F.A.Z. Bücher-Podcast

Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Jul 2, 2023 • 41min

Helden, Bestien, Märtyrer: Der Bürgerkriegs-Klassiker Manuel Chaves Nogales

Ein Gespräch mit dem Übersetzer Frank Henseleit Manuel Chaves Nogales, geboren 1897 in Sevilla, war Spaniens herausragender Journalist der Zwanziger- und Dreißigerjahre. In seinem Heimatland wurde er erst in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt und mit großer Verspätung aufs Klassikerpodest befördert. Als Mann der demokratischen Mitte in einem Bürgerkrieg, der kaum eine Mitte zuließ, musste Chaves Ende 1936 ins Exil gehen, erst nach Paris, später nach London, wo er 1944 mit kaum 47 Jahren starb. Sein umfangreiches Werk wird in Deutschland vom Kupido Literaturverlag herausgegeben, dessen Leiter, der Übersetzer Frank Henseleit, der heutige Gast im Bücher-Podcast ist. Chaves Nogales war ein liberaler Demokrat und ein Mann zwischen den Stühlen. Der unermüdliche Reporter, phänomenale Erzähler und scharfsinnige Kommentator der politischen Zustände der Dreißigerjahre führt auch heutigen Lesern noch etwas Ungewöhnliches vor: die nie realisierte, nicht einmal möglich erscheinende Alternative im damaligen Spanien der gewalttätigen Extreme - und die grundsätzliche Skepsis gegenüber politischen Parolen. Für Chaves standen individuelle und demokratische Freiheiten über jeder Ideologie. „Antifaschist und Antirevolutionär aus innerer Veranlagung, weigerte ich mich beharrlich, an das Heilsversprechen großer Umstürze zu glauben“, schreibt er im Prolog zu dem heute besprochenen Erzählband „Blut und Feuer! Helden, Bestien und Märtyrer im Spanischen Bürgerkrieg“. Und weiter: „Ich beschloss, schreibend auszuharren und mich den Gesetzen der Evolution und des Fortschritts anzuvertrauen.“ „Blut und Feuer! Helden, Bestien und Märtyrer im Spanischen Bürgerkrieg“ von Manuel Chaves Nogales, übersetzt von Frank Henseleit und mit einem Vorwort von María Isabel Cintas Guillén, ist im Kupido Literaturverlag erschienen, hat 255 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und kostet 27,80 Euro.
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Jun 25, 2023 • 55min

Du darfst dich nicht in mich verlieben: Sandra Hoffmann über ihren Roman „Jetzt bist du da“

