Radiowissen

Bayerischer Rundfunk
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Jul 15, 2024 • 23min

Ruth Westheimer - Die Dame, die über Sex spricht

Dr. Ruth war die erste, die in den USA öffentlich über Sex sprach - und dadurch zum Superstar wurde. Nun ist sie 87 und redet noch immer über Sex. Oft ist das witzig und interessant. Manches wirkt plötzlich erstaunlich altmodisch. Von Nathalie Stüben (BR 2016)CREDITSAutorin: Nathalie StübenSprecher: Hemma Michel, Andreas Neumann, Caroline Ebner, Carsten Fabian, Berenike BeschleRegie: Sabine KienhöferTechnik: Regine ElbersRedaktion: Nicole Ruchlak
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Jul 15, 2024 • 23min

Artemisia Gentileschi - Malerin des Barock

Die Barockmalerin Artemisia Gentileschi ist eine der emanzipiertesten Frauen der europäischen Kunstgeschichte. Als junge Malerin sagt sie gegen ihren Vergewaltiger aus. Was damals einer gesellschaftlichen Selbstvernichtung gleichkommt, hindert sie nicht am Weg nach ganz oben. Als sie stirbt, ist sie ein Star. Von Karin Becker (BR 2022)Credits: Autorin dieser Folge: Karin Becker Regie: Sabine Kienhöfer Es sprachen: Katja Amberger, Irina Wanka Technik: Roland Böhm Redaktion: Andrea BräuDas Manuskript zur Folge gibt es HIER.Literaturtipps:Neuste Forschungspositionen: Treves, Letizia: Artemisia. Ausstellungskatalog. National Gallery Company: London 2020; Über die Selbstproträts: Oy-Marra, Elisabeth: Maskierung einer Malerin. Die Selbstporträts der Artemisia Gentileschi. In: Maske, Maskerade und die Kunst der Verstellung vom Barock bis zur Moderne, hrsg. von Christiane Kruse [Wolffenbütteler Arbeitskreis für Barockforschung, Bd. 52], Harrassowitz Verlag: Wiesbaden 2014, S. 151-172. Einzig greifbare deutsche Übersetzung der Briefe und Prozessdokumente im Anhang: Stolzenwald, Susanna: Artemisia Gentileschi. Bindung und Befreiung in Leben und Werk einer Malerin. Belser: Stuttgart, Zürich 1991; Ein Kapitel über das Leben und Werk von Artemisia Gentileschi: Stephan-Chlustin, Anne: Die verschwiegenen Frauen. Desertina: Chur 2013.
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Jul 15, 2024 • 22min

Die Disco - Ein Ort zwischen Kultur und Kommerz

Die Diskothek, zunächst nur ein Ort, an dem Schallplatten aufbewahrt wurden, hat sich vor allem in der Nachkriegszeit vom einfachen Tanzlokal zum Tempel der Clubkultur entwickelt. Sie ist sowohl ein Ort des Kommerz, aber auch ein Freiraum der für die Kultur unersetzlich ist. Von Christian Schaaf (BR 2022)Credits Autor dieser Folge: Christian Schaaf Regie: Martin Trauner Es sprachen: Andreas Neumann, Katja Amberger Technik: Susanne Herzig Redaktion: Nicole Ruchlak Im Interview:Christina Mohr, Musikjournalistin, Frankfurt. Hans Nieswandt, DJ, Musikproduzent, Autor und ehemaliger künstlerischer Leiter am Institut für Pop-Musik der Folkwang Universität Bochum. Noch mehr Interesse an Wissenschaft und Musik? Dann empfehlen wir: Kosmos MusikFördert Klavierspielen die Intelligenz? Warum ist Singen gut fürs Immunsystem? Und wie klang der Urknall? Auf diese und andere spannende Fragen antwortet der neue Wissens-Podcast "Kosmos Musik" mit der Astrophysikerin und angehenden Astronautin Suzanna Randall:BR PODCAST I KOSMOS MUSIK - DER WISSENS-PODCAST MIT SUZANNA RANDALL Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadiowissenJETZT ENTDECKEN
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Jul 15, 2024 • 23min

