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Cicero – Magazin für politische Kultur
Im Podcast Portal von Cicero werden regelmäßig Hörbeiträge von Cicero – Magazin für politische Kultur publiziert. Mit unseren Gästen besprechen wir aktuelle Themen aus den Bereichen Gesellschaft und Politik, Literatur, Wissenschaft und Medien.
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Dec 22, 2023 • 44min
L. Teuteberg, M. Günther und M. Brodkorb – „Die Koalition hat beim Tricksen schon viel Kreativität bewiesen"
Cicero – Magazin für politische Kultur
Nach dem folgenschweren Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Haushalt 2022 wäre eigentlich ein rigoroser Sparkurs angesagt. Stattdessen wird darüber diskutiert, die Schuldenbremse abzuschaffen. Im Cicero Hard Talk mit Chefredakteur Alexander Marguier streiten über dieses Thema Linda Teuteberg (FDP), Martin Günther (Die Linke) und Cicero-Autor Mathias Brodkorb. Es geht ordentlich zur Sache!
Inhalt Podcast
9:44 "Und das, was jetzt das Urteil der Richter bedeutet, heißt einfach, dass man sich nicht mit Taschenspielertricks um die Aufgabe herum mogeln kann, als Politik Prioritäten zu setzen. Und ich kann aus langjähriger parlamentarischer und auch Regierungserfahrung berichten: In den öffentlichen Haushalten gibt es genug Geld, das an sinnlosen Stellen entweder ausgegeben wird oder so über bürokratisiert, dass viel Geld verbrannt wird. Und ich finde, es gibt gar keine gute Rechtfertigung dafür, mehr Schulden aufzunehmen als nötig, bevor man diese Missstände nicht beseitigt hat." (Mathias Brodkorb)
11:06 "Aber ganz klar ist Das hat mir auch gefehlt in der Regierungserklärung des Kanzlers zum Beispiel nicht. Zum einen weder diese, diese Zusagen auch noch in Anglizismen with you never walk alone oder das noch auf andere zu beziehen. Ich würde mir viel mehr wünschen, dass schon klar gemacht wird, dass sich etwas verändern muss zum einen und zum anderen, dass man auch nicht nur die Empfänger von sozialen Transfers adressiert in so einer Regierungserklärung, sondern ebenfalls die Menschen, die das alles erwirtschaften und Abgaben leisten. Auch die sollten von der Regierung adressiert werden und entsprechend wahrgenommen werden." (Linda Teuteberg)
14:27 "Ich bin sehr für Priorisieren. Ich bin aber dann auch für die Offenheit zu sagen okay, was will diese Gesellschaft sich leisten? Insgesamt will sie den sozialen Zusammenhalt leisten, will sie sich eine klimaneutrale Zukunft leisten? Und was brauchen wir dann für Finanzierung? Und dann auch das ganze Tableau der Finanzierung Aufmachen von höheren Steuern für Milliardäre und Millionäre. Sie wissen vielleicht, dass vor kurzem eine Studie dargelegt hat, dass unsere Milliardäre in Deutschland wohl nicht 900 Milliarden € Vermögen haben, sondern 100.000 400 Milliarden €. Also wenn man da nicht auch mal darüber nachdenken darf in dieser Gesellschaft, dass man vielleicht auch da noch mal rangeht, wie es die FDP leider tut, dann muss ich ganz ehrlich sagen, sind wir auf dem falschen Dampfer." (Martin Günther)
20:45 "Mir ist wichtig, bei diesen Überlegungen die Schuldenbremse irgendwie aufzuweichen oder zu modifizieren. Wird ja gern davon gesprochen, man wolle sie investitions freundlicher machen. Ich würde sagen Lassen Sie uns mal unser Land investitions freundlicher machen und nicht die Schuldenbremse. Wir brauchen ja vor allem auch ganz viel private Investitionen von Unternehmen und Haushalten. Auch wenn man beim Thema Klimaschutz und da ist viel mehr die Frage Wie sorgen wir dafür, dass Menschen Vertrauen haben und etwas investieren in unserem Land und dass das effizient geschieht." (Linda Teuteberg)
23:39 "Also ich würde sagen, das ist eine Lieblings Ausrede in der Politik, dass die Probleme, die man hat, am mangelnden Geld liegen. Meist liegt es an den schlechteren Konzepten, die Probleme verursachen. Also auch die Vereinigten Staaten werden ihre Politik auf Dauer nicht so fortsetzen können, weil sie sich mit ihren Zinslasten am Ende den Hals zuschnüren. Und ich denke, da bin ich bei Frau Teuteberg. Also eine wesentliche Investitions Bremse in Deutschland ist eine sklerotische Drosselung des Staates in Bürokratie." (Mathias Brodkorb)