Maria Wiesner und Fridtjof Küchemann im Gespräch mit der Autorin – und ein neues Literaturrätsel Eine Frau kauert auf dem Fußboden und weiß nicht weiter. Draußen ist jemand, genau erkennen konnte sie ihn nicht, und trotzdem weiß sie ganz genau, wer es ist. Wer es sein muss. Und dass es vollkommen sinnlos wäre, sich im Haus zu verstecken. Wie sie es gerade macht. In „Jetzt bist du da“, dem neuen Roman von Sandra Hoffmann, lebt Claire allein in einem Haus im Wald. Vor fünf Jahren, an ihrem ganz persönlichen Unabhängigkeitstag, ist sie hierhergezogen. Sie ist 42, sie kennt den Jäger, den Förster, Achim, ihren Kollegen bei den Wildnis-Camps, die sie für Schulklassen anbietet. Sie braucht niemanden. Und dann kommt einer, einfach so. Beim Lesen fragt man sich eine ganze Zeitlang, welche Bedrohung von diesem Eindringling ausgeht, wovor Claire Angst hat. Nach und nach wird klar, wer wohl da draußen ist, wer sich auf den Weg gemacht hat zu ihr, sieben Wochen nach ihrer Begegnung, die auch für Claire einiges verändert hat. Janis ist sechzehn, er wirkt auf den ersten Blick mädchenhaft und auf den zweiten so gar nicht. Er war mit seiner Klasse im Camp, er ist Claire aufgefallen, hat ihr gefallen, mehr als ihr lieb war und als ihr lieb ist. Einmal hat er ihr über die Wange gestrichen. Und das war schon viel zu viel. In „Jetzt bist du da“ geht es um Anziehung über 26 Jahre Altersunterschied hinweg. Um den Lebensweg und die Liebeswege einer erwachsenen Frau, die auf einmal von einem Jugendlichen an die Grenzen ihres Unabhängigkeitsbedürfnisses gebracht wird und an einige Grenzen mehr. Es geht um Natürlichkeit und Kontrolle, Vernunft und Verantwortung, um den Wald und das Wilde und unser Verhältnis dazu. Große Themen, über die wir mit Sandra Hoffmann sprechen. Natürlich gibt es auch in unserer Juni-Folge ein neues Literaturrätsel, außerdem verraten wir die Lösung aus dem Mai und den Namen des Gewinners oder der Gewinnerin. „Jetzt bist du da“ von Sandra Hoffmann auf der Website des Berlin Verlags „Der Tod lässt sich nicht proben“: Sandra Kegel über Sandra Hoffmanns Roman „Was ihm fehlen wird, wenn er tot ist“ Zur ersten Folge von Sandra Hoffmanns Kolumne „Draußen“ im Literaturportal Bayern faz.net/literaturraetsel: Die Seite für Ihre Teilnahme am Literaturrätsel Die Adresse für Anregungen, Lob, Kritik
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Jun 18, 2023 • 29min

Dann lieber Elektroschocks: Silke Ohlmeier über die politische Dimension von Langeweile

Kai Spanke im Gespräch mit der Autorin Im Alter von neunzehn Jahren hat Silke Ohlmeier, Jahrgang 1986, eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei einem Busunternehmen angefangen. Schon an Tag eins wurde deutlich, was sie im Betrieb erwartete: „das Hirn komplett vernebelnde Langeweile“. Die folgenden Wochen und Monate haben den Anfangsverdacht bestätigt. Dennoch hat Ohlmeier nach drei Jahren den Abschluss gemacht, trotz Unterforderung, trotz Antriebslosigkeit, trotz der täglichen „Dauerwarteschleife auf den Feierabend“. Das blieb nicht ohne Folgen. Silke Ohlmeier studierte Soziologie und befasst sich in ihrer Dissertation mit der Langeweile. Zusätzlich hat sie gerade ein Buch mit dem Titel „Langeweile ist politisch“ vorgelegt. Darin vertritt sie die These, Langeweile sei „eine Folge universeller gesellschaftlicher Strukturen“. Es geht ihr mithin nicht um jene Form der Unlust, die die Zeit dehnt und die man immer wieder einmal verspürt. Es geht ihr um eine sich verfestigende Langeweile, die vor allem marginalisierte Menschen trifft. Über die Reichweite des Problems spricht Ohlmeier in dieser Folge des Bücher-Podcasts. Die Adresse für Anregungen, Lob und Kritik
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Jun 11, 2023 • 1h 22min