Tomate, Paradeiser, Pomodoro - Auf Siegeszug durch Europa

Paradeiser, Pomo d´oro, oder einfach nur Tomate: viele Namen gibt es für der Deutschen liebste Frucht, aber noch viel mehr Sorten. 10.000 sollen es sein, mit so herrlichen Namen wie Black Zebra, Schneewittchen oder Schlesische Himbeere. Auf Siegeszug durch die ganze Welt! Von Johannes Marchl Credits Autor dieser Folge: Johannes Marchl Regie: Anja Scheifinger Es sprachen: Katja Schild, Stefan Merki Technik: Stefan oberle Redaktion: Iska Schreglmann Im Interview:Prof. Yurdagül Zopf, Ernährungsmedizinerin an der Uni ErlangenDr. Ulrike Lohwasser, Leibnitz Institut für Pflanzengenetik und KulturpflanzenforschungIrina Zacharias, TomatenzüchterinMario Gamba, Sterne-Koch Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Was bringt nachhaltige Ernährung? Alles NaturJETZT ENTDECKEN Sollte jeder Mensch anders essen? Genbasierte Ernährung, Low Carb & Co. JETZT ENTDECKEN Abgrenzung durch Essen - Wie soziales Bewusstsein unsere Ernährung bestimmt. JETZT ENTDECKEN Linktipp: Gemüse und Obst: Woher kommen die beliebtesten Kulturpflanzen? ARDalphaJETZT ENTDECKEN Literatur: Brunhild Bross-Burkhardt, „Tomate Kultur. Mythos. Gesundheit. Rezepte. Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Sprecherin: „Du treulose Tomate“ OT 1 Geräusch zerplatzende Tomate Sprecher: Hast du denn Tomaten auf den Augen? OT 2 Hupen und zerplatzte Tomate Sprecherin:  Ihr seid mir ja so faule Tomaten… OT 3 zerplatzende Tomate Sprecher: Gewiss, sie hat nicht den besten Leumund, die Tomate.  M El sospiro del moro (Länge: 0´42´´) unter: Und in Spanien gibt es sogar die Stadt Bunol, die das mit der „Tomaten aufs Auge“ recht wörtlich nimmt- und noch ganz andere Körperteile anpeilt: Bei der berühmten Tomatenschlacht La Tomatina bewirft Frau und vor allem Mann sich gegenseitig mit Tausenden Kilo überreifer Tomaten. Bäche aus Tomatensaft fließen durch die Straßen, die roten Früchte klatschen an Körper und Hauswände, kleben an Haut und Haaren. Seit im Jahr 2012 um die 50 Tausend Teilnehmende für ein tomatisiertes Chaos gesorgt hatten, ist die Teilnehmerzahl strikt beschränkt.  Sprecherin: Doch zurück zu der Tomate, die wir nicht werfen, sondern essen. Und die immerhin der absolute weltweite Spitzenreiter in Sachen Frucht ist. Weltweit werden rund 185 Millionen Tonnen produziert. Und da sind wir in Spanien eigentlich schon am richtigen Ort. Denn es waren die spanischen Eroberer, zunächst wohl schon Christoph Columbus und dann gesichert der Spanier Cortéz, die Tomatenpflanzen mit von ihren Raubzügen brachten.  M Crepusculo costeño (Länge: 0´33´´) Sprecher: …Aus Südamerika. Hier gibt es fast überall Tomaten: wilde Tomaten, aber auch Tomaten, die sich die indigenen Bewohner nutzbar gemacht hatten. In Kolumbien und Ecuador, in Peru und Chile, von den Küsten bis in die Anden sind sie gewachsen, sogar auf den Galapagos Inseln gab es Tomaten. Wobei die Ur-Tomate mit dem, was wir heute genießen, wenig zu tun hat: OT 4 Lohwasser „Also die ursprünglichen Formen sind natürlich Wildarten, die sehr kleine Früchte haben, die oft auch behaart sind, grün, einen bitteren Geschmack haben, ungenießbar sind.“ Sprecher: Sehen ungefähr so wie Stachelbeeren aus, erzählt Ulrike Lohwasser vom Leibnitz Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung OT 5 „Aber es gibt eben auch aromatische Formen. Eine hat auch Alexander von Humboldt in Argentinien beschrieben, eine Wildtomate, die aromatisch ist und sehr gut schmeckt. Und die Ureinwohner Südamerikas haben zu irgendeinem Zeitpunkt, der sich nicht genau definieren lässt, festgestellt, dass man Tomaten essen kann, und haben angefangen, sie in Kultur zu nehmen.“ Sprecherin: Was ungefähr so vor sich geht: Man entdeckt etwas Interessantes, stellt fest: das kann man essen. Und wenn ich es weiter veredle, dann schmeckt es sogar recht gut. Und wenn es dann noch – wie die Tomate – gut anzubauen ist, kultiviert man weiter: Größere Früchte, gesündere Pflanzen, auf Feldern oder im heimischen Garten.   OT 6 „Man weiß nicht genau, ob es in Peru oder in Mexiko erstmals in Kultur genommen wurde. Es gibt keine archäo-botanischen Funde dazu. Was man weiß, ist, dass die Mayas und später dann auch die Azteken sie in Mexiko angebaut haben. Das könnte bereits tausend vor Christus schon passiert sein, könnte aber auch später passiert sein, das weiß man nicht genau.“ Sprecher: Die Azteken nennen das von ihnen gezüchtete Gewächs „Xitomatl“ – (Aussprache: „Xi Tomatl“ gesprochen wie geschrieben und betont wie Tomate) Sprecherin: übersetzt: „Nabel des dicken Wassers“  Sprecher: – der Name, den auch die Spanier mit nach Europa bringen.  M ARD-LABELMUSIK Basics (a) (Länge: 0´44´´)  unter: Daher der Ursprung unseres Begriffs „Tomate“, von „Xi-tomatl“, der ja in Varianten in vielen anderen Ländern gebräuchlich ist.  Sprecherin: Aber da gibt es ja auch noch den Namen „Paradeiser“, wie ihn unsere österreichischen Nachbarn nutzen, und in Italien heißt sie „Pomo d´oro“, Goldapfel. So getauft vom italienischen Botaniker Pietro Andrea Mattioli. Der hält sein anscheinend gelbes Ansichtsexemplar 1544 erstmals in einer schriftlichen Beschreibung fest – und tauft es eben „Pomo d´oro“ – hat ja bis heute in Italien seine Gültigkeit… M Capponi: 1. Satz: Largo aus: Sonata da camera Nr. 8 (Länge: 0´42´´) unter: Sprecher: Dass die Tomate schnell ihren Weg von Spanien nach Italien findet, kommt nicht von ungefähr. Es gibt im 16. Jahrhundert spanische Besitztümer in Italien, wie Neapel oder Sardinien. Und als dann der toskanische Großherzog Cosimo de Medici einen Korb voll von diesen seltsam schönen Früchten erhält, ist es um das Schattendasein der Tomate geschehen. Der Adel hat großes Interesse an diesem exotischen Gewächs aus der neuen Welt, allerdings nicht, um es sich als Speise einzuverleiben, sagt Ulrike Lohwasser vom Leibnitz-Institut OT 7  „Man hat also sehr schnell festgestellt, dass sie zu den Nachtschattengewächsen gehört, zu denen ja auch Tollkirsche zum Beispiel gehört und andere giftige Pflanzen. Also man wusste, sie ist giftig und hat sie deshalb nur als Zierpflanze kultiviert. Und speziell in Fürstengarten wurde sie als exotische Besonderheit, als exotische Zierpflanze angebaut. Die Früchte gibt es ja nicht nur in Rot und rund, sondern gibt es in Weiß, gibt es in Gelb, in Gestreift, in Paprika, v-förmig und in allen möglichen Farben und Formen. Und das sah ja nett aus, die Früchte, die Pflanzen selbst sind ja nicht so attraktiv.“ Sprecherin: Noch ein Wort zur Tomate als Nachtschattengewächs: Der springende Punkt ist: Nachtschattengewächse enthalten Solanin. Und Solanin ist giftig. Deshalb: Finger weg von Tollkirschen, aber auch zum Beispiel von Kartoffeln, wenn sie grün gefärbt sind. Bei den Tomaten ist das meiste Solanin in den Blättern und Stängeln. Wenn sie rot und reif sind, sind sie vollkommen ungefährlich.  