Das Klima

Florian Freistetter, Claudia Frick
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Jul 21, 2025 • 1h 1min

DK147: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Klimapolitik in Österreich

Und: Was kostet uns das Nichtstun? DK147: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Klimapolitik in Österreich Und: Was kostet uns das Nichtstun? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 147 geht es um die Politik! Aber auch um Bildung, Medien, Migration und was sonst noch alles im Rahmen der Klimapolitik eine Rolle spielt. Wir diskutieren, welche Möglichkeiten die Politik hat - und warum sie in Österreich nicht genutzt werden. Außerdem geht es um die Kosten der Transformation und die (viel höheren) Kosten des Nichtstuns. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum sechsten Kapitel des Sachstandsberichts. Klimagovernance als Schlüssel zur Transformation In Folge 147 geht es um Politik. Im Zentrum steht die Klimagovernance – also die politische, rechtliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Steuerung der Transformation zur Klimaneutralität. Wir besprechen, warum effektive Klimaaktion immer mehrere Dimensionen verbinden muss: rechtliche Rahmen, wirtschaftliche Anreize, politische Entscheidungsprozesse und gesellschaftliche Dynamiken. Drei große Problemkomplexe auf dem Weg zur Dekarbonisierung Zu Beginn geht es um drei zentrale Hindernisse, die laut Bericht einer effektiven Transformation entgegenstehen: Wachstumsorientierte Wirtschaftssysteme: Der Fokus auf Profit, Wettbewerb und Wachstum ist tief in der gesellschaftlichen Vorstellung von Wohlstand und Fortschritt verankert. Diese Logik erschwert strukturelle Veränderungen – zum Beispiel weg von fossilen Energien oder hin zu einer nachhaltigen Mobilität. Macht- und Interessenskonflikte: Große Teile der Bevölkerung profitieren noch immer von einem nicht-nachhaltigen Lebensstil. Das erschwert die gesellschaftliche Akzeptanz für weitreichende Veränderungen und begünstigt die Beibehaltung des Status quo. Trägheit politischer Prozesse: Politische Entscheidungen orientieren sich oft an bestehenden Strukturen und Machtverhältnissen. Mut zu tiefgreifenden Reformen fehlt meist – transformative Politik bleibt selten. Klimapolitische Rahmenbedingungen: Von Paris bis Wien Auf internationaler Ebene ist das Pariser Klimaschutzabkommen zentral. Österreich ist über die EU an das Ziel gebunden, bis 2030 die Emissionen um 55 % gegenüber 1990 zu senken und will selbst bis 2040 klimaneutral werden. Nationale Regelungen wie das „Nachhaltigkeitsziel“ in der Verfassung haben jedoch nur begrenzte Wirkung – unter anderem, weil das geplante Klimaschutzgesetz fehlt oder nicht bindend genug ist. Akteur:innen und Governance in Österreich Governance umfasst nicht nur staatliche Institutionen, sondern auch Unternehmen, NGOs und die Zivilgesellschaft. In Österreich zeigt sich ein Spannungsverhältnis zwischen einem ambitionierten Selbstbild und einer vergleichsweise schwachen Umsetzung. Exemplarisch ist die „Persistent Connotation of Automobility“ – also die enge kulturelle Verknüpfung des Autos mit Lebensqualität, was einen Wandel in der Mobilität erschwert. Interessant ist auch das Konzept der Exnovation: Gemeint ist die gezielte Abschaffung klimaschädlicher Technologien, etwa Kohlekraftwerke. Dieser Ansatz wird bislang zu wenig genutzt. Maßnahmen im Überblick: Eine umfangreiche, aber ernüchternde Bilanz Eine zentrale Tabelle des Kapitels zeigt auf, welche politischen Instrumente es in Österreich gibt – und wie wirksam sie sind. In Tabelle 6.2 – Politikinstrumente zur Minderung und Anpassung sieht man was alles möglich wäre. Grün darin bedeutet: wirksam umgesetzt. Gelb: vorhanden, aber unzureichend. Rot: nicht vorhanden. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die meisten Felder sind gelb oder rot – insbesondere im Flugverkehr oder beim Tempolimit. Auch Anpassungsmaßnahmen wie Hitzeschutz oder Hochwasserschutz existieren oft nur in unzureichendem Maße. Und oft werden sinnvolle Gesetze durch Lobbyismus wieder ausgehebelt, wie im Fall des Corporate Average Fuel Economy (CAFE) targets der EU. Klimaklagen: Rechtliche Wege zu mehr Klimaschutz? Klimaklagen gewinnen an Bedeutung – auch wenn die Hürden hoch sind. In Österreich sind solche Klagen bislang meist am Verfassungsgerichtshof gescheitert. Ein Beispiel ist die Klage von zwölf Kindern und Jugendlichen, unterstützt von u.a. Florian Freistetter, die aus formalen Gründen abgewiesen wurde. Ein weiterer Fall – „Müllner gegen Österreich“ – ist derzeit beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig. Finanzierung der Transformation: Was kostet der Wandel – und was das Nichtstun? Für Österreich wird geschätzt, dass Investitionen in Höhe von 6 bis 11 Milliarden Euro pro Jahr notwendig wären, um Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen. Das entspricht etwa 1 bis 2,3 % des BIP. Gleichzeitig würde das Nichtstun jährlich Schäden in Milliardenhöhe verursachen. Bis 2050 könnten das laut Bericht 4 bis 11 Milliarden Euro jährlich sein. Der wirtschaftliche Nutzen von Investitionen überwiegt also deutlich. Migration als Klimafolge Migration ist ein komplexes Thema mit vielen Ursachen – auch Umweltfaktoren spielen eine Rolle. Der Bericht verweist auf „Managed Retreat“ – also geplante Umsiedlungen – etwa infolge von Hochwasser oder Bergstürzen. Diese Form der Binnenmigration wird bislang kaum als klimabedingte Migration wahrgenommen, obwohl sie stark zunehmen könnte. Bildung als soziales Kippelement Ein Hoffnungsschimmer liegt im Bildungsbereich. Climate Change Education (CCE) wird als Schlüssel zur gesellschaftlichen Transformation gesehen. Wichtig ist jedoch, dass nicht nur Kinder und Jugendliche geschult werden, sondern auch Lehrkräfte, Erwachsenenbildungseinrichtungen und politische Entscheidungsträger. Der Bericht kritisiert veraltete Schulbücher und mangelhafte Lehrer:innenbildung – und betont die Rolle informeller Bildung über Medien. Medien und Klimaberichterstattung Die mediale Darstellung der Klimakrise ist entscheidend – denn viele Menschen erfahren die Krise nur über Medien. In Österreich ist die Medienaufmerksamkeit zwar gestiegen, bleibt aber insgesamt niedrig. Der Boulevard dominiert die Medienlandschaft, was zu einer tendenziell verzerrten oder verkürzten Klimaberichterstattung führen kann – insbesondere bei mediennahen politischen Akteuren. Fazit: Ambitionen reichen nicht Am Ende steht eine klare Kernaussage des Berichts: ”Climate policies currently in place are insufficient to achieve the targets set out for Austria. (High confidence)“ Die bisherige Klimapolitik reicht nicht aus, um die eigenen Ziele zu erreichen. Gleichzeitig zeigen viele Beispiele, dass es möglich wäre, gegenzusteuern – wenn die politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Weichen richtig gestellt werden. Transparenz-Hinweis Die Podcastfolgen zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel sind in Zusammenarbeit mit dem Koordinationsteam des AAR2 entstanden und wurde vom Klima- und Energiefonds finanziell unterstützt. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| [Veranstaltungen Florian](https://www.florian-freistetter.at/show_content.php?hid=2
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Jul 14, 2025 • 1h 6min