Unbedingte Gedanken- und Essfreiheit: Ein Abend zu Ludwig Tieck

Eine Sonderfolge mit Heiko Raulin und Tilman Spreckelsen aus dem Freien Deutschen Hochstift Sieben junge Dichter, dazu eine Gattin, Schwiegermutter, Schwester und Schwägerin, treffen sich auf dem Lande. Man ist sich einig, dass am Tisch „unbedingt Gedanken- und Essfreiheit“ herrschen müsse, die Dichter lesen einander aus ihren Jugendarbeiten vor, man erzählt, redet sich die Köpfe heiß, man trinkt auf Goethe und Schiller, Fritz Jacobi, Jean Paul, die Brüder Schlegel und Shakespeare. Als sie das Glas schließlich auf den verstorbenen Novalis heben, haben alle Tränen in den Augen. So geht es in Ludwig Tiecks Meisterwerk, dem Riesenromanfragment „Phantasus“. Der Clou: Tieck hat mit diesem faszinierenden Experiment seine eigenen früheren Arbeiten auf sieben Charaktere verteilt. Er spaltet die eigene Dichterpersönlichkeit nachträglich in sieben Teile auf, und der besserwisserische Ernst, einer von ihnen, sagt an einer Stelle, er hoffe, dass sich im Erzählen die Freundschaft aller festige. Doch neben die sieben Dichterpersönlichkeiten, die Tieck im Alter benennt, neben den Verfasser von Romanen, Novellen, Märchen und Theaterstücken muss man auch noch den Übersetzer Tieck stellen und den Bearbeiter mittelalterlicher und frühneuhochdeutscher Stoffe. 250 Jahre nach seiner Geburt zeichnete ein Abend im Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt am Main am 3. Mai 2023 ein breit angelegtes Bild des Lebens und Werks Ludwig Tiecks. Heiko Raulin hat ausgewählte Texte des Autors gelesen, Tilman Spreckelsen sie eingeordnet. Programmübersicht auf der Website des Freien Deutschen Hochstifts Die Adresse für Anregungen, Lob und Kritik „Leiser Spott für Schwärmerei“: Tilman Spreckelsen über **Ludwig Tiecks als „Wilde Geschichten“ gesammeltes Jugendwerk ** Hans-Joachim Simm in der Frankfurter Anthologie über ein Gedicht ohne Titel von Ludwig Tieck „Der diese Leere füllt“: Tilman Spreckelsen über die Erstlektüre von Ludwig Tiecks „Phantasus“
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Jun 4, 2023 • 45min

Wir kämpfen für ein gewöhnliches Leben: Kateryna Mishchenko über das Buch „Aus dem Nebel des Krieges“

Ein Gespräch mit Kateryna Mishchenko Wo stehen wir sechzehn Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine? Worüber müssen wir reflektieren, welche Begriffe neu durchdenken, wie ordnen die betroffenen Ukrainer den Schmerz, die Verluste, die Erinnerungen, ihr Leben selbst? Und wie lässt sich überhaupt von alldem erzählen, wenn die Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit nicht nur eine „Zeitenwende“ gebracht, sondern Zeit und Geschichte selbst auf den Kopf gestellt zu haben scheinen? Der Band „Aus dem Nebel des Krieges“, herausgegeben von Kateryna Mishchenko und Katharina Raabe, vereint 18 Beiträge, 18 Annäherungen, 18 Versuche des Beharrens, Weiterdenkens, Nichtverstummens, oft aus der Mitte der Kriegserfahrung heraus geschrieben. „Menschen, die diese Erfahrung nicht gemacht haben", schreibt Volodymyr Rafeyenko in diesem Band, „kann man es nur schwer erklären, aber das Schlimmste im Leben eines zwangsweise Geflüchteten, der ich dank der großen russischen Kultur nun schon das neunte Jahr in Folge bin, ist die Entwurzelung – dass es für uns alle nirgendwo mehr ein Zuhause gibt. Ständig hämmert mir ein Gedanke im Kopf: »Ich will nach Hause.« Und im selben Moment wird mir bewusst, dass ich kein Zuhause habe und wohl auch nie wieder haben werde.“ „Wogegen genau wehren wir uns?“, schreibt der Autor Artem Chapeye. „Gegen die Einschränkung unserer Freiheit. Wofür kämpfen wir? Natürlich nicht für das absolute Gute. Wir sind keine »Krieger des Lichts«, sondern ganz gewöhnliche Menschen mit all ihren Unzulänglichkeiten. Wir kämpfen für ein gewöhnliches, unvollkommenes Leben, zu dem ich einfach nur zurückkehren möchte.“ Und weiter: „Es schien mir unmöglich und absurd, freiwillig an einem Krieg teilzunehmen. Ich hielt mich für einen Pazifisten.“ Was daraus und aus so vielen anderen Auffassungen, Annahmen und Glaubenssätzen geworden ist, zeigt dieses bemerkenswerte Buch: die erste groß angelegte literarische-essayistische Bestandsaufnahme seit Beginn des Krieges. „Aus dem Nebel des Krieges: Die Gegenwart der Ukraine“, herausgegeben von Kateryna Mishchenko und Katharina Raabe. Suhrkamp Verlag, 283 Seiten, 20 Euro.
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May 28, 2023 • 59min

