

Carls Café
Michael Carl
Carls Café ist ein Podcast über Zukunft und die Menschen, die sie gestalten. Nicht als Vision, sondern als Entscheidung.
Zukunftsforscher Michael Carl spricht mit Menschen, die Verantwortung übernehmen – in Unternehmen, Organisationen und Gesellschaft. Menschen, die handeln, auch wenn es Gegenwind gibt. Die nicht alles wissen, aber trotzdem losgehen.
Die Gespräche sind ehrlich, persönlich und ungeschönt. Es geht um Haltung statt Buzzwords. Um Entscheidungen statt Konzepte. Um die Frage, was Zukunft im Alltag wirklich kostet – und was sie möglich macht.
Carls Café ist kein Zukunftstalk. Es ist ein Ort für Zukunft als Praxis.
Mehr über Michael Carl und Carls Zukunft:
https://carls-zukunft.de
Zukunftsforscher Michael Carl spricht mit Menschen, die Verantwortung übernehmen – in Unternehmen, Organisationen und Gesellschaft. Menschen, die handeln, auch wenn es Gegenwind gibt. Die nicht alles wissen, aber trotzdem losgehen.
Die Gespräche sind ehrlich, persönlich und ungeschönt. Es geht um Haltung statt Buzzwords. Um Entscheidungen statt Konzepte. Um die Frage, was Zukunft im Alltag wirklich kostet – und was sie möglich macht.
Carls Café ist kein Zukunftstalk. Es ist ein Ort für Zukunft als Praxis.
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Mar 30, 2023 • 46min
#148 Timm Duffner - Radikal soziales Müsli
Wer gibt Menschen mit Suchtgeschichte, Ex-Knackis, Alleinerziehenden und Menschen mit Migrationshintergrund schon eine Chance auf Arbeit? Die hässliche Wahrheit ist: Wer mehr als ein solches „Vermittlungshemmnis“ hat, bleibt in aller Regel überall draußen. Überall? Nein! In Lüneburg steht eine Müslirösterei, die extra gegründet ist, um Menschen eine Chance zu geben. Timm Duffner ist einer der Gründer von HEYHO. Er sagt: Wir stellen keine Menschen ein, um Hafer zu rösten, wir rösten Hafer, um Menschen einzustellen. Timm hat eine Karriere im Lebensmittelmarkt hinter sich, war Deutschlandchef von Ben & Jerry’s. Hier liegt eine Wurzel von HEYHO. Über das Eis kannte er die Greyston Bäckerei, die Ben & Jerry’s mit Brownies beliefert. Die Bäckerei ist berühmt für ihre Open Hiring-Policy: Jede Person, die einen Job will, bekommt eine Chance zu arbeiten. Es gibt weder Hintergrunds- noch Vorabprüfungen. Wenn eine Stelle frei wird, bekommt sie die nächste Person auf der Warteliste, ohne dass Fragen gestellt werden. Die drei Gründer von HEYHO hatten – unabhängig voneinander – genau diese Geschichte im Kopf. Einmal diese Gemeinsamkeit realisiert, haben sie drei Tage später ihr Unternehmen gegründet. Mit dabei die Selbstverpflichtung: Mindestens ein Drittel der Belegschaft hat „multiple Vermittlungshemmnisse“. Inzwischen ist die Quote längst höher. HEYHO ist ambitioniert. Nicht nur sollen sie die Integration vollbringen, an der fast alle sozialen und öffentlichen Angebote scheitern: Menschen wieder echte Teilhabe zu ermöglichen. Timm will mit HEYHO darüber hinaus einen Arbeitsplatz schaffen, der allen guttut. Für Menschen, die über Jahre lautstarke Standpauken als einzige Form des Feedbackgesprächs kennengelernt haben. Für Menschen, die zusehen mussten, wie der frisch unterzeichnete Arbeitsvertrag vor ihren Augen zerrissen wurde. Für Menschen, denen wir als Gesellschaft über Jahre und teils Jahrzehnte nachdrücklich vermittelt haben, dass sie nicht dazu gehören. Und wenn wir schon dabei sind, für alle anderen im Unternehmen auch. Timm berichtet: Einzelne Mitarbeiter stehen täglich schon eine halbe Stunde vor Toresöffnung vor der Firma, weil sie sich auf ihre Arbeit freuen. Welches Unternehmen kann das bitte von sich behaupten? Bewerber kommen auch ohne langwierige Suche in Zeiten des Arbeitskräftemangels. Profitabel ist HEYHO ohnehin. Ist HEYHO damit ein Lernprojekt für funktionierende Teilhabe und auch Modell für eine zukunftsfähige Arbeit? Diskutieren wir es. Gutes Müsli können sie jedenfalls auch. Zu Gast: Timm Duffner, Gründer der sozialen Müslirösterei HEYHO

