktober 1968, trug dieses Projekt Früchte: Die "Otto Hahn", der erste europäische Atomfrachter, lief zur Probefahrt aus. "Ungewöhnlich geräuscharm und nur unter ganz geringer Vibration", wie es der mitfahrende Reporter beeindruckt formulierte, glitt sie über das Wasser.

Apr 7, 2023 • 13min
Frühe Zweifel an der Sicherheit der Kernenergie – Bodo Manstein im Interview | 29.10.1964 | Kernenergie
Bodo Manstein warnte früh vor den Risiken der Atomenergie
Als die ersten Atomkraftwerke ans Netz gingen, herrschte auch in Deutschland eine Kernkraft-Euphorie; eine Anti-Atomkraft-Bewegung gab es noch nicht.
Der Mediziner und Wissenschaftspublizist Bodo Manstein gehört zu denen, die schon früh vor den Risiken warnten. 1975 gehörte er zu den Mitgründern des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND.
Bodo Manstein hatte allerdings auch eine NS-Vergangenheit. 1930 war er in die NSDAP eingetreten und war Mitglied im „Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebund“. Er arbeitete als Facharzt an der Charité und geriet später in Kriegsgefangenschaft.
Als Frauenarzt hatte er lange vor der Pille Bücher geschrieben über Empfängnisverhütung. Er war auch Pazifist und versuchte in den 1950er-Jahren, Proteste gegen die Atombombenversuche im Pazifik zu organisieren. In der Folge konzentrierte er sich immer mehr auf die Atomenergie und ihre Risiken.
Am 29. Oktober 1964 gab er dem Südwestfunk dieses Interview.
Quelle: Zeitfunk "Aus Forschung und Technik", Archiv des SWR: W0496931
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Oben im Bild: Eine der ersten Vorstandssitzungen des "Bund für Umwelt und Naturschutz" (BUND) 1975 mit (v.l.n.r.) Bodo Manstein, Herbert Gruhl, Hubert Weinzierl, Bernhard Grzimek und Helmut Steiniger (Foto: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND))

Apr 7, 2023 • 30min
Deutschlands erstes Kernkraftwerk Kahl am Main | Dezember 1960 | Kernenergie
Mit dem Kernkraftwerk Kahl am Main beginnt auch Deutschland, die Kernenergie für zivile Zwecke nutzen. 25 Jahre lang sollte es Strom liefern, 1985 wurde es stillgelegt.
Im Jahr der Inbetriebnahme 1960 besucht Wissenschaftskorrespondent Ernst von Khuon das Kraftwerk und schildert, was es von herkömmlichen Kraftwerken unterscheidet.

Apr 6, 2023 • 4min
Der Traum vom atomaren Handelsschiff | 28.10.1958 | Kernenergie
Künftig würden Frachtschiffe mit Atomantrieb fahren, erklärt Erich Bagge, leitender Physiker am frisch eingeweihten Forschungsreaktor Geesthacht bei Hamburg. Der neue Reaktor solle den Weg dahin ebnen. Bagge erklärt, wo die Herausforderungen für atombetriebenen Schiffe liegen.

Apr 6, 2023 • 14min
Forschungsreaktor Geesthacht geht in Betrieb | 28.10.1958 | Kernenergie
In Geesthacht bei Hamburg geht der bis dahin größte deutsche Kernforschungsreaktor in Betrieb. Die Atomkrafteuphorie ist damals groß. Der neue Reaktor füge sich schön in die Landschaft, schwärmt der Reporter.


