Radiowissen

Bayerischer Rundfunk
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Oct 24, 2024 • 24min

Bayerische Staatsbibliothek - Die Geschichte einer steilen Karriere

Wie bringt sie ihre Werke auch zum entferntesten Leser? Wie findet das eine bestellte Exemplar aus mehr als elf Millionen Bänden seinen Weg in die Ausleihe? Wie klingt ein Bücheresel? Und warum schlägt man auch heute noch Bücher auf? Ein Gang durch die Bestände und die Geschichte der Bayerischen Staatsbibliothek. Autorin: Leo Hoffmann (BR 2023) Credits Autorin dieser Folge: Leo Hoffmann Regie: Sabine Kienhöfer Es sprachen: Hemma Michel Technik: Ruth-Maria Ostermann Redaktion: Thomas Morawetz Im Interview:Peter Schnitzlein, Leitung Presse Bayerische Staatsbibliothek; Prof. Dr. Stefan Wimmer, Hebraica&Bestand Widmanstetter, BSB;Dr. Claudia Bubenik / Alte und Seltene Drucke, BSB;Dr. Wolfgang-Valentin Ikas / Handschriften, BSB:Dr. Martin Hermann / Münchener Digitalisierungszentrum, BSB Diese hörenswerte Folge von radioWissen könnte Sie auch interessieren: Die Wunderkammer - Als die Welt noch in ein Zimmer passteJETZT ANHÖREN Linktipps: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundrunks. DAS KALENDERBLATT  Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Stabi_01_Atmo_Tür (läuft unter dem Text weiter)  SPRECHERIN:  Es sind riesige Holztüren, die so ins Schloss fallen.  Musik: Z8019017133 Nocturnal research 0‘37 Sie führen in eine Institution mit bald 500-jähriger Geschichte: die Bayerische Staatsbibliothek! Mit mehr als 37 Millionen Medien, darunter 19 Millionen Fotos und Bilder, mit der viertgrößten Handschriftensammlung der Welt, mit Wiegendrucken, Künstlerbüchern, mit Landkarten und Globen, Bildbeständen und Fotosammlungen ist sie eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Universalbibliotheken Europas. Doch beinahe wäre ihre Karriere im Sande verlaufen! Stabi_01_Atmo_Tür (lauter Akzent, dann Ende) Musik: ZE001630101 Toccata del sesto tono 0‘36 SPRECHERIN:  Man schreibt das Jahr 1558: Die drei Töchter eines Johann Albrecht Widmanstetter bieten den Nachlass ihres im Vorjahr verstorbenen Vaters feil. Wer war denn dieser ... Stabi_02_ Widmanstadii „Johannes Albertus Widmanstadii“ SPRECHERIN:  ... fragen wir Prof. Stefan Wimmer, Experte für den Gründungsbestand der „BSB“ oder „Stabi“, wie die Bibliothek zungenfertig abgekürzt wird:  Stabi_03_Vita  „Er kam aus einem Dorf, Nellingen bei Ulm, aus einfachen Verhältnissen, sehr viel weiß man dazu nicht, aber man weiß, dass sein Dorfpfarrer sein Talent für Sprachen entdeckt hat, und ihm Latein und Griechisch beigebracht hat, er konnte dann an verschiedenen Universitäten, Tübingen, Heidelberg und anderen studieren, und ist zu einem Sprachgenie geworden, hat sich vor allem auf orientalische Sprachen spezialisiert, ist deshalb auch ein Wegbereiter der Wissenschaft geworden, die wir Orientalistik nennen, das Studium der Sprachen des nahen und mittleren Ostens, und war ein typischer Renaissancegelehrter, der sich mit allen Zweigen des Gelehrtentums befasst hat, mit Jura, er war von Beruf ja auch Rechtsgelehrter, er war Diplomat in verschiedensten Diensten, bis hinauf zum König Ferdinand, der dann Kaiser wurde, bei zwei Päpsten war er in diplomatischen Diensten, bei Herzog Ludwig X. von Bayern, in Landshut, und war also ein sehr viel beschäftigter Mann.“ Musik: ZR003960111 Vinci für Orgel 1‘00 SPRECHERIN:  In diesem Leben zwischen Tübingen und dem Vatikan, zwischen Basel, Neapel und Wien sammelt sich einiges in Truhen, Kästen und Kisten, denn die Forscher der Renaissance pflegen ihre akademischen Beziehungen länderübergreifend: Widmanstetter korrespondiert beispielsweise nach Rom mit dem Kardinal Egidio da Viterbo, dem Generaloberen des Augustinerordens. Über Viterbo hat Widmanstetter auch Kontakt mit Elias Levita, einem jüdischen Gelehrten aus Neustadt an der Aisch, der den Kardinal in Aramäisch und Hebräisch unterrichtet, damit der den Talmud und das Alte Testament erforschen kann. Religiöse Animositäten? Mitnichten, wie ein Brief von Levita aus dem Jahr 1538 beweist.  Stabi_04_Brief 37:60 „Da steht als Adresse – es beginnt in aramäischer Sprache und geht dann Hebräisch weiter, .... (hier im Original der Brief) Das heißt ‚zu Händen des großen und teuren Herrn, bei dem die Erleuchtung wohnt“ ... (hier weiter im Original) „das ist mein teurer Herr Jochanan, also Johannes Widmannstetter ist gemeint. Drunter steht me Venezia ... (hier weiter im Original bis „ve shalom“) „Aus Venedig der großen Stadt nach Rom, Fürstin der Länder, und Shalom – Frieden!“  Musik: ZE001630114 Canzon prima für Cembalo 0‘53 SPRECHERIN:  Der Wittelsbacher Herzog Albrecht V., genannt der Prächtige, ist ein Sammler: Antike Skulpturen und Münzen, Gemälde, edle Rosse, venezianisches Glas, Preziosen für seine Wunderkammer UND Bücher! Wie alle Renaissancefürsten stellt er durch die Präsentation kostbarer Objekte seinen Anspruch auf Königs- und Kaiserwürden klar. Folgerichtig bieten ihm Widmanstetters Töchter den Nachlass ihres Vaters an. Dessen Einzigartigkeit aber erschließt sich Albrecht nicht: Er lehnt den Kauf ab!  Erst als der bibliophile Gelehrte Johann Jakob Fugger ihm klar macht, dass Widmanstetter einen einmaligen Bestand an orientalischen Handschriften und Drucken hortete, besinnt er sich: Die Karriere der Stabi beginnt. Stabi_05_Kauf: Der Herzog hat dann 1000 Gulden gezahlt, nicht auf einmal, sondern über mehrere Jahre und verzinst, und diese Bibliothek dann zum Grundbestand seiner neuen herzoglichen Bibliothek gemacht, der Hofbibliothek, aus der die Bayerische Staatsbibliothek geworden ist.“ SPRECHERIN:  Bibliotheken neigen zum Wachstum. So auch die von Widmanstetter, die Herzog Albrecht ins ‚alte Gewölb’, das Archiv im Kanzleigebäude des Alten Hofs in München, bringen lässt. Der „Prächtige“ ergattert bald die nächste Sammlung: Sie gehört ausgerechnet seinem künstlerischen Berater Johann Jakob Fugger. Der muss Bankrott anmelden, da die spanische Krone die Tilgung ihrer hohen Kredite aus Augsburg schuldig bleibt. Bayern profitiert von dem Fiasko: Fuggers Sammlung, 10'000 Bände etwa, ist epochal, so Claudia Bubenik, die das Referat „Alte und Seltene Drucke“ leitet:  Stabi 07_Fuggersammlung  In seiner Sammlung verbergen sich seltenste Drucke auch des 16. Jahrhunderts, wie eine Ausgabe von Gilles Corrozet, die Hecatomgraphie, ein 1543 in Paris gedrucktes Werk, das also auch noch die alte Signatur der Hofbibliothek trägt ‚statio 7, die Nummer 31’. Musik: ZE013680108 Ricercar für Cembalo 0‘52   SPRECHERIN: Neben alten Handschriften hat Fugger alles gesammelt, was damals aktuell auf den Markt kam, die Neuerscheinungen quasi: Pierre Belons Vogelkunde, 1557 in Paris gedruckt, oder Juan di Isíars Anleitung zur Kalligraphie, Saragossa 1548, die „Carta Marina“ des Bischofs Olaus Magnus, gedruckt in Rom 1539  ... Last but not least gehört Fugger die nachgelassene Bibliothek des Nürnberger Arztes und Humanisten Hartmann Schedel, inklusive seines Hand-Exemplars der „Weltchronik“. Natürlich zieht der exquisite Erwerb eine ganze Reihe Folgekosten für Albrecht V. nach sich:  Stabi_08_Buchbinden „Die Bände waren ja damals nicht gebunden auf dem Markt erhältlich, sondern in Lagen und das heißt, je nach Geldbeutel des neuen Besitzers, ließ dieser sich die Bände in prächtigen Einbänden binden oder eben in einfachen Pergamenteinbänden oder einem Coperteinband und es liegen zum Teil auch noch Unterlagen vor im Archiv, aus denen hervorgeht, welcher Buchbinder für wie viel Geld wie viele Bände bekam zum Einbindenlassen.“ SPRECHERIN: Längst reicht ein Archivar wie Erasmus Fendt zur Betreuung der Sammlung nicht mehr aus: Ein Bibliothekar muss engagiert werden.  Stabi_09_ Örtel Der erste Bibliothekar von dem es auch eine offizielle Bestallungsurkunde gab, war Egidius Örtel, der 1561 angestellt wurde, und die sogenannte ‚liberey’ zu verwalten hatte. Von ihm liegt auch der erste oder älteste Katalog der Hofbibliothek vor, zu den dialecticae ed grammaticae, leider nur als Fragment ... Stabi_10_Prommer  Prägend für die Hofbibliothek war aber Wolfgang Prommer. Prommer kam aus Landsberg am Lech und wurde 1562 von Johann Jakob Fugger für seine Bibliothek eingestellt und kam, als Fugger seine Sammlung 1571 an Albrecht V. veräußern musste, mit der Bibliothek in die Hofbibliothek und hat dort sofort begonnen, diese Masse an 10'000 Bänden, die da plötzlich hereinschwappten, zu ordnen, aufzustellen und zu katalogisieren.  Musik: ZE001630110 Amarilli mi abella 0‘37 SPRECHERIN: Von „seinen“ Büchern untrennbar wechselt Prommer Ort und Auftraggeber! Auch sein Katalog ist in Teilen erhalten und zeigt seine penible Arbeitsweise. Die höchsten Folgekosten von Albrechts Ankauf sind räumlicher Natur: Das Kanzleigebäude im Alten Hof fasst Fuggers Büchermengen nicht! Die „liberej“ zieht um: in das von dem Kunstagenten Jacopo Strada entworfene und vom Augsburger Stadtbaumeister Simon Zwitzel errichtete „Antiquarium“. Im oberen Stock dieses ersten Museumsbaus nördlich der Alpen werden ihre Bände als Saalbibliothek entlang der Wände in Regalen aufgestellt und ergänzen so die Antikensammlung im Erdgeschoss: Eine ideale Umsetzung des Bildungsideals der Renaissance und für Albrecht zugleich die Chance, mit kostbaren Einbänden zu glänzen.  Zugänglich aber ist diese Bibliothek nur der Oberschicht: dem Hof und seinen adeligen Eliten. Später sind auch Jesuitenobere, Verwaltungsbeamte und Gelehrte zugelassen.  Nicht alles, was Albrecht angekauft hat, dürfen sie lesen. Sein Sohn, Wilhelm V., ordnet eine Revision an: Prommer muss anstößige, vor allem aber anti-katholische Werke aussortieren. Ziel jeglichen Bücherstudiums soll die Stärkung und Verteidigung des katholischen Glaubens gegen Luthers Lehre sein. Nicht umsonst trägt dieser Wittelsbacher den Beinamen „der Fromme“.  Musik: ZE001630110 Amarilli mi abella 0‘39 SPRECHERIN: Werke von Melanchton, Calvin, Osiander usw. gelten als häretisch. Doch werden sie nur ab- und nicht ausgeschieden und zwar in einen Raum, zu dem Wilhelm V. den Schlüssel hat. Rund 600 geistliche Werke mit 1500 Schriften fallen darunter.  