ÄrzteTag

Ärzte Zeitung
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Nov 18, 2022 • 37min

Cannabis-Verordnung: „Die Kassen beißen Ärzten immer wieder in die Waden“

Wie sich die Pläne des G-BA zur zur Cannabis-Verordnung auf die Therapie auswirken könnten Immer wieder streiten Ärztinnen und Ärzte mit Krankenkassen über Erstanträge zur Verordnung von Cannabinoiden auf Kasse. Vor kurzem hat das Bundessozialgericht erstmals vier dieser Streitfälle entschieden – und „das Ergebnis ist absolut ernüchternd“, sagt Schmerz- und Palliativmediziner Professor Sven Gottschling im „ÄrzteTag“-Podcast. Das vor fünf Jahren in Kraft getretene Gesetz hatte zwar noch vorgegeben, dass Krankenkassen Erstanträge auf eine Therapie mit Cannabis „nur in begründeten Ausnahmefällen“ ablehnen dürfen, aber die Praxis hatte sich anders entwickelt: „Die Krankenkassen beißen Ärzten immer wieder in die Waden“, kommentiert Gottschling, Chefarzt im Zentrum für altersübergreifende Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie am Universitätsklinikum des Saarlandes, seine Erfahrungen nach fünf Jahren Cannabis-Therapie. Das BSG-Urteil lade den Ärzten, die Cannabis vor allem in der Schmerztherapie einsetzen, einen zusätzlichen Arbeitsaufwand für einen Erstantrag von 15-20 Minuten auf, schätzt Gottschling, der auch 1. Vorsitzender der Deutschen Akademie für ganzheitliche Schmerztherapie ist. Die kämen zum ohnehin bereits hohen bürokratischen Aufwand für die Anträge hinzu. Angesichts der positiv ausgefallenen Ergebnisse der Begleiterhebung zur Cannabis-Verordnung, die im Sommer veröffentlicht wurden, kann Gottschling auch die Pläne des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Änderung der Arzneimittel-Richtlinie nicht nachvollziehen. Derzeit läuft dazu das Stellungnahmeverfahren des G-BA. Geplant ist unter anderem, dass Allgemeinmediziner ohne weitere Zusatzbezeichnung, etwa spezielle Schmerztherapie oder Palliativmedizin, in Zukunft nicht mehr Cannabis verordnen dürfen. Der Schmerz- und Palliativmediziner fürchtet einen Einbruch der Versorgung von Patienten mit Cannabis. Im Podcast erläutert Gottschling, welche anderen Maßnahmen der G-BA plant, und was Ärztinnen und Ärzte beim Erstantrag von Cannabis nach dem BSG-Urteil alles bedenken müssen. Und er gibt einen Ausblick darauf, was er sich von der Legalisierung des Cannabis-Besitzes erhofft.
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Nov 15, 2022 • 23min

Was machen Sie mit Post-Vac-Patienten nach der COVID-Impfung, Professor Schieffer?

Der Leiter der Post-COVID-Ambulanz des Uniklinikums Marburg über das Syndrom Etwa 0,02 Prozent der Personen, die gegen das Coronavirus geimpft wurden, sind von dem Post-Vaccination-Syndrom betroffen, schätzt Professor Bernhard Schieffer. Er ist Kardiologe und Leiter der Post-COVID-Ambulanz des Uniklinikums Marburg. Dort bietet er eine Sprechstunde speziell für Post-Vac-Patienten an. Die Zahlen zur Post-Vac-Inzidenz beruhen allerdings auf den Zulassungsstudien, gibt Schieffer im „ÄrzteTag“-Podcast zu bedenken. Eine klare Erhebung aus der Zeit nach der Zulassung fehle. Im Podcast erzählt er außerdem, auf welche Ursachen er das Post-Vac-Syndrom zurückführt und auf welche Vorerkrankungen Ärztinnen und Ärzte Betroffene screenen sollten. Mit Blick auf den kommenden Winter betont Schieffer nachdrücklich, dass kein Weg an der Auffrischimpfung vorbeiführe: „Eine Corona-Infektion ungeschützt zu durchleben ist wie Russisch Roulette zu spielen.“ (Länge: 22:44 Minuten)
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Nov 4, 2022 • 23min

Wie können Ärzte Effekte des GKV-Spargesetzes abfedern, Dr. Lübben?