Mar 23, 2023 • 56min
#147 Niklas Schörnig: Frieden ist kompliziert
Schon wieder über Krieg und Waffen reden? Muss ja. Vielleicht diesmal auch nach Frieden fragen? Guter Plan, wird gemacht. Niklas Schörnig ist zu Gast, Friedensforscher beim Peace Research Institute Frankfurt. Er leitet dort die Forschungsgruppe zu neuen Technologien, Ordnung und Stabilität. Aber Achtung: Frieden ist kompliziert. Wir haben letztlich keine Frage gefunden, die sich mit einem einfachen „Ja“ oder „Nein“ beantworten ließe. Als ob wir das nicht geahnt hätten.Inzwischen dürften die Teletubbies die einzigen C-Promis sein, die noch kein Manifest für den Frieden unterschrieben haben und dafür mit Sendezeit in einer der großen Talkshows belohnt wurden. Versuchen wir also, nicht in Schlagzeilen zu vereinfachen, sondern Komplexität im Detail zu verstehen.Was sind gute Waffen? Der Friedensforscher antwortet: Eine Waffe, die freiwillig außer Betrieb genommen wird. Der Militärexperte hingegen: Eine Waffe, die funktioniert. Der Laie hatte diesen Aspekt - „Oh Wunder, sie funktioniert!“ - irgendwie vorausgesetzt und wundert sich.Der Trend zu autonomen Waffen, die selbst Entscheidungen treffen können, ist massiv. Er reicht von klassischen Waffensystemen an Land über Schiffe und Unterwasserfahrzeuge, um nur die offensichtlichsten zu nennen. Offen ist die Frage, wie diese Systeme ihre Entscheidungskompetenz nutzen dürfen. Wo die Bundeswehr der Maxime folgt, dass stets ein Mensch die letzte Entscheidung treffen muss, überlässt die US Navy den Abwehrraketen ihrer Schiffe die Entscheidung, ein anfliegendes Objekt abzuschießen.Wer nur auf neue Waffensysteme schaut, übersieht möglicherweise, dass Autonomie auch neue Einsatzformen bisheriger Waffen ermöglicht. Kampfflugzeuge zum Beispiel vertragen sehr viel extremere Manöver als ihre Piloten, so Niklas. Schon heutige Kampfflugzeuge sind in der Lage, Raketen schlicht abzuschütteln. Allerdings würde kein menschlicher Pilot die dafür nötigen Bewegungen überleben.Auch KI muss sich an das Völkerrecht halten. Ein Soldat darf einen anderen Soldaten angreifen, nicht den Zivilisten daneben. Gilt auch für die KI. Die Schwierigkeit: Wie beurteilen wir eine KI, die das nicht perfekt löst, aber zuverlässig besser als der menschliche Soldat daneben? Es ist kompliziert.Die eigentliche Dynamik, betont Niklas, entfalten intelligente Systeme jenseits klassischer Waffensteuerung. Indem größte Mengen von Daten und Informationen in Echtzeit und an Ort und Stelle ausgewertet werden können, führt ein Einsatz erheblich schneller zum nächsten. Wo früher lange Analysephasen nötig waren, sehen wir eine extreme Beschleunigung des Kriegs.Ist Frieden angesichts dieser Dynamik möglich? Niklas bricht eine Lanze für eine pragmatische Haltung: Lieber ein paar Schritte gehen und die Entwicklung in die friedliche Richtung treiben, als die konsequente, umfassende Gesamtlösung einfordern und an dieser Absolutheit scheitern.Zu Gast: Niklas Schörnig, Friedensforscher, Peace Research Institute Frankfurt.

