Carls Café

Michael Carl
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Jan 4, 2024 • 45min

#188 Lisa Weise-Hoff: Die Zukunft des Bauens ist schon da.

Die Baubranche ist es. Sie ist die eine mit Abstand größte Quelle für CO2-Ausstoß. 40% des Mülls, der in Deutschland anfällt, stammt aus dem Bau. Lisa Weise-Hoff und ihr Startup Hejmo Homes sind angetreten zu zeigen, dass es auch anders geht. Sie fertigen Häuser aus Modulen. Michael und Lisa sprechen darüber, warum auch darin die Zukunft von Bauen und Gebäuden liegt.Die Baubranche ist es. Sie ist reif für Transformation. Die Technologie ist da. Die Prozesse sind da, die Materialien auch. Lisa sagt: Der Wandel in der Baubranche ist kein Hexenwerk und kein Flug zum Mond. Es geht ums Tun. Und um den Mut, mit bisherigen Gewohnheiten zu brechen.Beispiel Material: Gebäude der Zukunft sind rückbaubar, Materialien wieder voneinander zu trennen. Damit wird von ganz alleine Kreislaufwirtschaft möglich. Ja, Beton scheidet damit aus.Beispiel Prozesse: Für jedes neue Haus eine gesonderte Produktionsstätte aufbauen und hinterher wieder abräumen? In keiner anderen Industrie kämen wir auf diese Idee. Das Bauen der Zukunft setzt auch deshalb auf Module, weil man sie an zentraler Stelle fertigen kann, in der Ausbaustufe sogar automatisiert. Vor Ort werden die Teile nur noch verschraubt. Lisa sagt: Eine Woche nach Baubeginn kann man einziehen.Lisa berichtet auch von ihrer Erfahrung mit den ach so gesuchten Fachkräften. Wenn die Baustelle nicht jedes Mal woanders und der Arbeitsplatz bei Regen, Sturm und Hitze draußen ist, sondern die Produktion in einer warmen Fabrikhalle stattfindet, ist die Suche nach Fachkräften auf einmal ganz leicht.Wie werden unsere Städte in Zukunft aussehen? Eines scheint sicher: Das Modell mit den unterschiedlichen Städten zum Wohnen, Arbeiten und Versorgen hat ausgedient. Und damit auch die nächste austauschbare Siedlung mit den ewig gleichen Eigenheimen. Wenn wir tatsächlich klimatisch verantwortlich und sinnvoll bauen wollen, führt an mehr Mehrfamilienhäusern kein Weg vorbei. Und in den Städten damit an Sanierung. Das ist der Elefant im Raum, das eigentlich große Thema, an das die Branche herangehen müsste. Nein, sagt Lisa: Herangehen wird.Zu Gast: Lisa Weise-Hoff, Co-Founder & GF von Hejmo Homes
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Dec 28, 2023 • 42min

#187 Silvester mit Suchtpotenzial

Das ist große Samstagabend-Unterhaltung für die ganze Familie! Leider hat Thomas Gottschalk kurzfristig seine Karriere beendet, weil er angeblich nicht mehr alles Schmierige im Fernsehen sagen darf, was ihm gerade so durch den Kopf geht. Naja, dann eben wieder Suchtpotenzial. Wie jedes Jahr. Ariane Müller und Julia Gámez Martin sind die feste Säule dieses Podcasts zum Jahreswechsel. Sind sie Team Raclette oder Team Fondue? Eher Team Roxy. In dem Club in Ulm spielen die beiden an Silvester eine Doppelfolge. Das Festtagsmenü wird wohl aus einer kalten Pizza in der Künstlerinnengarderobe bestehen. Was tut Not fürs neue Jahr? Klarheit. Nazis auch mal als Nazis bezeichnen. Dem Onkel, der wie jedes Jahr im Familienkreis seine rassistischen Sprüche klopft, auch mal widersprechen. Ariane hat einen veritablen Shitstorm von rechts erlebt im vergangenen Jahr. Kein heißer Tipp für empfindsame Gemüter. Arianes Antwort ist Punk. Trotz. Ist wahrscheinlich nicht jedem Menschen gegeben, insofern Augen auf bei der Shitstorm-Bestellung. Das Buch, das Julia ihrem Vater geschenkt hat, heißt "Exit Racism" und ist von Tupoka Ogette.Zu Gast: Ariane Müller und Julia Gámez Martin von Suchtpotenzial
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Dec 21, 2023 • 47min

