

Carls Café
Michael Carl
Carls Café ist ein Podcast über Zukunft und die Menschen, die sie gestalten. Nicht als Vision, sondern als Entscheidung.
Zukunftsforscher Michael Carl spricht mit Menschen, die Verantwortung übernehmen – in Unternehmen, Organisationen und Gesellschaft. Menschen, die handeln, auch wenn es Gegenwind gibt. Die nicht alles wissen, aber trotzdem losgehen.
Die Gespräche sind ehrlich, persönlich und ungeschönt. Es geht um Haltung statt Buzzwords. Um Entscheidungen statt Konzepte. Um die Frage, was Zukunft im Alltag wirklich kostet – und was sie möglich macht.
Carls Café ist kein Zukunftstalk. Es ist ein Ort für Zukunft als Praxis.
Mehr über Michael Carl und Carls Zukunft:
https://carls-zukunft.de
Zukunftsforscher Michael Carl spricht mit Menschen, die Verantwortung übernehmen – in Unternehmen, Organisationen und Gesellschaft. Menschen, die handeln, auch wenn es Gegenwind gibt. Die nicht alles wissen, aber trotzdem losgehen.
Die Gespräche sind ehrlich, persönlich und ungeschönt. Es geht um Haltung statt Buzzwords. Um Entscheidungen statt Konzepte. Um die Frage, was Zukunft im Alltag wirklich kostet – und was sie möglich macht.
Carls Café ist kein Zukunftstalk. Es ist ein Ort für Zukunft als Praxis.
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https://carls-zukunft.de
Episodes
Mentioned books

Oct 28, 2021 • 38min
#58 How to build a Metaversum in three simple Steps
Diese Woche in der Zukunft: Das Metaversum kommt. Sagt Facebook und kündigt aktuell 10.000 neue Stellen in Europa an. Sagt so ziemlich jeder Tech-Gigant schon länger. Nur: Was ist das Metaversum? Eine Art Internet in 3D? Zoom-Konferenz mit virtuellem Anfassen? Die Rückkehr von Second Life?Der Tech-Blogger Kris Köhntopp – nach eigener Aussage seit 1987 im Internet und seit her nicht wieder draußen gewesen – sagt: Wir erleben gerade eine chaotische Phase, die für neue Technologien typisch ist. Zahlreiche große Akteure investieren, erforschen, versuchen Claims abzustecken und den Kuchen erst mal zu backen, bevor er dann gewinnbringend verteilt werden kann. Michael Carl und Kris Köhntopp nehmen die Idee eines Metaversum Stück für Stück auseinander. Was könnte ein Metaversum künftig ausmachen? Wer wird das attraktiv finden? Wer sieht hier völlig neue Geschäftsmodelle? Welche Rolle spielt Facebook, was hat das Bond-Auto in diesem Spiel zu suchen und was wir hier von Fortnite und Minecraft lernen können.Wer über das Metaversum mitreden will, braucht diese Folge. Wer dann immer noch mehr wissen möchte, wird hier im Blog von Kris fündig. Der Gast in dieser Woche:Kris Köhntopp, Blogger „Die wunderbare Welt von Isotopp“, Ingenieur, Gamer

Oct 21, 2021 • 35min
#57 Der Al Capone-Effekt der Nachhaltigkeit
Diese Woche in der Zukunft: Nachhaltigkeit ist wichtig. Ja. Nachhaltigkeit ist im Kommen, wird wichtiger. Ja ja. Die Kund:innen wollen das immer mehr. Naja ja. Ja? In dieser Episode gehen wir den Treibern der Nachhaltigkeit auf die Spur. Michael Carl ist im Gespräch mit Martin Bausen, Finanzierungsspezialist bei der GLS-Bank. Martins These: In fünf bis zehn Jahren wird es keinen nennenswerten wirtschaftlichen Erfolg mehr geben können, der nicht auf nachhaltigem Unternehmertum basiert. Grund eins: Die Bedürfnisse der Kund:innen sind in einem tiefen Wandel. Ganz schlicht: Kund:innen wollen das immer mehr, sie äußern das immer mehr, sie verlangen das immer mehr. Was ist „das“? „Das“ ist Transparenz über Inhalte von Produkten, „das“ ist Transparenz über Produktion und Produktionsbedingungen, „das“ ist die Frage, was sich alles genau mit dem konkreten Produkt verbindet. Grund zwei – und der ist entscheidend: Die