
SWR Kultur lesenswert - Literatur Von Frauen mit Fledermausflügeln und anderen Seltsamkeiten
Feb 13, 2026
Ein altes Hotel als magnetischer Treffpunkt exzentrischer Menschen. Geschichten, die wie ein unterirdisches Rhizom Figuren und Handlungsfäden verknüpfen. Fantastische Tierverwandlungen treffen auf reale Härte. Themen: Entfremdung, Zuflucht im siebten Stock und die Suche nach Mustern im Lebensnetz.
05:54
Hotel Als Zufluchtsort
- Joanna Bators Erzählung »Hotel Sudéty« schildert ein altes Hotel als Treffpunkt seltsamer Leute und Künstler.
- Philipp will den siebten Stock Hausbesetzern und Gefallenen als Zufluchtsort überlassen, ein utopischer Plan.
Rhizomatische Erzähstruktur
- Bators Geschichten sind wie ein Rhizom: wiederkehrende Figuren und Perspektivwechsel schaffen vernetzte Einsichten.
- Dadurch erkennt die Leser*in Muster zwischen Menschen, Häusern, Tieren und erfundenen Wesen.
Menschen Als Knotenpunkte
- Figuren fungieren als Knoten in einem Netz, hinter und vor ihnen liegen weitere bedeutsame Begegnungen.
- Kleine, flüchtige Bekanntschaften können später große Rollen im Leben der Protagonist*innen spielen.
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Intro
00:00 • 25sec
Hotel Sudéty als Künstlerort
00:25 • 34sec
Siebenter Stock als Zufluchtsort
00:59 • 40sec
Rhizomatische Verknüpfungen
01:39 • 23sec
Knoten im Lebensnetz
02:01 • 36sec
Themen: Entfremdung und Einsamkeit
02:38 • 15sec
Verwandlung zur Fledermaus
02:53 • 1min
Dazwischen-Geschichten und Identität
03:59 • 32sec
Tiere als Symbol für Unbewusstes
04:30 • 11sec
Phantastische Motive und reale Härte
04:41 • 24sec
Tradition phantastischer Erzählliteratur
05:05 • 37sec
Übersetzung und Tonkritik
05:42 • 12sec
Outro
05:54 • 0sec

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Kafka am Strand
Roman


Haruki Murakami
Der Roman erzählt parallel die Geschichten des 15-jährigen Kafka Tamura, der vor einem ödipalen Fluch flieht und in einer Bibliothek Unterschlupf findet, sowie des älteren Satoru Nakata, der mit Katzen sprechen kann.
Die Handlung verwebt Themen wie Musik als Kommunikationsweg, Metaphysik, Träume, Schicksal und das Unterbewusste.
Kafka wird in einem Wald geheilt, während Nakata mysteriöse Abenteuer erlebt, die mit einer alternativen Realität verbunden sind.
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Die Flucht der Bärin

Joanna Bator

#25427
• Mentioned in 2 episodes
Der Sandmann


E.T.A. Hoffmann
This novella tells the story of Nathanael, a young man deeply marked by chilling childhood experiences involving the sinister figure of Coppelius and the myth of the Sandman, who steals children’s eyes.
The story explores themes of mental illness, love, obsession, and the blurring of reality and illusion.
Nathanael’s encounters with the Sandman and other characters, such as the automaton Olimpia, lead to a catastrophic collapse of his grasp on reality.
The novella is a profound reflection on human fears, identity, and the psychological horrors that can result from unresolved childhood traumas.

