

Carls Café
Michael Carl
Carls Café ist ein Podcast über Zukunft und die Menschen, die sie gestalten. Nicht als Vision, sondern als Entscheidung.
Zukunftsforscher Michael Carl spricht mit Menschen, die Verantwortung übernehmen – in Unternehmen, Organisationen und Gesellschaft. Menschen, die handeln, auch wenn es Gegenwind gibt. Die nicht alles wissen, aber trotzdem losgehen.
Die Gespräche sind ehrlich, persönlich und ungeschönt. Es geht um Haltung statt Buzzwords. Um Entscheidungen statt Konzepte. Um die Frage, was Zukunft im Alltag wirklich kostet – und was sie möglich macht.
Carls Café ist kein Zukunftstalk. Es ist ein Ort für Zukunft als Praxis.
Mehr über Michael Carl und Carls Zukunft:
https://carls-zukunft.de
Zukunftsforscher Michael Carl spricht mit Menschen, die Verantwortung übernehmen – in Unternehmen, Organisationen und Gesellschaft. Menschen, die handeln, auch wenn es Gegenwind gibt. Die nicht alles wissen, aber trotzdem losgehen.
Die Gespräche sind ehrlich, persönlich und ungeschönt. Es geht um Haltung statt Buzzwords. Um Entscheidungen statt Konzepte. Um die Frage, was Zukunft im Alltag wirklich kostet – und was sie möglich macht.
Carls Café ist kein Zukunftstalk. Es ist ein Ort für Zukunft als Praxis.
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Aug 1, 2021 • 35min
#38 Liebe ist das Marketing der Zukunft
Diese Woche in der Zukunft: Gibt es eine Branche, die stärker auf Zahlen und Analysen fixiert ist als Marketing? Theoretisch möglich, faktisch nicht bekannt. Erfolg, Beliebtheit, Klickraten, Kundenwerte, Aufmerksamkeitsspannen, alles ist bekannt – und doch wissen wir nichts. Sagt Hannah S. Fricke. Sie ist Marketingexpertin, oder genauer: Sie kann machen, dass Menschen Dinge lieben. Das ist Marketing der Zukunft: Liebe wecken.Hannah gehört zu den Autor:innen von „Creating the better Normal“, unserem Debattenbuch zu den Chancen einer Normalität nach der akuten Phase der Pandemie. Sie macht sich für den Gedanken stark, dass wir nach der Pandemie in der Kommunikation mehr Raum für tatsächliche menschliche Gefühle haben werden, wie eben Liebe. Doch der Reihe nach.Der erste Gedanke: Wir sind nicht die Spieler, wir sind der Ball. Ein lauter Appell an die Demut in Marketing und Kommunikation. Der Mensch, jedenfalls in Gestalt der erfolgreichen Unternehmer:in, neigt dazu, sich selbst für eine:n Akteur:in zu halten. Schließlich muss der eigene Erfolg ja einen Grund haben, und der wird wohl in der eigenen Kompetenz, im tollen Produkt, in der persönlichen Ausstrahlung liegen. Wo denn auch sonst? Hannah hält dagegen: Was am Ende wirklich entscheidend ist für einen Kauf, wissen wir oft nicht genau. Vielfach wird genau der Kunde, der nach Monaten kauft, bis dahin als Misserfolg gemessen. Bannerwerbung nicht geklickt, Kampagnen nicht zu Ende geschaut, etc. Demut ist die Haltung, die zum Erfolg führt (ist dieser Begriff 2021 schon mit Marketing in Verbindung gebracht worden? Es ist unklar …).Hannah macht sich für einen Dialog stark, der im Kern ein Lernprozess ist. Zuhören, reagieren, interagieren. Kein perfekter Kundendialog aus dem Prozesshandbuch, sondern ein lebendiger Austausch. Wer dem mit den klassischen Instrumenten der Werbemessung beikommen will, misst am Ende nur, wie beliebt ein Motiv ist – dabei wollen wir keine beliebten Motive, sondern Umsatz und verkaufte Produkte. Was wir glauben messen zu können, ist am Ende nicht das Wichtige.Hinzu kommt: Wer die digitalen Instrumente richtig zu bespielen weiß – und das ist fraglos notwendig -, kommt am Ende zwar ins Blickfeld des potenziellen Kunden. Aber die Argumente und Instrumente, die ein Produkt auf Seite 1 der Google-Ergebnisse bringen, sind am Ende wertlos, wenn es um die Aufmerksamkeit des Kunden, der Kundin geht. Eine vertrackte Verkettung.Natürlich: Wer Milch an vernetzte Kühlschränke verkaufen will, der soll den nächstbesten Algorithmus nutzen. Aber gerade mit Blick auf eine Welt nach der akuten Phase der Pandemie sieht Hannah viel Raum für unmittelbare, emotionale Beziehungen. Wir haben gemerkt, was fehlt.Der Gast dieser Woche:Hannah S. Fricke, Marketingexpertin, Professorin University of Westminster und IED Barcelona, die macht, dass Menschen Dinge lieben.