SPRECHERIN: Man erkennt sie daran, dass Prommer KEINE neue Signatur in roter Tinte im Vorderdeckel anbringt. Wer sie erforscht, braucht auch heute eine Sondergenehmigung: Nicht, weil sie auf dem Index stehen, sondern weil sie unersetzliches Kulturgut sind.  Musik: Z8026958106 Nature existence 0‘33 Das studiert man im ersten Stock des Südflügels. Hinter einem gut bewachten Drehkreuz liegt der Handschriftenlesesaal. Mit Blei gefüllte Samtschlagen hängen zur Beschwerung der Seiten über hölzernen Buchwiegen. Weiße Handschuhe liegen bereit. Am „Tresortisch“ in der Nordostecke des Saals liest man die wertvollsten Werke unter den strengen, in Öl gemalten Augen von Johann Andreas Schmeller:  Stabi_11_größterBiblio „der mit Fug und Recht als größter Bibliothekar des 19. Jahrhunderts der Hof- und Staatsbibliothek bezeichnet werden kann“... SPRECHERIN: ... so Wolfgang Ikas, Leiter des Referats „Handschriften und Benutzung“. Neben Schmellers Porträt sitzt der Benediktinermönch Bruder Willibaldus, alias Martin Schrettinger, im Goldrahmen. Bevor sein Kloster Weißenohe der Säkularisierung zum Opfer fällt, geht er als Hofbibliothekar nach München, wo er heute als Begründer der Wissenschaft vom Bibliothekswesen gilt. Kritisch beäugt von diesen verdienten Vorläufern öffnet Wolfgang Ikas ein grünes Kästchen. Passgenau eingebettet liegen zwei Tontäfelchen und vier Ton-Kegel darin. Im Jahr 2034 v. Chr. drückte ein Schreiber die waagrechten, senkrechten und schrägen Dreiecke in den frischen Ton:  Stabi_12_Tontafel  „Da handelt es sich um eine Abrechnung über 183 Tonnen Getreide, die geerntet und zu Mehl verarbeitet worden sind.“ SPRECHERIN: Vor über 4050 Jahren! Uralt auch der Kegel, den Herr Ikas zwischen seinen behandschuhten Fingern hält.  Stabi_13_Tonkegel „Da handelt es sich um Schafe, die für einen Götterkult am Tempel abgegeben wurden, und entsprechend weiterverarbeitet wurden. Das stammt aus dem Jahr 2046 vor Christi Geburt.“ Musik: ZR005190101 Tempus transit 0‘47 SPRECHERIN: Viel jünger als diese Keilschriften, weitaus poetischer, ja geradezu identitätsstiftend für Bayern sind die „Carmina Burana“, die die Stabi hütet, das „Wessobrunner Gebet“ oder der „Tegernseer Liebesgruß“, den ein Benediktiner Ende des 12. Jahrhunderts zwischen die lateinischen Seiten einer Handschrift aus dem Tegernseer Kloster schreibt. Dieses Einsprengsel ist wohl das älteste Liebesgedicht in deutscher Sprache – ein Sprachdenkmal. Stabi_14_Liebesgruß Du bist min, ich bin din,  Du bist mein, ich bin dein, dessen sollst du gewiss sein, du bist eingeschlossen in meinem Herzen, verloren ist das Schlüsselchen, du musst auf immer darin sein. SPRECHERIN: Auch Weltdokumentenerbe der UNESCO birgt die Stabi, nämlich die „Leithandschrift A“ des Nibelungenliedes, die früher als die älteste Abschrift dieser Dichtung angesehen wurde, außerdem die Handschrift „D“, die Wiguläus Hundt, Kanzler von Albrecht V., im 16. Jahrhundert auf Burg Prunn im Altmühltal entdeckt.  Stabi_15_Leithandschriften „Sie ist zwar textlich nicht so bedeutend, wie die drei Leithandschriften, aber sie ist wunderschön illuminiert ...“ SPRECHERIN: Wie ihre Paarreime klingen, weiß Herr Ikas natürlich auch: Stabi_16_Nibelungenlied „Uns ist in alten mæren wunders vil geseit / von helden lobebæren, von grôzer arebeit,  von fröuden hôchgezîten, von weinen und von klagen,  von küener recken strîten muget ir nun wunder hœren sagen.“ Musik: Z8034319124 Cans and computers (c) 0‘58 SPRECHERIN: Wer diese Handschrift mit ihren verspielten Initialen in Rot, Blau, Grün und Gold durchblättern will, braucht weder Handschuhe, noch eine Genehmigung. Selbst die Sigle „CGM 31“ muss er nicht wissen. Es reicht, „digitale-sammlungen.de“ in eine Suchmaschine einzugeben und „Prunner Codex“ in das Feld mit der Lupe, das dann aufleuchtet: Schwupp, erscheint der abblätternde Ledereinband aus dem 14. Jahrhundert auf dem Bildschirm. Komplett. Samt den Messingschließen, die seine 350 Seiten eng zusammenhalten, damit kein Staub zwischen die Blätter dringt und kein Papierfischchen! Um die Schließen zu öffnen, muss man nicht mit der Faust auf den Buchdeckel schlagen, wie beim Original: Der Cursor erledigt das mit einem Mausklick. Er kann das, weil im Erdgeschoss des Südflügels das „Münchener Digitalisierungszentrum“, kurz MDZ, wirkt. Es löst 1997 die „Fotostelle“ ab, in der Bücher seitenweise „abgeknipst“ wurden, um sie den Lesern zu erhalten. Inzwischen hat die Stabi drei Einheiten zur Digitalisierung, so Martin Hermann, der das Referat Digitale Bibliothek leitet.  Stabi_17_Digital „Das beschäftigt sich vor allem mit der Digitalisierung der hochwertigen, seltenen, unikalen Stücke, die auch einer besonderen Behandlung bedürfen“... SPRECHERIN: Dafür tasten in abgedunkelten Räumen Handauflagescanner die Seiten ab. Das klingt so: Stabi_18_Atmo_Scanner  SPRECHERIN: Oder so, wenn es sich um ein älteres Scanner-Modell handelt: Stabi_19_Atmo_Scanner-laut (unter Text durchlaufen lassen) SPRECHERIN: Dabei kommt oft eine Erfindung des MDZ zur Anwendung: Die „Münchner Finger“, flach zulaufende Stäbe aus Plexiglas, beschweren die Papiere.  Das jüngste Großobjekt des MDZ war die „Tabula Palatinorum“ von Johannes Herold aus dem Jahr 1556: Ein Stammbaum der Pfälzer Linie der Wittelsbacher, der vom sagenhaften König Chlodwig bis zu Kurfürsten Friedrich II. von der Pfalz reicht, vom 6. bis ins 16. Jahrhundert. Eine Hängetafel aus auf Leinwand fixierten Blättern mit gut 4 m Länge und 1,26 m Breite. Durch Mehrfachdigitalisierung und Bildbearbeitung sorgte das Team des MDZ dafür, dass die Leser das Objekt im Ganzen abrufen können. Der Mehrwert dabei? Die hochaufgelösten Dateien lassen tiefer blicken als das Original und das menschliche Auge: Wer sich diese „Tabula Palatinorum“ auf den Bildschirm holt, kann auch noch die dünnste Schraffur in den wuchernden Ästen des Baumes erkennen. Er entdeckt unbekannte Wittelsbacher, z.B. „Dodo, Dux Bavariae“, bayerischer Herzog im Jahr 666, aber auch winzige Fehl- und Knickstellen. Das „Institut für Bestandserhaltung und Restaurierung“, das im Untergeschoss der Stabi sein hochmodernes Labor hat, sorgt dafür, dass die Knicke nicht aufbrechen.  Einzelstücke wie dieser Stammbaum sind Scan-Sonderprojekte im MDZ, denn Digitalisierung muss vor allem eines können: Masse. Deshalb arbeitete das MDZ an der Entwicklung von Robotern, die das Umblättern der Seiten übernehmen.  Stabi_20_Atmo_Staubsaugerscanner (unter Text laufen lassen) SPRECHERIN: Was wie ein aggressiver Staubsauger klingt, war ein technischer Quantensprung: Die Bände liegen auf etwa 30° geöffnet in der Buchwiege. Ein dreieckiges Prisma fährt von oben in sie hinein und scannt beim Hochfahren beide Seiten gleichzeitig. Ein Luftstoss bläst die rechte Buchseite nach links. Das Prisma fährt wieder nach unten. Auf der Homepage der Stabi zeigt ein Zähler, dass die Bücher im Internet-Regal so täglich mehr werden: Über 3,7 Mio sind es inzwischen. Das ist ein Segen für die Originale, deren Papier wegen Säure- oder Tintenfraß zerfällt. Licht, Staub, Feuchtigkeit sind elementare Bedrohungen für jeden Band – und es ist ein Segen für die Leser! Nicht zu vergessen: Die Digitalisierung ermöglicht den Zugriff von jedem Schreibtisch der Welt aus, egal ob er in Wien steht, in Johannesburg oder in Tokio.  Stabi_20_Atmo_Staubsaugerscanner (ausfaden) Musik: MR010690W04 Konzert für Klarinette und Orchester C-Dur, 1. Satz Allegro 1‘15 SPRECHERIN: Doch, Moment?! Bevor man in der Staatsbibliothek scannen kann, muss die ja erst einmal gebaut werden. Wie kommt es dazu?  Aus dem Antiquarium war die Hofbibliothek nach mehreren Zwischenstationen in das „Wilhelminum“ gezogen, heute „Alte Akademie“ genannt. Der ungeliebte Pfälzer Kurfürst Karl Theodor hatte ihr dort einen ganz in Weiß gehaltenen Bibliothekssaal mit Galerie errichten lassen, mit verglasten Buchschränken unter klassizistischen Stuckaturen. Ein Schau-Objekt? Nicht nur: Diese Bibliothek hat drei Lesezimmer und zwar für alle, ohne Unterschied des Standes, wie das Münchner Intelligenzblatt im Juli 1789 verkündet. Diese Öffnung muss man vor dem Hintergrund der Französischen Revolution lesen: Wer keinen Volksaufstand riskieren will, muss an Exklusivität dreingeben. Doch warum verlassen die nun rund 71'000 Bücher und 2000 Handschriften diesen idealen Platz an der Neuhauser Gasse? Weil die Bibliothek 1802/1803 von Büchern geradezu überschwemmt wird. Man geht, so Peter Schnitzlein ... Stabi_21_Säkularisation „davon aus, dass circa 500'000 Bände und 20'000 Handschriften ins Haus gekommen sind, aus den Klosterbibliotheken, nachdem eben Klöster aufgelöst wurden im Zuge der Säkularisation, und die Bibliothek war nicht benutzbar.“ SPRECHERIN: Ein Großteil der Schätze, die heute den Ruf der Bayerischen Staatsbibliothek ausmachen, fallen ihr durch Enteignung in den Schoß! Alle diese Werke müssen gesichtet, katalogisiert und aufgestellt werden, bevor man sie lesen kann! Diese Sisyphusarbeit leisten vor allem Johann Andreas Schmeller und Martin Schrettinger. Und für die Aufstellung? Muss ein Neubau her!  Musik: R0092400010 Allegro non troppo O‘31 Eigentlich schwebt König Ludwig I. dafür der Platz vis-à-vis der Glyptothek vor. So würden antike Skulpturen und Bücherschätze wieder eine Einheit, wie schon im Antiquarium. Doch dann fällt seine Wahl auf „seine“ Prachtmeile, die Ludwigstraße. Realisieren soll den Bau sein Architekt Friedrich von Gärtner, dem er ständig in die Pläne pfuscht: Er will eine glatte Fassade, keine Säulen, keinen Portikus... Resigniert präsentiert ihm Gärtner 1831 schließlich eine „langweilige Bücherkaserne“. Der König schwelgt: Stabi_22_Ludwig_Zitat „’Gärtner, das kann das großartigste Gebäude in München werden!’ In seinem Tagebuch hat er dann sogar noch vermerkt, zu diesem Fassadenentwurf, ‚einfach schönes Äußeres, würdevoll’.“ Musik: C1589890113 Consistent method 0‘36 SPRECHERIN: 150 Jahre später ist auch dieser riesige Blankziegelbau schon wieder zu klein! Widmanstetters 800 Bände sind angewachsen auf heute über 11 Millionen. Aber die sind jetzt allen zugänglich, weltweit! Damit verwirklicht die Stabi ein Ideal, das Widmanstetter vorgelebt hat: den von Ländergrenzen, Religionen und Ideologien ungehinderten Zugang von Forschenden und Wissenschaftlern! 
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Oct 24, 2024 • 23min