DK146: Wie wir als Individuen eine klimafreundliche Gesellschaft formen können

Und: Wann kommt der soziale Kipppunkt? DK146: Wie wir als Individuen eine klimafreundliche Gesellschaft formen können Und: Wann kommt der soziale Kipppunkt? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 146 geht es um das, was wir tun können, um der Klimakrise sinnvoll zu begegnen. Wir schauen uns das fünfte Kapitel des Sachstandsbericht an, in dem es um die Wechselwirkung zwischen individuellen Entscheidungen und einer gesellschaftlichen Transformation geht. Und da lässt sich überraschend viel machen! Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum fünften Kapitel des Sachstandsberichts. Vom individuellen Verhalten zum gesellschaftlichen Wandel Ein zentrales Thema des fünften Kapitel des Sachstandsberichts ist die Wechselwirkung zwischen individuellen Entscheidungen und strukturellen Rahmenbedingungen. Einzelpersonen treffen Entscheidungen nicht isoliert, sondern eingebettet in soziale, kulturelle und infrastrukturelle Kontexte. Das Kapitel verwendet zwei zentrale Modelle: COM-B-Modell: Betrachtet Fähigkeiten (Capabilities), Möglichkeiten (Opportunities) und Motivation (Motivation) als Einflussfaktoren für Verhaltensänderungen. Soziale Kipppunkte: Beschreiben, wie neue Praktiken durch kollektives Handeln und soziale Normveränderungen in die Breite wirken können. Wohlbefinden und Klimaschutz Wie hängt unser individuelles Wohlbefinden mit klimafreundlichem Verhalten zusammen. In der Abbildung 5.1 werden verschiedene Indikatoren für Wohlbefinden verglichen, darunter der OECD-Index „House Life“ und der „World Happiness Report“. Österreich schneidet im internationalen Vergleich in allen Bereichen überdurchschnittlich gut ab. Gleichzeitig wird betont, dass sich Wohlbefinden durchaus steigern lässt, ohne die Klimakrise zu verschärfen – etwa durch gemeinschaftliche Wohnformen, reduzierte Wohnflächen oder aktiven Klimaschutz. Tatsächlich kann ein Engagement für den Klimaschutz das subjektive Wohlbefinden sogar erhöhen. Ungleichheiten und Energiearmut Obwohl Österreich insgesamt gut aufgestellt ist, bestehen weiterhin soziale Ungleichheiten, insbesondere im Bereich der Energiearmut. Menschen mit niedrigerem Einkommen, Alleinerziehende oder Personen mit Migrationshintergrund sind besonders anfällig. Der Bericht mahnt, dass die Energiewende auch Verteilungsfragen berücksichtigen muss, um niemanden zurückzulassen. Einfluss von Lebensstil und Konsum Verhaltensänderungen entstehen nicht allein durch Wissen. Vielmehr braucht es unterstützende Strukturen, positive soziale Rückmeldung und neue soziale Normen. Faktoren wie der „Present Bias“ (Gegenwartspräferenz) oder Verlustängste beeinflussen unsere Entscheidungen. Auch Nudging-Maßnahmen wie voreingestellte Eco-Programme können helfen, klimafreundliches Verhalten zu fördern – vorausgesetzt, sie sind transparent und ethisch vertretbar. Kollektives Handeln: Wie gemeinsames Engagement entsteht In Abbildung 5.4 wird der Weg kollektiven Handelns dargestellt – von der Entstehung über Organisation bis hin zum transformativen Einfluss. Förderliche Faktoren wie Vertrauen, Umweltbewusstsein und Bildung stehen hemmenden wie fehlenden Ressourcen oder Unsicherheit gegenüber. Maßnahmen wie inklusive Projektgestaltung und transparente Kommunikation stärken kollektive Prozesse. Organisationen als Agenten des Wandels Organisationen – von Unternehmen über Hochschulen bis zu NGOs – können als Agents of Change wirken. In Österreich übernehmen viele bereits Verantwortung. Der Bericht hält jedoch fest: Nur 46 % der großen österreichischen Firmen veröffentlichen Nachhaltigkeitsberichte. Und dabei gilt: Nicht-Handeln verursacht jährlich einen geschätzten Schaden von 2,5 bis 5,2 Milliarden Euro bis 2030. Energiegemeinschaften als Baustein der Transformation Ein ausführlicher Abschnitt widmet sich Energiegemeinschaften, bei denen Bürger*innen gemeinsam Strom erzeugen und nutzen. Trotz hoher bürokratischer Einstiegshürden bergen diese Modelle enormes Potenzial. Der Bericht unterscheidet zwischen *Citizen Energy Communities* und Renewable Energy Communities und betont die Notwendigkeit besserer Informations- und Unterstützungsstrukturen. Circular und Sharing Economy: Beispiele aus Österreich Sehr interessant ist Tabelle 5.1, die das Avoid-Shift-Improve-Framework auf zehn Strategien zur Ressourcenschonung anwendet – von „Refuse“ bis „Recover“ und anhand praktischer Beispiele illustriert. Darunter finden sich Plattformen wie Zero Waste Austria, unverschwendet.at, Vinted.at oder Refurbed.at. Risiken und Rebound-Effekte Das Kapitel thematisiert auch mögliche Rebound-Effekte, z. B. wenn eingesparte Kosten durch nachhaltigen Konsum für emissionsintensive Aktivitäten verwendet werden. Auch der Einsatz von KI, Big Data und IoT wird ambivalent betrachtet – einerseits effizient, andererseits energieintensiv oder datenschutzproblematisch. Soziale Kipppunkte und Paradigmenwechsel Die Abbildung 5.6 zeigt verschiedene Ebenen gesellschaftlicher Veränderung – von individuellen Lebensstilentscheidungen (sehr schnell veränderbar) bis zu kulturellen Paradigmen (sehr langsam veränderbar). Der Bericht betont die Wirkung von sozialen Bewegungen und breiter Mobilisierung auf politische und technologische Entwicklungen. Soziale Gerechtigkeit und politische Akzeptanz Der Bericht verfolgt einen pragmatischen Ansatz: Nicht was sollte getan werden, sondern was kann getan werden – und wie. Verteilungsgerechtigkeit bedeutet dabei, dass Kosten, Transparenz-Hinweis Die Podcastfolgen zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel sind in Zusammenarbeit mit dem Koordinationsteam des AAR2 entstanden und wurde vom Klima- und Energiefonds finanziell unterstützt. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| [Veranstaltungen Florian](https://www.florian-freistetter.at/show_content.php?hid=2
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Jul 7, 2025 • 1h 5min

