Wissen aktuell – Impuls

SWR
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Mar 22, 2022 • 4min

Warum wird Gülle nicht zur Biogasproduktion genutzt?

Mehr Gas: Mais ist in der Biogasanlage effektiver als Gülle Volkswirtschaftlich wäre es sinnvoll, alle zu verpflichten, die Gülle in Biogasanlagen zu fahren, die Gülle zu vergären und damit Biogas zu gewinnen. Die betriebswirtschaftliche Realität ist aber eine andere. Denn so sind die meisten Biogasanlagen zwar gebaut worden. Aber betrieben werden sie jetzt stark mit Mais, weil das eine höhere Ausbeute an Gas bringt Die Idee ist grundsätzlich sinnvoll, aber dafür gibt es bislang kein wirtschaftliches Modell; das müsste man jetzt basteln und schauen, wie man die Auswirkungen in den Griff bekommt. Denn momentan beruhen die Geschäftsmodelle der Bauern darauf, dass sie die Gülle schnell loswerden. Das führt zu einem Nitratproblem, weil man relativ viel auf die Äcker führen kann. Vor allem dort, wo es viel Vieh gibt – in Norddeutschland zum Beispiel. Deutsche Landwirte müssen wettbewerbsfähig bleiben Wenn man das anders regeln will, muss man gucken, wie man die deutschen Bauern wettbewerbsfähig hält in einem international offenen Markt. Das ist immer unser Problem: Das ist bei der Industrie das Problem, das ist aber auch das Problem der Landwirtschaft. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, das bis zum nächsten Herbst zu erschließen – dann, wenn wir sehr viel mehr Gas bräuchten, falls Russland und den Hahn zudreht. Dass immer noch zu viel Gülle anfällt es nicht gut ist, die Biogasanlagen mit Mais zu betreiben, wissen die Beteiligten schon lange. Beides unter einen Hut zu bekommen und ein funktionierendes Geschäftsmodell auf den Weg zu bringen, ist sehr schwierig. Welchen Anteil hat Biogas an den erneuerbaren Energien? Das ist kein sehr großer Anteil. Wir haben im gesamten im gesamten Primärenergieverbrauch 16 Prozent erneuerbare Energie. Davon dürfte das Biogas im 1-Prozent-Bereich liegen. Auch eine Verdoppelung würde nicht ausreichend, um nennenswert russisches Gas zu ersetzen. Das muss man fairerweise sagen. Trotzdem müsste man das Potenzial nutzen. Es gibt aber noch viele komplizierte Hemmnisse. Oft wird das Gas nicht als Gas gespeichert, sondern direkt verbrannt, um Strom zu erzeugen Es wäre sicherlich sinnvoller, das als Gas zu nutzen. Gas hat ja einen anderen Zweck: Es ist Heizmittel und als Rohstoff für die Industrie wichtig. Strom können wir auch mit Wind und Sonne herstellen. Um hier etwas zu ändern, braucht es tausend kleine Stellschrauben, an denen man dreht. Wenn man aber an einer Schraube dreht, verändert sich alles für die anderen Schrauben. Das ist der Grund, warum das nicht vernünftig angegangen worden ist. Das rächt sich.
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Mar 3, 2022 • 2min

Wie bestimmt man aufgrund einzelner Fossilien die Dinosaurierart?

Kontext der Knochenfunde ist wichtig Das ist ein Puzzle, das uns ständig beschäftigt. Wenn man einen Knochen irgendwo am Straßenrand findet, sagt das natürlich gar nichts. Man muss schon den Kontext dieses Fundes kennen, um genaue Aussagen zu machen. Deshalb sprechen wir nicht von Funden, sondern von Befunden. Das heißt, was um den Knochen herum ist, ist genauso wichtig. Denn ohne diese Daten kann ich das Alter des Knochens überhaupt nicht bestimmen. Dünnschliffe zeigen charakteristische Merkmale Es gibt verschiedene Methoden, Dinosaurierknochen positiv, auch isoliert, zu identifizieren. Dafür macht man Dünnschliffe; dann sieht man aufgrund der Knochenstruktur im Dünnschliff, dass es sich um einen Reptilienknochen handelt, also einen Dinosaurierknochen. Der ist ganz charakteristisch gebaut. Kenntnisse in vergleichender Anatomie Die Stelle im Skelett kriegt man nur mit vergleichender Anatomie raus. Das heißt, man muss dieses Knochenstück mit vollständigeren Funden vergleichen. Um ihn zu identifizieren, muss man schauen, was noch an diesem Knochen dran ist. Knöchlein wie Rippenfragmente – dazu kann man wenig sagen. Schädelknochen dagegen sind sehr viel merkmalsreicher. Da kann man schon viel genauer sagen, wo genau im Schädel der Knochen saß. Man braucht dafür Erfahrung in der vergleichenden Anatomie, sodass man die Position eines Knochens sicher bestimmen kann. Das ist nie einfach, es sei denn, man findet ein vollständiges Skelett. Aber das passiert leider sehr selten.
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Feb 25, 2022 • 2min

