Carls Café

Michael Carl
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Dec 25, 2021 • 45min

Review 2021: Rafael Laguna – Wie wir die Welt mit Technologie retten

Diese Woche in der Zukunft: Technologie wird uns ermöglichen, die Welt wieder in Balance zu bringen. Das sagt Rafael Laguna de la Vera. Er ist qua Amt für die wirklich radikalen Neuerungen in Deutschland zuständig. Er leitet die Agentur für Sprunginnovationen in Leipzig: SPRIND. Und er hat gerade ein Buch zum Thema veröffentlich: „Sprunginnovation. Wie wir mit Wissenschaft und Technik die Welt wieder in Balance bekommen“.Rafael macht sich für einen sehr optimistischen Ansatz stark. Unsere heutige Technologie ist schon gut: Sie hat dazu geführt, dass wir alle erheblich besser leben, dass wir länger leben, dass wir immer mehr werden. Aber unsere Technologie ist nicht gut genug. Sie ist noch nicht in der Lage die Probleme zu lösen, die wir mit der bisherigen Technologie und ihren im Grunde positiven Folgen erst aufgeworfen haben. Was ist die Antwort: Eine Abkehr von Technologie wäre möglich, würde aber nicht das gute Leben der gesamten Menschheit sichern. Also: Innovation. Und damit ist hier nicht die allmähliche Verbesserung der bisher bekannten Prozesse und Lösungen gemeint, sondern der Sprung, das radikal Neue, das die Bahnen des bisherigen Denkens verlässt. In diesem Sinne gilt: Technologie wird die Probleme von Technologie lösen.Wir leben in innovationsarmen Zeiten. Seit dem Krieg ist in Deutschland keine echte Innovation erdacht und erfolgreich wirtschaftlich umgesetzt worden. Erstaunlicherweise gilt das fast global. Auch in den USA ruht man sich noch auf den Lorbeeren aus den 50ern und 60ern aus. Rafael listet in seinem Buch die wichtigsten Sprunginnovationen der menschlichen Zivilisation auf; das jüngste ist die Entwicklung des Personal Computers Mitte der 70er Jahre. Dabei haben die USA das Muster vorgegeben, wie Kreativität und Innovation systematisch gefördert werden. Nach dem „Hallo Wach“-Moment des Sputnik-Schocks wurde die DARPA gegründet. Eine Agentur, die früh aufgezeigt hat, was es braucht, um im Auftrag von Staat und Gesellschaft wirklich Neues zu erzeugen: Public-Private-Partnerships, Abnahmegarantien für Produkte, die es (fast) noch nicht gibt und vor allem eine Brücke zwischen der Forschung an Universitäten und der wirtschaftlichen Nutzung von Ideen in der Wirtschaft. Dazwischen können im Zweifel auch zehn Jahre liegen – ohne Gewissheit auf Erfolg im Einzelfall. In den USA ist so das Silicon Valley gewachsen und nebenbei sind Kleinigkeiten wie Mikroprozessoren und das Internet entstanden. Rafael sagt: Wenn wir kein Risiko eingehen, sind wir schon gescheitert. Pessimismus ist Zeitverschwendung. Angst vor der Zukunft ebenso. Was wir tun müssen, ist, diese Angst in Tatkraft umzuwandeln. Rafael versucht einen Narrativ zu erzeugen, der Optimismus verbreitet. Ein gutes Zeichen ist, wie viele Menschen sich mit Ideen an SPRIND wenden und wie viele sich an den Challenges der Agentur beteiligen. Für die einzelne Innovation gibt es keine Garantie. Aber, so Rafael Laguna, solange wir genug versuchen und lange genug durchhalten, ist der innovative und wirtschaftliche Erfolg kaum zu vermeiden. Zu Gast in dieser Woche: Rafael Laguna de la Vera, Gründungsdirektor der Bundesagentur für Sprunginnovation (SPRIND), @rafbuff, @SPRIND, www.sprind.org 
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Dec 24, 2021 • 26min