#186 Aileen Puhlmann @Lemonaid & Charitea e.V. - Eine weihnachtliche Folge ganz ohne Weihnachten

Sprechen wir doch einmal darüber, Gutes zu tun. Passend zur Weihnachtszeit. Wobei: In welcher Jahreszeit genau fänden wir es unpassend, Gutes zu tun? Nun ist aber nun einmal gerade Weihnachten, Michael hat Aileen Puhlmann vom Lemonaid & Charitea e.V. zu Gast und die beiden sprechen über Charity, bzw. natürlich Charitea und was es bedeutet, eine positive Wirkung zu erzeugen. Das Prinzip bei Lemonaid ist einfach: Vom Ertrag jeder Flasche geht eine fixe Summe an Aileen, die mit ihrem Team daraus wiederum Projekte in genau den Ländern finanziert, aus denen die Limonadenproduktion ihre Rohstoffe bezieht. Aileens These ist ebenso einfach. Sie sagt: Die Pflicht muss ohnehin jedes Unternehmen erfüllen. Also: Nachhaltige Lieferketten aufbauen, für anständige Löhne in den Herkunftsländern sorgen, partnerschaftlich und fair mit Lieferanten und Produzenten umgehen. Hinzu kommt die neue Aufgabe: Jedes Unternehmen, jede Organisation muss sich fragen, wie sie darüber hinaus die Welt ein Stück besser machen kann. Weil sie es kann. Mit diesem Anspruch geht in Aileen in Länder wie Madagaskar und finanziert Projekte. Dafür gibt sie Geld und sonst nicht viel, beides mit voller Absicht. Das Geld ermöglicht Dinge, die ohne Lemonaid schlicht nicht möglich wären - und das Geld ist ungleich verteilt. Michael und Aileen sprechen darüber, wie schwierig es ist, daraus nicht gleich abzuleiten, die Menschen in den Förderländern wären weniger professionell, verantwortungsbewusst oder kompetent. Aileen wird oft gefragt, wie Lemonaid sicherstellt, dass das Geld auch an der richtigen Stelle ankommt. Meist führt das zu interessanten Diskussionen darüber, warum wir bei Spenden und Unterstützung so peinlich genau wissen wollen, was mit dem Geld geschieht - und unzureichend besteuerte Großvermögen schulterzuckend akzeptieren. Oft trifft Aileen auf die Erwartung, Projekte dürften nur eine Anschubfinanzierung bekommen und müssten sich nach wenigen Jahren selbst tragen. Aber warum muss jedes für die Gesellschaft sinnvolle Projekt immer ein gewinnorientiertes Unternehmen sein? Der in der Folge erwähnte Podcast mit Micha Fritz findet sich hier. Zu Gast: Aileen Puhlmann, Vorständin von Lemonaid und ChariTea e.V.
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Dec 14, 2023 • 41min

