

Archivradio – Geschichte im Original
SWR
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog
Episodes
Mentioned books

Apr 10, 2024 • 6min
Bundespräsident Heinemann schreibt Ulrike Meinhof einen Brief | 16.12.1974
Inhaftierte RAF-Terroristin verweigert Nahrungsaufnahme
Dezember 1974. Der RAF-Häftling Holger Meins ist im Hungerstreik bereits gestorben. Auch Ulrike Meinhof verweigert die Nahrungsaufnahme.
Bundespräsident Gustav Heinemann, der Meinhof von früher kennt, nimmt dies zum Anlass, ihr einen Brief ins Gefängnis zu schreiben. Er appelliert an sie, den Hungerstreik zu beenden.
Rundfunksprecher verliest Heinemanns Brief
Die Öffentlichkeit erfährt von diesem Brief erst fünf Tage später – im folgenden Bericht vom 16. Dezember 1974 wird der Brief vorgelesen, vorher ist noch der Schriftsteller Heinrich Böll zu hören, der von einem Wahnsinn spricht, der in Deutschland vor sich gehe und den politischen Umgang mit der RAF kritisiert.
Gustav Heinemann hält Selbstopferung für einen Irrtum
Der Brief des Bundespräsidenten an Ulrike Meinhof, die er kennt, seit er sie einmal als Anwalt in einem Beleidigungsverfahren verteidigt hat, wird von einem Rundfunksprecher verlesen. Er beginnt mit "Sehr geehrte Frau Meinhof" und geht dann auf den Hungerstreik ein. "Sie kommen an die Grenzen Ihres Lebens."
Selbstopferung hält Heinemann für einen Irrtum. Ulrike Meinhof erschwere damit die Arbeit anderer, die sich um Besserung der Verhältnisse bemühen. Heinemann meint, er habe ihren Weg mit Aufmerksamkeit verfolgt und schließt mit den Worten: "Bitte nehmen Sie sich die Freiheit und beenden den Hungerstreik."
Titel: "Der Brief von Bundespräsident Gustav Heinemann an Ulrike Meinhof"Sendung: "Südfunk aktuell"Moderator: Kurt Sauerborn

Apr 8, 2024 • 7min
Franzosen geben Kehl frei | 8.4.1953
Die badische Stadt Kehl, an der französischen Grenze gegenüber Straßburg gelegen, wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs evakuiert. Die Bevölkerung musste Kehl verlassen, das französische Militär besetzte die Stadt.
Frankreich setzt Washingtoner Abkommen um
Im Washingtoner Abkommen von 1949 verpflichtet sich Frankreich, Kehl bis 1953 wieder freizugeben. Dies geschieht in mehreren Schritten.
Am 8. April 1953 erfolgt schließlich die vollständige Freigabe. Es ist ein für die Region bedeutendes Ereignis. Die letzten Sperrzäune werden entfernt, doch aufgrund der Kriegsschäden können viele Kehler noch nicht in ihre alten Wohnungen zurück.
Im Bild: Blick auf den "französischen" Stadtteil der südwestdeutschen Stadt Kehl am am 6. Oktober 1950 . Nach der Evakuierung durch Frankreich durfte nach und nach ein Teil der ursprünglich 12.000 Einwohner Kehls zurückkehren, Dreiviertel des Stadtgebiets wurden 1950 aber noch immer von französischen Soldaten und ihren Familien bewohnt.

Apr 5, 2024 • 5min
Präsidentenmord in Ruanda – Beginn des Bürgerkriegs | 7.4.1994
Flugzeug abgeschossen: Mord an den Präsidenten von Ruanda und Burundi
Am 6. April 1994 werden gleich zwei afrikanische Präsidenten ermordet: der Staatschef von Ruanda, Juvénal Habyarimana, sowie der Präsident Burundis, Cyprien Ntaryamira. Beide saßen in einem Flugzeug, das sich im Landeanflug auf Ruandas Hauptstadt Kigali befand. Das Flugzeug wurde von zwei Boden-Luft-Raketen abgeschossen.
Jagd auf Tutsi: Mordanschlag löst Bürgerkrieg in Ruanda aus
Dieser Präsidentenmord ist die Initialzündung für den Bürgerkrieg in Ruanda, bei dem Angehörige der Hutu-Mehrheit systematisch Jagd auf die Minderheit der Tutsi machen. Nach Schätzungen kommen innerhalb von drei Monaten 800.000 bis eine Million Menschen ums Leben – drei Viertel aller in Ruanda lebenden Tutsi.
Dass es so weit kommen würde, ist am 7. April noch nicht klar, als Afrika-Korrespondent Michael Franzke eine Einschätzung zum Präsidentenmord gibt.