Review 2021: Christian Stöcker – Das Wunder des exponentiellen Wachstums

Diese Woche in der Zukunft: Halten wir fest: Wir Menschen sind kognitiv schlecht dafür ausgerüstet, mit exponentiellem Wachstum umzugehen. Dennoch sind wir davon umgeben: Sei es die Ansteckungsrate mit SARS-CoV-2, unser Beitrag zur CO2-Menge in der Atmosphäre, die Papierproduktion, der weltweite Tourismus etc. Umso dringlicher müssen wir lernen, mit diesem Mechanismus umzugehen. Christian Stöcker, Spiegel-Kolumnist und Kognitionspsychologe, beschreibt in seinem Buch „Das Experiment sind wir“ anschaulich, was exponentielles Wachstum für unsere Lebens- und Arbeitswelten bedeutet. Im Gespräch mit Michael Carl erklärt er, was exponentielles Wachstum mit unserem Jahrhundert der Krisen zu tun hat und zeigt dabei hoffnungsvoll mögliche Lösungswege auf. Kleiner Spoiler: Mehr Bildung für alle! Zu Gast in dieser Woche:Christian Stöcker, Kognitionspsychologe, Professor für Digitale Kommunikation an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW), Buchautor, Spiegel-Kolumnist und Nerd
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Dec 23, 2021 • 34min

#66 Weihnachten im Metaversum

Diese Woche in der Zukunft: Worin liegt der Zauber des Metaversums? Warum lassen wir uns hineinziehen in eine digitale Welt und warum geben wir die sichere Überzeugung, dass diese digitale Welt nicht handfest real sein kann, bereitwillig an der Pforte ab? An der Anziehungskraft digitaler Welten besteht ja kein Zweifel – nicht erst, seit Facebook sein Mutterunternehmen in Meta umbenannt hat und voll auf die Entwicklung eines Metaversums setzt. Was ein Metaversum werden kann, war Thema von Episode 58 unseres Podcasts.Christian Wessely ist Professor für Fundamentaltheologie und forscht seit vielen Jahren zu Games, Medien und Religion. Er sagt: Es ist nicht die Technik allein. Das System entscheidet – und zum System tragen neben der schlichten Technologie auch die Stoffe, die Avatare, das Verhalten der anderen Gamer bei. Am Ende kann uns ein verpixeltes uralt-Game genauso in den Bann schlagen wie Zuckerbergs Visionen einer volldigitalisierten und maximal realitätsnahen Umgebung. Für Christian ist der Gedanke der menschlichen Ohnmachtserfahrungen zentral. Wir alle erleben immer wieder: Das, was wirklich wichtig ist, steht nicht in unserer Verfügung. Viele entscheidende Aspekte unseres Lebens können wir nicht kontrollieren. Christian sagt: Das betrifft sogar die Mehrheit der Themen unseres Lebens. Auch deshalb ist Gaming so anziehend. Gaming ist letztlich eine Verhaltensweise, Gaming tröstet, baut auf, hilft mir beim Verorten in der Welt. Hier kann der Gamer Kontrolle erfahren. Ist Gaming damit eine Form der Erlösung? Es wirkt so, zugleich: Auch die großartigste Spielwelt lebt vom Unverfügbaren. Fallen SSD und Internetanschluss aus, fällt die Erfahrung der Macht.Zu Gast in dieser Woche: Christian Wessely, Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Graz, Gamer, Landwirtschaftsmeister, Diakon, Betriebsrat, DonaldistChristian ist einer der Herausgeber des Journal for Religion, Film and Media. www.jrfm.eu
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Dec 16, 2021 • 42min

