F.A.Z. Bücher-Podcast

Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Sep 24, 2023 • 58min

Du wirst uns vergessen: Navid Kermani über seinen Roman „Das Alphabet bis S“

Maria Wiesner und Fridtjof Küchemann im Gespräch mit dem Autor – und ein neues Literaturrätsel Die Mutter ist gestorben. Die Ehe bricht auseinander. Der Sohn, ein Schulkind noch, erleidet einen Herzinfarkt. Das sind die großen Schicksalsschläge in Navid Kermanis neuem Roman „Das Alphabet bis S“, auch wenn die Erzählerin in diesem Buch es nicht so nennen würde. Und von ihnen auch gar nicht erzählen will. Die bekannte, verehrte Schriftstellerin, Essayistin, Publizistin hat sogar den Vorsatz, ihr Privatleben herauszuhalten aus dem, was sie notiert. Stattdessen soll es schlicht um Wahrnehmungen gehen, um eine an jedem Tag, ein ganzes Jahr lang. Wer „Das Alphabet bis S“ liest, stößt auf viele solcher Wahrnehmungen, kleiner, kleinster, schönster, alltäglichster. Und von ihnen aus weitet sich der Blick. Auf Gelesenes und seine Reflexion, auf das In-Bezug-Setzen der Literatur zum Leben, zum eigenen Leben, dem, wie sich die Erzählerin die Welt sortiert, geboren im Westerwald mit Wurzeln in Iran, in Momenten der Trauer und der Sorge dem Koran so nah wie dem christlichen Gebet. Wir haben mit Navid Kermani über dieses Buch voller Denkanstöße gesprochen, über seine Erzählerin, über die Bücher im Buch, die Gedankenwelt. Im Anschluss an das Gespräch mit Navid Kermani gibt es ein neues Literaturrätsel, die Lösung aus dem August und den Namen des Gewinners oder der Gewinnerin. Navid Kermanis Roman „Das Alphabet bis S“ auf der Website des Hanser Verlags Die Hörbuchfassung von Navid Kermanis Roman „Das Alphabet bis S“ auf der Website des Argon Verlags „Im Tod wie im Glauben verschwimmen die Geschlechter“: Verena Lueken über Navid Kermanis Roman „Das Alphabet bis S“ Ankündigung des Gesprächs über „Das Alphabet bis S“ mit Navid Kermani, Péter Nádas und Barbara Nüsse am 27. September im Thalia Theater, Hamburg faz.net/literaturraetsel: Die Seite für Ihre Teilnahme am Literaturrätsel Die Adresse für Anregungen, Lob, Kritik Mehr über die Angebote unserer Werbepartnerinnen und -partner finden Sie HIER
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Sep 17, 2023 • 40min

Unsere Zukunft steht auf dem Spiel: Eva von Redecker erklärt, warum man frei ist, wenn man Zeit hat

Kai Spanke im Gespräch mit der Autorin Als die Corona-Pandemie begann, hatte Eva von Redecker eigentlich Reisepläne. Sie wollte in die Vereinigten Staaten aufbrechen, um einige Vorträge zu halten. Sobald klar war, dass der Trip nicht würde stattfinden können, stellte sich das Gegenteil von Frust ein: „Ich war richtiggehend erleichtert. Plötzlich kam es mir vor wie ein Glücksfall, als sei ein Frevel gerade noch verhindert worden. Was hatte ich mir eigentlich eingebildet, dieser Tage in einem Flugzeug zu sitzen und CO2 in die Atmosphäre zu pumpen?“ Die Philosophin fühlte sich frei, aber nicht, weil sie mit einem erleichterten Gewissen zu Hause bleiben konnte, sondern vor allem weil sie einen überraschenden „Genuss von Offenheit“ erlebte. Keine Termine, Deadlines oder Fristen. Diesen Zustand bezeichnet Eva von Redecker in ihrem gleichnamigen Buch als „Bleibefreiheit“. Das mag zunächst seltsam anmuten, denn der Freiheitsbegriff der westlichen Tradition ist in der Regel mit der Möglichkeit des Ortswechsels verbunden. Gleichwohl erscheint die zeitliche Dimension von Freiheit gerade heute bedeutsam, da die Zukunft oft genug als Bedrohung auf uns zukommt. Wer etwa sagt, Klimaschutz schränke unsere Freiheit ein, muss sich die Frage gefallen lassen: Welche Freiheit? Engen nicht Hitze, Waldbrände, Flutkatastrophen und Dürren unsere Freiheit viel stärker ein, als es etwa die Verkehrswende je könnte? Im Bücher-Podcast schildert Eva von Redecker, was aus ihrer Freiheitskonzeption folgt und was der Tod und die Rauchschwalbe damit zu tun haben. Die Adresse für Anregungen, Lob und Kritik „Auf der Suche nach der erfüllten Zeit“: Tobias Schweitzers Besprechung von Eva von Redeckers „Bleibefreiheit“
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Sep 10, 2023 • 1h 12min

