

SWR2 Zeitgenossen
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Wir sprechen jede Woche mit Zeitgenossen, die auf einen besonderen Lebensweg zurückblicken: Sie sind Aktivist*innen, Künstler*innen oder Forscher*innen. Sie haben Zeitgeschichte erlebt und geprägt – und sie haben viel zu erzählen. Zur ARD Audiothek: https://www.ardaudiothek.de/sendung/swr2-zeitgenossen/8758618/
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Mar 28, 2026 • 45min
Andreas Speit: „Der liberalen Demokratie fehlen die Narrative gegen rechts“
„Der rechte Rand“ heißt seit 20 Jahren die regelmäßige Kolumne des Journalisten Andreas Speit. Dieser Rand hat sich in den letzten Jahren offenbar verbreitert. Und beschränkt sich längst nicht mehr auf gewaltbereite Neo-Nazis, wie in den 2000ern. Oder auf „Nazis in Nadelstreifen“. Deshalb recherchiert Andreas Speit inzwischen auch zu „rechten Ökos“ und „gefährlichen Weltbildern in alternativen Milieus“: wie „antimoderne Reflexe breite Schichten der Gesellschaft erfassen“, rechtes Denken das Bürgertum entkultiviere und die Demokratie gefährde. Was wir erleben, sei eine „autoritäre Rebellion“.

Mar 21, 2026 • 44min
Maria-Sibylla Lotter: „Wir sollten uns von der Opferrolle lösen“
Was macht aus Menschen moralische Personen? Es sind die ganz großen Themen, mit denen die Philosophin Maria-Sibylla Lotter sich beschäftigt. Die Grundlagen der Moral zum Beispiel. Wie man verantwortungsvoll handelt. Oder sie schreibt über die Praxis von Vergeltung und Versöhnung. Dann geht es um Respekt und warum man zwischen der politischen Bedeutung von Schuldbekenntnissen und den moralischen Aspekten von Schuld unterscheiden sollte. In ihrem neuen Buch fragt sie, was es bedeutet, Verletzungen zu erfahren, die Opferrolle zu erleben und dann Schwäche zu zeigen: Verwundbarkeit als Selbstbild.

Mar 14, 2026 • 55min
Lukas Rietzschel: „Polarisiert sind immer nur die anderen“
Sanditz heißt das neue Gesellschaftslabor von Lukas Rietzschel – ein Ort im Osten. Immer noch eine Nachwendegesellschaft, wie schon in seinem Roman „Raumfahrer“ und im Theaterstück „Widerstand“: wo Offiziere, Frührentner, Orgelbauer, ehemalige Bürgerrechtler, selbsternannte Widerständler, Lokaljournalistinnen sowie die Familie Wenzel Alltag, Werte und Zugehörigkeit aushandeln. Warum schließen sich an Orten wie Sanditz so viele den Rechten an: deutschnational, xenophob und zunehmend demokratiefeindlich? Ein reines Ost-Thema ist das für den Autor Lukas Rietzschel nicht.

Feb 28, 2026 • 38min
İlker Çatak: „‘Gelbe Briefe‘ ist der Film, wo ich am politischsten werde“
Was kommt zuerst: das Überleben oder die Moral? „Gelbe Briefe“ heißt der neue Film von İlker Çatak, für den er mit dem Goldenen Bären der Berlinale 2026 ausgezeichnet wurde. Die Frage steht im Mittelpunkt des Films: Ein Künstlerpaar wird von einem Willkürstaat angeklagt, verliert Job und Wohnung, steht vor dem finanziellen Ruin und muss sich entscheiden. Die Geschichte spielt in der Türkei, gedreht wurde in Deutschland. „Wir tun so, als wenn Istanbul in Hamburg stattfindet und Ankara in Berlin“. İlker Çatak wurde in Berlin geboren, machte Abitur in Istanbul und studierte in Hamburg und Berlin.

Feb 22, 2026 • 44min
Pascale Hugues: „Wir müssen den Feminismus leben“
Pascale Hugues, Journalistin und Autorin aus dem Elsass, lebt seit Jahrzehnten in Berlin und schreibt über deutsch-französische Geschichte. Sie spricht über Leben zwischen zwei Ländern, Familiengeschichte als Spiegel der Nationen, die Rolle von Frauen und Feminismus im Alltag. Außerdem vergleicht sie Kultur, Humor und Politik beider Staaten und erzählt von psychischer Krankheit in der Familie.