#65 Lernen macht den Superhelden. Über die Arbeit der Zukunft

Diese Woche in der Zukunft: Sprechen wir über die Zukunft von Arbeit. Ist das schon Arbeit? Immerhin bereitet es doch Vergnügen, über die Entwicklung von Arbeit nachzudenken? Jedenfalls, wenn man das Vergnügen hat, das gemeinsam mit Robin Wunsch zu tun. Als Gründer und Vorstandssprecher der GuideCom AG hat Robin Wunsch mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bereich der Digitalisierung von HR-Prozessen. Seine Fokusthemen sind HR Trends, Usability, Innovation, Change-Management, Arbeitsplatzkultur und HR Role Model, die er als Product Owner für Magellan (eine digitale Lösung für den Bereich Personalmanagement und Organisationsentwicklung) einfließen lässt. Was ihn hauptsächlich antreibt, ist eine gute Zukunft der Arbeit. Aber wie ist die Arbeit von morgen? Ist das, wenn nicht mehr Mühe und Zwang im Vordergrund stehen, sondern Software und Robotik uns alles abnehmen, was anstrengend, nervig und reine Wiederholung ist, und wir ... ja, was eigentlich tun? Robin sagt: Ich glaube fest an eine Zukunft, in der wir am Steuer bleiben. Der digitale Kollege und ich, wir bilden ein Super Team. Wir werden in gemischt human-digitalen Teams arbeiten, mit einer zunehmend leistungsfähigen IT auf Augenhöhe. Die Differenzierung ist wichtig. Auch wenn IT vieles deutlich besser kann als wir selbst – Muster in großen Datenmengen erkennen, 24/7 gleich leistungsfähig sein, Aufgaben strukturieren und mehr – sieht Robin die IT nicht als den neuen Vorgesetzten. Das Bild ist eher dieses: Nebenan sitzt der Kollege, der sich schon seit Jahren mit einer bestimmten Materie befasst. Habe ich eine Frage, gehe ich einfach zu ihm, bevor ich selbst stundenlang recherchiere – und folge seiner Empfehlung. In diesem Sinne werden wir auch den Algorithmen folgen, ohne dass sie uns vorgesetzt sind. Wir folgen ja auch meist dem Navigationssystem und nicht dem hektischen Beifahrer neben uns. Zentral ist etwas anders: Es geht um unsere Grundbedürfnisse. Wir wollen autonom handeln können, soziale Zugehörigkeit erfahren und selbstwirksam sein, dann haben wir eine gute Aussicht auf Glück und Zufriedenheit. Robin betont: Es gibt keinen Grund, warum wir das nicht mit Technologie im Team erleben sollten. Aber wie ist sie denn nun, die Arbeit der Zukunft? Ein Merkmal, quer durch die Branchen: Massenhafte Individualisierung. Beispiel Personalentwicklung: Wir tun heute so, als könne die Quadratur des Kreises im Alltag gelingen, als könnten sich einzelne Mitarbeiter:innen der PE wirklich um die Entwicklung von vielen tausend Kolleg:innen kümmern. In Wahrheit führen sie Listen – „Wer hat 2021 schon seine Schulung zu Arbeitsschutz gemacht?“ – und beantworten Entwicklungsbedarfe maximal mit Seminarbuchungen – „Nächstes Jahr belege ich dann SAP für Fortgeschrittene II“. Sobald der Bot übernimmt, kann sich eine Personalabteilung tatsächlich individuell kümmern. Personalentwickler:innen können erstmals ernsthaft Karriereberatung anbieten. Fun fact: Indem die Technologie ihnen einen wesentlichen Teil der Arbeit wegnimmt, können sie erstmal ihren eigentlichen Job ausüben. Was macht mich in der Arbeit der Zukunft zum Superhelden? Expertenwissen allein ist es nicht mehr. Der Algorithmus hat im Zweifel tausendmal so viele Röntgenbilder dieses einen speziellen Tumortyps gesehen. Robins Einschätzung: Überfachliche Fähigkeiten werden in den allermeisten Fällen erheblich wichtiger als die fachlichen Fähigkeiten. Hinzu kommt: Die fachlichen Fähigkeiten wirklich aktuell zu halten, ist immer aufwendiger. Kreativität, Resilienz, Agilität, das brauchen wir. Die Wertigkeit von Berufen wird sich nachhaltig verändern. Kunsthandwerk wird in unserer Achtung und Wertigkeit steigen. Unsere zentrale Kompetenz in der Zukunft ist das Lernen. Das ist der Superskill von morgen. Wir müssen lernen, anders zu lernen. In einer anderen Frequenz und Selbstverständlichkeit.Zu Gast in dieser Woche:Robin Wunsch, GuideCom AG, Vorstandssprecher und Mitgründer
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Dec 9, 2021 • 39min