#185 Martin Bethke – Das kann sogar ein CEO verstehen

Wahrscheinlich muss man es einfach herunterbrechen: Wir haben nur einen Planeten und mit dem müssen wir auskommen. Mit dem Planeten und dem, was darauf ist. Das kann sogar ein CEO verstehen, wenn er im Geschäft bleiben möchte. Nur je später wir anfangen, desto schwieriger wird es. Also wäre es doch ganz gut, heute anzufangen, sagt Martin Bethke, Autor, Berater und Speaker rund um das Thema Nachhaltigkeit. Die Frage der Nachhaltigkeit ist im Grund ganz schlicht: Kann ich das, was ich da draußen tue, eigentlich vor mir selber verantworten? Und wenn nein, warum handele ich dann nicht jetzt schon? Das Problem sind aber oft die Denkmuster dahinter. Was sichert unseren Wohlstand? Was ist Wachstum? Letztlich auch: Was ist wirklich wichtig, was wollen wir erreichen? Unsere üblichen Denkmuster stehen uns schon gehörig im Weg, wenn wir über Nachhaltigkeit reflektieren. Tenor: Kann ja sein, dass die Möglichkeiten begrenzt sind; ich möchte trotzdem viel, sollen die anderen halt weniger nehmen - und übrigens bin ich so ein toller CEO, weil ich genau das kann: Auf Kosten anderer leben.Was treibt die Nachhaltigkeit? Martin setzt auf einen Dreiklang aus Wissen (Stichwort: Earth Overshoot Day), erwünschter Langlebigkeit (Was wollen wir der nächsten Generation hinterlassen?) und Regulatorik. Letzter wirkt wahrscheinlich am stärksten. Dennoch ist, wer immer sich für Nachhaltigkeit einsetzt, oft ein eher ungewollter Akteur. Letztlich halten wir uns mit der Forderung nach mehr Nachhaltigkeit ja auch den Spiegel vor: Gerade weil wir seit Beginn der Industrialisierung nicht nachhaltig gewirtschaftet und gelebt haben, müssen wir nun umso mehr die Transformation suchen. Es möchte eben nicht jeder daran erinnert werden, dass wir uns die Suppe selbst eingebrockt haben. Martin plädiert für einen pragmatischen Optimismus: Wir schaffen das, wir können in der Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft weit genug kommen und auch schnell genug sein. Wir haben das nötige Ambitionsniveau, wir haben die Erkenntnisse. Das Problem ist einzig die Umsetzung. Das aber, sagt Martin, ist auch eine gute Nachricht, denn wir haben es in der Hand. Wir müssen es nur tun. Die erwähnte Folge mit Marcel Fratzscher ist Folge 168 dieses Podcasts. Zu Gast: Martin Bethke, Autor, Berater und Speaker zur Nachhaltigkeit
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Dec 7, 2023 • 44min

#184 Fredrik Harkort – Was ist deine Superkraft?

Meine Superkraft? Kenne ich sie? Und kann ich sie ausleben, in meinem Beruf und in meinem Alltag nutzen, sie entwickeln und mich daran freuen? Michael und Fredrik führen ein gar nicht so typisches Gespräch über Bildung, Lernen, Schule - und die Superkraft. Fredrik Harkort ist Gründer und Kopf von Cleverly. Das Startup unterstützt Kinder und Jugendliche beim Lernen, mit Inhalten und mit Persönlichkeitsentwicklung. Das erste ist bekannter, das zweite wichtiger, sagt Fredrik. Fredriks These: Jedes Kind hat eine Superkraft und da muss Lernen ansetzen. Dieser Gedanke ist, gemessen am heutigen Bildungssystem, geradezu revolutionär. Wir setzen auf Standards, auf feste Lehrpläne und abstrakt definierte Kompetenzen, die möglichst alle erwerben sollen - und zwar möglichst gleich. Das Gegenmodell: Du kannst etwas, lerne es kennen und mache etwas draus. Was fast nach den Schreiereien der üblichen Motivationsredner klingt, meint hier: Unterstütze dein Kind bei dem, was ohnehin als Talent in ihm liegt. Nicht der Dienstwagen, die ungewollte Führungsposition, die Karriere, die die Eltern nie hatten, macht auf Dauer glücklich. Jedenfalls nicht jede:n. Das wäre dann übrigens auch eine kluge Antwort auf vermeintlich übermächtige Gesellschaftsmodelle wie das chinesische: Massenhaft individuell geförderte Persönlichkeiten. Übrigens: Alles, was Fredrik und Michael über Schule und Lernen von Kindern und Jugendlichen besprochen haben, gilt uneingeschränkt auch für Erwachsene, zu jeder Phase ihres Lebens. Daher hier die Hausaufgabe für alle, die diesen Podcast hören (und für alle anderen auch, es sei denn, sie haben eine Entschuldigung von den Eltern): Finde deine Superkraft. Lerne, darüber zu sprechen: Ich kann .... besonders gut und es bereitet mir Freude. Bonusaufgabe für die Zusatzpunkte: Passt dein Beruf, dein wesentlicher Lebensinhalt dazu?Zu Gast: Fredrik Harkort, Gründer von cleverly
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Nov 30, 2023 • 35min