Unternehmensfinanzierung. Ganz praktisch wird es der Unternehmer merken, der bislang alle drei Jahre seinen Firmenkundenbetreuer anruft, um wieder eine neue Maschine zu finanzieren. Statt „Alles klar, wie immer“, wird er künftig hören: Wir haben da mal ein paar neue Fragen. Fragen zur Energie, zu Lieferketten, zu Arbeitsbedingungen – kurzum: zur Nachhaltigkeit. Dahinter stehen die Prüfmechanismen der Banken selbst – und hier kommt Al Capone ins Spiel. Die Banken werden schon in naher Zukunft sehr genau prüfen, wie nachhaltig ein Unternehmen und sein Geschäftsmodell aufgestellt sind. Sie werden dies tun, weil sie selbst genauer hierauf geprüft werden. Wie viele Firmenkunden liegen in Hochwassergebieten, wie viele brauchen Zugang zu Wasser? Wie verändert sich die Bilanz der Bank, wenn der Strompreis deutlich steigt und überdurchschnittlich viele energieintensive Branchen im Portfolio liegen? Die BAFin hat bereits Merkblätter an die Banken verschickt und angekündigt, wonach sie in den kommenden Jahren genau fragen wird: Nach der Nachhaltigkeit. Al Capone hat die Justiz niemals wegen Mord und Erpressung dranbekommen. Erst als die Verwaltungsmaschine anlief, landete er wegen Steuerhinterziehung hinter Gittern. Ganz ähnlich die Nachhaltigkeit: Wenn es sonst keiner treibt, sind es am Ende die Bilanzprüfer der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die nachhaltige Geschäftsmodelle durchsetzen. Die These steht: In fünf bis zehn Jahren gibt es keinen nennenswerten wirtschaftlichen Erfolg mehr, der nicht auf nachhaltigen Prinzipien beruht. Der Gast in dieser Woche:Martin Bausen, GLS Bank, Teamleiter Spezial- und Gemeinschaftsfinanzierungen.

Oct 14, 2021 • 29min
#56 Vertreibt die Nachhaltigkeit aus der Öko-Ecke
Diese Woche in der Zukunft: „… Das steht alles in unserem CSR-Bericht. Glaube ich. Der steht hier irgendwo online, Moment, hab‘ ihn gleich …“ Martin Wittau ist Vizepräsident der Bundesvereinigung Nachhaltigkeit. Für Martin ist klar: Wer Nachhaltigkeit für ein Sonntagsthema hält, überblickt die Tragweite noch nicht. Und: Wer wirklich auf Dauer erfolgreich unternehmerisch tätig sein will, kann kaum anders, als nachhaltig zu denken und zu lenken. Er ist ein freundlicher Mensch und formuliert auch so. Aber Nachhaltigkeit ist eine Frage des Erfolgs, nicht nur der Karmapunkte. Oder sogar andersherum: Erfolg ist eine Frage der nachhaltigen Unternehmenspolitik.Martin berichtet von dem Handwerksbetrieb, der mit einer konsequent nachhaltigen Aufstellung auf einmal wieder Azubis bekommt. Von den Unternehmen der Verpackungsindustrie, die seit Corona vor Umsatz und Gewinn kaum laufen kann und doch über Dekarbonisierung nachdenkt. Und und und….Nachhaltigkeit und Klimaschutz stehen in einem eigenwilligen Spannungsverhältnis. Einerseits ringen die beiden Themen um Aufmerksamkeit – und da liegt der Klimaschutz seit geraumer Zeit deutlich vorne. Die nachhaltigen Entwicklungsziele waren kaum von den Vereinten Nationen verabschiedet, als das Pariser Klimaabkommen das Rampenlicht voll in Anspruch nahm. Andererseits ist gerade der Klimaschutz – immerhin eines der 17 Ziele – ein Hebel, um dem Thema Nachhaltigkeit mehr Präsenz zu verschaffen.Der Gast in dieser Woche: Martin Wittau, Bundesvereinigung Nachhaltigkeit e.V., Twitter: @MartinWittau und @BVNGberlin

Oct 7, 2021 • 34min
#55 Die Wissenschaft zum Klima, der Welt und dem ganzen Rest