Kinderbücher zwischen Kunst, Kommerz und Klassenlektüre

Eine Diskussion im Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt am Main Eine Erfolgsgeschichte: Das sind die letzten Jahre im Kinder- und Jugendbuch zweifellos, zumindest, wenn man die Zahlen anschaut. Der Marktanteil ist permanent gewachsen, in der Coronazeit ist er geradezu explodiert. Inzwischen liegt er um die zwanzig Prozent. Und bei den Lizenzen, den deutschen Büchern, die ins Ausland verkauft werden, liegt er noch höher. Kinderbuchverlage werden neu gegründet, oft unter dem Dach von Belletristik-Verlagen, die ihren Teil vom Kuchen abbekommen wollen. Literaturkritiker, die sich sonst mit Thomas Mann oder Nabokov beschäftigen, schreiben heute Studien über Harry Potter oder das Werk von Philipp Pullman, und wenn man liest, wie Michael Ende in den Achtzigerjahren auf dem Höhepunkt seines Erfolges von den Großkritikern belächelt oder ignoriert wurde, eben weil er „nur“ Kinderbücher verfasst hatte, wirkt das wie aus einer längst versunkenen Epoche. Eigentlich ist es eine Erfolgsgeschichte. Denn natürlich kann man fragen, wie es um einen Buchmarkt bestellt ist, in dem die Umsätze wesentlich mit Büchern von der Stange verdient werden, mit den fünfzig oder mehr Bänden einer Saga um Katzen-Clans, mit magischen Tierwesen jeglicher Couleur, mit Unterwasserabenteuern der immer gleichen Machart und anderem mehr. Ist der Erfolg an der Ladenkasse womöglich teuer erkauft? Welche Rolle spielen daneben Autorinnen und Autoren, die einen literarischen Anspruch erheben, für die Sprache mehr ist als nur das Vehikel für möglichst eingängige Konfektionsware? Wo findet das Gespräch über Kinder- und Jugendliteratur statt, und welche Inhalte werden dabei diskutiert? Und wo ist überhaupt die Position dieser Literatur zwischen den Anforderungen des Markts, den Wünschen der Erwachsenen, die diese Bücher zum überwiegenden Teil kaufen, den Interessen der Leserschaft und schließlich derjenigen, die mit ihnen in Schulen und Universitäten arbeiten? Über diese und andere Fragen zur Kinder- und Jugendliteratur haben am 22. März im Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt am Main vier Experten mit je eigener Perspektive diskutiert: der Kinderbuch- und Bestsellerautor Andreas Steinhöfel und Ute Dettmar, Professorin für Kinder- und Jugendliteraturwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt, dazu Thorsten Gabler, Deutschlehrer an einem Gymnasium, und Konstanze Brockmann, Schulelternbeiratsvorsitzende einer Gesamtschule. Es moderierte Tilman Spreckelsen. Programmübersicht auf der Website des Freien Deutschen Hochstifts Die Adresse für Anregungen, Lob und Kritik Das späte Glück des traurigen Kindes: Judith Lembke schildert, warum Kinderbuch-Autor Andreas Steinhöfel aufs Land zurückkehrt Bücher für Kinder und Jugendliche verkaufen sich prächtig. Aber nicht jede Schule oder Kita kann sie sich leisten. Verlage schlagen Alarm. Eine Glosse von Tilman Spreckelsen „Kindsein ist mies, Kindsein ist süß“: Auszug aus Tilman Spreckelsens Biographie „Otfried Preußler – Ein Leben in Geschichten“
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Sep 3, 2023 • 43min

