

Carls Café
Michael Carl
Carls Café ist ein Podcast über Zukunft und die Menschen, die sie gestalten. Nicht als Vision, sondern als Entscheidung.
Zukunftsforscher Michael Carl spricht mit Menschen, die Verantwortung übernehmen – in Unternehmen, Organisationen und Gesellschaft. Menschen, die handeln, auch wenn es Gegenwind gibt. Die nicht alles wissen, aber trotzdem losgehen.
Die Gespräche sind ehrlich, persönlich und ungeschönt. Es geht um Haltung statt Buzzwords. Um Entscheidungen statt Konzepte. Um die Frage, was Zukunft im Alltag wirklich kostet – und was sie möglich macht.
Carls Café ist kein Zukunftstalk. Es ist ein Ort für Zukunft als Praxis.
Mehr über Michael Carl und Carls Zukunft:
https://carls-zukunft.de
Zukunftsforscher Michael Carl spricht mit Menschen, die Verantwortung übernehmen – in Unternehmen, Organisationen und Gesellschaft. Menschen, die handeln, auch wenn es Gegenwind gibt. Die nicht alles wissen, aber trotzdem losgehen.
Die Gespräche sind ehrlich, persönlich und ungeschönt. Es geht um Haltung statt Buzzwords. Um Entscheidungen statt Konzepte. Um die Frage, was Zukunft im Alltag wirklich kostet – und was sie möglich macht.
Carls Café ist kein Zukunftstalk. Es ist ein Ort für Zukunft als Praxis.
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Aug 26, 2021 • 35min
#48 Der schöne Schmerz für Unternehmen
Diese Woche in der Zukunft: Es ist ein Missverhältnis zu Lasten der Jungen. Diejenigen, die rechnerisch die meiste Zukunft vor sich haben, sind am wenigsten gefragt, wenn es um die Gestaltung eben dieser Zukunft geht. Und wenn sie gefragt sind, zum Beispiel als Fach- und Arbeitskräfte für morgen in Unternehmen, dann sind sie vor allem eines: Ein Störfaktor. Die Klischees füllen Bände: Die Generation Z will sich nicht anpassen, fragt vor der ersten Überstunde nach ihrer Work-Life-Balance und verlangt im Gegenzug ein fürstliches Gehalt. Einer, der sich für die Kommunikation zwischen Generation Z und Unternehmen engagiert, ist Roger Zimmerman. Der Deutsch-Franko-Amerikaner hat die Organisation Next Entrepreneurs gegründet. Heute leitet er die Next Entrepreneurs gemeinsam mit Joana-Marie Stolz und beide sind hier im Gespräch mit Michael Carl. Die Next Entrepreneurs veranstalten Workshops mit Schüler:innen, Student:innen und Unternehmen, um beide Seiten miteinander in Kontakt zu bringen. Parallel bauen sie eine Akademie auf, um Jugendliche frühzeitig mit der Startup-Welt, ihren Methoden, Arbeitsweisen und Haltungen vertraut zu machen. Ihre erstaunliche Erfahrung: Wie stark sich Jugendliche motivieren können, wenn sie in einem solche Setting kreativ sein können. Aber vielleicht ist das auch nur aus einer klassischen Corporate-Sicht erstaunlich. Stichwort Corporate-Sicht: Wer annimmt, der Konflikt zwischen klassischer Krawattenhierarchie in Unternehmen und nachwachsenden Generationen sei bereits da, könnte ein unangenehmes Erwachen erleben. Die Next Entrepreneurs arbeiten bereits mit der übernächsten Generation und ihre Einschätzung ist: Das Thema fängt gerade erst an. Die Verfügbarkeit von Wissen, das ständige Lernen, ebenso wie Mindfulness, andere Führung, häufiger Wechsel von Aufgaben und Unternehmen prägen eine andere Welt für und in Unternehmen. Insofern sind die Themen der NEO Academy eben nicht nur die Themen der heute 17-jährigen, sondern ebenso die Themen der heute 40-jährigen. Schließlich habe auch letztere noch mehrere Jahrzehnte im Beruf vor sich. Ist unsere Gesellschaft überhaupt reif für junge Menschen? Roger Zimmerman ist sich sicher: Das ist gar keine Frage. Die jungen Menschen, mit denen er zusammenarbeitet, fragen hier nicht. Sie machen einfach. Und damit heißt es, Abschied zu nehmen von vertrauten Verhältnissen, von dem gewohnten Umfeld und den Selbstverständlichkeiten, in die heute aktive Generationen hineingewachsen sind, in denen sie Karriere gemacht haben – und von denen sie heute feststellen müssen, dass sie eben nicht mehr selbstverständlich sind. Ein Schmerz. Oder, wie Joana-Marie Stolz sagt: Ein schöner Schmerz. Der Gast in dieser Woche:Roger Zimmerman, Joana-Marie Stolz

Aug 19, 2021 • 35min
#47 Wie kommt das Neue in die Welt?