Mar 16, 2023 • 43min
#146 Louisa Schneider – Am Kipppunkt: Brennende Vögel und Markus Lanz
Eine Folge voller Bilder. Bilder der Klimakrise, genauer: Bilder von Kipppunkten. Sie markieren die Points of no Return der globalen Entwicklung. Einmal gefallen, sind sie nicht mehr umkehrbar. Wie ein Wasserglas an der Tischkante. Louisa Schneider ist Journalistin und bereist gemeinsam mit Greenpeace fünf der globalen Kipppunkte, um das Abstrakte endlich anschaulich zu machen. Louisas stärkster Eindruck stammt aus dem brasilianischen Regenwald. Derzeit brennen wir pro Stunde die Fläche von 800 Fußballfeldern Wald ab. Im Rauch stehend realisiert sie: Da fliegen keine großen Funken, da fliehen Vögel, brennende Vögel. In gewisser Weise erlauben die Kipppunkte einen Blick in die Zukunft. Was hier schon sichtbar ist, wird auf dem Rest des Planeten folgen. Auf die Reise nach Südamerika werden Reisen nach Alaska, Grönland, Australien und in den Senegal folgen. Das Auftauen der Permafrostböden, die Gletscherschmelze, das Korallensterben und das Ausbleiben des Monsunregens sind die entsprechenden Kipppunkte. Die Mechanik ist immer gleich: Mit der zunehmenden Erderhitzung erreichen wir einen Kipppunkt nach dem nächsten und jeder Kipppunkt, der fällt, beschleunigt die Erderhitzung weiter. So wirkt jeder der Kipppunkte global. Einer der Treiber für Louisa, die drastische Wirkung der Kipppunkte zu verdeutlichen. Abstrakte Gefahren verdrängen sich eben leichter als konkrete. Die globale Dimension ist auch in der üblichen medialen Kommunikation eher unterbelichtet. Michael und Louisa diskutieren einen Ausschnitt aus dem Talk von Markus Lanz, in dem er eine Klimaaktivistin zum Optimismus auffordert. Schließlich habe sich die Menschheit immer wieder an veränderte Bedingungen anpassen können. Stimmt für die Vergangenheit, ist aber keine Antwort auf die Herausforderungen der Klimakrise. Also: Weitermachen, immer wieder die Auswirkungen der Klimakrise aufzeigen, so konkret wie möglich. Da sind sie wieder: Die Bilder. Zu Gast: Louisa Schneider, Journalistin und Klimakommunikatorin

Mar 9, 2023 • 42min
#145 Vanessa Cann – Traumjob KI-Dirigent
Jetzt mal Butter bei die Fische. Wie oft am Tag denkst du „Diese Aufgabe könnte nun wirklich langsam mal eine KI übernehmen“? Seit Jahren wird angekündigt, die Roboter würden uns die Arbeit wegnehmen. Wo sind sie, wenn man sie mal braucht? Vanessa Cann wünscht sich mehrfach pro Tag eine KI für die ganzen lästigen Routinearbeiten im Büro. Sie ist Geschäftsführerin des KI Bundesverbands. Wenn irgendjemand weiß, wie es um Realität und Potenzial von KI in Deutschland steht, dann sie. Auch wenn ChatGPT immer noch die Schlagzeilen bestimmt: Die Musik spielt derzeit im Bereich der Industrie. Und das mit einer interessanten Lage. Einerseits können Systeme künstlicher Intelligenz Prozesse flexibel steuern, Maschinen beobachten und geringste Abweichungen so frühzeitig identifizieren, dass Wartungen nahezu immer geplant und so rechtzeitig stattfinden können, dass Ausfälle de facto ausfallen. Andererseits ist bislang nur rund ein Drittel der Unternehmen ganz praktisch mit KI befasst. Wer heute anfängt, kann immer noch zur erweiterten Spitzengruppe gehören. Und das im Jahr 2023. Natürlich: KI verändert die Arbeitswelt massiv. Und diese Entwicklung hat gerade erst angefangen. Damit entstehen völlig neue professionelle Anforderungen. Vanessa betont: Systeme von KI neigen dazu, sehr spezialisiert zu sein. In einem Produktionsprozess werden daher meist mehrere unabhängige Systeme installiert sein. Wer koordiniert das? Der KI-Dirigent. Spannendes neues Berufsfeld. Die größten Entwicklungsschritte erwartet Vanessa im Bereich „Sprache und KI“. ChatGPT lässt grüßen. Die Dynamik entsteht dabei durch die schiere Masse an Daten. War es vor wenigen Jahren noch die Kernaufgabe jeder neuen KI-Entwicklung, Datenmengen zu erzeugen, hat sich das Bild inzwischen gedreht. Heute bauen die großen KI-Unternehmen nicht mehr ihre eigenen Modelle von Grund auf neu auf. Sie nutzen vorhandene Modelle als Basis und entwickeln diese für ihre use cases weiter. Das ist günstiger und – das ist weit wichtiger – erheblich schneller. Zu Gast: Vanessa Cann, Geschäftsführerin des KI Bundesverbands e.V.