M Capponi: 1. Satz: Largo aus: Sonata da camera Nr. 8 (Länge: 0´23´´) unter: Sprecher: Aber wer will das schon im 16. Jahrhundert ausprobieren?! Und die Folge war, dass sie damals eben zunächst nur in den Gärten der begüterten Oberschicht als Rarität und zum Angeben angebaut werden. Das Solanin soll übrigens auch dafür verantwortlich sein, dass die Tomate als Aphrodisiakum angesehen wurde: OT 8 Lohwasser „Also, man hat geglaubt, dass die Frucht Auslöser von Liebeswahn ist, auch durch das Solanin, was enthalten ist. Deswegen hat man es Liebesapfel genannt, Pomme d´ amour, oder auch Love-Apple im Englischen. Auch das Wort Paradiesapfel geht in diese Richtung, und es gab eine Zeit, in der also Tomaten von jungen Mädchen nicht gegessen werden durften aufgrund dieses Liebeswahns, dieses Auslösers für Liebeswahn. Man hat Angst gehabt, dass die jungen Mädchen davon besessen werden.“ Sprecherin: Junge Männer durften sich übrigens sehr wohl der Gefahr des Liebeswahns aussetzen, sie durften Tomaten essen. Das Verbot galt nur für die weibliche Hälfte der Jugend…  Sprecher: Nicht nur in Italien ist man vorsichtig mit den Tomaten. Dies „Kraut“ sei von einem… Sprecherin:  „stercken stinckenden seer seltsamen stanck“ (Aussprache-Hinweis wird nachgeliefert) Sprecher: …notiert der Niederländer Rembert Dodoens um 1560 in seinem Cruyde Boeck. Der Franzose Jacques Daléchamps glaubt 1587, es sei gefährlich, die… Sprecherin: … „fremde Pflanze“… Sprecher: …zu nutzen. Und besonders in England und Nordeuropa hält sich über Jahrhunderte hartnäckig das Gerücht, dass die gehobene Gesellschaft, vor allem Aristokraten, nach dem Genuss von Tomaten gestorben seien. Schuld habe die giftige Tomate.  Sprecherin: Ein Erklärungsversucht ist, dass höhere gesellschaftliche Kreise Teller und Schalen aus Hartzinn benutzten, ein sehr bleihaltiges Material. Das soll dann mit der Säure der Tomaten reagiert und die Esser vergiftet haben. Was arme Leute nicht betroffen hat, weil die von Holztellern aßen.  OT 9  „Ob das Gerücht ist oder ob das stimmt, wage ich zu bezweifeln. Weil, da müsste man schon sehr viel essen, dass die Tomaten tatsächlich aus dem Zinn Blei herauslösen, aber vielleicht über die vielen Jahre, wenn man das regelmäßig macht, kann es ein Problem gewesen sein. Aber ob das wirklich stimmt, wage ich zu bezweifeln.“ Sprecherin: Meint Kulturpflanzenforscherin Ulrike Lohwasser.  M Capponi: 1. Satz: Largo aus: Sonata da camera Nr. 8 (Länge: 0´44´´) unter: Sprecher: Fest steht jedenfalls, dass noch während der Renaissance entdeckt wird, dass die Tomate essbar ist. Wie?! Man weiß es nicht, vielleicht haben Gärtner oder Hausangestellte heimlich an den paradiesischen Früchten, die so herrlich rot leuchten und ungewöhnlich riechen, genascht. In einem italienischen Kochbuch von 1658 lässt sich jedenfalls schon ein Rezept mit Tomaten finden, ähnlich einem Ratatouille. Und seitdem ist die Tomate nicht mehr wegzudenken, vor allem nicht aus der italienischen Küche.  Sprecherin: Und immer noch sind Neapel, ja ganz Italien untrennbar verbunden mit der fundamentalsten aller Pasta- und Pizzasaucen: Der Tomatensauce. Und deren Geheimnis kennt einer wie kein anderer: Mario Gamba, Sternekoch und Italiener. OT 11 Gamba „Bei Tomatensauce denke ich an den Sommer, weil Tomate ist par excellence der König des Sommers, ich denke an Sonne, an Wasser, an alle Elemente, die die Tomate braucht, um reif zu werden und süßlich zu werden, um eine Balance zwischen Frucht und Säure zu haben, im August mit der Sonne, um diese angemessene Süße zu erreichen, das ist der Sommer, ja. Tomaten ist eine Erinnerung an die Kindheit, wo ich die Tomate direkt von der Pflanze abgebissen habe, ohne dass mich meine Oma gesehen hat, in dem Moment war auch der Geruch der Blätter ein unglaublicher Reiz.“ Sprecher: Und jeder und jede in Italien hat natürlich ein eigenes Rezept. Und wirklich schmeckt jede Tomatensauce anders. Die Variante von Sternekoch Mario Gamba?! Der verrät erstmal eine Weisheit, die nicht nur, aber ganz besonders eben für die Tomatensauce gilt: OT12 Mario Gamba „Mit einer Tomatensauce darfst du nicht denken, dass du die in fünf Minuten fertig hast. Sprecherin: Zeit ist zentral. Und dann verrät der Sternekoch das Rezept, so wie er es von seiner Oma und seiner Mama gelernt hat M Torna a Sorrento (Länge: 0´46´´)   OT 14 „Meine Mutter und meine Oma, die haben 20, 30, 40 Kilo Sugo aufgekocht und dann das Ragout für den Winter erhalten. Die haben um 9.00 Uhr angefangen und um 11.30 war sie fertig. Mit verschiedenen Kräutern, am meisten Basilikum und Petersilie und dann vorher den Sofrito – Zwiebel Karotten, Sellerie – und es gab einen unglaublichen Geruch im ganzen Haus. Mit ein bisschen Schweinebauch, und alles auf langsamer Flamme. Und wir haben keinen Zucker dazu getan, weil wenn du die Tomaten so lange kochst, dann sind die nicht mehr säuerlich, dann sind die süß. Das war nicht nur „eine“ Tomatensauce, sondern das war „die“ Tomatensauce.“ Sprecherin: Jetzt aber lassen wir die Tomate erstmal in Deutschland ankommen, hat auch lange genug gedauert. Erst um 1880 bauen die ersten Gärtner Tomaten an, verschiedene Tomaten-Samen können erworben werden. Um 1900 erscheint das „Tomatenbuch“ mit Rezepten, verfasst vom Königlichen Ökonomierat und Chefredakteur des „Praktischen Ratgebers im Obst- und Gemüsebau“, Johannes Böttner. Und dennoch: es geht weiter langsam voran, keiner könnte zu dieser Zeit von einem „Siegeszug der Tomate“ sprechen.  Sprecher: Im Gegenteil: Bis zum ersten Weltkrieg ist die Tomate eher ein Fremdkörper auf dem Tisch in Deutschland, denn ein gewohntes Bild. 1914 taucht die Tomate erstmals in der deutschen Warenstatistik auf. Wenige tausend Tonnen werden eingeführt, eher Rarität als Massenware. Was sich erst lange nach dem 2. Weltkrieg fundamental ändert. Die Tomate wird zum gängigen Lebensmittel, kein Salat mehr ohne sie, keine Pizza, keine Bolognese ohne Tomate.  Sprecherin: Was der Qualität der Tomate, ihrem Geschmack, aber nicht unbedingt guttut. Denn die Tomaten, die für den steigenden Bedarf gezüchtet werden, zeichnen sich über Jahrzehnte vor allem durch viel Wasser und wenig Aroma aus. Die Hollandtomate wird zum Synonym für Hochleistungstomaten, mit bis zu 80 Kilo Ertrag pro Pflanze - die zwar gut ausschauen, aber oft bestenfalls nichtssagend schmecken. Eine Tomate gezüchtet für den Supermarkt.  ATMO Sprecher Irina Zacharias ist selbst Tomatenzüchterin. Nicht für die Tomaten-Industrie, sondern klein und fein ist ihr Tomatenpflanzen-Hof nahe Maxhütte-Haidhof in der Oberpfalz, auf dem sie jedes Jahr 300 unterschiedliche Sorten anbietet.  Sprecherin Trotzdem zeigt Züchterin Zacharias Verständnis für die große Tomatenindustrie OT 15 Irina  „Es ist auch kein Schimpfwort „Industrie“. Denn im großen Bereich würde man so nicht produzieren können. Die Leute mögen alte Sorten und traditionelle Sorten. Aber diese Sorten sind absolut nicht geeignet für lange Lagerfähigkeit, nicht für den Transport in einem Lastwagen, die kann man gerade mal für eine Schicht aufs Papier legen manchmal, weil sie nicht so hart sind, oder weil viele dünne Haut haben.