Verloren in der Welt der Reichen: Emma Cline und ihr Roman „Die Einladung“

Paul Ingendaay im Gespräch mit Elena Witzeck Es gäbe viele gute Gründe, von der gedankenlosen Welt der Superreichen zu erzählen, nur um möglicherweise herauszufinden, dass sie eher komplexer ist als zuvor angenommen. Die amerikanische Literatur ist voll von solchen kalten Blicken auf den Luxus. Jetzt kommt die Schriftstellerin Emma Cline, 34 Jahre alt, und konfrontiert uns mit einem ganz eigenen Reich: dem Long Island der Vermögenden, gesehen von der zweiundzwanzigjährigen Alex, die sich als Escort und „Begleitung“ älterer Männer für kurze Zeit einen Platz am Pool und bei Dinnerpartys erkämpft, bevor sie ihn durch eine Dummheit wieder verliert und von ihrem Freund vor die Tür gesetzt wird. Von da an driftet sie sieben Tage lang durch eine Welt leerer Straßen, leerer Häuser und exklusiver Beachclubs, klaut, lügt und schnorrt sich durch. Ihre prekäre Existenz verbirgt sie dabei, so gut sie kann. „Die Einladung“, grandios übersetzt von Monika Baark, ist Emma Clines drittes Buch und wahrscheinlich ihr bestes. In Alex' Wahrnehmung werden „die Hamptons“ mit Manhattans feinen Feriendomizilen zu einem anderen Planeten. Während sie sich Hoffnung auf eine Versöhnung macht, hat Alex aber vor allem mit den Servicekräften der happy few zu tun: Nanny, Hauswart, Dienstmädchen, Reinigungspersonal. Eine Frau, die kaum eine Geschichte hat und nirgendwo dazuzugehören scheint, erlebt das Amerika des Geldes als komfortables waste land. Im heutigen Bücher-Podcast spreche ich mit meiner Kollegin Elena Witzeck, die sich mit Emma Cline ausführlich unterhalten und in der FAZ ein faszinierendes Interview mit ihr veröffentlicht hat. „Die Einladung“ von Emma Cline, übersetzt von Monika Baark, ist im Hanser Verlag erschienen, hat 336 Seiten und kostet 26 Euro.
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Aug 27, 2023 • 1h 1min

Was eine Frau zur Hexe macht: Jarka Kubsova über ihren Roman „Marschlande“

Maria Wiesner und Fridtjof Küchemann im Gespräch mit der Autorin – und ein neues Literaturrätsel Es ist gar nicht so einfach, den Scheiterhaufen zu errichten, auf dem an diesem Märztag im Jahr 1583 in Ochsenwerder im Südosten Hamburgs die Hexe hingerichtet werden sollte: Der Brennbalken will nicht aufrecht stehenbleiben, das Podest ist erst zu niedrig, Brennholz knapp, und dann sieht es auch noch nach Regen aus. Das ist das Eröffnungsbild von Jarka Kubsovas neuem Roman „Marschlande“, der mit jedem zweiten Kapitel in die düstere Geschichte der Abelke Bleken zurückkehrt, die tatsächlich am 18. März 1583 als Hexe verbrannt worden ist, aber noch wenige Jahre zuvor als alleinstehende Bäuerin einen der großen Höfe der Gegend geführt hatte. Der zweite Erzählfaden führt in die Gegenwart, erzählt von Britta, die mit Mitte vierzig mit ihrem Mann und den beiden Kindern aus Hamburg raus in die Marschlande gezogen ist, in ein Haus, das in der Gegend, wie sie später erfährt, der „Eispalast“ genannt wird. Sie versucht, Fuß zu fassen, hier auf dem Land, aber zugleich auch in einem wieder stärker selbstbestimmten Leben, schließlich hat sie einiges aufgeben oder hintanstellen müssen, als Mascha und Ben noch kleiner waren. Jetzt wäre sie mal dran. Das selbstbestimmte Leben – was heißt das heute, was hieß das vierhundertvierzig Jahre zuvor für zwei Frauen, die auf den ersten Blick nicht viel mehr verbindet als die Gegend, als Brittas Neugier, die sich bei einem Spaziergang fragt, was es mit dieser Abekle Bleken wohl auf sich hat, deren Namen heute eine Straße in ihrer neuen Heimat trägt? Und es ist einiges mehr, es geht um das Recht auf weibliche Unabhängigkeit und deren männliche Legitimierung, um ökonomische Zwänge, Fragen der Solidarität oder Ausgrenzung. Über all das sprechen wir mit der Autorin Jarka Kubsova. Außerdem stellen wir auch in unserer August-Folge ein neues Literaturrätsel stellen, wie immer zusammen mit der Bekanntgabe der Lösung aus dem Juli und des Namens des Gewinners oder der Gewinnerin. „Marschlande“ von Jarka Kubsova auf der Website des Verlags S. Fischer faz.net/literaturraetsel: Die Seite für Ihre Teilnahme am Literaturrätsel Die Adresse für Anregungen, Lob, Kritik
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Aug 20, 2023 • 35min

