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Jul 10, 2024 • 23min
John Coltrane - Saxophonlegende und spiritueller Sinnsucher
Der Saxophonist John Coltrane gehört zu den wichtigsten Jazzmusikern, seine Platten sind Meilensteine. Bekannt wurde er in den 1950er Jahren durch seine Zusammenarbeit mit Miles Davis. John Coltrane gilt als Wegbereiter des Free Jazz, er war ein spirituell Suchender, bis zu seinem frühen Tod 1967. Von Georg Gruber (BR 2021)Credits Autor dieser Folge: Georg Gruber Regie: Susi Weichselbaumer Es sprachen: Beate Himmelstoß, Thomas Birnstiel, Christian Schuler Technik: Ruth-Maria Ostermann Redaktion: Nicole Ruchlak
Im Interview:Peter Kemper, Erzählerin von „John Coltrane. Eine Biographie“Johannes Ender, Saxophonist und Professor an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. www.johannes-enders.com/de/startseite#about
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Jul 9, 2024 • 21min
Griots in Westafrika - Musiker, Historiker und Ratgeber
Sie sind und waren die Historiker der oralen Kultur in Westafrika, aber ihre Rolle geht weit darüber hinaus: Griots und Griottes sind Schlichter und Vermittler bei sozialen Konflikten und bemühen sich um gesellschaftlichen Zusammenhalt. Angesichts von politischen Konflikten rufen viele von ihnen zu Frieden auf. Von Bettina Rühl (BR 2022)
Credits:Autorin dieser Folge: Bettina RühlRegie: Martin TraunerEs sprachen: Hemma Michel, Andreas Neumann, Gabi Hinterstoisser, Clemens NicolTechnik: Susanne HarasimRedaktion: Susanne Poelchau
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Warum Menschen erzählen - Geschichten und SprachverwendungJETZT ANHÖREN
Frieden - Persönliche Sehnsucht - Politische UtopieJETZT ANHÖREN
Afrikas Ubuntu - Die Philosophie der MenschlichkeitJETZT ANHÖREN

Jul 8, 2024 • 23min
Der Sufi-Mystiker Rumi - Dem Islam ins Herz geschaut
Gott zum Geliebten. Der Mystiker Rumi suchte - und fand - Gott durch ekstatisches Singen, Tanzen und beim Schmieden spiritueller Verse. Im sogenannten "Tanz der Derwische" und durch die vielen Übersetzungen seiner Werke lebt Rumis Vermächtnis fort und bewegt bis heute Menschen aus aller Welt. Von Margarete Blümel (BR 2022) Credits Autorin dieser Folge: Margarete Blümel Regie: Eva Demmelhuber Es sprachen: Katja Bürkle, Peter Lersch, René Dumont Technik: Andreas Lucke Redaktion: Bernhard Kastner
Im Interview: Andrew Harvey, Religionshistoriker und Rumi-Übersetzer; Annemarie Schimmel, Islamwissenschaftlerin (verstorben i. J. 2003); Erdal Toprakyaran, Professor für islamische Geschichte und Gegenwartskultur an der Universität Tübingen und für islamische Theologie an der Universität Luzern
Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. DAS KALENDERBLATT Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte
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Jul 5, 2024 • 22min
Die Erfindung von Währungen - Bancor, Terra, Globo
Ideen für internationale Währungen gibt es immer wieder. Heute macht der Bitcoin Schlagzeilen. Historisch ist der Bancor das bekannteste Beispiel. Er sollte nach dem 2. Weltkrieg eingeführt werden, scheiterte aber am Widerstand der USA. Warum konnte sich bislang keine Weltwährung durchsetzen? Autorin: Maike BrzoskaCredits Autorin dieser Folge: Maike Brzoska Regie: Sabine Kienhöfer Es sprachen: Katja Amberger, Peter Lersch Technik: Daniela Röder Redaktion: Andrea Bräu
Im Interview:Tobias Heidland, Professor für VWL an der Universität Kiel und Leiter des Forschungszentrums „Internationale Entwicklung“ am Institut für WeltwirtschaftPhilipp Degens, Sozialwissenschaftler an der Universität Hamburg.Stephan Schulmeister, österreichischer Wirtschaftsforscher und Publizist
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Jul 4, 2024 • 23min
Saß beim Schach - Der D-Day in der Literatur
Am 6. Juni 1944 landen alliierte Truppen in der Normandie - das Schicksal von Nazi-Deutschland ist besiegelt! Etliche Schriftsteller, darunter Ernest Hemingway, Stefan Heym, Thomas Mann und Jean-Paul Sartre berichten über diesen folgenschweren Tag. Autor: Joachim SchollCredits Autor dieser Folge: Joachim SchollRegie: Frank Halbach Es sprachen: Irina Wanka, Christian Baumann, Caroline Ebner, Stefan Merki Redaktion: Andra Bräu
Quellenhinweise finden Sie im Manuskript
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ZITATOR
Achtung, Achtung, hier ist die BBC London. Wir senden nun Mitteilungen in französischer Sprache: (kurze Pause) – „Les anglots longs de violons de l’automne / Blessent mon coeur d’une langue montone...“ / Atmo stehen lassen, darauf Sprecherin)
SPRECHERIN
„Les anglots longs de violons de l’automne / Blessent mon coeur d’une langue montone...“ – „Das lange Schluchzen herbstlicher Geigen / Die mein Herz mit langweilender Mattigkeit verwunden“ – an einem Dienstag, in der Nacht zum 2. Juni 1944 erklingt im britischen Rundfunk französische Poesie. Nur die ersten beiden Zeilen von „Chanson d’Automne“, aus dem Gedicht „Herbstlied“ von Paul Verlaine. Aber das genügt, die Empfänger reagieren wie elektrisiert. MUSIK ENDE
Es ist eine literarisch verschlüsselte Botschaft an die Résistance, die Widerstands- bewegung im besetzten Frankreich. Jahrelang haben die Untergrundkämpfer auf diese Verse gewartet, die jetzt nur eines bedeuten: Innerhalb der nächsten 48 Stunden beginnt hier, auf dem Kontinent, der große Angriff – die Invasion!
SPRECHER
Noch einmal wird die Geduld der Résistance auf eine harte Probe gestellt. General Dwight D. Eisenhower, der amerikanische Oberbefehlshaber der alliierten Landungstruppen, hat den Invasionstermin auf den 4. Juni gelegt. Drei Millionen Soldaten sind an der südenglischen Küste zusammengezogen. Mehr als 5000 Schiffe drängeln sich in den Häfen am Kanal. 7000 Kampf- und über 2000 Transportflugzeuge stehen bereit. Doch dann schlägt das Wetter um, Sturm kommt auf. Die erste Welle an Schiffen, die bereits unterwegs ist, muss umkehren. Das Warten wird unerträglich.
MUSIK „Verklärte Nacht, op 4.“; ZEIT: 00:47
ZITATOR
In der ganzen Welt fragten sich die Menschen, wann es soweit sein würde, und nicht wenige beteten. Aber nirgends war die Spannung größer als ins London. Hier fühlte man das Drama, auf beinahe schmerzend körperliche Weise. Es war so nah, nur eine Stunde entfernt, bis zur Küste im Süden.
MUSIK ENDE
SPRECHERIN (auf Musik)
Der kanadische Kriegs-Korrespondent Lionel Shapiro in seinem 1956 veröffentlichen Roman „The 6th of June“, „Der 6. Juni“:
MUSIK „Verklärte Nacht, op 4.“; ZEIT: 00:23
ZITATOR
Die Menschen gingen in die Pubs, um die endlosen Abende zu verkürzen. Hier war es am schlimmsten. Die Lokale waren voll und trotzdem tödlich still. Warum nur? Es ist diese verdammte Warterei, sagten die Leute zu sich, aber es war der Tod an den Stränden, an den sie in Wahrheit dachten.