Mar 2, 2023 • 47min
#144 Marina Lommel – Personalisierte Ernährung: Heißhunger auf Daten
Was essen wir morgen? 3D-gedrucktes Fleisch? Biomöhren? Marina Lommel, Gründerin von Foodpunk sagt: Vor allem werden wir genau das essen, was unserem Körper gerade gut tut. Individuell auf frisch erhobene Daten unseres Körpers abgestimmt. Marina ist Gründerin und CEO von Foodpunk und liefert heute schon individualisierte Rezepte und Ernährungspläne an ihre Community. Aber hilft uns der Heißhunger auf Daten? Warum überhaupt digitale Ernährungspläne? Wir könnten uns doch erst einmal auf Omas gute Ratschläge besinnen. Wenig Alkohol, viel Gemüse, wenig Fleisch usw. Marina sagt: Bitte machen! Allerdings werden wir mit diesen allgemein richtigen Ernährungsregeln maximal 80% dessen erreichen, was wir mit guter Ernährung bewirken können. Keine 100%. Und schon gar nicht mehr als 100%. Dahin kommen wir nur mit einer intelligenten Vernetzung und Auswertung von möglichst vielen Daten. Die reichen von Größe, Gewicht und Bewegung über Blutwerte, Hormone im Zyklus der Frau, Tiefschlaf perspektivisch bis hin zu Genetik und den zahlreichen Mikroorganismen, die unsere Darmflora bilden. So wird sich nach Marinas Einschätzung die personalisierte Ernährung der Zukunft entwickeln: Stand Heute: Algorithmen werten Basisdaten des Körpers und Bewegungsdaten aus und übersetzen sie in Ernährungsempfehlungen, um das Wohlbefinden zu steigern, Abnehmen zu erleichtern, Schlaf und Haut zu verbessern und Heißhungerattacken zu vermeiden. Mitte der 20er Jahre: Daten zur Schlafqualität werden automatisiert in Ernährungsempfehlungen übersetzt. Merke: Fehlende Tiefschlafphasen führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Heißhungeranfällen am Folgetag. Mit der entsprechend angepassten Ernährung lässt sich das verhindern.Um das Jahr 2030: Wir werden den Zusammenhang zwischen Genetik und Ernährung verstanden haben, dank der Fortschritte der sogenannten Nutrigenomik. Dann – erst dann! – werden Gendiäten sinnvoll möglich sein. Ebenso vielversprechend: Wir werden analysieren können, wie sich Mikrobiom – also die Darmflora – und Ernährung gegenseitig beeinflussen. Ein weiteres sehr wirkungsvolles Instrument zur Steuerung einer personalisierten Ernährung. Das Extra: Wir werden dann auch unsere Stimmen automatisiert auswerten können und daraus wesentliches über den Zustand unseres Körpers und seine Bedürfnisse lernen. Was Marina sich wünscht: Eine Art Multi-Sensor, der unter Haut platziert wird, laufend verschiedenste Körperdaten sammelt und digital an ihren Ernährungsalgorithmus weiterreicht. Zukunftsmusik? Noch ja. Zu Gast: Marina Lommel, Gründerin und CEO von Foodpunk

Feb 23, 2023 • 47min
#143 Sara Weber – "Die Welt geht unter, und ich muss trotzdem arbeiten?"