“ Sprecher: Und dennoch ist Irina Zacharias einen ganz anderen Weg gegangen. Auch wenn immer noch der Preis für die meisten Menschen in Deutschland ausschlaggebend ist beim Tomatenkauf, danach das Aussehen kommt und dann erst – an dritter Stelle – der Geschmack. Auf ihrem Hof in der Oberpfalz zählt die Vielfalt, der Geschmack und nicht der Profit. Der Grund, warum sie angefangen hat zu züchten, ist einfach OT 16 „Weil hier Tomaten nach nichts schmeckten. Die schmeckten einfach nicht, ich war sehr überrascht. Ich bin hier seit 31 Jahren. Und seit genauso vielen Jahren sind mit mir Tomaten hier. Geschmack macht eine gute Sorte aus. Geschmack muss nicht immer eine Spitze sein. Zum Beispiel sind die besten Tomaten für Suppen und Saucen mehlige Tomaten. Und in frischem Zustand – zum Beispiel San Marzano – schmecken die gar nicht so würzig. Manchen Menschen mögen es, wenn die Tomaten sauer sind, manche wenn sie süß sind, und so weiter.“  M ARD-LABELMUSIK Basics (a) (Länge: 0´45´´) unter: Sprecherin: Und so bewahrt sie die Samen von 1500 Tomatensorten. Mit so klangvollen Namen wie „Feuerwerk“ Sprecher Alte russische Sorte, rot-gelb gestreifte zwiebelförmige würzige Fleischtomate. Oder „Gelbe Johannisbeere“ Sprecherin: Ertragreiche buschige kleine gelbe Wildtomate. Oder „Blondköpfchen“: Sprecher: Alte Deutsche Sorte. „Schneewittchen“ Sprecherin: Mit rosa Bäckchen. „Sosuletschka“ (Gesprochen wie geschrieben), „Justens Süße“, „Early Wonder“ (Aussprache englisch) Sprecher: „Lucky Tiger“, „Purple Dragon“, „Green Zebra“ (Aussprache englisch) Sprecherin: „Sweet Cream“ (englisch) Sprecher:  „Smiley Worms“ (englisch) Sprecherin: Oder „Harzfeuer“: normale rote runde Tomate aus der ehemaligen DDR OT 17  „Wer kauft bei uns Pflanzen? Menschen, denen es das wert ist, sie in den Garten zu setzen. Die gewohnt sind zu verstehen, dass man für manche Sachen warten muss. Zum Beispiel, dass es im Januar keine frischen Tomaten gibt. Und die auf Vielfalt setzen. Dass man immer was hat, das ist, wenn man Vielfalt hat.“ Sprecher: Tomatenzüchterin Irina Zacharias stammt aus Russland. Dort hat ihr Vater ihr die Essentials mitgegeben, indem er ihr auf der Familien-Datscha bei Moskau alles über „seine“ Tomaten erzählt hat - während sie ihm helfen musste. Und was ist jetzt ihre Lieblingstomate? Sprecherin: Typische Journalistenfrage, sagt sie. Denn: Die „richtige“ Tomate gibt es für sie nicht. Weil jeder andere Vorlieben hat. Die Italiener lieben Ochsenherz oder San Marzano, die Deutschen eher süße Kirschtomaten, und Irina Zacharias selber? Sie mag Fleischtomaten! Aber nicht aus dem Supermarkt, von ihr selbst angebaut! OT 18 „Einmal sitzt bei mir eine Frau bei der Verkostung und weint. Ich frage, was denn los ist?! Sie sagt, sie ist gerade hierher gefahren und habe gesagt: „Hoffentlich keine Fleischtomaten, weil die mag ich nicht.“ Und jetzt geben sie gerade dies große Fleischtomate und die schmeckt so köstlich, ich bin richtig ergriffen.“ M ARD-Labelmusik Automated movement (Länge: 0´47´´)  Sprecher: Geruch, Aroma, Konsistenz.  Wichtig… Aber noch ein Faktor ist in den letzten Jahren immer weiter nach vorne gerückt: Tomaten sind extrem gesund. Schon die ersten Tomatenpflanzen wurden vom spanischen Arzt Nicolás Monardes Alfaro auf ihr medizinisches Potential untersucht. Und eingesetzt, um den Körper zu reinigen und Schwellungen zu lindern, mit ihrem Saft, aber auch mit Tomaten-Umschlägen. Man dachte sogar, man könne Tollwut oder Alpträume mit Tomaten behandeln. Da ist man heute mit der Forschung etwas weiter, bestätigt Ernährungsmedizinerin Professorin Yurdagül Zopf (gesprochen wie geschrieben, eher auf dem „u“ betont) von der Universität Erlangen OT 19 Zopf „Tomate ist unwahrscheinlich gesund, und wenn man sie richtig zubereitet, potenziert sich auch die Inhaltsstoffe in ihrer gesundheitlichen Wirkung. Und es ist eine Bombe an Pflanzenstoffen enthalten, die verschiedenen Organe positiv beeinflussen können.“ Sprecherin: Viele verschiedene Pflanzenstoffe also in der Tomate, auch ganz viel Vitamine, aber ein Stoff sticht besonders heraus: Lykopin. Und der große Gegner des Lykopins sind die sogenannten „Freien Radikalen“, die Entzündungen hervorrufen und damit Gewebe zerstören können – wenn  da das Lykopin nicht wäre… OT 20 Zopf „Lykopine haben die wunderbare Eigenschaft, freie Radikale abzufangen und die Entzündung zu senken. Das hat einen positiven Effekt auf die Gefäßwände, das hat einen positiven Effekt auf entzündlich veränderte Hautveränderungen, und bedeutet einfach, dass wir keine Kalkablagerung in der Gefäßwand haben und man das Herzinfarktrisiko dadurch senken kann.“ Sprecher: Lykopin soll aber nicht nur das Infarktrisiko senken, sondern auch das Krebsrisiko, Knochenschwund verringern, Schlaganfälle verhindern. Und je reifer die Tomate, desto mehr Lykopin ist drin. Also am besten regionale, schon ausgereifte Tomaten essen, rät Ernährungsmedizinerin Yurdagül Zopf. Und der Clou ist: Man muss Tomaten nicht mal roh essen, wenn man das nicht mag: OT 21 „Je kleiner die zerhackten Würfel der Tomaten sind, desto mehr wird aus der Tomate der Zellstoff freigesetzt, durch die Zelle, die aufgebrochen wurde. Und am Allerbesten ist das Erhitzen, das potenziert sich in dem Sinne, dass das lange erhitzt wird, also klassisch: eine halbe bis eine Stunde kochen bedeutet dann auch mehr Lykopin-Freisetzung.“ Sprecher:  Und wenn dann noch ein guter Spritzer Olivenöl mit dabei ist, dann ist die Aufnahmekapazität des Dünndarms in Sachen Lykopin zusätzlich verbessert. Gesünder geht kaum. OT 22 Zopf „Und was wir noch gar nicht angesprochen haben: dass eine gewisse Ballaststoffmenge in der Tomate enthalten ist, und dann auch noch die Darmflora durch die Ballaststoffe positiv beeinflusst wird. Also ein wunderbares Lebensmittel. Was ich manchmal höre ist, dass manche die Schale entfernen und nur geschälte Tomate konsumieren, das ist eine kleine Schande für so eine tolle Frucht, also wenn Tomate, dann im Ganzen essen.“ Sprecherin: Gesundheit und Geschmack in einem. Und das alles haben wir einem Nachtschattengewächs zu verdanken, das das Sonnenlicht liebt. Einer Frucht, die im Gegensatz zur Himbeere oder zur Erdbeere wirklich eine Beere ist. Denn: Himbeeren und Erdbeeren sind eigentlich sogenannte Sammelnussfrüchte, während die Tomate biologisch Mitglied der Beerenfamilie ist. Und eine wirklich wunderbare Wandlung mitgemacht hat:  M Despertando de otro sueno (Länge: 0´45´´) unter: Von der Zierfrucht in den Renaissance-Gärten der Reichen hin zum Lebensmittel mit globaler Bedeutung – dem Allrounder Tomatensauce plus Ketchup und Pizza-Basis sei Dank. Von der verschrienen Wasserbombe holländischer Art hin zur Sehnsuchtsfrucht auf Balkon und im Schrebergarten. Eine Ikone unseres Wunsches, etwas selbst anzubauen, zu ziehen und zu ernten. Wunderbar rot leuchtend, duftend und gesund. Tomate eben.
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Jul 12, 2024 • 25min

