Carls Café

Michael Carl
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Mar 24, 2022 • 48min

#88 Carsten Mumm – Ein neuer Generationenvertrag

Diese Woche in der Zukunft: Ein neuer Generationenvertrag muss her. Und zwar schnell. Natürlich werden wir länger arbeiten. Natürlich über Steuern oder Beiträge mehr in die Rentenkasse einzahlen – und weniger herausbekommen. Aber diese Stellschrauben der Vergangenheit reichen nicht mehr. Spätestens 2030 ist die Decke zu kurz. Bis dahin muss der neue Generationenvertrag stehen, sagt Carsten Mumm, Chefvolkswirt der Privatbank Donner und Reuschel, im Podcast. Ein wichtiger Treiber der Entwicklung: Die Demographie. Der demographische Wandel ist kein harmloser Wandel. Vor uns steht eine ausgewachsene demographische Krise. #WirSindDieKriseWir müssen also an die Grundlagen ran. Zuallererst: Was ist Arbeit? Arbeit ist das, was der Gesellschaft zugutekommt. Das ist etwas anderes als Beitragsjahre zählen. Das Zeitalter schematischer Bemessung von Beitragsjahren und Rentenhöhe geht zu Ende. Leistungen für die Gesellschaft und persönliche Belastungen sind individuell hoch unterschiedlich. Gleichzeitig kann es nicht das Ziel sein, dass jede:r solange arbeitet, bis er:sie nicht mehr kann. Niemand soll mit 70 noch auf dem Bau schuften müssen. Volle Belastung bis zur Erschöpfung für alle kann nicht das Ziel sein, eher im Gegenteil: Wir sollten lernen, Berufsleben so zu gestalten, dass die Belastung möglichst gering ist. Carsten sieht alle Generationen in der Pflicht. Die heutigen Neu-Rentner müssen den Jungen das Fachkräfteproblem lösen. Mit 67 einen Cut machen und sich nur noch um die Blumen kümmern, das können wir uns nicht erlauben. Alle Generationen müssen sich einbringen. Der Druck aus den Unternehmen könnte sich hier als hilfreich erweisen. Der allgegenwärtige Fachkräftemangel macht es attraktiv, die Mitarbeiter:innen länger in den Unternehmen zu halten – zumal viele Menschen länger arbeiten und sich sinnvoll einbringen wollen.Was haben jüngere Menschen davon, einen neuen Generationenvertrag auszuhandeln? Carsten weist darauf hin: Nicht zuletzt, weil die ältere Generation in der Mehrheit ist, kommen wir um ein Miteinander gar nicht umhin. Der praktische Hinweis zum Schluss: Wir haben selber vorzusorgen. Der Details sind viele, die Basics schlicht: 20 € im Monat machen schon einen Unterschied, übersetzt: Einen Cappuccino Grande pro Woche bei Starbucks lassen, stattdessen konsequent früh anfangen, Aktien kaufen, liegen lassen. Über die Jahre sind Schwankungen in Kurs und Wert eher hilfreich als riskant. Zu Gast in dieser Woche: Carsten Mumm, Chefvolkswirt Privatbank Donner & Reuschel.Youtube/Twitter
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Mar 17, 2022 • 39min