Warum sind die Dinosaurier ausgestorben?

Meteorit und Veränderung der Weltökologie Der Meteorit galt lange Zeit als DAS Aussterbeereignis, weil es einfach toll ist, wenn so ein Bolide auf die Erde knallt und alles auslöscht. Man muss aber auch sehen: Dieser Meteorit hat sehr viel übrig gelassen. Von der bekannten damaligen Welt sind durch dieses Ereignis knapp 50 Prozent ausgestorben. Aber man weiß heute, dass dieses Ereignis begleitet wurde von vielen anderen – zum Beispiel einem riesigen Vulkanausbruch im heutigen Indien, der die Atmosphäre ziemlich durcheinander gebracht hat: Das Klima spielte verrückt, der Meeresspiegel und die Temperaturkurven schwankten. Das alles zusammen spielt eine Rolle in der gesamten Weltökologie. Auch heute sehen wir, was das für Folgen haben kann. Die Folge damals war, dass sehr viele Dinosaurier ausgestorben sind – mit einer Ausnahme: die Vögel. Die bilden heute eine der artenreichsten Landwirbeltiergruppen überhaupt. Ist die Eierschalen-Theorie realistisch?  Das ist eine Theorie, die möglicherweise einige der Dinosaurier getroffen hat und die Eischale zu dick wurde, sodass das Junge nicht mehr schlüpfen konnte. So etwas gibt es heute bei Vögeln auch, ist aber krankhaft. Ich habe von dieser Theorie gelesen, aber das kann nicht alle betroffen haben. Es gab viele Dinge, die in der Oberkreidezeit zusammenkamen und letztlich zum Aussterben der großen Dinosaurier geführt haben.
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Feb 18, 2022 • 2min

Wie lange hält die Prothese bei Arthrosepatienten?

Es gelten bei der Entscheidung für oder gegen eine operative Therapie die gleichen Kriterien, wie sie schon vor vielen Jahren gegolten haben. Ich hatte heute zum Beispiel einen 41-jährigen Patienten in der Sprechstunde, den ich persönlich kenne. Er hat seit fast fünf Jahren Beschwerden im Hüftgelenk. Der Mann hat kleine Kinder, mit denen er nicht mehr auf den Spiel- oder Fußballplatz gehen kann. Er hat teilweise Schmerzen, wenn er sich nachts im Bett dreht. Er hat keinerlei Lebensqualität mehr. Die Arthrose ist weit fortgeschritten; das Röntgenbild zeigt einer Arthrose im Endstadium. Da muss man die Frage „Lebensqualität versus Langzeithaltbarkeit“ thematisieren. Prothesen halten etwa 15 Jahre Wenn wir in den Sprechstunden nach der Langzeithaltbarkeit eines künstlichen Knien- und Hüftgelenks gefragt werden, zitieren wir in aller Regel die Daten aus den Endoprothesenregistern beziehungsweise aus der Fachliteratur. Wir gehen da von einer 15-Jahres-Langzeithaltbarkeit von 85 Prozent aus. Das heißt: 15 Jahre nach künstlichem Knie- und Hüftgelenksersatz ist die Prothese noch bei circa 85 Prozent der Patienten funktionstüchtig. Das ist ein guter Prozentsatz. Mit den neuen abriebärmeren Werkstoffen, neuen Polyethylenen, neuen Keramiken und mit neuen operativen Zugangswegen erhoffen wir uns eine Standzeit, die möglicherweise über die 15 Jahre hinausgeht.
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Feb 1, 2022 • 2min

Kurkuma und Chili bei Arthrose: Helfen Nahrungsergänzungsmittel?

