

ÄrzteTag
Ärzte Zeitung
ÄrzteTag - der Podcast der "Ärzte Zeitung". Wir blicken kommentierend und persönlich auf den Tag, wichtige Ereignisse und Meilensteine. Wir laden Gäste ein, mit denen wir über aktuelle Ereignisse aus Medizin, Gesundheitspolitik, Versorgungsforschung und dem ärztlichen Berufsalltag reden.
Episodes
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Feb 4, 2022 • 16min
Kann Sex die Nasenatmung verbessern, Professor Bulut?
Der Ig-Nobel Prize-Träger zu Orgasmen und Atmung
Im Oktober findet traditionell die Bekanntgabe der Nobelpreise statt; einen Monat früher wird dagegen ein weit weniger bekannter Preis verliehen: der Ig-Nobel Prize. Mit diesem kürt die Organisation Improbable Research jedes Jahr an der Harvard Universität kuriose Forschungsergebnisse: So wurden in der Vergangenheit beispielsweise Forscher ausgezeichnet, die herausfanden, welche Nationen das am höchsten Keim-belastete Papiergeld haben oder diejenigen, die untersucht haben, ob Achterbahnfahrten Nierensteine lösen können.
Was sich zuerst nach reinem Klamauk anhören mag, hat aber einen ernsten Hintergrund: Die Initiatoren wollen Forscher dazu anregen, abseits der gewohnten Bahnen zu denken, und Forschungen einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, die Menschen „zuerst zum Lachen, und dann zum Nachdenken bringen“.
In dieser Episode des „ÄrzteTags“ ist Professor Cem Bulut zu Gast: Der Oberarzt an den SLK Kliniken Heilbronn hat den Ig-Nobel Prize letztes Jahr erhalten, zusammen mit Kollegen: Das Forschungsfeld war, inwiefern Geschlechtsverkehr mit Orgasmus die Nasenatmung verbessern kann und ob dadurch weniger Medikamentengebrauch empfohlen werden kann (Ear, Nose & Throat J 2021; online 4. Januar),
Bulut erklärt, wie er auf Idee kam, Sex und Atmung zum Forschungsthema zu machen, wieso die Autoren das Paper mit einem Augenzwinkern verfasst haben, aber von den Ergebnissen überzeugt sind – und er gibt einen Einblick, wie man an den Ig-Nobel Prize kommt.
Die Ig-Nobel Prize-Gala im Stream: https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Ig-Nobelpreis-Wenn-Sex-die-Nasenatmung-verbessert-422685.html
Zur Studie „Can Sex Improve Nasal Function?—An Exploration of the Link Between Sex and Nasal Function”: https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0145561320981441
Zum Interview mit Dr. Mark Benecke: https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Wenn-eine-keimende-Knoblauchzehe-am-Tatort-wichtig-ist-407198.html

Feb 2, 2022 • 19min
„Warum verschenken viele Fachärzte Honorar, Dr. Lübben?“
Ein Praxisberater gibt Tipps zur korrekten Abrechnung
Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) war unter anderem dazu gedacht, Patienten einen Zugang zur Facharztebene mit möglichst geringen Wartezeiten zu ermöglichen. Im Gegenzug sollten Fachärzte mehr Leistungen ohne Budgetdeckel honoriert bekommen.
Während der Coronavirus-Pandemie sind die sogenannten TSVG-Fälle – offene Sprechstunden, Neupatienten, TSS-Vermittlungsfälle, Hausarztvermittlungsfälle – teilweise in Vergessenheit geraten, wie Arzt und Praxisberater Dr. Georg Lübben aus Berlin im „ÄrzteTag“-Podcast berichtet. Die Folge laut Lübben: „Viele Ärztinnen und Ärzte verschenken Honorar.“
Der Berater erklärt im Gespräch, an welchen Stellen der Abrechnung sich Fehler eingeschlichen haben und warum diese Fehler jetzt, nach Auslaufen der epidemischen Notlage, mehr Wirkung zeigen als in den ersten beiden Pandemiejahren – vor allem bei der offenen Sprechstunde.
Die Summen, um die es geht, könnten durchaus erklecklich sein, bis zu gut vierstellig im Quartal, wenn eine Praxis ihr Budget klar überschreitet. Dabei wäre der Fehler schnell behoben, wenn MFA oder Arzt und Ärztin nur ein oder zwei Mausklicks zur rechten Zeit an der richtigen Stelle machen.