#87 Katja Diehl – #autokorrektur

Diese Woche in der Zukunft: Katja Diehl streitet für eine andere Mobilität im Land. Genauer: Katja streitet dafür, dass jede:r im Land bessere Möglichkeiten hat, die eigene Mobilität frei zu gestalten. Und das heißt: Wir müssen über die Privilegien des Autos sprechen. Und da der Mensch die eigenen Privilegien immer nur besonders schwierig wahrnimmt, braucht eine Wende der Mobilität auch eine Schule der Wahrnehmung. Ein Feedback, das Katja auf ihr Buch bekommt, lautet: Vor deinem Buch habe ich die vielen Autos in meiner Stadt gar nicht gesehen. Jetzt stehen sie überall. Das Buch heißt „Autokorrektur – Mobilität für eine lebenswerte Welt“. Katja war in der Review 2021: Katja Diehl – Mobilität mit #autokorrektur schon einmal als Streiterin für eine andere Mobilität hier im Podcast. Jetzt kehrt sie als Bestsellerautorin zurück. Der blinden Flecken sind viele. Eine Auswahl: Alle fahren Auto. Dabei können 13 Millionen Erwachsene kein Auto nutzen. Alle wollen Auto fahren. Dabei nutzt ein erheblicher Anteil der Autofahrer:innen das Fahrzeug nur, weil die Alternativen schlechter sind, nämlich zu teuer, zu unsicher, zu gefährlich oder gar nicht vorhanden. Alle freuen sich, Auto fahren zu können. Nein, s.o. Katja sagt: Wer Auto fahren will, soll das auch bitte tun. Wir sollten nur parallel die gleichen Möglichkeiten schaffen für die, die nicht Auto fahren wollen oder können. Also Radinfrastruktur, gerade auf dem Land. Gefühlte und tatsächliche Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr. Eine Verlagerung der Subventionen weg vom Autoverkehr hin zu allen Menschen, die Mobilität suchen und brauchen. Katja reflektiert im Podcast auch darüber, wie ihr Geschlecht die Wahrnehmung ihrer Arbeit prägt. Heiner Monheim hatte hier im Podcast vor einigen Wochen gefordert, 90% der Autos in Deutschland zu verschrotten – im Interesse lebenswerterer Städte und einer geschmeidigeren Mobilität. Katjas Eindruck: Solche drastischen Forderungen dürfe sie als Frau gar nicht formulieren, das werde ihr nicht zugestanden. Zu Gast in dieser Woche: Katja Diehl, Aktivistin, Autorin, Netzwerkerin. Ihr Buch „Autokorrektur – Mobilität für eine lebenswerte Welt“ ist erhältlich im Buchhandel des Vertrauens. 
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Mar 10, 2022 • 37min