30:25 "Und ich sage mal, die Kredit bremse den Kredit zu Bremse im Grundgesetz ist doch eigentlich nur die Flucht vor der Verantwortung, vor vernünftigen fiskalpolitischen Entscheidungen. Das ist damals mit der Mehrheit reingeschrieben worden, um sich nicht tagtäglich, ja jährlich entscheiden zu müssen. Tatsächlich? Was sind vernünftige Ausgaben oder nicht vernünftige Ausgaben? Und am Ende dann zu tricksen an allen Ecken. Also dann mache ich es vernünftig. Schaffen Sie das Ding wieder ab. Und lassen Sie uns jedes Jahr aufs Neue darüber diskutieren. Was wollen wir uns als Gesellschaft leisten? Wie finanzieren wir es? Wofür nehmen wir Kredite auf?" (Martin Günther)
31:51 "Wir brauchen neben öffentlichen Investitionen in viel größerem Umfang private Investitionen. Die Überschätzung, dass der Staat alles richten könne, die führt zu solchen Zuständen wie am Ende der DDR. Und das wollen wir ja nicht." (Linda Teuteberg)
36:19 "Und insofern hat die die Regierung in letzten zwei Jahren was, was so ganz einfache basale Fragen angeht, massiv an Vertrauen verloren. Und man hätte da und das ist eine Einladung, regelrecht das so weiter zu betreiben und die Regierung hätte vielleicht das ein bisschen heilen können, wenn sie gesagt hätte okay, das ist ein politischer Fehler gewesen, das so zu machen, dass nicht viele der Bevölkerung und jetzt müssen wir 17 Milliarden einsammeln und wir fangen bei uns selbst an." (Mathias Brodkorb)
37:38 "Na ja, ich sage mal, die Koalition hat ja beim Tricksen mit der Schuldenbremse schon einiges an Kreativität bewiesen. Insofern gehe ich davon aus, für die FDP wird dann die Kredit Bremse im Grundgesetz festgehalten formal. Und man findet dann wieder neue kreative Möglichkeiten, da drumherum zu gehen. Ehrlich ist was anderes aus meiner Sicht." (Martin Günther)
42:54 "Wir müssen wirklich mit weniger Geld auch eine wirksamere Politik machen, die effizienter ist. Und da gibt es einiges zu tun. Ich höre hier immer nur so von links Sparvorschläge im investiven Bereich und Ausweitungen bei konsumtiven Ausgaben. Wir müssen uns mal anschauen Was hält Menschen davon ab, zu investieren, Verantwortung zu übernehmen in unserem Land, ob jetzt als Arbeitgeber, als zukünftiger Vermieter, Investitionen in unserem Land zu tätigen. Und da, darüber lohnt sich jede Debatte." (Linda Teuteberg)

Dec 14, 2023 • 46min
Monika Maron im Interview mit Alexander Marguier – „Ich kann nicht in einer kollektiven Runde denken"
Cicero – Magazin für politische Kultur
Monika Maron und Alexander Marguier sprechen über Marons neu erschienenes Buch: Das Haus, Hoffmann und Campe 2023
https://hoffmann-und-campe.de/products/65027-das-haus
Inhalt Podcast:
5:07 "Ich weiß den Anfang, und ich weiß so ungefähr das Ende von meinen Büchern. Aber wie ich von einem Ende zum anderen komme, weiß ich in der Regel nicht." (Monika Maron)
7:08 "Ich finde das Buch auch keineswegs so harmlos, wie manche es gelesen haben, um ehrlich zu sein. Also dass ich vermeide, irgendwo anzuecken aus Angst, glaube ich, kann man nicht ernst meinen. Also das habe ich nun bewiesen, dass ich das nicht tue." (Monika Maron)
10:53 "Ich habe ja nichts gesagt. Was, was irgendwie jenseits des Wahrnehmbaren war, nur halt ein bisschen früher." (Monika Maron)
ab 14:44 über Marons Kindheit, Jugend und beruflichen Werdegang in der ehemaligen DDR
20:42 "Ich glaube, da war viel Misstrauen und Gift unter den Parteifunktionären." (Monika Maron)
22:08 "Ich kann nicht in einer kollektiven Runde denken." (Monika Maron)
25:36 Monika Maron: Flugasche, Hoffmann und Campe (neu aufgelegt), 2021
https://hoffmann-und-campe.de/products/58318-flugasche
ab 29:27 Der Weg in den Westen
36:05 Titelgeschichte Cicero im August 2023
https://www.cicero.de/innenpolitik/osten-und-westen-der-bullshit-detektor
https://www.cicero.de/innenpolitik/cicero-im-august-unbelehrbar-ostdeutschland
45:00 "Die Grünen sind mein politischer Hauptfeind." (Monika Maron)

Dec 7, 2023 • 40min
Thomas Elbert im Interview mit Axel Meyer und Michael Sommer – „Wir müssen das Asylverfahren grundlegend verändern"
Cicero – Magazin für politische Kultur
Der Neuropsychologe und Traumaforscher Thomas Elbert fordert eine grundlegende Veränderung des Asylverfahrens. Vielfältige Erfahrungen auf dem Gebiet der Traumaforschung bei Geflüchteten lassen ihn deutliche Forderungen an eine erfolgreiche Entwicklungspolitik im Cicero Podcast Wissenschaft formulieren.
