Archivradio – Geschichte im Original

SWR
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Mar 13, 2024 • 31min

RAF-Terrorist Holger Meins stirbt im Gefängnis – Kritik an Ärzten | 11. bis 15.11.1974

Günter von Drenkmann wir als Reaktion auf Holger Meins' Tod ermordet Der RAF-Terrorist Holger Meins stirbt am 9. November 1974 als Folge seines Hungerstreiks im Gefängnis im rheinland-pfälzischen Wittlich. Als Reaktion darauf ermordet die sogenannte "Bewegung 2. Juni" den Präsidenten des Berliner Kammergerichts, Günter von Drenkmann am 10. November. Bis heute konnten die Täter nicht ermittelt werden. Beide Ereignisse werfen Fragen auf. Vor allem auch in Stuttgart, wo der Prozess gegen die RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Carmen Roll bevorsteht, die sich dort im Gefängnis Stammheim befinden. Der Süddeutsche Rundfunk befasst sich damit in der Mittagssendung "Südfunk". Am Nachmittag des gleichen Tages hat Reporter Jochen Heuer noch weitere Informationen zum Thema. Nach dem Tod von Holger Meins und dem Attentat auf den Richter Günter von Drenkmann verstärkt das Stuttgarter Innenministerium die Sicherungsmaßnahmen. Personenkontrollen werden verstärkt, der Personenschutz für den Richter im angehenden Stammheim-Prozess ausgeweitet. Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Carmen Roll weiter im Hungerstreik Die einsitzenden RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Carmen Roll befinden sich weiter im Hungerstreik. Es gibt Schwierigkeiten, ein unabhängiges Ärzteteam für sie zu finden. Sie lassen keine anderen Ärzte an sich heran. Der Anwalt von Holger Meins, Dr. Croissant, spricht von Isolationsfolter und droht damit, die Gefangenen würden nach dem Hungerstreik in den Durststreik treten. Alfred Stümper, Sprecher des Baden-Württembergischen Innenministeriums spricht am Telefon davon, dass man "den Baader-Meinhof-Prozess im Lande" habe. Am 12. November 1974 gibt es einen ersten Untersuchungsbericht zum Tod von Meins. Darüber berichtet "Südfunk aktuell". Diskussion um die ärztliche Versorgung der Inhaftierten Am Folgetag gibt es weitere Ergebnisse, die der rheinland-pfälzische Justizminister Otto Theissen in einer Pressekonferenz verkündet. Wurde der RAF-Terrorist Holger Meins im Gefängnis ärztlich angemessen versorgt? Knapp eine Woche nach seinem Tod stellen mehrere Ärzte das infrage. In Frankfurt am Main kommt es deshalb zu einer kleinen Demonstration. Die relativ lange Anmoderation des Berichts spiegelt dabei auch ein wenig die Stimmungslage in jenen Tagen.
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Mar 12, 2024 • 16min

RAF gibt Auflösung bekannt | 20.4.1998

Terrorismus der Rote Armee Fraktion: Morde, Entführungen, Anschläge Die Rote Armee Fraktion (RAF) war jahrzehntelang der Inbegriff des Links-Terrorismus. Nach vielen Morden, Entführungen und Anschlägen in den 1970ern und 1980ern und mindestens zwei Generationswechseln an der Spitze der Gruppe wurde es in den 1990er-Jahren still um die RAF – so still, dass es fast eine Überraschung ist, als die RAF am 20. April 1998 in einem förmlichen Schreiben ihre Auflösung bekannt gibt mit den Worten: "Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte." Das Schreiben geht an die Nachrichtenagentur Reuters. SDR1 spricht darüber mit dem Journalisten Gerd Rosenkranz, der sich lange mit der RAF befasst hat. Das Bundeskriminalamt stuft das Schreiben am nächsten Tag als authentisch ein. Darauf weise das verwendete Briefpapier hin wie auch die Sprache. Rüdiger Paulert berichtet am 21. April 1998 von der Pressekonferenz. RAF erklärt Verbundenheit mit palästinensischer Befreiungsfront PFLP Die Auflösung der RAF weckt viele Erinnerungen an die Hochzeiten des Terrors in den 1970ern. Die RAF selbst erklärt in ihrem Schreiben noch einmal ihre Verbundenheit mit den Terroristen der palästinischen Befreiungsfront PFLP, mit der sie 1977 eng zusammengearbeitet hat. Mitglieder der PFLP hatten im Oktober 1977 die Lufthansa-Maschine "Landshut" nach Mogadischu entführt, mit dem Ziel, die in Stammheim einsitzenden RAF-Terroristen freizupressen. Was ihnen nicht gelang, denn die Sondereinsatztruppe GSG 9 konnte das Flugzeug stürmen, die Geiseln retten und die Entführer töten. Otto Schily kommentiert die Auflösung der RAF Otto Schily war in den 1970er Jahren einer der Anwälte, die die RAF-Terroristen der ersten Generation verteidigt hatte. Als die RAF ihre Auflösung bekannt gibt, ist er stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag. In SDR1 kommentiert er die Auflösung der RAF. Ein halbes Jahr nach diesem Interview wird Otto Schily – nach dem Regierungswechsel in Bonn – Bundesinnenminister.
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Mar 12, 2024 • 6min

