Archivradio – Geschichte im Original

SWR
undefined
Apr 30, 2026 • 6min

Der "Weiße Wal" im Rhein – Beluga-Fieber in Duisburg | 20.5.1966

Zoodirektor will den Wal erwischen 1966 schwimmt ein Weißwal – auch Beluga genannt – den damals ziemlich dreckigen und verseuchten Rhein hinauf, bis nach Duisburg. Zwei Rheinschiffer entdecken ihn am 18. Mai 1966. Die Nachricht spricht sich schnell herum, der Wal bekommt den Spitznamen Moby Dick. Der erste Impuls ist aber nicht, dem Wal wieder zurück in die Nordsee zu helfen, im Gegenteil. Der Duisburger Zoodirektor Dr. Wolfgang Gewalt versucht ihn zu erwischen, schießt auf ihn mit Betäubungspistolen – ohne Erfolg. Am 20. Mai 1966 taucht der Wal wieder auf. Der WDR berichtet. Jagd auf Beluga wird zum Spektakel Die Waljagd wird zum Spektakel; Presseboote und sogar Zeppeline begleiten Dr. Gewalt bei seiner Jagd auf den Wal, der immer wieder an neuen Orten gesichtet wird, tendenziell aber wieder rheinabwärts. Gleichzeitig kippt die Stimmung. Naturschützer drängen darauf, den Wal in Ruhe zu lassen. Die Bild-Zeitung greift die Stimmung auf, schreibt von gnadenloser Jagd. Der Kölner Express fordert "Verhaftet Dr. Gewalt". Nach einem Monat, am 16. Juni 1966, findet der Wal in die Nordsee zurück und schwimmt wieder im offenen Meer.
undefined
Apr 20, 2026 • 55min

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und die Folgen

Das Kernkraftwerk Tschernobyl war im Ukraine-Krieg schon früh Angriffsziel der russischen Streitkräfte. Das weckte bei vielen Erinnerungen an die Reaktorkatastrophe vom 26.4.1986. Gábor Paál und Miriam Mörtl sprechen über Tonaufnahmen von damals (SWR 2011/2026) Mehr zur Sendung: http://swr.li/tschernobyl-folgen Bei Fragen und Anregungen schreibt uns:  daswissen@swr.de Folgt uns auf Mastodon: @daswissen@ard.social
undefined
Apr 18, 2026 • 36min

Frühe Atom-Euphorie – Die Epoche der Kernenergie in Deutschland (1/2)

In Deutschland war die Begeisterung für die Atomkraft zunächst groß: unerschöpfliche Energie! 1960 wird im Kernkraftwerk Kahl am Main "das atomare Feuer entfacht", wie der Reporter damals schwärmt. Die Kritik war eher leise und kam vor allem von rechts. Gábor Paál spricht mit dem Historiker Joachim Radkau (SWR 2022/2026) Historische Tonaufnahmen im Archivradio: Geschichte der Kernenergie http://swr.li/kernenergie-geschichte Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und die Folgen http://swr.li/tschernobyl-folgen Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de Folgt uns auf Mastodon: https://ard.social/@DasWissen
undefined
Apr 18, 2026 • 31min

Vom Widerstand zum Atomausstieg – Die Epoche der Kernenergie in Deutschland (2/2)

Der Widerstand gegen das AKW Wyhl in den 1970ern war die Keimzelle der großen Anti-Atomkraft-Bewegung. Am Ende hat sie gesiegt, die letzten Meiler sind 2023 vom Netz gegangen – anders als im Ausland. Wie kam es dazu? Gábor Paál spricht mit dem Historiker Joachim Radkau (SWR 2022/2026) Historische Tonaufnahmen im Archivradio: Geschichte der Kernenergie http://swr.li/kernenergie-geschichte Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und die Folgen http://swr.li/tschernobyl-folgen Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de Folgt uns auf Mastodon: https://ard.social/@DasWissen
undefined
Apr 17, 2026 • 16min

Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter zum Umgang mit der Atom-Angst | 12.12.1986 | Tschernobyl

