

buch|essenz
Friedrich-Ebert-Stiftung
Mit der buch|essenz stellen wir Sachbücher von besonderer Bedeutung für den gesellschaftlichen Diskurs, als Buchzusammenfassungen für dich bereit. Du musst Sachbücher mit mehreren hundert oder gar tausend Seiten nicht gänzlich lesen, um die Kernaussagen und Argumente der Autoren zu verstehen – denn genau dies decken unsere kompakten Buchessenzen ab.
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Episodes
Mentioned books

Sep 12, 2022 • 19min
Yascha Mounk (2022): Das große Experiment
Wie Diversität die Demokratie bedroht und bereichert
Wie können wir eine tolerante Gesellschaft in einer diversen Demokratie aufbauen? Yascha Mounk bezeichnet unser heutiges Zusammenleben in diversen Demokratien als „ein großes Experiment“. In seinem gleichnamigen Buch stellt er sich der Frage, wie ein friedliches und gerechtes Zusammenleben in Zeiten multiethnischer und multireligiöser Gesellschaften funktionieren kann, welche Hindernisse es zu überwinden gilt, aber auch welche Gefahren lauern, sollte uns das Experiment nicht gelingen. Mit starkem empirischem und historischem Bezug entwickelt Mounk wichtige Eckpfeiler einer diversen Gesellschaft. Bürger_innen diverser Gesellschaften brauchen für ein frei gestaltbares Leben zweierlei: die Freiheit vor Verfolgung und somit Schutz vor staatlicher Willkür sowie Rede- und Versammlungsfreiheit. Menschen müssen zudem frei von Zwangsausübung sein, die durch Verwandte oder Geistliche in ihrer Gruppe entsteht. Es muss die Möglichkeit bestehen, die eigene Gruppe zu verlassen und die damit verbundenen Normen zu verletzen. Die wichtigsten Instrumente dafür sind regelmäßige, faire Wahlen, eine wirksame Gewaltenteilung sowie individuelle Rechte, um die Gefahr einer dauerhaften „Tyrannei der Mehrheit“ zu beseitigen, die in ethnisch oder religiös gespaltenen Gesellschaften besonders groß ist.

Aug 29, 2022 • 14min
Beate Hausbichler (2021): Der verkaufte Feminismus
In den Medien – sowohl in den klassischen als auch in den sozialen – werden „Genderthemen“ präsenter. Sie garantieren kontroverse Diskussionen, die die Aufmerksamkeit für das jeweilige Medium steigern. Das ist allerdings nicht immer im Sinne des Feminismus. In der Werbung, den sozialen Medien und der Popkultur wird es immer „feministischer“. Dabei handelt es sich jedoch vor allem um ein Etikett. Mit der genuin politischen Bewegung hat dieser Feminismus wenig bis gar nichts gemein, denn dieser populäre Feminismus dient vor allem als Marketinginstrument. Der Feminismus als Bewegung wird dadurch immer stärker entpolitisiert und individualisiert. Die Autorin dekonstruiert vermeintlich feministische Angebote und prangert eine spezifisch antifeministische Gefahr an, die im populären Feminismus angelegt ist. Vermeintliche Selbstermächtigung dient in vielen Fällen nur dazu, Frauen noch mehr Lasten aufzubürden und dabei patriarchale und neoliberale Herrschaftstechniken gekonnt zu verschleiern. Der genuin politische Feminismus wird in diesem Prozess individualisiert und seiner kollektiven Kraft beraubt.

Aug 15, 2022 • 10min
Rita Süssmuth (2022): Parität jetzt!
Wider die Ungleichheit von Frauen und Männern
Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung und sind wie Männer in allen sozialen und gesellschaftlichen Gruppen und Schichten vertreten – deshalb müssen sie auch die gleichen Chancen haben, auf politische Entscheidungen Einfluss zu nehmen. Gleichstellung in der Gesellschaft setzt deshalb Parität in der Politik voraus. Trotz aller Bemühungen der Vorkämpfer_innen ist Chancengleichheit bis heute in Deutschland nicht erreicht. Es fehlt die Veränderung struktureller Rahmenbedingungen für mehr Frauen in Führungspositionen, in der Politik und Gleichberechtigung in der Gesellschaft. Gleichstellung ist ein zentrales programmatisches Anliegen der Sozialen Demokratie. Um diese mithilfe von Paritätsgesetzen weiter voranzutreiben, bietet Süssmuths Buch eine wertvolle Argumentationshilfe. Paritätsgesetze beziehungsweise Frauenquoten sowie eine Wahlrechtsreform sind unerlässliche Schritte auf dem Weg zu gesamtgesellschaftlicher Veränderung.