Es gibt eine Verschwörungsmentalität: Julia Ebner erklärt, warum sich so viele Menschen radikalisieren

Kai Spanke im Gespräch mit der Autorin „Ich bin eine wissenschaftsbegeisterte, antirassistische Feministin. Aber für dieses Buch habe ich mich mit Antifeministen, Rassisten, Klimawandelleugnern und Verschwörungstheoretikern getroffen.“ Das schreibt Julia Ebner in ihrer Monographie „Massenradikalisierung“. Die Extremismusforscherin erörtert darin, warum Ideen, für die sich vor gar nicht langer Zeit nur gesellschaftliche Randgruppen interessiert haben, in der bürgerlichen Mitte inzwischen als salonfähig gelten. 2017 etwa hatte die auf Verschwörungstheorien spezialisierte Bewegung QAnon ein paar Tausend Anhänger, das Gros davon in den Vereinigten Staaten. Auch die identitäre Gruppe White Lives Matter und das antifeministische Netzwerk Mannosphäre waren noch weitgehend unbekannt. Heute nehmen sie Ebner zufolge „Einfluss auf die Politik, verändern die kulturellen Codes und drücken unserer Sprache ihren Stempel auf“. Wer ist empfänglich für solche Gruppierungen? Was haben die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA, der Sturm aufs Kapitol und die Corona-Pandemie mit ihnen zu tun? Wie kommunizieren Frauenhasser in einem Online-Forum miteinander? Und wann ist der Punkt erreicht, an dem sich eine Forscherin, die auf all diese Fragen etwas zu sagen weiß, Bücher schreibt und Interviews gibt, Sorgen macht – um sich selbst und um die Gesellschaft? Julia Ebner gibt in dieser Folge des Bücher-Podcasts Auskunft. Die Adresse für Anregungen, Lob und Kritik „Wenn die Polizei um Hilfe ruft“: Kai Spankes Besprechung von Julia Ebners „Massenradikalisierung“
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Aug 6, 2023 • 39min