Der Hut des Zauberers - Von der Bronzezeit bis Gandalf

Der Zauberer wie man ihn bei Harry Potter, als Gandalf oder Merlin kennt: mit langem Mantel, Zauberstab und vor allem mit hohem, spitzigen Hut. Wie schaffte es dieser charakteristische Hut - der Hut des Zauberers - über Generationen, Epochen und Kulturen hinweg bis ins Heute? Wofür steht er und welches ist sein Ursprung? Von Katharina Hübel (BR 2021) Credits Autorin dieser Folge: Katharina Hübel Regie: Martin Trauner Es sprachen: Irina Wanka Technik: Robin Auld Redaktion: Bernhard Kastner Im Interview:Matthias Wemhoff (Professor; Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin);Angelika Hofmann (Dr.; Leiterin der Sammlung Archäologie am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg);Naomi Lubrich (Dr.; Leiterin des Jüdischen Museums der Schweiz);Christine Fößmeier (Kunsthistorikerin) Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. DAS KALENDERBLATT  Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
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Jul 12, 2024 • 23min

Stechmücken - Das geheime Leben der sirrenden Sauger

Stechmücken sind lästige Plagegeister und zählen, wie die Zecken, zu den Tieren, die gefährliche Krankheiten übertragen können. Aber wie leben sie? Welche Rolle spielen sie im Ökosystem? Darüber spricht die Autorin u.a. mit der Mückenforscherin Dr. Doreen Werner. Von Christiane Seiler Credits Autorin dieser Folge: Christiane Seiler Regie: Eva Demmelhuber Es sprachen: Burchard Dabinnus, Ruth Geiersberger Technik: Roland Böhm Redaktion: Bernhard Kastner Im Interview: Dr. Doreen Werner, Entomologin, Zentrum für Agrarlandforschung; Dr. Helge Kampen, medizinischer Entomologe, Friedrich Löffler Institut; Mandy Schäfer, Biologin, Friedrich Löffler Institut; Nadja Pernat, Biologin, Zentrum für Agrarlandforschung Linktipp: Mückenatlas Deutschland: Fangt Mücken für das Bürgerforscher-Projekt! ARDalphaJETZT ENTDECKEN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: AT1:  Pernat: Jetzt kommt wieder der spannende Moment, (auf dem Friedhof, Klappern und Wassergluckern). Sprecher (auf AT1) Ein romantisch verwildertes Familiengrab auf dem Alten Zwölf Apostel Kirchhof mitten in Berlin; im Gebüsch neben dem Einfassungsmäuerchen des Grabes macht sich eine junge Frau mit Pferdeschwanz zu schaffen. Sie hebt einen schwarzen Plastikbecher, gießt den Inhalt in eine durchsichtige Plastikkanne um, untersucht den Inhalt. Ein Friedhofsgärtner kommt näher. Was macht sie da?  OT1 Pernat: Mücken!, ja, ... Sprecher (auf ATMO IN OT2) Sie fängt Mücken, sagt die Biologin Nadja Pernat, und erklärt weiter: OT1 weiter Pernat und Friedhofsgärtner: Also das hier, das sind die Fallen für die Mücken, da legen die Mücken ihre Larven rein (Gärtner: ja). Und dann nehme ich die mit, ans Leibnitz Zentrum für Agrarlandschaftsforschung und da bestimme ich, was das für Arten sind. Mann: also nur, um praktisch Zuwanderer zu identifizieren, ja? Pernat: unter anderem. Aber auch um zu gucken, welche Arten gibt es eigentlich in Berlin, das hat seit Jahrzehnten keiner mehr gemacht. Sprecher Mücken in der Stadt - dass es sie gibt, davon weiß sicher jeder aus eigener leidvoller Erfahrung zu berichten. Was aber gefällt den Blutsaugern ausgerechnet an Friedhöfen? Eine Antwort hat Dr. Helge Kampen, medizinischer Entomologe, also Insektenforscher, am Friedrich Löffler Institut bei Greifswald: OT2 Kampen Wenn ich Mücke wäre, ich würde mir immer einen Friedhof aussuchen. Viele Friedhöfe sind hier sehr pflanzenreich, bebaumt, bebuscht. Da finden die Mücken schattige Plätze, um sich auszuruhen. Dadurch sind auf Friedhöfen auch häufig viele Vögel Eichhörnchen, kleinere Nager etc. Und natürlich die Menschen, die als Blutwirte dienen können und dann haben die Mücken eben durch die Blumenvasen, Vogeltränken etc. jede Menge Brutmöglichkeiten. Musik: hohe, sirrende Violinklänge oder elektronische Musik Sprecherin Die Stechmückenforschung erlebt in Deutschland seit einigen Jahren eine Renaissance, nicht zuletzt durch die invasiven, also zugewanderten Arten, von denen auch der Berliner Friedhofsgärtner bereits gehört hat. 2011 wurden in einer Falle an der A5 bei Weill am Rhein die ersten Weibchen der Asiatischen Buschmücke und der asiatischen Tigermücke gefunden. Die Buschmücke, die aus einer ähnlichen Klimazone stammt, hat sich seitdem bei uns breitflächig etabliert. Aber auch das Wissen über die heimischen Arten ist lückenhaft. Wo welche Arten in Deutschland in welcher Menge leben, welche Krankheiten durch diese Mücken übertragen werden könnten — das sind Fragen, an denen Entomologen forschen. Seit 2012 zählen sie dabei auf eine wachsende Schar von Amateurforschern. Der „Mückenatlas“ des bei Berlin gelegenen Zentrums für Agrarlandschaftsforschung, kurz ZALF genannt, ist eins der großen Citizen Science Projekte Deutschlands und dient der Kartierung der Stechmücken. Citizen Science, das ist Wissenschaft unter Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger, und der Mückenatlas gehört zu den erfolgreichsten dieser Projekte.  Sprecher Auf der Internetseite www.mueckenatlas.com wird erklärt, in welchem Zustand und mit welchen Angaben zu Fundort und Finder die Mücken eingesendet werden sollen. Jede Einsendung wird beantwortet, bis Mitte 2018 waren es über 20.000.  Welche Mücken sind dabei eigentlich gefragt? Dr. Doreen Werner, Biologin am ZALF und Initiatorin des Mückenatlas, erklärt, dass längst nicht alle Mücken stechen: OT3 Werner Wenn jemand mir die Frage stellt, was ist eine Mücke, dann geht natürlich die ganze Bandbreite auf. Wir haben in Deutschland 28 verschiedene Mückenfamilien, …. Die morphologischen Ausprägungen, also wie eine Mücke aussieht, können schon sehr vielgestaltig sein. Es gibt zB viele Menschen, die Trauermücken in ihrem Wohnumfeld haben, das sind die kleinen schwarzen Viecher, die aus den Blumentöpfen beispielsweise rauskommen. Oder jeder kennt vielleicht die Schnaken, die groß und behäbig im Frühjahr über die Wiesen fliegen, auch das sind Mücken. Zum anderen gibt es noch verschiedene andere Mückenfamilien, die zB in Abflussröhren leben oder im Komposthaufen sich entwickeln. Aber alle diese Mücken sind dadurch gekennzeichnet, dass sie Mundwerkzeuge haben, die nicht zur Aufnahme einer Blutmahlzeit befähigen. Und wir haben in Deutschland vier verschiedene Mücken-Familien, die das können, das sind zum einen natürlich die Stechmücken, die jeder kennt, zum anderen sind es aber auch die Kriebelmücken die Gnitzen und dann eine ganz kleine Gruppe innerhalb der Schmetterlingsmücken.  Sprecherin Kriebelmücken und Gnitzen können ebenfalls sehr lästig sein, sogar gefährlich. Die Blauzungenkrankheit, eine tödliche Tierseuche, wird beispielsweise von bestimmten Gnitzenarten übertragen. Für den Mückenatlas sind aber nur die Stechmücken relevant: OT4 Werner Weil wir davon ausgehen, dass die meisten Menschen Stechmücken erkennen können, in ihrem Umfeld mit bloßem Auge erkennen können, und auch in der Lage sind, diese einzufangen. Bei den anderen drei blutsaugenden Familien ist es so, dass die eine sehr kleine Körpergröße haben, die sich so zwischen 2-4 mm bewegt. Und der Laie ist nicht wirklich in der Lage, diese Mückenfamilien von anderen Mückenfamilien oder sogar Fliegenfamilien zu unterscheiden und wir natürlich darauf angewiesen sind, nicht nur Beifang zu bekommen, sondern wirklich auch Material, was wir verwerten können … AT2:  Schublade wird aufgezogen, Werner: Wir bauen eine deutschlandweite Referenzsammlung auf … Sprecher Im Wandschrank der Forschungsgruppe Mückenatlas liegen gut erhaltene Fundstücke nach Art sortiert in Insektensammelkästen, säuberlich genadelt und mit Schildchen zu Fundort und Finder versehen. Nur vollkommen intakte Exemplare finden Eingang in die Sammlung. Unter dem Mikroskop lässt sich erkennen, warum. Mückenflügel zum Beispiel sind mitnichten so glatt, wie es mit bloßem Auge betrachtet scheinen mag: OT5 Werner Da sind Härchen und Schuppen drauf, und die sind wichtig für uns. … Deshalb brauchen wir die nicht so totgeschlagen, man macht ja meistens so (klatscht) dann ist die Mücke zerstört, selbst wenn sie noch da ist, für uns ist sie unbrauchbar für die Bestimmung, also für die morphologische Bestimmung.   