Diese Woche in der Zukunft: Wir brauchen beides: Klimaschutz und Schutz vor dem Klima. Sagt die Wissenschaft ganz nüchtern. Hier in Gestalt von Sebastian Seiffert, Professor an der Universität Mainz. Er forscht im Grenzgebiet zwischen Physik und Chemie. Nebenbei engagiert er sich als Klimaschützer, bei Scientists for Future und zuletzt als Direktkandidat der Klimaliste bei der Bundestagswahl. Oder ist er nebenbei Professor und in erster Linie mit Klimafragen befasst? Jedenfalls ist er engagiert im Gespräch mit Michael Carl. Sebastian Seiffert beschreibt ganz nüchtern den wissenschaftlichen Konsens: Die Klimakrise ist da und wir haben sie ausgelöst. Derzeit erleben wir mit Starkregen, Hitzewellen und mehr die Folgen einer Erwärmung um 1,2°C. Die ernüchternde Botschaft: Das ist zum Teil unserer Realität geworden. Und es wird wärmer. Es gibt keine theoretische Möglichkeit, diesen Prozess hier zu stoppen oder gar umzukehren. Selbst wenn wir unmittelbar aufhören würden, weitere Treibhausgase auszustoßen, wird sich der Globus weiter aufheizen, da sich die Wirkung der Treibhausgase, die wir bereits in die Atmosphäre geblasen haben, noch nicht vollständig entfaltet hat. Zwei Fragen sind offen: Wie weit werden wir den Globus weiter aufheizen? Antwort: Möglichst wenig. Allein zwischen 1,5°C und 2°C liegt die Möglichkeit, gute Teile unserer Zivilisation erhalten zu können – oder eben nicht. Zweite Frage: Wie weit können wir diesen Prozess hinauszögern, um Zeit für die Anpassung zu gewinnen? Wir werden sie brauchen – für den Umbau der Städte, für eine neue stabile Erergieversorgung, für umfassende Klimatisierung, für eine neue Mobilität, für die Infrastruktur. Kleinigkeiten also. Sebastian sagt: Es reicht offensichtlich nicht, wenn wir Wissenschaftler versuchen nüchterne Fakten zu liefern, auf dass Politik und Gesellschaft ihre Schlüsse daraus ziehen und handeln. Denn: Das Handeln fällt aus. Zu beobachten im überschaubaren Rahmen in der Corona-Krise: Wir haben die Chance, die Pandemie mit Abstand, Masken und temporären Einschränkungen zu überbrücken, bis wir sie wegimpfen können. Erfolg: überschaubar, um es nett zu sagen. Was lernen wir daraus für die Bewältigung der Klimakrise? Es wird schwierig. Motivatrion zieht Sebastian aus dem frisch an Klimaforscher verliehenen Nobelpreis für Physik, unter anderem an Klaus Hasselmann. Genau 100 Jahre nach dem Nobelpreis für Albert Einstein für den Photoelektrischen Effekt – Grundlage der heutigen Solartechnik – und 110 Jahre nach dem Preis für Wilhelm Wien, der mit dem Verschiebungsgesetz mit die Grundlagen für das Verständnis der Erderwärmung gelegt hat. Man spreche mit Naturwissenschaftlern – es gibt immer etwas zu lernen. Der Gast in dieser Woche: Sebastian Seiffert, @sci_ffert

Sep 30, 2021 • 32min
#54 All(es) wird möglich
Diese Woche in der Zukunft: Ein Flugzeug, das ich anziehen kann? Mit elektrischen Turbinen? Der Traum vom Fliegen, auf ganz neue Weise wahr? Konstantin Landuris arbeitet mit einem Team in München an einem neuartigen Flugzeug. Das haben andere auch schon ausprobiert? Na, wunderbar, dann machen wir es eben neu.Herr Landuris, Sie sind Designer und Innenarchitekt? Dann machen Sie so „Schöner Wohnen“-Sachen, oder? Äh, nein. Wie beschreibt einer, der einfach nur das Rad neu erfinden will, seine Tätigkeit? Gestalter? Erfinder? Konstantin Landuris macht Projekte, die er spannend findet, mit denen er die Grenzen des Denkens verschieben will. Konstantin sagt: Wir werden im Laufe der Zeit immer unfreier. Dagegen müssen wir angehen, um Freigeister zu bleiben. Es darf uns nicht reichen, nur an das nächste Produkt zu denken, um es ein wenig besser zu machen. Im Gegenteil. Er sagt: Wir müssen so weit denken, wie es irgendwie geht. 10 Generationen voraus, oder hundert! Wie leben wir dann, wie ist eine Gesellschaft dann aufgebaut? Daraus können wir immer wieder etwas lernen für heute. In diesem Sinne