Die guten Gründe, Gedichte zu lesen: Der Schriftsteller Lutz Seiler

Paul Ingendaay spricht mit Jan Wiele über den Georg-Büchner-Preisträger 2023 Es geschieht nicht oft, dass die Zuerkennung des Büchner-Preises, der höchsten literarischen Auszeichnung des Landes, so positiv aufgenommen wird wie im Falle des 1963 in Gera geborenen Lutz Seiler. „Für das, was ich schreibe, spielt wahrscheinlich meine Herkunftsgeschichte eine ziemlich große Rolle“, hat der Autor einmal gesagt, „also die Herkunft aus einer vom Uranbergbau verwüsteten thüringischen Landschaft.“ In den ersten Jahrzehnten seiner Karriere hat sich Seiler als Lyriker und Essayist einen Namen gemacht, dann kamen zwei umfangreiche Romane hinzu: „Kruso“ (2014, ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis) und „Stern 111“ (2020, Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse). Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ehrt mit der Zuerkennung des Büchner-Preises einen Autor, „der mit klangvollen Gedichtbänden begann, von dort zum Erzählen fand, stets aber ein so klarer wie rätselhafter, dunkel leuchtender Lyriker bleibt, zuletzt mit schrift für blinde riesen“. Die Stimme des Autors sei, ob in der Lyrik oder im Roman, unverwechselbar: „melancholisch, dringlich, aufrichtig, voll von wunderbaren Echos aus einer langen literarischen Tradition“. Lutz Seiler hat als Zimmermann und Maurer gearbeitet und begann mit dem Schreiben während seiner Armeezeit. 1990 ging er nach Berlin, und seit 1997 leitet er das literarische Programm im Peter-Huchel-Haus bei Potsdam. Etwa die Hälfte seiner Zeit verbringt er in Stockholm. Mit meinem Kollegen Jan Wiele spreche ich im Bücher-Podcast über Seilers literarisches Temperament, die Merkmale seiner Lyrik und seine besondere Form des Wenderomans, die in der Fiktion tatsächlich so etwas wie ostdeutsche Identität geschaffen hat: Sie erzählt von Menschen, die bleiben und nicht loslassen wollen. Auch ein anderer, wichtiger Zug von Seilers Schaffen tritt im Gespräch zutage: sein Engagement für die lyrische Tradition und das Nachleben der Dichter, die ihn selbst beeinflusst und geprägt haben. Letzte Veröffentlichungen Lutz Seilers: „Stern 111“. Roman (Suhrkamp Verlag). „schrift für blinde riesen“. Gedichte (Suhrkamp Verlag).
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Jul 30, 2023 • 42min

Keine Angst vor der Dunkelheit: Vier Kinder- und Jugendbücher für den Sommer

Tilman Spreckelsen und Fridtjof Küchemann empfehlen Britta Teckentrup, Martina Wildner, Neil Gaiman und David Long „Ein Ort voller Leben, Geschichten und Träume“: Ein Bilderbuch von Britta Teckentrup folgt einer alten Schaukel am Meer durch die Jahreszeiten, durch die Jahre. – Nur ein abenteuerlicher Einsatz kann den Schulgarten jetzt noch retten: Ein Buch von Martina Wildner lässt Nachbarskinder über sich hinauswachsen. – „Aber wir wussten ja, eines Tages würdest du kommen und dann könnten wir eine richtige Familie sein“ – Neil Gaiman lässt ein junges Mädchen jenseits einer ungenutzten Tür im Haus die Bekanntschaft seiner „anderen Mutter“ machen. – Untergegangen, eingeklemmt, abgestürzt und in die Irre gegangen: David Long erzählt „wahre Geschichten vom Überleben“. – In dieser Episode des Bücher-Podcasts stellen wir wieder einmal vier Bücher für junge Leser vor. „Die Schaukel“ von Britta Teckentrup auf der Website von Prestel Junior „Mehr als nur ein Leben“: Lena Bopp über „Die Schaukel“ von Britta Teckentrup „Moritz, King Kong und der Regentanz“ von Martina Wildner auf der Website des Hanser Verlags „Die Masken der gruseligen Nachbarin“: Lena Bopp über „Moritz, King Kong und der Regentanz“ von Martina Wildner „Coraline“ von Neil Gaiman auf der Website des Arena Verlags „Gerettet – Wahre Geschichten vom Überleben“ von David Long auf der Website des Insel Verlags Die Adresse für Anregungen, Lob, Kritik
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Jul 23, 2023 • 51min

Eine grundlegend gewaltsame Zeit: Özge İnan über ihren Roman „Natürlich kann man hier nicht leben“