Diese Woche in der Zukunft: Auf den Spuren des Neuen. Wie entsteht Innovation? Und genauer: Was fördert Innovation, was können Organisationen tun, um Produkte und Prozesse immer wieder zu hinterfragen und zu erneuern, wie machen wir Neues möglich? Das Ganze bitte jenseits der pauschalen Aufforderung des mittleren Managements: Jetzt seid doch mal kreativ und denkt außerhalb eurer Box! Am besten sofort! Aber doch keine unangenehmen Botschaften! Das geht ja nun wirklich nicht, das können wir so nicht weitergeben … Im Gespräch mit Michael Carl ist Georg Zembacher. Er ist Innovationschef bei Toyota Tsusho Nexty Electronics. In der großen Toyota-Welt sind das nicht die Autobauer, sondern diejenigen, die Elektronik entwickeln und Chips am liebsten in alles einsetzen möchten, was sich irgendwie vernetzen lässt, ob nun belebte oder unbelebte Natur. Er sagt: Allein die Veränderungen der Arbeit, die wir in der Pandemie erlebt haben, weisen uns den Weg zu mehr Innovation. Menschen brauchen in der Arbeit nicht Kontrolle, sondern Freiraum. Wer aufhört, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ständig zu treiben, wird feststellen: Die haben ja eine intrinsische Motivation! Erstaunlich! Möglicherweise nicht für das, was die Arbeitswelt bislang von ihnen verlangt – aber dann liegt das Problem womöglich auf Seiten der Arbeit und nicht auf Seiten des Teams. Georg Zembacher setzt unter anderem auf Automatisierung. Kurzer Check: Wieviel Zeit verbringt Ihr oder die Kolleg:innen um euch herum damit, Daten per Hand aus einer Tabelle in eine andere zu übertragen? Für solche Arbeit muss man seine Leute wahrscheinlich in der Tat kontrollieren und antreiben. Wie Georg sagt: „So viel Kaffee gibt es auf der Welt nicht!“Praktische Frage: Wenn eine Organisation Raum schafft für kreative und menschliche Tätigkeiten, wenn sie unnötig repetetive Arbeit komplett automatisiert, wenn sie Raum für spielerische Ansätze nicht nur schafft, sondern auch darauf besteht, dass diese so auch genutzt werden, wenn somit insgesamt keine Antreiber und Kontrolleure mehr notwendig sind – wofür braucht es dann noch ein mittleres Management? Was macht die mittlere Führungsebene, all die Teamleitungen und Abteilungsleitungen? Gute Frage. Nichts mehr. Nächste Frage. Für Georg Zembacher gehören auch diese Erfahrungen zu den Erkenntnissen der Pandemie. Es braucht keine Erprobungsräume mehr, wir haben bereits erfolgreich erprobt, dass selbst gesteuerte, intrinsisch motivierte und eigenständig verantwortete Arbeitswelten funktionieren – und sogar besser funktionieren. Die immer wieder überraschende Konsequenz: Nicht mehr Kontrolle und engere Führung schaffen mehr Sicherheit in der Organisation, sondern genau im Gegenteil: Freiraum für kreative Prozesse, für selbstgesteuerte Innovation, für Spiel erhöht die Sicherheit des Systems Unternehmen. Unsicherheit schafft Sicherheit gegenüber grundlegenden Veränderungen, ob durch Technologie oder den Markt getrieben. Insofern ist Innovation auch ein wesentlicher Beitrag zur Nachhaltigkeit einer Organisation. Der Gast in dieser Woche: Georg Zembacher

Aug 12, 2021 • 40min
#46 Schule mit Zukunft
Diese Woche in der Zukunft: Ein Interview mit einer Schulleiterin in den Sommerferien 2021. Erste Frage: „Aber nach den Ferien ist dann ja wieder alles so gut wie früher – wie viele Fehler stecken in diesem Satz?“ – und damit wäre das Gespräch dann auch schon fast zu Ende gewesen. Silke Müller ist Leiterin der Waldschule Hatten im Westen Niedersachsens. Und sie lässt kaum ein gutes Haar am heutigen Schulsystem. Wenn es unser Ziel sein sollte, die Kinder auf die Zukunft vorzubereiten, mehr noch: sie in die Lage zu versetzen, ihre und unsere Zukunft zu gestalten, dann werden wir dieses Ziel nicht erreichen. Schule macht Schülerinnen und Schüler nicht fit für die Zukunft. Was würde helfen? Ein neues Fach, vielleicht „Zukunft“, „Wirtschaft“ oder „Verantwortung“? Ein klares Nein. Die Zahl der Fächer ist ohnehin zu