fordert er: Wir müssen Pioniere sein, Zukunftspioniere. Das muss unser Anspruch an uns selbst sein – oder jedenfalls ist es der Anspruch, den Konstantin an sich anlegt. Während der Podcastaufnahme sitzt Konstantin vor einem riesigen Bild des Mondes. Sein Kindheitstraum: Astronaut werden und ins All fliegen. Was lauert da oben? Wie weit können wir unseren Horizont maximal erweitern? Und auch wenn sich immer gut argumentieren lässt, wie viel Hunger sich auf der Welt stillen ließe, wenn das Geld nicht in Raumfahrt, sondern in Lebensmittel investiert würde: Konstantin will, dass wir forschen, Prozesse starten, die uns zu Neuem bringen. Wenn wir immer erst fragen, was sich heute lohnt, werden wir nie anfangen, wirklich Neues zu erforschen und zu entdecken. Der Gast in dieser Woche:Konstantin Landuris, Designer, Innenarchitekt, Gestalter, Filmemacher, Erfinder. www.landuris.com

Sep 24, 2021 • 50min
#53 Klimastreik live
Diese Woche in der Zukunft: Eine Zusatzfolge live vom Klimastreik. Wenn 15.000 Menschen allein in Leipzig auf die Straße gehen, um ihr Recht auf eine lebenswerte Zukunft einzufordern, mischen wir uns mitten drunter und sprechen mit Menschen. Als erste im Gespräch: Paula Piechotta, Ärztin und Spitzenkandidatin der Grünen in Sachsen. Sie erinnert sich daran, wie sie mit der Grünen Jugend noch vor zehn Jahren in Leipzig Kongresse zur Klimakrise veranstaltet hat – mit 20 Teilnehmer:innen. Nicht einmal ausgelacht seien sie geworden. Schlicht ignoriert. Szenenwechsel: Bernhard Stief ist Nikolaipfarrer, der direkte Nachfolger im Amt des Wendepfarrers Christian Führer. Spätestens seit 1989 ist die Nikolaikirche in Leipzig ein Symbol dafür, dass es sich lohnt, aufzustehen, loszugehen und sich Gehör zu verschaffen. Er sagt: Wir sollten erwachsen werden, uns auch unserer Schuld stellen und Verantwortung übernehmen. Das ist das Wachstum, das wir brauchen. Michael Carl hat Familien auf dem Klimastreik getroffen mit ihnen über Eis – für Eisbären wie anwesende Kinder -, Verantwortung und Optimismus gesprochen. Den Abschluss der Folge bildet ein Gespräch mit Johannes Quaas. Er ist Meteorologe, lehrt und forscht an der Uni Leipzig. Er war direkt beteiligt am aktuellen Bericht des IPCC. Er plädiert für den faktenbasierten Dialog – du die Fakten in Klimafragen sind im Wesentlichen eindeutig: Wir waren es. Wir müssen es ändern. Wir hätten das schon vor 30 Jahren machen sollen. Da wir das nicht gemacht haben, müssen wir jetzt umso mehr ran. Der Gast in dieser Woche:Paula Piechotta, Spitzenkandidatin der Grünen in Sachsen @paulapiechottaBernhard Stief, Pfarrer der Evangelischen Nikolaikirche LeipzigProf. Johannes Quaas, Universitätsprofessor, Theoretische Meteorologie, Mitautor des aktuellen Report-IPCC

Sep 23, 2021 • 31min
#52 Er (he/him) trifft sie (she/her)
Diese Woche in der Zukunft: Mit unserer Sprache konstruieren wir unsere Welt. Wofür wir keine Begriffe haben, das können wir nicht denken, das existiert de facto nicht. Eine verhältnismäßig schlichte Konsequenz: Verändert sich die Welt, brauchen wir neue Begriffe, sonst hängen wir uns selber ab. Im Grunde ebenso schlicht: Wer die Welt verändern möchte – und das bedeutet immer: Wer unsere Wahrnehmung der Welt verändern möchte – kann Sprache verändern, um andere Bilder der Welt zu erzeugen. Und schon sind wir bei der Frage, ob eine gendersensiblere Sprache auch eine Welt mit mehr Teilhabe, gerechterem Zugang und weniger unreflektierten Privilegien erzeugen kann. Linda Pulver, Coach aus Hamburg, setzt sich ganz bewusst dafür ein, durch einen Wandel der Sprache Aufmerksamkeit für Vielfalt zu erzeugen. Vielfalt, die irgendwie immer schon da