Apr 4, 2024 • 8min
Ermordung von Martin Luther King | 4.4.1968
Der Bericht von USA-Korrespondent Georg Siegert schildert die Lage nach dem Attentat. Sein Bericht klingt für heutige Ohren ungewohnt, denn 1968 galt es noch als politisch völlig korrekt, Schwarze als "Neger" zu bezeichnen.
Martin Luther King hatte 1964 den Friedensnobelpreis erhalten. Berühmt geworden ist seine Rede beim "Marsch auf Washington von 1963 "I have a dream". Diese Rede ist jedoch urheberrechtlich geschützt.

Apr 3, 2024 • 30min
Barack Obamas Vision einer atomwaffenfreien Welt | 3. bis 5.4.2009
Obama wirbt in Europa für eine Welt ohne Atomwaffen
Als Ende 2008 Barack Obama zum neuen US-Präsidenten gewählt wird, setzen viele große Hoffnungen in den jungen Charismatiker. Wie sehr er Menschen begeistern kann, zeigt sich auch bei seinem Europa-Besuch Anfang April 2009. Obama ist noch keine drei Monate im Amt und überrascht die Welt mit einem großartig klingenden Plan, den er in einer Rede vor 4.000 Jugendlichen am 3. April in Straßburg zunächst andeutet: Er werde beim EU-USA-Gipfel in Prag Vorschläge für eine Welt ohne Atomwaffen unterbreiten.
Nicht nur die Jugendlichen in Straßburg sind begeistert, auch der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier zeigt sich erfreut über dieses "Signal von großer Tragweite". Endlich sei das Abrüstungsthema wieder auf der Tagesordnung.
"A world without nuclear weapons": US-Präsident Obama hält Rede in Prag
Barack Obama reist von Straßburg weiter zum NATO-Gipfel nach Baden-Baden und von dort zum EU-USA-Gipfel nach Prag. Dort führt er seinen Gedanken vor 20.000 Zuschauern noch etwas weiter aus.
Noch im selben Jahr bekommt er für seine Abrüstungsideen den Friedensnobelpreis – von dem später viele sagen werden, dass das viel zu früh war. Denn rückblickend betrachtet war es nicht mehr als ein großes Versprechen: eine charismatische Rede, aus der nichts weiter wurde.

Apr 1, 2024 • 1min
Neues vom Archivradio: Wir sind jetzt ein gemeinsames ARD-Angebot
Bisher war das Archivradio ein Angebot von SWR2, jetzt unterstützen es auch weitere Sender: Der HR, der WDR, der BR und der MDR. Damit ist es jetzt das gemeinsame ARD Angebot für historische Tondokumente.
Außer dem Absender und dem neuen Cover bleibt vieles, wie es ist. Auf dieser Website finden sich weiterhin alle Archivradio-Aufnahmen thematisch und chronologisch sortiert: http://swr.li/archivradio-katalog
Und hier geht es zum Live-Stream, in dem man Aufnahmen zu einem thematischen Schwerpunkt am Stück hören kann: https://liveradio.swr.de/sw331ch/raka02/
Und natürlich freuen wir uns, wenn ihr das Archivradio der ARD allen empfehlt, die sich dafür interessieren könnten.

Mar 26, 2024 • 22min
Terrorangriff und Geiselnahme in Moskauer Theater | 23. bis 26.10.2002
Hunderte Geiseln: Tschetschenische Terroristen stürmen Dubrowska-Theater
Am 23. Oktober 2002 stürmen mehr als 40 tschetschenische Terroristen das Moskauer Dubrowka-Theater, wo gerade ein Musical läuft. Sie nehmen mehr als 700 Geiseln. Am zweiten Tag gibt es schon erste Tote.
Tschetschenien-Krieg ist Hintergrund der Geiselnahme
Politischer Hintergrund ist der zweite Tschetschenien-Krieg, der drei Jahre zuvor begonnen hatte, forciert von Wladimir Putin. Der war zu Beginn des Krieges noch Ministerpräsident und wurde kurz darauf Staatspräsident. Zum Zeitpunkt des Terrorangriffs auf das Moskauer Theater ist er gut zwei Jahre im Amt. Die Geiselnehmer im Theater fordern die Beendigung des Krieges und den sofortigen Abzug des russischen Militärs.
SWR1 informiert am 24. Oktober 2022 in einer Hintergrundsendung ausführlich über die Lage.
Sondereinheit setzt Betäubungsgas zur Befreiung ein – viele Geiseln sterben
Drei Tage lang dauerte die Geiselnahme, bis sie von russischen Sondereinheiten beendet wurde. Dabei starben nicht nur die 41 Geiselnehmer, sondern auch 129 Geiseln. Die Spezialkräfte setzten ein Betäubungsgas ein, das auch auf viele der Geiseln tödlich wirkte.