Aug 1, 2021 • 34min
#37 Apotheke der Zukunft
Diese Woche in der Zukunft: Die Medizin der Zukunft ist datengetrieben. So weit, so bekannt. Damit wird sie technologisch, denn schon heute stoßen wir immer wieder dort an Grenzen, wo ein Mensch alle Daten eines Patienten überblicken – nun ja: sollte. Geschehen tut es ohnehin viel zu selten. Es ist auch die Eintrittskarte für eine personalisierte Medizin. Medikamente aus dem 3D-Drucker, für den einzelnen, früher einmal „Patient“ genannten Menschen. Letztlich für alle, die wir unser Wohlbefinden von heute auf morgen ein Stück steigern und letztlich sehr viel länger gut leben wollen.Im Gespräch mit Michael Carl ist Stephan Torke, Apotheker aus Freital bei Dresden. Die Zukunft beginnt in Freital? Nun, sie beginnt immer dort, wo jemand seine Ärmel hochkrempelt und Dinge entscheidend anders macht. In Apotheken empfiehlt sich genau das, schließlich gehen jährlich mehr als 1.000 der 20.000 Apotheken in Deutschland aus dem Markt. Das geht nicht mehr lange gut, die Prognose ist leicht.Die technologische Entwicklung in Medizin und Gesundheit macht aus einem Apotheker einen Gesundheitscoach, der im Zweifel nur noch nebenbei eine Packung mit Pillen über den Tresen reicht. Hauptsächlich steht er nicht hinter dem Tresen, sondern neben dem Kunden, berät ihn bei der Auswahl der richtigen App und interpretiert mit ihm gemeinsam die Daten des Kunden. Kleiner Schönheitsfehler: Genau das wird bislang nicht vergütet. Eine absurde Situation: Menschen geben kleine und große Vermögen aus, um ihre Gesundheit zu fördern. Kaufen Homöopathika, die keine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung haben. Schließen Mitgliedschaften im Fitness-Studio ab, ohne je hinzugehen. Investieren groß in Nahrungsergänzungsmittel. Nur bei demjenigen, der möglicherweise tatsächlich über fundiertes Wissen und anwendbare Informationen verfügt, lösen Menschen nur ein Rezept ein, packen die Apotheken-Umschau dazu und hören bei den Hinweisen zur Einnahme nicht richtig zu.Gleichzeitig droht die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr zu einer Schere zwischen Krank und Gesund zu werden. Wer es sich leisten kann, investiert in Gesundheit, um sich einen ungesunderen Lebensstil leisten zu können. Die anderen müssen nehmen, was sie kriegen.Michael Carl und Stephan Torke entwickeln im Gespräch den Plan, eine Art Think Tank mit Apothekern, Medizinern, Händlern, Logistikern, Psychologen und einigen mehr ins Leben zu rufen, um gemeinsam praktische Lösungen für die Apotheke der Zukunft umsetzungsfähig zu entwickeln.Bonusmaterial: Hier gibt es den Rap von Stephan Torke.Der Gast dieser Woche:Stephan Torke, Grund-Apotheke, Freital

Jul 31, 2021 • 34min
#36 Bionik und Biomimikry
Diese Woche in der Zukunft: Wer kommt mit nach draußen? Hut, Stock, Rucksack, alles dabei? Wir begeben uns auf die Suche nach der Inspiration, die die Natur für Entwicklung und Innovation bietet. Im Gespräch mit Michael Carl, quasi als Wanderbegleitung, ist Dr. Arndt Pechstein, Neurowissenschaftler und Berater. Er war einer der ersten, die sich hier mit dem Konzept von Biomimikry beschäftigt haben. Doch Schritt für Schritt.Wie sind wir auf die Idee gekommen, dass ein Ding – nennen wir es „Flugzeug“ – fliegen könnte? Menschen haben es sich von den Vögeln