Tschingis Aitmatow und Kirgisien - Nomaden, Jurten und Kolchosen

Als Inbegriff des Kirgisischen wird das Werk des Autors Tschingis Aitmatow oft bezeichnet. Was genau aber als 'kirgisisch‘ gesehen wird, ist ein Produkt der sowjetischen Kulturpolitik. Diese forcierte Kulturevolution forderte ihre Opfer, wie auch die Familie Aitmatows zu spüren bekam. Autorin: Fiona Rachel Fischer (BR 2023) Credits Autorin dieser Folge: Fiona Rachel Fischer Regie: Susi Weichselbaumer Es sprachen: Julia Fischer, Katja Amberger, Rainer Buck Technik: Robin Auld Redaktion: Thomas Morawetz Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Interviewpartner/innen:Dr. Moritz Florin (Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen) Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Das Vielvölkerreich im Osten - Russland und die SowjetunionJETZT ANHÖREN Iwan Turgenjew - Ost-West in PersonJETZT ANHÖREN Literaturtipps: Ajtmatov, Cingiz (1994): Nomaden auf dem Weg zu sich selbst. In: Cingiz Ajtmatov, Asta Scheib und Wolfdietrich Fischer (Hg.): Friedrich Rückert - Vorläufer einer neuen Zeit. Festvortrag des zehnten Preisträgers des Friedrich-Rückert-Preises der Stadt Schweinfurt. Würzburg: ERGON-Verl. (Rückert zu Ehren, 5), S. 13–22. Tschingis Aitmatow: Kindheit in Kirgisien. Autobiographische Erzählung. Herausgegeben und übersetzt von Friedrich Hitzer. Zürich: Unionsverlag 19995. Moritz Florin (2015): Kirgistan und die sowjetische Moderne. 1941-1991. Zugl.: Hamburg, Univ., FB Geschichte, Diss., 2013. Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN
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Oct 23, 2024 • 22min

Ehegattensplitting - Geschichte eines maroden Modells

Wer heiratet, kann viel Geld sparen. Möglich macht es das Ehegattensplitting. Der Steuervorteil ist umso größer, je ungleicher Eheleute verdienen. Das begünstigt eine traditionelle Rollenverteilung. Tatsächlich stammt das Splitting noch aus den 1950er Jahren. Warum hält es sich so hartnäckig? Autorin: Maike Brzoska (BR 2023)CreditsAutorin dieser Folge: Maike BrzoskaRegie: Sabine KienhöferEs sprachen: Rahel Comtesse, Christopher Mann, Sissi ForsterTechnik: Wolfgang LöschRedaktion: Yvonne Maier Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Interviewpartner/innen:Katharina Wrohlich, Ökonomin und Genderforscherin am DIW und Professorin an der Universität Potsdam;Miriam Beblo, Ökonomin und Professorin an der Universität Hamburg;Malte Chirvi, Steuerberater und Dozent an der Hochschule Flensburg;Andreas Peichl, Ökonom, Forscher am ifo-Institut und Professor an der LMU Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Die Geschichte der Steuern - Zugemauerte Fenster und gestutzte BärteJETZT ANHÖREN Die Mütter des Grundgesetzes - Männer und Frauen sind gleichberechtigtJETZT ANHÖREN Linktipps: Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks.EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Mütter und Väter erzählen ungefiltert von ihrem Leben als Eltern. Vom irrsinnigen Glück. Vom ganz normalen Wahnsinn. Und von ihren dunklen Momenten. Die Journalist*innen Ruslan Amirov, Schlien Gollmitzer, Kathrin Hasselbeck und Kristina Weber sind selbst Eltern und sie wissen: Es ist und bleibt ein Abenteuer.ARD Audiothek | Eltern ohne FilterJETZT ANHÖREN Literaturtipp: Maria Wersig: Der lange Schatten der Hausfrauenehe. Zur Reformresistenz des Ehegattensplittings. Verlag Barbara Budrich, 2013. Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN
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Oct 21, 2024 • 22min

H.P. Lovecraft - Meister des dämonischen Horrors

Zu Lebzeiten waren seine Erzählungen nur in Pulp-Magazinen zu lesen. Heute gilt H.P. Lovecraft als einer der einflussreichsten Horrorschriftsteller der letzten 200 Jahre. Seine düster-subtilen Erzählungen haben bis heute Einfluss auf Literatur, Film und Popkultur. Und doch umwehen den eigenwilligen Schöpfer unaussprechlicher Monstrositäten bis heute Legenden und Geheimnisse. Autor: Michael Zametzer (BR 2023)CreditsAutor dieser Folge: Michael ZametzerRegie: Sabine KienhöferEs sprachen: Katja Amberger, Stefan WilkeningTechnik: Christiane Gerheuser-KampRedaktion: Thomas Morawetz Interviewpartner/innen:Prof. Marco Frenschkowski, Universität Leipzig;Philipp und Florian, Lovecraft-Fans Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Stephen King - Der König des SchreckensJETZT ANHÖREN Bram Stoker - Der Erfinder des "Dracula"JETZT ANHÖREN Die Lust am Gruseln - Echte GänsehautgefühleJETZT ANHÖREN Linktipp: ARD Audiothek | Mia InsomniaWas ist das Hörspiel "Insomnia"? Und warum ist Podcasterin Mia die einzige Person auf der Welt, die sich an diese Hörspiel-Kassette aus ihrer Kindheit erinnert? Die Suche nach Antworten führt sie zu einer unheimlichen Erkenntnis: Entweder ihre Erinnerungen sind nicht echt - oder die Welt um sie herum. Mit ihrem Aufnahmegerät nimmt uns Mia auf ihre Suche mit. Was als scheinbar harmlose Reise beginnt, entwickelt sich zu einer großen Verschwörung.Hörspielserie von Gregor Schmalzried | Produktion, Musik und Regie von Lorenz Schuster | Mit Julia Gruber und Bastian PastewkaJETZT ANHÖREN Weitere Infos und Behind the Scenes finden Sie HIER. Literaturtipp: H.P. Lovecraft – Chronik des Cthulhu-Mythos. Band I und II. Festa Verlag Leipzig 2011. Mit einem Vorwort und Kommentaren von Prof. Marco Frenschkowski Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:ARD Audiothek | RadioWissenJETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
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Oct 18, 2024 • 23min

Die Lederhose - eine erfundene Tradition?