Diese Art von Arbeit wollen wir nicht mehr. Wir haben gemerkt, dass es uns nicht gut geht mit dem alten Typ von Arbeit. Mehr noch: Die Zeit der industriell geprägten Arbeit ist im Grunde schon vorbei. Es wird Zeit, dass die Maschinen uns diese Arbeit abnehmen, endlich abnehmen. Wir haben Besseres zu tun. Sara Weber ist Autorin, befasst sich mit der Veränderung von Arbeit. Ihr Buch heißt: "Die Welt geht unter, und ich muss trotzdem arbeiten?" Sie sagt: Es gibt aktuell keine wirklich gute Antwort auf die Frage, warum ich mich hier eigentlich kaputt arbeiten soll. Warum mache ich das alles? „Für die Miete“ reicht als Antwort nicht mehr. Was aber dann? Mit ihren Thesen spricht Sara vieles an, was auch unter der Überschrift „New Work“ diskutiert wird. New Work ist alles andere als neu, die Grundideen stammen aus den 70er Jahren - es ist aber immer ein Nischenthema geblieben. Und das hat die Pandemie verändert: Unfreiwillig hat die Pandemie dafür gesorgt, dass wir alle gleichzeitig gelernt haben: Es geht anders. Der Wandel der Arbeit ist eine Frage der kritischen Masse, sagt Sara. Sobald ausreichend Druck entsteht, wird das System nachgeben. Und der Druck wächst. Sehr viele Menschen würden gerne weniger arbeiten. 75% wollen die 4-Tage-Woche, 50% Teilzeit. Nicht nur junge Menschen, nicht nur Frauen. Das Bedürfnis zieht sich durch alle demographischen Gruppen. Was wir schaffen müssen, betont Sara, ist, von den individuellen Lösungen wegzukommen. Wie in der Klimakrise: Wer den Hebel immer nur beim einzelnen sucht, wird nichts verändern. Wer über ein „Du bist schuld, wenn du deine Arbeit nicht schaffst“ und „Wenn du überlastet bist, dann musst du dich besser organisieren“ und „Du hast dir diesen Job ausgesucht, dann darfst du dich nicht beschweren“ nicht hinauskommt, schreibt die alte Normalität der Arbeit immer weiter fort. Yoga und Resilienztraining helfen nicht, wenn es eigentlich große politische und wirtschaftliche Veränderungen braucht. Verraten wir mit dem Abschied vom alten Typus der Arbeit auch alte Werte? Sara kontert: Wir kennen alle diese Erwartungen: Nur wer mit Leidenschaft arbeitet, ist gut. Nur wenn du deinen Job liebst, dann bist du etwas wert. Und um das zu beweisen musst du die ganze Zeit arbeiten - und dabei lächeln. Dies sind doch keine alten Werte. Wir haben einen Wert unabhängig von unserer Produktivität - in Unternehmen, in Gesellschaft. Wenn wir doch aber diese Form von Arbeit nicht mehr wollen: Warum hauen wir nicht auf den Tisch? Sara schätzt, dass wir dafür einfach zu müde und erschöpft sind. Dann sollen wir noch die Energie aufbringen, für etwas zu kämpfen, von dem wir nicht wissen, ob es Wirklichkeit wird? Zu viele Menschen haben gerade nicht die Energie, sich um einen Aufstand zu kümmern. Noch ist keine Bewegung gewachsen, die für eine andere Arbeit streitet, der man sich einfach anschließen könnte. Saras Erwartung ist: In drei bis fünf Jahren werden zwar noch nicht alle Menschen anders arbeiten. Die Debatte um andere Arbeit wird aber überall angekommen sein und wir werden zahlreiche neue Lösungen im Raum sehen. Eine Konsequenz: Wer sich als Personaler:in heute noch nicht konkret mit dem Wandel der Arbeit befasst hat: Jetzt wäre der Zeitpunkt. Zu Gast: Sara Weber, Autorin von Die Welt geht unter, und ich muss trotzdem arbeiten?