MUSIK ENDE
O-Ton engl. BBC-Kriegsberichterstatter 0’57 / mit Voice over
„The Canal troops are landing, they are landing all around me, as I speak, red and white parachutes fluttering down, in perfect formation…”
SPRECHERIN
Am 6. Juni ist „D-Day“, Decision Day, der Tag der Entscheidung. Ab 1.00 Uhr nachts landen 18.000 britische und amerikanische Fallschirmjäger im Hinterland der normanischen Küste zwischen Sainte-Mère-Église und Caen. Sie treffen auf einen völlig überraschten Gegner. Niemand bei der deutschen Heeresleitung hat den Angriff zu diesem Zeitpunkt erwartet. Auch nicht der Schriftsteller Ernst Jünger, der als Offizier im Generalstab von Paris stationiert ist. Zwei Tage nach der Landung schreibt er in seinem Tagebuch:
ZITATOR
Am gestrigen Tag bei General Speidel in La Roche-Guyon. Wir fuhren gegen Mitternacht zurück. Auf diese Weise verpassten wir um eine Stunde das Eintreffen der ersten Meldungen über die Landung. Sie wurde am Morgen bekannt und überraschte viele. Die ersten abgesprungenen Kräfte wurden nach Mitternacht festgestellt. Zahlreiche Flotten und mehrere tausend Flugzeuge traten bei den Operationen auf. Es handelt sich ohne Zweifel um den Beginn des großen Angriffs, der diesen Tag historisch machen wird.
SPRECHERIN
Und Adolf Hitler? Der „Führer“ weilt in Berchtesgaden und verschläft den Vormittag. Seit 5 Uhr 30 rollen die Angriffswellen gegen die Strände der Normandie, um 10 Uhr 15 traut man sich endlich, Hitler zu wecken. Im Morgenmantel empfängt er die Nachricht. Dann verstreichen entscheidende Stunden, der selbsternannte Oberbefehlshaber der Wehrmacht zögert, die bereitstehenden Panzer-Divisionen in Marsch zu setzen.
MUSIK privat Take 005 “The Winter Soldier”; Album: Captain America The Winter Soldier (Original Motion Picture Soundtrack); Label: Hollywood Records – D0001911602; Interpret: Gavin Greenaway; Komponist: Henry Jackman; ZEIT: 00:35
Generalfeldmarschall Rommel, der Oberkommandierende der deutschen Truppen in Frankreich, fleht Hitler förmlich an. Am Nachmittag, viel zu spät, gibt er endlich den Befehl. Erst am späten Abend wird die Invasion in Deutschland bekanntgemacht.
MUSIK hoch
SPRECHER
Als Ernst Jünger in der Nacht zum 6. Juni durch Paris fährt, hätte er zwei französischen Schriftstellern begegnen können: Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir.
MUSIK ENDE
Sie kommen gerade von einer Party, es wurde getrunken, gesungen, gelacht, Albert Camus hatte wie wild getanzt. In ihrer Autobiographie schreibt Simone de Beauvoir:
ZITATORIN
Wir gingen mit Olga und Bost zur ersten Metro und begleiteten die beiden bis zum Montparnasse. Die Place de Rennes lag verlassen im fahlen Licht der Morgendämmerung. Plakate an der Bahnhofsmauer verkündeten, dass der Zugverkehr eingestellt sei. Was ging vor? Ich schlief fünf oder sechs Stunden. Als ich erwachte, drang die Stimme eines Radios durch mein Fenster. Sie sagte lang erwartete, unglaubliche Dinge, ich sprang aus dem Bett. Die anglo-amerikanischen Truppen hatten in der Normandie Fuß gefasst! Die Tage, die nun kamen, waren ein einziges Fest. Die Leute lachten einander zu, die Sonne strahlte – und wie fröhlich waren die Straßen.
SPRECHER
Jean-Paul Sartre zeigt weniger Enthusiasmus, er fühlt sich unschön abgelenkt. hat nur Sinn für sein neues Theaterstück „Huis Clos - bei Geschlossene Geellschaft“, das in diesen Tagen Premiere feiern soll. – Viele tausend Kilometer entfernt, im kalifornischen Exil, ist ein anderer Dramatiker von Weltgeltung ebenfalls ganz auf seine Arbeit konzentriert. Genau am Invasionstag vollendet Bertolt Brecht den „Kaukasischen Kreidekreis“. Dann geht er ins Kino. In seinem „Journal“ verzeichnet er diesen Eintrag:
ZITATOR
6. Juni 1944. – Ich kam mit Homolka und Karin aus dem Film „Memphis Belle“ – der Flug einer Flying Fortress nach Wilhelmshaven – und saß schon wieder beim Schach, als Hanns Eisler telefonierte, die Invasion in Frankreich habe eingesetzt. Das Radio spie Nachrichten, ein Augenzeuge sprach schon von der Normandie aus. (( Barbara sagt, dass die Lehrerin für Social Science die Invasion nicht mit einem Wort berührt hätte, auch Steff hörte nahezu keine Äußerungen an der Universität. Winge berichtet, ein Mann hätte zu ihm gesagt: „Da regen sich nur die Fremden auf und die, die Verwandte drüben haben bei der Armee.“) )
SPRECHERIN
In Brechts Nachbarschaft wird die Nachricht mit größerem Interesse aufgenommen. Der berühmteste Schriftsteller des deutschen Exils, Thomas Mann, feiert ausgerechnet am D-Day Geburtstag. Am Abend notiert er in sein Tagebuch:
ZITATOR
Pacific Palisades, Dienstag, den 6. Juni. – Mein 69. Geburtstag. Stand halb neun Uhr auf. Während Katja mir ihre Geschenke zeigte, rief Mrs. Meyer aus Washington an, von der ich, bevor ich die Zeitung gesehen, erfuhr, dass die Invasion Frankreichs bei Caen, Calais, Le Havre begonnen hat. Eigentümliches Zusammentreffen. Beim Frühstück die Zeitungsnachrichten. Die Meyer erklärte,
befriedigende direkte Nachrichten aus dem Kriegsministerium zu haben. Spannung auf koordinierte Aktionen der Russen. Telephon mit den Franks. Man erwartet eine weitere Ansprache des Präsidenten.
Regie: O-Ton / Amerik. Nachrichtensprecher (In OF: ab 12‘36)
„Ladies and Gentlemen, the President of the United States…”
SPRECHERIN
Tags zuvor hat Franklin D. Roosevelt im Rundfunk den Einmarsch alliierter Truppen in Rom verkündet. Nun wendet sich der amerikanische Präsidente erneut an sein Volk:
Regie: O-Ton / Roosevelt TC 12:36-13´42
My fellow Americans! Last night when I spoke to you about the fall of Rome I knew at that moment that troops of the United States and our allies were crossing the channel.”
DARÜBER
ZITATOR
Liebe Mitbürger. Gestern Nacht, als ich zu Ihnen sprach, über den Fall von Rom, wusste ich in diesem Moment bereits, dass Truppen der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten den Kanal überquerten. Bis jetzt waren wir erfolgreich. Und so bitte ich Sie, in dieser kritischen Stunde, mit mir zu beten...