Mar 18, 2024 • 40min
Bundeskanzler Helmut Schmidt zum Kampf gegen Terrorismus | 20.10.1977
RAF ermordet Hanns Martin Schleyer
Nach der riskanten, aber gelungenen Befreiung der entführten Lufthansa-Maschine "Landshut" und der anschießenden Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer durch die RAF befasst sich am 20. Oktober 1977 der Bundestag mit den Ereignissen.
Bundeskanzler Helmut Schmidt gibt dabei eine Regierungserklärung ab. Er befasst sich damit auch mit der Frage, welche Risiken der Staat eingehen darf, um seine Bevölkerung zu schützen.

Mar 17, 2024 • 5min
Putin erklärt nach Annexion: "Die Krim gehört zu Russland" | 18.3.2014
Krim: immer wieder Konflikte
Jahrzehntelang gehörte die Krim zur Ukraine – was für Moskau kein Problem war, solange es die Sowjetunion gab. Und auch danach nicht, solange in Kiew moskautreue Regierungen saßen, die die russische Kontrolle über den Militärhafen Sewastopol nicht gefährden.
Konflikte zwischen der Krim und der Zentralregierung in Kiew gibt es immer wieder, denn die russischsprachige Bevölkerungsmehrheit auf der Halbinsel fühlt sich Russland stärker verbunden als der Ukraine.
Massenproteste in Kiew im Februar 2014
Die Ereignisse eskalieren im Februar 2014. In Kiew, der Hauptstadt der Ukraine, kommt es zu Massenprotesten gegen die prorussische Politik von Präsident Wiktor Janukowitsch. Janukowitsch wird gestürzt und setzt sich nach Russland ab. Der proeuropäische Oleksandr Turtschynow übernimmt als Übergangspräsident Ende Februar die Regierungsgeschäfte, zusammen mit Arsenij Jazenjuk als Ministerpräsident.
Russische Annexion der Krim beginnt
Um die gleiche Zeit beginnt Russland mit der Annexion der Halbinsel Krim. Sie ist zunächst als Machtübernahme lokaler russischsprachiger Krimbewohner getarnt, bevor die russische Armee auch nach außen hin sichtbar wird. Am 18. März 2014 feiert Russlands Präsident Wladimir Putin öffentlich die Annexion, die aus seiner Sicht eine Reparatur historischer Fehlentscheidungen darstellt. Seine Rede sorgt für Aufsehen, denn er holt historisch weit aus. Er sagt allerdings auch, dass, entgegen der Befürchtungen des Westens, der Krim nicht noch weitere Regionen folgen werden.
Sein Versprechen, die Ukraine nach der Annexion der Krim nicht weiter anzutasten, bricht er spätestens mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine im Februar 2022.

Mar 15, 2024 • 23min
Verhaftung der RAF-Mitglieder Andreas Baader, Holger Meins und Jan-Carl Raspe | 1.6.1972
Festnahmen nach einer Reihe von RAF-Anschlägen
Hunderte Schüsse sollen gefallen sein, als am 1. Juni 1972 die Polizei im Frankfurter Nordend drei Mitglieder aus dem harten Kern der "Roten Armee Fraktion" festnahm: Andreas Baader, Holger Meins und Jan-Carl Raspe. In den Wochen zuvor hatte die Terrorgruppe eine Reihe von Anschlägen verübt.
Baader saß 1970 schon einmal im Gefängnis, war aber mithilfe der Journalistin Ulrike Meinhof befreit worden und hielt sich seitdem im Untergrund auf bzw. zusammen mit anderen Angehörigen der Terrorgruppe in Jordanien, wo sie wiederum bei palästinensischen Terroristen Waffentraining bekamen. Zurück in der Bundesrepublik verüben sie 1972 zahlreiche Bombenanschläge – auf das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Frankfurt und Heidelberg, auf Polizeistationen, auf die Zentrale des Axel-Springer-Verlags in Hamburg.
Welche Bedeutung die Festnahme von Baader, Meins und Raspe hat, zeigt sich auch darin, wie ausführlich die Nachrichten des Südwestfunks und die unmittelbar anschließende Sondersendung darauf eingehen. Sie unterstützen auch die weiteren Fahndungsaufrufe der Polizei.