#86 Ralf Fücks – Der Preis unserer Freiheit

Diese Woche in der Zukunft: Die kommenden Jahre werden von einem neuen Systemkonflikt zwischen autoritären Mächten und liberalen Demokratien geprägt sein. Dabei stehen wir ganz praktisch vor der Frage: Welchen Preis sind wir bereit, für unsere Freiheit zu bezahlen? Anlässlich des russischen Kriegs in der Ukraine eine Folge über die Zukunft von Krieg und Frieden. Die alte Weltordnung des Friedens, mehr erhofft als gewachsen seit den 90er Jahren, war nie vollendet. Aber wie die künftige Weltordnung aussehen wird, ist noch nicht ausgemacht, sagt Ralf Fücks, einer der Gründer und Köpfe des Zentrums liberale Moderne. Vor uns liegt ein Zeitalter wachsender Turbulenzen und Spannungen. Die Frage ist, ob wir zurückfallen in eine Phase politischer, wirtschaftlicher und militärischer Rivalität von großen Machtblöcken, in der große Mächte sich auf Kosten anderer durchsetzen wollen. Zwei Mächte sind auf dem Plan: China und Russland treten revisionistisch auf und wollen eine neue nach ihren Vorstellungen schaffen, sind dabei von Gewaltbereitschaft geprägt. „Frieden schaffen ohne Waffen“ schlägt sich gerade den Kopf an der Wirklichkeit blutig. Wir gehen in eine sehr konflikthafte Welt und wir müssen alles daransetzen, diese Konflikte so einzuhegen, dass sie nicht militärisch ausgetragen werden. Das heißt auch, dass wir unsere eigene Verteidigungsfähigkeit so stärken müssen, dass wir andere abschrecken können, die auf Gewalt als das Mittel der Politik setzen. Wer militärisch erpressbar ist, ist auch politisch erpressbar. Gewaltbereite Mächte müssen gezwungen werden zu akzeptieren, dass sie nicht mit kriegerischen Mitteln durchkommen, dass sie sich auf politische und rechtliche Spielregeln und eine Zivilisierung von Konflikten einlassen müssen. Die Konflikte werden wir nicht aus der Welt schaffen können, schon gar nicht die Konflikte mit Mächten, die völlig andere Wertvorstellungen haben. Die russische Führung wie auch die chinesische Führung haben mit all dem, was für uns die Essenz liberaler Freiheit und Demokratie ausmacht, nicht viel am Hut: Das reicht von Meinungsfreiheit über unabhängige Gerichte, politischem Pluralismus, Gewaltenteilung bis hin zu Menschenrechten. Von diesem neuen Systemgegensatz wird die Welt in den kommenden Jahren immer stärker geprägt sein. Dafür müssen wir uns wehrhaft zeigen, um diesen Konflikt zu zivilisieren. Wir müssen Diplomatie erzwingen. Ist Freiheit zu verwundbar – gerade weil sie freiheitlich ist? Die Frage geht zuallererst an uns selbst, sagt Ralf. Wie wertvoll sind uns unsere zivilisatorischen Fortschritte? Sind wir bereit, Opfer zu bringen für die Verteidigung der Freiheit?Wir müssen bereit sein, einen Preis für die Verteidigung der Demokratie zu zahlen, zuhause und international. Nach Ralfs Einschätzung ist das der Kern der Debatte um einen Importstopp für russisches Gas. Sind wir bereit, diesen Preis zu zahlen, auch wenn es hart wird? Oder sind wir dazu nicht bereit – und lassen die Ukrainer diesen Preis mit ihrem Leben bezahlen? Eine schwierige Abwägung. In der Ukraine tobt ein Kampf, der uns unmittelbar betrifft, nämlich um die künftige europäische Ordnung. Fallen wir in das Recht des stärkeren zurück oder verteidigen wir eine Ordnung, die auf dem Völkerrecht beruht, auf der Anerkennung von Grenzen, auf dem Selbstbestimmungsrecht von Völkern? Wenn wir nicht bereit sind, diese Ordnung heute zu verteidigen, dann könnte es sein, dass wir künftig einen sehr viel höheren Preis bezahlen müssen: Den Preis unserer Freiheit. Zu welchen Opfern sind wir notfalls bereit gegenüber einer aggressiven Macht, die Europa jetzt herausfordert? Indem wir jeden Tag mehrere 100 Millionen € für russisches Gas und Öl an Russland zahlen, sind wir hier mit verantwortlich. Der Konsens einer weltweiten Ordnung ist einseitig aufgekündigt. Putin ist nicht singulär; hinter dem aktuellen Krieg steht der Konflikt zwischen autoritären Mächten und liberalen Demokratien. China, Russland, Iran akzeptieren universalistische Werte nicht mehr, die zum Beispiel in der Charta der UN, in völkerrechtlichen Normen und Verträgen festgelegt sind, wie dem Pariser Klimaabkommen. Der Konsens ist aufgekündigt. Und wir stehen im Konflikt darüber, wie die Weltordnung künftig gestaltet werden soll. Zu Gast in dieser Woche:Ralf Fücks, Gründer und Kopf des Zentrum liberale Moderne, gemeinsam mit Marieluise Beck. Zuvor war Ralf Fücks 21 Jahre Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. 
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Mar 3, 2022 • 28min

#85 Abt Notker – Ohnmacht und Menschlichkeit in Zeiten des Krieges

Diese Woche in der Zukunft: Außergewöhnliche Zeiten erfordern besondere Podcastfolgen. Aus Anlass des russischen Kriegs in der Ukraine ein Gespräch über unsere Angst und Ohnmacht, über das Gebot der Menschlichkeit und den Erhalt unserer optimistischen Haltung. Zu Gast ist Abt Notker aus dem Kloster St. Ottilien, lange Jahre als Abtprimas oberster Repräsentant der Benediktiner.Abt Notker sagt: Wir müssen unsere Angst konfrontieren. Die Ängste müssen raus, wir sollen darüber sprechen. Indem wir uns Raum geben, die Angst zu äußern, nehmen wir uns die Freiheit, ins Handeln zu kommen. Gerade weil ich weiß, dass die Welt nicht perfekt ist, lasse ich mich nicht niederziehen. Ob die Angst uns unsere positive Grundhaltung nehmen kann, hat auch mit unseren Erwartungen zu tun. Abt Notker sagt: Bei mir gehört zum glücklichen Leben auch, dass ich Unangenehmes aushalten kann. Wir erleben den russischen Krieg in der Ukraine als ein schreckliches Ereignis, das uns machtlos macht. Eine Erfahrung der Ohnmacht. Abt Notker sagt: Der Gedanke, wir könnten alles kontrollieren und als Menschheit auch moralisch immer besser werden, führt in die Irre. Wir haben so vieles im Leben nicht in der Hand. Hinzu kommt ein weiteres: Wollen wir wirklich den russischen Aggressoren auch die Herrschaft über unsere Emotion geben? Oder sagen wir: Ihr wollt meine Angst, aber Ihr bekommt sie nicht?Was gebietet die Menschlichkeit angesichts dieser Krise? Flüchtlinge aufzunehmen, aber auch ganz alltäglich aufeinander zu achten. Wenn jemand zu viel Angst hat, sollen wir einander zuhören, einander Gelegenheit geben, das Herz auszuschütten, dann kommen wir wieder ins Handeln. Zu Gast in dieser Woche:Abt Notker, Benediktinermönch aus St. Ottilien, u. a. 16 Jahre als Abtprimas oberster Repräsentant der Benediktiner weltweit. 
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Feb 24, 2022 • 40min