Kommt auf einen Versuch an – aber nicht bei fortgeschrittener Arthrose Die Studienlage ist sehr heterogen und nicht wirklich schlüssig. Teilweise widersprechen sich die Studien zum Thema Nahrungsergänzungsmittel und Arthrose sogar. Wir sind daher oft in der Zwickmühle, wenn solche Fragen an uns herangetragen werden. Ich würde das empfehlen – aber in Abhängigkeit des Artrosestadiums und keinesfalls in fortgeschrittenen Arthrosestadien. Studien widersprechen sich, Fachgesellschaften sind sich uneinig Die Studienlage ist also widersprüchlich. Es gibt viele Patienten, die durchaus eine Linderung erfahren durch die Einnahme dieser Substanzen. Aber eine einheitliche Bewertung gelingt nicht einmal den Fachgesellschaften. Ich habe in Vorbereitung der Sendung die Empfehlungen der amerikanischen, der englischen und der deutschen Fachgesellschaften miteinander verglichen. Und selbst da gibt es widersprüchliche Empfehlungen. Das ist also eine Frage, die sehr schwer zu beantworten ist. Es kommt möglicherweise tatsächlich auf einen Versuch an.
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Feb 1, 2022 • 2min

Wann sollte man bei Arthrose einen Arzt aufsuchen?

Arthrose: Befund bedeutet nicht automatisch auch Leidensdruck Häufig korreliert der röntgenologische Befund nicht unbedingt mit den Beschwerden. Wir sehen in unseren Sprechstunden immer wieder Patienten, die relativ weit fortgeschrittene röntgenologische oder kernspintomografische Befunde haben, aber bei der Erhebung der Anamnese sagen, dass sie keine ausgeprägte Symptomatik und keinen Leidensdruck haben. Bei Unsicherheit und Fragen: Facharzt aufsuchen Das tritt genauso umgekehrt auf. Wir haben Patienten, die sich mit Schmerzen in den Gelenken in der Sprechstunde vorstellen, ohne dass wir mit der konventionellen Bildgebung, also dem Röntgenbild, verschleißbedingte Veränderungen sehen, die über das Altersübliche hinausgehen. Da der Patient das selbst nicht einschätzen kann, gehören diese Fragen in die Facharztsprechstunde. Wenn Sie also verunsichert sind, suchen Sie den Facharzt auf.
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Feb 1, 2022 • 5min

Wann ist bei Arthrose eine OP nötig?

Kriterien für eine operative Arthrosebehandlung Im Fall eines fortgeschrittenen Arthrosestadiums prüft man, ob die Kriterien für eine operative Arthrosebehandlung vorliegen – das muss keine gelenkersetzende Behandlung sein. In der Regel setzt eine Operation eine über mindestens drei, besser sechs Monate erfolglos verlaufende konservative Behandlung voraus. Außerdem müssen die klinischen Untersuchungsbefunde mit den röntgenologischen oder kernspintomografischen Befunden übereinstimmen sowie mit der Vorgeschichte. Sind diese Voraussetzungen erfüllt und entsprechende Einschränkungen der Beweglichkeit, Gelenkschwellungen etc. gegeben, dann sprechen wir mit den Patienten über die Möglichkeit einer operativen Arthrosetherapie. Falsche Diagnosen im Zusammenhang mit Arthrose Es kommt häufig vor, dass Patienten, die arthrotische Veränderungen im Hüftgelenk haben auch verschleißbedingte Veränderungen in benachbarten Gelenken aufweisen – dazu gehören die Wirbelsäule oder die Lendenwirbelsäule. Nicht selten wird eine Hüftarthrose typischerweise erstmal behandelt wie ein Hexenschuss oder wie ein harmloser Kreuzschmerz. Wir sehen es nicht selten, dass Patienten in der Sprechstunde vorstellig werden mit einer endgradigen Hüftgelenksarthrose, wo der Knorpel komplett zerstört ist, die Patienten jedoch bis dahin unter dem Verdacht eines Bandscheibenvorfalls behandelt wurden. Zudem gibt es Erkrankungen in Gelenken, die zwar bezüglich der Vorgeschichte und der Beschwerden zunächst anmuten wie eine Arthrose, jedoch andere Ursachen haben. Dazu gehören zum Beispiel ein Knochenmarködem-Syndrom oder eine Durchblutungsstörung am Hüftkopf bis hin zur Hüftkopfnekrose. Das sind Erkrankungen, die häufig erst im Kernspintomogramm diagnostiziert werden können.
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Feb 1, 2022 • 2min

Was kann man bei Arthrose an den Händen oder Handgelenken machen?