hoch, die Inhalte gehen an Leben und Herausforderungen der Kinder vorbei. Vor allem aber: Es geht um vernetztes Lernen und übergreifende Inhalte. Ein weiteres Fach zersplittert die Inhalte nur noch mehr. An der Waldschule Hatten nehmen alle Kinder 2 Stunden pro Woche am Projekt „Leben lernen“ teil. Das ernüchterte Fazit: In diesen 2 Stunden lernen die Kinder oft mehr als im gesamten Rest der Woche. Spricht nicht gerade für die übrigen Fächer …Schon hier beginnt die Kultur der Digitalität. Aufgaben sind nicht mehr „Deutsch“ oder „Geschichte“, Aufgaben sind relevant oder nicht. Relevante Aufgaben lassen sich nicht alleine lösen. Also braucht es andere Lernformen und andere Freiheiten beim Lernen. Ja, und auch Technik – auch wenn der Klassensatz Laptops alleine die Digitalisierung der Bildung keinen Zentimeter voranbringt.Die Liste der ganz praktischen Maßnahmen ist lang: Eine andere Rhythmisierung des Tages? Auf jeden Fall. Silke Müller hat an ihrer Schule die Klingel abgestellt. Mehr Offenheit und Dialog mit Unternehmen? Dringend, damit die Schule lernt, wie Arbeit heute längst funktioniert. Damit Schule lernen kann von Agilität, von Selbstbestimmung, von mobilem Arbeiten, von Teamwork. An der Waldschule nimmt gerade eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern die Arbeit auf und berät die Schulleitung. Und Corona? Natürlich gibt es die Schülerinnen und Schüler, die zuhause kein gutes Lernumfeld haben und die Unterstützung brauchen. Daneben stehen mindestens ebenso viele, die zum ersten Mal die Erfahrung gemacht haben, angstfrei, in ihrem eigenen Tempo, nach ihren eigenen Bedürfnissen lernen zu können. Spannende Frage: Sollen diese Schülerinnen und Schüler dies nach der akuten Phase der Pandemie nicht mehr können?Silke Müller sitzt in ihrem Büro vor einem Filmplakat: „Frau Müller muss weg!“. Großartiger Film, startete gerade, als sie sich auf die Position der Schulleiterin bewarb. Ihr Credo seither: Machen! Die wichtigste Rolle der Schulleitung ist nicht, dem Schulgesetz zu Glanz und Glorie zu verhelfen, sondern Entwicklung möglich zu machen. Mit Unterstützung vom Bürgermeister hat sie Luftfilter in der Schule bekommen, überall. Es geht. Die Schule hat Breitbandinternet, seit langem. Es geht. Allein das ist inspirierend: Sich bei allen Mängeln des Systems nicht darauf auszuruhen, was nicht funktioniert, sondern die Ärmel immer gleich hochgekrempelt zu lassen. Einfach machen!Der Gast in dieser Woche:Silke Müller, Leiterin der waldschule-hatten.de (Niedersachsen).Auf Twitter: @SilkeWSH

Aug 5, 2021 • 33min
#45 Die sichere Stadt der Zukunft
Diese Woche in der Zukunft: Die sichere Stadt der Zukunft. „Smart City“ gehört sowohl zu den größten Versprechen der digitalen Zukunft, als auch zu hohlsten Buzzwords, das über die Kongressparkette der vergangenen Jahre getrieben wurde. Man frage einmal genau nach, was damit gemeint ist: Digitale Tickets für denselben Bus, der im selben Stau steckt? Mülltonnen, die ihren Füllstand quasi intelligent an eine Zentrale funken, aber immer noch dieselbe Menge sinnvollen Abfall enthalten? Wo ist die Intelligenz? In der Tonne?Markus Hertlein von Xignsys sagt: Entscheidend ist das Management von Identitäten. Die Smart City soll das Leben einfacher und bequemer machen – und das setzt voraus: Meine Stadt muss mich kennen, sie muss mich erkennen. Sie soll mich sogar so erkennen, wie ich das will. Die digitale Stadt der Zukunft muss zuallererst also in der Lage sein, digitale Identitäten zu managen. Dafür bietet Xignsys eine Lösung an, also: Austausch von Daten ohne Passwort, einfach mit dem normalen Smartphone. Daran arbeitet Markus Hertlein mit seinem Startup Xignsys, fest verwurzelt in seiner Stadt. Und das ist keiner der Smart-City-Champions Barcelona, London, Amsterdam, sondern: Gelsenkirchen.Warum ist der Angelschein ein sicheres Indiz dafür, wie intelligent die eigene Stadt ist? Die Skala reicht von 0 bis zehn: Bei Null steht die Stadt, bei der ich