Presse-/Podcast-Text Die Lederhose gilt als das Kleidungsstück, das am passendsten das Wesen des Bayern ausdrückt. Doch das hirschlederne Beinkleid war ursprünglich "nur" eine Arbeitshose - die Herrscher wie Bewohner von Königreich wie Freistaat indes stets mit der von ihnen gewünschten Bedeutung aufzuladen wussten. Von Lukas Grasberger Credits Autor dieser Folge: Lukas Grasberger Regie: Martin Trauner Es sprachen: Julia Fischer, Johannes HitzelbergerRedaktion: Karin Becker Im Interview:Stefan Dettl, Sänger und Trompeter von LaBrassBanda, Truchtlaching; Simone Egger, Junior-Professorin für Kulturanthropologie, Universität des Saarlandes, Saarbrücken; Michael Thalhammer, Lederhosen-Manufaktur „Brandner und Kneißl“, Sauerlach; Alexander Wandinger, Trachteninformationszentrum des Bezirks Oberbayern; Benediktbeuern Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Die Bavaria - Symbol und Wahrzeichen Bayerns  HIER Die Kunstfaser - die Erfindung der Synthetik und ihre Mode  HIER Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wir empfehlen den Hörspiel-Podcast "Die Grandauers und ihre Zeit". Eine bayerische Familiensaga von Willy Purucker, die zwischen 1893 bis 1945 spielt: HIER ENTDECKEN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: Sprecher Sie sitzt wie eine zweite Haut... Musik Tuba-Ton, hoch Sie schützt vor Hitze, wie vor Kälte... Musik Tuba-Ton, tiefer Sie ist bereit, mit ihrem Träger durch Dick und Dünn zu gehen. Musik Tuba-Ton tief Sprecherin Die Rede soll heute sein von der Lederhose. Strapazierfähig und in zeitlosem chic ist sie für manchen Bewohner des Freistaats ein lebenslanger Begleiter – weshalb ihr Träger zuweilen zur Lederhose ein anderes emotionales Verhältnis entwickelt, als zu einem x-beliebigen, austauschbaren Kleidungsstück.  O-Ton 1 Stefan Dettl, Sänger und Trompeter von LaBrassBanda  „Die Lederhose ist ein Lebensgefühl, das seit früher Jugend dabei ist…“ Sprecherin ...sagt der Sänger und Trompeter der bayerischen Funk-Brass-Band LaBrassBanda, Stefan Dettl. O-Ton 1 Dettl weiter Es gibt so den Mythos, wenn du eine schöne Lederhose hast, dann ist die dein Leben lang da….“ Sprecher Doch beginnen wir im Allgemeinen: Hosen aus Leder sind und waren zu allen Zeiten zuerst einmal eines: Wunderbar praktisch. Schon Menschen der Steinzeit nutzten von erlegtem Wild nicht nur das Fleisch, sondern auch das Fell, aus dem sie Hemden und Blusen, Lendenschurze – aber auch bald Hosen machten. Die Samen im Norden Skandinaviens fertigten bis zur frühen Neuzeit ihre gesamte Kleidung aus Leder – knöchellange Lederhosen inklusive. Im Hochland von Ecuador schützen sich die Ureinwohner bis heute mit Hosen aus Fellen und Leder von Ziege, Lama oder Ozelot. Über Jahrhunderte war Leder auch hierzulande das naheliegende Material der Wahl - für Kleidung, die vor allem zweckmäßig sein musste, sagt die Kulturanthropologin Simone Egger. Sie hat den wissenschaftlichen Aufsatz „Dirndl und Lederhosen. Zur Kostümgeschichte der modernen Tracht“ verfasst. O-Ton 2 Simone Egger, Junior-Professorin für Kulturanthropologie, Universität des Saarlandes „Im Grunde war die Lederhose tatsächlich das Gleiche wie die Jeans: von Anfang an ein Arbeitsgewand, eine Arbeitshose. Es gab die geschnürten Lederhosen, die unterm Knie geschnürt wurden, und es gab die kurzen Lederhosen….und das hat natürlich auch immer was damit zu tun gehabt, was man auch damit arbeitet Wenn ich jetzt im Wald arbeite, brauche ich etwas, was meine Knie mitgeschützt, wenn die Holzstämme bewege oder so etwas hat es dann tatsächlich. Die Funktion ist da das zentrale Merkmal zuerst…“ Sprecher Die Lederhose: Sie hat sich über die Jahrhunderte nicht nur für die Arbeit „im Holz“ und auf dem Feld bewährt. Sie tut ihren Dienst als Arbeitshose auch heute noch – und besteht ihre Bewährungsprobe nicht nur im dunklen Wald, sondern auch im hellen Rampenlicht. O-Ton 3 Stefan Dettl Teil 1 „Die Lederhosn hat sich bei uns auf der Bühne herausgestellt als das praktischste Bühnenoutfit.“ Sprecher ...sagt LaBrassBanda-Frontmann Stefan Dettl.  O-Ton 3 Dettl weiter „Wenn man sich vorstellt; Auf der Bühne machen wir quasi Sport. Wir spielen zwei Stunden, springen, hupfen, singen...also man schwitzt da ganz brutal. Und ich sag jetzt mal so: A Jeanshosn dad des gar ned mitmachn. Wenn wir zehn Tage auf Tour sind, denn bräuchte ich ja sechs Jeanshosen. Und wenn man in a Jeanshosn einischwitzt...und wenn man die am nächsten Tag wieder anhat, dann is des koa guads Gfui. Und bei der Lederhosn is des ned so. Da kannst einischwitzen, die lebt mit dir mit, die macht alles mit. Und am nächsten Tag duasd as kurz an die frische Luft hängen – und zackbum, gehts scho wieder weida. Die Lederhosn is für uns des oanzige Bühnenoutfit, das geht.“  Info an Regie: Wenn untenstehender Abschnitt in (( )) gekürzt werden muss, bitte dies einsetzen: - vom Erjagen des Materials übers monatelange Gerben bis zum Nähen und Besticken. Sprecherin Damit eine Lederhose so haltbar wird und auch noch fesch ausschaut: Dafür muss sie einen aufwendigen Herstellungsprozess durchlaufen. (( Doch zuerst einmal muss das Ausgangsmaterial für die Lederhosen besorgt - oder besser, erjagt – werden, weiß Michael Thalhammer: Er gestaltet und verkauft aus Hirschleder gefertigte Hosen in Sauerlach bei München.  O-Ton 4 Michael Thalhammer, Lederhosen-Manufaktur „Brandner und Kneißl“, Sauerlach „Ich hab wirklich ganze Hirschen da. Also ned Hirschen, sondern Hirschleder. Weil du brauchst für eine Hose der Größe 50 brauchst du 22 Quadratfuß. Was umgerechnet 2,04 Quadratmeter san. Du brauchst immer zwoa Hirschen. Und die werden immer im Pärchen gefärbt. (...)Wir haben fünf Lederfarben zur Auswahl...und über die Gerbemethode der sämischen Gerbkunst, also des is, runtergebrochen, die Umwandlung von verwesbaren Eiweiß in nicht-verwesbares Eiweiß. Wir gerben mit einem Fischöl, und dieses Fischöl wandelt dieses verwesbare Eiweiß um. Dann haben wir, nach einem sehr langwierigen Prozess, der zwischen 12 und 18 Monate dauert je nach Witterung, haben wir zuerst einmal das Leder. Und dann wird die Hose gebaut...also genäht.“  Sprecherin Auch ohne Naht und kunstvollem Stick, mit dem ein Säckler die Hose später versehen wird – )) das weiche, edel und teuer anmutende Material Leder wirke und wirkte - stets schon für sich, sagt Alexander Wandinger, Leiter des Trachten-Informationszentrums des Bezirks Oberbayern. Ein Grund, warum sich Menschen im Laufe der Jahrhunderte an lederner Mode unterschiedlichsten Schnitts versuchten.  So tauchte die französische culotte, eine ursprünglich bis zum Knie reichende Stoffhose, bald auch in Süddeutschland auf: Aber eben in einer Leder-Version, die das Modische mit den praktischen Anforderungen der bayerischen Landbevölkerung verband. O-Ton 5 Alexander Wandinger, Leiter des Trachten-Informationszentrums des Bezirks Oberbayern, Benediktbeuren Vom Schnitt her gibt es verschieden Typen bei den Lederhosen...Die Kniebundhose aus dem 18. Jahrhundert, die´s ja bis heute gibt.  Dann gibt es noch die kurze Lederhose, die sich aus der Kniebundhose entwickelt hat. Deswegen sind seitlich am Bein immer noch Bänder und Knöpfe! Das heißt: Die kurze Lederhose ist eigentlich eine verkürzte Kniebundhose.“ Musiktrenner Sprecher   Dass die Lederhose schließlich so viel mehr werden sollte als „nur“ eine modisch geschnittene Hose aus Leder: Das hat zunächst einmal mit politischen Entwicklungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu tun. 1806 entstand - nach Auflösung des Heiligen Römischen Reiches - das eigenständige „Königreich Bayern“. Die Wittelsbacher herrschten auf einmal über so unterschiedliche Stämme wie die Franken, Schwaben, Pfälzer und die Bayern – und suchten nach einem Weg, dem neu entstandenen Volk eine gemeinsame Identität zu verleihen. Alexander Wandinger:  O-Ton 6 Wandinger „Aus einem Vielvölkerstaat heraus braucht das Volk natürlich auch ein Wissen darum, wo es hingehört und braucht ein Nationalgefühl. Und das haben die Wittelsbacher sehr bald erkannt. Max, der erste Josef da ist es noch nicht so stark, aber seine Nachfolger, die haben ja Leute aufs Land geschickt, die sogar aufgenommen haben. Was haben die Menschen für Bräuche? Wie ziehen Sie sich an? Was essen Sie? Was trinken Sie? Wie sprechen Sie und so weiter? Das heißt, der Mensch auf dem Land wird entdeckt Anfang des neunzehnten Jahrhunderts...“ Sprecher Auch selbst in Lederhosen gekleidet, wollten die bayerischen Herrscher fortan Volksnähe demonstrieren. Auch wenn die vorgeblich ländliche Alltagskleidung, die König Maximilian II. Joseph „zur Hebung des bayerischen Nationalgefühls“ auserkoren hatte - lederne Hose und Filz-Joppe - weniger einer Bauernkleidung als dem alpinen Jägergewand ihrer adeligen Jagdgefährten entsprach. Die Bevölkerung aber griff ihrerseits das Begehr der Wittelsbacher-Könige gerne auf, die ihre Alltagskleidung nun als typisch bayerische „Tracht“ fördern wollten. O-Ton 7 Wandinger  „Im 18. Jahrhundert ist der Mensch auf dem Land einfach Leibeigener. Oder ist Steuerzahler, wie auch immer. In dem Augenblick, in dem die Menschen auf dem Land sozusagen entdeckt werden, nach 1800, Anfang des 19. Jahrhunderts, bemerken die Menschen in der Kleidung, die wir heute als „Tracht“ bezeichnen, natürlich auch, dass sie angesehen werden und bewundert. Dann wächst auch das Selbstbewusstsein der Landbevölkerung, die werden ja bejubelt, die werden angesehen.“ Sprecher Dabei war die Lederhose für die Menschen auf dem Land in Sachen „Tracht“ zunächst nicht einmal erste Wahl. Statt in Leder kleideten sie sich oft lieber in Loden. Sprecherin Es war ein Lehrer namens Josef Vogl, der trotzdem bereits Ende des 19. Jahrhunderts das schleichende Verschwinden der Lederhose beklagte – und beschloss, dagegen anzukämpfen. Vogl gründete dafür 1883 den „Verein zur Erhaltung der Volkstracht im Leitzachthal“, den Vorläufer des bald wirkmächtigen Trachtenvereins Miesbach.  (( O-Ton 8 Wandinger „Diese frühen Trachtenvereine: die waren ja auch revolutionär in ihrer Art...“  Sprecherin ...sagt der Trachtenforscher Alexander Wandinger. )) Die Mitglieder der ersten Trachtenerhaltungsvereine waren keine Bürger oder Bauern, die Grund besaßen – sie entstammten vor allem einem sozialdemokratisch gesinnten  nicht-bürgerlichen Milieu, das mit der katholischen Kirche tief verbunden war -  in gegenseitiger Ablehnung: Das erzbischöfliche Ordinariat München etwa erklärte die „Kurzhosenvereine“ für sittenwidrig. In die Kirche mit der Lederhose? Ein Tabu! Die frühen Trachtler indes wahren ihrerseits eher antiklerikal, und dem Revolutionären zugeneigt. Und dies nicht nur in ihrer politischen Haltung – sondern auch in ihrem Verhalten.  O-Ton 9 Wandinger „In ihrer Art und Weise, sich zu zeigen: Die kurzen Lederhosen waren natürlich ein Zeichen von: Ich ziehe an, was mir passt. Am Sonntag nicht in die Kirche zu gehen, sondern vielleicht auf Gaufest zu fahren. Ich gehöre zu einer Gruppe, die sich einfach traut, was anders zu machen. (…) Junge Frauen, junge Männer zusammen im Trachtenheim, unbeaufsichtigt. Das war ja alles vollkommen neu. Es war provokativ und war eigentlich auch nicht geduldet….Dieses ostentative zur Schau stellen von uns geht's gut, wir machen, was wir wollen.