#84 Wir machen mal die Energiewende klar – Christoph Ostermann

Diese Woche in der Zukunft: Machen wir mal eben die Energiewende klar. Wird die Energielandschaft in zehn Jahren anders aussehen als heute? Das wissen wir noch nicht. Aber sie muss. Sagt Christoph Ostermann, Gründer und langjähriger CEO von Sonnen und damit ein Wegbereiter für erneuerbare Energien in Deutschland. In wenigen Jahren sollten wir bei 100% erneuerbaren Energie sein. Auf diesem Weg haben wir kein Innovationsproblem, sondern ein Installationsproblem. Die Energiewende hängt vor allem daran, dass wir schneller genehmigen und bauen. Dass wir es überhaupt wollen. Stichwort Windräder: Es rechnet sich, sie aufzustellen und zu betreiben. Punkt. Aber doch bitte nicht in meinem Garten… Und am Ende hängt die Energiewende auch daran, ob wir überhaupt ausreichend Handwerker haben, um alle die notwendigen Arbeiten auszuführen. Aus aktuellem Anlass bei Christoph nachgefragt: Sind Atomkraft und Gas nachhaltig? Lächerlich. Wird Energie am Ende mehr kosten? Wahrscheinlich ja, nimmt Christoph an. Ob das allerdings auch volkswirtschaftlich höhere Kosten sind, oder ob nur die Transparenz steigt, also die unmittelbaren Kosten steigen, aber die steuerfinanzierten Subventionen sinken? Das ist noch offen. Eine Vollkostenrechnung für die Stromerzeugung steht noch aus. Jedenfalls, sagt Christoph, war es ein cleverer Taschenspielertrick der Gegner erneuerbarer Energien, die EEG-Umlage direkt auf den Strompreis aufzuschlagen. So wird eine Sichtbarkeit von Mehrkosten erzeugt, die letztlich nur eine scheinbare ist. Schon heute ist Strom aus erneuerbaren Quellen günstiger. Können wir überhaupt 100% erneuerbar? Wir haben womöglich nicht genug Räume in Deutschland, nicht die klimatischen Bedingungen, sind zu dicht besiedelt und haben große Belastungsspitzen. Da wird es schwierig, allein aus uns heraus erneuerbar zu werden. Christoph sagt, wir müssen das Thema international denken, mindestens europäisch, wenn nicht global. Parallel wird sich die Branche weiter wandeln, hin zu dezentraler Versorgung, Netzwerken und Prosumern. Die Zeit der großen Konzerne muss dabei nicht vorbei sein. Sie haben die Chance, auch in einer neuen Energiewelt eine Rolle zu spielen. Christoph ist sich nur nicht sicher, ob die Konzerne schnell genug sind. Der Druck für die Großen ist groß. Was sie gemacht haben und konnten, ist: Nichts zu tun; damit bloß nichts falsch läuft. Vor weniger als zehn Jahren haben die Energieriesen das Thema Solar noch für irrelevant erklärt. Inzwischen hat Shell Christophs Unternehmen Sonnen gekauft, weil auch einem Konzern wie Shell klar ist, dass er den Wandel einleiten muss, dass es sonst kein Überleben gibt. Es darf hier, sagt Christoph, auch keine Berührungsängste geben. Jeder, der was tut und nicht nur redet, muss am Tisch der Energiewende willkommen sein. Um Versorgungssicherheit zu gewährleisten, werden wir die künftige Energielandschaft am absoluten Minimum ausrichten müssen, das wir immer brauchen. Ein Ergebnis: Wir werden meistens viel zu viel Strom haben. Viel zu viel. Unser europäisches Leben wird das nicht grundlegend ändern, sagt Christoph. Aber das ist vor allem eine gute Nachricht für die vielen Entwicklungs- und Schwellenländern, die heute noch nicht umfassend elektrifiziert sind. Das bringt Wohlstand in Regionen, die ihn heute noch nicht haben. Zu Gast in dieser Woche: Christoph Ostermann, Investor und Unternehmer, Vorreiter der erneuerbaren Energie in Deutschland, Gründer und langjähriger CEO von Sonnen
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Feb 17, 2022 • 37min