SPRECHERIN
Genau zu dieser Zeit arbeitet Thomas Mann an seinem Roman „Doktor Faustus – Die Geschichte des Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde“. Serenus Zeitblom heißt der eher furchtsame, brave Chronist, und in die Rekapitulation der tragischen Biographie Leverkühns mischt der Erzähler aktuelle Beobachtungen und Reflexionen. Am 23. Mai 1943 setzt der Roman ein, an diesem Tag beginnt Thomas Mann mit der Niederschrift. Im Juni 1944 befindet er sich im 33. Kapitel. Und die sensationelle Nachricht aus der Wirklichkeit diktiert ihm die Fiktion.
MUSIK „Verklärte Nacht, op 4.“; ZEIT: 00:48
ZITATOR
Die Invasion Frankreichs, als Möglichkeit längst anerkannt, hat sich vollzogen – eine mit vollkommener Umsicht vorbereitete technisch-militärische Leistung ersten oder überhaupt neuen Ranges, und bald waren es der zu Strande gebrachten Truppen, Tanks, Geschütze und jederlei Bedarfe mehr, als wir wirder ins Meer zu werfen vermochten. Cherbourg hat nach heroischen Radiogrammen des Kommandierenden Generals an den Führer kapituliert, und seit Tagen schon tobt eine Schlacht, deren Streitgegenstand die normannische Stadt Caen ist.
MUSIK ENDE
Regie: O-Ton / Dt. Kriegsberichterstatten 0’15 (In OF: 21’08)
„Hier hart an uns vorbei heulen die Granaten der englischen Artillerie, sie beschießt den Dorfrand hinter unserem Rücken, wo man anscheinend Fahrzeug- bewegungen erkannt hat. In der Talsohle vor uns sind die grauen Ruinen und zerfetzten Baumstümpfe eines total, bis auf das letzte Haus heruntergebrannten Dorfes zu sehen. .
MUSIK „Hydra“; ZEIT: 02:03
SPRECHER
Um 3.30 Uhr hat der Feuerschlag begonnen. Tausende von Schiffsgeschützen beschießen die deutschen Befestigungsanlagen. In der Luft ist die gesamte Bomberflotte im Einsatz. Noch warten die über 4000 Landungsboote im sicheren Schutz der Geleitschiffe. Die alliierte Führung hat den 30 Kilometer langen Küstenstreifen in fünf Landezonen eingeteilt. Im Abschnitt „Utah“ und „Omaha“ landen amerikanische Soldaten, und in einem Boot vor „Omaha Beach“ sitzt mitten unter den durchnässten und frierenden G.I.s der weltberühmte Romancier Ernest Hemingway. Als Kriegs-Korrespondent hat er schon zuvor von vielen Fronten berichtet. Die Invasion sollte die Krönung für den Boxer, Stierkampf-Liebhaber und notorischen Macho sein. Seinen Wunsch, gleich in der ersten Angriffs-Welle mitzufahren, lehnt das alliierte Presse-Ministerium entsetzt ab – den ersten Lande-Einheiten werden wenig Überlebens-Chancen eingeräumt. Man rechnet mit 10.000 Toten, eine Zahl, die sich als realistisch erweisen sollte. Hemingway darf in die siebte Welle!
ZITATOR
Wir näherten uns der Küste im Morgengrauen. Das Landungsboot war sechsundreißig Fuß lang und sah aus wie ein Sarg. Er nahm viel Wasser über, das in grünen Schauern auf die Stahlhelme der Soldaten prasselte, die Schulter an Schulter hockten, in der steifen, ungeschickten, ungemütlichen, einsamen Genossenschaft von Männern, die in die Schlacht gehen. Unter der Back des stählernen Boots lagen Kisten voll TNT, mit Gummischwimmwesten umwickelt, um in der Brandung zu schwimmen, und Bazookas in Haufen und Kisten voll Bazooka-Raketen, und alle diese Munitionspacken steckten in wasserdichten Plastikhüllen wie die College-Girls, wenn’s regnet. Voraus war die französische Küste zu sehen.
MUSIK ENDE
SPRECHERIN
Der Reporter Hemingway war auf „Omaha Beach“ gelandet; im südlichsten Abschnitt „Utah“ liegt der einfache Gefreite Jerome D.Salinger im Sand. Der spätere Verfasser von „Der Fänger im Roggen“ wird nur ein einziges Mal in seinem Leben von diesem Tag erzählen, leicht angetrunken, auf einem Veteranentreffen, sonst hätte die Welt nie davon erfahren.
SPRECHER
Dort, wo die Einheit von Jerome D.Salinger gelandet ist, trifft sie auf den heftigsten Widerstand der Deutschen. Hier sind die Verteidigungsanlagen am besten ausgebaut. Minenfelder, Sperrhöcker, Stacheldraht und in den Sand getriebene Balken machen die Landung von Panzern und Fahrzeugen schier unmöglich. Diese Balken heißen im Jargon der deutschen Landser „Rommelspargel“. Sie liefern, bald 15 Jahre später, dem Schriftsteller Günter Grass den Anlass für ein satirisches Gedicht in seinem Roman „Die Blechtrommel“. Im Sommer 1944 ist der Held Oskar Matzerath Mitglied in einer Fronttheatertruppe. Man gastiert in Frankreich. Während eines Picknicks auf den Betonbunkern des „Atlantik-Walls“ wird spontan gedichtet. Künstlerin Kitty sagt die Verse auf:
Regie: Blechtrommel-Wirbel
MUSIK „Golden arrow“; ZEIT: 00:53
ZITATORIN
Noch waffenstarrend, mit getarnten Zähnen
Beton einstampfend, Rommelspargel
Schon unterwegs ins Land Pantoffel,
Wo jeden Sonntag Salzkartoffel
Und freitags Fisch, auch Spiegeleier:
Wir nähern uns dem Biedermeier
(Trommelwirbel)
((Noch schlafen wir in Drahtverhauen
Verbuddeln in Latrinen Minen
Und träumen tags darauf von Gartenlauben,
Von Kegelbrüdern, Turteltauben,
Vom Kühlschrank, formschön Wasserspeier:
Wir nähern uns dem Biedermeier!
(Trommelwirbel)
Muss mancher auch ins Gras noch beißen
Muss manch ein Mutterherz noch reißen
Trägt auch der Tod noch Fallschirmseide
Knüpft er doch Rüschlein seinem Kleide
Zupft Federn sich vom Pfau und Reiher
Wir nähern uns dem Biedermeier! ))
Blechtrommel-Wirbel
SPRECHER
Anderntags ist der Spaß vorbei, wird das Künstlervölkchen vom Angriff der Alliierten überrascht, Oskars Freundin Roswitha von einer Granate getötet.
SPRECHERIN
Tausende Kilometer entfernt, tief im Osten, empfängt ein weiterer späterer deutscher Literatur-Nobelpreisträger die Nachrichten aus der Normandie. Seit fünf Jahren, vom ersten Tag des Krieges an, marschiert der Infanterist Heinrich Böll durch den Schrecken. Er wird schwer verwundet und kommt nur knapp mit dem Leben davon. Die Landung der Alliierten lässt Böll hoffen. Sehnsüchtig schreibt er gleich am 7. Juni aus einem ungarischen Lazarett an seine Frau Annemarie:
ZITATOR
Gestern Abend erfuhren wir alle mit großer Erregung und Erwartung von der Invasion im Westen. Das ist ein unglaublich wichtiges Ereignis, diese Invasion, das kann wirklich zur Entscheidung des Krieges noch in diesem Jahr führen; wäre es nicht toll, wenn uns endlich einmal ein Zeichen vom Beginn des Endes leuchten würde, ach, dieser wahnsinnige, verbrecherische Krieg muss bald zu Ende gehen!
