Mindmaps: der Philosophiepodcast (RefLab)

Manuel Schmid & Heinzpeter Hempelmann
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Apr 8, 2023 • 55min

Mittelalterliche Philosophie: Was gibt es im finsteren Mittelalter zu holen?

Wir steigen in eine neue Staffel von «mindmaps» ein – und müssen dafür vielleicht ein bisschen mehr werben als sonst. Denn es geht in den nächsten Folgen um die Philosophie des Mittelalters. Diese Epoche hat einen denkbar schlechten Ruf. Man spricht gerne vom «finsteren Mittelalter», denkt an Kreuzzüge und Hexenverbrennungen und kann sich schlecht vorstellen, dass es von dieser Zeit irgendetwas zu lernen gibt. In dieser Einführungsfolge fragen wir darum zuerst nach den ideologischen Vorurteilen, die hinter der Einteilung der Geschichte und ihren Epochennamen stehen. Und dann zeigt Peter auf, wie bunt und dynamisch das Mittelalter war, und wie ernsthaft gerade in dieser Epoche um die Rationalität der eigenen Weltanschauung gerungen wurde. Die gängige Unterstellung, dass das Mittelalter die Abendländische Kultur weit hinter das geistige Niveau der antiken Philosophie zurückgeworfen und auf einen wissenschaftsfeindlichen Kirchenglauben verpflichtet habe, ist eben nur das: eine Unterstellung. Trotzdem schließt die Folge mit einer klaren Kritik am verhängnisvollen Bettgemeinschaft von Kirche und Staat in dieser Zeit, die prophetische und systemkritische Stimmen innerhalb der Kirche nicht mehr zu Wort kommen liess – und wir fragen uns, wie denn in den heutigen Verhältnissen ein prophetischer Einspruch von Seiten der Kirche aussehen könnte, und wo er dringend nötig wäre…
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Jul 15, 2022 • 45min

Special: Gibt es eine universale Moral? (Teil 2)

In diesem zweiten Teil des «mindmaps»-Specials zur Frage der Moralbegründung kommt zuerst der Shootingstar der deutschen Philosophieszene, Markus Gabriel, ausführlich zu Wort. Er vertritt ausgesprochen vollmundig einen «Moralischen Realismus» und ist überzeugt, dass die grundlegenden moralischen Werte, welche wir für tägliche Entscheidungen und das Zusammenleben der Menschen benötigen, völlig offensichtlich sind. Im Gespräch von Manuel und Peter wird deutlich, wie dünn das Eis unter solchen Behauptungen ist – und wie stark sie von einem eurozentrischen, imperialistischen Impuls getragen sind, der einer kritischen Überprüfung nicht standhält. Es gibt eben – man könnte seufzend anfügen: leider! – keine universalen moralischen Gesetze, welche für jeden Menschen auf der Hand liegen. Wie aber können dann moralische Werte vertreten und verteidigt werden? Hat nicht gerade das Christentum hier starke Ansprüche anzumelden? Peter schlägt einen ganz anderen, gewissermassen jesuanischen Weg vor, der erst gar nicht versucht, die eigenen handlungsleitenden Maximen als allgemeingültig zu demonstrieren, sondern sich in der konkreten Begegnung mit anderen Menschen bewährt…
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Jul 1, 2022 • 53min

Special: Gibt es eine universale Moral? (Teil 1)

Wir legen nochmal einen oben drauf – oder sogar zwei: In diesem angeregten Gespräch gehen Manuel und Peter der Frage nach, ob und wie sich moralische Werte begründen lassen. Was nach einer philosophischen Spezialdiskussion klingt, ist in Wirklichkeit eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit. Spätestens der Ukrainekrieg hat uns vor Augen geführt, wie unterschiedlich moralische Intuitionen und Prinzipien sein können – und wie fundamental sich sogar Menschen, welche dieselben Ziele verfolgen (etwa den Frieden zwischen zwei Nationen) im Blick auf die Mittel sein können, mit denen diese Ziele verfolgt werden (etwa gewaltloser Widerstand versus militärische Gegenwehr…). Diese Folge beschäftigt sich u.a. mit den Versuchen, eine universale Moral durch ein Naturrecht oder durch den Verweis auf Gottes Schöpfungsordnungen zu verteidigen, dann aber auch mit den aufklärerischen Anläufen, den Verstand zur unbestechtlichen Richterin über ethischen Fragen zu machen. Das Gespräch zeigt, dass all diese gängigen Begründungsversuche ins Leere laufen…
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Jun 17, 2022 • 32min