#83 Nachhaltigkeit hands on: Gastronomie - Patrick Diehr

Diese Woche in der Zukunft: Diese Folge macht Appetit. Und wer auch nur die Spur einer Kochleidenschaft in sich trägt, wird sofort in die Küche wollen. Und ganz nebenbei erleben wir ein Lehrstück in Sachen Nachhaltigkeit. Inspiration mit Sahne, sozusagen. Veganer Sahne, versteht sich.Patrick Diehr ist Koch, Gastronom und Caterer im schönen Schleswig-Holstein. Sein jüngstes Baby ist Elementum Catering, ein weitest möglich nachhaltiger Catering Service. Kochen ohne Strom, Recycling auf allen Ebenen, konsequent regionale Produkte, Gemüse wird im Keller gelagert und in der Asche gegart, die Geräte sind alle schon gebraucht und werden wieder verwendet, die Gäste sortieren den Müll selbst, Tische und Stühle - bis hin zur Visitenkarte hat Patrick mit seinem Team jedes Detail angefasst und einen Weg gesucht, wie er das nachhaltiger anbieten kann. Hier gibt es keine Hochglanz-Visitenkarten mehr, sondern einen Kohlestempel auf ein Stück Pappe. Die Berufsbekleidung kommt als Recycling von der Bundeswehr. Oder das T-Shirt wird mit Kreidespray beschriftet. Alles in allem 95% weniger CO2-Ausstoß.Die Begeisterung, die Gänsehaut, mit der Patrick von seinem Produkt erzählt, muss man hören. Und sich anstecken lassen. Kochen ohne Zitrone? Wer sich in der Natur auskennt, kann frühreife Johannisbeeren nutzen. Fleur de sel kann auch von der Kieler Förde kommen. Fermentierte Bohnen machen auch in Schleswig-Holstein eine Sojasauce. Und Strandkohl! Strandkohl schmeckt wie Broccoli, einfach ernten bitte.In jedem Garten stehen jede Menge Pflanzen, die wir essen können, sagt Patrick. Er sagt auch: Wir sind am Anfang eines Weges, wir müssen lernen, lernen, lernen. Auch voneinander – das Konzept von Elementum ist ausdrücklich zur Nachahmung empfohlen. Einfach anrufen, Patrick hilft beim Kopieren.Zu Gast in dieser Woche: Patrick Diehr, Koch, Gastronom und Caterer. Patrick ist der Gründer von Elementum Catering. Auf der Webseite findet sich auch der Film zu den sieben Geboten von Elementum. www.koch-fabrik.com
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Feb 10, 2022 • 39min