DK145: Energie, Arbeit, Rohstoffe: Wie wird das Versorgungssystem klimafreundlich?

Der Podcast beleuchtet die Herausforderungen des österreichischen Versorgungssystems im Kontext des Klimawandels. Es werden Ansätze zur klimafreundlichen Mobilität und nachhaltigen Stadtentwicklung diskutiert. Zudem wird die Bedeutung des Tourismus für die Wirtschaft hervorgehoben und die Notwendigkeit alternativer Reisemöglichkeiten thematisiert. Der Fokus liegt auch auf der Energieversorgung, insbesondere der Rolle erneuerbarer Energien und der Dekarbonisierung industrieller Sektoren. Humorvolle Einblicke in persönliche Erholungsmethoden lockern das Thema auf.
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Jun 30, 2025 • 1h 5min

DK144: Asphalt und Abgase: Städte und Verkehr in der Klimakrise

In dieser Folge dreht sich alles um die Herausforderungen von Städten und Verkehr in der Klimakrise. Es wird beleuchtet, warum SUVs in Österreich so beliebt sind und welche Auswirkungen das auf die Umwelt hat. Die Problematik der Bodenversiegelung und der Anstieg der Treibhausgasemissionen in urbanen Gebieten stehen im Fokus. Außerdem werden mögliche Lösungen diskutiert, darunter die Förderung von E-Bikes und die Bedeutung von politischen Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen. Die Rolle von Homeoffice und nachhaltigen Verkehrskonzepten wird ebenfalls thematisiert.
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Jun 23, 2025 • 53min

DK143: Mehr Wald und weniger Schnitzel: Wie transformieren wir die Landwirtschaft?

