

Archivradio – Geschichte im Original
SWR
Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog
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Feb 16, 2026 • 1h 23min
Bundeskanzler Adenauer will Atomwaffen: Bundestag debattiert tagelang | 20. bis 25.3.1958 | Kernenergie
Konrad Adenauer will Bundeswehr atomar bewaffnen
Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) strebt in den 1950er-Jahren nicht nur die friedliche Nutzung der Atomenergie an, sondern will auch die Bundeswehr im Rahmen der NATO atomar bewaffnen. Sein Hauptargument ist die mächtige Sowjetunion, der man etwas entgegensetzen müsse.
Opposition plädiert für atomwaffenfreie Zone
Die Opposition, vor allem die SPD, ist dagegen; sie plädiert für eine atomwaffenfreie Zone auf dem Gebiet der beiden deutschen Staaten. Eine atomare Aufrüstung dagegen würde eine Wiedervereinigung in weite Ferne rücken.
Die Debatte zieht sich über vier Tage hin. Sie wäre noch länger gegangen, wenn nicht am letzten Tag die Debatte per Mehrheitsbeschluss auf nur noch acht Stunden begrenzt worden wäre.
Redner und Rednerinnen
Wir hören Ausschnitte. Zunächst Bundeskanzler Konrad Adenauer, der wie auch schon in früheren Reden die Atombombe als Weiterentwicklung der bisherigen Waffensysteme darstellt. Es folgen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU), dann Fritz Erler (SPD), der mit einer Anspielung auf Goebbels‘ "totalen Krieg" die Unionsabgeordneten dazu veranlasst, empört den Saal zu verlassen.
Anschließend hören wir Reinhold Maier (FDP), gefolgt von zwei weiteren SPD-Abgeordneten, nämlich Helmut Schmidt – dem späteren Bundeskanzler – sowie Gustav Heinemann – dem späteren Bundespräsidenten.
Es folgt eine Replik von Franz Josef Strauß, und darauf eine von Fritz Erler.Am Schluss die einzige weibliche Stimme in der Debatte: Luise Rehling (CDU). Sie erklärt, für die Frauen und Mütter zu sprechen.
Bundestag stimmt atomarer Ausrüstung der Bundeswehr im Rahmen der NATO zu
Nach der emotionalen Debatte stimmt der Bundestag mehrheitlich der atomaren Ausrüstung der Bundeswehr im Rahmen der NATO zu. Die SPD kündigt daraufhin an, sie werde eine Volksbefragung initiieren, da Atomwaffen zu einem nationalen Notstand führen würden. Den Anfang machen Hamburg und Bremen, die tatsächlich Volksbefragungen über die atomare Bewaffnung einleiten. Doch dazu kommt es nicht: Das Bundesverfassungsgericht hält die Befragungen für verfassungswidrig und stoppt sie.
Adenauer setzt sich somit durch, allerdings bleiben die in der Bundesrepublik stationierten Atomwaffen unter der Kontrolle der Vereinigten Staaten – nicht der Bundeswehr.
Quelle: RIAS/Deutschlandradio
http://swr.li/kernenergie-deutschland

Feb 13, 2026 • 13min
Plagiatsaffäre zwingt Guttenberg zum Rücktritt | 16.2. bis 1.3.2011
Beliebter Minister muss sich Plagiatsvorwürfen stellen
Karl-Theodor zu Guttenberg gehörte zeitweise zu den beliebtesten Politikern in Deutschland. Der damalige Verteidigungsminister wurde als CSU-Chef und möglicher Kanzlerkandidat gehandelt. Doch 2011 endet seine politische Karriere abrupt, als bekannt wird, dass er sich in seiner Doktorarbeit mit fremden Federn geschmückt und viele Passagen aus anderen Texten ohne Quellenangabe übernommen hat. Am 16. Februar 2011 werden diese Plagiatsvorwürfe bekannt.
Drei Tage später findet in Berlin die übliche Regierungspressekonferenz statt. Die Hauptstadtpresse hofft auf eine Erklärung des Verteidigungsministers. Doch der zieht es vor, sich in einem gesonderten Termin vor ausgewähltem Publikum zu äußern.
Und wie äußert sich nun Guttenberg zu den Vorwürfen? Er sagt das hier:
"Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat, und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir. Sie ist über etwa sieben Jahre neben meiner Berufs und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit entstanden und sie enthält fraglos Fehler. Und über jeden einzelnen dieser Fehler bin ich selbst am unglücklichsten. Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht [...]"