Jul 25, 2022 • 19min
Armin Nassehi (2021): Unbehagen. Theorie der überforderten Gesellschaft
Das zentrale Problem der modernen Gesellschaft ist nicht, dass der Einzelne mit einer komplexer gewordenen Gesellschaft überfordert ist, wie es andere soziologische Betrachtungen nahelegen; ihr zentrales Problem ist, dass sie mit sich selbst in ihren Möglichkeiten überfordert ist. Und dies, obwohl sie eigentlich alle nötigen Mittel besitzt, um derzeitige Krisen und Probleme zu lösen. Anhand der Corona- und der Klimakrise sowie zahlreichen Einzelproblemen lässt sich insbesondere mithilfe systemtheoretischer Ansätze aufzeigen, dass es bei Bewältigungsversuchen zur Überforderung kommt, die in ein generelles Unbehagen umschlägt. Gesamtgesellschaftliche Lösungsansätze können dabei nicht ausschließlich in der Politisierung von Problemen und dem Appell an gemeinschaftliches Handeln gesucht werden. Das vorliegende Buch analysiert die moderne, funktional ausdifferenzierte Gesellschaft, mit starker Betonung des Wechselspiels und der Dynamiken der einzelnen Teilsysteme.

Jun 27, 2022 • 17min
Minouche Shafik (2021): Was wir einander schulden
Unsere Gesellschaft verändert sich rasant, weil wir immer älter und mit immer neuen Technologien konfrontiert werden. Die bisherigen Gesellschaftsverträge vieler Nationen können diesem Wandel kaum mehr gerecht werden – eine Tendenz, die die Pandemie beschleunigt hat. Insbesondere für die jüngeren und künftigen Generationen bedeutet dies, dass ihr Leben immer stärker von Unsicherheit und Ungerechtigkeit geprägt sein wird. Neue gesamtgesellschaftliche Übereinkünfte sind daher vonnöten, um den Herausforderungen der Zukunft angemessen zu begegnen. Die bedeutenden Transformationsprozesse haben in den meisten Industriestaaten zur Folge, dass Individuen Risiken wie Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Altersabsicherung zunehmend selbst tragen müssen und immer weniger über die Gemeinschaft abgesichert sind. Minouche Shafik macht deutlich, dass diese Entwicklung weder ökonomisch sinnvoll noch sozial gerechtfertigt ist. Sie liefert überzeugende ökonomische Argumente dafür, dass angesichts dieser enormen Herausforderungen neue gesellschaftliche Rahmenverträge vonnöten sind – insbesondere auch deshalb, um die jüngeren und zukünftigen Generationen besser abzusichern.

Jun 13, 2022 • 11min
Emilia Roig (2021): Why We Matter. Das Ende der Unterdrückung
Roig erklärt in ihrem Buch, wie sich die Unterdrückung in unterschiedlichen Bereichen des alltäglichen Lebens, etwa in Ausbildung und Beruf, in der Medizin oder in den Medien, auswirkt. Das Konzept der Intersektionalität zeigt, dass sich Formen von Diskriminierung und Ungleichheit gegenseitig verstärken. Das bedeutet, dass neben Sexismus beispielsweise auch Homo- und Transfeindlichkeit und Klassismus bekämpft werden müssen, um effektiv dagegen vorzugehen. Der Kampf für Gleichberechtigung ist auch ein Kampf gegen die Deutungshoheit einer vermeintlichen Norm, die abweichendes Verhalten sowie andere Lebensformen und Identitäten ablehnt. Die Aufdeckung und Analyse von Diskriminierungen muss mit der Kritik an der kapitalistischen Leistungs- und Ausbeutungslogik einhergehen. Im letzten Teil des Buches skizziert Roig, wie sich diese Diskriminierungen aufbrechen ließen und wie eine Gesellschaft ohne Unterdrückung aussehen könnte.

May 30, 2022 • 17min
Anne Case, Angus Deaton (2022): Tod aus Verzweiflung
Klangkantine Studios
Der Blick auf den Zustand der USA zeigt, dass Kapitalismus nicht zwingend mehr Wohlstand für alle bedeuten muss. In den USA nehmen nicht nur Ungleichheit und Armut zu. Trotz wirtschaftlichen Wachstums fällt seit einigen Jahren die Lebenserwartung, während sie in anderen Industrienationen weiter steigt. Hohe Selbstmordraten, der Missbrauch von Medikamenten, Alkohol und Drogen sowie körperliche und seelische Probleme führten zu einer Vielzahl von Toden aus Verzweiflung. Case und Deaton räumen auf mit den einfachen Erklärungen für die negativen Auswirkungen von Kapitalismus und richten den Blick auf das Wesentliche. Tode aus Verzweiflung stellen dabei den traurigen Höhepunkt der Entwicklung dar, die ein selbstzerstörerischer Wettbewerb am Arbeitsmarkt, globale Verlagerungen von Unternehmen oder Lobbymacht in der öffentlichen Gesundheitsversorgung verursachen. Armut und Verteilungsgerechtigkeit sind nicht die Ursachen, sondern ebenfalls Auswirkungen dieser Fehlentwicklungen im Wirtschaftssystem.