Wie Ärzte offene Sprechstunden nutzen Die letzten Änderungen im GKV-Finanzstabilisierungsgesetz, die der Bundestag vor kurzem beschlossen hat, haben die Proteste auf Ärzteseite nicht verstummen lassen. Das liegt auch daran, dass der gewährte Ausgleich über die Hausarztvermittlungsfälle und TSS-Vermittlungsfälle nach Berechnungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) den Verlust aus der Streichung der Neupatientenregelung auch nicht annähernd deckt. Ausgleich schaffen könnten Vertragsärztinnen und -ärzte über die offene Sprechstunde, also Patienten, die ohne Termin in der Praxis behandelt werden. Darauf verweist Arzt und Praxisberater Dr. Georg Lübben im „ÄrzteTag“- Podcast. Auch Fälle aus der offenen Sprechstunde werden seit Inkrafttreten des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) extrabudgetär vergütet, viele Ärzte nutzen diese Möglichkeit aber gar nicht oder kaum aus. Nach Verabschiedung des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes ist allerdings die Bereinigung der Fälle unbefristet verlängert worden. Warum Ärztinnen und Ärzte daher gerade in diesem Quartal daran denken sollten, die Offene Sprechstunde in der Praxis zu berücksichtigen und wie sie dabei vorgehen können, dazu gibt Dr. Georg Lübben im Podcast ausführlich Auskunft. (Dauer: 22:51 Minuten)
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Nov 2, 2022 • 35min

Sexueller Missbrauch im Internet: Wie können Ärzte Betroffene erkennen, Frau von Weiler?

Psychologin von Berliner Beratungsstelle „Innocence in Danger" gibt Hinweise Sexueller Missbrauch via Web ist stark verbreitet, die Dunkelziffer enorm. Es beginnt oft mit Annäherungen über harmlose Online-Spiele und kann mit massivem Missbrauch enden. Immer wieder kommen schwer traumatisierte Jungen und Mädchen mit ihren ebenfalls tief verstörten Eltern zur Psychologin Julia von Weiler in die Beratung. Was können Eltern tun, um ihre Kinder widerstandsfähiger zu machen gegen die Annäherungen aus dem Internet? Woran können Hausärztinnen und Hausärzte erkennen, dass ihre jungen Patienten womöglich unter sexuellem Missbrauch über den Bildschirm leiden. „Die Frage, wie es so mit dem Internet läuft, gehört eigentlich in jedes hausärztliche Anamnesegespräch bei Kindern“, erklärt die Berliner Psychologin im „ÄrzteTag“-Podcast. Von Weiler leitet die Berliner Beratungsstelle „Innocence in Danger“. Sie berichtet, wo und wie der Missbrauch beginnt, welche Folgen er hat und wie die betroffenen Kinder zurückfinden können in eine mehr oder weniger heile Welt. Denn so viel ist klar: Es kann auch nach einem Missbrauch die Rückkehr in ein zufriedenes Leben geben. (Länge: 35:25 Minuten)
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Oct 25, 2022 • 29min

Wie können Privatpraxen der Inflation trotzen, Dr. Ems?

Über Strategien der Privatmedizin und eine neue GOÄ Seit vielen Jahren kein Anstieg des Punktwertes in der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), und doch gibt es in der Privatmedizin nach wie vor einen erklecklichen Mehrumsatz bei vergleichbaren Leistungen, den Ärztinnen und Ärzte mit Privatpatienten erzielen. Das sagen zumindest die Zahlen der Privaten Krankenversicherung (PKV). Für Privatärzte ist es zuletzt dennoch schwerer geworden, die Praxisüberschüsse zu halten, berichtet der in einer Hausarztpraxis mit insgesamt fünf Ärzten niedergelassene Allgemeinmediziner Dr. Thomas Ems im „ÄrzteTag“-Podcast. Der Geschäftsführer des Privatärztlichen Bundesverbandes (PBV) erläutert, mit welcher Strategie er seine Praxis auf Kurs hält. Maßnahmen, die Praxisorganisation zu verbessern und dadurch Ressourcen effizienter zu nutzen, sei eine Möglichkeit; Personalkosten zu senken, sei dagegen im Wettbewerb um gutes Personal nicht machbar. Ein vollständiger Ausgleich der Inflation sei insgesamt kaum zu schaffen, so Ems weiter, hier liege die große Hoffnung auf einer neuen GOÄ, „eine der wichtigsten Maßnahmen, die wir als PBV unterstützen“, sagt Ems, allein schon als Statement zugunsten der Privatmedizin und auch, um mehr Rechtssicherheit bei der Abrechnung mit Analogziffern zu erreichen. Auch zu Strategien, wie seine Praxis bei den schlecht bewerteten Gesprächsleistungen noch auf ihre Kosten kommt, und warum die Privatmedizin nicht nur eine Medizin für gut situierte Patienten sein muss, nimmt der PBV-Geschäftsführer im „ÄrzteTag“ Stellung.
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Oct 21, 2022 • 9min