Feb 1, 2026 • 3min
Rita Süssmuth über ihren Kampf in der Aids-Politik
Rita Süssmuth (*1937) ist Bundesgesundheitsministerin bis 1988, als der CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler Helmut Kohl sie zur Bundestagspräsidentin vorschlägt. Süssmuth folgt diesem Ruf nicht ohne zu betonen, dass sie in der Aids-Politik weiter mitreden werde.
Am 23. November 1988 gibt sie zur Überraschung vieler eine Abschiedspressekonferenz und zieht eine deutliche Bilanz. Sie habe in der Regierung oft mit dem Rücken zur Wand gestanden.
Im Bild: Bundesgesundheitsministerin Rita Süssmuth (rechts) und und die amerikanische Sexualtherapeutin Ruth Westheimer (Mitte) sammeln am 29. Mai 1987 auf der Königsallee in Düsseldorf Spenden für an Aids erkrankte Kinder in der Bundesrepublik. Die Spendenaktion "Aids-Kids" soll einen bessere Betreuung und Versorgung der rund 400 Aids-kranken Kinder in Deutschland gewährleisten.
Mehr historische Aufnahmen zur Medizingeschichte: http://swr.li/medizingeschichte

Feb 1, 2026 • 13min
Erstes Zuwanderungsgesetz in Deutschland | 9.7.2004
Deutschland sei kein Einwanderungsland – das war das Mantra der Bundesregierung Kohl bis 1998. Es war einfach nicht vorgesehen, dass Menschen – abgesehen von humanitären Gründen – dauerhaft nach Deutschland zogen.
Fachkräfte fehlen
Die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder sieht das anders. Und die Wirtschaft macht auch Druck, ihr fehlen schon damals qualifizierte Fachkräfte. Im Jahr 2000 kündigt Kanzler Schröder erstmals an, qualifizierten IT-Fachkräften einen Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu gewähren.
Zuwanderungsgesetz kommt nach Kompromiss zustande
Bald darauf beschließt die Bundesregierung das erste echte Zuwanderungsgesetz – ein Gesetz, das sich eben auch am Arbeitsmarkt orientiert. Doch das scheitert zunächst am Hickhack im Bundesrat.
Am Ende geht Gerhard Schröder auf die Opposition zu. Nach jahrelangen Verhandlungen verabschiedet zunächst der Bundestag und am 9. Juli 2004 auch der Bundesrat das Zuwanderungsgesetz, das auch von Union und FDP mitgetragen wird.
Dass der Kompromiss zustande kam, war auch der CDU-Politikerin Rita Süssmuth zu verdanken. Sie leitete damals den Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration. Dessen Berichte haben damals geholfen, die Debatte zu versachlichen. Als das Gesetz verabschiedet wird, äußert sie sich dazu im SWR.

Jan 30, 2026 • 40min
Physiker Werner Heisenberg über sein Leben | 30.3.1968
Werner Heisenberg ist einer der bedeutendsten deutschen Physiker des 20. Jahrhunderts. Entdecker der sogenannten "Unschärferelation" – der Tatsache, dass man nicht alle Eigenschaften eines Teilchens gleich gut messen kann. Es hat entweder einen definierten Ort, oder einen definierten Impuls, aber nicht beides gleichzeitig. Das liegt in seiner Natur der physikalischen Teilchen.
Aber Heisenberg prägte nicht nur die Grundlagen der Kernphysik, sondern auch ihre Anwendung, die Kernenergie. Im Krieg arbeitete er an einem ersten deutschen Kernreaktor. Nach dem Krieg setzte er sich für die friedliche Nutzung der Kernenergie ein. Ansonsten forschte er weiter, tüftelte an einer Weltformel.
1968, Heisenberg ist 66 Jahre alt, führt der Redakteur der Deutschen Welle Harald von Troschke das folgende Interview mit Werner Heisenberg über seine Forschung und sein Leben.
Mehr Sternstunden der Wissenschaft

