

ÄrzteTag
Ärzte Zeitung
ÄrzteTag - der Podcast der "Ärzte Zeitung". Wir blicken kommentierend und persönlich auf den Tag, wichtige Ereignisse und Meilensteine. Wir laden Gäste ein, mit denen wir über aktuelle Ereignisse aus Medizin, Gesundheitspolitik, Versorgungsforschung und dem ärztlichen Berufsalltag reden.
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Jan 3, 2022 • 36min
„Grenzverletzungen finden in der Klinik jeden Tag statt“
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Dr. Christine Kurmeyer im Gespräch
Etwa 70 Prozent der Ärzte und Ärztinnen haben schon einmal sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erfahren, so die 2018 veröffentlichten Ergebnisse einer Befragung an der Charité. Die Übergriffe gingen von Kollegen und Kolleginnen, aber auch Patienten und Patientinnen aus. Ein ähnliches Bild zeichnet auch die Situation bei den Pflegekräften.
In diesem „ÄrzteTag“-Podcast spricht die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Dr. Christine Kurmeyer über den Umgang mit sexueller Belästigung an der Charité. Seit Veröffentlichung der Studienergebnisse gilt an der Klinik eine „Null-Toleranz-Politik“ gegenüber sexualisierter Diskriminierung – außerdem wurden zahlreiche Präventions- und Hilfsmaßnahmen etabliert. Ein offener Diskurs sei essenziell, doch dafür bleibe im stressigen Klinikalltag kaum Zeit. Dr. Kurmeyer appelliert daher an Klinken, der Prävention sexueller Belästigung mehr Gewicht zu geben – und zeigt auf, wie Betroffene in brenzligen Situationen reagieren können. (Dauer: 35:51 Minuten)
Quellen:
https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2705687
https://www.mdpi.com/1660-4601/18/10/5198

Dec 29, 2021 • 28min
„Wie teuer wird die IT-Sicherheitsrichtlinie für Ärzte, Herr Wiesner?“
Was in der Praxis-EDV nun geändert werden muss
Fehlende professionelle Firewall, einfache Passwörter, veraltete Software – nach wie vor gibt es in vielen Praxis-IT-Systemen große Sicherheitslücken. Mit der Umsetzung der IT-Sicherheitsrichtlinie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) soll sich das ändern. Muss es aber auch, betont IT-Sicherheitsexperte Michael Wiesner im „ÄrzteTag“-Podcast kurz vor Inkrafttreten der zweiten Stufe der IT-Sicherheitsrichtlinie zum 1. Januar.
Noch immer glaubten manche Ärzte, mit einem einfachen DSL-Router eine professionelle Firewall installiert zu haben, weiß Wiesner aus Erfahrung – dadurch seien sie manchen Angriffen fast schutzlos ausgeliefert, weil ihnen so eine Angriffserkennung fehle, die aber dringend nötig sei.
Die Richtlinie fordert zum 1. Januar eine echte professionelle Firewall für ihre Systeme. Grundlegend habe sich beim Sicherheitsbewusstsein vieler Ärztinnen und Ärzte nur wenig geändert in den vergangenen Jahren.
Im Podcast äußert sich Wiesner auch dazu, ob Bußgelder für Praxen bei Nicht-Umsetzung der Richtlinie eine Lösung sein könnten, um Ärzte dazu zu bringen, die Praxis-IT professionell zu schützen. Er sieht aber auch relevante Kosten durch die Richtlinie auf Praxen zukommen, vor allem auf größere Praxen und Versorgungszentren.

