

Das Neue Berlin
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Podcast zu Gegenwart und Gesellschaft
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Sep 23, 2020 • 2h 37min
Ad-hoc-Gruppe: Podcasts in der Soziologie
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Am 18. September 2020 haben wir auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie eine Ad-hoc-Gruppe zum Thema „Podcasts in der Soziologie“ organisiert.
Ein bearbeiteter Mitschnitt der Veranstaltung ist hier zu hören. Die einzelnen Vorträge sind zur Zitierung auf SocioHub verfügbar.
Es sprachen:
Stefan Sauer und Manuel NicklichArmin Hempel (Hinter den Dingen)Moritz Klenk (Podlog u. a.)Jennifer Seifert/Christoph Peters (Soziologisches Kaffeekränzchen u. a.)Jan Groos (Future Histories)
Abstracts
Stefan Sauer, Manuel Nicklich: Podcasts als (öffentliche) soziologische Interventionen
Die Soziologie ist als ‚Wissenschaft von der Gesellschaft‘ geradezu prädestiniert dazu, mit dieser in Dialog zu treten, spielt jedoch – gemessen bspw. an Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und neuerdings auch Virologie – im öffentlichen Diskurs eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Nicht selten scheinen sich Soziolog*innen in einem Spannungsfeld zu befinden: eigene Motivation oder gesellschaftliche Nützlichkeitserwartung legen die Partizipation an gesellschaftlichen Diskursen nahe, soziologische Akribie – oder Pedanterie –und akademische Neutralitätsgebote erschweren die Anschlussfähigkeit an diese. Dies hatte bereits Charles W. Mills in seinem wegweisenden Werk „Sociological Imagination“ zum Problem der Disziplin gemacht (Mills 1959), welches sich offenbar bis heute gehalten hat. Als paradigmatisch für das Spannungsfeld können die innerfachlichen Diskurse um Zeitdiagnosen (Lichtblau 2017; Neun 2016; Osrecki 2011; Volkmann 2015) und public sociology (Burawoy 2005, 2015; Fasis 2014) gelten. Diese stellen eine „legitimationsbedürftige soziologische Gattung“ (Neun 2016: 303) dar und fristen eine „Randexistenz“ (ebd.). Trotz starkem Anwachsen von zeit- und gesellschaftsdiagnostischen soziologischen Veröffentlichungen (bspw. Beck 1986; Koppetsch 2015; Mouffe 2018; Nassehi 2019; Reckwitz 2019; Streeck 2015) sind diese nicht als soziologisches Teilgebiet ausgewiesen und Qualität wie Rezeption höchst heterogen. Ergänzend – und mit zunehmendem Gewicht – bildet sich mittels sozialer Medien und Podcasts die „e‑public sociology“ (Healy 2017; Schneider 2014), die beinahe voraussetzungslose Kommunikation mit der Öffentlichkeit ermöglicht. Daher stellen wir die Fragen nach Kriterien, mittels derer soziologische Podcasts als ‚legitime‘ gesellschaftliche Intervention gelten können und analysieren Podcasten als spezifische Form soziologischer Tätigkeit zwischen ‚öffentlicher Soziologie‘ und ‚Soziologie in der Öffentlichkeit‘. Diese Differenzierung legen wir an Hand des Wissenstransfers in die Öffentlichkeit (Haas 2020) und des gesellschaftspolitischen Problembewusstseins dar (Neun 2019). Podcasten mit einem Geltungsanspruch im Sinne öffentlicher Soziologie impliziert daher, diese Kriterien in die Kommunikation soziologischer Forschung integrieren und im Sinne einer Intervention umsetzen zu können.
Armin Hempel: Wie Vertrauen schaffen? Über die Rolle des Podcasting in der Wissenschaftskommunikation
Die externe Wissenschaftskommunikation stellt eine Reihe von vielschichtigen Anforderungen an ein Medium. Eine erste Lektüre zahlreicher für die Wissenschaftskommunikation relevanter Diskursbeiträge der letzten Jahrzehnte lässt vermuten, dass ein für die Wissenschaftskommunikation geeignetes Medium nicht nur flexibel und gleichermaßen leicht zugänglich für Rezipienten als auch Produzenten sein muss, sondern gleichzeitig die Möglichkeit bieten sollte, Vertrauen zu stiften und Akzeptanz für wissenschaftliches Arbeiten zu schaffen.