persönlich aufs Amt muss, um ein Stück Papier mit Stempel zu erhalten. Es wird halt eine gewisse Anzahl Angelschein-Anträge bewilligt. Punkt. Bei zehn ist die Stadt, die genau weiß, in welchem Gewässer sich heute welche Fische befinden, die abschätzen kann, wie die Bestände morgen sein werden, die entsprechend genau erkennen kann, welche digitalen Angelfreigaben sie genau jetzt für genau welches Gewässer erteilen kann. So einfach, so vernetzt, so intelligent. Das Credo von Markus Hertlein: Einfach anfangen. Seine Erfahrung aus kommunalen Projekten ist: Es hängt fast nie am Geld, Fördermittel sind in fast beliebiger Höhe verfügbar. Die verfügbaren Lösungen sind derart einfach, dass jede Kommune in der Lage sein sollte, in diesem Monat erste, zweite, dritte Schritte zu gehen. Das große Bild: Es gibt keine Alternative zur Urbanität. Das digitale Leben der Zukunft ist urban, auf dem Land und in der Stadt. Auf dem Land ist es nur breiter verteilt. Schon im Verlauf der zwanziger Jahre wird die Smartness einer Stadt zu einem der entscheidenden Kriterien für die Attraktivität einer Stadt. Ohne intelligente Vernetzung, keine Anziehungskraft. Mehr noch: Je digitaler eine Stadt, desto stärker lösen sich die geografischen Grenzen auf. Die intelligente Stadt der Zukunft ist kein örtlicher Zusammenhang mehr. Ich wähle genau die Stadt, deren Kultur, deren Lebensgefühl, deren Services mir und meiner Identität am besten entsprechen, mich fördern und begeistern. Ganz nebenbei, und damit es auch hier einmal festgehalten ist: Die eigenen Passwörter auf einer Liste handschriftlich notieren, diese Liste fotografieren und dieses Foto digital mit sich herumtragen – geht gar nicht. Niemand geht in der Masse der Internetnutzer:innen unter, irgendwann kriegen sie jeden. Und irgendwann ist im Zweifel heute Nacht. Und: Nein, die Tatsache allein, dass jede:r das so macht, ist keine Entschuldigung. Also bitte aufrüsten. Gilt auch für den Autor dieser Zeilen. Der Gast in dieser Woche:Markus Hertlein, Informatiker, Gründer und CEO von Xignsys, einem Startup, das Lösungen zur digitalen Authentifizierung ohne Passowort und zusätzliche Hardware anbietet. Auf Twitter: @Markus_Hertlein

Aug 3, 2021 • 35min
#44 Hirn nach Wunsch
Diese Woche in der Zukunft: Gestalten wir das menschliche Gehirn um. Nach Belieben? Jedenfalls nach Wunsch. Das Prinzip ist im Grunde bekannt und bewährt: Das Hirn nimmt Reize aus der Umgebung auf und organisiert sich intern entsprechend um, um mit diesen Reizen besonders gut umgehen zu können. So entsteht Schmerz, wenn sich Migränepatient:innen Flackerlicht und Alkohol aussetzen. So entstehen zahllose Empfindungen und Reaktionen. Die uns stören, die wir Krankheit nennen – und ebenso die, die wir wollen. Während die Technologie-Enthusiasten auf die Gehirn-Implantate von Elon Musks Neuralink warten, ist der gezielte Umbau des Hirns längst möglich.In der analogen Welt mussten alle Migränepatient:innen sich noch mit dem allgemeinen Ratschlag in den immer gleichen Büchern begnügen: Halten Sie sich von den üblichen Auslösern fern. Kein Rotwein, kein Candlelight zum Dinner, wenig Stress. Nicht nur wurden sie damit – ohne Reizung – immer sensibler. Es war auch niemals notwendig, diese Ratschläge jeden Tag umzusetzen. Allerdings: Ohne eine digitale Messung, ohne eine drastische Vermehrung der individuellen Daten und deren laufender Auswertung war es nicht möglich, in Echtzeit zu sagen: Heute bist du widerstandsfähig, heute geht was. Die Migräne-App M-Sense macht genau das. Sie ist eine der immer noch überschaubar wenigen Apps, die es in Deutschland auf Rezept gibt. Für Gründer Markus A. Dahlem ist das Prinzip dahinter aber deutlich erweiterbar. Wir sind längst in der Lage, individuelle Menschen mit einer Flut an Daten sehr genau zu beschreiben. So können wir inzwischen auch die Reize, denen wir uns aussetzen, extrem genau dosieren und damit auch längere Entwicklungsprozesse deutlich beschreiben und präzise steuern – und so das Hirn gezielt dazu anstoßen, sich in eine gewünschte Richtung umzubauen. Am Ende steht das Hirn nach Wunsch. Markus A Dahlem betont: Im Grunde ist das alles nicht neu. Lernen verändert das Hirn. Und wo wir früher auf Erfahrung bauen mussten, können wir Reize, Prozesse und Wirkung inzwischen genau messen. Und mehr noch: können wir Sensoren zu Aktivatoren erweitern, die nicht nur messen, sondern selbst Impulse geben. Für Markus A. Dahlem bietet die Digitalisierung von Medizin die Chance, ein längst bekanntes Verfahren auf Speed zu setzen. Lernen wird zum Kernthema, genauer: Das Verlernen. Wenn wir dem eigenen Hirn gezielt Mechanismen abtrainieren, entsteht Raum für Neues. Dahlems These: Das geht. Auch wenn das Sprichwort etwas anders sagt: Wir können verlernen, Fahrrad zu fahren. Hier liegt eine bemerkenswerte Parallele zwischen dem Lernen von Individuen und dem Lernen von Organisationen: Wer Raum für Neues schaffen will, muss zunächst die Verbindung des Alten lösen. Sich von der Idee befreien, man müsse am Büroschreibtisch sitzen, um konzentriert arbeiten zu können. Sich von der Wahrheit lösen, Fakten müssten auf Papier festgehalten werden, um zu gelten. Die Annahme begraben, ein Dokument bräuchte immer einen Stempel, um echt zu sein. Schieben wir sie beiseite, entsteht der Raum, über Arbeit, Wahrheit und Echtheit neu nachzudenken. Der Gast in dieser Woche:Markus A. Dahlem, Physiker, Migräne-Forscher, Gründer und CEO von Newsenselab, die u. a. die Migräne-App M-Sense entwickelt haben. Auf Twitter: @markusdahlem

Aug 2, 2021 • 40min
#43 Das Ende des Arbeitsplatzes
Diese Woche in der Zukunft: „Es gibt keinen Arbeitsplatz mehr”. Punkt. In der etwas ausführlicheren Fassung: Die Zeit des klassischen Büros ist abgelaufen. Jeder Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin mit einem eigenen Schreibtisch, womöglich sogar mit einem abschließbaren eigenen Raum – vorbei. So die These von Harald R. Fortmann. Harald ist Digitalunternehmer, Manager und hat sich seit Jahren dem Thema Personalberatung verschrieben. Auch wenn derzeit etliche Unternehmen ihre Leute wieder ins Büro zurückrufen: Sein Urteil steht. Der klassische Büroarbeitsplatz hat seine Zeit gehabt. Auf mittlere Sicht wird niemand mehr extra ins Büro fahren, nur um dort eben die Emails zu bearbeiten, die man ebenso gut zuhause oder irgendwo sonst beantworten könnte. Womöglich noch auf demselben Laptop oder iPad. Was aber dann tun mit den teuren Flächen im Bürokomplex? Einen Teil werden Unternehmen abstoßen oder umziehen und sich dabei verkleinern. Das ist der einfache Teil. Schon sehr viel tiefer geht die Frage: Wofür brauchen wir eigentlich unsere Flächen? Haralds These: Der erste und fast einzige Zweck von Büroflächen ist Kommunikation. Wir brauchen Raum für Austausch, für kreative Prozesse, für Zusammenarbeit. Der Vollständigkeit halber. Dafür braucht niemand kleine, abgeschlossene Büroräume mit Urlaubsfoto an der Wand und Ficus in der Ecke. Der Bedarf an Schreibtischen dürfte auch Jahre hinaus gestillt sein. Mit diesem Wandel der Arbeit geht ein noch erheblich tiefer greifender Wandel einher. Wir erleben, wie der Gedanke der Kontrolle an sein Ende kommt. Wie eine Welle am Deich, erst bricht sie, dann läuft sie langsam aus. Wer seinen Mitarbeiter:innen die Freiheit gibt, den Arbeitsort frei zu wählen, wird bei der Wahl der Arbeitszeit auch nicht weiter auf strikte Vorgaben setzen können. Für Harald nicht mehr als die Umsetzung einer längst belegten Tatsache: Der Biorhythmus von Menschen ist unterschiedlich. Fun fact: Während wir das Gespräch morgens um 8 Uhr aufgezeichnet haben, schlief der Rest der Familie im Hause Fortmann noch. Wenn aber Kontrolle ausgedient hat, muss der Gedanke von Führung anders gefüllt werden. Harald berichtet von Unternehmen, die er begleitet, die hier sehr handfeste Konsequenzen ziehen. Wo sich alle Führungskräfte erneut auf ihre Stelle bewerben müssen und von Anfang an klar ist, dass 2/3 