Und: Haben wir bald Wein aus dem Waldviertel? DK143: Mehr Wald und weniger Schnitzel: Wie transformieren wir die Landwirtschaft? Und: Haben wir bald Wein aus dem Waldviertel? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 143 geht es um die Landwirtschaft. Aber auch um den Wald, unsere Nahrung, unsere Gesundheit, unser Essen und unsere Freizeit. All das hängt mit der Landschaft zusammen und der Art und Weise, wie wir sie nutzen. In Kapitel 2 des Österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel wird diskutiert, wie sich die Klimakrise auf all diese Aspekte in Österreichs Zukunft auswirken wird. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum zweiten Kapitel des Sachstandsberichts. Landwirtschaft und noch viel mehr Kapitel 2 des Österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel beschäftigt sich mit der Landwirtschaft. Aber nicht nur damit! Es geht auch um alles andere, was das Land so zu bieten hat. Es geht um Wälder und Forstwirtschaft, um Landnutzung und um Landnutzungsänderungen und um die “Ökosystemdienstleistungen”, also all das, was Land und Wald uns darüber hinaus noch bieten. Zum Beispiel Erholung, Tourismus und kulturelle Identifikation. Die Klimakrise wird das alles beeinflussen und was da genau passieren wird und wie wir damit umgehen, wird uns in Kapitel 2 beschäftigen. Die Landwirtschaft verursacht in Österreich etwa 10 % der gesamten Treibhausgasemissionen, wobei Methan (aus der Viehhaltung) und Lachgas (aus Böden) dominieren. Zusammengenommen mit der Forstwirtschaft betrugen die Emissionen aus dem Sektor 2023 fast 20 % der nationalen Gesamtemissionen. Grenzüberschreitende Auswirkungen Etwa 45 % der in Österreich konsumierten Agrarprodukte stammen aus dem Ausland. Zwei Drittel der damit verbundenen Treibhausgasemissionen entstehen außerhalb Österreichs – hauptsächlich in Europa, Asien und Lateinamerika. Ein besonders klimaschädliches importiertes Produkt ist Leder: Nur 0,7 % der Emissionen seiner Herstellung fallen in Österreich an, während 25 % in Indien entstehen. Auch Österreichs Bioenergieversorgung ist nicht autark – 39 % des energetisch genutzten Holzes stammen aus Importen. Diese Zusammenhänge verdeutlichen die globale Verantwortung nationaler Konsummuster. Ökosystemdienstleistungen und Klimawandel Eine zentrale Quelle dieser Episode ist Tabelle 2.2, die potenzielle Auswirkungen des Klimawandels auf Ökosystemdienstleistungen bei 3 °C und 5 °C Erwärmung in verschiedenen Regionen Österreichs visualisiert. Klar wird: Die meisten Dienstleistungen werden negativ beeinflusst – etwa Wasserverfügbarkeit, Erholung, Schutz vor Naturgefahren oder Biodiversität. Zwar könnten verlängerte Vegetationsperioden gewisse Chancen eröffnen, doch die Geschwindigkeit des Wandels gefährdet diese wieder. Klimawandel, Wein und Marillen Besonders deutlich zeigt sich der Einfluss des Klimawandels im Bereich der Dauerkulturen wie Wein und Obstbau. Frühere Austriebe und eine Entkopplung von Pflanzen und Bestäubern gefährden Ernten – wie etwa beim Totalausfall der Marillenernte in der Wachau im Jahr 2023. Wetterextreme wie Hagel oder Spätfrost stellen ein zunehmendes Risiko dar. Gleichzeitig könnten durch den Klimawandel Regionen wie das Waldviertel oder Mühlviertel bis zum Ende des Jahrhunderts für Weinbau geeignet werden – ein Zeichen für den strukturellen Wandel, der bevorsteht. Freizeit und ästhetischer Wert der Landschaft Wintersportarten wie Skifahren oder Langlaufen sind durch die Erwärmung gefährdet. Für ein Erwärmungsszenario von +2 °C wird ein Rückgang der Schneetage auf 50 % prognostiziert. Gleichzeitig steigt in den Bergen durch tauenden Permafrost die Gefahr von Muren und Felsstürzen. Auch Sommertourismus leidet unter Niedrigwasser, Algen und Krankheitserregern in Badeseen. Die Ausbreitung von Wäldern in höhere Lagen sowie Gletscherschwund und Waldschäden durch Brände und Parasiten beeinträchtigen den ästhetischen und symbolischen Wert der Alpenlandschaften – mit Folgen für Tourismus und Identität. Klimarisiko Wald Die Wälder Österreichs waren lange Kohlenstoffsenken – doch in den Jahren 2018 und 2019 wandelten sie sich zeitweise zu Quellen von Treibhausgasen. Ursachen sind unter anderem höhere Temperaturen, Schädlinge und veränderte Wachstumsbedingungen. Angepasstes Waldmanagement, etwa durch Förderung klimaresilienter Baumarten und höhere Biodiversität, könnte diese Entwicklung umkehren. Doch: „Wald dauert“: viele Maßnahmen entfalten ihre Wirkung erst langfristig. Mehr Pflanze, weniger Schnitzel Österreich zählt zu den Ländern mit dem weltweit höchsten Fleischkonsum. Die damit verbundenen Emissionen – insbesondere beim Rindfleisch – sind erheblich. Eine Umstellung auf die „Planetary Health Diet“, wie sie von der EAT-Lancet-Kommission empfohlen wird, könnte jährlich zwischen 5 und 15 Millionen Tonnen CO₂ einsparen. Fleischersatzprodukte – ob pflanzenbasiert, insektenbasiert oder aus Zellkulturen – werden bis 2040 voraussichtlich bis zu 60 % des globalen Markts ausmachen. Eine detaillierte Tabelle 2.4 vergleicht Umweltwirkungen verschiedener Produkte. Gesundes Klima und gesunde Menschen Nicht nur das Klima wirkt auf unsere Gesundheit, auch unsere Ernährung. In Österreich sind 34,5 % der Erwachsenen übergewichtig und 16,5 % adipös. Eine Reduktion des Fleischkonsums hätte nicht nur ökologische, sondern auch gesundheitliche Vorteile: Sie würde das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und mehrere Krebsarten senken. Klimaschutz und Gesundheitsförderung gehen hier Hand in Hand. Transparenz-Hinweis Die Podcastfolgen zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel sind in Zusammenarbeit mit dem Koordinationsteam des AAR2 entstanden und wurde vom Klima- und Energiefonds finanziell unterstützt. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| [Veranstaltungen Florian](https://www.florian-freistetter.at/show_content.php?hid=2
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Jun 17, 2025 • 48min

DK142 - Österreich ist heiß(er)