war, die wir gesellschaftlich aber oft nicht hinreichend wahrnehmen. Und was wir nicht wahrnehmen … stärker noch: Solange wir die Breite und Unterschiedlichkeit der Menschen in unserer Gesellschaft nicht wahrnehmen, solange wir damit auch blind sind für unterschiedliche Chancen, Beschränkungen und Privilegien, werden wir genau diese Privilegien auch niemals hinterfragen können. Ist das der Grund für die enorme Aufregung, die ein Stern oder Doppelpunkt verursachen kann? Aktueller Anwendungsfall: Karin Prien, Mitglied im „Zukunftsteam“ von Kanzlerkandidat Laschet und dort für Bildung zuständig, hat direkt nach ihrer Ernennung ein Verbot des Genderns an den Schulen Schleswig-Holsteins erlassen. Zum Erweis ihrer Zukunftsfähigkeit. Das Ganze verkündet in einem Tweet mit Fehlern bei der Kommasetzung und Rechtschreibung. Was ist schlimmer? Linda Pulver betont für die Macht der vielen. Sie sagt: Wir unterschätzen, was wir erreichen können, wenn alle, denen eine Welt mit weniger Privilegien und mehr Gerechtigkeit wichtig ist, dies auch mit ihrer eigenen Sprache zum Ausdruck bringen. Und anschließend in den Dialog gehen, um Perspektiven auszutauschen und zu lernen. Der Gast in dieser Woche:Linda Pulver Linkedin / Instagram

Sep 16, 2021 • 45min
#51 Wie wir die Welt mit Technologie retten
Diese Woche in der Zukunft: Technologie wird uns ermöglichen, die Welt wieder in Balance zu bringen. Das sagt Rafael Laguna de la Vera. Er ist qua Amt für die wirklich radikalen Neuerungen in Deutschland zuständig. Er leitet die Agentur für Sprunginnovationen in Leipzig: SPRIND. Und er hat gerade ein Buch zum Thema veröffentlich: „Sprunginnovation. Wie wir mit Wissenschaft und Technik die Welt wieder in Balance bekommen“.Rafael macht sich für einen sehr optimistischen Ansatz stark. Unsere heutige Technologie ist schon gut: Sie hat dazu geführt, dass wir alle erheblich besser leben, dass wir länger leben, dass wir immer mehr werden. Aber unsere Technologie ist nicht gut genug. Sie ist noch nicht in der Lage die Probleme zu lösen, die wir mit der bisherigen Technologie und ihren im Grunde positiven Folgen erst aufgeworfen haben. Was ist die Antwort: Eine Abkehr von Technologie wäre möglich, würde aber nicht das gute Leben der gesamten Menschheit sichern. Also: Innovation. Und damit ist hier nicht die allmähliche Verbesserung der bisher bekannten Prozesse und Lösungen gemeint, sondern der Sprung, das radikal Neue, das die Bahnen des bisherigen Denkens verlässt. In diesem Sinne gilt: Technologie wird die Probleme von Technologie lösen.Wir leben in innovationsarmen Zeiten. Seit dem Krieg ist in Deutschland keine echte Innovation erdacht und erfolgreich wirtschaftlich umgesetzt worden. Erstaunlicherweise gilt das fast global. Auch in den USA ruht man sich noch auf den Lorbeeren aus den 50ern und 60ern aus. Rafael listet in seinem Buch die wichtigsten Sprunginnovationen der menschlichen Zivilisation auf; das jüngste ist die Entwicklung des Personal Computers Mitte der 70er Jahre. Dabei haben die USA das Muster vorgegeben, wie Kreativität und Innovation systematisch gefördert werden. Nach dem „Hallo Wach“-Moment des Sputnik-Schocks wurde die DARPA gegründet. Eine Agentur, die früh aufgezeigt hat, was es braucht, um im Auftrag von Staat und Gesellschaft wirklich Neues zu erzeugen: Public-Private-Partnerships, Abnahmegarantien für Produkte, die es (fast) noch nicht gibt und vor allem eine Brücke zwischen der Forschung an Universitäten und der wirtschaftlichen Nutzung von Ideen in der Wirtschaft. Dazwischen können im Zweifel auch zehn Jahre liegen – ohne Gewissheit auf Erfolg im Einzelfall. In den USA ist so das Silicon