Sind Hedonisten noch zu retten? (Nachtrag zum Epikureismus)

Vor kurzem haben wir den Epikureismus als prakti-sche Philosophie des Lebensglücks kennen gelernt. Maximierung der Lust und Minimierung des Schmerzes – das sind die beiden Leitsterne dieser Lebenshaltung. In der Diskussion hat diese Strö-mung der römischen Philosophie ziemlich schlecht abgeschnitten. In der heutigen Folge nehmen wir diesen Faden noch einmal auf. Und diesmal bricht Peter eine Lanze für ein Leben, das Genießen gelernt hat – und er zeigt auf, woher die tiefsitzende Verdächtigung leiblicher Genüsse im Christentum herkommt. Dabei kommen Manuel und Peter auch auf das ge-sellschaftliche Milieu der sogenannten «Konsumhe-donisten» zu sprechen, welche die Kirche als ultima-tive Spaßbremse wahrnehmen. Und Peter prägt den wunderbaren Slogan einer genußfreundlichen Kir-che: «In Sachen Lebensfreude lassen wir uns von niemandem was vormachen!» Viel… ja: Genuss mit dieser Folge!
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Jun 3, 2022 • 47min

Leben wir für Lust und Glück? (Epikureismus)

Epikur ist als Vordenker heutiger Hedonisten in Erinnerung geblieben. YOLO! («You Only Live Once») – darum gib dein Geld heute aus, suche den sofortigen Kick und lebe als gäbe es kein Morgen! Tatsächlich hat sich Epikur aber für ein ausgeglichenes Leben und die Zügelung der Begierden ausgesprochen. Es ging ihm um einen reflektierten und nachhaltigen Umgang mit dem, was uns glücklich macht. Das schließt die Pflege der Tugenden und die Wertschätzung der Mitmenschen ausdrücklich mit ein – immer aber als ein Mittel zum Zweck, als ein Weg zur Verwirklichung der eigenen Glückseligkeit. Manuel spricht mit Peter über die Vorzüge und Grenzen einer solchen lustorientierten Lebensweisheit – und vergleicht sie mit einer christlichen Perspektive, die einen deutlich weiteren Horizont besitzt…
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May 20, 2022 • 51min

Ist Ausgeglichenheit das Lebensideal? (Stoizismus)

Die stoische Philosophie erlebt gerade eine bemerkenswerte Renaissance. Sie wird als Anleitung zur Gelassenheit in Zeiten der Unruhe und Unsicherheit neu entdeckt. Ist das die Lebensweisheit, die wir in Zeiten der Pandemiekrise, der Klimakatastrophe und der globalen Umbrüche dringend nötig haben? Nach einer kurzen Vorstellung dreier Phasen und wichtiger Vertreter des Stoizismus weist Peter das Streben nach Gelassenheit und Gleichgewicht als zentrales Anliegen stoischer Philosophie nach. Mit Manuel bespricht er dann die wesentlichen Unter-schiede zwischen dem Epikureismus und dem Stoizismus (deren Vertreter haben sich nämlich zuweilen bitter bekämpft). Es wird deutlich, wie sehr die Stoa von einer Ordnung der Welt ausgeht, in die es sich zu fügen gilt – und wie zentral ein Grundsatz ist, der als «Gelassenheitsgebet» in unserer Zeit enorme Popularität gewonnen hat. Gemeinsam wagen Manuel und Peter dann auch eine Würdigung und kritische Bewertung stoischer Philosophie, die von der Frage getragen ist: Eignet sich die Ausgeglichenheit des Gemüts als höchstes Ziel des Lebens überhaupt?
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May 6, 2022 • 46min