Und: Warum wir uns von den Gletschern verabschieden müssen Hier ist der Link zum ersten Kapitel des Sachstandsberichts. Was macht Österreich besonders? Österreich nimmt aufgrund seiner Geografie eine besondere Stellung in Europa ein. Zwei Drittel des Landes sind von Gebirgen geprägt. Diese topografische Vielfalt bringt sehr unterschiedliche klimatische Bedingungen mit sich. So reichen die Jahresmitteltemperaturen in verschiedenen Regionen von minus sechs bis plus zwölf Grad. In einem Land dieser Größe ist das außergewöhnlich. Gleichzeitig treten extreme Unterschiede auf – von Schneefall im Hochgebirge bis zu heißen Sommertagen in Tieflagen. Die Folge: Österreich reagiert besonders empfindlich auf klimatische Veränderungen. Der doppelte Temperaturanstieg Besonders deutlich zeigt sich das am Anstieg der mittleren Lufttemperatur. Während die globale Durchschnittstemperatur seit Beginn der Industrialisierung um etwa 1,6 Grad gestiegen ist, beträgt die Erwärmung in Österreich bereits 3,1 Grad. Diese Erwärmung betrifft nicht nur das Flachland, sondern ist auch in mittleren Höhenlagen über 500 Meter sehr deutlich zu beobachten. Auch die Zahl tropischer Nächte – Nächte, in denen es nicht unter 20 Grad abkühlt – hat zugenommen. Österreich liegt also schon jetzt über dem globalen Mittel und wird laut Projektionen auch in Zukunft stets etwas stärker betroffen sein. Selbst wenn die globale Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzt würde, müsste Österreich mit rund zwei Grad Erwärmung rechnen. Bei zwei Grad globaler Erwärmung liegt die erwartete Erwärmung in Österreich bei etwa 2,6 Grad. Eine Faustregel, die der Bericht vorschlägt, lautet: Die österreichische Erwärmung beträgt etwa das 1,3-Fache der globalen Erwärmung – ein Verhältnis, das mit hoher wissenschaftlicher Sicherheit („High Confidence“) angenommen wird. Unsicherheiten beim Niederschlag Im Gegensatz zur Temperatur ist die Entwicklung des Niederschlags schwieriger vorherzusagen. Der Bericht geht davon aus, dass sich der Winterniederschlag erhöhen wird, während es im Sommer tendenziell trockener wird – besonders in den östlichen Landesteilen. Diese Projektionen basieren auf komplexen Modellen, die aufgrund der kleinräumigen Topografie Österreichs nur begrenzt genaue Aussagen auf lokaler Ebene zulassen. Gleichzeitig nimmt die Intensität kurzer, heftiger Niederschlagsereignisse zu – insbesondere zwischen Mai und September. Dies passt zur erhöhten Verdunstung durch steigende Temperaturen. Wasserhaushalt unter Druck Ein Thema, das Österreich besonders betrifft, ist der Wasserhaushalt. Durch die steigende Verdunstung in Folge höherer Temperaturen verlieren Flüsse und Seen zunehmend an Wasser. Besonders betroffen ist beispielsweise der Neusiedler See, der in den Jahren 2021 und 2022 stark unter Trockenheit litt. Obwohl der durchschnittliche Niederschlag in manchen Regionen sogar zugenommen hat, reicht das nicht aus, um die Verluste durch Verdunstung auszugleichen. Der Bericht betont, dass gleichbleibende Abflussmengen in Flüssen nicht automatisch bedeuten, dass sich der Wasserhaushalt nicht verändert hat – es kann sich auch der Prozess verändert haben, der zu diesen Mengen führt. Ein interessanter Punkt in der Diskussion ist der Zusammenhang zwischen Niederschlagsveränderungen und Flutrisiken. In der östlichen Hälfte Österreichs hat sich die Saison für Überschwemmungen bereits verschoben: Während früher der Winter die Hochwassersaison war, treten heute häufiger Sommerfluten auf. Die Veränderungen sind jedoch regional sehr unterschiedlich. Dies zeigt sich auch deutlich in Abbildung 1.12 des Berichts, die die erwarteten Veränderungen von Hoch- und Niedrigwasserereignissen in verschiedenen Regionen Österreichs visualisiert: Gletscher in Österreich: Ein Abschied auf Raten Besonders drastisch sind die Veränderungen bei den Gletschern. Seit 1969 hat Österreich rund 40 Prozent seiner Gletschermasse verloren. Der Bericht geht davon aus, dass eine nahezu vollständige Entgletscherung bis zum Ende des Jahrhunderts als nahezu sicher („virtually certain“) gilt – selbst bei Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels. In diesem Szenario würden nur noch maximal sechs Prozent der heutigen Gletschermasse übrig bleiben. Diese Entwicklung wird in Abbildung 1.10 eindrucksvoll visualisiert: Die projizierten Kurven der Gletschermasse sinken unter allen betrachteten Erwärmungsszenarien steil ab. Naturgefahren im Wandel Die Klimakrise verändert auch die Naturgefahrenlage in Österreich. Hitzewellen, Starkregen, Waldbrände, Erdrutsche und Steinschläge nehmen zu oder werden zumindest intensiver. Der Bericht listet eine Vielzahl dieser Risiken in einer übersichtlichen Darstellung auf (Abbildung 1.18) und zeigt, welche Gefahren zunehmen, gleichbleiben oder eventuell sogar abnehmen könnten – wobei echte Entlastungen kaum zu erwarten sind: Besonders betroffen sind Regionen mit steilen Hängen, dort nehmen durch häufigere Extremniederschläge auch die Risiken für Murenabgänge und andere gravitative Naturgefahren zu. Wer sich näher mit diesen Themen befassen möchte, findet in Kapitel 1.7 und Abbildung 1.17 eine ausführliche Übersicht über die verschiedenen Typen von Erdrutschprozessen und deren klimatische Auslöser. Burning Embers: Risiken grafisch greifbar Auch im AAR2 treffen wir die „Burning Embers“ – die Balkendiagramme, die das Risiko bestimmter Auswirkungen in Abhängigkeit vom Erwärmungsgrad zeigen. In Cross-Chapter Box 1, Abbildung 3, werden verschiedene Risikobereiche – etwa Hitzetote, Arbeitskraftverlust, Ernteausfälle oder Schneemangel – farblich gestaffelt dargestellt: Die Farben reichen von Weiß (kaum Risiko) über Gelb und Rot bis zu Dunkelviolett (sehr hohes Risiko). Besonders eindrucksvoll ist, wie schnell das Risiko in bestimmten Bereichen ansteigt. So steigt beispielsweise das Risiko für hitzebedingte Gesundheitsprobleme bereits bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad in den hohen Bereich. Gleichzeitig zeigen sich abrupte Übergänge – etwa beim Ernteverlust, wo das Risiko bei etwa 2,5 Grad plötzlich deutlich steigt. Das Diagramm enthält auch eine zweite Skala, die die jeweiligen Auswirkungen bei der österreichischen Durchschnittstemperatur abbildet – ein sehr hilfreiches Detail, da Österreich sich schneller erwärmt als der globale Durchschnitt. Transparenz-Hinweis Die Podcastfolgen zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel sind in Zusammenarbeit mit dem Koordinationsteam des AAR2 entstanden und wurde vom Klima- und Energiefonds finanziell unterstützt. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| [Veranstaltungen Florian](https://www.florian-freistetter.at/show_content.php?hid=2
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Jun 17, 2025 • 38min