Regie: O-Ton Winston Churchill (In OF: 33’41)
“We tried again and again to prevent this war...
ZITATOR
„Immer wieder haben wir versucht, diesen Krieg zu verhindern“, hat der britische Premierminister Winston Churchill im November 1939 gesagt.
Regie: O-Ton kurz hochziehen
„...which should not have happened…
ZITATOR 1
“Aber jetzt sind wir im Krieg, und wir warden Krieg führen, und wir warden ihn solange führen, bis die andere Seite genug davon hat.
Regie: O-Ton kurz hochziehen
„...until the other side has had enough of it.“
SPRECHERIN
Am 11.Juni vereinigen sich die alliierten Brückenköpfe zu einer geschlossenen Front, die Invasion ist endgültig gelungen – mehr als eine halbe Million Soldaten und 90.000 Fahrzeuge stehen auf französischem Boden. Es wird nur noch zwei Monate dauern, bis die Streitmacht Paris erreicht. Am 25. August wird die Hauptstadt befreit. - Als passionierter und bekannter Schriftsteller wird Winston Churchill ebenfalls über die Invasion und den Siegeszug der Alliierten schreiben, in seinem Buch „Der Zweite Weltkrieg“ – noch vor Abschluss des sechsbändigen Werks erhält er dafür 1953 den Literatur-Nobelpreis.
SPRECHER
Im selben Jahr 1948, als der erste Band von Winston Churchills Kriegs-Memoiren erscheint, kommt in New York der Roman eines deutschen Schriftstellers auf den Markt: „The Crusaders“ – ein weitgespanntes 800-Seiten-Epos, das nach der Landung der Normandie einsetzt, die Befreiung Frankreichs beschreibt, die Schicksale von Amerikanern und Deutschen gleichermaßen schildert und bis zur Eroberung Deutschlands reicht. Der Verfasser heißt Stefan Heym! –
SPRECHERIN
Als Technical Sergeant hat er im Presse-Korps der 12. US-Armee die Invasion aus nächster Nähe erlebt, es ist für ihn auch die Wiederkehr nach Europa! – 1933, mit zwanzig Jahren, war der Sohn einer jüdischen Kaufmanns-Familie nach dem Reichtagsbrand aus Deutschland geflohen. In den USA wurde er zum Amerikaner und erfolgreichen Schriftsteller, 1943 meldete er sich freiwillig zum Militär. Im Einsatz in Frankreich arbeitet er für die Feindaufklärung, verfasst Flugblätter und Ansprachen, die über Lautsprecher die deutschen Soldaten zur Aufgabe bewegen sollen. Im Roman hat Stefan Heym eines dieser von ihm entworfenen Flugblätter eingebaut:
ZITATOR
... wofür kämpft Ihr? Um einen verlorenen Krieg zu verlängern, einen Krieg, der Europa vernichtet, einen Krieg, der euch selbst vernichtet. Fünf Jahre lang habt ihr gekämpft. Milllionnen sind in Russland gefallen, und täglich nähern sich die Russen der deutschen Grenze. Die Front im Westen rollt donnernd vorwärts. Wenn ihr euch noch retten wollt, wenn ihr Deutschland noch retten wollt, gibt es nur einen Ausweg: SCHLUSS MACHEN!
SPRECHERIN
Stefan Heym wird nach dem Krieg zu einem der bedeutendsten Schriftsteller der jungen DDR. „The Crusaders“ erscheint dort 1950 unter dem deutschen Titel „Kreuzfahrer von heute“, in Westdeutschland wird die Ausgabe später „Der bittere Lorbeer“ heißen. Für seine militärischen Dienste wird Stefan Heym von den USA mit dem Bronze Medal Star ausgezeichnet. – Und in seinem Flugblatt hat er die Wahrheit gesprochen: Am 22. Juni, zwei Wochen nach der Invasion, sind 200 Divisionen der Roten Armee zur Offensive im Osten angetreten, sie sind den Deutschen fünffach überlegen. Überall nun brechen die deutschen Fronten zusammen.
Regie: Musik / unter Text
SPRECHER
Jetzt beginnt das Ende. Auch Serenus Zeitblom hat die Nachrichten gehört. In Kalifornien lässt Thomas Mann seinen ängstlichen Helden um Deutschland zittern:
MUSIK „Verklärte Nacht, op 4.“; ZEIT: 01:12
ZITATOR
Kein Halten mehr! Seele, denk‘ es nicht aus. Wage nicht, zu ermessen, was es heißen würde, wenn in unserem extremen, durchaus einmalig-furchtbar gelagerten Fall die Dämme brächen und es kein Halt mehr gäbe gegen den unermesslichen Hass, den wir unter den Völkern ringsum gegen uns zu entfachen gewusst haben. (...) Das Strafgericht – es komme! Nichts anderes bleibt mehr zu hoffen, zu wollen, zu wünschen. (...) Ein einsamer Mann faltet seine Hände und spricht: Gott sei eurer armen Seele gnädig!

Jul 3, 2024 • 23min
Die Landung der Alliierten in der Normandie
Gedenkveranstaltungen zum D-Day gehören für die Bewohner der Landungsstrände in der Normandie zum Jahresablauf. Staatsoberhäupter reisen an, Veteranen werden geehrt. In diesem Jahr zum 80. Mal. Sie feiern die Befreiung Frankreichs von deutschen Besatzern. Bei der Invasion der Alliierten wurden auch viele normannische Orte komplett zerstört. Ein Drittel aller getöteten französischen Zivilisten im 2. Weltkrieg kam während dieser knapp drei monatigen "Operation Overlord" ums Leben. Wie denken Franzosen heute über den D-Day? Ein Besuch im kleinen Ort Courseulle-sur-mer in der Normandie. Von Andrea Burtz
CreditsAutorin dieser Folge: Andrea BurtzRegie: Ron SchicklerEs sprachen: Katja Bürkle, Ron Schickler, Andreas Neumann, Hemma MichelTechnik: Robin AuldRedaktion: Andrea Bräu
Im Interview:Romain LeChartier, PensionswirtSamuel LeVasseur, FriedhofsgärtnerMathieu, SurferCorinne Vervaeke, FremdenführerinPhilippe Vervaeke, FremdenführerEric Tabaud, Karussellbesitzer, Fotosammler
Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:
ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN
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Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:
SPRECHER 1 OV ÜBERSETZUNG ROMAIN (flüsternd) TON 1
Ich habe immer dasselbe Gefühl, wenn ich das Alter dieser Soldaten lese. Ich bin jetzt 30, die meisten sind jünger als ich. Der Älteste, der hier begraben ist, war 34. Ich habe Mitgefühl, wenn ich mich in ihre Lage versetze, mir ihre Lebenswege vorstelle. Was wohl im Moment der Landung in ihren Köpfen vorgegangen ist, und als sie sich entschlossen haben, herzukommen. Sie hatten keine Wahl. Auf Friedhöfen herrscht immer diese Stimmung von Ruhe und Gelassenheit.
Atmo Friedhof
SPRECHERIN
Es ist ein sonniger Morgen in Bény-sur-mer (benie sür mär). Romain (Romˈɛ̃ː) ist der einzige Besucher auf dem kanadischen Soldatenfriedhof. Er stammt aus dem Nachbarort Courseulles (kúrsöll)und betreibt dort eine kleine Pension. Sein Blick schweift über die einheitlichen Grabsteine der 2.049 jungen Kanadier, die in den ersten Wochen der Normandie-Invasion im Juni 1944 gefallen sind. Auf jeder weißen Stele sind unter einem Ahornblatt Name, Rang und Todesdatum eingraviert. Dazwischen blühen Narzissen, Iris und rote Tulpen.