War die Zeit reif für das Christentum? (Römische Philosophie)

Die Folge erkundet römische Philosophie als Krisenphilosophie und ihre oft übersehene Bedeutung. Sie behandelt Hellenismus, Kaiserzeit und die kulturelle Globalisierung des Reiches. Zentrale Strömungen wie Epikur, Stoa und Skepsis stehen im Fokus. Diskutiert wird, warum das Christentum in dieser pluralistischen, verunsicherten Welt so schnell Fuß fassen konnte.
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Apr 22, 2022 • 43min

Ist Gott der unbewegte Beweger? (Aristoteles, Teil 3)

Debatten um Kruzifixe und das Unbehagen am Bild eines leidenden Gottes. Aristoteles’ These vom unbewegten, leidensunfähigen Gott und ihr Einfluss auf Theologie und Kirche. Gegenbewegungen wie Prozesstheologie, Offener Theismus und Pietismus, die Gottes Mitgefühl betonen. Wie Kreuz, Inkarnation und Auferstehung Hoffnung und die Spannung zwischen Mitgefühl und triumphierender Liebe verbinden.
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Feb 18, 2022 • 48min

Gehört Gott in die Wissenschaft? (Aristoteles, Teil 2)

In einer durchschnittlichen Buchhandlung findet sich religiöse Literatur meistens irgendwo zwischen Lebenshilfe und Esoterik. Die Bibliothek des Aristoteles ordnet die theologischen Bücher hingegen gleich nach den Büchern zur Physik ein, d.h. nach den naturwissenschaftlichen Betrachtungen (daher kommt auch der Begriff «Meta-Physik» = «nach der Physik»). Das eine ist für Aristoteles ohne das andere nicht denkbar: Was wir um uns empirisch beobachten und systematisch einordnen, geht auf das «unbewegte Bewegende» zurück. Thomas von Aquin hat aus diesem Zusammenhang dann den «kosmologischen Gottesbeweis» entwickelt: Das Dasein dieser bewegten, veränderlichen Welt verdankt sich einem unbewegten, unveränderlichen Gott. Das überzeugt in einer säkularisierten, postchristlichen Gesellschaft kaum mehr. Moderne Naturwissenschaften sind einem methodischen Atheismus verpflichtet. Manuel spricht in dieser Folge mit Peter u.a. über die Frage, von welchen weltanschaulichen Voraussetzungen auch das neuzeitliche Wissenschaftsverständnis ausgeht – und was uns vor einer ideologischen Engstirnigkeit bewahren kann…
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Feb 12, 2022 • 46min

Wer darf die Wirklichkeit einteilen? (Aristoteles, Teil 1)

Die Welt erschließt sich uns ganz wesentlich durch Unterscheidungen, die wir vornehmen. Wir halten Pflanzen, Tiere und Pilze auseinander. Und wir unterteilen diese wiederum in Gattungen und Arten. Aristoteles, der bedeutendste unter den Schülern Platons, war ein Empiriker und Systematiker, der mit Eifer alles gesammelt und geordnet hat, was ihm zwischen die Finger kam. Bei ihm gibt es nicht wie bei Platon eine essenzielle «Hinterwelt» – das Wesen der Dinge steckt für Aristoteles in den Dingen selbst. So erkundet er die Wirklichkeit, indem er sie einteilt und in Kategorien fasst. Gerade in einer naturwissenschaftlich geprägten Gegenwart erscheint uns das sehr plausibel. Die Fragen, die Manuel und Peter in dieser Folge beschäftigen, sind aber auch: Wer darf diese Einteilungen vornehmen? Was gewinnen wir durch unsere Kategorien an Klarheit – und was verlieren wir, weil es durch die Maschen unserer Begriffe geht? Und sind Unterscheidungen nicht auch etwas enorm Gefährliches – wie man bei Aristoteles z.B. an der selbstverständlichen Aufteilung von Menschen in Sklaven und Freie sieht?

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