Irrglaube: Gefahren durch Technik beherrschen Im Dezember 1986 gab der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter (1923 - 2011) ein Interview im NDR. Er sprach über den Umgang mit der Angst nach der Reaktorkatastrophe. Er warnte vor dem Glauben, alle Gefahren mit dem Fortschritt der Technik beherrschen zu können. Appell an Politiker: der Öffentlichkeit die Wahrheit zutrauen NDR-Reporter Ralph Ludwig (1943 - 2017) sprach im Interview mit dem bekennenden Friedensaktivisten Richter über den Umgang mit der Angst nach einer solchen Umweltkatastrophe. Am wichtigsten sei es, offen miteinander zu sprechen. Das gelte vor allem auch für Politiker, die einen Hang zu Vormundstellung hätten und der Öffentlichkeit nicht die Wahrheit zutrauten. Warnung vor größenwahnsinnigem Missbrauch der Technik Horst-Eberhard Richter glaube an eine "tiefe Fehlhaltung der Menschen", wenn sie glaubten, sie könnten die energiepolitischen Probleme mit der Weiterentwicklung der Technik lösen. Es gehe darum, zu einer anderen Grundhaltung zu finden: Wenn dieses bescheidene Lebensgefühl, die maßvolle Selbsteinschätzung nicht wieder hergestellt wird, dann wird dieser größenwahnsinnige Missbrauch der Technik nicht aufhören. Quelle: Horst-Eberhard Richter
undefined
Apr 17, 2026 • 19min

Walter Wallmann (CDU) wird erster Bundesumweltminister | 4.6.1986 | Tschernobyl

Infolge des Reaktorunglücks in der Sowjetunion schuf die Bundesregierung eine neue Behörde: das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Erster Bundesumweltminister wurde Walter Wallmann (1932 - 2013) von der CDU; er trat das Amt am 6. Juni 1986 an. Hier ein Interview mit ihm im Hessischen Rundfunk vom 4. Juni 1986, also kurz vor dem Amtsantritt. Ausstieg aus Kernenergie nicht verantwortbar Wallmann bekräftigt in dem Interview die Position der CDU, dass ein Ausstieg aus der Kernenergie nicht verantwortbar sei und ein neues Anwerfen von alten Kohlekraftwerken gesundheitliche Schäden bewirken könne. Sobald es eine neue Energie gebe, die die Kernenergie ersetzen könne und die sicherer, umweltschonender und wirtschaftlicher sei, würde die Union sie einsetzen. Er plädierte in dieser Position für Nachdenklichkeit und Offenheit bezüglich alternativer Energiequellen. Gleichzeitig wies er die Forderungen nach einem raschen Ausstieg aus der Kernenergie als "unrealistisch" zurück und bezeichnete deutsche Reaktoren wegen ihres Sicherheitsstandards als "verantwortbar".
undefined
Apr 17, 2026 • 18min

Großdemo gegen die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf

Nach Tschernobyl-Katastrophe verstärkt sich Widerstand gegen Wackersdorf Die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf in der Oberpfalz sollte die zentrale Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe aus Kernreaktoren in Deutschland werden. Der Protest gegen den Bau der WAA formierte sich schon Ende des Jahres 1985. Nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl verstärkte sich der Widerstand. An Pfingsten versammelten sich Zehntausende Atomkraftgegner im Taxöldener Forst bei Wackersdorf, um gegen den Bau der Wiederaufarbeitungsanlage zu demonstrieren. Hunderte Verletzte und Sachschaden in Millionenhöhe Wie in Brokdorf (1977) und Gorleben (1980) kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Vermummte Demonstranten versuchten, über den Eisengitterzaun auf das WAA-Gelände zu gelangen, beschossen die Polizisten mit Stahlkugeln und setzten Fahrzeuge in Brand. Die Staatsmacht ihrerseits provozierte mit tieffliegenden Hubschrauberflügen und Reizgasgranaten, die sie in die Mengen warfen. Die Bilanz des Wochenendes: Hunderte von Verletzten auf beiden Seiten, Sachschäden in Millionenhöhe. Rohmaterial des Journalisten Ulrich Böken Der Hörfunkjournalist Ulrich Böken war an diesem Pfingstwochenende mit seinem Mikrofon vor Ort. Hier zu hören das von ihm aufgenommene Rohmaterial in voller Länge. Lied: "Bayernland"Hubert Weinzierl (O-Ton), Vorstand des BUND: "Es ist Zeit, über die Grenzen der Großtechnologie nachzudenken." Atmo: Rhythmisches Klopfen am Bauzaun, Pfiffe, Durchsagen im HintergrundDemonstranten reden auf Polizisten ein: "Gewalt entsteht durch Hilflosigkeit". Im Hintergrund sind Hubschrauber zu hören.Demonstranten beschreiben das Vorgehen der PolizeiHubschrauber werfen Gasgranaten in die Menschenmenge. Demonstranten: "Schau hi, der wirft oba ... geh mer." Aufhören-Rufe. Im Hintergrund: Hubschraubergeräusche.Reportage von Ulrich Böken: Er beschreibt die Situation.Empörte Demonstranten nach dem Gaseinsatz vom Hubschrauber.
undefined
Apr 17, 2026 • 27min