“ Sprecherin Diese „Trachtenbewegung von unten“ wuchs und gedieh. In zahlreichen bayerischen Regionen entstanden Trachtenvereine. „Über den Umweg der Miesbacher Tracht haben viele Gegenden Bayerns wieder zu ihrem eigenständigen Volkstum gefunden“, heißt es stolz in einer Festschrift des Miesbacher Trachtenvereins. Doch obwohl sich viele der neuen Vereinigungen als „Trachtenerhaltungsvereine“ bezeichneten, entwickelten diese oft die althergebrachte bäuerliche Kleidung weiter – oder erfanden sie gar neu.    O-Ton 10 Egger „Natürlich wird hier nicht eine Lederhose eins zu eins übernommen, sondern es wird schon begonnen zu übersetzen und zu designen. Und das ist eigentlich ein ganz wichtiger Faktor. Diese wichtigste, bekannteste Lederhose, die wir heute kennen, also die dunkle Lederhose mit der grünen Paspelierung: Das ist eine im Design tatsächlich von Trachten-Jäger in Miesbach. Und da hat eben der Bruder an der Akademie studiert, hat verschiedene Entwürfe gehabt, und der, der sich durchgesetzt hat, hat sich wirklich durchgesetzt. Oder: das ist sicherlich die erfolgreichste Lederhose überhaupt.“  Sprecher Die „Miesbacher Gebirgstracht“ sollte weltweit Anklang finden, doch steht sie keineswegs für eine jahrhundertealte Tradition. Simone Egger: O-Ton 11 Egger „´n klassischer Fall von „Invention of Tradition, wie man das so schön nennt. Eric Hobsbawm, der er britische Historiker spricht, eben von der ,Einführung einer Tradition’…“ Sprecher Dass eine Hose Sinn und Identität zu stiften vermag, indem sie für die gemeinsame, vermeintlich lange andauernde Vergangenheit eines Volks steht: Dies funktionierte mit dieser dunklen, grün bestickten Lederhose letztendlich so gut, dass die Eigenheiten anderer regionaler Hosen und Dirndln dahinter zurückstehen mussten, ja, sogar verdrängt wurden. Der Trachtenforscher Alexander Wandinger verweist darauf, dass es jahrhundertelang ohnehin praktische Anforderungen wie soziale Gegebenheiten waren, die bestimmten, was man trug – und nicht Verbundenheit mit einer Tradition, mit einer Region  oder gar „Heimatliebe“.   O-Ton 12 Wandinger „Was wir heute als typische Tracht bezeichnen und vielleicht auch noch als „echt“ erklären, war einfach einmal Mode einer bestimmten Zeit, einer bestimmten sozialen Schicht – und das aber auch nur immer 20, 30 Jahre lang, bis halt die nächste Modewelle alles wieder verändert hat. Dass sich so etwas wie die kurze Lederhose dann über 100, fast 200, 220 Jahre hält – das ist ein Phänomen.“ Sprecher Die nunmehr mit einer urbayerischen Identität aufgeladene Lederhose entwickelte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Strahlkraft bis weit über das bayerische Königreich hinaus. In Bayern selbst trug die ehemalige Arbeitshose der Gebirgler bald auch das städtische Bürgertum. Die Trachtenvereine ihrerseits reagierten auf diese soziale Aufwertung damit, dass sie eine Schautracht für Festtage entwickelten – die Lederhose, besonders der Latz, wurde üppig mit Ornamenten verziert. Die „Hebung des Nationalgefühls, insbesondere der Landestrachten“, die Maximilian II. 1853 verordnet hatte – sie schien binnen weniger Jahrzehnte gelungen. Dem neuen, vom König verordneten Zeitgeist folgend, begannen mehr und mehr Adelige und wohlhabende Städter, sich für Land und Leute zu interessieren, und in der Folge das Oberland und die Alpen zu bereisen.  Sprecherin Es waren die Anfänge des alpenländischen Tourismus, der bald – als „Sommerfrische“ – zu einem Massenphänomen wurde. Dort, im Ferienort, dürstete es die Urlauber nach Unterhaltung – und die Einheimischen lieferten. Sie begannen, Tracht und Bräuche – vom Schuhplatteln bis zum Watschentanz - als Show zu inszenieren. O-Ton 13 Egger „Der Fremdenverkehr spielt eine ganz große Rolle, weil in dem Moment, indem Menschen von außen auf des blicken, was vielleicht vorher selbstverständlich ist. Oder ganz gewöhnlich, muss ich mir überlegen okay, was setze ich in Szene? Was sind vielleicht Bilder, die für meine Region stehen...und das sind dann wieder die Bilder, die gut funktionieren, die eingängig sind: die schöne Alpensilhouette, aber eben auch Dirndl und Lederhosen.“ Sprecherin Besonders das Bauerntheater verbreitete dieses Abzieh-Bild eines Bayern, das vor allem die alpenländischen Bewohner entworfen hatten: Lederbehoste Lackl´n oder Schlitzohren, auf jeden Fall aber urwüchsige Natur-Burschen, die stets ein wenig zur Handgreiflichkeit neigten; die Fingerhakelten und Schuhplattelten – und bei feschen Madln fensterlnten (zum Fensterln gingen). Das stand bald für ganz Bayern. O-Ton 14 Wandinger „Natürlich ist die Lederhose konnotiert immer mit einer Vorstellung von Männlichkeit. Von Schneid, dieses Wilderer-Flair, dieses Jägerische, Almerische. Das schwingt bis heute mit. Und der Draufgänger, ein bisschen Draufgängertum...Ich kann machen, was ich will.“  Sprecherin Oft dürfte dieses Bayern-Bild weniger Realität, als die Sehnsucht von städtischen Urlaubern widergespiegelt haben. (( Städtern – oft selber ländlicher Herkunft – die hofften, mit den Unterhaltungsdarbietungen an der urwüchsigen Kraft und Naturverbundenheit der Einheimischen teilhaben zu können. Stadtbewohner, die glaubten, sich wieder zum echten, erdverbundenen Mannsbild rück-verwandeln zu können, sobald sie die Lederhose überstreiften.)) Sprecher  Angekommen im 20. Jahrhundert, zeigt sich unsere schon etwas speckige Lederhose von zwei Seiten. Je nach Blickwinkel verkörpert sie den wenn nicht revolutionären, so doch zumindest den rebellisch-anarchischer Charakter des Bayern – oder, andererseits, dessen konservative Beharrungskraft: Das Festhalten an einer Gruppen-Identität, vertrauend auf die Gemeinschaft stiftende Macht der Tracht.  Musiktrenner Sprecher Zwei Seiten der Lederhose, die im vergangenen Jahrhundert wohl niemand so ausdrucksstark verkörperte wie der Schriftsteller Oskar Maria Graf. Der ließ sich seine „Krachlederne“ auch von den Nazis nicht nehmen: Die Nationalsozialisten propagierten die Lederhose als „geerbte Vätertracht“, und wollten diese als gesamtdeutsches Kleidungsstück – bereinigt von regionalen Eigenheiten - etablieren. Graf dagegen machte die Lederhose zum Symbol für Heimatliebe wie für Dissidenz – indem er sie sogar im New Yorker Exil selbstbewusst trug. Damit sollte der 1967 verstorbene Autor Vorreiter werden für einen Umgang mit der Lederhose, wie er sich eigentlich erst in den letzten Jahrzehnten durchsetzte. Sprecherin  Doch zunächst einmal verschwand diese gegen Ende der 1960er-Jahre weitgehend aus der Öffentlichkeit. Die Mehrheit hatte genug von der als miefig empfundenen Enge traditioneller Tracht: eine Haltung, zu der die in der Nachkriegszeit populären Heimatfilme nicht unwesentlich beigetragen hatten.  Dies änderte sich mit den 90er-Jahren. Die Professorin für Kulturanthropologie, Simone Egger:  O-Ton 16 Egger „ ….da kommt jetzt plötzlich eine junge Generation, die nicht mehr das Problem hat, sich so massiv von einer Elterngeneration absetzen zu müssen. Und man konnte jetzt diese Dinge auch neu entdecken oder neu erfinden. Und so nach und nach hat sich da so ein neues Interesse tatsächlich entwickelt an Tracht, an Volkskultur, auch an einer Auseinandersetzung irgendwie mit dem: Was ist dieses Bayern eigentlich?“ O-Ton 17 Dettl „ Im Jugendalter, 16, 17 furtgehn, und dann auch nach den Konzerten mit der Blasmusik furtgehn - und dann hat man halt die Lederhosn angehabt. Wenn du in den Reggae und Punkclub gegangen bist, dann war das irgendwie ok….Und das hat hat ein bisschen damit zu tun, dass ich auch heute keine Berührungsängste hab. Wenn ich die Lederhose anhab, gehe ich auch auf Punkkonzerte. Oder in total elitäre Szene-Clubs geh ich auch selbstbewusst mit der Lederhosn eini.“  Sprecher Es sind Prominente wie der LaBrassBanda-Frontman und Trompeter Stefan Dettl, die der Lederhose eine neue Sichtbarkeit verliehen haben – indem sie diese auch außerhalb des erlaubten und erwünschten Rahmens von Blaskapelle und Trachtenverein tragen. Eine andere Strategie, die Lederhose quasi neu zu interpretieren, liegt in der Umgestaltung des Kleidungsstücks selbst. Dem  „Lederhosen-Rebellen“ Michael Thalhammer etwa reichte es bald nicht mehr, seine Krachlederne mit Turnschuhen oder Badelatschen zu kombinieren, wenn er sie auf der Bühne mit seiner Wiesn-Band, den „Wuidara Pistols“, trug. Zwar trug er seine Lederhose ohnehin nicht am Bauchnabel sitzend, sondern lässig unter der Hüfte hängend. Aber irgendwie noch immer nicht cool genug.    O-Ton 18 Thalhammer „Und ich wollte die halt dann zu was besonderem machen: (...) Und hab halt dann bei einem Trachtengeschäft meines Vertrauens in Egling unser Bandlogo drauf sticken lassen. Und ich werde nie den Blick der Seniorchefin vergessen, wo ich gesagt habe, was ich drauf haben will. Weil die Wuidara Pistols haben als Logo einen Totenkopf mit einem Gamsbarthut gehabt. Zwar einen freundlichen Totenkopf, aber es ist ein bleibt der Totenkopf, die hat wirklich gschaut: „WOS, Wos wollen Sie da draufhaben? An Totenkopf?!“ Und dann haben mir die den dann auch mit viel Diskussionen und nicht unbedingt wohlwollend draufgestickt.  Sprecher Der flächig gestickte Totenkopf scheuerte aber beim Tragen der Hose. Thalhammer überlegte - und erinnerte sich an seinen Opa, der hobbymäßig Motive in Holz brannte. Könnte diese Technik nicht auch auf Leder funktionieren? Michael Thalhammer probierte es aus – es klappte. Und Thalhammer machte das Lederhosen-Branding zu einem Business namens Brandner und Kneißl. Eine Lederhose mit individuellem Motiv – das treffe einen Nerv bei Einheimischen, wie bei Kunden aus Übersee. Ein Pilot trage „seine“ Lederhose mit dem Bild eines Flugzeugs; ein junger Surfer ließ sich eine Palme ins Leder brennen; und ein Mexikaner nahm aus Sauerlach eine Lederhose mit einer calavera, einem mexikanischen Totenkopf, mit nach Hause. Seinen Kunden, sagt der „Lederhosen-Rebell“ Thalhammer, gehe es um Individualität und um Zugehörigkeit gleichzeitig. Musikakzent Sprecherin Er sei keine „Lederhosenpolizei“, betont Alexander Wandinger vom „Zentrum für Tracht“ des Bezirks Oberbayern. Wandinger freut sich vielmehr über Vielfalt – und eine neu erwachte Freude an der Tracht: die neue Selbstverständlichkeit mit der die einen sie als Partykleidung nutzten, andere indes die Besonderheiten regionaler Volkskleidung bewahrten. Wobei eine „echte“ Tracht schon seit jeher eine Illusion sei.  O-Ton 20 Wandinger  „Ich würde wirklich sagen: anything goes bei der kurzen Lederhose. Ich persönlich würde immer natürliche Materialien bevorzugen...dass es vielleicht von einem regionalen Säckler oder einer Säcklerin kommt,. Dass man sich einfach was kauft, was man lang hat. Das hat auch was mit Nachhaltigkeit zu tun. Dass man sämisch gegerbtes Hirschleder nimmt...womit man sich nicht vergiftet, wie mit billigem chromgegerbten Ledern. Das ist wichtig. Ansonsten kann man die kurze Lederhose natürlich ganz unterschiedlich anziehen. Ich hab selber zwei Söhne: der eine, der würde die kurze Lederhose nur ganz traditionell anziehen, der andere mit langen Haaren und Bart, der Trick zu kurzen Lederhose oder T-Shirt. Beides sieht überraschenderweise gut aus.“
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Oct 18, 2024 • 23min