Schusswechsel mit RAF-Terroristen im Bahnhof Bad Kleinen | 27.6.1993

RAF-Mitglieder Hogefeld und Grams sollen festgenommen werden Birgit Hogefeld und Wolfgang Grams gehörten zu den RAF-Terroristen der sogenannten dritten Generation. Mithilfe des V-Manns Klaus Steinmetz kamen die Ermittler ihnen auf die Spur. Sie wussten vorab von einem Treffen am Bahnhof von Bad Kleinen im Landkreis Nordwestmecklenburg und bereiteten sich auf einen Zugriff vor. Das war am 27. Juni 1993. Schusswechsel am Bahnhof mit tödlichem Ausgang Die Spezialkräfte der GSG 9 können Birgit Hogefeld in der Unterführung des Bahnhofs festnehmen, doch dann kommt es zu einer Schießerei. Wolfgang Grams tötet dabei den GSG-9-Beamten Michael Newrzella und begeht anschließend Suizid. Das jedenfalls ergeben später die übereinstimmenden Berichte verschiedener Gutachter. Am Tag selbst gibt es zunächst ein kurzes Statement von Generalbundesanwalt Alexander von Stahl. Ein ausführlicher Radiobericht mit Zeugenaussagen folgt dann am nächsten Morgen. In den Radioberichten heißt es, die Ermittler seien Hogefeld und Grams aufgrund von Stasi-Unterlagen auf die Spur gekommen. Dass ein V-Mann im Spiel war, wurde erst später bekannt. Waren Unbeteiligte bei der GSG-9-Aktion ausreichend geschützt? Am Tag nach den Schüssen von Bad Kleinen werden auch kritisch Fragen laut: Wenn die Grenzschützer den Zugriff auf gefährliche Terroristen am Bahnhof geplant haben, haben sie wirklich genug getan, um Unbeteiligte zu schützen? Diese Fragen werden untermauert durch weitere Augenzeugen, über die SDR1 am Nachmittag des 28. Juni 1993 berichtet.
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Mar 7, 2024 • 13min

Erstes Parteiverbot: Aus für Sozialistische Reichspartei | 25.10.1952

Sozialistische Reichspartei: Nazipartei in der Tradition der NSDAP Die erste Partei, die in der Bundesrepublik Deutschland verboten wurde, war die sozialistische Reichspartei SRP. Die Kombination aus "sozialistisch" und "Reich" deutet es schon an: Das waren Nazis. Die Partei sah sich selbst in der Tradition der NSDAP. 1950 wird die Partei als extremistisch eingestuft. Bei den Landtagswahlen in Niedersachsen erreichte sie 1951 immerhin 11 Prozent der Stimmen, kurz darauf in Bremen knapp 8 Prozent. Dabei bleibt es dann aber auch. Bundesverfassungsgericht: SRP ist verfassungswidrig und wird aufgelöst Noch im selben Jahr leitet Bundesinnenminister Robert Lehr von der CDU, ein ehemaliger Widerstandskämpfer, ein Verbotsverfahren ein. Mit Erfolg. Am 23. Oktober 1952 entscheidet das Bundesverfassungsgericht, dass die SRP verboten und aufgelöst wird. Die SDR-Sendung "Aus der Residenz des Rechts" sendet am 25. Oktober 1952 einen Mitschnitt des Urteils. Vier Jahre später, 1956, wird auch die KPD, die Kommunistische Partei Deutschlands, verboten. Dies sind die bisher einzigen Parteienverbote der Bundesrepublik.
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Mar 6, 2024 • 7min

Contergan-Skandal kommt ins Rollen | 1961

Das Schlafmittel war 1957 eingeführt worden. Auch schwangere Frauen nahmen es. Die Folgen: Tausende Kinder kamen mit Fehlbildungen auf die Welt. Der Rechtsanwalt Karl-Hermann Schulte-Hillen und der Arzt Widukind Lenz deckten den Zusammenhang auf. Mehr historische Aufnahmen zur Medizingeschichte: http://swr.li/medizingeschichte
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Mar 2, 2024 • 28min

Die RAF und der Deutsche Herbst 1977: Höhepunkt der Terrorwelle (2/2) | Archivradio-Gespräch | 1977

1977 spitzt sich der Terror in Deutschland in zu. Die RAF ermordet und entführt Repräsentanten von Politik und Wirtschaft. Der Staat muss reagieren. (SWR 2017) | Hier eine Übersicht über die historischen Tonaufnahmen: http://swr.li/raf-deutscher-herbst
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Mar 2, 2024 • 28min

Die RAF und der Deutsche Herbst 1977: Die Vorgeschichte (1/2) | Archivradio-Gespräch | 1968 / 1977