Stellungnahme von Gorbatschow nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl | 14.5.1986 | Tschernobyl

Zwei Wochen nach der Havarie schildert Michael Gorbatschow die sowjetische Sicht der Katastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl. In einer knapp halbstündigen Fernsehansprache weist er auf den "außerordentlichen und gefährlichen Charakter der Geschehnisse" vor Ort hin. Er erläutert, wie es zu dem Unfall kommen konnte und versichert, dass alle Anstrengungen unternommen worden seien, um die Menschen zu informieren, die Havarie zu beseitigen und die schweren Folgen zu begrenzen. Erste Bilanz der Katastrophe Trotz der eingeleiteten Maßnahmen seien bei der Havarie zwei Menschen ums Leben gekommen. 299 lägen mit Strahlenerkrankungen unterschiedlichen Grades in Krankenhäusern, davon seien bereits sieben Menschen in Folge der Verstrahlung gestorben. Gorbatschow spricht allen Betroffen sein Mitgefühl aus und versichert, dass die sowjetische Regierung für die Familien der Todesopfer und Geschädigten sorgen werde. Er könne "mit Fug und Recht [...] sagen, bei aller Schwere des Geschehenen konnte der Schaden in entscheidendem Maße, dank des Mutes und des Könnens der Menschen, dank ihrer Pflichttreue, Dank der Dynamik der Handlungen aller, die sich an der Beseitigung der Folgen der Havarie beteiligten, in Grenzen gehalten werden." Kritik an der "Hetze" des Westens Gorbatschow würdigt die Anteilnahme des Auslands, in erster Linie von Seiten der sozialistischen Länder. An den "Regierungen, Politikern und Massenmedien einiger NATO-Länder, besonders der USA" übt er heftige Kritik. Sie hätten eine "zügellose antisowjetischen Hetze entfacht. Was sie in diesen Tagen nicht alles redeten und schrieben, von tausenden Opfern, Massengräbern, vom ausgestorbenen Kiew, davon dass der ganze Boden der Ukraine vergiftet ist. Alles in allem haben wir es fürwahr mit einem aufgetürmten Berg gewissenloser und böswilliger Lügen zu tun." In Bezug auf die vom Westen kritisierte Informationspolitik der Sowjetunion verwies Gorbatschow an die Adresse der USA: "Alle erinnern sich noch daran, dass die amerikanischen Behörden zehn Tage brauchten, um den eigenen Kongress zu informieren, und Monate, um die Weltöffentlichkeit davon in Kenntnis zu setzen, welche Tragödie sich 1979 im Kernkraftwerk Three Miles Island ereignet hatte." Ost-West-Dialog in Gefahr Durch dieses Vorgehen behinderten die USA und ihre engsten Verbündeten den Dialog zwischen Ost und West und hätten eine Möglichkeit gefunden, das nukleare Wettrüsten zu rechtfertigen. Im Gegensatz dazu verstehe die Sowjetunion den Unfall im Kernkraftwerk als "weiteres Alarmsignal dafür, dass die nukleare Epoche ein neues politisches Denken erfordere." Der außenpolitische Kurs der Sowjetunion, der auf dem 27. Parteitag der KPdSU ausgearbeitet worden war, sei der richtige: Die vollständige Beseitigung der Kernwaffen und die Schaffung eines allumfassenden Systems der internationalen Sicherheit. Gorbatschow führte weiter aus: "Heute sind in verschiedenen Ländern der Welt mehr als 370 Kernreaktoren in Betrieb. Das ist die Realität. Man kann sich die Zukunft der Weltwirtschaft ohne die Entwicklung der Kernenergie schwer vorstellen. In unserem Land sind heute 40 Reaktoren mit einer Gesamtkapazität von mehr als 28 Millionen Kilowatt in Betrieb. Bekanntlich bringt das friedliche Atom der Menschheit nicht wenig Nutzen. Es versteht sich aber, dass wir alle verpflichtet sind, mit noch größerer Umsicht vorzugehen und die Anstrengung von Wissenschaft und Technik auf die Gewährleistung einer sicheren Meisterung der gewaltigen und ungeheuren Kräfte zu konzentrieren, die im Atomkern stecken." Das Atomzeitalter fordere mit Macht ein neues Herangehen an die internationalen Beziehungen. Es gehe um die Beendigung des "todbringende Wettrüstens" und eine radikale Verbesserung des internationalen Klimas. Reaktionen auf die Rede Die verspätete Rede fand im Westen unterschiedliche Aufnahme. Das Echo aus Washington war vergleichsweise milde. Führende amerikanische Zeitungen gestanden dem Parteichef sogar zu, dass seine Kritik an den maßlosen Übertreibungen verschiedener westlicher Medien ihre Berechtigung habe. Quelle: 14. Mai 1986: Ansprache Gorbatschow im sowjetischen Fernsehen zum Reaktor-Unglück (Russisch, darüber deutsche Übersetzung).
undefined
Apr 17, 2026 • 4h 11min