SPRECHER 1 OV ÜBERSETZUNG ROMAIN, TON 2
Es ist unvorstellbar. Jetzt sogar noch mehr. Man kann sich einfach nicht vorstellen, dass sowas heute nochmal passieren könnte. Dass Menschen sechstausend Kilometer auf einem Schiff oder in einem Flugzeug hinter sich bringen, um ein Land zu retten, das sie gar nicht kennen. Ich glaube, wenn man heute Leute zwischen 20 und 30 fragen würde, ob sie in der Lage wären, das zu tun, würden 99% „nein“ sagen. Es ist unvorstellbar, und das macht das Ganze noch stärker.
ATMO Friedhof
FREISTEHEND, SAMUEL LEVASSEUR, TON 3
Je suis jardinier. Ca fait 30 ans que je fais le travail
pour le cimetière.
SPRECHERIN
Samuel Levasseur (samüäl lövassör) ist seit 30 Jahren der einzige Gärtner des Soldatenfriedhofs. Im Ort heißt es, es sei der schönste der Region. Denn Samuel sorgt dafür, dass er ganzjährig blüht. Im Juni, zum Jahrestag der Landung, setzt er Klatschmohn. Damit schmückten schon die Einheimischen im Frühsommer 1944 die Gräber. Dem Gärtner ist es wichtig, den Gefallenen jeden Tag aufs Neue seine Ehre zu erweisen.
SPRECHER 2 OV ÜBERSETZUNG SAMUEL LEVASSEUR TON 4 (Samuel, ov)
Am Ende bleiben nur ihre Gräber. Ich bepflanze sie, damit sie hübsch aussehen, und um ihnen zu huldigen. Ein wunderschöner Tribut, den ich zollen kann. In diesem Jahr ist es vielleicht das letzte Mal, dass wir den Gedenktag mit Veteranen begehen. Zum Glück konnten wir die Andenken dieser Männer bewahren, ich habe einige gesammelt. Sie sollen nicht vergessen werden.
MUSIK Moonbow 01:00min
SPRECHERIN
Manche Angehörige hinterlassen Hochzeitsfotos, handgeschriebene Nachrichten und sogar Schmuck auf den Gräbern. Nach einer Weile entfernt Samuel Levasseur die verwitterten Gegenstände, damit der Gesamteindruck der Gedenkstätte nicht gestört wird. Aber er hebt all diese Dinge auf und beantwortet Besuchern Fragen. Die 30 Jahre Arbeit zwischen den Grabsteinen junger Soldaten haben ihn geprägt.
SPRECHERIN OV ÜBERSETZUNG CORINNE VERVAEKE; TON 5
Er ist ein Poet! Seine Verse sind sehr bewegend, er schreibt wunderschöne, schlichte Gedichte, besonders über die
Kanadier. Wenn er es mal wagt, seine Gedichte anderen vorzulesen –Samuel ist sehr schüchtern! – dann weinen alle. Sie sind so schön, dass alle in Tränen ausbrechen.
SPRECHERIN
Fremdenführerin Corinne Vervaeke (Corinn Fövaake) hat mit Besuchergruppen schon oft den Soldatenfriedhof Bény und seinen Gärtner besucht. Sie kennt seine Gedichte.
SPRECHERIN OV ÜBERSETZUNG CORINNE VERVAEKE, TON 6
Sie sind sehr kurz, nur wenige Zeilen. Er erzählt zum Beispiel vom Soldaten, der seine Familie in der Ferne zurücklassen muss, der das Meer überquert, auf normannischem Sand fällt und schließlich für immer in der Erde der Normandie schläft, weit entfernt vom gelobten Land.
SPRECHERIN
An manchen Tagen kommen bis zu sechs Touristenbusse zum Soldatenfriedhof Bény,(Bénie) der auf einer Anhöhe liegt. Drei Kilometer Luftlinie vom Küstenabschnitt Juno Beach (engl. Aussprechen, beide Wörter) entfernt, wo die 3. Kanadische Division am 6. Juni 1944 landete. Vom Friedhof kann man in der Ferne das Meer sehen. Die winzigen bunten Punkte am Horizont sind Segel von Surfern wie Mathieu.(Matjö)
Atmo WIND MEER
SPRECHER 1 OV, ÜBERSETZUNG SURFER MATTHIEU TON 6
Je nach Windrichtung ist es ein besonders beliebter Spot für alle Windsurfer. Wenn wir auf dem Wasser sind, sehen wir das große Kreuz dort, das sorgt für eine besondere Atmosphäre. Wir können wirklich relativ weit sehen, vor allem das Lothringerkreuz. Es dient uns als Orientierungspunkt, denn bis dorthin müssen wir kommen… , ah der Wind ist heute stark….))
MUSIK GBE3A2123420 The Tide Of Fear 00:45min
SPRECHERIN
18 Meter ragt das Lothringerkreuz am Strand von Courseulles in den Himmel. Es wurde 1990 zu Ehren des ehemaligen Generals und Staatspräsidenten Charles de Gaulle errichtet. Am 14. Juni 1944, gut eine Woche nach dem D-Day, war de Gaulle am Juno Beach in Courseulles an Land gegangen - vier Jahre nachdem er vor dem Vichy Regime und den nationalsozialistischen deutschen Besatzern nach London ins Exil geflohen war. Das Doppelkreuz erinnert an seine Rückkehr. Die Freien Französischen Streitkräfte hatten das Symbol aus dem Mittelalter übernommen - als Gegenstück zum Hakenkreuz der Nationalsozialisten. Fremdenführerin Corinne Vervaeke packt ihre Tasche für die große Familientour zum D-Day: Original Lebensmittelkarten, Helme und Pullover von US Soldaten, ein Feldtelefon. 60 Kilo Anschauungsmaterial aus der Zeit der Besatzung und Befreiung. Die Kinder dürfen alles anfassen und ausprobieren.
SPRECHERIN OV CORINNE VERVAEKE TON 7
Das kratzt und piekt, das Feldtelefon ist schwer. Die Kinder dürfen es auf dem Rücken tragen… Damals sind die Soldaten mit ihren großen Rucksäcken ins Wasser gesprungen, sie hatten wirklich Gewicht! All das werden die Kinder ihr Leben lang nicht vergessen. Dinge anzufassen, das spricht die Sinne an und bleibt im Gedächtnis.
SPRECHERIN
Corinne Vervaeke hat ihr Haar mit kleinen Kämmchen zurückgesteckt, so wie es in den 1940er Jahren Mode war. Auch ihr Rock, Bluse und Schuhe stammen aus der Zeit. Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, hat die Sportlehrerin sich ihren großen Wunsch erfüllt, noch ein Geschichtsstudium anzuhängen. Seither macht sie Führungen in Courseulles. Corinne stammt aus der Region und kennt den Ort. Sie betont, dass es wichtig sei, zu unterscheiden: Zwischen den großen Festlichkeiten zum Jahrestag der Landung als Dank an die Veteranen. Und dem, was französischen Zivilisten damals während der Befreiung widerfahren ist.
SPRECHERIN OV, ÜBERSETZUNG CORINNE TON 9
Das war sehr schwer für die normannische Bevölkerung. Viele Häuser waren zerstört und ein Teil der Zivilisten durch die Bomben der Alliierten ums Leben gekommen. Heute muss man das alles ein bisschen vergessen, ein bisschen glätten und sich daran erinnern, dass wir dadurch heute in Frieden leben können. Passiert ist es der Generation unserer Eltern. Für uns war die Befreiung dann ein großes Glück. Für uns ist eine Erinnerung - keine gelebte Realität!