Inhalt Podcast:
6:53 "Wie verändert die Umwelt Gehirnfunktion und Verhaltensmuster (…) vonPersonen, die ganz schlimme Erfahrungen gemacht haben. Dramatische, also lebensbedrohende Erfahrungen." (Thomas Elbert)
9:38 "Ist der Mensch gut oder böse? Kann man das so pauschal sagen?" (Axel Meyer)
13:46 Lesen Sie hierzu zwei Artikel zu Thomas Elbert auf cicero.de:
https://www.cicero.de/kultur/neuropsychologe-thomas-elbert-wie-gewalt-funktioniert
https://www.cicero.de/innenpolitik/wuerzburg-anschlag-somalier-fluechtling-messerattacke-psychiatrie-hanau-thomas-elbert
14:12 "Also das Asylverfahren müssen wir grundlegend verändern." (Thomas Elbert)
20.42 "Aber ich kann in die Zukunft blicken und da habe ich das Problem mit der Politik, dass die auf die Zukunft zu wenig vorbereitet ist." (Thomas Elbert)
24:17 "Wenn wir das derzeit so mal anschauen, Pi mal Daumen, dann ist es einer von drei, der da schwer belastet ist." (Thomas Elbert)
27:07 "Es kann ja nicht unsere Aufgabe sein, die Traumatisierten der gesamten Welt aller Kriege (…) aufzunehmen und hier zu therapieren." (Axel Meyer)
Hören Sie dazu: https://www.cicero.de/innenpolitik/manfred-luetz-volker-resing-cicero-podcast-politik-psychiatrie-kirche
28:25 "Vielleicht gibt es Prozesse, die gesellschaftliche Weiterentwicklungen, die diese Gewalt reduzieren. Und eine Form, wo ich glaube, dass sie reduzieren kann, ist die Information." (Thomas Elbert)
34:15 "Versetzt die Menschen in psychische Funktionstüchtigkeit" (Thomas Elbert)

Nov 30, 2023 • 49min
Thomas Sattelberger im Interview mit Volker Resing – „Krise schreckt mich überhaupt nicht"
Cicero – Magazin für politische Kultur
Thomas Sattelberger ist in ganz unterschiedlichen Welten zu Hause. Er ist FDP-Politiker, ehemaliger Staatssekretär, Manager, Buchautor, YouTuber, Tiktoker. Warum Political Leadership so wichtig ist, warum die deutsche Politik unbedingt Quereinsteiger braucht und warum Work-Live-Balance Mist ist, darüber spricht Sattelberger mit Cicero-Redakteur Volker Resing im Cicero Podcast Politik.