May 16, 2022 • 18min
Andreas Reckwitz, Hartmut Rosa (2021): Spätmoderne in der Krise
Was leistet die Gesellschaftstheorie?
Die Analyse und Beschreibung der aktuellen Verfasstheit von Gesellschaft sind eine entscheidende Voraussetzung für die Entwicklung von politischen Lösungsansätzen. Wer gestalten will, muss verstehen, was die Gesellschaft um- und antreibt. Im vorliegenden Band machen sich Andreas Reckwitz und Hartmut Rosa daran, die theoretischen Grundannahmen ihrer Gesellschaftsanalyse zu entwickeln und Verbindendes wie auch Trennendes herauszuarbeiten. Aufgabe der Soziologie ist es, an einer umfassenden Gesellschaftstheorie zu arbeiten. Sie muss Strukturmerkmale und Strukturdynamiken von Gesellschaftsformen rekonstruieren und den Zusammenhang von wirtschaftlichem, technologischem, kulturellem, politischem und sozialem Wandel klären. Die konkreten theoretisch-analytischen Ausgangspunkte können dabei unterschiedlich sein. Vor dem Hintergrund zunehmender „Heterogenität und Pluralität der diskursiv erzeugten Wirklichkeiten“ ist zu fragen, was Gesellschaftstheorie leisten kann und mit welchen konzeptuellen Mitteln eine solche Gesellschaftstheorie arbeiten kann.

May 2, 2022 • 15min
René Cuperus (2021): 7 Mythen über Europa
Plädoyer für ein vorsichtiges Europa
Nach innen wie außen befindet sich die EU in schwerem Fahrwasser. Wie kann der weitere Weg für die Union nach Euro- und Migrationskrise, Brexit und Corona aussehen? Um diese Frage zu beantworten, räumt der niederländische Politikberater René Cuperus zunächst mit sieben zentralen Mythen rund um die Union auf. Sein Fazit: Die europäische Zusammenarbeit braucht mehr Realismus. In einem Plädoyer wirbt er für ein „vorsichtiges Europa“, für mehr Ausgewogenheit zwischen europäischer Integration und nationalstaatlicher Souveränität. Gebraucht wird ein starkes Europa nach außen, ein sanftes nach innen. Cuperus liefert eine Einschätzung der Stärken und Schwächen der EU und fordert: Die europäische Zusammenarbeit muss neugestaltet werden! Dabei bringt er die Sicht eines der kleineren EU-Länder ein, das zu den Gründungsmitgliedern der Gemeinschaft gehört. Die EU hat sich immer weiter von der ursprünglichen Idee eines vereinten Europas entfernt. Es kommt auf die richtige Balance zwischen der EU und ihren nationalen Demokratien an.

Mar 28, 2022 • 14min
Geert Mak (2020), Große Erwartungen
Auf den Spuren des europäischen Traums
Was ist beim turbulenten Start ins 21. Jahrhundert mit der europäischen Welt geschehen? Von der Euphorie des EU-Beitritts der osteuropäischen Länder über die Finanzkrise von 2008/9 bis zur Flüchtlingskrise von 2015 und dem zunehmenden Rechtspopulismus nimmt der Autor die zeitgenössischen Herausforderungen und Krisen bis zum Beginn der Corona-Pandemie in seinen Blick. Mak liefert Erklärungen für zentrale Anliegen der sozialen Demokratie oder Befürchtungen: etwa für die Gründe des wachsenden Nationalismus und offenen Antisemitismus, für die Folgen neoliberal forcierter ökonomischer und sozialer Schieflagen, für das Ressentiment gegenüber Migration und Geflohenen, aber auch für einen fanatisierten Islamismus. Schließlich, was bedeuten die fragiler werdenden Bindungen in der Wertegemeinschaft des Westens und die schwindende Kraft der Weltmacht USA für Europa? Es gelingt ihm, das fragile Wesen Europas als eine Kette von Krisenbewältigungen zu ergründen, es in zahllosen lokalen Beobachtungen und Gesprächen mit Augenzeugen sichtbar und wahrnehmbar zu machen.