DK141 - Der Zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel

Und: Was unterscheidet Österreich vom Rest der Welt? DK141: Der Zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel Und: Was unterscheidet Österreich vom Rest der Welt? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 141 starten wir etwas Neues. Ab jetzt und in den nächsten 9 Folgen werden wir den “Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel” lesen und besprechen. Denn Österreich mag zwar ein kleines Land sein, aber ist aus Sicht des Klimas erstens durchaus interessant. Und man kann zweitens viel über Klimaforschung und -politik lernen, was auch anderswo in der Welt eine Rolle spielt. Zum Auftakt sprechen wir mit Daniel Huppmann vom IIASA in Laxenburg, einem der Co-Chairs des Projekts, über den Bericht selbst. Warum braucht Österreich einen eigenen Bericht? Wer schreibt ihn und in welchem Auftrag? Was steht da alles drin und wie unterscheidet sich das ganze Prozedere vom globalen Sachstandsbericht des IPCC? Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Der Zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel Der Zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel wird im Juni 2025 erscheinen. Der letzte Bericht dieser Art ist 2014 erschienen und seitdem hat sich viel getan. Zu Gast ist Daniel Huppmann, Klimaforscher am IIASA (Internationales Institut für Angewandte Systemanalyse) und einer der vier Co-Chairs des AAR2 (Second Austrian Assessment Report on Climate Change), wie der Bericht offiziell heißt. Daniel hat uns schon in Folge 2 dieses Podcasts erklärt, wie der Sachstandsbericht des IPCC funktioniert und berichtet in dieser Folge von den Entstehungsprozessen und Herausforderungen, die mit der Koordination eines solchen nationalen Großprojekts verbunden sind. Mehr als 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben an den acht Kapiteln des Berichts mitgearbeitet. Die Struktur orientiert sich grundsätzlich am IPCC, doch bewusst wurden auch Abweichungen vorgenommen, etwa durch die Integration interdisziplinärer Perspektiven in thematisch aufgebaute Kapitel, statt einer Trennung nach Arbeitsgruppen wie im IPCC. Ein wesentlicher Unterschied zum internationalen Vorbild liegt im verstärkten Stakeholder-Prozess. Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft wurden aktiv eingebunden, um sicherzustellen, dass der Bericht nicht nur wissenschaftlich fundiert ist, sondern auch gesellschaftlich relevant und verständlich (hier grafisch dargestellt). Ein Beteiligungsverfahren wie etwa ein Bürger*innenrat wurde jedoch aus Zeitgründen nicht durchgeführt. Daniel macht auch deutlich, warum ein nationaler Bericht notwendig ist: Obwohl es viele internationale Daten und Forschungsergebnisse gibt, fehlt es auf nationaler Ebene oft an spezifischer Zusammenfassung, an Kontextualisierung und an der politischen Sichtbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse. Der AAR2 soll diese Lücke schließen und evidenzbasierte Entscheidungsgrundlagen schaffen – gerade auch für politische und wirtschaftliche Akteure. Die acht Kapitel des Berichts decken ein breites Spektrum ab: von den physikalischen und ökologischen Grundlagen des Klimawandels über Auswirkungen auf Gesundheit, Landwirtschaft, Mobilität, Städte und Wirtschaft bis hin zu gesellschaftlichen Handlungsmöglichkeiten, rechtlichen Rahmenbedingungen, den besonderen Herausforderungen in den Alpen und möglichen Transformationspfaden in Richtung Klimaneutralität. Letztere sind nicht als ein einziger Weg gedacht, sondern als Optionenraum, der politische Entscheidungen fundieren soll. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Wissenschaftskommunikation. Neben der Besprechung im Podcast soll der Bericht über weitere Kanäle wie Medienkooperationen, Wikipedia, TikTok und eine interaktive Online-Plattform zugänglich gemacht werden. Ziel ist es, möglichst viele Bevölkerungsgruppen zu erreichen – nicht nur in Schulen, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit, etwa in Seniorenheimen oder bei zivilgesellschaftlichen Organisationen. Die Sprache des Berichts wurde mit Bedacht gewählt: Sie soll die Dringlichkeit der Klimakrise deutlich machen, aber zugleich Handlungsoptionen aufzeigen und nicht lähmen. Der AAR2 soll nicht nur warnen, sondern auch ermächtigen – durch das Aufzeigen von Synergien mit anderen gesellschaftlichen Zielen wie Gesundheit, sozialer Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit. Am Ende soll der Bericht Debatten anstoßen, politische Prozesse beflügeln und ganz konkret in ein geplantes neues Klimagesetz einfließen. Klar ist: Die Klimaneutralität 2040 bleibt ein ambitioniertes Ziel, das ohne faktenbasierte Orientierung kaum zu erreichen ist. Der AAR2 liefert dafür das wissenschaftliche Fundament – und der Podcast begleitet diesen Prozess Folge für Folge. Und wird dafür ab jetzt wieder wöchentlich erscheinen. Transparenz-Hinweis Die Podcastfolgen zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel sind in Zusammenarbeit mit dem Koordinationsteam des AAR2 entstanden und wurde vom Klima- und Energiefonds finanziell unterstützt. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian
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May 26, 2025 • 39min