Feb 16, 2023 • 42min
#142 Marianne Kuhlmann – Der Witz an der Kreislaufwirtschaft
Müssen wir unsere Wirtschaft auf Kreislaufwirtschaft umstellen? Wahrscheinlich schon, allein um irgendeine Aussicht zu haben, unseren Wohlstand zu erhalten und gleichzeitig zumindest annähernd im Rahmen unserer planetaren Grenzen zu bleiben. Das ist aber nicht der Witz der Kreislaufwirtschaft. Können wir den Schritt zu einer Kreislaufwirtschaft nutzen, um nahezu alle Bälle von Produkten und industriellen Prozessen neu in die Luft zu werfen und neu zu entwickeln? Gewissermaßen als unverhoffte zweite Chance? Das ist der Witz der Kreislaufwirtschaft. Sagt Marianne Kuhlmann. Sie hat die Plattform „Circularity“ ins Leben gerufen, auf der Unternehmen unterschiedlichster Größe und Branche zusammenkommen, um gemeinsam zu lernen und neue Weisen des Wirtschaftens zu entwickeln. Viele Lösungen im Sinne einer Kreislaufwirtschaft können von einzelnen Unternehmen mangels Größe gar nicht realisiert werden. Viele Stakeholder haben zugleich ein enormes Silowissen. In einer linearen Wirtschaft war das wunderbar; in der zirkulären Wirtschaft müssen wir Kooperation neu lernen. Der Begriff „Kreislaufwirtschaft“ bleibt dabei unscharf. Zu sehr ist er, zumindest im Geltungsbereich des Grünen Punkts, mit Recycling verknüpft und wird darauf reduziert. Dass der Schritt zu einer Circularity Economy tatsächlich eine grundlegende Transformation von Organisation, Wertschöpfung, Kooperation und Produktion bedeutet, wird viel zu wenig mitgedacht, sagt Marianne. Wie das funktioniert, ist Gegenstand ihrer Forschung an der ETH Zürich.Ein wichtiger Schritt hin zu Kreisläufen: Denke bei jedem Produkt mit, wie es wieder in seine Bestandteile zerlegt werden kann. Und was sich nicht wieder trennen lässt, wird gar nicht erst verbunden. Das führt zum Beispiel im Bau zu völlig neuen Materialien und Bauweisen. Ideal wäre, so Marianne, wenn jeder Stakeholder Verantwortung für seine Materialien hätte, solange bis sie in einen neuen Kreislauf überführt sind. Dann würden wir Ressourcen nutzen und nicht verbrauchen. Dann würden wir nicht mehr von Müll sprechen - weil es keinen mehr gäbe. Zu Gast: Marianne Kuhlmann, Gründerin der Plattform "Circularity e.V."

Feb 9, 2023 • 33min
#141 Marc Raschke - Wenn Männer ihren Posten für Frauen räumen
Der Klassiker: Zwei kompetente Menschen, einer männlich, eine weiblich. In der Praxis heißt das meist: Er ist der Chef und sie seine Vize. Wie gut das für ihn ist und wie dankbar ihn das macht, betont er immer wieder, vor allem sonntags. Marc Raschke war genau dieser Mann. Und ist dann einen Schritt weiter gegangen, ist in die zweite Reihe zurückgetreten, hat die Spitze seiner Agentur „Blaulicht“ für seine Vize freigemacht. Ein recht nüchtern gehaltener Post dazu bei LinkedIn geht viral. Ganz offenbar trifft er einen Nerv. Ein Gespräch über Männer und Frauen im professionellen Leben. Ein Gespräch zwischen zwei (alten weißen) Männern - zu diesem Thema eine eigentlich unmögliche Konstellation. Eigentlich, denn hier soll es um die Rolle der Männer gehen.Der Post von Marc hat einen gewaltigen Berg an Reaktionen hervorgerufen. Das Spektrum reicht von den wenigen hämischen („Was ein Weichei, ich würde mich scheiden lassen“) bis zu den vielen, die das Bild bestätigen: Diese Konstellation zwischen Mann und Frau ist alltäglich. Und sie ist in der Regel aussichtslos. Ob Decke oder Wand, die Barrieren sind aus Glas, sie sind stabil und wer von ihnen profitiert, sieht sie in der Regel nicht.Es kann sich doch jeder auf eine neue Stelle bewerben, oder nicht? Wer Karriere machen will, soll sich zeigen, seine Kompetenzen herausstellen, mutig sein, oder? Die