Inhalt Podcast:
6:06 Thomas Sattelberger: Radikal neu. Gegen Mittelmaß und Abstieg in Politik und Wirtschaft, Herder 2023
https://www.herder.de/geschichte-politik/shop/p4/82183-radikal-neu-gebundene-ausgabe/?gad_source=1&gclid=Cj0KCQiA35urBhDCARIsAOU7QwlDgfhA96GiXzlBcJC6rWfbarvoPGy9zGiwjERTbm9Ay8CSaLDaPNYaAq53EALw_wcB
6:58 "Krise schreckt mich überhaupt nicht." (Thomas Sattelberger)
12:29 "Kreative Disruption lässt dieses Land nicht zu. Es verharrt im Grunde in den alten Strukturen." (Thomas Sattelberger)
14:58 "Was ich gut finde, ist, dass bei BMW heute die Technologieoffenheit da ist und man nicht nur auf den neuen Pfad Elektromobilität setzt, sondern auch noch mal eine zweite, vielleicht sogar noch eine dritte Technologie zulässt." (Thomas Sattelberger)
22:00 "Sondern ich wollte ein paar wichtige Themen für Deutschland hinkriegen. Und da wurde mir der Teppich unter den Füßen weggezogen. (…) Wenn es eine gute Opportunität gibt. Würde ich sagen, ich nehm diese beschwerliche Reise noch mal auf mich." (Thomas Sattelberger)
26:42 "Also Parteien brauchen erstens nicht nur Quereinsteiger, sondern sie brauchen auch Kandidatinnen und Kandidaten, die nicht Parteimitglied sind." (Thomas Sattelberger)
30:48 "Olaf Scholz gibt nur Anregungen, dass er führt. Aber sehr selektiv und sehr gering. Und er gibt den wählenden Menschen nicht das Gefühl, dass er führt." (Thomas Sattelberger)

Nov 24, 2023 • 47min
G. Schindler, M. Ostermann und S. Gaschke im Interview mit A. Marguier – „Wir brauchen eine neue Sicherheitskultur"
Cicero – Magazin für politische Kultur
Auch auf Deutschlands Straßen wird die Terrororganisation Hamas gefeiert, in Berlin kam es an Sylvester zu gewalttätigen Randalen, in öffentlichen Parks grassiert der Drogenhandel, Clankriminalität hält die Polizei in Atem – und Polizisten werden selbst immer häufiger Opfer von Übergriffen. Es ist hierzulande etwas ins Rutschen geraten beim Thema Innere Sicherheit. Aber was kann der Staat dieser Entwicklung entgegensetzen? Darüber diskutieren der ehemalige BND-Präsident Gerhard Schindler, Bundespolizeigewerkschafter Manuel Ostermann und die Journalistin Susanne Gaschke in dieser Podcast-Sonderausgabe „Cicero Hard Talk“ mit Chefredakteur Alexander Marguier.
Die dazugehörige Sendung können Sie anschauen auf cicero.de und https://www.kivvon.com/de/cicero-magazin-fuer-politische-kultur.
Inhalt Podcast:
6:01 "Sicherheit ist ein Fundament für unsere vielfältige und freiheitlich lebende Gesellschaft. Ohne Sicherheit keine Freiheit ist keine rhetorische Floskel, sondern Fakt. Und dieses Fundament ist nicht nur am Bröckeln, sondern das wird gerade durch politisch Verantwortliche mit dem Vorschlaghammer weggehauen." (Manuel Ostermann)
16:52 "Jetzt haben wir eine Regierung, da sind zwei Parteien drin, wo zumindest einige Menschen in ihrer Jugend sicher oft Bullenschweine gerufen haben und das ist vermutlich schwer zu überwinden." (Susanne Gaschke)
18:20 "Diese Bundesinnenminister ist nicht nur die schlechteste, die wir hatten, sondern es ist auch eine, die schnellstmöglich aus dem Amt entfernt werden muss." (Manuel Ostermann)
34:23 "Die Hamas ist eine Terrororganisation, Anhänger in Deutschland 450. Da fällt mir nichts mehr ein." (Gerhard Schindler)
41:17 "Und ich glaube, in der Linken und natürlich auch in der Geschichte der Grünen gibt es einfach viele Menschen mit dieser Einstellung, die gerne sozusagen das gefährliche Deutsche zivilisieren wollten. Durch eine immer größere Internationalisierung." (Susanne Gaschke)

Nov 16, 2023 • 47min
Gerd Ganteför im Interview mit A. Meyer und M. Sommer – „Was Kernenergie angeht, ist Deutschland etwas Besonderes"
Cicero – Magazin für politische Kultur