abgeschaut, in diesem Fall wohl Leonardo da Vinci selbst. Das Grundprinzip dieser Bionik ist immer gleich: Wir finden originelle und getestete Lösungen in der Natur und bauen sie technisch nach. Der Lotoseffekt für glatte und saubere Oberflächen. Der Aufbau von Knochen für leichte und stabile Konstruktionen. Das Rückstoßprinzip von Raketen, abgeschaut bei Oktopus und Qualle.Biomimikry erweitert dieses Prinzip um den systemischen Blick. Wo Bionik schaut, wie wir leichtere und verwindungssteifere Fahrzeuge konstruieren können, fragt Biomimikry nach den Verkehrsströmen und der Organisation von Mobilität. Arndt Pechstein betont: Genau damit ist Biomimikry ein Weg zu komplexen Antworten für die komplexen Fragen, mit denen wir es heute ohnehin zu tun haben. Lösungen, die die Unsicherheit und Veränderlichkeit der digitalen Herausforderungen eben gerade nicht reduzieren und verkürzen, sondern in Organisationsprinzipien aufnehmen. Wer das dann „agil“ nennen möchte, soll es gerne tun. Das Prinzip ist aber deutlich älter. So führt die Betrachtung des Ameisenhaufens zu einer zukunftsfähigen Organisationsstruktur. So führt die Analyse des Vogelschwarms – warum stoßen die eigentlich nicht ständig zusammen – zu einer schlagkräftigen dezentralen Entscheidungskultur im Unternehmen.Im Gespräch führt das Arndt Pechstein und Michael Carl zu einer Kann-weg-Liste, beliebig zu ergänzen: Geräte, die wir kaum nutzen, nur um sie dann nach Jahren durch das nächste zu ersetzen. Flächen, die wir starr bestimmten Zwecken zuweisen („Hallo, Straße!“) und sie doch dafür die meiste Zeit nicht benötigen. Aus aktueller Pandemie-Erfahrung zu ergänzen um den klassischen physischen Arbeitsplatz, Zeiterfassungssysteme, Urlaubsanträge usw. usf.Dazu passend ein Vorab-Auszug aus dem bald erscheinenden Buch „Creating the better Normal“, dieses Mal von Zukunftsgestalter Max Hergt. Seine Beobachtung: Es gibt sie noch, die kontrollierenden Manager alten Schlags. Noch.Der Gast dieser Woche:Arndt Pechstein, Neurowissenschaftler, Biomimikry-Experte, Organisationsberater

Jul 31, 2021 • 34min
#35 Sex der Zukunft
Diese Woche in der Zukunft: Ein Special über die Sexualität der Zukunft mit den Leipziger Paar- und Sexualberater:innen Theresa Langlotz und Oliver Wolf. Was wird die Sexualität der Zukunft prägen? Wolf und Langlotz zeichnen ein positives Bild von Toleranz und Vielfalt, erwarten deutlich mehr Respekt gegenüber unterschiedlichsten Formen der Sexualität und ebenso gegenüber den eigenen Bedürfnissen. Ihr Argument: Wir sprechen heute deutlich anders über Sex mit Kindern, zuhause, in der Kita und in der Schule – und es geht um deutlich mehr als nur die technische Funktionsweise: Wie entsteht ein Kind und wie benutze ich ein Kondom? Sind diese Kinder einmal erwachsen, haben wir ein Fundament für mehr Respekt.Das Bild der Sexualität wird immer individueller, die eigene Familie, die Herkunft aus Stadt oder Land, die eigenen Erfahrungen, die Werte – am Ende ist Sexualität immer individuell und wandelt sich darüber hinaus im Laufe des Lebens.Oliver Wolf und Theresa Langlotz berichten von einem wachsenden Leistungsdruck, unter dem Menschen sexuell leiden – oder in ihrem Leben leiden und sich dann wundern, warum sie sexuell nicht zu der Performance fähig sind, die sie von sich erwarten. Das