Dec 22, 2021 • 21min
„Einführung von eAU und E-Rezept – das wirkt wie ‚Jugend forscht‘“
Jens Naumann von medatixx über TI-Anwendungen
Werden wir in vier Jahren „mit wohligem Erschauern“ an die Zeit der Einführung von eAU, E-Rezept und ePA zurückdenken – bei dann „gut eingeschwungenen“ Prozessen rund um diese Anwendungen in der Telematikinfrastruktur? Jens Naumann, Geschäftsführer von medatixx, gibt im zweiten Teil des Gesprächs über IT-Sicherheit im eigenen Unternehmen und in Arztpraxen, über die Weiterentwicklung der TI und die Professionalisierung des IT-Managements in Arztpraxen, eine optimistische Prognose ab. Sein Unternehmen hatte im November Schlagzeilen gemacht, als es einem Hacker-Angriff zum Opfer gefallen war und längere Zeit für die eigenen Kunden nur schwer erreichbar war.
Die Ärzte, betont Naumann, wollten die Digitalisierung, „aber nicht als Versuchskaninchen parallel zur COVID-Impfung“! Heftig kritisiert der Manager des Praxisverwaltungssystem-Hauses, dass die neuen Anwendungen in der TI nur in einer Referenzumgebung getestet werden könnten, die nicht identisch sei zu der „Produktivumgebung“ in den Praxen. Warum sich die IT-Hersteller dann manchmal in der Praxis vorkommen wie bei „Jugend forscht“ und warum sich die Ärzte darüber zu Recht ärgern, das erläutert er im „ÄrzteTag“. Zugleich bricht Naumann eine Lanze für Jens Spahn (CDU), der als Gesundheitsminister in Sachen Digitalisierung den gordischen Knoten durchschlagen habe – aber auch für die Praxissoftware. „Eine Einheitssoftware aus dem Hause gematik oder aus dem Hause KBV“ sei keine Lösung.

Dec 20, 2021 • 15min
Wie finden Menschen mit Behinderung eine passende Arztpraxis?
Inklusionsaktivist Constantin Grosch über barrierefreie Arztpraxen
Nur jede vierte Hausarztpraxis ist in Deutschland barrierefrei zugänglich. Bei den Fachärzten gelten laut einer Studie der Universität Bielefeld sogar nur sechs Prozent als behindertengerecht. Doch welche Arztpraxis ist für Menschen mit Behinderung überhaupt die richtige? Und vor allem: Wo können sie diese finden? Eine aktuelle und vollständige Übersicht zur inklusiven Gesundheitsversorgung gibt es derzeit nicht. Der Inklusionsaktivist Constantin Grosch von den Sozialhelden will das ändern und hat deshalb gemeinsam mit der Robert-Bosch-Stiftung ein Projekt gestartet, bei dem Standards zu Barrierefreiheit entwickelt und dokumentiert werden sollen. Ärzte und stationäre Einrichtungen sollen dabei die notwendigen Informationen liefern.
Im „ÄrzteTag“-Podcast erklärt Patientenschützer Grosch, wie wichtig speziell geschulte Mediziner sind und warum barrierefrei nicht nur stufenloser Zugang zu den Praxisräumlichkeiten bedeutet. Aus seiner Sicht ist auch die Politik gefordert: Denn sie habe bislang nicht dargestellt, wie sie das Leben von Menschen mit Behinderungen verbessern wolle. (Dauer: 14:48 Minuten)

Dec 17, 2021 • 18min
Aggressionen von Impfgegnern: „Ärzte werden aktiv bedroht“
Dr. Peter Bobbert, Berliner Ärztepräsident, zu Drohungen gegenüber Ärzten und MFA
Aggressionen von Impfgegnern richten sich nicht mehr nur gegen die Politik. Auch in Arztpraxen kommt es inzwischen vermehrt zu Situationen, in den Patienten nicht nur ihren Unmut oder ihre Vorbehalte etwa gegenüber Corona-Impfungen äußern, sondern auch drohen und verbal ausfällig werden.
Das Bundeskriminalamt stuft Impfgegner und Corona-Leugner inzwischen als „relevantes Risiko“ für Ärzte und MFA ein. „Das verändert den gesamten Praxisalltag“, sagt Dr. Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin. Kolleginnen und Kollegen kommen inzwischen vermehrt auch auf ihn zu und suchen Unterstützung. „Die Bedrohten dürfen nicht das Gefühl haben, allein zu sein“, betont Bobbert.
Was ist dann zu tun? Neben der Möglichkeit für jeden einzelnen, Strafanzeige zu stellen, gehe es auch um die Frage, wie die Gesellschaft als Ganzes Grenzüberschreitungen begegne, so Bobbert. Auf keinen Fall dürfe die Zukunft so aussehen, dass Praxen sich abschotten müssen oder nur noch mit Sicherheitspersonal arbeiten können. Deswegen gelte es, klare Kante zu zeigen und gemeinsam stark zu sein. (Dauer: 18:00 Minuten)