Dies drückt sich auch durch den Wandel vom Public Unterstanding und der Public Awareness zum Public Engagement with Science in der Diskussion um die Wissenschaftskommunikation aus. Podcasts erscheinen – legt man diese Anforderungen zugrunde – als geradezu ideal für die vielfältigen Bedarfe der Wissenschaftskommunikation. Sie schaffen als ein mittlerweile breit rezipiertes Online-Medium ohne Formatgrenzen die Gelegenheit, öffentlich komplexe Themen in nahezu beliebiger Tiefe zu verhandeln. Äußerungen verschiedener Podcasterinnen und ihrer Hörerinnen bieten zudem deutliche Hinweise darauf, dass sich zwischen beiden Gruppen häufig eine besonders intensive Vertrauensbeziehung entwickelt. Dies ist auch deswegen bemerkenswert, weil das Medium selbst über keinen Rückkanal im traditionellen Sinne verfügt, über den eine „echte“ Kontaktaufnahme zwischen beiden möglich wäre.
Was kann also ursächlich für diese Vertrauensbeziehung sein? Welche Rollen spielen Faktoren wie Stimmlichkeit, Produktions- und Rezeptionsumstände, Immersionseffekte oder Eigenheiten der gesprochenen Sprache? Welche Bedeutung haben die verhandelten Inhalte oder andere Online-Medien als Rückkanäle?
Eine kritische Betrachtung des populären „Coronavirus-Update mit Christian Drosten“ soll versuchen, sich diesen Fragen anzunähern. Wovon spricht Drosten? Wie oft bemüht er sich um Wissenstransfer, wieviel Zeit verwendet er auf die Erklärung wissenschaftlicher Methoden und Vorgänge, wie oft spricht er über Politik, Privates und Alltagsgeschehen? Wie fügt sich Drostens Podcast in die Medienlandschaft und – welchen Einfluss hat er auf das Bild von Podcasts als Mittel der Wissenschaftskommunikation?
Moritz Klenk: Sprechendes Denken – Von der sinnlich-sinnhaften Verfertigung soziologischer Erkenntnis beim Sprechen (und Hören)
Die Wissenschaftskommunikation hat seit einigen Jahren — in der Soziologie mit erheblicher Verzögerung — das Medium Podcasting für sich entdeckt. Dabei werden, den Annäherungen an andere digitale Medien nicht unähnlich, vor allem Podcasts als Instrument der „public science“ genutzt. Erzählende Formate, Interviews aber auch gebaute Features können als bevorzugte Formate erwähnt werden. Podcasts dienen so vor allem als Medium der Wissensvermittlung. Es schliesst sich gerade bei der Prominenz einiger Formate dann aber die weitergehende Frage an: was sind die Potenziale von Podcasts in der Wissensgenese, in der methodischen und theoretischen Produktion wissenschaftlicher Erkenntnis selbst?
Der Beitrag möchte einige Möglichkeiten von Podcasts als Medium soziologischer Erkenntnisproduktion reflektieren. Vor dem Hintergrund zweier theoretisch/methodischer Vorschläge, dem Audio-Paper Manifesto der Musikwissenschaftlerinnen Sanne Krogh Groth & Kristine Samson (2016) sowie dem ethnographischen Ansatz von Recording Culture von Daniel Makagon & Mark Neumann (2009), werden die Fragen nach der spezifischen Bedeutung sinnlicher Wahrnehmung für die Genese und Reflexion von soziologischer Erkenntnis gestellt.
Welche Formen der Konstitution von Wissen sind in auditiven Medien möglich, die in anderen, nicht möglich sind? Sind Sinn und Sinnlichkeit vermittelt oder sollten sie in wissenschaftlichen Kontexten getrennt behandelt werden? Werden hierüber neue Zugänge zur Gesellschaft wie auch zur Soziologie möglich? Für welche soziologischen Gegenstände der Forschung, für welche Theorien und Methoden sind auditive Vermittlung der Genese und Darstellung von Erkenntnis überhaupt möglich? Wie kann etwa mit gesprochener Sprache anders als mit schriftlicher Sprache gedacht werden — sowohl sprechend als auch hörend? Mit welchen Mitteln und unter welchen Bedingungen können auditive Darstellungen als strenge wissenschaftliche Textformate akzeptiert werden? Und welche Bedeutung hat schliesslich die spezifische Form auditiver Medien: Podcast?