Rollentausch? Wenn die Eltern alt werden

Wenn die Eltern alt werden, bekommen sie vielfach Unterstützung von ihren Kindern. Die kümmern und sorgen sich. Doch oft lassen sich die alten Eltern nichts von ihnen sagen. Ein schwieriger Rollentausch, der viel mit Loyalität und Fürsorge, aber auch mit und Wut und Überforderung zu tun hat. Autorin: Karin Lamsfuß Credits Autorin dieser Folge: Karin Lamsfuß Regie: Martin Trauner Es sprachen: Hemma Michel, Sebastian Fischer Technik: Redaktion: Bernhard Kastner Im Interview:Anne Otto, Dipl. Psychologin und Autorin;Dr. Susanne Zank, Professorin für rehabilitationswissenschaftliche Gerontologie;Dr. Katja Werheid, Professorin für Neuropsychologie; Katrin und Barbara, Mutter und kümmernde Tochter, Johanna, Tochter einer demenzkranken Mutter. Diese hörenswerten Folgen von Radiowissen könnten Sie auch interessieren: Dicker als Blut? Warum Kinder mit den Eltern brechen HIER Was schulden wir den Eltern? Zwischen Pflichtgefühl und Abgrenzung HIER Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion: Wie wir ticken - Euer Psychologie Podcast Wie gewinne ich die Kraft der Zuversicht? Warum ist es gesund, dankbar zu sein? Der neue Psychologie Podcast von SWR2 Wissen und Bayern 2 Radiowissen gibt Euch Antworten. Wissenschaftlich fundiert und lebensnach nimmt Euch "Wie wir ticken" mit in die Welt der Psychologie. Konstruktiv und auf den Punkt. Immer mittwochs, exklusiv in der ARD Audiothek und freitags überall, wo ihr sonst eure Podcasts hört. ZUM PODCAST Linktipps: Studie von Susanne Zank zur Lebenssituation Hochaltriger: HIER Literatur: Anne Otto: Für immer Kind, Wie unsere Beziehung zu den Eltern erwachsen wird, Edition Körber, 2022 Katja Werheid: Nicht mehr wie immer. Wie wir unsere alten Eltern begleiten können. Piper 2020 Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. Radiowissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | Radiowissen JETZT ENTDECKEN Das vollständige Manuskript gibt es HIER. Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript: O-Ton 1 Gespräch zwischen Mutter und Tochter (0‘51“) Katrin: Jetzt wohnst du hier im Erdgeschoss in nem Mietshaus, und es ist auch schon mal eingebrochen worden, und vor Jahren… hast du dir so ein doppeltes Schloss machen lassen, und wenn ich mal komme und es ist hier keiner, und dieses wunderbar angebrachte Schloss ist überhaupt nicht abgeschlossen, dann denke ich mir so ‚geht’s noch? Kannst du das mal bitte abschließen?‘  Barbara: Also bei mir ist noch nie eingebrochen worden und bei mir ist auch noch nie was geklaut worden, ich denke, das muss erst mal passieren, bis ich das einsehe, dass ich mich mehr schützen muss.  Katrin: Und dann find ich halt… was heißt, dass ich ein Recht habe, dir das zu sagen… ich will dir das dann sagen, „du das änderst und deine scheiß Tür abschließt, damit nicht eingebrochen wird!“ Barbara: Jaaaa…. Die ist ganz schön streng mit mir! Erzählerin:  Eine ganz typische Szene zwischen der 58jährigen Katrin und ihrer 85jährigen Mutter Barbara. Beide wollen nur ihre Vornamen nennen. Mutter Barbara lebt alleine und kommt eigentlich noch gut klar.  Doch immer öfter braucht sie Unterstützung von ihren beiden Töchtern: bei Bankgeschäften, Behördenschreiben, bei Arztbesuchen oder der Bedienung ihres Hörgeräts. In Musik einbetten O-Ton 2 Gespräch zwischen Mutter und Tochter (0‘11) Katrin: Fühlst du dich denn getadelt, wenn ich sage „Zieh mal das Hörgerät an!“? Barbara: Jooo… Ich denke, ich kann das alleine bestimmen, ob ich das anziehe oder nicht.  Katrin: Denkst du dann, ich bevormunde dich?  Erzählerin:  Katrin kümmert sich gerne. Doch sie hat oft etwas andere Vorstellungen davon, was das Richtige für ihre Mutter ist. Das sorgt manchmal für Konflikte.  Sprecher:  Fast alle erwachsenen Kinder erleben solche oder ähnliche Situationen. Es passiert schleichend. Irgendwann zwischen 40 und 60. Lange Zeit war die Beziehung zwischen ihnen und den Eltern auf Augenhöhe. Und plötzlich verändert sich etwas: Die alten Eltern benötigen Unterstützung.  O-Ton 3 Anne Otto (0‘24“):  Ich hab das ja selbst in meinem Freundeskreis festgestellt, dass immer mehr Leute von ihren ganz alten Eltern erzählen und sind selbst schon so um die 50, 60 und kümmern sich jetzt um 80-, 90jährige, andererseits bedeutet das, dass man dieser Beziehung auch immer eine neue Form geben muss und sich wahrscheinlich auch immer neu abgrenzen – einfach bewusster.  Erzählerin:  Sagt die Psychologin Anne Otto. Für ihr Buch „Für immer Kind – Wie unsere Beziehung zu den Eltern erwachsen wird“ – hat sie erwachsene Kinder interviewt, die sich um ihre alten Eltern kümmern. O-Ton 4 Anne Otto (0‘13“):  Das gab es so früher nicht, eine Zahl, die kommt aus ner Studie von Hans Bertram, einem Sozialwissenschaftler, der halt sagte: Vor 100 Jahren hatten Väter und Kinder nur 15 gemeinsame Jahre! 15 bis 20. Heute sind das 60!  Sprecher:  Viele träumen von der Vorstellung, wo die Alten - intergiert in die Familie - liebevoll bis zum Schluss versorgt werden. Und die Kinder den Eltern von Herzen das zurückgeben, was sie selbst einmal bekommen haben. Das gibt es nach wie vor. Doch die meisten tun sich schwer mit dem Rollentausch. Diese neue, oft lange gemeinsame Lebensphase zu gestalten ist für viele eine große Herausforderung. Vor allem ab dem Moment, wo die Eltern Hilfe brauchen. Anfangs sind es meist nur Dinge des Alltags wie Einkaufen, Behördengänge oder Bankgeschäfte. Später vielleicht auch Beantragen einer Pflegestufe. Oder Unterstützung bei der Körperpflege. Die alten Eltern müssen ihre erwachsenen Kinder zunehmend um Hilfe bitten und geraten in eine abhängige Rolle. Nicht ganz einfach. Erzählerin:  Auch die 85jährige Barbara bemerkt die Rollenumkehr: Obwohl sie sich gut mit ihren beiden Töchtern versteht, ist es ein seltsames Gefühl: Plötzlich ist sie nicht mehr die „Wissende“ die „Erfahrene“, die ihren Kindern die Welt erklärt. Nun braucht sie selbst Hilfe. Nach Jahrzehnten der Autonomie. O-Ton 5 Barbara (0‘28“):  Ich war ja immer schon alleine, also ohne Mann, und musste immer alles alleine machen und denke: Ich kann alles alleine, und bin froh, dass ich in meinem Alter noch so das kann, was ich so möchte, aber ich sag ja: Ich fühle mich getadelt, und ich hab auch etwas Angst vor Katrin, wenn ich weiß, die kommt: „Hast du auch die Tür zwei Mal abgeschlossen? Hast du auch die Waschmaschinentür aufgelassen?“ Sprecher:  Wenn alte Eltern erkennen, dass sie manches nicht mehr allein können, tut das erst mal weh.  Erzählerin: Dr. Susanne Zank ist Professorin für Rehabilitationswissenschaftliche Gerontologie an der Uni Köln und hat in einer großen repräsentativen Studie die Lebenssituation der Hochbetagten untersucht, also der Menschen über 80.  O-Ton 6 Susanne Zank (0‘30“):  Da ist offenbar eine sehr, sehr große Angst davor, wahrzunehmen, dass die eigenen Kräfte geschwunden sind, und das kann man nicht mal so eben ablegen. Und wenn ich 70 Jahre lang völlig selbstständig gelebt habe, und das für mich auch ein großer Wert war und ist, autonom zu sein, selbstständig zu sein, und da kommt dann auf einmal dieses blöde Kind – das ist jetzt zwar auch 60 Jahre alt – und will mir erzählen, was ich zu tun und zu lassen habe! Sprecher:  Wenn die alten Eltern zunehmend hilfsbedürftig werden, lassen sie sich ungern etwas sagen. Von ihren eigenen Kindern oft schon mal gar nicht.  Erzählerin:  Das sorgt für Zündstoff, sagt die Psychotherapeutin und Neuropsychologin Prof. Katja Werheid. Vor allem dann, wenn alte Eltern und kümmernde Kinder kein wirklich liebevolles Verhältnis zueinander haben.  O-Ton 7 Katja Werheid (0‘27“) Selbst, wenn es Konflikte gibt, selbst wenn die Beziehung nicht so eng ist – trotzdem lässt das Kinder nicht kalt, wenn ihre Eltern gebrechlich werden. Im Gegenteil: Da kommen diese ganzen Fragen von Schuld, warum ich, warum nicht meine Geschwister? Also diese ganzen Geschichten kommen dann wieder hoch; ich bin nicht unbedingt immer dafür, dass man alles geraderaus ansprechen muss.  Musikzäsur Erzählerin:  Johanna hatte ein konfliktbeladenes Verhältnis zu ihren Eltern. Statt Liebe erfuhr sie Strenge, Druck und Härte. Mit 18 verließ sie ihr Elternhaus, ging ins Ausland und zog in eine andere Stadt, etwa 300 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt.  Der Kontakt zu den Eltern war eher spärlich. Als der Vater starb, besuchte sie alle paar Wochen ihre Mutter. Widerwillig.  O-Ton 8 Johanna (0‘22“):  Da hab ich sehr drunter gelitten, und bin da manches Mal hingefahren und völlig verzweifelt nach Hause gefahren, weil nur Boshaftigkeit war, weil sie sehr in so alten Geschichten auch wühlen konnte, die zwischen uns schief gelaufen sind und ich gedacht hab: ‚oh Gott, diese weiter Fahrt, das viele Geld, was du verfährst – das um dich fertig machen zu lassen?‘  O-Ton 9 Anne Otto (0‘13“):  Jetzt ist man ja erwachsen, fühlt sich eigentlich sehr souverän, kommt dann ins Elternhaus und wird dann mit alten Sätzen und alten Triggern konfrontiert und ist dann sofort in Gefühlen aus der Kindheit.  Erzählerin:  Nach dem Tod des Vaters veränderte Johannas Mutter ihr Wesen. Kam mit vielem nicht mehr klar. Johanna befürchtete: Demenz. O-Ton 10 Johanna (0‘29“) Und habe dann bei einem Psychiater an ihrem Wohnort einen Termin vereinbart, um das mal checken zu lassen, da hat sie sich gebärdet wie eine Wilde: Sie wär doch nicht verrückt! Und hab mit viel Geduld es geschafft, dass sie mit mir dahin gegangen ist, dann saßen wir in der Sprechstunde, es war ein rammelvolles Sprechzimmer, wir mussten Stunden warten, sie stand mehrfach auf und wollte rausrennen, und meckerte: „Das brauch ich nicht! Ich will hier nicht warten!“  Sprecher:  Rollenumkehr. Es gibt einen Punkt, an dem erwachsene Kinder ihre Eltern nicht nur unterstützen und ihnen gleichzeitig ihre Autonomie lassen, sondern in hohem Maße Verantwortung für deren Leben übernehmen. Übernehmen müssen.  Erzählerin:  Johannas 80jährige Mutter, so diagnostizierte der Arzt, sei in einem Stadium fortgeschrittener Demenz. So machten sich Johanna und ihre Schwester auf die Suche nach einem guten Platz für die Mutter. Hinter deren Rücken. O-Ton 11 Johanna (0‘20“):  Ich hatte oft das Gefühl, ich hab nicht das Recht in ihr Leben einzugreifen. Man überschreitet Grenzen dessen, was zwischen Eltern und Kindern normal üblich ist. Ich hab viele schlaflose Nächte darüber gehabt, ich hab nicht gewusst: Darf ich das? Soll ich das? Kann ich das? Muss ich das? Es war einfach richtig, richtig schwer. Erzählerin:  Es fällt leichter, so die Psychologin Anne Otto, wenn Kinder ihren alten Eltern schon in guten Zeiten über die entscheidende Frage gesprochen haben: Was ist, wenn du mal nicht mehr für dich sorgen kannst? O-Ton 12 Anne Otto (0‘49“):  Und die Tendenz ist dann häufig, es bis zum letzten aufzuschieben, und ich hab ja auch für das Buch mit vielen Familien gesprochen, und es war immer wieder das gleiche Muster: Erst wenn die alten Eltern stürzen oder eine schwierigere Erkrankung da ist, dann wird dieses Thema unheimlich forciert. Auf ne Art ist das auch verständlich, aber ich glaube, dass es gut ist, mit nem bisschen längeren Anlauf… dass man guckt: Wie wollen wir das eigentlich gestalten? Denn irgendwann kommt das, und immer mal wieder dieses Thema aufgreifen: „Wie willst du später wohnen? Möchtest du mal in die Stadt ziehen, in der ich bin? Was für ne Art von Pflege?“ und dass man sich da so ein bisschen gemeinsam vortastet.  Erzählerin:  Johanna und ihre Mutter konnten nie darüber sprechen. Vielmehr verhakten sie sich im täglichen Kampf um die Grundversorgung: Haarewaschen, Nägel schneiden, Kühlschrank leerräumen, in dem die Mutter 15 Pakete Wiener Würstchen und sieben Pakete Butter hortete. Vieles schon vergammelt. Die Rollen kehrten sich um.  O-Ton 13 Johanna (0‘06“):  Das hat auch zu unglaublichem Streit geführt, dann schrie sie rum „Ich lass mich nicht entmündigen von dir, hau ab!“  Sprecher: Respektvoll und fürsorglich mit garstigen, abweisenden, vielleicht auch wütenden alten Eltern umzugehen, kann zur riesengroßen Herausforderung werden.  Erzählerin:  Susanne Zank sagt: Der erste Schritt ist es, anzuerkennen, dass auch das, was den Kindern als absurd und unvernünftig erscheint, in den Augen der Eltern eine Berechtigung hat: Hinter jeder Abwehrreaktion steckt eine tieferliegende Angst. O-Ton 14 Susanne Zank (0‘18“):  „Man will mich entmündigen!