Valley gewachsen und nebenbei sind Kleinigkeiten wie Mikroprozessoren und das Internet entstanden. Rafael sagt: Wenn wir kein Risiko eingehen, sind wir schon gescheitert. Pessimismus ist Zeitverschwendung. Angst vor der Zukunft ebenso. Was wir tun müssen, ist, diese Angst in Tatkraft umzuwandeln. Rafael versucht einen Narrativ zu erzeugen, der Optimismus verbreitet. Ein gutes Zeichen ist, wie viele Menschen sich mit Ideen an SPRIND wenden und wie viele sich an den Challenges der Agentur beteiligen. Für die einzelne Innovation gibt es keine Garantie. Aber, so Rafael Laguna, solange wir genug versuchen und lange genug durchhalten, ist der innovative und wirtschaftliche Erfolg kaum zu vermeiden. Der Gast in dieser Woche:Rafael Laguna de la Vera, Gründungsdirektor der Bundesagentur für Sprunginnovation (SPRIND), @rafbuff, @SPRIND, www.sprind.org

Sep 9, 2021 • 37min
#50 Warum Technologie uns menschlicher macht
Diese Woche in der Zukunft: Technologie macht uns menschlicher. Und das ist gut so. Sagt der Autor, Denker und Cyborg Enno Park. Die Geschichte des Menschen ist eine Geschichte der Technikentwicklung; ohne Technik könnten wir nicht sein, was wir heute sind. Wie zutiefst menschlich Technik ist, sehen wir schon bei vermeintlich einfachen Geräten wie einem Ofen. Kochen mit einem Ofen lagert einen Teil der Verdauungsprozesse aus dem Menschen aus. Damit haben wir es uns ermöglicht, uns anders zu ernähren, anders zu leben, ein anderes Sozialverhalten zu entwickeln, andere Berufe, Krankheiten, etc. So zu sein, wie wir heute zivilisiert leben. Technik ist die Natur des Menschen. Enno Park ist ein Cyborg. Medizinisch gesehen vollständig gehörlos, kann er mit zwei Implantaten ungefähr genauso gut hören wie ein durchschnittlich hörender Mensch. Bonusfunktion: Enno braucht keine Kopfhörer. Er holt sich Musik und den Ton von Videokonferenzen direkt auf die Ohren. Für Enno fühlen sich die Implantate längst an wie Körperteile, die Technologie ist Teil seiner Identität. Seine These: Für diese Identität ist es überhaupt nicht wichtig, ob die Technologie fest im Körper integriert ist. Das Smartphone ist ebenso längst zu einem Körperteil geworden. Wie ein zusätzliches Sinnesorgan hilft es uns, die extra Schicht – genannt: Internet – wahrzunehmen, die wir über die Welt gelegt haben. Wie wird uns Technologie in den kommenden Jahren beeinflussen? Was kommt auf uns zu? Was ergibt die – Achtung: sehr deutsches Wort – Technologiefolgenabschätzung? Enno Park sagt: Wir können das nicht sinnvoll abschätzen, aber wir müssen es tun. Aus seiner Sicht sind es vor allem die Entwicklungen rund um Systeme künstlicher Intelligenz und Biotechnologie, die auf absehbare Zeit prägen werden, wie sich unser Leben entwickelt. Und das ist im Kern eine positive Nachricht, weil wir ohne technologischen Schub keine Chance hätten, ernsthaft der größten aktuellen Krise zu begegnen und die Erderhitzung auf nicht viel mehr als 1,5 Grad zu beschränken. Allein die Herausforderung der Klimakrise führt Enno Park zu der Forderung: Wir sind aufgefordert, Technologie jetzt zu nutzen. Und wir sind aufgefordert, ihren Einsatz auch politisch durchzusetzen, wo immer das Handeln des Einzelnen nicht hinreicht. Das aktuelle Buch von Enno Park heißt „Sozioinformatik: Ein neuer Blick auf Informatik und Gesellschaft“; er hat es gemeinsam mit Katharina Zweig, Tobias Krafft und Anita Klingel veröffentlicht. Der Gast in dieser Woche:Enno Park, Autor, Denker, Informatiker. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Technikkultur und der Mensch-Maschine-Beziehung. www.ennopark.de, @ennopark

Sep 2, 2021 • 33min
#49 Heute schon gekündigt?