Was bleibt, wenn einer geht: Judith Poznan über ihren Roman „Aufrappeln“

Maria Wiesner und Fridtjof Küchemann im Gespräch mit der Autorin – und ein neues Literaturrätsel Die Mutter eines fast Vierjährigen liegt ohne ihr Kind, ohne dessen Vater, überhaupt mutterseelenallein in einem AirBnB auf dem Bett, nur sie und eine Portion kross gebratener Ente, die sie traurig aus der Pappschale anschaut. Eigentlich ist der Kindsvater, der Ex-Freund hierhin ausgezogen, fürs erste. „Die Melancholie von Ente kross“, denkt sie sich, „schöner Titel“. Die Erzählerin in Judith Poznans neuem Roman „Aufrappeln“ heißt nicht nur wie ihre Autorin, sie schreibt auch Bücher, und sie versteht sich, wie sie einmal festhält, nur, wenn sie schreibt. Von nebenan kommt in diesem AirBnB „Runaway Train“ durch die Wand, und „die rot gestrichenen Wände sagen mir“, schreibt Judith Poznan, „wenn ich zu mir selbst ehrlich bin, dann muss ich darauf gefasst sein, dass es mir vielleicht nicht gefällt, was ich mir selbst zu sagen habe.“ – „Irgendwann“, geht es weiter, „werde ich mich da wieder raustrauen. Mich betrinken und mit Männern ausgehen. Jawoll! Das Leben ist nicht zu Ende, es ändert nur seine Richtung. Nur seine Richtung.“ Was heißt es für eine junge Mutter, für eine junge Familie, für ein kleines Kind, wenn das vertraute Trio auseinanderbricht und man sich in einem Pendelmodell einrichten und zurechtfinden muss? Wie schaut man in so einer Situation auf die eigenen Eltern, und wie schauen die zurück auf ihre Kinder als junge Eltern? Wo tut es überall weh, und wie schafft Judith Poznan es, bei aller Ungeschöntheit des Erzählten auch die Komik, das Absurde, den Witz so vieler Momente einzufangen? Wir haben die Schriftstellerin in den Bücher-Podcast eingeladen, um mit ihr über ihren Roman zu sprechen, über das Leben in einer Familie, die es so nicht mehr gibt und doch weiterhin gibt, über das Sich-Verstehen und das Schreiben. Abschließend gibt es ein neues Literaturrätsel, die Lösung aus dem April und den Namen des Gewinners oder der Gewinnerin. „Aufrappeln“ von Judith Poznan auf der Website des DuMont-Verlags faz.net/literaturraetsel: Die Seite für Ihre Teilnahme am Literaturrätsel Die Adresse für Anregungen, Lob, Kritik
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May 21, 2023 • 38min

Wer Asyl will, muss Recht brechen: Judith Kohlenberger über unseren widersprüchlichen Umgang mit Flüchtlingen