Lauterbach: „Das 17-Milliarden-Loch in der GKV werden wir abgedeckt haben“

Gesundheitsminister verteidigt das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz Nach dem GKV-Finanzstabilisierungsgesetz ist vor den nächsten 15 Gesetzesprojekten des Bundesgesundheitsministers. Darauf hat Karl Professor Lauterbach (SPD) im Interview mit Ärzte Zeitung-Herausgeber Wolfgang van den Bergh bei der Springer Medizin Gala 2022 am Donnerstagabend in Berlin verwiesen. Das erste große Gesetz unter ihm als Gesundheitsminister diene in erster Linie dazu, das für 2023 erwartete Loch von 17 Milliarden in der Gesetzlichen Krankenversicherung zu schließen, „und dieses Loch werden wir damit abgedeckt haben“, zeigte sich der Minister überzeugt. Er verteidigte die einzelnen Maßnahmen, die teilweise noch in letzter Minute über Änderungsanträge angepasst worden waren, beispielsweise die Absenkung der Umsatzschwelle, die Orphan Drugs von dem normalen Nutzenbewertungsverfahren ausnimmt, auf jetzt 30 Millionen Euro (statt, wie zuvor geplant, auf 20 Millionen Euro); oder die Ausnahmen beim neu eingeführten Abschlag von 20 Prozent für Kombinationspräparate mit erheblichem und beträchtlichem Zusatznutzen. „Wir waren nicht unbelehrbar“, betont Lauterbach im Interview, auch wenn der größte Teil des Gesetzes weitgehend unverändert durch das Gesetzgebungsverfahren durchgekommen sei.
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Oct 20, 2022 • 29min

Volker Busch: Mit Dehnungsfugen gegen den Stress der Kollegen

Professor Volker Busch gibt Ärzten Tipps Gründe für Stress gibt es bei Ärztinnen und Ärzten derzeit viele. Professor Volker Busch, Facharzt für Neurologie sowie Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, leitet die Arbeitsgruppe „Psychosozialer Stress und Schmerz“ am Uniklinikum Regensburg und hat das Buch „Kopf frei“ geschrieben. Unter seinen Patienten sind auch Ärzte. Häufig hapere es daran, dass unter Stress zuerst die sogenannten Dehnungsfugen wegrationalisiert werden. Das sind die Zeiträume zum Entspannen, die keiner Leistungslogik folgten, erklärt Busch im Podcast. Sie sorgen aber dafür, dass sich keine zu große Spannung aufbaut – wie die Fugen beim Parkettverlegen. Diese Dehnungsfugen verhinderten, dass der Stress an die Substanz geht und sind wichtig in der Prävention von Burnout. Gerade Ärzte als Führungskräfte müssten mit gutem Beispiel vorangehen und auf sie achten. (Dauer: 28:41 Minuten)
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Oct 18, 2022 • 36min

Welchen Stand hat die Umweltmedizin, Professorin Traidl-Hoffmann?

Umweltmedizinerin Professorin Claudia Traidl-Hoffmann im Gespräch Der Stand der Umweltmedizin sei schlecht, heißt es in einer Bekanntmachung der Kommission Umweltmedizin und Environmental Public Health vom Robert-Koch-Institut aus dem Jahr 2020. Auch Professorin Claudia Traidl-Hoffmann selbst hat Ähnliches im „ÄrzteTag“-Podcast im Oktober 2021 berichtet. Doch mit der Pandemie der Zoonose COVID-19 ist „One Health“ in den Fokus gerückt, zum Beispiel wurde im April das Helmholtz-Institut für One Health in Greifswald gegründet. Dort werden die Gesundheit von Umwelt, Mensch und Tier als eng verbunden gedacht. Aber wie wirkt sich das auf die Umweltmedizin aus? Die Bedeutung der Umweltmedizin hat zugenommen, sagt Professorin Claudia Traidl-Hoffmann, Mitherausgeberin der Bücher „Planetary Health“ und „Überhitzt“. Die Direktorin der Umweltmedizin am Uniklinikum Augsburg und Institutsdirektorin des Helmholtz Instituts für Umweltmedizin München sieht ein gemeinsames Ziel von „One Health“ und Umweltmedizin: die Umwelt so zu erhalten, dass sie gesund und nicht krank macht.
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Oct 14, 2022 • 22min