reicht von dem Wunsch nach mechanischen Lösungen bis hin zu eigentlich intakten Beziehungen, die in der Beratung beendet werden in der Annahme: Da muss doch noch etwas Besseres kommen.Aus dieser Erfahrung beurteilen sie die wachsenden digitalen Möglichkeiten ambivalent. Was immer unterstützt, die eigene Sexualität zu finden, hilft – aber das smarte Kondom, das letztlich nur die Frequenz der Stöße zählen kann, unterstützt eher den Leistungsdruck. Was den einen heiß macht, lässt den anderen unter Druck und schlaff zurück.Eine große Unbekannte ist der Sex der Alten – und das, obwohl wir immer älter werden und sich die Bedürfnisse nach Sex zwar im Laufe des Lebens verändern, aber bis zum Tod bestehen. Theresa Langlotz und Oliver Wolf vermissen hier noch Forschungsarbeit und praktische Handhabung für Beratung und Bildung.Der praktische Tipp für die eigene sexuelle Zukunft: Reden. So einfach.Die Gäste dieser Woche:Theresa Langlotz, Paar- und Sexualtherapeutin, calaidoskop, LeipzigOliver Wolf, Paar- und Sexualtherapeut, calaidoskop, Leipzig

Jul 31, 2021 • 37min
#34 Warum wir die Klimakrise nicht sehen (können)
Diese Woche in der Zukunft: Kaum legt sich der pandemische Nebel langsam wieder, der alle anderen Themen fast magisch verschluckt hat, tauchen altbekannte Themen wieder auf – und sorgen direkt für Streit in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Die Klimakrise ist wieder da. Im Unterschied zu den 90er Jahren lautet der Tenor nun aber nicht mehr „US-amerikanische Wissenschaftler haben gewarnt …“, sondern: „Wir haben noch zehn Jahre. Nicht bis wir anfangen. Bis wir fertig sind.“ Zugleich gelingt es uns immer noch, die Auswirkungen der Klimakrise zu negieren, sie zu verdrängen, auszublenden, uns in Hoffnungen zu ergehen.Sara Schurmann war zuletzt Redaktionsleiterin des Formats „Ozon“ bei Funk, einem Angebot für jüngere Zielgruppen der ARD. Sie hat die Klimakrise zu ihrem Thema gemacht, genauer: Sie will Aufmerksamkeit dafür schaffen. Im Gespräch mit Michael Carl klärt sie prägnant die Eckdaten: Ja, die Forderung nach einem Ende der klimaschädlichen Subventionen bis 2025, keinen neuen Verbrennern nach 2025, Kohleausstieg spätestens 2030 und einem Ende der Massentierhaltung ist nicht Aktivismus, sondern beschreibt recht nüchtern den überwältigenden Konsens der Wissenschaft. Nein, die Hoffnung auf technologische Innovation ist trügerisch; Lösungen, die wir heute noch nicht kennen, kommen in jedem Fall zu spät für einen globalen Einsatz in den 20er Jahren. Ja, die Klimakrise wird sich direkt in Mitteleuropa auswirken. Sie wirkt sich jetzt schon aus. Warum sprechen wir eigentlich nicht über das Waldsterben, das sich vor unseren Augen vollzieht?Im Gespräch mit Michael Carl erwägt Sara Schurmann die Gründe, warum wir eine seit Jahren bekannte Entwicklung immer noch verdrängen – und das, obwohl ein Einsatz für ein besseres Klima direkt positive Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden hätte. Sie diskutiert Strategien, wie dem Thema die notwendige Aufmerksamkeit zukommen kann. Ein Weg kann der über zwei unterschiedlich kontrastierte Zukunftsbilder sein: Ein positives, in dem wir uns aufzeigen, wie sich die Lebensumstände auch in Mitteleuropa durch einen drastischen Klimaschutz massiv verbessern. Das aktiviert und