Kai Spanke im Gespräch mit der Autorin Als im März 2022 ukrainische SUVs in der Wiener Innenstadt auftauchten, habe das auf die lokale Bevölkerung „maximal irritierend“ gewirkt. Denn Kriegsvertriebene seien in unserer Vorstellung fast zwingend arm und ungebildet. Das schreibt die Kulturwissenschaftlerin und Migrationsforscherin Judith Kohlenberger in ihrem Buch „Das Fluchtparadox“. Tatsächlich und im Gegensatz zu gängigen Vorurteilen, so ergänzt sie, nehmen vor allem finanziell gut ausgestattete Menschen enorme Strapazen auf sich, um in einem sicheren Land um Asyl zu bitten. Mobilität ist teuer, zumal dort, wo keine legalen Migrationswege existieren. So zählt Subsahara-Afrika zu den emigrationsschwächsten Regionen überhaupt. Wer aus seinem Herkunftsland flieht und in Europa einen sicheren Hafen sucht, wird sich gleichwohl mit einigen Widersprüchen abfinden müssen. Das Recht auf Asyl steht nämlich erst jenen zur Verfügung, die vorher Recht brechen, indem sie illegal Grenzen passieren. Sodann wird von diesen Menschen erwartet, zu gleichen Teilen bedürftig und leistungsbereit zu sein. Und schließlich führt eine gelungene Integration nicht selten zu Konflikten. Judith Kohlenberger geht im Podcast detailliert auf solche Probleme ein und erläutert, wie man Abhilfe schaffen könnte. Die Adresse für Anregungen, Lob und Kritik „Paradoxien der Asylpolitik“: Holger Thünemanns Besprechung von Judith Kohlenbergers „Das Fluchtparadox“
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May 7, 2023 • 44min

Die strahlenden Räume einer visionären Erzählerin: Ein Gespräch mit Verena Lueken über die Stories von Joy Williams

Paul Ingendaay im Gespräch mit Verena Lueken Wieder mal eine große Überraschung in einer Zeit, da man glaubte, es sei schon alles Großartige entdeckt: Bei DTV erscheinen die Stories der Amerikanerin Joy Williams, Jahrgang 1944, der Ertrag von mehr als drei Jahrzehnten konzentrierten Schreibens. Williams, die in jungen Jahren auf dieselbe Schreibschule ging wie Raymond Carver und Richard Yates, hat Erzählungen und Romane geschrieben, ist aber auf dem deutschen Buchmarkt nie so richtig angekommen – zwei Veröffentlichungen in den Neunzigerjahren blieben folgenlos. Jetzt rühmt der Klappentext die publikumsscheue Autorin als „strahlend düstere Großmeisterin der Kurzgeschichte“. Im Gespräch mit der Filmkritikerin und Amerika-Expertin Verena Lueken versuche ich, den Zauber dieser Geschichten über rührende Priester und trauernde Mütter, grübelnde junge Mädchen und mancherlei Außenseiter in den Weiten der amerikanischen Provinz zu ergründen. Oft geht es schräg und skurril zu, manchmal zieht eine einzigartige Melancholie über die Seiten, und immer wieder steigen die Figuren ins Auto, um alles hinter sich zu lassen, obwohl sie selbst ahnen, dass sie am Ziel doch wieder ihr eigenes Leben erwartet. Joy Williams. Stories“. Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit und Melanie Walz. DTV, 304 Seiten, 25 Euro.
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Apr 30, 2023 • 37min