Diese Woche in der Zukunft: “Thank God, it’s Monday“ statt TGIF. Wer einen Beruf hat, der einem mehr Energie gibt als er nimmt, wird das Wochenende genießen – und sich dennoch auf Montagmorgen freuen. Jannike Stöhr sagt: Niemand sollte einen Job haben, der diesem Maßstab nicht genügt. Und fügt hinzu: Wahrscheinlich können nahezu alle, die heute in ihrem Job nicht intrinsisch motiviert und glücklich sind, deutliche Schritte in genau diese Richtung gehen. Jannike Stöhr arbeitet von Berlin aus als Coach für erfüllte Karrieren, unterstützt Menschen dabei, für sich zu reflektieren, welche Berufswege zu einem passen. Jannikes Beobachtung: Frauen scheinen bei der Frage nach guter Arbeit einen echten Schritt weiter zu sein. Zwar verknüpfen wir immer noch viele schlechter bezahlte Tätigkeiten mit geringeren Aufstiegschancen eher mit Frauen und die klassischen Karrierepositionen mit Männern. Aber die Frage, welche Tätigkeit zu mir passt und mich ausfüllt, stellen zumindest in Jannikes Kursen eher die Frauen als die Männer. Zudem: Externe Anreizsysteme destabilisieren die intrinsische Motivation. Jannikes Bild von der Arbeit der Zukunft: Wenn wir erfüllter arbeiten, werden wir uns ohne Anordnung selbst neue Skills verschaffen, uns entwickeln, uns Räume schaffen. Mit Michael Carl springt Jannike über die Kraft von Kündigungen und setzt auf die Eigenverantwortung der Menschen. Mittelbar erzeugt das natürlich auch Druck auf Unternehmen: Je mehr Menschen gute Arbeit und gute Arbeitsbedingungen einfordern und andernfalls mit den Füßen abstimmen, desto stärker müssen Unternehmen hier nachziehen und auf die individuellen Bedürfnisse und Stärken von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Rücksicht nehmen. Spoiler: Der Kickertisch ist es nicht. Obst zur Mittagszeit auch nicht. Jannike sagt: Der Druck auf Unternehmen ist noch nicht hoch genug. Die Schilderungen, mit denen Menschen zu ihr in die Kurse kommen, zeigen: Es braucht noch mehr, um gute Arbeitsbedingungen zu schaffen. Die klare Aufforderung steht am Ende der Episode: Du kannst heute anfangen. Auch wenn jeder und jede selbst verantwortlich ist, du kannst dich heute in Bewegung setzen, Stück für Stück reflektieren, was deine Bedürfnisse sind. Du kannst heute klären, ob Dein Umfeld bereit ist, deine Bedürfnisse zu berücksichtigen. Und wenn nicht, dann mach dich auf den Weg. Jannike sagt: Wenn ich mein Leben erst einmal auf meine eigenen Entscheidungen aufbaue, dann gibt es die Frage nicht mehr, ob ich morgen Lust habe zu arbeiten oder nicht. Wenn ich keine Lust habe, dann ändere ich es halt. Zu Gast in dieser Woche:Jannike Stöhr