zieht die Menschen. Gleichzeitig schlägt Sara Schurmann vor, ein solches Zukunftsbild durch ein zweites zu begleiten, das ganz deutlich aufzeigt, was andernfalls passiert.Dazu ein Impuls aus der Sozialpsychologie. Die lehrt uns, warum gute Vorsätze scheitern. Frühere Belohnungen („Jetzt Schokolade“) sind immer attraktiver als spätere („weniger Gewicht langfristig“). Das gilt auch kollektiv: Heute das vermeintlich gute Leben fortsetzen wird sich meist durchsetzen gegen die Forderung, heute radikale Veränderungen vorzunehmen, um künftig Schaden abzuwenden. Schlechte Aussichten für uns in der Klimakrise? Als Ausweg nennt die Sozialpsychologie: Zum einen bewusst Belohnungen schaffen, also zum Beispiel Wahlergebnisse herbeiführen. Zum anderen – und wichtiger: Bewusst Optionen vom Tisch nehmen und damit neues Verhalten motivieren. Was in jedem Transformationsprozess in Unternehmen und Teams gilt, greift auch hier. Das führt zu einem neuen, innovativen Sinn von Verboten. Statt eine vermeintliche oder tatsächliche Verbotskultur zu beklagen, können wir auch auf den ermöglichenden Charakter von Verboten setzen. Sie können auch Veränderungen wahrscheinlicher machen und dafür sogar motivieren.Der Gast dieser Woche:Sara Schurmann, freischaffende Journalistin mit dem Schwerpunkt Klimakrise.

Jul 30, 2021 • 41min
#33 Arbeitswelt nach Corona
Diese Woche in der Zukunft: Creating the better normal – unter dieser Überschrift versammeln wir ganz unterschiedliche Stimmen in einer Debatte über unsere künftige Normalität. Heute im Gespräch mit Michael Carl ist Jan Wokittel, Product Owner Digital Solutions bei Hoffmann La Roche und einer der Autor:innen unseres Sammelbands, der in Kürze erscheinen wird.Er sagt: „Was wir nie wieder sehen wollen sind Prozesse auf Papier. Was wir ebenfalls nicht wieder sehen wollen, sind Führungskräfte, die aus dem Eckbüro heraus die Anwesenden regieren wollen. Diese Zeit ist vorbei, Führung ist nach Corona endgültig keine Übung in Beaufsichtigung widerspenstiger Zeitgenossen.“Jan rät Unternehmen wie Einzelpersonen, sich gerade angesichts der Corona-Erfahrung auf Null zu setzen. In einer Test-Umgebung, aber immer wieder: Was mache ich, wenn meine Kompetenzen nicht mehr gebraucht werden, wenn meine Produkte nicht mehr marktfähig sind? Wenn ich Lagerarbeiter bin und es immer mehr Roboter gibt, die meine Tätigkeit übernehmen könnten, was dann? Sollte ich dann lernen, Roboter zu installieren und zu warten? Jan Wokittel nennt diese Übung sogar eine Pflicht nach Corona.Michael Carl und Jan Wokittel sprechen über die Frage, ob Corona nicht auch eine große Enttäuschung darstellen kann: Home-Office ist anstrengend, die Kinder nerven fast genauso stark wie der Hund, die viel gerühmte Flexibilität ist anstrengend – ist die Zukunft der Arbeitswelt unter Umständen doch gar nicht attraktiv? Jan Wokittel hält dagegen: Enttäuschung macht sich dort breit, wo die Chancen eben nicht genutzt werden, wo die Learnings aus der Pandemie nicht verstetigt werden und das Geschäftsmodell nicht digital entwickelt wird.Jan Wokittel hat einen Beitrag zu unserem Buch „Creating the better normal“ verfasst, das Buch erscheint in Kürze.Der Gast dieser Woche:Jan Wokittel, Hoffmann La Roche, Product Owner Digital Solutions

Jul 30, 2021 • 34min
#32 Mobilität der Zukunft