davon sich nicht wieder durchsetzen können. Für den Personalberater folgt daraus: Unternehmen müssen auch andere Karrierewege aufzeigen als nur den, Führungskraft zu werden. Natürlich: Wer an einer Maschine steht, wer Kunden bedienen muss, wer Anwesenheit sicherstellen muss, für den gelten diese Entwicklungen nicht 1:1. Das wird für all die Unternehmen zur Herausforderung, die das eine wie das andere in den Teams haben. Stichwort Neiddebatte: Warum darf der oder die nach Hause gehen, wann sie will, wenn ich es nicht kann? Der TV-Tipp zum Wochenende: Ted Lasso. Der Coach, der eine Fußballmannschaft trainiert, ohne die geringste Ahnung vom Sport zu haben. Und der trotzdem als Führungskraft funktioniert. Der Gast in dieser Woche: Harald R. Fortmann, Digitalunternehmer und Personalberater bei five14. Auf Twitter: @HRFortmann

Aug 2, 2021 • 37min
#42 Das Scheitern der Klimapolitik
Diese Woche in der Zukunft: Ein Gespräch über die Unmöglichkeit einer angemessenen Klimapolitik. Reinhard Steurer ist Professor für Klimapolitik an der traditionsreichen Universität für Bodenkultur in Wien und eine der sehr präsenten Stimmen auf Twitter, die sich für eine andere, deutlich aktivere Klimapolitik einsetzen. Über die heutige Klimapolitik in Europa fällt er ein klares Urteil: Zu wenig, zu spät, reicht nicht. Reicht nicht für das Überleben unserer Zivilisation. Michael Carl und Reinhard Steurer sprechen über die Zukunftsfähigkeit von uns europäischen Gesellschaften. Trotz eines überwältigenden wissenschaftlichen Konsenses sind wir nicht zu einer sachlich angemessenen Antwort auf die Klimakrise in der Lage. Ein Faktor dabei: Die Klimakrise nötigt uns, von lieb gewonnen Gewohnheiten und alltäglichen Selbstverständlichkeiten Abschied zu nehmen. Gleichzeitig ist sie noch so wenig greifbar und komplex. Ihre zerstörerischen Auswirkungen zeigen sich erst später und sie lassen sich nie auf nur einen Faktor zurückführen. Kurzum: Die Klimakrise ist besonders gut dafür geeignet, verdrängt zu werden. Und das können wir. Einer der Faktoren hinter unserer gesellschaftlichen Unfähigkeit zu einer angemessenen Klimapolitik ist unsere Sprache, denn Sprache konstruiert und verfestigt Realität. Solange wir von Klimawandel sprechen, werden wir immer an ein relativ gängiges, immer wieder vorkommendes Phänomen denken. Solange wir von Umweltschutz sprechen, können wir uns heldenhaft fühlen, Müll aus dem Wald zu holen. Solange wir von Temperaturrekorden sprechen – und diese in der Zeitung noch mit Fotos planschender Kinder bebildern –, werden wir stets an eine positive Entwicklung denken. Der Test: Setzen wir „Klimanotstand“, „Zivilisationsschutz“ und „nie dagewesen Höchststände“ in die Sätze ein, erzeugen wir ein anderes Bild von Realität. Reinhard Steuer legt Eckpunkte einer sachlich angemessenen, ideologisch unaufgeregten Klimapolitik vor. Diese Eckpunkte decken sich mit den Aussagen von Sara Schurmann, Katja Diehl und Doreen Rietentiet hier im Podcast. Erneuerbare Energien, keine neuen Verbrennungsmotoren, Stopp von Kurzstreckenflügen – und weiterhin Strom aus Kohle? „Ein Wahnsinn!“ Bemerkenswert ist die Einschätzung von Reinhard Steurer zu unseren Chancen auf einen Erhalt unserer Zivilisation. Aus der Politik selbst, so seine klare Einschätzung, wird der Wandel nicht kommen können. Es braucht gesellschaftliche Mehrheiten, Bewegungen wie FFF – und Wahlergebnisse. Der Gast dieser Woche:Reinhard Steurer, Universität für Bodenkultur Wien, Professor für Klimapolitik. Auf Twitter: @ReiSteurer 05

Aug 2, 2021 • 34min
#41 Leaders for Climate Action