DK140 - Ein Peitschenschlag mit Regen und Dürre

Und: Kriegen wir ein klimatisches Schleudertrauma? DK140: Ein Peitschenschlag mir Hitze und Dürre Und: Kriegen wir ein klimatisches Schleudertrauma? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 140 holt das Klima mit der Peitsche aus und erwischt uns heiß-kalt. Oder besser: Trocken und feucht. Wir diskutieren über Ereignisse, bei denen starker Regen auf starke Dürre folgt, was in Kombination viel schlimmer ist als die beiden Einzelereignisse zusammen. So ein “Peitschenschlag” wird in einer wärmeren Welt noch dazu viel häufiger vorkommen. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hydroklimatischer Whiplash In dieser Folge geht es um sogenannte hydroklimatische Whiplash-Ereignisse – also extreme Wechsel zwischen Dürreperioden und Starkregen. Diese sich schnell abwechselnden Wetterextreme wirken oft verstärkend aufeinander und treten infolge der globalen Erwärmung immer häufiger auf. Ein zentrales Paper mit dem Titel „Hydroclimate volatility on a warming Earth“ zeigt, dass diese Wechsel weltweit bereits um bis zu 66 % zugenommen haben (bei Betrachtung dreimonatiger Intervalle) und sich bei weiterem Temperaturanstieg (z. B. +3 °C) mehr als verdoppeln könnten. Europa ist besonders stark betroffen. Wir reden über Atmosphärische Ursachen: Mit steigenden Temperaturen nimmt die Fähigkeit der Luft zu, Wasser zu speichern. Dadurch kommt es vermehrt zu Starkregen und gleichzeitig zu stärkerer Verdunstung, was Dürrephasen verschärft. Hydrologische Prozesse: Trockene Böden nehmen Wasser schlechter auf, was bei Starkregen zu Überschwemmungen führt. Die Vegetation kann weniger verdunsten, was die atmosphärische Erwärmung zusätzlich verstärkt. Jetstream-Veränderungen und Phänomene wie El Niño beeinflussen zusätzlich die Häufigkeit und Intensität solcher Extreme. Außerdem wird das sogenannte Extreme Precipitation Flood Paradox thematisiert: Trotz häufiger Starkregen gibt es nicht überall mehr Hochwasser, weil kleinere Überschwemmungen abnehmen, extreme Ereignisse jedoch zunehmen. Maßnahmenempfehlungen sind folgende: Anpassung der Wasserwirtschaft, etwa durch flexibler nutzbare Staudämme, die sowohl Dürre als auch Hochwasser berücksichtigen. Schwammstädte und naturnahe Hochwasserschutzmaßnahmen wie Feuchtgebietsrenaturierung. Verbesserung von Frühwarnsystemen und klimainformierter Infrastrukturplanung. Fazit: Diese komplexen, sich gegenseitig verstärkenden Klimaeffekte verlangen neue, integrative Lösungsansätze für Wasser- und Klimamanagement im Zeitalter der Erderwärmung. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian
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May 12, 2025 • 40min

DK139 - Dürfen wir noch über Kipppunkte reden?

Und: Wie sieht vernünftige Klimakommunikation aus? DK139: Dürfen wir noch über Kipppunkte reden? Und: Wie sieht vernünftige Klimakommunikation aus? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 139 geht es um Kipppunkte im Klimasystem. Also die Ereignisse, die einerseits dramatisch für das Klima sind und andererseits schnell passieren und nicht rückgängig gemacht werden können. Die sind definitiv wichtig wenn wir die Klimakrise verstehen wollen. Aber sie können kritisch in der Kommunikation der Klimakrise sein, wie eine neue Studie zeigt. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Kommunizieren mit Kipppunkten Claudia hat sich die Studie “Tipping points’ confuse and can distract from urgent climate action” angesehen. Der Titel sagt schon, worum es geht. DIe Autor:innen argumentieren, dass es in der Klimakommunikation gar nicht so gut sein könnte, sich zu sehr auf die Kipppunkte zu konzentrieren. Die wurden zwar um das Jahr 2000 herum in der Klimaforschung eingeführt, um zu mehr sinnvollen Klimaschutzmaßnahmen zu motivieren. Aber, so die neue Studie, erstens ist das alles ein wenig verwirrend, denn auch wenn Kipppunkte aus Klimasicht abrupt stattfinden, tun sie das aus menschlicher Sicht vielleicht nicht. Zweitens führt die Kommunikation über Kipppunkte nicht zu den gewünschten politischen Auswirkungen. Und drittens verwechseln viele Menschen Kipppunkte mit Klimazielen. Das heißt nicht, dass man gar nicht mehr über Kipppunkte reden soll. Immerhin SIND sie ja sehr relevante Phänomene im Klimasystem der Erde und die Wissenschaft muss sich - genau so wie die Kommunikation - damit beschäftigen. Aber man muss sich dabei ein wenig mehr Mühe geben, um auch die richtige Botschaft zu vermitteln und keinen falschen Eindruck zu erzeugen, der am Ende zu Maßnahmen führt, die wenig hilfreich für den Klimaschutz sind. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian
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Apr 28, 2025 • 39min

DK138 - Quallen essen für das Klima?