Diese Woche in der Zukunft: Die Mobilität der Zukunft beginnt, wenn ich nicht mehr auf mein eigenes Auto angewiesen bin. Die Mobilitätsexpertin Katja Diehl („She drives mobility“) setzt sich für eine Mobilität ein, die flexibler, gerechter und nachhaltiger ist – und die zu lebenswerteren Städten führt. Mit Michael Carl spricht sie darüber, warum wir trotzdem an einer Mobilität festhalten, die auf private Autos setzt. Ein Grund ist die intransparente Verteilung der Kosten. Man vergleiche alleine die Kosten für einen Anwohnerparkausweis (30 € im Jahr zum Beispiel in Hamburg) mit der anteiligen Miete für das Kinderzimmer in der Wohnung. Deutlich mehr als Faktor 100. Hinzu kommen Dienstwagenprivileg, Dieselbesteuerung, das Ignorieren der Folgekosten der Mobilität. Allen Rufen nach einer neuen Mobilität zum Trotz rechnen wir uns die bisherigen Formen von Verkehr immer noch schön.Katja Diehl ist eher skeptisch, wenn es um Hyperloop und Flugtaxi geht. eMobility hält sie im Wesentlichen für einen Wechsel der Antriebsart, der abgesehen von der lokalen Emission kein wesentliches Problem löst. Sie plädiert für adaptive Lösungen, die jeweils im konkreten Umfeld gefunden werden. Teils sind es auch Maßnahmen der Stadtentwicklung, die eine neue Form der Mobilität hervorbringen, wie die Rückkehr zu den Super-Blocks in Barcelona. Große Blocks im Viertel – und wer nicht drin wohnt, muss außen herum fahren. Ein System das längst Nachahmer findet.Dazu ein weiterer Sneak aus unserem Buch zur besseren Normalität nach der akuten Phase der Pandemie. Diese Woche aus dem Beitrag von Harald R. Fortmann, Digitalunternehmer und Personalberater. Seine These: Selbst wenn viele derzeit Sehnsucht verspüren, wieder ins Büro zu gehen, das Home-Office am Küchentisch zu verlassen und nicht mehr nebenbei Homeschooling organisieren zu müssen: Mit dem nächsten Mietvertrag wird der Arbeitgeber die Büroflächen verkleinern. Der Arbeitsplatz, wie wir ihn kannten, ist Geschichte. Ein weiterer Beitrag vorab zu „Creating the better normal“.Der Gast dieser Woche:Katja Diehl, Mobilitätsexpetin, Podcast „She drives mobility”

Jul 30, 2021 • 34min
#31 Systembiologie
Diese Woche in der Zukunft: Eine Kombination aus Biologie, Physik und Mathematik, angereichert mit Hochleistungs-IT: Der Begriff Systembiologie ist noch weithin unbekannt. Unter dem Radar wird hier Schritt für Schritt das eingelöst, was die Verfechter einer individualisierten Medizin seit Jahren fordern und in Aussicht stellen: Wir erheben größte Menge unterschiedlichster Daten quer durch alle Aspekte des persönlichen Lebens, bilden Modelle, um Verlauf und Entwicklung simulieren und prognostizieren zu können und schaffen damit ein hoch potentes Instrument: Der einzelne Mensch erfährt seine Perspektive – welche Krankheiten wahrscheinlich sind, wie sich Umweltfaktoren auswirken, etc. – und kann damit steuern: Wenn ich hundert gute Jahre erleben will, wie wirkt sich dann das Glas Rotwein am Abend konkret aus, wie die schräge Ehe, wie die Bäume im Garten und vor allem: Was kann ich tun?Der Wissenschaftsautor Peter Spork hat gerade ein Buch über die Systembiologie veröffentlicht: „Die Vermessung des Lebens“. Er erwartet, dass wir in den kommenden zehn Jahren den Punkt erreichen, an dem tatsächlich jeder und jede einzelne