Leider gelingt es an keinem Arthrosegelenk, die Arthrose zu heilen oder die Gelenke in einen Zustand zu bringen, in dem sie in der Jugend waren. Aber es gibt bei der Fingergelenksarthrose und an den Handgelenksarthrosen sowohl konservative als auch operative Maßnahmen, die dem Patienten eine Linderung verschaffen. Der therapeutische Ansatz unterscheidet sich nicht von der Arthrose der großen Gelenke wie zum Beispiel dem Kniegelenk oder dem Hüftgelenk. Operative und konservative Behandlung bei Arthrose Man würde auf jeden Fall versuchen, zunächst eine konservative Therapie zu versuchen. Bei ausbleibender Linderung und auf dem Röntgenbild sichtbaren Fortschreiten der Erkrankung kann man mit dem Patienten über eine operative Behandlung der Arthrose sprechen. Bei den Fingergelenks- und Handgelenksarthrosen gibt es neben den gelenkerhaltenden Verfahren auch gelenkersetzende und gelenkversteifende Verfahren, die durchaus eine hohe Erfolgsrate mit sich bringen. Es besteht also kein Grund zu verzweifeln und zu denken, dass man gar nichts machen kann.
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Jan 27, 2022 • 2min

Wie wichtig ist Bewegung bei Arthrose?

Der Knorpel wird durch die Gelenkflüssigkeit ernährt, die im Gelenk gebildet wird. Das geschieht durch die Gelenkinnenhaut, der sogenannten Synovialmembran. Durch Bewegung gelangen Nährstoffe an den Knorpel Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, Patienten zu Bewegung, Sport und körperlicher Aktivität zu raten. Denn nur durch Bewegung im Gelenk ist gewährleistet, dass die Nährstoffe tatsächlich in Kontakt mit dem hyalinen Gelenkknorpel kommen – insbesondere die Hyaluronsäure, die ein wichtiger Bestandteil der Gelenkflüssigkeit ist. Prinzipiell rät man bei einer konservativen Arthrose-Therapie zu sportlicher Aktivität und Bewegung. So kann die Arthrose-Entstehung bzw. das Fortschreiten verlangsamt werden. Stoppen kann man die Arthrose nicht. Aber es ist wichtig, dass die Gelenke bewegt werden, damit die Nährstoffe in Kontakt mit dem hyalinen Gelenkknorpel kommen.
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Jan 27, 2022 • 2min

Welche Medikamente helfen bei Arthrose?

Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol können Schmerzen lindern In erster Linie zu nennen ist die Gruppe der sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika oder Antiphlogistika. Das sind entzündungshemmende Medikamente, die kein Kortison-typisches Steroidgerüst aufweisen. Ich nenne als Beispiel ein paar Wirkstoffe, wie zum Beispiel Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol. Das sind Medikamente, die nicht ganz so starke Nebenwirkungen, aber auch eine weniger starke entzündungshemmende Wirkung an den arthrotischen Gelenken aufweisen. Einsatz zur Behandlung der Symptome, nicht der Krankheitsursache Dabei handelt es sich um keine Kausaltherapie, sondern lediglich eine symptomatische Behandlung, die den Entzündungsreiz der Schmerzen lindert und die Beweglichkeit verbessert. Vorsicht bei kardiologischen Vorerkrankungen Auch die nichtsteroidalen Antirheumatika haben natürlich entsprechende Nebenwirkungen, in erster Linie im Magen-Darm-Trakt. Diese beginnen bei relativ harmlosen Magenschleimhautentzündungen und reichen bis hin zum Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür. Auch Nebenwirkungen am Herzen sind zu nennen, sodass sie insbesondere bei Patienten, die kardiologische Vorerkrankungen haben, mit großer Vorsicht eingesetzt werden müssen. Medikamenteneinnahme ärztlich begleiten lassen Beim Einsatz muss das individuelle Nebenwirkungspotenzial mit Blick auf den Patienten berücksichtigt bleiben. Man darf also nicht kritiklos über Wochen oder Monate Ibuprofen oder Diclofenac einnehmen, ohne dass das nicht in irgendeiner Form ärztlich begleitet wird.

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