Sprecher Deshalb sollte man die Mücken lebendig fangen, im Gefrierfach einfrieren und in einem Schächtelchen nach Müncheberg schicken. Woran erkennt man aber eine Stechmücke?  Sprecherin Stechmücken haben einen Stechrüssel, mit dem sie die Haut ihres Opfers durchstechen können, um Blut zu saugen.  Daran kann sie auch der Laie gut von ähnlich aussehenden Mückenarten wie etwa den weltweit in Massen vorkommenden Zuckmücken unterscheiden. Diese Zuckmücken haben keinen Stechrüssel und nehmen auch kein Blut zu sich.  Musik: Elektronisches Sirren Sprecherin Mücken gehören, wie die Fliegen, in der Klasse der Insekten zur Ordnung der Zweiflügler. Von den knapp eine Million bis heute beschriebenen Insektenarten stellen die Zweiflügler rund 160.000. Ein Flügelpaar ist zu den sogenannten Schwingkölbchen umgebildet, die es der Mücke gestatten, die Flugrichtung zu halten oder sehr schnell zu ändern.  Sprecher  Stechmückenarten gibt es weltweit rund 3.500, in Deutschland kommen über 50 davon vor. Und wo leben diese Stechmücken - außer auf Friedhöfen natürlich?  OT6 Werner Stechmücken sind typische Lebewesen, die verschiedene Lebensräume besiedeln, das heißt, für ihre Entwicklung brauchen sie den aquatischen Bereich, das Weibchen legt ihre Eier ab, entweder auf der Wasseroberfläche oder in der Nähe einer Wasseroberfläche. Und wenn die Eier mit dem Wasser in Berührung kommen und bei einer bestimmten Temperatur schlüpfen die Erstlarven. Die ernähren sich dann von Algendetritus, verschiedene Bestandteile, die sie eben in ihrem Medium finden, häuten sich drei Mal, das heißt wir durchlaufen vier Larvenstadien. Das sind Fressstadien, weil die Mücke natürlich auch wachsen muss. Sie muss Energie anhäufen, dann geht sie in das Puppenstadium über. In diesem Puppenstadium findet die komplette Metamorphose statt, das heißt, das Insekt wandelt sich um und aus dieser Puppe schlüpft dann letztendlich die flugfähige Mücke, die dann wieder in der Lage ist, sich durch die Kopulation, Befruchtung also fortzupflanzen, weiterzuentwickeln. AT3: Tür schlägt zu, Schritte im Gang Sprecher Das Friedrich Löffler Institut auf der Insel Riems bei Greifswald widmet sich seit 1910 der Erforschung von Tierseuchen und ihren Übertragungswegen. Und seit einigen Jahren auch Krankheiten, die von Mücken auf Menschen übertragen werden. In einem hermetisch von der Außenwelt abgeriegelten Labor werden hier Mücken zu Versuchszwecken gezüchtet: OT7 Mandy Schäfer Hier zB culex pipiens molestus, ein Biotyp unserer Hausmücke … Sprecher Erklärt Mandy Schäfer, die am FLI an Mückenarten, die als Krankheitsüberträger infrage kommen, forscht. Sie nimmt ein kleines, mit einer ziemlich trüben Brühe gefülltes Aquarium aus dem Regal. OT8 Schäfer Hier sieht man ja, es sind große und kleine Larven dabei, Autorin: Die Larven sind diese zappeligen Tierchen, die sich da an die Oberfläche hängen!? Schäfer: Genau, die hängen sich wieder an der Oberfläche, mit dem Hinterteil nach oben, da an dem Hinterteil ist ein Atemrohr, das sie an die Oberfläche anhaften und dadurch atmen … die atmen atmosphärischen Sauerstoff. Sprecher Leere Puppen schwimmen auf dem Wasser, einige geschlüpfte Mücken sitzen bereits am Beckenrand. OT9 Schäfer Man sieht so ein bisschen, die haben so ganz buschige Fühler. Genau, und das sind die Männchen. Die warten auf die Weibchen, um sie zu begatten.  Musik: Elektronisches Sirren Sprecherin Betrachtet man eine Mücke unter dem Mikroskop, dann kann man Details genau erkennen: den langen Stechrüssel, der sich lanzettartig ineinanderschieben lässt, und die buschigen Fühler der Männchen. Einen Rüssel haben sowohl Männchen als auch Weibchen, aber nur die Weibchen gebrauchen ihn zum Stechen und Blutsaugen. Die Männchen leben strikt vegetarisch und ernähren sich von zuckerhaltigen Pflanzensäften. Sie leben auch viel kürzer, besteht doch ihr Lebenszweck einzig darin, ein Weibchen zu finden und zu begatten. Dr. Helge Kampen: OT10 Kampen Mückenweibchen werden nur einmal im Leben befruchtet, und zwar ziemlich am Anfang ihres Lebens, ziemlich bald nach dem Schlupf aus der Puppenhülle. Und die haben dann, wie übrigens viele Insektenarten, die haben dann Spermataschen, da bewahren sie das Sperma für den Rest ihres Lebens auf und befruchten dann die Eier daraus. Männchen und Weibchen müssen nicht oft aufeinandertreffen. Sprecher Warum aber dieser Blutdurst der Stechmückenweibchen? Haben sie einfach einen extravaganten Geschmack, oder gibt es noch einen anderen Grund dafür? Zur eigenen Ernährung brauchen sie das Blut nicht, führt Helge Kampen aus. Sie brauchen Proteine, also Eiweiß, damit sich die Eier entwickeln können. OT11 Kampen Die Mücken haben die Möglichkeit, Blut einzudicken, wenn sie saugen. Es gibt Mückenarten, da kann man beobachten, dass sie noch während des Blutsaugens am Hinterende, also an der Analöffnung, so ne Art Serum, eine Flüssigkeit abgeben, die ist viel heller als das Blut. Also das Blut, bzw. die Blutproteine, werden schon während der Blutaufnahme konzentriert in der Mücke und die werden dann in der Mücke umgebaut in die Eiproteine - und der Eiproduktion zugeführt.  Musik: sirrende Elektroklänge Sprecherin Stechmücken stechen Tiere und Menschen. Es gibt Arten, die bei ihren Blutwirten nicht sehr wählerisch sind und andere, die nur bei sehr ausgesuchten Opfern Blut saugen. Es ist übrigens ein Irrglaube, dass Mücken besonders süßes Blut oder eine bestimmte Blutgruppe bevorzugen. Sie finden ihre Opfer durch das CO2 in der Atemluft und bestimmte Duftstoffe im Schweiß. Auch durch Licht werden sie nicht angelockt, sind doch die meisten Stechmücken dämmerungs- oder nachtaktiv.  Sprecher Culex pipiens, die Hausmücke, kommt in zwei Biotypen vor. Der bereits erwähnten Culex pipiens molestus etwa schmeckt besonders das menschliche Blut, die eng verwandte culex pipiens pipiens saugt am liebsten bei Vögeln. Den Namen Hausmücke trägt das Insekt nicht umsonst. Und die Menschen sorgen oft selbst dafür, dass diese Mücken sich besonders gut vermehren können: OT12 Werner Das sind also Mücken, die sehr gerne künstliche Bruthabitate aufsuchen. Wie z.B. Regentonnen, Blumentöpfe, Vasen, Gießkannen, irgendwelche anderen Container, die sich vielleicht im Gartenbereich befinden oder … Überall kann sich Regenwasser sammeln, selbst in den kleinsten Coladosen oder in Papierkörben. Das heißt, die Mücken schlüpfen und ihnen wird ein gedeckter Tisch geboten, und der Weg von der Regentonne in den Schlafzimmerbereich oder Wohnbereich ist meistens nicht sehr weit. Sprecherin Weibchen dieser Art überwintern in Hauskellern und anderen warmen, unterirdischen Habitaten wie U-Bahn-Tunneln oder der Kanalisation und sie können das ganze Jahr über stechen, egal ob in Innenräumen oder im Freien. In der New Yorker Upper Westside kam es 2011 zu einer regelrechten Invasion dieser Stechmücken, die aus Kellern und der Kanalisation heraus in die Wohnungen fanden. In London ist dieselbe Mücke als U-Bahn Moskito berüchtigt. Sprecher Stechmücken sind lästig, ihre Stiche jucken und führen zu Hausschwellungen. Gefährlich werden sie, weil sie mit dem Stich Krankheitserreger übertragen können. Die Mücken fungieren als Vektoren, das heißt, sie beherbergen Erreger, die sie mit dem Blut eines Wirts aufnehmen und sie transportieren diese Erreger mit dem Speichel in den Blutkreislauf ihres Opfers. Speichel fließt reichlich beim Mückenstich: Er verdünnt das Blut und enthält eine leicht narkotisierende Substanz, damit der Blutwirt erst nach dem Stich etwas merkt und erst zuschlägt, wenn die Mücke sich bereits in Sicherheit gebracht hat. Sprecherin Krankheitserreger können Parasiten sein, etwa im Fall der Malaria, die durch die Anophelesmücke übertragen wird, aber auch verschiedene Viren, die gefährliche fiebrige Krankheiten auslösen wie das Gelbfieber, das Dengue Fieber oder das West-Nil-Fieber. Letzteres kann auch von der Hausmücke übertragen werden, braucht aber Vögel als Zwischenwirte. In einigen südosteuropäischen Ländern und in den USA kommt es seit den 90er Jahren regelmäßig zu Ausbrüchen des Westnil-Fiebers, das gelegentlich tödlich verläuft. Entscheidend dafür, ob eine Mücke ein Virus übertragen kann, ist die Umgebungstemperatur.  