konkret das eigene Wohlbefinden steuern kann. Das bedeutet dann zugleich auch das Ende der Medizin, wie wir sie kennen.Falls sich jemand fragt: Ja, das bedeutet, dass wir das gesamte Gesundheitswesen umbauen müssen, zu völlig anderen Formen der Datenerhebung und -verarbeitung, der Zusammenarbeit und der Finanzierung kommen müssen. Allerdings: Das müssen wir ohnehin, insofern hilft es, eine konstruktive Richtung zu erkennen.Dazu eine Lesung vorab aus unserem neuen Buch „Creating the better normal“. Jan Wokittel, Head of digital Products bei Roche, reflektiert über Digitales Arbeiten nach Corona. Aus seiner Sicht wirkt die Pandemie wie ein Brandbeschleuniger, hin zu einer vernetzten, digitalen Arbeitswelt, die auch grundlegend andere Strukturen hervorbringen wird. Das tradierte Führungsmodell hat endgültig ausgedient, gute Entscheidungen werden möglichst nah an der Basis getroffen, ohne Zutun von Führungskräften.Der Gast dieser Woche:Peter Spork, Wissenschaftsautor, zuletzt von „Die Vermessung des Lebens“, DVA 2021

Jul 29, 2021 • 33min
#30 Supermarkt der Zukunft
Diese Woche in der Zukunft: Eine große Rolle aus Holz liegt in einem ungenutzten Zwischenraum der Stadt, begehbar, bunt angestrichen, begrüntes Dach. Drinnen ein Lebensmittelmarkt ohne Personal – und doch haben die Kundinnen und Kunden hoch emotionale Erlebnisse in TEO, so der Name des Markts. Ist das die Zukunft des Einzelhandels? Jedenfalls reagieren die Menschen, sorgen sich um ihren TEO, erläutern sich gegenseitig die Funktionsweise. Ein Traum für Marketeers. Technisch auf ersten Blick Konzepten wie Amazon GO vergleichbar und doch völlig anders in der Wirkung.Wie ein solch emotionaler Ort entsteht, wie es gelingt, Kontakt zu den Menschen aufzunehmen, wie die Bindung zum urbanen Raum wächst und was genau daran Zukunft ist, darüber spricht Michael Carl mit Arne Schultchen, Gründer und Creative Head des Hamburger Design-Labors „design for human nature“. In seiner Werkstatt ist das Projekt ganz handfest gewachsen.Dazu einige Überlegungen zur Zukunft des Handels. Während die Perspektiven des stationären Handels stark mit der Diskussion um die Stadt der Zukunft unter Corona-Bedingungen verknüpft sind, werden die Aussichten des Online-Handels eher von logistischen Entwicklungen bestimmt. Die Stadt der Zukunft wird weit stärker als heute geprägt sein von resilienten Quartieren. Faustregel: Je seltener ich mein Quartier im Alltag verlassen muss oder will, desto resilienter ist es, damit krisenfester, lebenswerter, stabiler. Die Stadt der Zukunft wird ebenfalls von einer veränderten Mobilität geprägt sein. Weniger Autos, jedenfalls weniger private Autos, weniger parkende Autos – und die Erfahrung zeigt: Gerade die Entwicklung einer anderen Mobilität hebt die Umsätze und Nutzungsfrequenz des stationären Handels.Der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen Aufstellung liegt ein einer intelligenten Kombination stationären und digitaler Angebote. Diese wird durch autonom fahrende Lieferroboter stark vorangetrieben, gerade für kleine und eigenständige Händler für die Logistik im Nahbereich. Die Entwicklung dieser Roboter beschleunigt sich aktuell erheblich. Dahinter liegt das Grundthema des Handels: Das Maß des Vertrauens, das Kund:innen in den Anbieter legen, bestimmt, in welchem Umfang sie mit ihm ihre persönlichen Daten teilen. Damit ermöglichen sie es dem Handel in Echtzeit zu lernen und vorauseilend zu handeln – die beiden Grundtugenden des Handels der Zukunft.Der Gast dieser Woche:Arne Schultchen, Founder + Creative Head, design for human nature, Hamburg