#134
• Mentioned in 146 episodes
Hamlet

William Shakespeare
The play revolves around Prince Hamlet's journey to avenge his father's murder, which was committed by his uncle Claudius.
Hamlet's father's ghost appears and reveals that he was poisoned by Claudius, who then married Hamlet's mother, Gertrude.
Hamlet feigns madness while he investigates and plots his revenge.
The play explores themes of betrayal, mortality, and the human condition, culminating in a tragic finale where nearly all main characters die, including Hamlet, Claudius, Gertrude, and several others.
Das Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Chelsea Hotel in New York war über Jahrzehnte ein Magnet für Künstler und illustre Personen. Nicht nur Leonard Cohen widmete ihm einen Song, auch die Sängerin Nico der Band The Velvet Underground verewigte es.
Es war ein Ort, an dem Menschen oft längere Zeit lebten, ein Kultort, ein Treffpunkt von Eingeschworenen.
In Joanna Bators „Die Flucht der Bärin“ trägt eine Geschichte den Titel „Hotel Sudéty“. In diesem alten Kasten in Wałbrzych kommt wie im Chelsea Hotel seltsames Volk zusammen, ganz so wie es sich eine von Bators Figuren gewünscht hat.
„Filip hatte einen ehrgeizigen Plan, er wollte ein modernes Hotel daraus machen, das zugleich Denkmal und Museum einer vergangenen Epoche wäre; der siebte Stock sollte in den Händen der Hausbesetzer bleiben und Menschen, die aus dem System gefallen waren, als Zufluchtsort dienen.“
Er versprach, dass alle so lange im siebten Stock bleiben dürften, wie sie nur wollten, und dort je nach ihren Talenten und Möglichkeiten bestimmte Arbeiten verrichten sollten. Der Träumer!Quelle: Joanna Bator – Die Flucht der Bärin
Unterirdisches Flechtwerk
So wie dieses Hotel, in dem sich die Wege zahlreicher Figuren aus den Geschichten des Bandes kreuzen, kann man sich den gesamten Band vorstellen. Denn obwohl alle Geschichten einzeln lesbar sind, tauchen einzelne Protagonisten immer wieder auf, darunter sogar welche aus Bators früheren Büchern. Durch Perspektivwechsel, die damit einher gehen, wird eine neue Sicht möglich, zum Beispiel auf eine Patchworkfamilie, in der es zugeht wie in den meisten Familien: drunter und drüber. Viele Stränge in diesem Band sind miteinander verbunden, wie ein Rhizom, ein unterirdisches Flechtwerk. In Joanna Bators Band denkt Ewelina, eine der Figuren „dass wichtige Personen, denen wir begegnen, eine Art Knoten in einem Netz sind, und dass wir, wenn wir Glück haben, das Muster erkennen, das sich aus dem Ganzen ergibt, denn hinter und vor diesen Knoten sind weitere Knoten.“Menschen, die wir auf unserem Weg kennenlernen, manchmal nur flüchtig, ohne uns bewusst zu sein, welch bedeutende Rolle sie in unserem Leben spielen werden oder gespielt haben. Und nicht nur Menschen, sondern auch Tiere, Häuser, Meere, ausgedachte Wesen!Quelle: Joanna Bator – Die Flucht der Bärin
Frauen und Fledermäuse
Auf der Welt hängt also viel mehr zusammen als wir in der Regel anzunehmen bereit sind. Doch wovon erzählen Bators Geschichten? Sie erzählen von Menschen, die einander fremd geworden sind. In „Die alten Schuhe“ verschwindet Michal, der Mann der Ich-Erzählerin eines Tages in den Bergen der kretischen Insel Vrachos. In „Batwoman“ kümmert sich eine Frau rührend um verletzte Fledermäuse, es werden mehr und mehr, und schließlich mutiert die Frau selbst zu einer Fledermaus. „Ich streckte mich und bewegte meine Schultern, spürte, wie die daran haftende feuchte Materie sich löste und spannte, sie war ein Teil von mir. Im Spiegel, der mein Bild nur in Weiß- und Grautönen wiedergab, sah ich an der Stelle, wo ich vorher ganz normale menschliche Schulterblätter gehabt hatte, zwei Fledermausflügel aus meinem Rücken wachsen.“Flügel! Ich breitete sie aus und faltete sie wieder zusammen, sie funktionierten hervorragend.Man könnte eine derartige Verwandlung als esoterisch und versponnen abtun. Doch Bators Rückgriffe auf Motive aus dem Märchen und der phantastischen Literatur sind motiviert von einer Sicht auf die Welt, in der Menschen die Tiere in gewisser Weise zwar beherrschen.Quelle: Joanna Bator – Die Flucht der Bärin
Ein Gefühl der Einsamkeit
Doch menschliche Intelligenz kann den Figuren oft nicht darüber hinweghelfen, dass sie sich einsam, unzugehörig und unverstanden fühlen oder in einem Dazwischen stehen, wie Gienio mit einem Körper aus dem verbotenen Land des Dazwischen, der nach der Geburt zum »Mädchen« gestempelt wurde, wie es in der Erzählung „Dich sehe ich“ heißt. Nur mit Weronika hat Gienio eine Zeit der Vertrautheit erlebt, die längst vergangen ist, und Gienio in noch größerer Einsamkeit zurücklässt.Ich habe mich nie wieder jemandem so geöffnet, es hat sich auch nie mehr jemand für mich interessiert.Quelle: Joanna Bator – Die Flucht der Bärin