Je wärmer und feuchter es in dem Habitat der Mücke ist, desto schneller vermehrt sich das Virus in der Mücke, ausgehend vom Verdauungstrakt. Erst wenn das Virus in den Speichel der Mücke gelangt ist, kann es auch übertragen werden.  AT4 Riems: Nerviges Sirren der Tigermücke Sprecher  Hier im Hochsicherheits-Labor des Friedrich Löffler Instituts auf der Insel Riems sirrt außer der Hausmücke eine weitere Mückenart in ihrem Käfig mit Gaze-Wänden: die Asiatische Tigermücke, aedes albopictus. Im Labor vermehrt sie sich hervorragend. Die Tigermücke breitet sich seit den 90er Jahren vor allem in Südeuropa aus. Dort kommt es seitdem gelegentlich zu Ausbrüchen des Dengue-Fiebers. Das geschieht, wenn ein infizierter Reiserückkehrer von einer Tigermücke gestochen wird, und diese mit einem weiteren Stich durch das im Mückenspeichel enthaltene Virus eine andere Person infiziert. Anders als die Hausmücke ist sie eine sogenannte Überflutungsmücke und stammt ursprünglich, wie der Name schon sagt, aus Asien. Dr. Helge Kampen: OT13 Kampen Der internationale Altreifenhandel, der spielt ne große Rolle! Also bei diesen invasiven Stechmückenarten handelt es sich um Arten, die sehr austrocknungsresistente Eier haben und die ihre Eier nicht, wie viele andere Mückenarten, direkt ins Wasser legen, damit die Larven schlüpfen können. Sondern die legen die Eier oberhalb der Wasseroberfläche ab, kleben sie an feuchte Strukturen, Pflanzen oder auch künstliche Untergründe, und die Larven schlüpfen erst dann aus den Eiern, wenn der Wasserspiegel gestiegen ist. Und wenn die Eier, die da irgendwo kleben, in Kontakt mit dem Wasser kommen. Und das kann passieren, wenn die Eier in Gebrauchtreifen kleben, da gibt es in Asien sehr viel Handel mit, internationalen Handel. Die werden üblicherweise erst mal gesammelt da, liegen auf einer Wiese rum, und dann regnet es da rein, da steht ein bisschen Wasser drin, und das ist dann für die Stechmücken interessant. Dann kleben sie ihre Eier da rein, dann werden die irgendwann verschifft nach Europa, Nordamerika, weltweit. Und dann liegen sie da wieder rum, im Freiland, und wenn es dann regnet und der Wasserspiegel steigt, dann schlüpfen die Larven und dann hat man ganz schnell ne Population von 'ner Art, die da nicht hingehört. Sprecher Seit einigen Jahren kommt das kleine Insekt zunehmend auch nach Süddeutschland. Aber den weiten Weg werden die Tigermücken ja wohl kaum aus eigener Kraft fliegend überwinden. Wie gelangen sie dann zu uns? OT14 Kampen Bei der asiatischen Tigermücke wissen wir, dass die regelmäßig aus Südeuropa eingeschleppt wird und zwar mit dem Fernverkehr, mit Autos, LKW, Zügen. Weil die Mücken, die Weibchen, sehr aggressiv sind, zum Teil auch tagaktiv, und die fliegen den Menschen ins Auto hinterher, weil sie stechen wollen. Und wenn wir Pech haben in Deutschland, dann werden die mit dem Auto über hunderte Kilometern aus Südeuropa nach Deutschland verschleppt und steigen da wieder aus … Sprecherin Zum Beispiel auf einem Rastplatz an der Autobahn. Seit dem ersten Tigermückenfund zeigt das Mückenmonitoring, dass die A5 tatsächlich ein Haupteinfallstor für diese invasive Mückenart nach Deutschland ist. In Süddeutschland, in der warmen Rheinaue, findet sie gute Lebensbedingungen vor, denn die Tigermücke ist wärmeliebend und kommt mit Frost im Winter nicht zurecht. Aber auch das kann sich ändern, wenn die Mücke sich an die kälteren Temperaturen anpasst und andererseits die Temperaturen in Deutschland durch den Klimawandel nach oben gehen.  AT4 Riems: Sirrende Tigermücken Sprecher Die Zusendungen zum Mückenatlas zeigen, dass die Tigermücke inzwischen an mehreren Stellen in Deutschland stabile Populationen aufgebaut hat, in Jena sogar die nördlichste Population weltweit. Was kann man aber tun, um die Mücken wieder loszuwerden? Zum Beispiel in Jena? OT15 Kampen Wir finden immer wieder die Asiatische Tigermücke, aber die ist nicht auf einen Ort beschränkt, da finden wir mal in Nordjena zwei Exemplare, dann wieder in nem anderen Stadtteil eins. Ursprünglich waren sie auch auf dem Friedhof konzentriert, da haben wir einige Maßnahmen eingeleitet. Das Simpelste ist natürlich: Leer stehende Blumenvasen auf den Kopf stellen. Da kann man schon viele Brutmöglichkeiten eliminieren! Ja, aber die Mücken waren 2017 immer noch da, mal gucken, wie es sich weiterentwickelt.  Sprecherin Leichter ist die Bekämpfung bei einer einheimischen Art, der Überschwemmungsmücke Aedes vexans. Die schon von Goethe gehasste „entsetzliche Rheinschnake“ macht Anwohnern der südlichen Rheinauen seit jeher das Leben schwer. In Mannheim hat sich Anfang des 20. Jahrhunderts eine Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage gegründet, die heute noch existiert. Diese Überschwemmungsmücken treten immer dann in Massen auf, wenn bei Wärme der Wasserpegel steigt und tausende Mückenlarven gleichzeitig schlüpfen.  OT16 Kampen Was man heute macht, man bringt ein Eiweiß aus, das von bestimmten Bakterien produziert wird, das ist das sogenannte bacillus thuringiensis israelensis, das ist ein bakterielles Eiweiß, das die Mückenlarven mit der Nahrung aufnehmen und das deren Darm zerstört. Und dann sterben die Larven. Das kann man auftragen auf Eiskristalle, sodass die Eiskristalle im Wasser schwimmen und die Mückenlarven knabbern an den Eiskristallen an der Wasseroberfläche und nehmen dieses Eiweiß auf. Und deswegen, weil man das so ausbringen kann, kann man das per Hubschrauber großflächig verteilen. Musik: elektronisches Sirren Sprecherin Viele würden den Stechmücken keine Träne nachweinen, wenn es sie eines Tages nicht mehr geben würde. Andererseits beklagt man das Insektensterben und kann sicher keine Welt herbeiwünschen, in der nur uns genehme Insekten ein Recht auf Leben besitzen. Stechmücken erfüllen, wie alle anderen Arten auch, ihre Rolle im Ökosystem, nicht zuletzt als Futter für Schwalben und Frösche. OT17 Werner Wir haben aber so viele Tiergruppen, die auch schon räuberisch von Mückenlarven leben, oder auch von den fliegenden Mücken. Die würden auch nicht entsprechend zu Entwicklung kommen und dann würden wir gefühlt natürlich viel mehr Veränderung in der Umwelt wahrnehmen.  Sprecher: Und wie hält sie es selbst mit dem Mückentöten? Masochistisch sei sie nicht, meint Dr. Doreen Werner vom Zentrum für Agrarlandforschung: OT18 Werner Natürlich schlage ich auch zu. Die Hemmschwelle ist natürlich sehr herabgesetzt. Es ist schon ein Unterschied, ob man einen Schmetterling tötet oder eine Stechmücke tötet! Natürlich rufen wir nicht mit Spaß und Freude zum Töten von Stechmücken auf, wenn wir darum bitten, dass man die Mücke, die man sowieso töten würde, eben für Forschungszwecke eingefangen und dann auf eine recht schonende Art und Weise abgetötet wird, die Mücke schläft nämlich mehr oder weniger ein. Das ist der gleiche Prozess, dem sie unterliegt, wenn sie in den Winterschlaf geht, wenn sie ihren Stoffwechsel herabfährt, … nichts anderes passiert im Gefrierfach.  Sprecher So endet das Leben vieler sirrender Sauger im Schrank der Müncheberger Referenzsammlung. Hier ist noch reichlich Platz für weitere Sammelkästen.
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Jul 11, 2024 • 23min