#183 Meet the Elephant – Der Podcast zum Festival

"Unlocking Transformation" - unser Festival im Januar 2024. Am 11. Januar werden wir der Transformation aus verschiedenen Perspektiven auf den Pelz rücken, immer auf der Spur unserer Kernfrage: Wie müssen wir reden, damit wir nicht mehr nur reden? Damit endlich etwas passiert, wir uns nicht vom Elefanten im Raum lähmen lassen, sondern den Wandel um uns herum zu nutzen, um Veränderung zu treiben. Julia Moritz und Michael haben das Festival erdacht und auf den Weg gebracht. Im Podcast reden sie darüber, wie Veränderung möglich ist, wenn die alten Rahmenbedingungen nicht mehr hilfreich sind,was das Festival konkret bringt ... und über Elefanten, darüber reden sie auch. Unser Festival verspricht Begegnung, Debatte, Interaktion, Theater, Netzwerk - aber ganz sicher keine weitere Standard-Konferenz. Das Festival wird eine Plattform sein, auf der ausgewählte Impulsgeber:innen den Austausch befeuern: Markus Stelzmann von Tele Haase, Nadja Peer vom Olympia-Verlag ("kicker"), Pranjal Kothari von der Sparkasse Bremen, Rainer Sommer von der Provinzial, der Stratege der Klimabewegungen Tadzio Müller - sie und eine ganze Reihe mehr werden ihre Erfahrungen teilen und damit das gemeinsame Nachdenken inspirieren. Du willst, möchtest, musst bei unserem Festival dabei sein? Programm und alle Impulsgeber:innen: carls-zukunft.de/festivalAnmeldung: unlocking-transformation.eventbrite.comDas "blaue Buch", über das Julia und Michael sprechen und in dem das Modell Elefant - Reiter - Pfad beschrieben wird, ist von Chip und Dan Heath und ist sowohl auf deutsch als auch im englischen Original erhältlich.Partner unseres Festivals sind Sapiens Germany und der Olympia-Verlag.Diese Woche im Gespräch: Dr. Julia Moritz und Michael Carl, die Initiatoren des Festivals "Unlocking Transformation.
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Nov 23, 2023 • 49min

#182 Kai Michel & Carel van Schaik – Mensch sein. Wie wir Krise können.

Du musst einfach noch ein Achtsamkeitsseminar buchen. Und öfter ins Fitness-Studio gehen. Vegan essen. Was auch immer, Hauptsache, du strengst dich mehr an und rettest die Welt! So tönt es aus Instagram und TikTok, in Zeitschriften und das gute alte Fernsehen von früher kann das auch. Die Welt ist aus den Fugen geraten und der einzelne ist Schuld, so die lautstarke Erzählung, der wir uns kaum entziehen können. Kai Michel und Carel van Schaik halten dagegen: Das führt lediglich zu Frust und Krankheit - und vor allem löst es kein einziges Problem. Der Historiker Kai und der Anthropologe Carel habe gerade das Buch "Mensch Sein" veröffentlicht. Sie erzählen eine ganz andere Geschichte des Menschen. Keine Frage, wir erleben derzeit multiple Krisen, aber: Die Menschheit kann Krise. Der beste Beleg ist: Wir sind noch hier. Nur keiner von uns kann das allein - und das ist die beste Nachricht. Spannend ist die Wurzel unserer Krisenkompetenz. Warum können wir das? Wir können lernen, wir können uns entwickeln und vor allem: Wir können Kooperation. Der Mensch ist im Unterschied zu vielen anderen in der Lage, in großen Gruppen gemeinsam zu handeln. Das müssen - und können - wir aktivieren. Offen ist allerdings, ob wir schnell genug sein werden, um die Klimakrise rechtzeitig einzudämmen. Kai und Carel entwerfen ein Bild der Menschheit, die gemeinsam in der Lage ist, sich positiv zu entwickeln. Bislang war die Menschheitsgeschichte ein großer Erfolg für die Art insgesamt, wenn auch nicht für jeden einzelnen. Das zu ändern ist unsere Aufgabe für die Zukunft. Zu Gast: Kai Michel, Historiker und Literaturwissenschaftler und Carl van Schaik, Verhaltensforscher und Evolutionsbiologe.Buch: Mensch sein - Von der Evolution für die Zukunft lernen
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Nov 16, 2023 • 39min