Sprüche sind vertraut. Und am Ende stellt Thomas einen Thomas ein und Christian einen Christian. Wenn wir wirklich etwas ändern wollen, so Marc, müssen wir nicht an die Frauen appellieren, sondern das System hinterfragen. Wir wissen längst, dass Frauen selbst bei höchster eigener Kompetenz dazu neigen, auf andere zu verweisen. Männer hingegen nehmen Herausforderungen schon bei geringster eigener Kompetenzvermutung an. Oder kurz: Männer sagen schneller ja. Wer das den Frauen in die Schuhe schiebt, wird immer die geringer qualifizierten Männer in der Führung haben. Was für ein Verlust. Marc sagt: Dies zu durchbrechen, ist gerade auch männliche Verantwortung, sind es doch viel häufiger die Männer, die tatsächlich etwas ändern können.Marc nimmt seinen Schritt vor allem als Schritt zu mehr Freiheit wahr. Die überraschende Erkenntnis: Auch in der zweiten Reihe lässt sich hervorragend arbeiten. Und wer sein Lebensglück einzig daran bemisst, wie groß das Schild an der Tür ist oder wie nah der persönliche Firmenparkplatz am Haupteingang ist, der (ja: der!) sollte möglicherweise eher über seine Maßstäbe für Erfolg nachdenken. Die Transformation der Arbeitswelt, die sich gerade anschickt, nahezu alle Bereiche des professionellen Lebens von Grund auf neu zu sortieren, macht vor den althergebrachten Vorstellungen von Karriere ohnehin keinen Halt.Zu Gast in der Zukunft:Marc Raschke, Agentur Gründer und Influencer

Feb 2, 2023 • 47min
#140 Frank Sauer: Neue Waffen, neue Kriege?
Wer will schon über Waffen reden? Wir wollen, dass die Waffen schweigen. Überall. Die russischen Waffen in der Ukraine und auch alle anderen. Da wir aber Grund zu der Annahme haben, dass der russische Krieg in der Ukraine nicht der letzte auf diesem Planeten gewesen sein wird (und ja auch aktuell nicht der einzige ist), hier ein Podcast, der nach der Zukunft von Waffen fragt. Frank Sauer ist Senior Researcher an der Universität der Bundeswehr München und analysiert genau dieses: Die Waffen der Zukunft. Sind die Waffen der Zukunft auch die Waffen von gestern? Krieg ist asymmetrisch. Beginnt eine Seite den Kampf mit Panzern und Bodentruppen im Schlamm, bleibt der anderen Seite kaum etwas übrig, als sich eben dort zu verteidigen. So gesehen, sind Panzer zwar von vorgestern, aber eine Waffengattung mit Zukunft. Der sagenhafte technologische Vorsprung der Rüstungsindustrie gegenüber allen anderen Industrien ist, so Frank, Geschichte. Die Zeiten, in denen das Militär über Technologien verfügen konnte, die erst Jahre später als Spin off auch den zivilen Bereich erreichen, sind vorbei. Die Rüstungswirtschaft sucht inzwischen eher das Spin in, versucht also Technologien, die in anderen Industrien entwickelt werden, auch im militärischen Bereich zu integrieren. Das Spektrum reicht von Robotik über autonome Systeme bis hin zum weiten Feld der künstlichen Intelligenz. Dabei lohnt es aus Sicht des Militärs, so Frank, jedes Mal genau zu prüfen, ob eine Technologie tatsächlich militärisch tauglich ist - oder ob ein, zwei, drei Stufen weniger nicht geeigneter ist. Der autonome Roboter, die ständig ihren Standort funkt, ist im Zweifel auch von anderen zu identifizieren als nur der Homebase. Das Hochtechnologiefahrzeug braucht im Zweifel genau dann ein Update, wenn man es überhaupt nicht gebrauchen kann.Wer erdenkt sich eigentlich neue Waffen? Bei allem nötigen Respekt: Das Beschaffungsamt der Bundeswehr wird es nicht sein. Die großen Konzerne tun sich qua Größe auch oft schwer, wirklich Neues zu entwickeln. Startups werden auch im militärischen Sektor immer wichtiger, scheitern aber dann an der Massenproduktion. Wird Hollywood am Ende zur Inspirationsquelle? Frank