Schauspielschulen - Weinen auf Kommando!

Performances, Chorgesänge, Kameras auf der Bühne: Das Theater der Gegenwart verändert sich ständig. Wie reagieren Schauspielschulen darauf? Was müssen die jungen Talente lernen? Trends von heute können bereits von gestern sein, bis die Studierenden ihren Abschluss haben. Eines hat sich aber nicht geändert: Schauspielschulen verlangen ihren Studierenden vieles ab. Von Anna Küch (BR 2023)CreditsAutorin dieser Folge: Anna KüchRegie: Sabine KienhöferEs sprachen: Katja AmbergerTechnik: Roland BöhmRedaktion: Thomas Morawetz Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Im Interview:Emma Floßmann;Max Faatz;Annika Molke;Sebastian Berchtold;Barbara Gronau;Ramin Anaraki;Anne Knaak Eine besondere Empfehlung der Redaktion: Knallhart - Der ARD Thriller PodcastDüstere Psychothriller, abgründige Mindfucks und bizarre Bluttaten: Der Krimi-Podcast mit Triggerwarnung, für hartgesottene Binge Listener, Herzkasper-Junkies und Liebhaber des gepflegten Grusel-Kicks. Hard-boiled auch mal ohne Happyend - und garantiert nichts für schwache Nerven!JETZT ANHÖREN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN
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Jul 11, 2024 • 23min

Emma Goldman - Anarchie, Freiheit und Frauenrechte

Die radikale Aktivistin Emma Goldmann hat für Anarchie, Freiheit und Frauenrechte gekämpft. Sie gilt bis heute als Ikone, deren Konterfei sogar auf T-Shirts gedruckt wird. Von Ulrike Beck (BR 2022)Credits Autorin dieser Folge: Ulrike Beck Regie: Christiane Klenz Es sprachen: Anne-Isabelle Zils, Stefan Merki, Beate Himmelstoß Technik: Daniela Röder Redaktion: Thomas Morawetz Im Interview:Frank Jacob, Historiker und Autor, Professor für Globalgeschichte des 19. und 20.Jahrhunderts an der Nord Universitet, NorwegenAntje Schrupp, promovierte Politologin und Publizistin, Frankfurt am Main Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. DAS KALENDERBLATT  Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischer Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
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Jul 10, 2024 • 22min

Ameisen - Staatenbildende Insekten der Superlative

Die Verhaltensvielfalt im Reich der Ameisen ist einzigartig, kaum eine andere Insektenfamilie besiedelt so viele Lebensräume. Gärtnerei, Kriegsführung und Staatsgründung gehören zum Leben der faszinierenden Krabbeltiere. Von Christiane Seiler (BR 2020) Credits Autorin dieser Folge: Christiane Seiler Regie: Martin Trauner Es sprachen: Rahel Comtesse, Thomas Birnstiel, Clemens Nicol Technik: Robin Auld Redaktion: Bernhard Kastner Im Interview:Christina Grätz, Diplombiologin, Nagola Re, Jänschwalde; Susanne Foitzik, Professorin für Evolutionsbiologie, Universität Mainz; Shahin Tavangari, Reviertierpfleger, Zoo-Aquarium Berlin Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Der Ameisenbär - Minigehirn, wehender Schweif, klebrige ZungeJETZT ANHÖREN Schwarmintelligenz - Was kann das Kollektiv?JETZT ANHÖREN Monarchien im Tierreich - Königinnen ohne ZepterJETZT ANHÖREN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN
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Jul 10, 2024 • 23min

Geschichte der Badeanstalten - Eine Kultur für sich

Schon die alten Griechen und natürlich vor allem die Römer pflegten eine ausgefeilte Badekultur. Selbst im Mittelalter ließ man sich die Lust am öffentlichen Badehaus nicht nehmen. Die Reformation beendete das alles. Erst ab Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich eine neue Kultur der Badeanstalten. Von Martin Trauner (BR 2022) Credits:Autor und Regie dieser Folge: Martin TraunerEs sprachen: Rahel Comtesse und Carsten FabianTechnik: Daniela RöderRedaktion: Nicole Ruchlak Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Hier gibt es eine weitere informative/ hörenswerte Folge von radioWissen:Römische Thermen - Badekultur und HerrschaftsanspruchJETZT ANHÖRENNoch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir:ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN Literaturtipps:Brödner, Erika: Römische Thermen und antikes Badewesen, Darmstadt 2011Kiby, Ulrika: Bäder und Badekultur in Orient und Okzident, Köln 1995Stankiewitz, Karl: Badelust in München und Oberbayern, München 2017

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