“ Man muss im Einzelfall gucken: Was könnte dahinterstecken? Was ist die konkrete Bedrohung dieser Person vor dem Hintergrund ihrer Biografie? Was ist daran so schrecklich, Hilfestellungen anzunehmen?  Erzählerin:  Dabei sei hilfreich, so die Psychologin Anne Ottto ist es, wenn Kinder zuvor etwas erreicht haben, was man in der Fachsprache „filiale Reife“ nennt. O-Ton 15 Anne Otto (0‘16“):  Dass man z.B. sagt:  Ich will von meinen Eltern nicht mehr kindliche Bedürfnisse befriedigt haben oder ich sehe meine Eltern als ‚ganze‘ Menschen und nicht nur als meine Eltern, da gibt es Konzepte, wie man das lernen kann, in einem anderen Verhältnis zu den Eltern zu stehen.  Sprecher:  Filiale Reife heißt: Von den Eltern nichts mehr erwarten. Ihnen erwachsen begegnen. Akzeptieren, dass vielleicht noch alte Rechnungen offen sind, die niemals mehr beglichen werden. Und sie sehen als das, was sie sind: alte Menschen, die ihr Leben gelebt haben und nun vielleicht hilfsbedürftig sind.  Erzählerin:  Wenn die Eltern mit Wut und Abwehr reagieren, hilft es, etwas Grundlegendes zu verstehen, so Susanne Zank, Professorin für Rehabilitationswissenschaftliche Gerontologie: Die heute 80jährigen sind Kriegskinder. Und in diesen Biografien gibt es Gemeinsamkeiten:  O-Ton 16 Susanne Zank (0‘29“):  Dass sie sehr schnell sehr selbstständig werden mussten keine Schwäche zeigen, nicht hilfsbedürftig sein, sondern im Gegenteil: Zu einer Zeit, wo sie vielleicht selbst hilfsbedürftig waren, durften sie es nicht sein, Wenn Sie in ihrem ureigensten Kern das Gefühl haben ‚Ich muss besonders stark sein!‘, dann fällt es Ihnen auch sehr, sehr schwer, überhaupt wahrzunehmen, dass Sie jetzt weitere Unterstützung brauchen.  Sprecher:  Eltern, die nur schwer Hilfe annehmen können und Kinder, die sich verantwortlich fühlen. Manchmal über-verantwortlich. Ein Konflikt, der oft schwer auszuhalten ist.  Musikzäsur Erzählerin:  Vor einiger Zeit hatte sich Katrin große Sorgen um ihre Mutter gemacht, die für viele Wochen im Krankenhaus war. Nach einer großen Operation war sie anfangs sehr geschwächt und wackelig auf den Beinen. Katrin hatte Sorgen, dass die Mutter stürzt. In Musik einbetten O-Ton 17a Gespräch zwischen Mutter und Tochter (0‘23“) Katrin: 31‘30“ Du hast ein Riesen Theater gemacht! „Ich geh doch nicht mit dem Rollator über die Straße! Bist du irre? Brauch ich nicht!“ geht weiter, Überhang O-Ton zum Unterlegen Erzählerin darüber:  Und während Katrin argumentiert, dass der Rollator ein tolles Hilfsmittel ist, verzieht Mutter Barbara nur angewidert den Mund. Ihre größte Sorge:  O-Ton 17b Gespräch zwischen Mutter und Tochter (0‘08“) wieder hochziehen:  Barbara: Dass ich hier ziemlich bekannt bin und dass dann alle Leute sehen „Guck mal, die Barbara, die geht jetzt auch am Rollator! Ist die so alt geworden? Sprecher:  Brille, Hörgerät, Rollator, vielleicht auch irgendwann Inkontinenzeinlagen. Das sind nicht nur sinnvolle Hilfsmittel, sondern auch Symbole. Symbole fürs Älterwerden, für den Verlust von Fähigkeiten, für schmerzhafte Abschiede von dem, was ein Leben lang selbstverständlich war.  Erzählerin:  Für Barbara spricht der Rollator seine ganz eigene Sprache: O-Ton 18 Mutter und Tochter (0‘07“) Barbara: Dass man nicht mehr alleine gehen kann. Katrin: Und dass man ein tolles Hilfsmittel hat?! Barbara: Man kann so viel nicht mehr, wenn man älter wird! Erzählerin:  Alt zu werden ist für viele Menschen eine ganz große Herausforderung, weiß Susanne Zank: O-Ton 19 Susanne Zank:  Das ist ne massive Kränkung. Man muss sich damit arrangieren, dass Verluste häufiger werden, diese körperlichen Verluste, aber natürlich auch soziale Verluste, und insofern sind die meisten alten Menschen eigentlich sehr gut darin, sich zu adaptieren. Aber nicht von heute auf morgen! Sprecher:  An dem Punkt entsteht ein großes Spannungsfeld, das für die erwachsenen Kinder nur schwer auszuhalten ist: Natürlich haben sie nicht das Recht, ihren Eltern Hilfsmittel vorzuschreiben oder riskantes Verhalten zu verbieten. Gleichzeitig haben Kinder ein berechtigtes Interesse, dass die Eltern so lange wie möglich gesund und selbstständig bleiben. Denn wer wird sich im Pflegefall kümmern? Die erwachsenen Kinder natürlich. Die aber sind oft schon am Limit: gehen Vollzeit arbeiten, haben eine eigene Familie und sind zudem in einem Alter, in dem sich oft erste gesundheitliche Baustellen zeigen. Die Energie schwindet. Das Kümmern um die eigenen Eltern wird zum Kraftakt.  Musikzäsur Sprecher:  Wie spricht man diese Dinge am besten mit den alten Eltern an? So dass sie nicht in Trotz und Abwehr verfallen und sich bevormundet fühlen? Erzählerin:  Die Neuropsychologin Katja Werheid sagt: Es ist sinnvoll, nicht in der Situation zu streiten, sondern in einem ruhigen Moment konkrete Erlebnisse anzusprechen.  O-Ton 20 Katja Werheid (0‘38“):  Zu sagen: „Ich mach mir Sorgen!“ Also ich mach mir Sorgen, nicht du musst was ändern. Ich weiß nicht: Ist das jetzt noch sicher, und wenn ich jetzt so weit entfernt wohne, oder wenn du hier allein unterwegs bist, fühlst du dich dann noch sicher? Vielleicht hast du ja auch einen anderen Vorschlag.“ Vielleicht ist es nicht der Rollator, sondern erst mal der Stock oder der Handlauf, der montiert werden muss… also im Gespräch bleiben, das ist das, was wichtig ist, nicht so im Tiefflug reingeschneit kommen, schnell mal Ratschläge an alle verteilen und dann wieder abziehen, und die Eltern dann völlig entkräftet da sitzen und denken: Naja, jetzt hat er oder sie es uns mal wieder gegeben! Erzählerin:  Geduldig, langsam, gegebenenfalls auch mehrfach ansprechen. Mal führt das zum Erfolg, gibt Katja Werheid zu, mal nicht. Musikzäsur Sprecher:  Das Thema „Autofahren“ ist vielleicht das brisanteste unter den Eltern-Kind-Themen. Jedenfalls sorgt es für maximalen Zündstoff. Denn da geht es nicht nur um die eigene Unversehrtheit, sondern auch um die anderer Menschen.  Musik, dann darüber: O-Ton 21 Gespräch zwischen Mutter und Tochter (0‘29“)  Katrin: Autofahren ist ein sehr schwieriges Thema. Barbara. Warum? Katrin: Dass ich finde, dass du schlimm Auto fährst, das weißt du ja. Barbara: Das kann ich überhaupt nicht akzeptieren. Ich bin die beste Autofahrerin der Welt. Katrin: Ein Blick rechts über die Schulter - kommt da ein Fahrrad oder nicht? machst du nie.  Barbara: Doch! Katrin: Ich wundere mich total, dass du noch nie einen Fahrradfahrer totgefahren hast,  Barbara: Ich gucke immer nach rechts! Ich gucke überhaupt überall hin! Ich bin sehr aufmerksam! Sprecher:  Autofahren ist vielleicht die letzte Bastion der schwindenden Selbständigkeit. Autofahren bedeutet: Am Leben teilnehmen, Menschen treffen, selbstständig einkaufen gehen, einfach unabhängig sein. Auf dem Land noch mehr als in der Stadt.  [[ O-Ton 22 Barbara (0‘17“):  Da denk ich immer: Hoffentlich passiert mir das nie, dass ich wen umfahre. Aber das weiß ich nicht, ob das ein Grund wäre, den Führerschein abzugeben. Also das Auto ist mir schon sehr wichtig. Und ich bin der Überzeugung, dass ich ne gute Autofahrerin bin. Erzählerin:  Nach dem Interview wurde Barbara übrigens nachdenklich und hat zum ersten Mal das Thema ‚Autofahren‘ hinterfragt. Ganz vorsichtig. Das Ergebnis steht noch aus.]] Sprecher:  Es ist ein schwieriger Rollentausch, der viel mit Loyalität und Fürsorge, aber auch mit Wut und Überforderung zu tun hat. Musikzäsur Erzählerin:  Die Ereignisse bei Johanna und ihrer demenzkranken Mutter überschlugen sich. Die Mutter drehte mehrfach stundenlang die Gasflamme auf und verließ das Haus. Rief immer wieder die Polizei, weil ihr angeblich etwas gestohlen wurde. Verstaute die Socken im Gemüsefach. Nun war klar: Sie konnte nicht mehr alleine wohnen. Johanna hatte sich bereits hinter dem Rücken der Mutter nach einem Platz für betreutes Wohnen umgeschaut.  O-Ton 23 Johanna (0‘28“):  Da hat sie erst mal genickt. Es war auch ne gewisse Erleichterung spürbar, die auch einen Moment angehalten hat. Am nächsten Morgen gab’s ein riesen Theater: Sie ginge da nicht hin, und sie käme prima zurecht, alles wäre ja sauber und ordentlich, und dann hab ich gesagt „Mama, das stimmt alles, es ist sauber und ordentlich, wir gucken es uns einfach mal an.“ Und sie war eigentlich ganz angetan. Es hatte so ein bisschen den Eindruck eines netten Hotels. Erzählerin:  Die Mutter war einverstanden, der Vertrag wurde unterschrieben. Es kam der Tag des Umzugs.  O-Ton 24 Johanna (0‘33“):  Das ging noch relativ gut. Dann hat sie ein oder zwei Nächte dort verbracht, und dann haben wir die Wohnung räumen lassen, und plötzlich stand sie in ihrer alten Wohnung. Sie hatte offenbar noch einen Schlüssel und rastete so völlig aus: Wir hätten sie gegen ihren Willen in ein anderes Zuhause gebracht, und sie käme jetzt zurück, sie hätte das schon alles organisiert und sie schrie und brüllte, wir wären gegen die verbündet, wir wollten sie abschieben… also es war wirklich schrecklich. Kurzer Musikakzent O-Ton 25 Johanna (0‘31“):  Ich hatte auch mit den Tränen zu kämpfen, und ich hatte von dem Psychiater eine Tablette, ich weiß nicht mehr, was das war, er sagt: Die wirkt ganz schnell, dann kommt die runter. Dann haben wir sie alleine gelassen und sind ein paar Mal um den Block gegangen, und wir kamen zurück und sie saß ganz friedlich am Küchentisch, und völlig willenlos ließ sie sich dann zurück transportieren, meine Schwester ist bei ihr geblieben, ich hab dann weiter räumen lassen, und wir haben dann den Schlüssel einfach weggenommen.  Erzählerin:  Johanna musste ihre eigene Mutter bevormunden, Entscheidungen für sie treffen, zeitweise sogar gegen deren Willen. So wie die Mutter es früher getan hat, als Johanna klein war. Dieser Rollentausch fühlte sich einerseits richtig an und andererseits verkehrt.  O-Ton 26 Johanna (0‘34“): Ganz schwierig war für mich in der ganzen Phase mit meiner Mutter, dass ich nicht das Recht hatte, sie zu manipulieren, sie zu hintergehen, also hinter ihrem Rücken ein anderes Zuhause zu suchen, nicht ehrlich mit ihr umzugehen, gleichzeitig wuchs in mir auch so ein Gefühl von Pflicht, ich hab die Pflicht, für sie zu entscheiden, wenn sie es nicht mehr kann, und diese widerstrebenden Gefühle auszuhalten, war oft total schwer. Erzählerin:  Die Neuropsychologin Katja Werheid sagt: Auch die Eltern kommen mit diesem Rollentausch aus einem weiteren Grund nicht gut klar:  Denn für sie bleibt auch das erwachsene Kind – von dem sie zunehmend abhängiger werden - immer ein bisschen Kind. Das Kind, das sie einst versorgt haben. O-Ton 27 Katja Werheid (0‘13“):  Und das sind auch sehr, sehr einprägsame Erlebnisse, die einem, selbst wenn man stark demenzkrank ist, immer noch präsent sind, wie man sein Kleinkind, sein Baby damals im Arm gehalten hat, das vergisst man nicht.  Musikzäsur Sprecher:  Generell ist es für erwachsene Kinder eine große Herausforderung zu einem tieferen Verständnis für ihre alten Eltern zu kommen: die einst als Kriegskinder geboren wurden und viel zu früh viel zu selbstständig waren. Für die Hilfe annehmen viel mit Schwäche zu tun hat.  Die den Schmerz der vielen Verluste im Alter tragen. Deren Radius immer weiter schrumpft. Und die vielleicht irgendwann mal völlig hilflos werden.  Und gleichzeitig gilt es für die erwachsenen Kinder zu begreifen, dass sie von den alten Eltern nichts mehr erwarten können und vieles für immer ungelöst und ungeklärt bleiben wird. Erzählerin:  Johannas Mutter gefiel es gut im betreuten Wohnen. Trotzdem baute sie in kurzer Zeit ab. Die Demenz schritt voran. Nach eineinhalb Jahren starb die Mutter an einem Herzinfarkt. Johanna hatte schon lange vorher ihren Frieden mit der Mutter geschlossen: O-Ton 28 Johanna (0‘24“):  Wenn ich an sie denke, denke ich nicht als strafende Mutter an sie, sondern als alte Frau, mit der ich auch manchmal noch lachen konnte und echten Spaß haben konnte und die mir gut war und der ich gut sein konnte. Und wo ne tiefe Liebe da war, die nicht mehr so nach Erwiderung gesucht hat. Und das hat mich dann auch den Tod von ihr, der dann ja sehr plötzlich kam, sehr gut überwinden lassen. 
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Oct 17, 2024 • 20min