SPRECHERIN
Corinnes Mann Philippe (Filiep), nach 37 Jahren in der Armee nun im Ruhestand, definiert den D-Day ganz klar:
SPRECHER 2 OV ÜBERSETZUNG PHILIPPE VERVAEKE TON 10
Für uns ist die Landung tatsächlich der erste Tag eines neuen Europa. Eines friedlichen Europa. Das ist nicht der 8. Mai. Der 8. Mai markiert das Ende des Krieges. Aber der entscheidende Faktor war für uns die Landung. Hier wurde klar, dass wir aufhören müssen, ständig Kriege zu führe, und dass wir Europa schaffen müssen.
MUSIK Moonbow 00:30min
SPRECHERIN
Interesse an der eigenen Geschichte zu wecken und Völkerverständigung zu unterstützen, ist für Philippe Vervaeke unerlässlich. Heute macht sich der Rentner für Städtepartnerschaften stark und unterstützt seine Frau bei ihren Führungen am Juno Beach. Auch er passt seine Kleidung dabei an die 40er Jahre an. Der Hobbysammler kann aus seinem eigenen Fundus schöpfen: Er trägt Uniform und Schiffchen eines Kriegsberichterstatters bei US-Armee.
SPRECHERIN OV CORINNE VERVAEKE TON 11 (Reportagig)
Da ist Philippe. Wir sind am Strandabschnitt der Kanadier, aber Philipp trägt keine kanadische
Uniform…
SPRECHER 2 OV Übersetzung Philippe:
Also Kinder – wie bin ich gekleidet? … Es steht auf der
Tasche wie bei einem Camembert aus der Normandie… Ich bin ein Journalist…))
SPRECHERIN
Familien aus ganz Frankreich sind mit ihren Kindern gekommen, um beim Strandspaziergang zu erfahren, was sich hier im Jahr 1944 zugetragen hat. Wo genau der bekannte Panzer einen Bombenkrater füllte, damit nachkommende Fahrzeuge über ihn hinwegfahren konnten. Warum es wichtig war, all die kleinen Brücken über dem Flüsschen „Seulle“ zu schützen und wie klein die Provianttasche eines US Soldaten war. Nachdem die Kinder noch einen restaurierten Panzer bestaunt haben, geht es direkt aufs Dach eines Bunkers – auf den sogenannten „Atlantikwall“.
SPRECHERIN OV CORINNE VERVAEKE, TON 12
Also – sieht das so aus wie eine Mauer? Stehen wir auf
einer Mauer? – (Kinder im Chor, FREI STEHEN LASSEN) NON!
– Tatsächlich nennt man es Atlantikwall, weil es als Schutz diente. Eigentlich besteht er aber aus vielen einzelnen Bunkern.
13.O-TON: Trompetenstoß, Fliegerlärm
SPRECHERIN
Philippe bläst zum Appell. Zufällig schießt am Himmel ein historischer Flieger über die Köpfe der erstaunten Besuchergruppe hinweg. Am Ende gibt es noch ein Quiz: Philippe zieht Soldatenhelme aus einer Tasche, die Kinder sollen das Land seiner Herkunft erraten.
SPRECHER 2 OV ÜBERSETZUNG PHILIPPE TON 14
Ja, das ist einfach – ein deutscher! Es ist das einzige Objekt meiner Sammlung, das nicht historisch ist. Der deutsche Helm gehört zum Kostüm des Films „Saving Private Ryan“, es ist eine Filmrequisite. Denn heute sind deutsche Sammlerstücke sehr, sehr teuer.
SPRECHERIN
Nach der zweistündigen Tour sind die Kinder beeindruckt. Was ein Soldat beim Sprung ins Meer mit sich führte und wie klein seine Essensration war, werden sie nicht vergessen.
ATMO STRAND/MEER
SPRECHER 1 OV ÜBERSETZUNG SURFER MATHIEU TON 15
Es gibt hier ja direkt das Museum – aber wir schauen uns das nicht ständig an. Wir leben in Courseulles, einem Ort, der für Wassersport wie geschaffen ist. Unter den heutigen Bedingungen ist es großartig!
SPRECHERIN
Surfer Mathieu rollt das Segel aus, um schnell raus aufs Meer zu kommen. Am Strand kennt man sich hier unter Wassersportlern.
SPRECHER 1 OV ÜBERSETZUNG SURFER MATHIEU TON 16
Ganz ehrlich? Ich habe keine Zeit, um mir all das anzuschauen, was hier sich hier zugetragen hat. Ich bin zu sehr mit meiner Arbeit beschäftigt. Die Gedenkveranstaltungen sind immer besonders, wir erleben dann die Geschichte ein bisschen noch einmal. Für uns Einheimische ist es gar nicht so leicht, da einen Platz zu bekommen. Aber es zieht Touristen an– das ist gut für die Region!
ATMO Meer
SPRECHER 1 OV ÜBERSETZUNG ROMAIN TON 17
Hier am Strand gibt es auch eine Surfschule, die Leute haben hier Spaß, und ich gehe dort schwimmen. Ich denke nicht an die Landung, wenn ich meinen Hund ausführe. Manchmal vielleicht, aber nicht täglich.
MUSIK Sad News Story 01:27min
SPRECHERIN
Pensionsbetreiber Romain liebt seine Heimat, die Normandie. Die satten Wiesen, die vielen Pferde, die blühenden Apfelbäume im Frühling und natürlich das Meer. Häufig wird er von seinen amerikanischen Gästen gefragt, ob er an dem Strand wirklich baden geht, an dem so viele Soldaten ihr Leben lassen mussten.
SPRECHER 1 OV ÜBERSETZUNG ROMAIN TON 18
Dann antworte ich, dass ich nicht daran denke. Das mag manchem verrückt erscheinen. (…) Ich sage den Leuten dann, wenn man an jedem Ort aufhört zu leben, an dem sich etwas Schlimmes ereignet hat, egal ob ein Krieg oder etwas anderes, dann könnte man nicht mehr leben. Besonders in der Normandie. Wir haben viele solcher Orte.
SPRECHERIN
Seit drei Jahren betreibt der 30jährige die kleine Pension in seiner Heimat Courseulles. Ein 4000 Seelen Ort, der im Sommer von Badegästen lebt und im restlichen Jahr von Geschichtstouristen. Das Haus aus dem 18. Jahrhundert hat Romain im Bewusstsein renoviert, künftig Gastgeber für Menschen aus aller Welt zu sein, die an der Normandie vor allem die berühmte Landung interessiert - weniger ihre Landschaft. Kanadier, Engländer, Amerikaner.
SPRECHER 1 OV ÜBERSETZUNG ROMAIN TON 19
Natürlich kommen auch Franzosen. Für viele ist es so eine Art „Pilgerreise“, als müsse jeder Franzose einmal in seinem Leben die Landungsstrände besucht haben. Viele Eltern waren schon als Kinder hier. Egal, ob es 10, 20, 30, 40 Jahre her ist – sie sagen: „Ja, ich war mit meinen Eltern hier, ich erinnere mich!“ Der Vorteil hier ist, dass sich nicht viel verändert hat. Was vor 40 Jahren hier war, ist es auch heute noch.