Und: Wie kriegt man die Qualle knusprig? DK138 - Quallen essen für das Klima? Und: Wie kriegt man die Qualle knusprig? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 138 geht es um ein mögliches Nahrungsmittel für eine klimafreundliche Zukunft. Quallen gibt es jede Menge im Meer, es wäre besser für die Ökosysteme wenn es weniger davon gibt und sie sind prinzipiell sinnvolle Lebensmittel. Wir müssen aber auch sinnvolle Wege finden, sie nachhaltig zu fischen und vor allem so zuzubereiten, dass sie auch den Menschen außerhalb von Asien schmecken. Wie das geht und was es da für Rezepte gibt, hört ihr in der neuen Folge. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Das Klima und die Qualle auf dem Teller Wenn wir über Essen und Klima sprechen, landen wir schnell bei einem riesigen Thema: Landwirtschaft, Emissionen, Methan aus der Tierhaltung, Regenwald für Soja – kurzum: ein komplexer Klima-Megabereich. Doch heute geht es nicht um das große Ganze, sondern um ein scheinbares Randthema, das überraschend viel Potenzial bietet: Quallen als Lebensmittel. In Asien sind Quallen schon lange Teil der traditionellen Küche. Die dort verwendeten essbaren Arten gehören zu den Wurzelmundquallen, die übrigens nicht nur im Pazifik, sondern auch im Mittelmeer und in der Nordsee vorkommen. In Europa allerdings gelten Quallen bisher vor allem als lästiger Beifang – sie verstopfen Fischernetze, nerven Badegäste und bringen Kühlkreisläufe in Kraftwerken durcheinander. Dabei könnten sie eine Chance für nachhaltigere Ernährung sein. Denn: Die Zahl der Quallen nimmt weltweit zu – begünstigt durch Überfischung ihrer Fressfeinde (z. B. Thun- und Schwertfische) und steigende Meerestemperaturen, die wiederum das Wachstum von Mikroalgen fördern – der Lieblingsspeise vieler Quallen. Zu viele Quallen können allerdings das maritime Ökosystem stören. Warum also nicht mehr davon essen? Die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN) hat bereits 2022 dazu aufgerufen, neuartige Lebensmittel wie Quallen stärker zu nutzen. Und tatsächlich: Quallen sind ernährungsphysiologisch gar nicht so uninteressant. Sie sind: Kalorienarm: 75 g enthalten etwa 36 kcal – ähnlich wie Salat. Eiweißreich: Rund 4 g Protein auf 75 g. Fettarm, dafür aber mit Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien. Wir haben uns drei aktuelle Studien angesehen: “Jellyfish as Food: A Narrative Review”, eine Arbeit von 2021: “„Jellyfishing in Europe: Current Status, Knowledge Gaps, and Future Directions towards a Sustainable Practice“. Und “Jellyfish from Fisheries By-Catches as a Sustainable Source of High-Value Compounds with Biotechnological Applications” Ein Zitat aus der ersten Arbeit lautet: _”“Die umfassende Nutzung von Quallen kann zur blauen Bioökonomie beitragen – dank ihrer ernährungsphysiologischen und gesundheitlichen Vorteile. Wenn sie durch geeignete politische Maßnahmen unterstützt wird, können Quallen helfen, unsere wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Zudem kann ihre Nutzung zur Abfallvermeidung beitragen und die Biodiversität mariner Ressourcen fördern, indem bislang ungenutzte lokale Ressourcen eingebunden werden.” Aber auch: “Da Quallen in Europa ein neuartiges Produkt darstellen, ist es entscheidend, sicherzustellen, dass alle daraus entwickelten Lebensmittel eine hohe Qualität aufweisen und von den Verbraucher*innen akzeptiert werden.”_ Klassisch werden Quallen in Asien mit Aluminiumsalzen behandelt und getrocknet, um sie haltbar und knusprig zu machen – ähnlich dem Gerben von Leder. Problematisch daran: Aluminiumsalze können gesundheitsschädlich sein. Doch es gibt Alternativen! Eine vielversprechende Methode stammt aus der Arbeit “Soft matter physics meets the culinary arts: From polymers to jellyfish” des Max-Planck-Instituts Mainz. Dort werden Quallen in Ethanol eingelegt, was die Proteine und Polysaccharide vernetzt. Beim anschließenden Trocknen entsteht ein Glasübergang – Ergebnis: knusprige, chipartige Quallen, ganz ohne schädliche Zusätze. Und wie schmeckt das? Das hat eine neue Studie getestet: “Effect of Jellyfish Body Parts and Presentation Form on Consumers Liking, Sensory Perception, Emotions, and Food Pairings”. 106 Personen in Italien probierten verschiedene Quallen-Zubereitungen – naturbelassen, ohne Gewürze. Ergebnis: Gehackte oder in Streifen geschnittene Quallen kamen deutlich besser an als große Stücke. Der Körperteil (Schirm oder Mundarme) spielte kaum eine Rolle. Fazit: Akzeptanz ist möglich, wenn die Textur stimmt. Quallen gelten aber in Europa als "Novel Food" – also als neues Lebensmittel, das eine Zulassung braucht. Die ist teuer: Laut Andreas Kunzmann vom ZMT Bremen kostet allein die Inhaltsstoff-Analyse rund 50.000 Euro. Ohne Kooperation mit einem Lebensmittelhersteller ist das kaum zu stemmen. Rechtlich sind Quallen in Europa daher noch nicht als Lebensmittel zugelassen. Quallenprodukte kann man auch jetzt schon in Europa in Asia-Shops oder online kaufen – meist getrocknet, gesalzen und mit Alaun behandelt. Daher auf jeden Fall immer gründlich wässern und spülen, um Rückstände zu entfernen (oder dann vielleicht lieber doch nicht probieren. Auch das EU-Projekt“GoJelly” hat ein eigenes “European Jellyfisch Cookbook” veröffentlicht – mit Rezepten wie Tagliatelle mit Qualle und Tintenfisch oder frittierte Qualle „alla pizzaiola“. Wichtig: Nicht improvisieren, solange Quallen in Europa nicht offiziell zugelassen sind. Die britisch-taiwanesische Köchin Ching He Huang hat für die Deutsche Welle einen Quallensalat mit Huhn und Sesam-Dressing vorgestellt. Fazit: Quallen könnten ein überraschend nachhaltiges Lebensmittel der Zukunft sein: Kalorienarm, proteinreich, in rauen Mengen vorhanden – und potenziell entlastend für die Fischerei. Damit sie wirklich zum klimafreundlichen Lebensmittel werden, braucht es jedoch Forschung, Zulassungen, gute Zubereitungsmethoden – und vor allem: kulinarische Offenheit. Denn die wichtigste Frage bleibt am Ende: Schmeckt das? Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”. Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” ab und an über Wissenschaft. Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien: Instagram Florian| Facebook Florian| Instagram Claudia TikTok Claudia Bluesky Florian| Bluesky Claudia Mastodon Florian| Mastodon Claudia Blog Florian| Homepage Florian| Veranstaltungen Florian

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