Der emeritierte Experimentalphysiker Gerd Ganteför ist einem breiten Publikum durch seinen populärwissenschaftlichen YouTube-Kanal „Grenzen des Wissens“ bekannt. Seine Vorträge zur Relativitätstheorie erreichten bis zu 7 Millionen Menschen. Mit Evolutionsbiologe Axel Meyer und Althistoriker Michael Sommer diskutiert er im Cicero Podcast Wissenschaft über die Frage, wie man Wissenschaft richtig vermitteln kann, über die Art und Weise, wie wir in Deutschland über den Klimawandel diskutieren und über seinen Plan B im Umgang mit dem Klimawandel. Unlängst erschien sein neues Buch „Das rätselhafte Gewebe unserer Wirklichkeit und die Grenzen des Physik", Westend Verlag 2023
Inhalt Podcast:
9:25 "Also ich habe manchmal das Gefühl, in Deutschland ist man eher so wie vielleicht die katholische Kirche im Mittelalter, am besten in Lateinisch, dass es nur ja keiner versteht, sodass es so eine Geheimwissenschaft ist." (Gerd Ganteför)
16:27 Axel Meyer bezieht sich auf die Bücher von Gerd Ganetför: Alles NANO oder was? Nanotechnologie für Neugierige, Wiley 2013
https://www.wiley-vch.de/de/fachgebiete/naturwissenschaften/alles-nano-oder-was-978-3-527-32961-8
und
Gerd Ganteför: Klima: Der Weltungergang findet nicht statt, Wiley 2010
https://www.wiley-vch.de/de/fachgebiete/naturwissenschaften/klima-der-weltuntergang-findet-nicht-statt-978-3-527-32863-5
20:15 "Ich versuche eigentlich mit wissenschaftlicher Vernunft an die Sache ranzugehen. Und was mich die ganze Zeit so störte und jetzt immer noch stört, ist, dass bestimmte Gruppierungen in der Gesellschaft, (…) dass es da übertrieben wird als so ein apokalyptisches Szenario." (Gerd Ganteför)
22:14 "Und ich glaube, der Unterschied zwischen mir und einem Klimaaktivisten ist der, dass ich die Berichte gelesen und verstanden habe. Ich weiß, wovon ich rede, meine ich jedenfalls."(Gerd Ganteför)
23:40 "Ja, also ich hatte in einem Video mal davor gewarnt, zu viele Windräder aufzustellen, ohne dass man mal überlegt, was passiert denn dann mit dem Wind? Weil der ist nämlich irgendwann mal alle. Ja, es gibt nicht unendlich viel Wind. Und dann wird man ja verprügelt im Internet."(Gerd Ganteför)
26:45 "Aber gut, also was ich auf jeden Fall sagen möchte, ist, dass ich denke, dass 99 Prozent der Leute, die in der Klimatologie arbeiten oder in diesem ganzen Themenbereich seriöse Leute sind, die genauso wie ich von mir selber meine, versuchen, nach bestem Wissen und Gewissen die Natur zu verstehen."(Gerd Ganteför)
28:24 "Also der deutschsprachige Raum ist, was die Kernenergie angeht, wirklich was Besonderes." (Gerd Ganteför)
35:13 "Also ich denke, was wir hier erleben, ist eine Verschiebung von den Deutschen, die sehr für Technologie sind, hin zu den Deutschen, die schon immer Romantiker und Technologieskeptiker waren." (Gerd Ganteför)
46:02 "Also wir müssen die Industrie und die Gesellschaft am Laufen halten und dazu brauchen wir bezahlbare Energie. Und da gibt es durchaus vernünftige Wege, das auch mit den erneuerbaren Energien zusammen zu machen. Aber diese radikalen Forderungen, die wir im Augenblick aus Berlin hören, die sind auch für die EU übrigens zu radikal." (Gerd Ganteför)

Nov 10, 2023 • 56min
F. J. Radermacher im Interview mit D. Gräber – „Wir werden noch über viele Jahrzehnte fossile Energieträger brauchen"
Cicero – Magazin für politische Kultur
Franz Josef Radermacher, der Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung in Ulm, denkt in großen Systemen. Die deutsche Klimaschutzdebatte, in der nationale Lösungen im Mittelpunkt stehen, ist dem Mathematiker, Wirtschaftswissenschaftler und Informatikprofessor viel zu klein gedacht. Radermacher beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit der Frage, wie weltweiter Wohlstand und Klimaneutralität in Einklang gebracht werden können. Er hat nun mit der Initiative Global Energy Solutions ein Referenzsystem für ein globales Wohlstand schaffendes Energiesystem entwickelt, in der neben erneuerbaren auch fossile Energieträger weiterhin eine Rolle spielen. Warum er darauf kam und wie diese Lösung aussieht, darüber diskutieren Radermacher und Cicero-Redakteur Daniel Gräber.