Diese Woche in der Zukunft: „Leaders for Climate Action“, kurz LFCA, das ist eine Gruppe von Unternehmer:innen, die sich auf ein klimaneutrales Wirtschaften im eigenen Unternehmen verpflichten und laut einen Wandel auch auf der gesellschaftlichen und politischen Ebene einfordern. In Berlin gegründet, von vielen Digitalunternehmern und ihren Startups getragen, schnell wachsend, natürlich – das Startup-Denken verpflichtet.Doreen Rietentiet ist seit anderthalb Jahrzehnten mit dem Thema regenerative Energien befasst. Sie ist eine der Gründungsmütter der LFCA. Im Podcast schildert sie ihre Erwartung, wie das Thema Klimakrise in den kommenden Jahren zu einem nennenswerten Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft führen wird.Der Kontext: Die Westküste Nordamerikas liegt unter einer stabilen Hitzeglocke, in Kanada werden historische Höchstwerte gemessen, ganze Ortschaften verbrennen. Der britische Guardian titelt: „Nowhere is safe“. Die Beispiele sind aktuell gewählt, aber natürlich austauschbar. Erster Schritt der LFCA: Ein Commitment, das eigene Unternehmen klimaneutral umzubauen. Nächste Schritte: Sich für veränderte Rahmenbedingungen einzusetzen, die unternehmerisches Handeln pro Klima fördern.Das wird, daran lässt Doreen keinen Zweifel, zu einem massiven Umbau der Wirtschaft führen. Insbesondere die fossile Branche wird Federn lassen müssen. Ein Faktor: Das Recht und die Verwaltung. Aktuell laufen rund 40 große Prozesse gegen fossil geprägte Unternehmen. Shell hat gerade erfahren, welche Konsequenzen aus einem entsprechenden Urteil erwachsen können: Reduktion der CO2-Emmissionen um 45% bis 2030 im Vergleich zu 2019. Das ist in der fossilen Erdölindustrie nicht mit Kompensationsgeschäften zu schaffen.Ist die Rolle des Unternehmers, der sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung stellt, neu? Jedenfalls ist LFCA ein bemerkenswertes Beispiel, wo sich gerade Unternehmer:innen für einen Wandel der Wirtschaft einsetzen, sowohl um der eigenen Kinder als auch um der eigenen unternehmerischen Freiheit willen.Der Vollständigkeit halber: Wenn die Initiative „Leaders for Climate Action“ so inspirierend und positiv ist, warum ist das carl institute for human future nicht Mitglied? Antwort: Sind wir natürlich.Der Gast dieser Woche:Doreen Rietentiet, Beraterin und Expertin für regenerative Energien, Gründungsmitglied von Leaders for Climate Action

Aug 2, 2021 • 33min
#40 New Work
Diese Woche in der Zukunft: Die Druckfahnen sind auf dem Weg in die Druckerei, in Kürze können wir es in den Händen halten: „Creating the better Normal“ – unser Buch zur besseren Normalität in der Zeit nach der akuten Phase der Pandemie. Knapp 200 Seiten stark, knapp 20 Beiträge von ganz unterschiedlichen Autor:innen, analytische, persönliche, inspirierende Perspektiven auf die Pandemie, auf unsere Learnings, auf die Welt, wie wir sie nach der Pandemie gestalten wollen.Hätten wir das Buch nicht schon geschrieben, Michael Carl hätte in dieser Woche genau das Projekt noch einmal gestartet. Mit der „Bundesnotbremse“ läuft die „Home-Office-Pflicht“ aus (man suche sich aus, welches Wort schon rein sprachlich furchtbarer ist …) – und welche Diskussion beginnt: Wie denn jetzt in Zukunft Unternehmen und Betriebsräte miteinander einen guten Weg verhandeln, die Arbeitszeiten im Detail zu dokumentieren. Erst trennen wir Arbeits- und Privatleben und wundern uns dann, dass Beruf und Familie doch nicht so gut miteinander vereinbar sind. Oh.Die Pandemie versetzt uns in einen Zwischenraum, nicht mehr alt, noch nicht neu. Dieser Zwischenraum ist ungewohnt, er macht uns unsicher, zahlreiche Möglichkeiten kommen und gehen wieder – und unser Reflex ist klar: Möglichst schnell hinaus aus diesem Raum. Zurück auf das Territorium auf dem wir uns auskennen, in die alte Normalität. Endlich wieder Biergarten, Fußballstadion, Kantine. Und rückständige Bildungssysteme, Faxbasierte Kommunikation im Gesundheitswesen, Anwesenheitskontrolle im Büro – wenn das der Preis ist… Oder in die andere Richtung, auf zum New Normal, Hauptsache raus aus dem Zwischenraum.Unser Buch ist ein vielstimmiges Plädoyer: Lasst es uns noch einen Moment länger in unserem Zwischenraum aushalten. Lasst uns noch ein paar dieser Möglichkeiten erkunden, diskutieren, bedenken – und so ein selbstbewussteres und entschiedeneres Bild von der Zukunft