Jan 28, 2022 • 30min
„Der G-BA zerstört unseren Berufsstand!“
Christine Vogler vom Deutschen Pflegerat (DPR)
Politik und Selbstverwaltung entscheiden über die Pflege ohne die Pflege, kritisiert die Präsidentin des Deutschen Pflegerates (DPR) Christine Vogler. „So entstehen Gesetze, die an unserer Arbeit vorbeigehen“, sagte Vogler im Interview zum Auftakt des Kongresses Pflege 2022 von Springer Medizin. Im Interview, das wir in dieser „ÄrzteTag“-Episode ausstrahlen, verweist sie auf Pläne der Ampelkoalition, der Pflege ein Stimmrecht im Gemeinsamen Bundesausschuss zu geben. „Die Macht des G-BA behindert bisher die Entwicklung der Profession.“
Die Pflege brauche neue Berufsbilder, forderte Vogler, etwa die Community Health Nurse, um autonom handeln können. Sie „könnte Wundmaterial verschreiben, Aufklärungsgespräche führen, Beratung und Familienbetreuung übernehmen“. „Und hätten wir zu Beginn der Pandemie überall ganz selbstverständlich autonom handelnde School Nurses gehabt – ein erfolgreiches Modell in Brandenburg –, hätten wir heute eine andere Ausgangslage in den Schulen.“
Der Kongress Pflege 2022 – veranstaltet von Springer Medizin mit seinem Geschäftsbereich Springer Pflege – ist der alljährliche Auftakt in das Pflegejahr für tausende teilnehmende Pflegefachkräfte und Pflegemanager*innen.
Foto: Porträt: Gudrun Arndt | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

Jan 25, 2022 • 25min
Was Haare über den Effekt von mentalem Training aussagen
Physiologische Messmethoden bei der Forschung am Stressabbau
Derzeit scheint ein neuer Lockdown im Bereich des Möglichen zu liegen; gerade vor diesem Hintergrund ist es interessant, was mentale Trainings zum Stressabbau beitragen können. Frühere Studien zu diesem Thema waren auf Selbstauskünfte angewiesen – Lara Puhlmann, Doktorandin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, hat das anhand des Stresshormons Cortisol in den Haaren untersucht.
Auf welches psychische Krankheitsbild die Forschung um Stress und Cortisol eigentlich abzielt und welche Konsequenzen das für den Arzt der Zukunft haben kann, erfahren Sie in dieser Episode des „ÄrzteTag“-Podcasts. (Dauer: 24:07 Minuten)
Puhlmann, Lara M.C. MSc; Vrtička, Pascal PhD; Linz, Roman PhD; Stalder, Tobias PhD; Kirschbaum, Clemens PhD; Engert, Veronika PhD; Singer, Tania PhD Contemplative Mental Training Reduces Hair Glucocorticoid Levels in a Randomized Clinical Trial, Psychosomatic Medicine: October 2021 - Volume 83 - Issue 8 - p 894-905; doi: 10.1097/PSY.0000000000000970

Jan 21, 2022 • 22min
DAK-Chef: „Das Prinzip Brechstange hat bei der Digitalisierung nicht funktioniert“
DAK-Chef Andreas Storm zum Neustart bei TI, ePA, E-Rezept und Co
„Der Digital-Frust bei Ärzten ist enorm“, so lässt sich der jüngste Digitalisierungsreport der DAK überschreiben, aber auch das am Freitag veröffentlichte KBV-Praxisbarometer. Für DAK-Chef Andreas Storm ist unter anderem das vom ehemaligen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gewählte Prinzip „Brechstange“ eine der Ursachen dafür. Und die fehlende Praxistauglichkeit mancher Anwendung, kritisiert Storm im „ÄrzteTag“-Podcast. Wie etwa das E-Rezept, das nur 42 Mal getestet wurde.
Storm fordert, wie zuletzt auch der KBV-Vorstand in der „Ärzte Zeitung“, eine Bestandsaufnahme der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Dazu gehört für ihn auch eine Telematikinfrastruktur, die von einer staatlichen Stelle betrieben wird und durch Steuermittel finanziert wird. Auch Vorschläge nach Steuermitteln für die Digitalisierung unterstützt er – und schlägt ein Praxis-Modernisierungsgesetz vor.
Foto: Porträt: DAK-Gesundheit | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