Inhalt Podcast:
2:26 "Bei uns ist das Klima-Thema wie das Energiethema primär immer national gedacht." (F.-J. Radermacher)
8:18 "Das Klima wird bis heute belastet durch Reiche und nicht durch Arme." (F.-J. Radermacher)
9:20 "Aus meiner Sicht müssen wir einen deutlich größeren Geldbetrag aufbringen, um den Ländern des Südens zu helfen, ökonomisch zu wachsen und gleichzeitig sich in Richtung Klimaschutz zu bewegen." (F.-J. Radermacher)
12:30 "In dem Fall, dass es keine andere Lösung des Klimaproblems gäbe, (…), dann würde ich einen Wohlstandsrückbau bei uns mit einem bescheidenen Wohlstandszuwachs in den sich entwickelten Ländern zu verbinden versuchen. Der entscheidende Punkt ist aber, es gibt ganz andere, viel bessere, kluge Lösungen. " (F.-J. Radermacher)
18:59 "Und ich beobachte jetzt die All-Electric-Lösung seit ungefähr zwei Jahrzehnten. Und ich bin fassungslos." (F.-J. Radermacher)
22:52 "viele Leute haben sich fast träumerisch in die Vorstellung verheiratet, der Strom mit diesen neuen Erneuerbaren, das wär's jetzt. Mich erinnert das an die Leute, für die das Motto gilt, wenn du nur einen Hammer hast, sieht die ganze Welt aus wie ein Nagel." (F.-J. Radermacher)
29:15 "Es sind nicht die fossilen Energien das Problem, es sind die fossilen Emissionen. Also anders ausgedrückt, wenn ich den fossilen Energieträger nutze, dann muss ich aber verhindern, dass es fossile Emissionen gibt. Und
die Methode dafür ist das sogenannte Carbon Capture." (F.-J. Radermacher)
40:11 "Es ist in großen Teilen der Welt vollkommen klar, dass wir noch über viele Jahrzehnte sehr viele fossile Energieträger brauchen werden."
ab 43:00 Über die Rolle der Nature Based Solultion
47:19 "Und unser Vorschlag läuft eben darauf hinaus, dass wir finanziell betrachtet für jeden Menschen in diesen Ländern das Geld aufbringen, um etwa zwei Tonnen CO2 pro Jahr abzufangen." (F.-J. Radermacher)
51:07 "Und da sollten wir bitte zum Wortführer werden und nicht zu jemandem, der dauernd den anderen Knüppel zwischen die Beine wirft, so wie wir es bei den Franzosen dauernd mit der Kernenergie versucht haben." (F.-J. Radermacher)
52:10 "Also Deutschland ist im Moment dabei umzudenken." (F.-J. Radermacher)
54:28 "Wir werden die Kurve kriegen aus schierer ökonomischer Notwendigkeit." (F.-J. Radermacher)

Nov 2, 2023 • 1h 4min
Steffen Mau und Wolfgang Merkel im Interview mit Mathias Brodkorb – „Wir haben keine gespaltene Gesellschaft“
Wolfgang Merkel, ein angesehener Politikwissenschaftler, und Steffen Mau, Professor für Makrosoziologie, diskutieren die komplexe Realität der gesellschaftlichen Polarisierung in Deutschland. Sie stellen fest, dass Konflikte oftmals von politischen Diskursen und Rhetorik erzeugt werden, und dass die Gesellschaft differenzierter ist, als viele glauben. Die Experten beleuchten zudem, wie Faktoren wie Bildungsgrad und die Dynamik von Migration sowie Umweltfragen das politische System beeinflussen. Ihr Fokus liegt darauf, dass die Wahrnehmung einer gespaltenen Gesellschaft oft irreführend ist.

Oct 26, 2023 • 48min
Wolfgang Thierse im Interview mit Volker Resing: – „Die SPD hat nur in eine Richtung verloren, in Richtung AfD und CDU“
Cicero – Magazin für politische Kultur
Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse ist in diesen Tagen 80 Jahre alt geworden. Doch die politische Energie des Sozialdemokraten ist ungebrochen. Im Cicero-Podcast Politik will er seine Partei vor einem Minderheitenprogramm bewahren und beklagt sich über Identitätspolitik und programmatischer Anbiederung an die Grünen.