Die 70er-Jahre - Utopie und Ernüchterung in der BRD

Die Siebziger Jahre begannen grenzenlos optimistisch, was sich auch in Design, Musik und Architektur widerspiegelte. Doch die Ölpreiskrise 1973 läutete das Ende des Nachkriegsbooms ein, und eine allgemeine Zukunftsangst begann um sich zu greifen. Ein Jahrzehnt zwischen Aufbruch und Krise. Autorin: Julia Devlin (BR 2023) Credits Autorin dieser Folge: Julia Devlin Regie: Sabine Kienhöfer Es sprachen: Hemma Michel Technik: Susanne Harasim Redaktion: Thomas Morawetz Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Interviewpartner/innen:Prof. Markus Caspers, Professor für Gestaltung und Medien, Hochschule Neu-Ulm; Prof. Thomas Raithel, Institut für Zeitgeschichte, München Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Die 80er-Jahre in der BRD - Von Pershings und YuppiesJETZT ANHÖREN Deutschland in den 1990ern - Vom Ende des Kalten Kriegs bis Nine-ElevenJETZT ANHÖREN Linktipps: Noch mehr Interesse an Geschichte? Dann empfehlen wir: ALLES GESCHICHTE - HISTORY VON RADIOWISSEN Skurril, anrührend, witzig und oft überraschend. Das Kalenderblatt erzählt geschichtliche Anekdoten zum Tagesdatum. Ein Angebot des Bayerischen Rundrunks. DAS KALENDERBLATT  Frauen ins Rampenlicht! Der Instagramkanal frauen_geschichte versorgt Sie regelmäßig mit spannenden Posts über Frauen, die Geschichte schrieben. Ein Angebot des Bayerischen Rundfunks. EXTERNER LINK | INSTAGRAMKANAL frauen_geschichte Literaturtipps: Markus Caspers: 70er. Einmal Zukunft und zurück. Utopie und Alltag 1969-1977. Köln 1997; Thomas Raithel: Jugendarbeitslosigkeit in der Bundesrepublik. Entwicklung und Auseinandersetzung während der 1970er und 1980er Jahre. München 2012; Konrad H. Jarausch, Krise oder Aufbruch? Historische Annäherungen an die 1970er-Jahre, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 3 (2006), H. 3 Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN
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Oct 17, 2024 • 24min

Kants Kategorischer Imperativ - Veraltet oder brandaktuell?

Der "Kategorische Imperativ" des Königsberger Philosophen Immanuel Kant greift die Denkfigur der Allgemeingültigkeit moralischer Entscheidungen auf und fordert, dass die Tat einer Einzelperson nicht ausnahmsweise, sondern immer die Kriterien der Vorbildlichkeit erfüllen sollten. Autorin: Claudia Simone Dorchain (BR 2023) Credits Autorin dieser Folge: Claudia Simone Dorchain Regie: Christiane Klenz Es sprachen: Ditte Ferrigan, Andreas Neumann, Frank Manhold, Beate Himmelstoß Technik: Christiane Gerheuser-Kamp Redaktion: Bernhard Kastner Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Interviewpartner/innen:Prof. Dr. Volker Ladenthin, Professor für Allgemeine und historische Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Immanuel Kant - Der Weltweise aus KönigsbergJETZT ANHÖREN Vernunft als Wahrheit - Gedanken zur AufklärungJETZT ANHÖREN Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN
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Oct 16, 2024 • 23min

Max Reger - Orgelwerke und Choralfantasien

Irgendwie haben's die Oberpfälzer in Bayern drauf. Zumindest was die Musik betrifft. In der Oberpfalz wurde der Erneuerer der Oper, Christoph Willibald Gluck geboren. Der Erfinder des Metronoms, Johann Mälzel, auch der stammt von dort. Und in der Oberpfalz erblickte auch das Genie der Orgelmusik, Max Reger, das Licht der Welt. Von Martin Trauner (BR 2023) Credits Autor dieser Folge: Martin Trauner Regie: Martin Trauner Es sprachen: Maren Ulrich, Peter Weiß Technik: Ursula Kirstein Redaktion: Andrea Bräu Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Interviewpartner:Prof. Dr. phil. Wolfgang Rathert, LMU München  Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Johann Sebastian Bach Genie mit LangzeitwirkungJETZT ANHÖREN Orgeln in der Synagoge - Die jüdische Reformbewegung und ihre MusikJETZT ANHÖREN Literaturtipps: „Max Reger – Werk statt Leben“ von Susanne Popp;„Max Reger und seine Zeit“ von Rainer Caldenbach Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN
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Oct 16, 2024 • 23min

Heureka! Große Geistesblitze und kleine Ideen

Jeder kennt das: Man kaut wochenlang, monatelang auf einem Problem herum - und es passiert einfach nichts. Und ganz plötzlich platzt der Knoten. Alles ist glasklar. Die Lösung scheint vom Himmel gefallen zu sein. Doch ist sie das wirklich? Nein. Sie ist vielmehr das Ergebnis eines längeren, unbewussten Prozesses. Autorin: Karin Lamsfuß (BR 2023) Credits Autorin dieser Folge: Karin Lamsfuß Regie: Kirsten Böttcher Es sprachen: Julia Fischer, Christian Baumann Technik: Susanne Herzig Redaktion: Bernhard Kastner Das Manuskript zur Folge gibt es HIER. Interviewpartner/innen:Prof. Claus Eurich, emeritierter Ethik-Professor;Prof. Norbert Groeben, Psychologieprofessor;Dr. Gerd Achenbach, Philosoph;Eva Oelze, Architektin und Konditorin Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren: Finsternis und Kreativität - Eine unterschätzte PerspektiveJETZT ANHÖREN Wie ideale Teams funktionieren - Gemeinsam ans ZielJETZT ANHÖREN Hurra, falsch! - Aus Fehlern lernenJETZT ANHÖREN Literaturtipps: Claus Eurich: Endlichkeit und Versöhnung (mit eigenem Kapitel über die Erkenntnis). Claudius Verlag, 2022. Norbert Groeben: Kleines Kreativitäts-Kompendium. WBG acamedic, 2022. Konrad Lehmann: Das schöpferische Gehirn. Springer, 2017. Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de. RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek: ARD Audiothek | RadioWissen JETZT ENTDECKEN

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