#64 Businessplan Nachhaltigkeit – es geht nicht mehr anders

Diese Woche in der Zukunft: Wird es Ende der 20er Jahre noch wirtschaftlichen Erfolg geben, der nicht auf nachhaltigen Prinzipien beruht? René Schmidpeter ist sich sicher: In vielen Bereichen wird die Transformation schneller gehen. Die Ausrichtung der Strategie, die Entwicklung der passenden Geschäftsmodelle wird in den kommenden 1, 2 bis maximal 5 Jahren erfolgen müssen. Auch wenn die tatsächliche Transformation von Prozessen und Infrastruktur vielleicht noch ein Jahrzehnt länger braucht – wer sein Denken nicht jetzt schnell und gründlich umstellt, der wird abgehängt. Und abgehängt heißt: Das Unternehmen wird Probleme mit seinen Kund:innen bekommen. Es wird größte Schwierigkeiten haben, neue Mitarbeiter:innen zu gewinnen und die bisherigen zu halten. Es wird kaum noch einen Investor oder Kreditgeber finden. Kurzum: Die Zeit des Erfolgs ist vorbei. Kein wirtschaftlicher Erfolg ohne NachhaltigkeitWir leben insgesamt über unsere planetarischen Verhältnisse. René nennt vier Branchen, die besonders unter Druck stehen: Mobilität, Energie, Ernährung und Agrar, sowie die Finanzwirtschaft. Hier gilt heute schon: Nachhaltigkeit ist ein Businesscase. Es geht schlicht nicht mehr anders. Wer sein Denken heute umstellen will, für den hat René eine einfache Frage: Was möchte ich in der Welt bewirken? Die Antwort darauf leitet den Weg zur Nachhaltigkeit. René betont: Eine Antwort auf diese Frage fordern gerade die Investoren dieser Welt. Sie sind es, die verstanden haben, dass nachhaltig wirtschaftende Unternehmen nicht nur ein besseres Image haben, sie sind in der Regel auch wirtschaftlich erfolgreicher. Eine neue BWLDas Problem des klassischen Lehrbuchwissens der Wirtschaft: Wir sind lange, zu lange von einer Situation des Mangels ausgegangen. So haben wir Märkte betrachtet, Rohstoffe, Mitarbeiter, Budget und Investitionen. Entsprechend haben wir geglaubt, es könne immer nur einer gewinnen und alle anderen hätten das Nachsehen. Die Nachhaltigkeit zeigt, dass wir viel weiter kommen, wenn wir stattdessen von der Idee der Fülle ausgehen. Das verändert die Grundlagen der Wirtschaft vollständig, denn wir können nicht mehr auf Kosten von anderen gewinnen. Dieses Nullsummen-Denken ist Geschichte. Auch ein „win-win“ klingt zwar besser, schließt aber immer noch die Möglichkeit ein, dass eine Seite verlieren könnte. Es gibt nur noch zwei Optionen: „win“ oder „lose“. Entweder wir gewinnen alle oder wir verlieren alle. Entsprechend, so René, ist die Zeit des „Shareholder Value“-Denkens vorbei. Man möchte sagen: Zum Glück, denn so berauschend intelligent war dieses Konzept ja ohnehin nie. Eine zweite AufklärungInsofern ist Nachhaltigkeit vor allem eine Umstellung des Denkens. Für René können wir die Bedeutung dieser Phase in der Geschichte kaum überschätzen. Er ist sich sicher, dass Historiker unser Jahrzehnt im Rückblick eine zweite Aufklärung nennen werden. Jetzt Michael Carl als Redner zum Businessplan Nachhaltigkeit buchen!Der Gast in dieser Woche: Professor Dr. René Schmidpeter lehrt Nachhaltiges Management an der Internationalen Hochschule München und leitet das Institut für nachhaltige Unternehmenstransformation www.m3trix.de, wenn er nicht gerade ein Buch über Nachhaltiges Wirtschaften und CSR schreibt. 
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Dec 2, 2021 • 40min