Maria Wiesner und Fridtjof Küchemann im Gespräch mit der Autorin – und ein neues Literaturrätsel „Weißt du, was ich in deinem Alter auf gar keinen Fall werden wollte?“, fragt Zarife, Hebamme und Vertraute der Familie, die knapp 15 Jahre alte Hülya. „Wie meine Mutter. Oder meine Tanten. Und, das stellte sich aber erst später heraus, wie meine Schwestern. Ich dachte, es kann doch nicht sein, dass ihnen das hier reicht.“ Es ist das Jahr 1986, Hülya lebt mit ihrer Mutter und den Geschwistern in einem Dorf im Süden der Türkei. Hülya weiß noch nicht, was sie mit ihrem Leben anstellen will, aber sie weiß: Sie will nicht werden wie ihre Mutter. Und damit ist sie nicht die einzige in Özge İnan Roman „Natürlich kann man hier nicht leben“. Gleich zu Beginn macht sich Nilay auf den Weg, allerdings im Jahr 2013 und von Berlin aus, denn sie hat gerade die Berichte über die Proteste am Gezi-Park im Fernsehen gesehen und kann nicht fassen, dass ihre Eltern sich von der Stimmung nicht mitreißen lassen, dass sie so völlig unpolitisch zusehen. Wie politisch diese Eltern tatsächlich waren, das wird hier in Rückblicken erzählt, mit einem zeitlichen Sprung mitten hinein in die Achtzigerjahre und die politischen Spannungen der Türkei damals. Wir treffen Hülya und Selim, die Eltern von Nilay, bevor sie Eltern wurden, ja noch bevor sie überhaupt ein Paar wurden. Wir folgen ihnen nach Izmir, auf die Universität, lernen ihre Kommilitonen kennen, die politischen Studentenorganisationen und wie gefährlich es sein kann, in jener Zeit überhaupt politisch zu sein. Was das heißt und wodurch sich Einstellungen, von denen man als junger Mensch denkt, sie seien unveränderlich, dann doch ändern – darüber sprechen wir mit der Autorin Özge İnan. Natürlich stellen wir ein neues Literaturrätsel, wir verraten die Lösung aus dem Juni und den Namen des Gewinners oder der Gewinnerin. „Natürlich kann man hier nicht leben“ von Özge İnan auf der Website des Piper Verlags „Eine Lastenträgerin der Lebenden“: Fridtjof Küchemann über Emine Sevgi Özdamars Roman „Ein von Schatten begrenzter Raum“ „Überall den Buckel mit hingetragen“: Karen Krüger über Dinçer Güçyeters Roman „Unser Deutschlandmärchen“ „Ihr rastlos wilder Eigensinn“: Julia Franck über die Wiederentdeckung der Schriftstellerin Klara Blum in der Anderen Bibliothek faz.net/literaturraetsel: Die Seite für Ihre Teilnahme am Literaturrätsel Die Adresse für Anregungen, Lob, Kritik
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Jul 16, 2023 • 38min

Mit den Maschinen änderte sich alles: Ewald Frie über den Niedergang der bäuerlichen Landwirtschaft

Kai Spanke im Gespräch mit dem Autor Während der Corona-Pandemie hat sich Ewald Frie auf eine Reise durch Deutschland begeben, um seine Geschwister zu besuchen. Im Rheinland, in Westfalen, an der Ostsee angekommen, interviewte er sie: über die Kindheit und Jugend auf dem Bauernhof in der Nähe von Münster, über die dort zu verrichtende Arbeit, über die Nachbarhöfe und das Dorf, über Werte und Regeln, über den Zerfall der traditionellen Landwirtschaft und dessen Konsequenzen. Aus den Gesprächen ist das Buch „Ein Hof und elf Geschwister“ entstanden. Im Juni wurde es mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2023 ausgezeichnet. Frie habe, so die Begründung der Jury, „ein tiefes und gleichzeitig zugängliches und unterhaltsames historisches Sachbuch verfasst“. Der Autor selbst bezeichnet seine Abhandlung als Grenzfall von „Wissenschaft wie von Familiensinn“. Er hoffe, dass es „Gutes aus beiden Welten zusammenbringt, um ein besonderes Licht auf die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu werfen“. Ewald Frie, an der Universität Tübingen Professor für Neuere Geschichte, erläutert im Podcast, wie die Idee zum Buch entstand, wie sich der Niedergang der bäuerlichen Landwirtschaft genau vollzog, warum der Katholizismus in seinem Leben so wichtig war – und welche historischen Erkenntnisse aus dieser persönlichen Geschichte abgeleitet werden können. Die Adresse für Anregungen, Lob und Kritik „Tausche Vieh und Land gegen Bildung“: Ulla Fölsings Besprechung von Ewald Fries „Ein Hof und elf Geschwister“

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