SPRECHERIN
Touristen wollen Gräber entfernter Verwandte besuchen oder ganz speziellen Fragen nachgehen. Romain hat durch seine Gäste viel Neues über die Region erfahren, obwohl er hier aufgewachsen ist. Schon als Kind hat er all die Erinnerungsstätten und Museen mit der Familie oder Schulklasse besucht; viele Anekdoten gehört, die hier von Generation zu Generation weitergetragen werden. Die meisten Zeitzeugen sind mittlerweile verstorben.
MUSIK Hidden Story Pulse 01:11min
SPRECHERIN
Romains Großvater beschrieb oft den unvorstellbaren Lärm der Detonationen in der Nacht des 6. Juni 1944, den er noch in Flers (flär) hören konnte. Einem Ort, der im Landesinneren 70 Kilometer von der Küste entfernt liegt. Oft erinnerte er daran, wie quälend lang die Befreiung war - der D-Day war nur der Anfang.
SPRECHER 1 OV ÜBERSETZUNG ROMAIN TON 20
Caen (kɑ̃) ist im August befreit worden. Die Alliierten sind aber schon Anfang Juni gelandet. Das muss man sich mal vorstellen: Sie haben Monate gebraucht, um diese 20 Kilometer vorzudringen. Es gab unerbittliche Kämpfe, dabei wurde Caen zu 90% zerstört, 3000 Zivilisten kamen ums Leben. Die Großmutter einer Freundin erzählte immer, dass sie während der Befreiung Caens durch die Alliierten fast alle Schulkameraden verloren hatte.
SPRECHERIN
Im Herbst 1944 saßen noch drei Kinder in der Klasse. Ein Bild, das sich bei Romain eingebrannt hat, obwohl er es nie gesehen hat.
SPRECHER 2 OV ÜBERSETZUNG ERIC, TON 21
Das Foto da wurde am 14. Juni 1944 aufgenommen, eine Woche nach der Landung. Das ist de Gaulle, dort wo das Rathaus ist …
MUSIK Moonbow 00:52min
SPRECHERIN
Eric Tabaud (Eriq Taboh) ist stolz auf seine Sammlung. Über 10.000 Fotos hat der 63jährige Hobbyhistoriker bereits von Courseulles gesammelt und digitalisiert. Die Interessantesten präsentiert er auf seiner Internetseite. Das Museum, das sich mit der langen Geschichte Courseulles beschäftigt hat, ist seit ein paar Jahren geschlossen. Für Eric Tabaud ein Grund mehr, die Erinnerung an das kleine Industriestädtchen mit seinen Fotos lebendig zu halten. Eric ist im Ort bekannt. Seit über 100 Jahren betreibt seine Familie das historische Kinderkarussell am Strand. Großeltern, die jetzt mit ihren Enkeln kommen, sind früher selbst auf den Pferdchen und Zebras geritten. Eric sitzt oft an der Kasse.
ATMO: kurzes, unübersetztes Gespräch indirekt als Atmo
aufgenommen TON 22
SPRECHER 2 OV ÜBERSETZUNG ERIC TON 23
Es kommen viele Omas aus Courseulles zu meinem Karussell, die mich von klein auf kennen. Ich frage sie, ob sie alte Fotos haben und dann bringen sie welche mit. Sehr alte Fotos und so kann ich Ereignisse rekonstruieren…
Das da sind Deutsche, die man am D-Day schon mittags festgenommen hat…
Als die Deutschen damals Courseulles besetzt haben, haben sie alle Fotoapparate der Leute konfisziert. Sie wollten verhindern, dass sie den Alliierten Fotos der Befestigungsanlage zuspielen. Ein paar wenige haben ihre Apparate aber behalten und bei der Befreiung gleich wieder rausgeholt, um Fotos zu machen…
MUSIK Hidden Story Pulse 00:50min
SPRECHERIN
Fotos von gefangenen deutschen Soldaten, von riesigen Krankenhaus-Schiffen, die Verletzte auf Bahren versorgen. Von Bunkeranlagen.
SPRECHER 2 OV ÜBERSETZUNG ERIC TON 24
All die Fotos haben mir Leute vorbeigebracht… Das sind deutsche
Offiziere im Jahr 42, während der Besatzung. Aus der Zeit habe ich nur
wenige Fotos, aber es gibt welche. Da – sie überwachen den Strand…
Und das sind die ersten Gräber, die Kanadier ausgehoben haben.
SPRECHERIN
Wie viele Menschen in Courseulles haben auch Erics Schwiegereltern nach der Invasion in einem der Bunker am Strand gewohnt, weil ihr Haus zerstört war. Familie Tabaud hat den Krieg überlebt. Ihr erstes Karussell jedoch nicht.
SPRECHER 2 OV ÜBERSETZUNG ERIC TON 25
Als 1939 der Krieg ausbrach, wurde mein Großvater
einberufen und das Karussell geschlossen. Mein Vater war damals 9, meine Tante 10. Die Familie besaß Land in der Nähe von Caen, züchtete Schafe und verbrachte die Winter auf den Feldern. Die Alten dachten, dieser Krieg würde niemals enden und das Karussell zu nichts mehr nütze sein. Da es kein Holz zum Heizen gab, haben sie begonnen, es zu verheizen. Nach dem Krieg haben wir dann ein neues Fahrgeschäft aus Blech bauen lassen.
SPRECHERIN
Als Eric Tabaud 1996 den Betrieb von seinen Eltern übernommen hat, hat er das Fahrgeschäft nach historischer Vorlage nachbauen lassen. Einhörner, Pferdchen und Boote, die noch heute hier ihre Runden drehen, sind aber nicht mehr als aus Holz, sondern aus Harz. Handgemalte Engelchen strahlen von der Decke. Die musikalische Untermalung erinnert an die Anfangstage des Traditionsbetriebs.
SPRECHER 2 OV ÜBERSETZUNG ERIC TON 26
Wir spielen hier Jahrmarktorgelmusik. In Deutschland
und Holland gibt es davon besonders viel. Eines Tages, als ich einen
deutschen Marsch gespielt habe, haben mir das Leute vorgeworfen, weil es doch Deutsche waren, die Krieg gegen uns geführt haben. Da habe ich gesagt: „Wir können doch nicht mit allen Menschen im Krieg bleiben, mit denen wir es irgendwann mal waren! Sonst sprechen wir irgendwann mit niemandem mehr.“ Am 6. Juni hänge ich hier am Karussell alle Flaggen auf, auch die deutsche.
SPRECHERIN
Krieg sei immer schlimm, und man müsse sich stets um Frieden bemühen. Damit die Grauen eines Kriegs niemals vergessen werden, müsse man an sie erinnern.
SPRECHER 2 OV ÜBERSETZUNG ERIC TON 27
Ich organisiere in jedem Jahr einen „Erinnerungsweg“ am Juno Beach. Als die Alliierten am 6. Juni gelandet sind, starben 359 kanadische Soldaten am Strand. Sie wurden schnell in Bény begraben. Mohn war die einzige Blume, die es damals gab. Also schmückte man die Gräber damit.
MUSIK Moonbow 00:50min
SPRECHER 2 OV ÜBERSETZUNG ERIC TON 27
Heute male ich an Strandabschnitten 359
riesige Mohnblumen von vier bis zu zehn Metern in den Sand und lade die Menschen ein, sie zu schmücken. Mit Kieseln, Algen, Blumen - allem, was sie am Strand finden. Ich schreibe zu jeder Blume den Namen des Soldaten, sein Alter und bitte die Leute, ein Foto von ihrer Strandblume zu machen. Dann sollen sie im Internet recherchieren, ob sie noch Verwandte des Toten finden können. Sie sollen ihnen dann ein Foto ihrer Mohnblume schicken um zu zeigen, dass wir die Menschen nicht vergessen, die gekommen sind, um uns zu befreien.