gewinnen, die wir gestalten wollen.Max Hergt, Futurist und Experte für New Work kommt zum Gespräch und schildert seinen Impuls, warum es nach Corona kein zurück in ehemals vertraute Arbeitsformen geben kann. Die Riege der Autoren reicht vom Digitalunternehmer Harald R. Fortmann über den Kommunikations- und Kreativitätxexperten Wolfgang Lünenbürger Reidenbach bis hin zum Konzerdigitalisierer Jan Wokittel. Der Manager Philipp Kraft reflektiert seine persönliche Krise in der Krise, Stimmen aus Bildung, Banking, Marketing, Gastronomie, Robotik bringen ihre Perspektiven mit ein. Der Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten, Michael Husarek, bedenkt den politischen Dialog nach Corona, Christian Gerhaher fordert Raum für die Künste – und einiges mehr.Den Schlusspunkt setzt die Philosophin und Autorin Barbara Strohschein und formuliert den wunderbaren Satz: „Wir sollten uns heute nicht unterschätzen.“Nächste Woche im Buchhandel des Vertrauens – diese Woche im Podcast.Der Gast dieser Woche:Max Hergt, Keynote-Speaker, Futurist, New-Work-Experte

Aug 1, 2021 • 32min
#39 Schlüsselressource Strom der Zukunft
Diese Woche in der Zukunft: Ohne Strom wird es schwierig, unabhängig davon, ob wir die Ziele des Pariser Abkommens erreichen oder nicht. Wir werden in jedem Fall erleben, wie es heißer wird – und kälter. Wir werden sehen, wie weniger Wasser kommt – und dann wieder mehr. Das Klima wird unberechenbarer, wechselhafter. Eine sichere Konsequenz: Wir werden Strom brauchen für Klimaanlagen, in jedem Raum in jedem Krankenhaus, in jedem Zimmer in jedem Pflegeheim, in jedem Klassenraum in jeder Schule. Das alles noch vor 2030. Eine veränderte Mobilität braucht Strom, die Vernetzung, Big Data, Blockchain. Kurzum: Gerne mehr davon. Das Problem: Unsere bisherige Art und Weise, Strom zu erzeugen, stößt an Grenzen.Die großen thermischen Kraftwerke für Kohle und Atom stehen nicht ohne Grund an Flüssen; wir müssen sie ständig kühlen. Kommt aber nicht genug Wasser oder zu warmes oder gleich beides, müssen wir das Kraftwerk herunterfahren oder ganz abschalten. Die Kohle kommt übrigens in der Regel per Binnenschiff – schwierig ohne Wasser. Eine ganz handfeste Konsequenz abschmelzender Gletscher. Also Wind – und vor allem Sonne.Olaf Schöppe von Independa rechnet vor: In der Regel sinken die Stromkosten mit Photovoltaik – inkl. Investition! – um ca. 60%. Dennoch haben die allermeisten Menschen keine Solaranlage auf dem Dach. Im Gespräch mit Michael Carl diskutiert Olaf Schöppe vor allem die kulturellen Hintergründe dieser Entwicklung.Das Muster kennen wir vom autonomen Fahren: Eben noch waren wir gedanklich in der industriellen Revolution. Mit Tempo 230 auf der linken Spur hat Homo Sapiens das gute Gefühl, die Kraft der Maschine zu beherrschen. Mind over Matter. Autonomes Fahren nimmt uns diese Kontrolle und wird sich – so jedenfalls unsere These – gerade deshalb durchsetzen. Die Herausforderungen der industriellen Revolution dürfen als genommen gelten. Jetzt bekommen wir mehr: Zeit. Eine Stunde am Morgen, eine am Abend, in der wir bislang mit Nachdruck ein Lenkrad festgehalten haben.Ähnlich mit der Energie: Die Herausforderung, chemisch-physikalische Prozesse in Großkraftwerken zu beherrschen, haben wir im Prinzip gemeistert. Das Versprechen der nachhaltigen Energie ist insofern auch ein kulturelles: Eine Einladung, evolutionär eine Stufe weiter zu steigen.Hinzu kommt eine sehr handfeste Ebene: Die Stimmen werden immer lauter, die die bisherigen Pläne und Maßnehmen für unzureichend halten, die wir gesellschaftlich bislang zustande gebracht haben. Olaf Schöppe hebt hervor, dass wir es gerade selbst in der Hand haben. Statt über die zweifelhafte Lobbyarbeit der Energiewirtschaft bei der Bundesregierung zu klagen, könnten wir so viele Solaranlagen installieren, dass wir die Energiewende von ganz alleine beschleunigen. Der Kohleausstieg von unten!Der Gast dieser Woche:Olaf Schöppe, Geschäftsführer Independa