Jan 19, 2022 • 12min
Wie sieht die Arbeit in einer Post-COVID-Klinik aus, Professor Gosch?
Prof. Markus Gosch über Long- und Post-COVID
Das Klinikum Nürnberg hat seit einigen Tagen speziell für Patienten mit langanhaltenden Corona-Symptomen tagesklinische Plätze eingerichtet. Mit diesen soll Patienten, die auch Monate nach einer COVID-19-Erkrankung noch unter Folgebeschwerden leiden, geholfen werden. Die Tagesklinikplätze wurden an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie sowie an der Klinik für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Geriatrie eingerichtet. Dort sollen sowohl die körperlichen als auch die seelischen Symptome der Infektion ausheilen, teilt das Klinikum Nürnberg mit.
Für Professor Markus Gosch, Leiter der Klinik für Innere Medizin 2 am Klinikum Nürnberg, geht es vor allem darum, die Patienten nach der Erkrankung wieder zu mobilisieren: „Sie sollen so weit wie möglich wieder an ihr Leben vor der COVID-Erkrankung anknüpfen können“, wird Gosch in der Mitteilung zitiert. „Auch wenn die Erkrankung vielleicht nicht schwerwiegend verlaufen ist, so sind viele doch sehr belastet und dauerhaft erschöpft.“
Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Gosch, wie wichtig es ist, die Krankheit ganzheitlich zu begreifen und zu behandeln. Für viele ältere Patienten ist zum Beispiel die Einsamkeit durch Quarantäne und Behandlung ein bedeutender Faktor. Für diese Patienten bietet die Tagesklinik neben den physiotherapeutischen auch ergotherapeutische und logopädische Programme an.
Für Ärzte mit Patienten mit Post-COVID-Beschwerden im Raum Nürnberg gibt es die Möglichkeit der Überweisung an die Tagesklink. Kontakt: psychosomatik-Post-Covid@klinikum-nuernberg.de (Dauer: 11:44 Minuten)

Jan 17, 2022 • 28min
Hausarzt zu Kodierhilfen: „Die Umsetzung der Dauerdiagnosen ist eine Katastrophe“
Dr. Christoph Claus zu den Kodierhilfen für die Diagnosenschlüssel
Die Kodierhilfen für die Diagnosenschlüssel haben nach ihrer Einführung zu Jahresbeginn noch keine großen Schlagzeilen gemacht. Es gebe keine negativen Rückmeldungen von der Basis, meldeten in der vergangenen Woche die KBV-Vorstände Dr. Andreas Gassen und Dr. Stephan Hofmeister im Interview mit der „Ärzte Zeitung“. Also alles in Butter? Mitnichten! Wir haben beim Hausarzt Dr. Christoph Claus nachgefragt, der ein anderes Bild zeichnet, vor allem von der Dokumentation der Dauerdiagnosen.
Claus, in Nordhessen in einer Gemeinschaftspraxis niedergelassen und berufspolitisch im Hausärzteverband Hessen aktiv, hat in seiner Software bemerkt, dass Dauerdiagnosen, die bereits länger zurückliegen, aus den behandlungsrelevanten Diagnosen entfernt werden, ohne dass er dies bemerkt. Er befürchtet, dass Ärzte, die nicht darauf achten, in eine Regressfalle laufen könnten – zum Beispiel, weil sie Medikamente aufschreiben, ohne dass dies Bezug zu einer Behandlungsdiagnose hat. Auch Chronikerpauschalen oder die P3 im Hausarztvertrag könnten in solchen Fällen gefährdet sein.
Im Podcast erläutert Claus, wie er sich dagegen schützt, warum er sich über die Zusatzarbeit ärgert und was manche KVen zum Schutz ihrer Mitglieder tun könnten, um die Fehlerwahrscheinlichkeit zu reduzieren.

Jan 13, 2022 • 12min
Was sagen Sie als Virologe zur Schweineherztransplantation, Dr. Denner?
Dr. Joachim Denner leitet die Arbeitsgruppe Virussicherheit der Xenotransplantation am Institut für Virologie der Freien Universität Berlin
Eine Transplantation zwischen zwei verschiedenen Spezies – das ist eine Xenotransplantation. Eine solche wurde an einem 57-Jährigen am vergangenen Freitag in Baltimore vorgenommen: Er bekam ein genmodifiziertes Schweineherz und zusätzlich ein noch nicht weitgehend erprobtes Immunsuppressivum. Drei Tage später geht es ihm gut, Medienberichten zufolge ist die Herzlungenmaschine bereits abgeschaltet und das Herz arbeitet.
Was in Baltimore erreicht worden ist und welche Vorteile eine etablierte Methode der Xenotransplantation in der Zukunft haben könnte, erklärt Dr. Joachim Denner, Leiter der Arbeitsgruppe Virussicherheit der Xenotransplantation am Institut für Virologie der Freien Universität Berlin in der aktuellen Episode des „ÄrzteTag“-Podcasts.