#181 Hans Conrad – Wintersport in der Klimakrise

Die Bilder haben wir alle vor Augen: Ein schmales Band aus Kunstschnee windet sich den Hügel hinunter. Den grünen Hügel. Ist der Wintersport hier Opfer oder Täter? Jedenfalls steckt er in der Klimakrise. Für Hans Conrad ist ein Punkt erreicht, an dem er sagt: Wir können nicht mehr so weitermachen wie bisher. Hans betreibt in vierter Generation einen Sporthandel in Garmisch und um Garmisch herum. Und er macht nicht mehr so weiter wie bisher. Eine ganz praktische Folge dieses Podcasts über einen, der einfach mal Konsequenzen zieht.Im Podcast berichtet Hans, wie sich diese Folgerung aus der Klimakrise ganz praktisch auf allen Ebenen auswirkt. Gemeinsam mit der Konkurrenz im Handel sucht er das Gespräch mit der Industrie. Sport Conrad vergibt ein Label, an dem Kunden nachhaltige Produkte erkennen können. Mehr noch: Braucht der Mensch wirklich ein neues paar Ski oder einen weiteren Wanderschuh? Stand heute wird er in seinen Läden dafür gute Beratung bekommen, da ist sich Hans sicher. In der Zukunft aber auch die Frage: Brauchst du das wirklich? Tut es der alte nicht noch? Bei den ersten Versuchen, in seinen Läden, auf der wertvollen Verkaufsfläche, Second-Hand-Ware zu verkaufen, hat das Team jedenfalls schnell gelernt, welche Bedürfnisse Kunden heute schon haben. Voriges Jahr noch hat Sport Conrad seinen Katalog bis nach Neuseeland verschickt. Auf Papier. Dieser Katalog alleine war für ein Drittel des CO2-Fußabdrucks verantwortlich. Dieses Jahr gibt es ihn nicht mehr. Er war Markenzeichen, Umsatzbringer, Vorzeigeobjekt - vor der Klimakrise. Jetzt passt er nicht mehr.Letzten Endes, da lässt Hans keinen Zweifel, wird er zwar hoffentlich noch gute Geschäfte machen, aber er wird aktiv auf Umsatz verzichten. Führt ihn das in eine Krise? Nein, sagt Hans, die Krise ist schon da, nämlich die Klimakrise.Zu Gast: Hans Conrad, Geschäftsführer von Sport Conrad
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Nov 9, 2023 • 42min