beschreibt, wie die Waffen der Zukunft nicht immer auch auf neuer Technologie fußen müssen. Was Panzern heute gefährlich wird, sind handelsübliche Drohnen aus dem Elektronikmarkt, umgerüstet zur fliegenden Bombe auf Kamikazekurs. Low tech.Müssen Waffen der Zukunft stets aussehen wie Waffen? Gegnerische Infrastruktur durch Beschuss zerstören zu wollend ist doch vor allem eines: Furchtbar ineffizient. Frank analysiert: Das tatsächliche Ausmaß des russischen Cyberwars gegen die Ukraine ist bislang nicht hinreichend bekannt. Analysen folgen. Dann auch hier.Diese Woche zu Gast in der Zukunft: Dr. phil. habil. Frank Sauer, Politikwissenschaftler, Co-Host @Sicherheitspod, Head of Research @metis_institut, Senior Researcher @unibw_mTwitter: @drfranksauer

Jan 26, 2023 • 42min
#139 Elisa Czerski – Roboter machen nichts als Arbeit
Noch in diesem Jahrzehnt werden Roboter in der Produktion rund die Hälfte der heute Beschäftigten beschäftigungslos machen. Sagt Elisa Czerski, die mit ihrem Startup „N Robotics“ eben diese Roboter in Berlin produziert. Eine Entwicklung, die Herausforderungen mit sich bringt: Sollen wir das heute schon in Unternehmen kommunizieren? Das nehmen die Menschen ernst, schürt aber möglicherweise auch Angst. Sollen wir Menschen auch dort weiter beschäftigen, wo Maschinen die Aufgaben besser und günstiger erledigen könnten? Dann haben sie weiter Lohn und Brot, aber vermitteln wir ihnen damit nicht, letztlich nicht mehr als nur eine sehr billige Maschine in Menschengestalt zu sein? Das wäre womöglich kein sehr positives Menschenbild, für das es sich zu streiten lohnt. Und wer schafft es, sich beruflich immer wieder neu zu erfinden?Was ist ein Roboter? Mechanische Teile, kann heben, tragen, rennen. Sensorische Teile, hat Augen, Ohren, sonstige Sinnesorgane und Rechenkapazität. Eine gewisse Intelligenz. Musk sagt über den Tesla-Bot: Die Mechanik ist das schwierigste. Insbesondere die Aktuaren, also die kombinierten Motor-Getriebe-Steuerungseinheiten. Elisas Einschätzung: Die größten Entwicklungsschritte in den kommenden Jahren werden wir bei der Rechenleistung der Maschinen sehen. In Einzeldisziplinen sind Roboter uns Menschen längst überlegen. Die eierlegende Wollmilchsau insgesamt gibt es noch nicht. Je nach Definition des Menschen werden wir diesen Punkt vielleicht auch gar nicht erreichen. ChatGPT zeigt aber, mit welchem Tempo sich die Entwicklung vollzieht. Elisa berichtet von der Enttäuschung ihrer Marketing-Mitarbeiterin. Die wollte einen Workshop machen, um besser schreiben zu lernen. Inzwischen weiß sie: ChatGPT kann das bereits übernehmen, sie muss es nicht mehr lernen. Treffen wir uns dann mit den Maschinen auf Augenhöhe? Elisa widerspricht. Jedenfalls aber haben Menschen offensichtlich keine Schwierigkeiten mit der Fiktion, uns stehe ein echter Akteur gegenüber, mit dem wir sprechen können, der in uns Emotionen weckt. Die gute Nachricht der Robotik: Wenn Roboter uns die lästige Arbeit abnehmen, könne wir uns - endlich - wichtigeren Dingen zuwenden. Das wird nur gehen, wenn wir diesen Wandel auch gesellschaftlich begleiten, Themen wie Wohlstand, Geld, Vergütung anders regeln und die Verknüpfung von Zeit und Geld bei der Arbeit lösen. Aber: Wir haben doch tatsächlich wichtigeres zu tun als an der Produktionsstraße Schrauben zu drehen. Die Verweise aus der Folge: Der Film „her“ mit Joaquin Phoenix und einer KI der Stimme von Scarlett Johansson, die schwedische Serie mit humanoiden Haushaltrobotern heißt „Humans“, der erwähnte Philosoph heißt Christian Uhle und sein Buch trägt den Titel „Wozu das alles?“Diese Woche zu Gast in der Zukunft: Elisa Czerski, Philosophin und Gründerin des Startups „N Robotics“