Feb 21, 2026 • 40min
Marjana Gaponenko: „Es geht ein Riss durch die Welt und der verläuft in der Ukraine“
„Ich wollte nicht wahrhaben, dass die Welt jederzeit auseinanderbrechen kann“, sagt die ukrainische Schriftstellerin Marjana Gaponenko vier Jahre nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die gesamte Ukraine. Die Zäsur im Frühjahr 2022 war für sie „der Abschied von einer Welt von gestern“. Wann geht dieser Krieg zu Ende? „Wenn der letzte Russe eingesehen hat, dass es ein Fehler war. Alle Reparationen bezahlt sind. Und der symbolische Kniefall vor seinem sogenannten kleineren Bruder Ukraine stattgefunden hat“. Marjana Gaponenko lebt seit vielen Jahren in Mainz. Sie schreibt auf Deutsch.

Feb 14, 2026 • 46min
Franz Dinda: „Nur das Widersprüchliche ist letztlich spannend“
Eigentlich ist Franz Dinda Schauspieler und wirkt in großen Film-Produktionen wie „Das Boot“ mit. Nachdem er 2019 eine Skizze von Ernst Ludwig Kirchner mit rätselhafter Botschaft ersteigert hatte, recherchierte er so tief im Leben und Werk des Expressionisten, dass er heute das größte private Kirchner-Archiv besitzt. Und Kirchner-Experte ist. So hat er dessen Bibliothek Buch für Buch rekonstruiert und nachgewiesen, dass der vom NS-Staat als „entartet“ Diffamierte kurz vor seinem Freitod 1938 auf einige seiner besten Gemälde schoss. „Ich kann nachvollziehen, warum er kompliziert wurde“.

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Feb 7, 2026 • 56min
Hans Block und Moritz Riesewieck: „KI schafft eine Mega-Dystopie der Überwachung“
Hans Block, Dokumentarfilmer und Autor, forscht zu Datenspuren und Überwachungsrisiken. Moritz Riesewieck, Dokumentarfilmer und Autor, untersucht digitale Identität und KI‑Avatare. Sie diskutieren Rekonstruktion von Leben aus Suchdaten. Sie sprechen über digitale Doppelgänger, Predictive Analytics, Avatare als trügerisches Nachleben und die Risiken totaler Überwachung.

Jan 24, 2026 • 45min
Michel Friedman: „Opportunismus und Schweigen ist ein stiller Tod“
„Der Hass ist hungrig. Und der Hass ist niemals satt“, sagte der Publizist und Anwalt Michel Friedman in seiner Rede vor der CDU-Zentrale Berlin, als die Künstlergruppe „Zentrum für Politische Schönheit“ dort ein Denk- und Mahnmal für den ermordeten Walter Lübcke aufstellte: gegen Kollaboration mit der extremen Rechten. Nachdem die Union im Bundestag 2025 gemeinsam mit der AfD gestimmt hatte, trat Friedman aus der CDU aus. Er setzt sich für ein AfD-Verbot ein. Geboren wurde er in Paris. Seine Eltern hatten die Shoah dank Oskar Schindler überlebt. Eine Sendung zum Holocaust-Gedenktag 2026.

Jan 17, 2026 • 42min
Thomas Macho: „KI wird die meisten unserer Probleme nicht lösen“
Thomas Macho, Philosoph und Kulturwissenschaftler, beleuchtet faszinierende Aspekte zur Rolle von KI in Bezug auf Tod und digitale Unsterblichkeit. Er argumentiert, dass KI alte Totenpraktiken neu interpretiert und dabei einen metaphysischen Horror erzeugt. Macho widerspricht der Vorstellung einer digitalen Seele und hebt hervor, dass wahres Denken untrennbar mit dem Körper verbunden ist. Zudem diskutiert er die Auswirkungen digitaler Identitäten auf das Selbstbild und warnt vor der Flucht in die Illusion der digitalen Ewigkeit.