#63 Die Mobilität der Zukunft: Ein unsichtbarer ÖPNV

Diese Woche in der Zukunft: Gute Mobilität ist im Zweifel unsichtbar. Sie steht nicht herum, sie behindert und bremst nicht – aber wenn man sie braucht, ist sie da. So sagt es Anna-Theresa Korbutt, Geschäftsführerin des Hamburger Verkehrsverbunds HVV im Gespräch mit Michael Carl. Was der ÖPNV nicht hat, heute nicht und morgen nicht: Einen USP. Anna beschreibt, warum das letztlich ein Vorteil ist. Mobilität der Zukunft muss im positiven Sinne selbstverständlich sein. So allgegenwärtig da wie Strom oder Wasser, gerne auch so unemotional. Und wer jahrelang den Bus hat vorbeifahren lassen, soll immer noch ohne weiteres einsteigen können: "Wir sind immer da." So einfach. Anna sieht die urbane Mobilität leidenschaftlich gelassen. Leidenschaftlich, weil sie weiß, wie viele Geschichten in den Menschen schlummern, die sie mit U-Bahn, S-Bahn und Bus erlebt haben. Leidenschaftlich auch, weil sie um die Bedeutung des ÖPNV weiß. Manchmal, so lässt sie durchblicken, hätte sie schon Lust, einen Tag den Betrieb einzustellen, um zu zeigen: Wir sind das Rückgrat der Wirtschaft. Wir halten den Laden am Laufen. Aber dann doch wieder gelassen: Mehr neue Akteure von Google bis Tesla? Herzlich Willkommen. Wenn die Menschen ihre Verbindungen bei Google zusammenstellen und die besseren Informationen in Echtzeit bekommen: Wunderbar. Ebenso fürchtet sie nicht die Anbieter autonomer Fahrzeugflotten, die ja im Grunde auch eine Art öffentliches Verkehrsangebot sind. Tausend Tesla in der Stadt würde sie im Zweifel als Flotte betreiben wollen, aber nicht als Konkurrent fürchten. Zu Gast in dieser Woche:Anna-Theresa Korbutt, Geschäftsführerin Hamburger Verkehrsverbund
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Nov 25, 2021 • 38min

#62 Über die Transformation einer ehrwürdigen Sparkasse

Diese Woche in der Zukunft: Eine Erkenntnis steht am Anfang: Wenn wir so weiterarbeiten wie noch vor drei Jahren, wird es in fünf bis zehn Jahren keine Existenzberechtigung mehr für uns geben. Also müssen wir entscheidendes anders machen. Andere Arbeit, andere Geschäftsmodelle, andere Organisation. So die Sparkasse Bremen. Vorstand Pranjal Kothari ist hier im Gespräch mit Michael Carl. Wollen wir die Zukunft der Sparkasse sichern, müssen wir genauso schnell sein wie Startups, nur so werden wir das Vertrauen der Kunden erhalten und ausbauen können. Nur so auch eine Nische neben den großen Tech-Unternehmen finden und halten können. Survival is an option, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Der einfache Teil der Transformation war der Neubau. Das klassische Bankgebäude mit Marmorhalle hat die Sparkasse verkauft und durch einen Neubau in der Nähe der Uni ersetzt. Im Großraum hat niemand einen festen Platz, auch der Vorstand nicht. Auch ist der Platz künstlich verknappt, maximal die Hälfte der Belegschaft kann im Teambereich arbeiten – das System ist auf mobile Arbeit angelegt. Tiefer geht die Veränderung von Organisation und Kultur: Hierarchiestufen gibt es keine mehr, außer dem Vorstand, den es aus rechtlichen Gründen geben muss. Jede:r in der Bank kann entscheiden. Und soll entscheiden. Grundlage sind im Kern drei Regeln: Keine Entscheidungen zum Nachteil von Sparkasse und Kunden. Keine Entscheidungen zu Lasten Dritter. Offene Fehlerkultur. Pranjal schildert im Podcast auch die Details der Transformation: Wie funktioniert dann noch Karriere? Wie hat die Sparkasse das Organisationsmodell von Spotify für sich adaptiert? Wer im Team verdient wieviel Geld? Welche Rolle spielen die regionale Verankerung und das Immobiliengeschäft? Und warum sind Kundenvertrauen und Kundennutzen die beiden zentrale Assets? Eine Reise, von der keiner der Beteiligten jetzt schon weiß, wohin genau sie führt und wann sie beendet sein wird. Mutmaßlich nie. Der Gast in dieser Woche:Pranjal Kothari, Vorstand Sparkasse Bremen
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Nov 18, 2021 • 36min

#61 Neues Wissen für Unternehmen (Bd. 1, A-F)