#82 Nachhaltigkeit hands on: Tourismus – Hubertus Wichmann

Diese Woche in der Zukunft: Ohne Nachhaltigkeit wird es in zehn Jahren keinen nennenswerten wirtschaftlichen Erfolg mehr geben, auch im Tourismus nicht. Im Gespräch bei Michael Carl ist Hubertus Wichmann, Destinationsentwickler und Tourismus-Praktiker. Er sagt: Nachhaltigkeit ist kein Verzicht, sondern ein Gewinn – für Gäste, für Hoteliers, für touristische Orte. Mit Michael Carl hat er darüber gesprochen, wie der Weg zu mehr Nachhaltigkeit ganz praktisch aussieht.Die erste Erfahrung: Nachhaltigkeit ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamischer Lernprozess. Hubertus erlebt immer wieder, dass gerade die Gäste es schätzen, wenn Hotels ihre Lernprozesse transparent machen, konkrete Schritte zu mehr Nachhaltigkeit einfach im Echtbetrieb testen und lernen. Das genaue Gegenstück zu einer allzu glatten Perfektion oder einer allzu harten Prozessoptimierung. Außerdem sind gerade die Gäste eine Quelle für neue Ideen, die sich gerne in kreative Prozesse einbeziehen lassen. Der zweite Schritt: Einfach machen. Hubertus beschreibt, wie Kreislaufwirtschaft ganz konkret wird. Nachhaltigen Kaffee beziehen und selber mahlen; das Kaffeemehl dient anschließend als Nährboden für die hauseigene Pilzzucht, bevor es im dritten Schritt als Dünger im Garten ausgebracht wird. Mit Brauchwasseranlagen hat er den Wasserverbrauch in einer Anlage von 120 Liter auf elf Liter pro Kopf und Tag gesenkt. Die Nachhaltigkeit beginnt schon im Bau, bei der Auswahl der Materialien und der Bauweise. Für Hubertus ist der nächste Schritt der entscheidende: Nachhaltiger Tourismus führt nicht zu isolierten Hotelprojekten an irgendwelchen Orten. Wirklich nachhaltiger Tourismus bezieht auch das gesamte soziale Umfeld der Destination mit ein. Was sind die Bedürfnisse, was die Stärken einer Kommune? Was sind die Ergebnisse von Bürgerworkshops vor Ort? Natürlich, viele Kommunen wollen vom Tourismus leben. Die zentrale Frage dabei aber ist: Wie? Nachhaltiger Tourismus sieht entsprechend an jedem Ort anders aus. Beteiligungsprozesse können immer wieder auch dazu führen dass sich ein Projekt an einem Ort nicht realisieren lässt. Eine freundliche Umschreibung für die Perspektive, dass die großen standardisierten touristischen Zentren in den kommenden Jahren massive Schwierigkeiten bekommen werden. Kann das schiefgehen? Ja, sagt Hubertus. Wenn wir den ersten Schritt nicht gehen. Letztlich handelt es sich bei der Nachhaltigkeit im Tourismus um eine Frage des Mindsets. Der entscheidende Schritt ist nicht der abschließende, große, sondern der erste, kleine. So geht Nachhaltigkeit. Zu Gast in dieser Woche:Hubertus Wichmann, Destinationsentwickler, Hotelbetreiber, Koch. www.bionaturresort.com
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Feb 3, 2022 • 20min