Bundestagsdebatte zu Tschernobyl und Atomkraft | 14.5.1986 | Tschernobyl

Diskussion nach Reaktorunglück: sichere Atomkraft vs. Anti-Atom-Haltung Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist am 14. Mai 1986 Thema im Bundestag. Die Debatte ist für 2 Stunden angesetzt und dauert mehr als doppelt so lang. Sie zeigt, welche Zäsur das Ereignis bedeutete. Auf der einen Seite Union und FDP, die sich durch Tschernobyl nicht davon abbringen ließen zu beteuern, dass in Deutschland die sichersten Atomkraftwerke der Welt stehen und sich auch sonst Umweltprobleme am besten mit Technik lösen lassen – Helmut Kohl spricht gar von umweltfreundlichen Autos. Er meint die mit Katalysatoren. Auf der anderen Seite die Grünen, die sich durch Tschernobyl in ihrer Anti-Atom-Haltung bestätigt sehen, und die SPD, die, wie die Rede des damals noch jungen Gerhard Schröder zeigt, nun auch auf diesen Kurs einschwenkt. Waldsterben: noch kein Klimawandel in Sicht Interessant, dass vom Klimawandel noch gar keine Rede ist. Das Umweltproblem der damaligen Zeit ist das durch Schadstoffe verursachte Waldsterben. Es geht los mit einer Regierungserklärung von Bundeskanzler Helmut Kohl. Wir hören dann den Oppositionsführer von der SPD, Hans-Jochen Vogel, Gerhart Baum, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP und Joschka Fischer, der sich ein Jahr zuvor in Hessen in Turnschuhen zum ersten grünen Umweltminister hat vereidigen lassen. Nach ihm die Erwiderung von Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber. Kinder und Schwangere ausreichend geschützt? Hörenswert auch die Reden am Ende von Renate Schmidt von der SPD sowie Rita Süssmuth von der CDU, die sich gegen den Vorwurf wehrt, Kinder und Schwangere nicht ausreichend zu schützen. Aus den Reden von Kohl und Vogel haben wir einige Passagen entfernt, die nichts mit Tschernobyl zu tun hatten. Rednerinnen und Redner Helmut Kohl, Bundeskanzler, CDUHans-Jochen Vogel, Fraktionsvorsitzender, SPD Alfred Dregger Fraktionsvorsitzender, CDU Hannegret Hönes, Fraktionsvorsitzende, GRÜNE Gerhart Baum, Fraktionsvorsitzender, FDP Joseph "Joschka" Fischer, Landesumweltminister in Hessen, GRÜNEHeinz Riesenhuber, Bundesforschungsminister, CDUGerhard Schröder, MdB, SPDOtto Graf Lambsdorff, MdB, FDP Friedrich Zimmermann, Bundesinnenminister, CSURenate Schmidt, MdB,SPD Rita Süssmuth, Bundesfamilienministerin, CDU
undefined
Apr 16, 2026 • 7min

Nach der Giftwolke: Was darf man noch essen? | 6.5.1986 | Tschernobyl

Spargel, Salat, Kinderspielplatz: Gefahren nach dem Reaktorunglück? In den zwei Wochen nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl war die Verunsicherung groß. Was kann die Giftwolke anrichten? Es wurde davor gewarnt, bei Regen rauszugehen oder Kinder im Sandkasten spielen zu lassen. Auch Salat und Blattgemüse sollten lieber nicht gegessen werden. Und dann war ja gerade Spargelzeit – darf der Spargel geerntet und verkauftet werden? Am 6. Mai 1986 brachte der Südwestfunk eine Live-Sendung aus Schifferstadt, in der Hörerinnen und Hörer ihre Fragen stellen konnten. Im Bild: Am 11.5.1986 wird in der Groߟmarkthalle in Bruchsal Spargel auf Belastung mit Radioaktivität überprüft

The AI-powered Podcast Player

Save insights by tapping your headphones, chat with episodes, discover the best highlights - and more!
App store bannerPlay store banner
Get the app