Diese Woche in der Zukunft: Dieser Podcast wird dir neue Perspektiven bringen. Und er sagt dir, warum du jeden Tag bei der Arbeit eine Stunde lesen solltest. Dazu unsere Lesezeichen-Verlosung zur Vorweihnachtszeit.Michael Carl ist heute im Gespräch mit Anja Mutschler. Anja ist Wissensdienstleisterin. Es klingt so schlicht: Anja versorgt Unternehmen mit neuem Wissen. Können die nicht selber googlen? Natürlich. Nur sind aneinander gereihte Informationen noch kein Wissen. Oft genug stehen sich die Expert:innen und Fachleute mit langjähriger Erfahrung selbst im Weg – und das umso mehr, je weniger sie interdisziplinär zusammenarbeiten. Wer immer nur dieselben Fragen im selben Kreis stellt, wird immer wieder dieselben Antworte bekommen. Die entsprechen dann zwar der allgemeinen Erfahrung und sind durch den Bias der Organisation abgesichert und richtig. Nur: Helfen sie auch? Auch bei Entscheidungen unter Unsicherheit? Und gibt es überhaupt noch relevante andere? Hier das How to? für einen neuen und zeitgemäßen Umgang mit Wissen in drei einfachen Schritten:Erstens: Lesen. Jeden Tag. Mindestens eine Stunde, besser zwei. Damit wir uns nicht missverstehen: Das ist Arbeit, das geschieht im Büro. Zweitens: Störgefühle ernst nehmen. Wir alle kennen den Moment, wenn alle Anwesenden im Meeting spüren, dass etwas Grundlegendes nicht stimmt – und alle weitermachen, weil es vermeintlich bequemer ist. Störgefühle sind wichtige Wegweiser zu neuem Wissen.Drittens: Zusammenarbeiten. Falls es je Zeiten gegeben haben sollte, in denen wichtige Probleme aus einer einzelnen Fachperspektive zu lösen waren, dann sind sie jedenfalls vorbei. Relevantes Wissen für heute und morgen braucht immer viele Perspektiven. Der Gast in dieser Woche:Anja Mutschler, Wissensdienstleisterin, Gründerin und Geschäftsführerin von 20blue.
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Nov 11, 2021 • 39min

#60 Nachts um drei am Nordpol

Diese Woche in der Zukunft: Wir gehen in die Arktis, ins ewige Eis. Wobei: Ist das überhaupt noch ewiges Eis? Antje Boetius sagt: Der Wandel des Klimas ist am Nordpol mit bloßem Auge zu erkennen. Das Eis ist nur noch halb so dick und Vielerorts stehen Süßwasser-Seen aus Tauwasser auf den Eisschollen. Antje Boetius ist Meeresbiologin, Professorin an der Universität Bremen und Direktorin des AWI. Das AWI ist das Alfred Wegner Institut, das Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Das Institut hat gerade die größte Nordpolexpedition aller Zeiten abgeschlossen: MOSAiC, die Expedition Arktis.Antje Boetius hat sich von der Glagower Klimakonferenz zum Podcast dazugeschaltet. Hörbarer Trubel im Hintergrund, ständig eingehende Nachrichten, die Forscherin ist gefragt. MOSAiC ist eine Expedition der außergewöhnlichen Art. Besetzt mit zahllosen Forscher:innen nimmt die „Polarstern“ von Sibirien aus Kurs nach Norden. In einer geeigneten Eisscholle lässt die Crew das Schiff einfrieren, drum herum eine Forschungsstation aufs Eis gebaut – und dann heißt es abwarten. Mit der Drift treibt die Polarstern quer durch den Nordpol und kommt nach Monaten auf der anderen Seite in Grönland wieder heraus. Zwischendurch haben unterschiedlichste Forscher:innen das Eis, die Atmosphäre und das Meer kilometerweit unter dem Nordpol erforscht, kehren zurück mit Daten für Jahrzehnte der Forschungsarbeit.Was Antje heute schon betont: Der Nordpol ist warm, in der Spitze rund zehn Grad wärmer als bei der vorigen Expedition vor 125 Jahren gemessen. Zum Vergleich: Politik und Wissenschaft ringen auf der COP26 in Glasgow um einzelne Zehntel-Grade zwischen 1,5 und 2 Grad Erwärmung der Erdatmosphäre gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter. Der Nordpol ist heute schon zehn Grad wärmer. Antje sagt: Wir wissen furchtbar viel noch nicht. Die Vielfalt des Lebens im Meer haben wir bislang wohl erst zu 10% kennengelernt, die Welt der Mikroorganismen im Meer erst zu 1% - aber wissen genug, um sofort zu handeln und eine weitere Erderwärmung weitest möglich auszuschließen. Wissen wird entscheidend sein. Wir brauchen Forschung, Wissen, Erkenntnis – sowohl um eine weitere Erdwärmung zu verlangsamen, als auch um uns anzupassen. Anzupassen an grundlegend veränderte Lebensumstände, an eine Welt, in der wir stets und immer wieder von klimatisch ausgelösten Ereignissen überrascht werden. Antje Boetius streitet dafür, dieses Wissen schneller an Entscheider:innen zu bringen, aber eben auch an Bürger:innen. Wir alle, so die Meeresbiologin, werden lernen müssen, mit völlig neuen Zeithorizonten umzugehen. Antje arbeitet mit Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Autor:innen zusammen, um hier voran zu kommen. Der Gast in dieser Woche:Antje Boetius, Meeresbiologin, Professorin an der Universität Bremen, Direktorin des Alfred Wegner Instituts, Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung. 
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Nov 4, 2021 • 45min