Inhalt Podcast:
2:06 Wolfgang Thierse bezieht sich auf das Buch von Dirk Oschmann: Der Osten: Eine west-deutsche Erfindung, Ullstein 2023
https://www.ullstein.de/werke/der-osten-eine-westdeutsche-erfindung/hardcover/9783550202346
4.25 „Aber dieser starre Blick nach Westen (…), dass man darauf guckt, was in den 30 Jahren doch gelungen ist, was wir zustande gebracht haben, unter großen Schmerzen, mit Verlusten, mit die Erfahrung von Arbeitslosigkeit (…). All das soll nicht vergessen sein. Aber in diesen 30 Jahren ist doch viel passiert, und das hat doch auch mit den eigenen Leistungen zu tun.“ (Wolfgang Thierse)
6:00 Volker Resing bezieht sich auf das Buch von Katja Heuer: Diesseits der Mauer, Hoffmann und Campe 2023
https://hoffmann-und-campe.de/products/63884-diesseits-der-mauer
9:48 „Dramatische Veränderungszeiten sind Zeiten von Unsicherheiten und Zukunftsängsten. Und das sind Zeiten für Populisten. Und war das in Ostdeutschland die Dramatik der 30 Jahre, die immer noch nicht ganz ausgestanden ist. Und jetzt kommt die nächste Welle. Das erklärt ein wenig, warum Menschen eher bereit sind, da zuzuhören, denen zu folgen, die zu wählen, die mit den einfachen Botschaften, Grenzen dicht, Europa brauchen wir nicht, etc. etc.“ (Wolfgang Thierse)
14:33 „Dann werde ich mich hüten, mich daran zu beteiligen, Politik moralisch zu überhöhen. Das habe ich schon zu DDR-Zeiten gehasst, die Ideologisierung von Politik, die Totalisierung von Politik.“ (Wolfgang Thierse)
20:31 „Aber dass die SPD in diesen schwierigen, zu moderierenden Koalitionen sichtbarer sein wird, das wünsche ich mir schon.“ (Wolfgang Thierse)
21:30 „Die SPD kann nichts gewinnen, wenn sie den Versuch macht, für alle Minderheiten Politik zu machen. Minderheiten haben immer auch legitime und berechtigte Interessen, die sie artikulieren, die zu berücksichtigen sind. Aber wenn die SPD als Volkspartei eine Zukunft haben will, dann muss sie den Blick auf die Mehrheit der Bevölkerung richten.“ (Wolfgang Thierse)
29:42 „Ich wünsche mir, dass diese Koalition angesichts der dramatischen Reformaufgaben in diesen Veränderungen, die ich mit den paar Schlagworten beschrieben habe, die Fähigkeit entwickelt, sich auf diese Aufgaben zu konzentrieren, die genügend schmerzlichen Widerstand unweigerlich erzeugen und vermeidbaren Widerstand vielleicht vermeiden.“ (Wolfgang Thierse)
32.08 „Also dieses Vorurteil, das systematisch gepflegte von ‚die da oben haben keine Ahnung von uns‘, das auch immer ein bisschen medial verstärkt wird, dagegen muss ich natürlich auch kommunikativ agieren. Und da hilft nichts, als immer wieder zu erklären, was man politisch tut.“ (Wolfgang Thierse)
35.35 „Wer in dieses Land kommt, aus welchen Gründen auch immer, der kommt in ein geschichtlich und kulturell geprägtes Land. (…). Und auch wenn jemand aus einem islamisch oder arabisch geprägten Land sagt: Das hat nichts mit mir zu tun. Doch in dem Moment, wo du in diesem Land lebst, musst du diese Zumutung akzeptieren und sie sich aneignen. Und das muss Gegenstand von Integrationsanstrengungen sein.“ (Wolfgang Thierse)
38:06 „Aber man darf sich nicht verführen lassen, mitgebrachte Probleme - und der Nahostkonflikt wandert ja gewissermaßen auch mit Menschen ein, die aus Syrien, Irak wie auch immer aus dringenden, zwingenden Gründen zu uns geflohen sind. Sie bringen, Vorurteile, ihre Vorstellungswelt, ihre Prägung mit. Und da haben wir das Recht, gewissermaßen sie mit unseren Prägungen zu konfrontieren. Und wir sollten nicht aus falscher Rücksichtnahme darauf verzichten wollen, sie einzuladen in unsere Kultur, sie einzuladen, in unsere religiös weltanschauliche Prägung, sie einzuladen in das, was Toleranz heißt, was friedliche Formen der Auseinandersetzung heißt, was Absage an patriarchale Kultur heißt, und so weiter und so fort. Also all das, was uns ausmacht.“ (Wolfgang Thierse)
42:23 „Aber in diesem Land kann jeder sagen, was er will. Und dieses Grundprinzip der freien Rede, das muss man unbedingt verteidigen. Das schließt ein, dass ich auch diejenigen kritisiere, deren Meinung ich nicht teile oder jedenfalls oder etwas dröhnend beschweige, das gelegentlich auch.“ (Wolfgang Thierse)
43:25 „Redefreiheit, Demonstrationsfreiheit, Meinungsfreiheit ist grundrechtlich geschützt und das ist auch wichtig. Ich wünsche mir, dass die Bürger und Bürgerinnen dieses Landes, die aus arabischen Ländern und aus unfreien Ländern kommen sehen, dass die Polizei ihre Demonstrationsfreiheit schützt, aber zugleich signalisiert, dass diese Demonstrationsfreiheit da die Grenzen hat, wo sie zu Gewalt und Hass aufruft.“ (Wolfgang Thierse)

Oct 19, 2023 • 46min
Zana Ramadani im Interview mit Ben Krischke – „Die Mehrheit hat für so einen Quatsch gar keine Zeit“
Cicero – Magazin für politische Kultur
Die Aktivistin und Publizistin Zana Ramadani spricht mit Ben Krischke über ihr Buch „Woke – Wie eine moralisierende Minderheit unsere Demokratie bedroht“, den Niedergang des Feminismus und erklärt, warum ihre Tochter trotzdem Gummibärchen essen darf.