Wenn sich Socken für die Freiheit entscheiden: Vier Bücher für junge Leser

Tilman Spreckelsen und Fridtjof Küchemann empfehlen Pija Lindenbaum, Justyna Bednarek, Tamara Bach sowie Judith Homoki und Martin Haake "Ich mag es, wenn es ungerecht ist", sagt die Aufpasserin. Den Kindern, über die sie gebietet, geht es anders. Ein Bilderbuch erzählt von Regeln und ihren Übertretungen. – Der Klempner kramt in der Waschmaschine und nennt sich machtlos: Wenn sich Socken für die Freiheit entscheiden, hilft nur noch die Phantasie. Ein Kinderbuch schildert, was aus zehn von ihnen geworden ist. – Erst muss Mama in der Urlaubswoche auf der griechischen Insel arbeiten, dann lernt Papa diese Frau im Restaurant kennen, ein Junge macht Ari schöne Augen, und ihre beste Freundin meldet sich einfach nicht mehr: Ein Jugendbuch zeigt im Kleinen, was eine Dreizehnjährige beschäftigt. – Phantastische Seeungeheuer, legendäre Piratinnen, frisch tätowierte Matrosen und ein Faultier im brasilianischen Küstenregenwald: Ein Sachbuch vermittelt Kurioses, Wissens- und Staunenswertes aus über Küsten. In dieser Episode des Bücher-Podcasts stellen wir wieder einmal vier Bücher für junge Leser vor. "Sie mag es nun mal ungerecht": Kim Maurus über "Der erste Schritt" von Pija Lindenbaum "Der erste Schritt" von Pija Lindenbaum auf der Website des Klett Kinderbuch Verlags "Megaflauschig und voller Neugier auf die Welt": Lena Bopp über "Die erstaunlichen Abenteuer von zehn Socken (vier rechten und sechs linken)" von Justyna Bednarek "Die erstaunlichen Abenteuer von zehn Socken (vier rechten und sechs linken)" von Justyna Bednarek auf der Website von Woow Books "Irgendwie neu wird ihr": Fridtjof Küchemann über Tamara Bachs neues Jugendbuch "Honig mit Salz" "Honig mit Salz" von Tamara Bach auf der Website des Carlsen Verlags "Ozeane der Phantasie": Stefan Trinks über "Am Meer – Die Welt der Küste" von Judith Homoki und Martin Haake "Am Meer – Die Welt der Küste" von Judith Homoki und Martin Haake auf der Website des Gerstenberg Verlags Die Adresse für Anregungen, Lob, Kritik
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Apr 23, 2023 • 49min

Warum die Frauen verschwinden und wohin: Josefine Soppa über ihren Roman "Mirmar"

Maria Wiesner und Fridtjof Küchemann im Gespräch mit der Autorin – und ein neues Literaturrätsel "Bevor die Privatisierung der Privatisierung losging, bekamen meine Mutter und ich es durch die Buchungen hin": So beginnt Josefine Soppas Roman "Mirmar", ihr Debütroman, gerade erschienen, und gleich der erste Satz versetzt seine Leser in einen Zustand zwischen besonderer Wachheit und leichter Ungläubigkeit: Was wird hier erzählt über eine "Privatisierung der Privatisierung"? So unglaublich die Geschichte auch ist, die Josefine Soppa in "Mirmar" erzählt: Sie fügt sich aufs Feinste an unsere sehr genau beobachtete Lebenswirklichkeit, unsere Arbeitswirklichkeit. Zwei Frauen, die Ich-Erzählerin und ihre Mutter, schlagen sich mit Jobs durch. Und da diese Jobs nie gut genug bezahlt sind, vermieten sie jeweils ihre Einzimmerwohnungen unter und ziehen für die Zeit zur anderen. Es wird gerade für die Mutter immer schwieriger, sich noch über Wasser zu halten, und dann ist sie auf einmal weg. Es gibt einen Ort, eine verlassene Ferienanlage irgendwo im Warmen, am Strand, zu dem sich Frauen flüchten, es gibt Frauennetzwerke, die erkennen, wer für diese Flucht in Frage kommt, es gibt Fluchthelferinnen, und es gibt in Josefine Soppas Roman eine Gemeinschaft der Frauen an einem Ort ohne Ausbeutung. Wer kommt dorthin, wer sind sie dort, wer werden sie dort? In welchem Kontakt, Verhältnis, Widerspruch stehen Hier und Dort? Wir haben mit Josefina Soppa über ihren Debütroman gesprochen. Anschließend gibt es noch ein neues Literaturrätsel, die Lösung des Märzrätsels und den Namen seines Gewinners oder seiner Gewinnerin. "Mirmar" von Josefine Soppa auf der Website des Aufbau Verlags faz.net/literaturraetsel: Die Seite für Ihre Teilnahme am Literaturrätsel Die Adresse für Anregungen, Lob, Kritik

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