Historische O-Töne aus den Rundfunkarchiven zur Geschichte der RAF vom Frankfurter Kaufhausbrand 1968 über Originalaufnahmen aus dem Stammheimprozess bis zum Mord an Siegfried Buback am 7. April 1977 (SWR 2017). Hier eine Übersicht über die historischen Tonaufnahmen: http://swr.li/raf-deutscher-herbst
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Feb 29, 2024 • 21min

Stereo-Testsendungen für Radionerds im "Club der Stereofreunde" | 6.5.1969

Der Südwestfunk sendete Ende der 1960er-Jahre ein Drittel seines Radioprogramms in Stereo. Zu diesem Zeitpunkt hatten allerdings gerade mal 12 Prozent der Hörerinnenen und Hörer entsprechende Empfangsgeräte. Anleitung: So stellen Sie Ihre Stereoanlage richtig ein Die Stereophonie wurde immer beliebter, deshalb entwickelte der Südwestfunk eigene Service-Sendungen. So wird 1969 die Sendereihe "Club der Stereofreunde" ausgestrahlt. Darin liefen die folgenden zwei Stereotestsendungen. SWF-Mitarbeiter Günter Bein gibt Anweisungen zum Test des Stereoempfangs mithilfe des SWF-Pausenzeichens, technischen Tönen und Musik.
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Feb 26, 2024 • 19min

Umweltstudie "Global 2000: Der Bericht an den Präsidenten" erscheint auf Deutsch | 26.2.1981

Anfang der 1980er erschien ein Buch, das der Umweltbewegung weiter Auftrieb gab: Es hieß "Global 2000: Der Bericht an den Präsidenten“. Das war damals Jimmy Carter. "Global 2000" war ein dicker grauer Wälzer mit einer sehr düsteren Bestandsaufnahme aller damals bekannten Umweltprobleme. Die Jugendsendung des Süddeutschen Rundfunks SDR3 Point lud am 26. Februar 1981 Günter Witzsch von der Universität Münster als Experten sowie Jugendliche ins Studio ein, um über dieses Buch zu diskutieren. Moderiert wurde die Sendung damals vom späteren Moskau-Korrespondenten der ARD und Tagesthemenmoderator Thomas Roth. Ins Studio geladen hatte Thomas Roth den Experten Prof. Dr. Günter Witzsch von der Universität Münster. Der Sozialwissenschaftler war mehrere Jahre UNO-Beamter in der Umweltbehörde der Vereinten Nationen. Günter Witzsch diskutiert mit eine Reihe von Jugendlichen vom Jugendhaus Degerloch. Problem Nr. 1: Bevölkerungswachstum Günter Witzsch erläutert: Die Menschen in den Entwicklungsländern könnten nicht ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgt werden, die Situation in Südostasien und Lateinamerika werde sich verschärfen. Ein Jugendlicher widerspricht: "Es gibt den Fall, dass Entwicklungsländer Weizen exportieren, der an unsere Kühe verfüttert wird. Und die Leute hungern da unten. Deswegen glaube ich nicht, dass das Bevölkerungswachstum eines der grundlegenden Probleme ist. Eher unser wirtschaftliches System." Themen der Diskussion sind außerdem die Verschmutzung von Wasser und Luft und die zunehmende Zerstörung der Ozonschicht.
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Feb 24, 2024 • 8min

Die Nacht, in der Russland die Ukraine angriff | 24.2.2022

Russische Separatisten in Donezk und Luhansk bitten Russland um Hilfe Schon in den frühen Morgenstunden des 24. Februar 2022 ist klar, dass Russland die Ukraine angreifen würde. Am Vorabend haben die russischen Separatisten in den ukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk Russland um Hilfe gebeten. Russlands Präsident sieht sich veranlasst, ukrainische Gebiete zu "befreien" Kaum jemand zweifelt daran, dass Putin dies als Begründung nehmen würde, diese Gebiete "befreien" zu wollen, schließlich hatte er sie schon zuvor schon als "autonome Republiken" anerkannt. So kommt es dann auch. Die Entwicklung spiegelt sich in den Radionachrichten. Nachts sind die Informationsradioprogramme der ARD zusammengeschaltet. Um 4 Uhr morgens mitteleuropäischer Zeit hatte sich bereits der Sicherheitsrat getroffen, um über die offenbar bevorstehende Invasion zu beraten. Wladimir Putin hält Ansprache im russischen Fernsehen Eine halbe Stunde später bestätigen sich die Befürchtungen. Präsident Putin hat in der Zwischenzeit im russischen Fernsehen eine Ansprache gehalten. Davon handeln die Nachrichten um 4:30 Uhr. Augenzeugen berichten von russischen Angriffen auf ukrainische Städte Um 5 Uhr informieren die Nachrichten bereits über erste Explosionen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Im Lauf des Morgens sind auch in den Radioprogrammen erste Augenzeugenberichte zu hören. Wir hören den Journalisten Roman Schnell, der sich zum Kriegsausbruch in Charkiw befand und anschließend Maria Kalus, Mitarbeiterin im ARD-Studio Kiew.

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