Der Beitrag stütz sich auf das Podlog Projekt, ein wissenschaftliches Arbeits- und Denktagebuch, das ich im Jahr 2017 durchgeführt habe; der Kontext der Arbeit als Qualifikationssarbeit bieten einen hervorragend Prüffall für die Frage nach der Wissenschaftlichkeit auditiver Medien und ihrer spezifischen Vermittlungsweise.
zur Person
Moritz Klenk (Dr. phil.) ist Professor für Kulturwissenschaften an der Hochschule Mannheim. Seine Arbeits- und Interessensschwerpunkte sind experimentelle Kulturwissenschaft, kritische Theorie, Medien- und Designgeschichte, Theorie der Praxis, Erkenntnistheorie der Geisteswissenschaften sowie Wissenschaftssoziologie.
Website: experimentality.org
Jüngste Veröffentlichung: Klenk, Moritz. 2020. Sprechendes Denken: Essays zu einer experimentellen Kulturwissenschaft. Edition Kulturwissenschaft 234. Bielefeld: transcript.
Christoph Peters, Jennifer Seifert: Selbstbildung durch Podcasts – zwischen Feuilleton und Wissenschaftskommunikation?
Podcasts fallen als nicht mehr neues, aber scheinbar doch immer wieder so wahrgenommenes Audioformat dadurch auf, dass sie ganz offenbar eine eigene Medienform darstellen. Ein Subgenre im großen Podcastmarkt stellen die Wissenschaftspodcasts dar, die in Bezug auf Downloadzahlen zwar nicht mit den größten und bekanntesten (Unterhaltungs-)Podcasts mithalten können, aber dennoch breit rezipiert werden. Im Bereich der soziologisch orientierten Podcasts wird das Feld dann wiederum bedeutend kleiner.
Auffällig ist, dass Podcasts im Vergleich zum Radio davon leben, dass sie sehr intendiert von Nutzerinnen ausgewählt werden. So kuratiert jeder Einzelner seinenihren “Feed” eigenständig und entscheidet sich beim Hören konkret dafür einer Podcastfolge teils über mehrere Stunden seineihre Aufmerksamkeit zu widmen. In Bezug auf wissenschafts- und soziologiebezogene Podcasts bedeutet dies, dass sich das Hören von Podcasts mit klassischen Lerntheorien im Einklang findet, denn was die Rezipientinnen mit dem zu ihnen Gesprochenem anfangen bleibt als Lernprozess unverfügbar. Dieser selbstgesteuerte Lernprozess scheint dabei gerade deswegen so erfolgreich zu sein, weil Podcasts keine Dauerinteraktion mit Geräten benötigen. Mit viel Raum für das freie Gespräch tragen Podcasts dazu bei in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit einem Thema zwischen verschiedenen Fokusarten zu wechseln und bereichern das sehr konzentrierte und dafür nicht so freie Arbeiten an und mit Texten um eine weitere Dimension. Sie bieten für die Soziologie die Möglichkeit intellektuelle Räume des freien Gesprächs neu zu besetzen. Es ist ein neues Denkformat entstanden, das im Gegensatz zum wissenschaftlichen Paper damit hervorsticht, dass nicht nur Ergebnisse präsentiert, sondern auch explizit nachvollzogen werden kann, welche Denkprozesse hinter präsentierten Resultaten stehen, da diese sich erst im Gespräch ergeben.
Ob soziologische Podcasts langfristig nicht nur außerhalb des Wissenschaftsbetriebs als Format zwischen Wissenschaftskommunikation und Feuilleton rezipiert werden, sondern auch legitimen Eingang in das akademische Feld finden, steht und fällt dabei mit dem Sozialprestige das Podcasts beigemessen wird. Die reine Masse an Hörer*innen kann hierbei faktisch-quantitativen Druck ausüben, der ein Ignorieren der entsprechenden Sendungen unmöglich macht.
Jan Groos: Podcasten als Teil der erweiterten Forschungspraxis
Mein Vortrag im Rahmen der Ad-hoc-Gruppe „Podcasts in der Soziologie“ soll anhand mehrerer Punkte die Möglichkeiten des Podcastens als Teil einer erweiterten Forschungspraxis ausloten: (1.) als öffentliches Archiv (z.B. eines Forschungsprojektes), (2.) als Raum für fachinternen Austausch, (3.) als Austausch mit Öffentlichkeiten jenseits des akademischen Betriebs und schließlich (4.) als (explorative) Forschungsmethode.