Genesenen-Zertifikat ohne PCR-Test? Anwalt Ehlers: „Kein Kavaliersdelikt!“

Über die Risiken für Ärzte mit dem Genesenen-Zertifikat Seitdem der Deutsche Hausärzteverband die Forderung aufgestellt hat, die Ausstellung eines Genesenen-Zertifikats nicht mehr an das Vorliegen eines positiven PCR-Tests zu knüpfen, ist die Diskussion in der Welt: Sollen PCR-Tests überhaupt noch diese Bedeutung in der Surveillance der Pandemie haben – angesichts der hohen Kosten, die für die Allgemeinheit entstehen? So weit die politische Frage. Auf der individuellen Seite im Verhältnis zu den Patientinnen und Patienten ergibt sich allerdings eine andere Perspektive: Hausärztinnen und Hausärzte sollten einer möglichen – derzeit auch nicht geplanten – Änderung des Infektionsschutzgesetzes auf keinen Fall vorgreifen, warnt Arzt und Rechtsanwalt Professor Alexander Ehlers von der Rechtsanwaltssocietät Ehlers, Ehlers & Partner in München, im „ÄrzteTag“-Podcast. Wenn ein Patient bei COVID-19 keinen PCR-Test hat machen lassen, dann sei es nicht empfehlenswert, pragmatisch vorzugehen und ohne ein Ergebnis eines solchen Tests ein Genesenen-Zertifikat auszugeben – selbst dann nicht, wenn aufgrund des klinischen Bildes und mehrerer Antigentests die Infektion zweifelsfrei feststehe. Ärzten drohten in diesem Fall ernste rechtliche Konsequenzen, „das ist kein Kavaliersdelikt“, so Ehlers weiter, sondern sei vielmehr auf eine Stufe zu stellen mit der Erstellung eines Impfzertifikats für einen Impfgegner, ohne dass eine SARS-CoV-2-Impfung vorliegt.
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Oct 12, 2022 • 38min

Dr. Schießl: Nach Behandlungsfehlern das Vermeiden vermeiden!

Über psychosoziale Unterstützung für Ärzte Bei 60 Prozent der Anästhesistinnen und Anästhesisten lösen schwerwiegende Ereignisse mit Patientenschädigung Ängste aus, die ihre weitere Berufsausübung beeinträchtigen. Mehr als 50 Prozent verlieren das Vertrauen in ihre eigene ärztliche Fähigkeit. Dies seien Ergebnisse einer Schweizer Studie, betont Dr. Andreas Schießl im „ÄrzteTag“-Podcast. Schießl ist Oberarzt am Fachzentrum für Anästhesie und Intensivmedizin der Schön Klinik München-Harlaching und einer der Gründer des Vereins PSU Akut. Dieser Verein setzt sich für psychosoziale Unterstützung von Menschen im Gesundheitswesen ein. Eine wichtige Rolle spielen dabei Kolleginnen und Kollegen: Denn mit anderen Ärztinnen und Ärzten können Betroffene Situationen im gewohnten Jargon besprechen. Aber nicht nur schwere Fehler mit einer Patientenschädigung haben Konsequenzen für die Arztpsyche: „Auch kleine Fehler, oder Beinahe-Fehler, können zu hohen Belastungen führen“, erklärt Schießl im Podcast. Mögliche Folgen: Verunsicherung, Verlust der Arbeit oder auch Substanzmissbrauch. Daher sei es wichtig, nach Fehlern auch auf sich selbst zu achten – und sich sowohl Auszeiten zu gönnen, als auch das Geschehen zu verarbeiten und nicht etwa zu verdrängen. „Wir versuchen, das Vermeiden zu vermeiden“, fasst Schießl diesen Ansatz zusammen. Welche Warnzeichen nicht ignoriert werden sollten und wie PSU Akut Betroffenen hilft, erläutert der Anästhesist in dieser Epsiode des „ÄrzteTag“-Podcasts.

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