Jan 10, 2022 • 15min
Corona-Bonus abgelehnt: Gehen die MFA jetzt auf die Barrikaden, Frau König?
Hannelore König, Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe, zur Absage des Corona-Bonus an MFA
Die Absage der Bundesregierung an einen steuerfinanzierten MFA-Corona-Bonus kann noch nicht das letzte Wort sein, das im Kampf um die Anerkennung der MFA-Leistungen während der Pandemie gesprochen wurde. Das sieht zumindest Hannelore König so. Sie ist Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe.
Am Mittwoch ruft ihr Verband MFA auf, in der Pandemie auch auf der Straße Gesicht zu zeigen – und zwar nahe dem politischen Machtzentrum in Berlin. Am Brandenburger Tor machen sie auf die Misere der MFA aufmerksam. Anschließend wollen sie am BMG einen Protestbrief überreichen. Im „ÄrzteTag“ erläutert sie den weiteren Kurs in puncto Corona-Bonus und erklärt, warum immer mehr MFA den Praxen den Rücken kehren. (Dauer: 14:44 Minuten)

Jan 7, 2022 • 32min
Wie viele PCR-Tests brauchen wir gegen die Omikron-Wand, Herr Müller?
Labormediziner Dr. Michael Müller vom ALM e.V.
Angesichts der rapide steigenden COVID-19-Inzidenzen warnen Politiker vor einem Ausfall von Teilen der Kritischen Infrastruktur – und gleichzeitig wird über eine Verkürzung der Quarantäne-Dauer diskutiert. Die Chefin des Marburger Bundes, Dr. Susanne Johna, äußert die Sorge, PCR-Tests könnten knapp werden. Sie schlägt deswegen „zwei Antigentests in Folge“ zum Freitesten vor, etwa für Klinikpersonal. Aber ist das in der Omikron-Welle überhaupt eine Option? Dr. Michael Müller, Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Vorstandsvorsitzender vom ALM, den Akkreditierten Labore in der Medizin e.V., warnt im „ÄrzteTag“-Podcast vor einem Trugschluss: „Wir werden die Pandemie nicht durchs Testen beenden.“
Nötig sei vielmehr eine Priorisierung der Tests, die es in der Nationalen Teststrategie des Robert Koch-Instituts (RKI) längst gibt. Die Kapazitäten von rund 2,5 Millionen PCR-Tests pro Woche hierzulande reichten dafür aus. Bedenken hat Müller auch gegen einen nicht adäquaten Einsatz von Schnelltests. Sie müssten zu den „richtigen Zeitpunkten“ eingesetzt werden, um die Vortestwahrscheinlichkeit zu erhöhen.
Sorgen, die Mutationen der Omikron-Variante B.1.1.529 könnten die Testsensitivität auch von PCR-Tests zu sehr beeinflussen, hat er nicht. Die Anbieter der Assays würden zeitnah auf Varianten reagieren und ihre Testsysteme entsprechend adaptieren. So habe man auch schon beim Auftreten der Alpha-Variante B.1.1.7 rasch den „Drop-out“ beim veränderten Gen für das Spike-Protein gesehen und die Tests angepasst.
Quellen
Schulz SC. Ärzteverband warnt vor PCR-Engpässen: Genügen auch Schnelltests zum Freitesten? www.rnd.de. 2022.https://www.rnd.de/politik/corona-pcr-tests-koennten-laut-marburger-bund-knapp-werden-schnelltests-als-alternative-VSEIPGBQ2RCE5OH73ETLGK5IYA.html (accessed 7 Jan 2022).
Scheiblauer H, Filomena A, Nitsche A, et al. Comparative sensitivity evaluation for 122 CE-marked rapid diagnostic tests for SARS-CoV-2 antigen, Germany, September 2020 to April 2021. Eurosurveillance 2021;26. doi:10.2807/1560-7917.es.2021.26.44.21004412
Latif AA, Mullen J, Alkuzweny M, et al. B.1.1.529 Lineage Report. outbreak.info. 2022. https://outbreak.info/situation-reports?pango=B.1.1.529 (accessed 7 Jan 2022)
Adamson B, Sikka R, Wyllie AL, et al. Discordant SARS-CoV-2 PCR and Rapid Antigen Test Results When Infectious: A December 2021 Occupational Case Series. medRxiv Published Online First: 5 January 2022. doi:10.1101/2022.01.04.22268770
Foto: Porträt: Sylvie Weisshäupl / ALM | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com