Anhand mehrerer Episoden des von mir betriebenen Podcast Future Histories möchte ich aufzeigen, wie über mehrere Folgen hinweg Fragestellungen in gemeinschaftlich-diskursiver Arbeit verfolgt werden können und hierbei Formen der Wissensproduktion entstehen, die diesem Medium eigen sind.
zur Person
Jan Groos ist Doktorand an der Universität Duisburg-Essen im Fachbereich Soziologie unter Betreuung von PD Dr. Robert Seyfert. Sein Promotionsprojekt trägt den Titel „Soziotechnische Imaginationen algorithmischer Regierungskunst“ und ist in das von PD. Dr. Robert Seyfert geleitete Forschungsprojekt „Das Regieren der Algorithmen“ eingebunden. Im Frühjahr 2020 war Jan Groos als Research Fellow am Weizenbaum Institut für die vernetzte Gesellschaft (Forschungsgruppe 17 — “Vertrauen in verteilten Umgebungen”) zu Gast. Er betreibt den Podcast Future Histories.
Transkript
Das Transkript zur Episode ist hier abrufbar. ACHTUNG: Das Transkript wird automatisch durch wit.ai erstellt und aus zeitlichen Gründen NICHT korrigiert. Fehler bitten wir deshalb zu entschuldigen.
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Aug 17, 2020 • 2h 36min
Die Gesellschaft mit der Kamera – Mit René Tuma über Videoanalyse
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Dass wir unser Leben permanent durch Fotos und Videos dokumentieren, erscheint uns heute wie selbstverständlich. Dabei ist die Alltäglichkeit von Kameras noch eine relativ neue Entwicklung, die Folgen noch kaum absehbar.
Eine besondere Erscheinungsform ist die Videoanalyse, eine Technik mit der soziale Interaktionen in Objektivationen überführt werden, um sie anschließend zu untersuchen. Mit Videoanalyse sucht die Polizei nach Spuren auf Großveranstaltungen, Fußballtrainer optimieren die Körperbewegungen ihrer Spieler und Marktforscher quantifizieren ihre potentiellen Konsumenten.
Unser Gast René Tuma hat in seiner Studie Videoprofis im Alltag diese historisch neuartige Praxis untersucht. Besonders interessiert ihn dabei, wie die Bilder interpretiert werden, wie praktisches Wissen in Sprache überführt wird und welche professionellen Sehgemeinschaften sich bilden. In der Sendung sprechen wir mit ihm über kommunikativen Konstruktivismus, schwierige Feldzugänge und die empirische Vielfalt der Videoanalyse.
Links
René Tuma: Videoprofis im Alltag. Die kommunikative Vielfalt der Videoanalyse (2017)W. J. T. Mitchell: Vernacular visualityEadweard Muybridge: The horse in motion (1878)Ramón Reichert: Im Kino der Humanwissenschaften. Studien zur Medialisierung wissenschaftlichen Wissens (2015)Margaret Mead and Gregory Bateson: Trance and Dance in BaliDokumentation der Algerien-Fotos von Pierre BourdieuCharles Goodwin: Professional Vision (1994)Rodney KingAlfred Schütz: Der gut informierte Bürger (1972)Cornelius Schubert: Die Praxis der Apparatemedizin (2006)Dokumentarische MethodeKommunikativer KonstruktivismusLouis-Georges Schwartz: Mechanical Witness. A History of Motion Picture Evidence in U.S. Courts (2009)Forensic ArchitecturePolizeieinsatz auf der Demo „Freiheit statt Angst“MoneyballMaurice Merleau-Ponty zu Fußball in Die Struktur des Verhaltens (1976), S. 193DFG-Projekt „Accounting und transformatorische Effekte im Profifußball. Eine empirisch-ethnografische Studie zur Soziologie zahlen- und datenbasierter Praktiken des Bewertens und Kritisierens“Bernt Schnettler/Hubert Knoblauch (Hrsg.): Powerpoint-Präsentationen. Neue Formen der gesellschaftlichen Kommunikation von WissenHarun Farocki: Deep Play, Die Schöpfer der Einkaufswelten, Nicht ohne Risiko
Transkript
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Gast
René Tuma

Jul 12, 2020 • 1h 55min
Das letzte Leben des Neoliberalismus? – Mit Dieter Plehwe über neoliberale Netzwerke
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„Neoliberal“ ist einer dieser Begriffe, die so inflationär verwendet worden sind, dass man sie nicht mehr hören kann. Mal benennt er die Forderung nach „weniger Staat“, mal unternehmerische Subjektivierung, mal eine zeitgenössische Variante des Kapitalismus – die Vieldeutigkeit hat aus dem linken Leitbegriff ein unspezifisches Klischee gemacht.