Zana Ramadani und Peter Köpf: Woke - Wie eine moralisierende Minderheit unsere Demokratie bedroht, Quadriga 2023
https://www.luebbe.de/quadriga/buecher/politik-und-gesellschaft/woke-wie-eine-moralisierende-minderheit-unsere-demokratie-bedroht/id_9885556
Inhalt Podcast:
4:12 "Mir wird ein Teil meiner deutschen Identität auch genommen, weil diese deutsche Diskussionskultur, die so ein hohes Gut ist, gerade ich als Migrantin muss das sagen oder sage das, die geht immer mehr verloren." (Zana Ramadani)
4:47 Alexander Marguier und Ben Krischke (Hrsg.): Die Wokeness-Illusion. Wenn Political Correctness die Freiheit gefährdet", Herder 2023
https://www.herder.de/geschichte-politik/shop/p4/81280-die-wokeness-illusion-gebundene-ausgabe/?gclid=Cj0KCQjwhL6pBhDjARIsAGx8D58yDscm2aU_3Nt6ngLn9dubWRofWpoXmnk0O278b6-T93NPe96IGr0aAo6UEALw_wcB
13:19 "Woke ist ja eigentlich was sehr Positives. Gegen Rassismus, gegen Sexismus, gegen den negativen Klimawandel, also den Klimawandel. (…) Aber was die daraus gemacht haben, ist ein großes Problem. (Zana Ramadani)
17:44 "Was bedeutet heute eigentlich noch das Wort Feminismus? Wofür steht eigentlich Feminismus? Ganz ehrlich, wäre ich nicht schon vor langer Zeit mit wahren Feminismus in Berührung gekommen und hätte eigentlich verstanden, was Feminist oder der feministische Kampf ist, würde ich heute bei dem Wort laufen und zwar ganz schnell, wenn ich es hören oder lesen würde." (Zana Ramadani)
21:09 "Wir haben doch patriarchale Strukturen, wir haben noch Sexismus in unserer Welt, aber noch lange nicht in unserem Kulturkreis, in den deutschen Kulturkreis, aber nicht so wie in anderen Ländern. Und das muss einfach mal anerkannt werden. Mich macht das so wütend und das als Migrantin, dass das nicht anerkannt wird, wie weit wir als deutsche Gesellschaft sind und wie weit, ja, auch die Deutschen ohne Migrationshintergrund es geschafft haben. Weil ohne die wären wir nicht dort, wo wir sind." (Zana Ramadani)
27:39 "Mit der Opferkarte, mit Opferhaltung kann man sich sehr gut vermarkten, erstens. Und zweitens kann man auch gerade im Diversity-Bereich sehr viel Geld verdienen, wenn man es richtig anstellt. Also je mehr Opferpunkte man auf seiner Liste hat, desto besser." (Zana Ramadani)
33:25 "Alles was heute unter Aktivismus fällt und diese Gewalt, die ausgeübt wird, gerade auch gegenüber der Mehrheitsgesellschaft oder der Sachschaden, der heute da passiert, das ist Gewalt. Und das ist inakzeptabel." (Zana Ramadani)
42:33 "Ich glaube einfach, dass die Woken und die heutige Politik uns noch reichlich ins Verderben führen werden. Dass gerade auch mit der nächsten Wahl Rechte an Zustimmung bekommen in der Politik. Aber ich glaube, das wird noch so zehn Jahre halten und dann wird es wieder Schwung geben. Es wird sich auch wieder etwas ändern. Und zwar in der Hinsicht, dass die Mehrheitsgesellschaft wieder aufsteht, klarer denkt und sich auf tatsächliche realistische Probleme den zuwendet." (Zana Ramadani)