Jul 2, 2024 • 22min
Schmetterlinge - Die mit den Füßen schmecken
Das Leben eines Schmetterlings beginnt als Ei. Aus dem Ei schlüpft eine Raupe. Manche fliegen bevorzugt bei Tag, andere lieber nachts, einige sind bunt, andere einfarbig - Schmetterlinge gibt es in vielen verschiedenen Farben und Formen. Weltweit gibt es 180.000 Arten - viele sind inzwischen bedroht. Von Claudia Steiner (BR 2022)
Credits:Autorin dieser Folge: Claudia Steiner Regie: Susi Weichselbaumer Es sprach: Katja Schild Technik: Susanne Harasim Redaktion: Bernhard KastnerDas Manuskript zur Folge gibt es HIER.Hier gibt es weitere spannende Folgen zur Welt der Insekten und Tiere:Tiere in der Pubertät - Abenteuerlustig, impulsiv, risikofreudigJETZT ANHÖRENAmeisen - Staatenbildende Insekten der SuperlativeJETZT ANHÖRENHornissen - Die Falken unter den WespenJETZT ANHÖRENFür Schmetterlingskundler empfehlen wir außerdem die Plattform Lepiforum e.V.:EXTERNER LINK | LEPIFORUM e.V.
Unsere Empfehlung für Naturinteressierte:Wilde Winkel. Bayerns Natur-Podcast„Wilde Winkel“ nimmt Dich mit auf Entdeckungstour in Bayerns wertvollste Natur. Jeden Monat geht’s in einen anderen wilden Winkel Bayerns zwischen den Alpen und der Rhön, dem Nördlinger Ries und dem Fichtelgebirge. EXTERNER LINK | SPOTIFY.COM | WILDE WINKEL. Literatur:Der Kosmos Schmetterlingsführer: Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen: Schmetterlinge, Raupen und Nahrungspflanzen, Heiko Bellmann und Rainer Ulrich, 2016

Jul 1, 2024 • 24min
Das Schloss - Kafkas rätselhafte Seelenlandschaft
Franz Kafka begann seinen so rätselhaften wie berühmten Roman "Das Schloß" im Januar 1922, gezeichnet von der Tuberkulose, an der er anderthalb Jahre später sterben würde. Ein überwältigendes Fragment, Sternstunde der Weltliteratur. Von Julia Devlin (BR 2017)
Credits Autorin dieser Folge: Julia Devlin Regie: Irene Schuck Es sprachen: Katja Bürkle, Thomas Loibl, Stefan Merki Technik: Regina Staerke Redaktion: Petra Herrmann
Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:
Der Process - Hörspiel nach Franz Kafka
Einer der berühmtesten Sätze der Literaturgeschichte: "Jemand musste Josef K. verläumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet." Vertreter einer mysteriösen Behörde eröffnen Josef K. an seinem 30. Geburtstag, dass ihm der Prozess gemacht werden solle. "Der Prozess" (mit z) begründete 1925 Kafkas Weltruhm, ein Jahr nach seinem Tod am 3. Juni 1924. Sein Freund Max Brod montierte den Roman aus unvollendeten Textfragmenten, die Kafka in 16 Sammelmappen hinterlassen hatte, ohne dabei eine verbindliche Anordnung festzulegen. Das 16-teilige BR-Hörspiel von Klaus Buhlert, mit prominenten Stimmen u.a. von Rufus Beck, Corinna Harfouch und Milan Peschel, gibt keine Hör-Reihenfolge vor. Es basiert auf der historisch-kritischen Ausgabe "Der Process" (mit c), mit sämtlichen Handschriften und Typoskripten (Verlag Stroemfeld/Roter Stern 1997) und rückt damit noch näher an die tatsächliche Überlieferung des Klassikers der Moderne, der zwischen Komik und Grauen schwankt. Das Hörspiel-Cover ist eine Originalzeichnung von Franz Kafka.JETZT ENTDECKEN
Das Schloss - Hörspiel nach Franz Kafka
Franz Kafkas atemberaubende Geschichte über Bürokratie, Willkür und Fremdenhass. Der rätselhafte Neuankömmling K. betritt die kleine, kalte Welt des Grafen Westwest mit ihren eigenen und eingefahrenen Gesetzen.JETZT ENDTDECKEN
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN
Das vollständige Manuskript gibt es HIER.

Jun 29, 2024 • 23min
Architektur und Zirkularität - Mehr als nur Recycling
Die Auswirkungen des Klimawandels befördern radikale Umwälzungen in der Architektur. Alle sind sich einig, dass das klimaneutrale Bauen schnell umgesetzt werden muss. Die Bauwirtschaft verbraucht besonders viel Energie. Neben der Effizienz von Bautechniken gewinnt die Zirkularität (Kreislaufwirtschaft) an Bedeutung. Von Moritz Holfelder (BR 2022)
Autorin dieser Folge: Moritz Holfelder Regie: Sabine Kienhöfer Es sprachen: Ruth Geiersberger, Thomas Birnstiel, Beate Himmelstoß Technik: Daniela Röder Redaktion: Nicole RuchlakDas Manuskript zur Folge gibt es HIER.
radioWissen hat einen weiteren spannenden Beitrag zum Thema:Regenerative Kulturen – Viel mehr als nachhaltigJETZT ANHÖREN

Jun 28, 2024 • 23min
Hubert von Herkomer - Künstler, Schriftsteller, Multitalent
Der Maler, Bildhauer, Schriftsteller und Filmemacher Hubert von Herkomer zählt zu den vielseitigsten Multitalenten des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Ein unkonventionelles Genie, das sich in Großbritannien an die Spitze malte. Von Ulrike Beck (BR 2022) Credits:
Autorin: Ulrike BeckRegie: Frank HalbachEs sprachen: Christian Baumann und Hemma MichelTechnik: Andreas LuckeRedaktion: Thomas Morawetz
Im Interview:
Sonia Fischer, Historikerin, Leiterin des Herkomer-Museums in Landsberg am Lech; Hartfried Neunzert, Kunsthistoriker, ehemaliger Leiter des Herkomer-Museums in Landsberg am Lech;Robert Fischer, Filmhistoriker, Autor und Regisseur des Dokumentarfilms „Auf eigenen Schwingen: Die Visionen des Sir Hubert von Herkomer“
Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.
Einen weiteren hörenswerten Beitrag von radioWissen finden Sie hier:Vincent van Gogh - Begrüner der modernen MalereiJETZT ANHÖRENLiteratur-Tipps:von Herkomer, Hubert: The Herkomers.Band1. Macmillan, London 1910; Band2. Macmillan, London 1911;deutsche Übersetzung: Die Herkomers. Hrsg. von Hartfried Neunzert, Neues Stadtmuseum, Landsberg am Lech 1999Diese ausführliche Familiengeschichte, die gleichzeitig die Autobiografie Herkomers beinhaltet, bietet eine aufschlussreiche Innenschau in das Leben und die Ansichten des Mannes, der es „auf eigenen Schwingen“ nach oben schaffte.Neunzert, Hartfried (Hrsg.): Sir Hubert von Herkomer. Sonderband der Reihe „Kunstgeschichtliches aus Landsberg am Lech“, Neues Stadtmuseum, Landsberg am Lech 1988Eine gute Übersicht über Leben und Werk Hubert von Herkomers - mit Illustrationen seiner wichtigsten Werke und Lebensabschnitte