Dec 15, 2021 • 29min
Was können Ärzte vom medatixx-GAU lernen, Herr Naumann?
Über den Hacker-Angriff beim Praxis-EDV-Hersteller
Die Nachricht im November war für viele Ärzte ein Schock: medatixx, einer der großen Praxisverwaltungssystem-Anbieter im Markt war gehackt worden, alle Server verschlüsselt, die Hotline über eineinhalb Wochen nicht oder kaum erreichbar. Inzwischen hat sich das Unternehmen wieder zurück in die Normalität gekämpft, jedenfalls weitgehend. Im „ÄrzteTag“-Podcast spricht Geschäftsführer Jens Naumann über die Erfahrungen, die kein Arzt mit seiner Praxis machen möchte.
Naumann berichtet aber auch über viel Solidarität, die dem Unternehmen von Kunden und Geschäftspartnern, auch von Konkurrenten entgegengebracht worden sei. Die Arztsoftware habe die kritische Zeit über funktioniert, und mit Hilfe von Forensikern und IT-Sicherheitsexperten sei mittlerweile mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit festgestellt worden, dass die Server der Ärzte nicht kompromittiert seien.
Sehr hilfreich sei die vor kurzem modernisierte Datensicherung gewesen, die gegen Schadprogramme weitestgehend geschützt sei. Ein Thema des Gesprächs ist es auch, welche Lehren Ärzte aus dem Vorfall ziehen könnten.

Dec 13, 2021 • 21min
Impfende Tierärzte und Apotheker? Das ist ein reines Ablenkungsmanöver!
BDI-Präsidentin Christine Neumann-Grutzeck zur Corona-Impfkampagne
Wie zielführend kann es sein, den Corona-Impfstoff für die Praxen zu rationieren, gleichzeitig aber weitere, neue Impfstrukturen aufzubauen? Für Christine Neumann-Grutzeck, Präsidentin des Berufsverbandes Deutscher Internistinnen und Internisten (BDI), wird hier politisch ganz klar eine Scheindiskussion aufgemacht, um von den eigentlichen Problemen abzulenken. „Es scheitert ja nicht daran, dass es nicht genügend impfbereite Ärzte gibt“, sagt sie im „ÄrzteTag“-Podcast, „sondern es scheitert an ganz vielen Stellen am Organisationschaos.“
Und zu diesem Chaos zählt auch, dass die Praxen von einem auf den nächsten Tag dazu verdonnert wurden, tägliche Corona-Tests durchzuführen. Oder dass ein sehr guter Impfstoff durch die falsche Außenkommunikation auf einmal wie etwas daherkommt, das „man an den Mann bringen muss“.
Die BDI-Präsidentin hat daher eine klare Botschaft an die neue Bundesregierung und den neuen Gesundheitsminister. Das beinhaltet auch mehr Wertschätzung für die Praxen, insbesondere die MFA. „Eine Corona-Prämie wäre da ein wichtiges Signal.“