#180 Roda Verheyen – Last Exit Klima-Klage

Was hilft, wenn sonst gar nichts mehr hilft? Wenn Konzerne weiter Geschäfte mit Öl machen, keine klimaverträglichen Lösungen entwickelt werden - und sogar Recht und Gesetz nicht ausreichen? Dann muss man eben den Staat verklagen. Einige Jahre Ausdauer später könnte der 24. März 2021 kommen. Der Tag, an dem das Bundesverfassungsgericht seinen Klimabeschluss gefasst hat. Ein Paukenschlag, so nennt es die Anwältin, die den Beschluss erstritten hat: Roda Verheyen aus Hamburg. Was macht den Beschluss zum "Paukenschlag"? Es sind die "Intertemporalen Freiheitsrechte". Kurz gesagt: Wenn unser heutiges Verhalten die Freiheit künftiger Generationen zu sehr einschränkt, müssen wir es heute anders machen. Und da wir das nicht freiwillig tun, muss der Gesetzgeber eben dafür sorgen. Das Klimaschutzgesetz von 2021 war damit Makulatur und wurde in der Folge auch erheblich nachgebessert. Zahlreiche Prozesse bauen inzwischen auf dieser Logik auf, national wie international.Und ist jetzt alles gut? Natürlich nicht. Insofern mündet der Paukenschlag auch in eine gewisse Ernüchterung. Die Emissionen steigen, Sektoren wie zum Beispiel der Verkehr reißen alle Ziele und der verantwortliche Minister wird dafür belohnt, indem er künftig gar keine Sektorenziele mehr erfüllen muss. Roda sagt: Aufgeben ist keine Option, das wäre ja noch schöner. Zu den Prozessen gegen unzureichende Gesetze kommen die Prozesse gegen Konzerne. Aktuell treibt Roda die Klage gegen VW voran. Wäre sie erfolgreich, müsste VW bereits 2030 aufhören, neue Autos mit Verbrennungsmotor zu verkaufen. Weltweit. In den ersten Instanzen ist die Klage gescheitert, dann eben Berufung. Immer weiter machen. Konzerne sind auch deshalb wichtig, weil sie weit jenseits der Gesetze einzelner Länder handeln können. Aber auch hier gilt: Last Exit Klima-Klage. Der Weg über Prozesse ist lang, er ist riskant, aber er ist demokratisch - und etwas besseres haben wir nicht. Also ran an den nächsten Schriftsatz.Die Aufarbeitung des abenteuerlichen Streits um das Gebäude-Energie-Gesetz, über das Roda und Michael gesprochen haben, findet sich hier beim Volksverpetzer. Bei dieser Gelegenheit: Unterstützt den Volksverpetzer, er leistet Großartiges. Zu Gast: Dr. Roda Verheyen, Rechtsanwältin und Mitglied des Hamburgischen Verfassungsgerichts.
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Nov 2, 2023 • 41min

#179 Amelie Marie Weber – Generation Hoffnung

Eine Krise legt sich über die nächste. Und noch eine. Wer heute ins erwachsene Leben tritt, weiß: Beschauliche, kuschelige Wohlstandsstabilität, das war einmal. Nicht für uns. Warum also nicht einfach resignieren, eine letzte Party schmeißen und dann abwarten? Oder um es mit den Worten von Amelie Weber zu sagen: Wie wird aus der Generation Krise eine Generation Hoffnung? Amelie ist Journalistin und Autorin und hat gerade dazu ein Buch veröffentlicht. Ein Weg zur Hoffnung: Auf gute Beispiele schauen. Amelie erzählt, wie sie Krise für Krise nach positiven Botschaften gesucht hat. Nicht, um die Krise zu relativieren, sondern um zu zeigen: Es ist möglich, etwas zu tun. Wichtig ist Amelie: Wir müssen nicht stets den ganz großen Wandel von uns selbst erwarten. Michael und Amelie stellen beide fest, dass sie einfach nicht mutig genug sind, sich für mehr Klimaschutz auf die Straße zu kleben. Nur: Wir können dennoch etwas tun. Amelie beschreibt, wie sie bei den verschiedenen Krisenthemen mal mehr und mal weniger Mühe hatte, hilfreiche Beispiele zu finden. Letztlich finden sie sich aber überall und zeigen, wir sind dem Thema Krise nicht hilflos ausgeliefert. Das macht Hoffnung. Zugleich stimmt auch das andere: Die meisten der Krisen, mit denen wir gerade konfrontiert sind, brauchen gerade das große Rad: Kohleausstieg und Tempolimit, einen neuen Generationenvertrag. Die Klimakrise wird uns ohnehin erhalten bleiben, es wird nur darum gehen, sie verträglich zu managen. Insofern braucht die junge Generation ebenso wie mit ihr alle anderen: Hoffnung. Hoffnung, um aktiv zu werden und zu bleiben.Zu Gast: Amelie Marie Weber, Journalistin und Autorin von "Generation Hoffnung"Babel Offer LinkCode: carlszukunft

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