#81 Eva Maria Welskop-Deffaa – Die Caritas und die Zukunft der Arbeit

Diese Woche in der Zukunft: Arbeit wandelt sich, schnell und grundlegend. Aber wohin? Eva Maria Welskop-Deffaa, frisch gewählte Präsidentin des Caritasverbands, beschreibt Arbeit vor allem als Beziehung: Beziehung zum Produkt, zum Team, zum Kunden, zum Rohstoff, zu den Räumen. Auf jeder dieser Ebenen wirken sich Globalisierung und Digitalisierung aus. Kurzum: Arbeit wandelt sich auf allen Ebenen, ob wir wollen oder nicht. Und: Ob wir können oder nicht. Die Zukunft der Arbeit ist viel eher eine Frage des Müssens. So wie auch die Caritas es in der Pandemie erlebt hat. Aus dem Plan, digitale Tools in der Pflege in Ruhe und wohl bedacht einzuführen, wurde an vielen Stellen die Notwendigkeit, schnell Lösungen umsetzen zu müssen. Das setzt das System insgesamt unter Stress, schafft Unruhe und strengt an. Insgesamt, so Evas Einschätzung, brauchen wir vor allem Zeit, um die Arbeit der Zukunft zu gestalten. Wir werden diese Zeit allerdings nicht bekommen. Was wir daher brauchen, ist Resilienz. Denn das Thema Arbeit wird immer wichtiger werden. Wir werden in zehn Jahren noch mehr als heute eine Arbeitsgesellschaft sein, das müssen wir gestalten. Die Caritas hat auf vielen Ebenen mit einem Mangel an Fachkräften zu tun. Eine gute, zukunftsfähige Arbeit ist nötig, wird diesen Mangel aber nicht beheben können, sagt Eva. Zwar können wir uns mit dem Mangel nicht arrangieren, wir werden ihn aber auch kaum beheben können. Schließlich ist der Mangel überall: In der Pflege, in der Medizin, auf den Baustellen, in der öffentlichen Verwaltung etc. Darum müssen wir den Kreis größer ziehen, dürfen nicht zulassen, dass so viele Menschen im Alter auf Hilfe angewiesen sind. Wir müssen uns fragen, wer wie wohnt, wer wen persönlich unterstützen kann. Die Frage der Zukunft der Arbeit lässt sich nur beantworten, wenn wir auch soziale Aspekte in den Blick nehmen. Alles das ist kein Grund, den Optimismus aufzugeben, sagt Eva. Gefragt sind Zukunftsmut und Zukunftskunst. Zukunftsmut als Charaktereigenschaft von Führungskräften, Zukunftskunst als Fähigkeit von Institutionen und Organisationen, die eigene Zukunft zu gestalten. Denn wenn das Leben gut gewesen ist, dann wird es voll Arbeit gewesen sein. Der Gedanke ist schon vor weit mehr als 2000 Jahren formuliert worden, auf hebräisch. Psalm 90, lohnt die Lektüre. Zu Gast in dieser Woche: Eva-Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin Deutscher Caritasverband e.V.
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Jan 27, 2022 • 33min

#80 Heiner Monheim – Tempolimit für Züge

Diese Woche in der Zukunft: Wir brauchen ein Tempolimit für Züge. Ein Satz mit Symbolkraft. Oder vielleicht besser: Ein Tempolimit im Denken? Denn darum geht es Verkehrs- und Stadtplanungslegende Heiner Monheim: Ein neues Denken über Mobilität und Verkehr. Heiner Monheim hat ADFC und VCD mit gegründet und streitet seit vielen Jahren für eine bessere Mobilität.  Natürlich: Niemand will, dass schnelle Züge auf den neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken langsamer fahren. Unser Problem ist nur, dass wir den Fokus falsch legen. Heiner fordert: Statt auch nur eine weitere neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zu bauen, sollten wir uns um die Revitalisierung zahlloser stillgelegter Strecken kümmern. Der Gewinn für uns alle entsteht nicht durch einen zusätzlichen langen Tunnel. Der Gewinn entsteht, wenn endlich auch in der Breite alle Züge 120 km/h fahren können. Und viel mehr davon. Interregios im 30-Minuten-Takt. Die Verkehrswende ist keine Magie. Heiner und Michael diskutieren einfache Learnings: 1. Wenn es lediglich um Umdenken geht, können wir heute anfangen. 2. Wir setzen die falschen Prioritäten. Das müssen wir ändern. 3. Die Verkehrswende ist ein großer positiver Schritt hin zu viel mehr Freiheit und Lebensqualität. Und 4.: Wer heute anfangen will, der engagiere sich kommunal. Genau dort liegt der große Hebel. Die Prioritäten, die wir setzen, haben auch mit unserer Wahrnehmung zu tun. Wir richten die Mobilität in der Stadt auf das Auto aus, dabei haben 40% der Haushalte in der Stadt gar kein Auto. Auf dem Land sind das übrigens auch 20% … Noch eine interessante Beobachtung: Die Strecken zwischen 0-5 km und zwischen 5-20km machen 3/4 des Verkehrs aus. Hier müssen wir ansetzen und Lösungen finden, dann lohnt es auch. Stattdessen sind wir fixiert auf die Langstrecken, Autobahnen und Fernzüge, auf die große Reichweite, auf die hohe Geschwindigkeit. Wir arbeiten uns am Sonderfall ab. An einem lässt Heiner keinen Zweifel: Wir müssen die Anzahl der Autos reduzieren. Und zwar erheblich, um rund 90%. Heiner hat berechnet: 4 Mio Autos reichen völlig aus, um den Bedarf an individueller motorisierter Mobilität zu decken. Die übrigen 44 Mio. Autos, die heute in deutschen Straßen geparkt sind, sollten wir recyceln und verschrotten. Die einzigen Autos, die überall auf den Straßen rumstehen sollten, sind bobbycars.Eine zentrale Botschaft von Heiner: Eine neue Mobilität ist kein Verzicht, im Gegenteil: Sie ist ein Gewinn. Ein Gewinn an Zeit, wenn Eltern ihre Kinder nicht mehr überall hinfahren müssen, weil Straßen zu gefährlich sind. Ein Gewinn an Gesundheit und Wohlbefinden, durch weniger Lärm, sauberere Luft, mehr Platz für Bäume in der Stadt. Ein Gewinn an Geld, denn wir subventionieren die heutige Mobilität über die Maßen. Zu Gast in dieser Woche:Heiner Monheim, Geograph und Stadtplaner, Professor emer. der Universität Trier, Mitbegründer ADFC und VCD
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Jan 20, 2022 • 37min