Dec 7, 2021 • 18min
Apotheker: „Der logistische Aufwand mit den Impfstoffen ist riesig“
Apotheker Leif Harmsen über knappe Corona-Vakzine
Schon wieder ist Sand im Getriebe der Impfkampagne. Nachdem lange Zeit kaum geimpft wurde, hat sich das Bild in den vergangenen Wochen komplett gewandelt: Die Ärztinnen und Ärzte impfen so viel wie nie zuvor. Und nun sind schon wieder die Impfstoffe knapp. Aus Praxen kommen Meldungen, dass von bestellten und zugesicherten fünf Vials Comirnaty® war von BioNTech nur ein einziges ausgeliefert wird in dieser Woche. Und selbst Spikevax® war von Moderna wird in manchen Regionen knapp.
An den Apothekern liegt es nicht, berichtet Leif Harmsen, Vorstandsmitglied im Hessischen Apothekerverband (HAV) und Apotheker in Hofheim am Taunus, im „ÄrzteTag“-Podcast. Harmsen beschreibt in dem Gespräch, den Ablauf von der Bestellung über die Rückmeldung des Großhandels, die Aufbereitung des Impfzubehörs bis hin zu Zuteilung und Auslieferung der eingehenden Impfdosen. Und auch dafür, wie Ärzte trotz Impfstoffmangels große Impfaktionen planen können, hat er einen Tipp.

Dec 2, 2021 • 29min
Verdrängen MVZ-Investoren Ärzte aus der Versorgung, Dr. Krombholz?
MVZ in Investorenhand – warum dieses Thema die KV Bayerns umtreibt
„Höchste Zeit! MVZ in Investorenhand – Einzelpraxis vor dem Aus?“ – Mit diesem drastischen Titel brachte die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) vor Kurzem ihre Zeitschrift „KVB Forum“ heraus. Die Argumentation der Gegner rendite-getriebener Einrichtungen in Investorenhand in der Versorgung überzeugte auch die Delegierten des 125. Deutschen Ärztetags in Berlin, der daraufhin unter anderem ein Fremdbesitzverbot für Medizinische Versorgungszentren forderte.
Wie dringlich dieses Problem bereits ist, schildert Dr. Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzender der KVB, im „ÄrzteTag“-Podcast. Investoren zahlten vor allem in den operativen Fächern wie der Ophthalmologie, aber auch in der Radiologie, teilweise Preise in Höhe des Fünffachen des gutachterlich festgestellten Wertes.
Sie drängten damit niederlassungswillige Freiberufler aus dem Markt, die mit diesen Preisen nicht mithalten könnten, betont Krombholz. Rendite wollten diese Eigner vor allem über einen gesteigerten Wiederverkaufswert erzielen, so der KVB-Chef weiter.
Im Podcast erläutert Krombholz außerdem, woher die Investoren stammen, worin der die größte Gefahr für die Versorgung sieht und welche Auswege aus dem Dilemma er sich vorstellen kann.

Dec 1, 2021 • 16min
Wie steht es gerade um HIV in Deutschland, Dr. Bickel?
Ein Gespräch mit einem HIV-Fachmann zum Welt-Aids-Tag
Mit einem Jahr Verspätung ist es Deutschland gelungen, die internationalen 90-90-90-Ziele des Aids-Programms der Vereinten Nationen zu erfüllen. Die Ziele waren eigentlich für 2020 ausgerufen worden und bedeuten kurz gesagt: 90 Prozent der HIV-Infizierten des jeweiligen Landes sollen ihre Diagnose kennen, wiederum 90 Prozent sollen eine Therapie erhalten, die bei 90 Prozent der Patienten erfolgreich verlaufen soll, sodass ihre Viruslast unter die Nachweisgrenze sinkt.
Außerdem ist den aktuellen Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) zum HIV-Infektionsgeschehen in Deutschland zu entnehmen, dass die Zahl der Neuinfektionen mit dem HI-Virus in Deutschland im Jahr 2020 gesunken ist, und zwar um etwa 300 Infektionen im Vergleich zum Jahr 2019. Weitere Ergebnisse der RKI-Schätzung: Der Anteil der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), am Infektionsgeschehen sinkt, obgleich mit 55 Prozent immer noch mehr als die Hälfte aller neuen Infektionen bei den MSM stattfinden.
Wie die weitere Eindämmung der HIV-Pandemie in Deutschland in den nächsten Jahren gelingen kann, erläutert Dr. Markus Bickel. Er ist niedergelassener Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie in Frankfurt und in diesem Feld seit über 20 Jahren tätig. Er ist außerdem Vorstandsmitglied der dagnä, der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter.