#59 Quantencomputer – nur ein Hype oder der nächste große Sprung?

Diese Woche in der Zukunft: Die Folge mit den großen Zahlen: Der aktuell größte Quantencomputer ist 100 Billionen Mal schneller als ein Supercomputer. Liest man so. Wer sich darunter etwas vorstellen kann? Natürlich niemand. Ist das nur ein Hype, viel Aufregung von hochspezialisierten Physik-Nerds – oder versprechen Quantencomputer den nächsten großen Sprung für die Menschheit? Michael Carl im Gespräch mit dem Physiker, IT-Ingenieur und Psychologen Frank Fischer. Der sagt: Beides!Franks Analyse: Der entscheidende Treiber für die Entwicklung von Quantencomputern ist die Chemie. Beispiel: Die Herstellung von Ammoniak. Bislang sind wir auf das Haber-Bosch-Verfahren angewiesen – de facto die Methode „Rohe Gewalt“, wirkungsvoll, aber enorm energieaufwendig. Mehrere Prozent des globalen Energiebedarfs gehen auf das Konto des Haber-Bosch-Verfahrens. Die Alternative: Wir konstruieren ein Molekül, das Ammoniak ohne hohen Druck und Temperatur erzeugt. Wir wissen, dass es das Molekül gibt. Wir kennen seine Bestandteile. Allerdings gibt es mehr Möglichkeiten, diese Bestandteile in 3D zusammenzusetzen, als es Teilchen im Universum gibt. Mit herkömmlicher Rechenleistung de facto nicht zu ermitteln. Geschätzter Rechenaufwand für einen Quantencomputer mit 250 QBits: 10 bis 15 Minuten. Der Preis für den Sieger: Besagte mehrere Prozent der weltweit erzeugten Energie. Was ist dagegen eine Investition in neue Technologie von ein paar wenigen Milliarden? Darum sind Google, Amazon, Microsoft, Intel etc alle im Rennen um den ersten leistungsfähigen Quantencomputer dabei. Weitere Anwendungsfälle: Individuell wirksame komplexe Medizin, um Größenordnungen leistungsfähigere Sonnenkollektoren und außerhalb der Chemie: Mobilitätssteuerung, Dienstplanung etc. Franks These: Quantentechnologie macht Computer nicht einfach schneller, sie ermöglicht es, Probleme zu berechnen, die heute de facto unlösbar sind. Nebenbei: Betrachten wir bitte jedes Passwort als jederzeit entschlüsselt. IT-Sicherheit müssen wir vollständig neu denken. Die Perspektive: Google kommuniziert, Quantencomputer würden ab 2029 zur kommerziellen Nutzung bereitstehen. Eine Schätzung, die Frank Fischer für durchweg realistisch hält. Wer bis zu Minute 30 durchhält, bekommt auch noch einen Crash-Kurs Physik bei Herrn Fischer: Was sind Superposition, Entanglement und wer ist Richard Feynman? Und wen das Gefühl beschleicht, nicht alles zu verstehen: Das ist genau die Sicht selbst der beteiligten Physiker. Die setzen inzwischen eher auf sich ergänzende Modelle der Quantenmechanik, die jeweils Aspekte beschreiben. Eine beruhigen Botschaft zum Schluss: Man muss hier nicht alles verstehen.Der Gast in dieser Woche:Frank Fischer, Physiker, IT-Ingenieur, Organisationspsychologe, derzeit bei Snyk.

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