Jan 28, 2026 • 9min
Die "Challenger" explodiert | 28.1.1986
Die Raumfähre "Challenger" explodiert kurz nach dem Start. Für die sieben Astronauten an Bord bedeutet das den Tod. Keine "Sternstunde der Wissenschaft", sondern ein einschneidendes und vor allem tragisches Ereignis der Raumfahrt.
Unter den Besuchern, die in Cape Canaveral die Katastrophe live miterlebten, war US-Präsident Ronald Reagan. Der deutsche Reporter Harro Zimmer berichtete live aus Florida.
Die Ursache: Der Dichtungsring
Der Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman liefert in der Untersuchungskommission zur Explosion der Challenger eine einfache Erklärung für die Katastrophe. In weniger als einer Minute führt er vor laufenden Kameras ein kleines physikalischen Experiment vor: Vor ihm steht ein Glas eiskaltes Wasser, in das er einen der typischen elastischen Dichtungsringe tunkt. Ergebnis: Der Dichtungsring wird bei Kälte spröde. Es waren die Dichtungsringe, die versagten.

Jan 26, 2026 • 28min
Das Wirtschaftswunder – Kaufrausch, Elvis, Urlaubsreisen
1957 eröffnet der erste Supermarkt, die Deutschen entdecken Autos, Mallorca und das Fernsehen. Die Gegenbewegung bilden die "Gammler", die sich dem Ideal von Fleiß und Konsum entziehen.
Lukas Meyer-Blankenburg spricht mit dem Historiker Harald Jähner über Aufnahmen aus dem ARD Archivradio (SWR 2026)
Literatur:
Harald Jähner: Wunderland. Die Gründerzeit der Bundesrepublik 1955-1967. Rowohlt Verlag, 2024
Historische Originalaufnahmen zur Sendung:
http://swr.li/wirtschaftswunder
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Jan 25, 2026 • 7min
Gammler in München-Schwabing verärgern die Deutschen | 14.4.1966
Nackt und unrasiert statt adrett und fleißig
In den 1960er-Jahren entwickelt sich in den beiden deutschen Staaten die Subkultur der Gammler – eine Art Gegenentwurf zum arbeitsamen Deutschen der Wirtschaftswunderjahre. Nicht fleißig, sondern faul. Nicht adrett gekleidet, sondern nackt und unrasiert hängen die Gammler in Parks und auf öffentlichen Plätzen rum und werden so für viele zum Ärgernis.
Die Medien greifen das Thema natürlich auf. Wer sind die Gammler und was wollen sie?
Eine Reportage des Südwestfunks vom 16. April 1966 sucht nach Antworten.

Jan 24, 2026 • 5min
Elvis Presley landet als GI in Bremerhaven | 1.10.1958
Star absolviert Militärdienst in Deutschland – Fans und Kritiker empfangen ihn
Elvis Presley war schon ein junger Weltstar, als er einen Einberufungsbefehl zum Militärdienst erhielt. Er absolvierte seine Grundausbildung in Texas und wurde schließlich in Deutschland stationiert.
Am 1. Oktober 1958 trifft er, von New York kommend, mit dem Schiff in Bremerhaven ein. Hunderte Fans warten auf ihn. Am Ende der Reportage hört man ihn auch selbst kurz nach der Ankunft.
Wie Vico Torriani kann jeder singen, aber wie Elvis nicht.
Quelle: Elvis-Fan 1958 in Bremerhaven

Jan 24, 2026 • 11min
Bundespräsident Theodor Heuss begrüßt Kriegsgefangene in Friedland | 18.10.1955
Bericht über die Rückkehr tausender deutscher Kriegsgefangener nach Friedland und die euphorische Begrüßung entlang der Strecke. Schilderungen von erlittenem Leid, emotionalen Wiedersehen und suchenden Angehörigen. Bundespräsident Theodor Heuss spricht Worte der Hoffnung, lobt Vermittlungserfolge und thematisiert Hilfsmaßnahmen zur Wiedereingliederung.