#79 Carlos M. Frischmuth – New Work Bullshit

Diese Woche in der Zukunft: Vorsicht vor dem New Work Bullshit! Sagt Carlos M. Frischmuth, Managing Director bei Hays, im Gespräch bei Michael. Was hat er nur gegen einen wöchentlichen Obstkorb vorne am Empfang und den Kickertisch im Keller? Das Versprechen von New Work, sagt Carlos, geht tief, jedenfalls wenn wir es ernst nehmen. Der Bullshit-Faktor ist: Wenn wir leichtfertig so tun, als komme New Work automatisch und alle würden davon profitieren. Das wäre eine Diskussion in der Blase und die ist gefährlich. Frithjof Bergmann hat die Grundzüge des Themas New Work schon in den 70er und 80er Jahren entwickelt, für die Automobilindustrie in Detroit. 70er und 80er des vorigen Jahrhunderts! Jede Führungskraft, die heute klassisch in Verantwortung steht, hat sich also aus guten oder schlechten, jedenfalls aber sie überzeugenden Gründen dafür entschieden, traditionell zu führen. Was ist also dran am großen Versprechen von „New Work“?Dies sind einige der großen Themen des Wandels in der Arbeit: Wir erleben einen massiven Arbeitskräftemangel. 8 bis 10 Mio. Menschen verlassen den Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren – und müssten bleiben, weil nicht genügend nachwächst. Allein mit mehr Migration gegenzusteuern oder mehr Frauen in Vollzeit zu bringen, wird nicht im Ansatz reichen. Diese Entwicklung treibt Unternehmen dazu, ihre Unternehmensmarke zu entwickeln, ihre Geschichte zu erzählen. Auf dieser Welle segelt auch New Work, auch in die Übertreibungen. Michael und Carlos diskutieren, ob der Wandel von Führung und Unternehmenskultur, den wir New Work nennen, überhaupt nachhaltig erfolgreich sein kann, wenn New Work nur aus der Not heraus geboren ist. Und New Work ist vielfach eine Antwort aus der Not. Darum die dringende Mahnung von Carlos: Bleiben wir ehrlich. Erzählen wir uns, wie das Unternehmen tatsächlich erlebt wird und pusten keine Blasen auf. Daran sei kein Zweifel: Arbeit wird sich wandeln, grundlegend wandeln. Wer heute noch von einer Unternehmens-DNA spricht, wird sich schwertun, denn DNA verändert sich ja gerade nicht. Wie soll aber unsere Zielkultur sein – und woran kann ich die Entwicklung messen? Carlos rät, Kulturbeauftragte im Unternehmen zu installieren, die sich aktiv darum kümmern. Er nennt Führung, Kultur und Kommunikation als die großen drei. Natürlich, bessere Kommunikation braucht es immer. Carlos sagt: Kommunikation ist ein Kitt. Sie hält das Unternehmen zusammen und bietet gleichzeitig Flexibilität zur Entwicklung. Zu Gast in dieser Woche:Carlos M. Frischmuth, Managing Director Hays, Autor von “New Work Bullshit”

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