Jul 29, 2021 • 38min
#29 Noch mal von vorn: Daten
Diese Woche in der Zukunft: Spätestens seit dem Gespräch mit Christian Stöcker aus Folge 27 wissen wir: Wir Menschen sind furchtbar schlecht darin, uns komplexe Vorgänge wie exponentielles Wachstum vorzustellen und darauf rechtzeitig zu reagieren. Bestes aktuelles Beispiel dafür: Der Pine-Island Gletscher und der Thwaites-Gletscher in der Antarktis haben ihre Kippunkte erreicht. Will heißen: Sie schmelzen und lassen in den nächsten Jahrzehnten den Meeresspiegel um circa 3 Meter steigen. Und es gibt nichts, was wir Menschen dagegen jetzt noch tun können. Das hätten wir verhindern können, wenn, tja, Entscheider vor Jahrzehnten auf die Wissenschaft gehört hätten und sich diese Entwicklung hätten tatsächlich vorstellen können. Ein weiterer Grund, niemals mehr – man kann es nicht oft genug betonen – niemals nie, nie mehr den drastisch verharmlosenden Begriff „Klimawandel“ zu benutzen. Worte machen einen Unterschied.Systeme künstlicher Intelligenz werden mehr und mehr in vielen unterschiedlichen Bereichen eingesetzt. Sie werden unsere Arbeits- und Lebenswelten selbstverständlich nachhaltig beeinflussen. Zugleich ruft jede smarte Idee oder kluge Innovation sofort jemanden auf den Plan, der die Datenschutzkeule schwingt. Der Reflex sitzt. Daten scheinen uns an sich schon Angst zu machen. Warum das eine grundlose Überreaktion ist – und wo die eigentlichen Herausforderungen im Kontext von digitalen Daten liegen, darüber spricht Michael Carl mit dem Informatiker Prof. Kristian Kersting, Leiter des Kompetenzclusters Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen an der TU Darmstadt. Warum können individuelle Daten Leben retten? Und wie bringen wir den „Datenhunger“ der Systeme künstlicher Intelligenz mit unserem Verständnis mit Datenschutz in Einklang? Über welche Daten sprechen wir eigentlich, wenn wir von Big Data erhebliche Veränderungen erwarten?Ein Werkstattbericht zu unserem Buchprojekt „Creating a better normal: re:start 2021“: Immer mehr spannende Beiträge von Autor:innen treffen bei uns ein und was dürfen Leser:innen des Sammelbandes erwarten? Heute einen Auszug aus einem Beitrag von Michael Husarek, Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten. Kleiner Spoiler: Es ist ein flammender Appell an eine differenzierte Mitte der Gesellschaft.„Creating a better normal: re:start 2021“ bedeutet: Genau jetzt ist es Zeit, sich aktiv auf die Zeit nach der Pandemie vorzubereiten, das künftige Normal zu entwerfen, zu diskutieren und zu gestalten: Wie wollen wir arbeiten und zusammenarbeiten? Wie wollen wir kommunizieren, wie integrieren, wie entscheiden und wie leben?Mehr Infos findet ihr auf carls-zukunft.deOder kontaktiert Michael Carl direkt: Entweder per Mail oder kommentiert gerne bzw. markiert jemanden in seinem LinkedIn-Artikel, der unbedingt dabei sein sollte.Der Gast dieser Woche:Kristian Kersting, Professor für Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen an der TU Darmstadt