Dieter Plehwe, Politikwissenschaftler am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, gibt dem Wort hingegen wieder eine ganz konkrete Bedeutung. Neoliberalismus, so sein Ansatz, ist das Denken und die Lehre einer bestimmten Gruppe von Wissenschaftlern und Intellektuellen, die seit der Nachkriegszeit organisiert eine politische Agenda starkmachen. In den letzten Jahren hat er als Teil eines internationalen Forscherteams die komplexen Netzwerke und ideengeschichtlichen Verbindungen der Neoliberalen untersucht. Die Ergebnisse sind zuletzt in The Nine Lives of Neoliberalism erschienen (bei Verso und im Open Access).
In der Sendung sprechen wir über die historischen Hintergründe der Entstehung der Mont Pèlerin Society, ihren wechselnden Einfluss im Lauf der letzten Jahrzehnte, ihre Mitglieder und Strategien. Unsere Diskussion kreist dabei immer wieder um die Frage der Differenziertheit und Eigenständigkeit der neoliberalen Lehre. Steht das so oft beschworene Ende des Neoliberalismus wirklich in absehbarer Zeit bevor?
Transkript
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Gast
Dieter Plewe
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Jun 15, 2020 • 1h 21min
Wohlstand an der Grenze – Mit Max Koch über nachhaltige Wohlfahrt
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Wir sind in der letzten Phase präventiver Klimapolitik. Die 2020er-Jahre werden entscheidend sein, um das globale Klimasystem stabil zu halten. Sollte der Pfad des grünen Wachstums nicht die notwendigen Emissionsverringerungen erreichen, wird es notwendig sein, in einer stagnierenden Ökonomie die Produktions- und Konsumtionsraten den biophysikalischen Grenzen des Planeten anzupassen.Der Weg einer Postwachstumsökonomie bringt allerdings eine ganze Reihe neuer Probleme auf den Plan. Das Konsumniveau der Industrieländer wird unhaltbar. National und global bekommt die Verteilungsfrage eine neue Dringlichkeit. Wie muss ein Wohlfahrtsstaat aussehen, der Grundbedürfnisse sichern und Verschwendung sanktionieren will?Unser Gast Max Koch arbeitet am Konzept der nachhaltigen Wohlfahrt. Mit ihm sprechen wir über die enge Verbindung des Wohlfahrtsstaats mit der Wachstumswirtschaft der Nachkriegszeit und über öko-soziale Politikinstrumente. Für Koch bräuchte es eine demokratische Transformation in allen institutionellen Teilbereichen der Gesellschaft – eine unwahrscheinliche Perspektive ohne historisches Vorbild. Aber möglich wäre sie.
Transkript
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Gast
Max Koch
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May 15, 2020 • 1h 53min
Durch Raum und Zeit – Mit Gunter Weidenhaus über soziale Raumzeit
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Die soziale Welt hat ihre eigenen Maßstäbe. Raum und Zeit sind in ihr nicht nur physikalische Größen: Eine Heimat ist keine geographische Koordinate, eine Lebensgeschichte ist keine objektive Chronologie. Menschen konstituieren Zeit und Raum als sinnhafte Arrangements von Ereignissen und Dingen.
Für unseren Gast Gunter Weidenhaus sind Raum und Zeit in der Lebensgeschichte konstitutiv miteinander verbunden. In seiner Studie Soziale Raumzeit hat er erstmals ihren Zusammenhang empirisch untersucht. In biographischen Interviews erkundet er die auffällige Kopplung von räumlicher und zeitlicher Lebensstruktur. Während einige Menschen das geradlinige Leben mit festem Zentrum verwirklichen wollen, leben andere bereits räumlich ungebunden in losen Lebensepisoden. Eine dritte Gruppe führt ein Inseldasein in einer ewigen Gegenwart.
Die Ergebnisse haben nicht zuletzt gegenwartsdiagnostisches Potential. Ein Wirtschaftssystem, das den Arbeitnehmern immer höhere Flexibilität abverlangt, setzt ein bürgerliches Lebensmodell unter Druck, das sich um einen festen Wohnort und langfristige Lebensplanung bemüht. Weidenhaus‘ Theorie kann damit den aktuellen Gesellschaftsanalysen eine raumzeitliche Dimension hinzufügen und das Verständnis sozialer Pathologien vertiefen.
Transkript
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Gast
Gunter Weidenhaus
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Höher, schneller, weiter – Mit Dirk van Laak über die Geschichte der Infrastruktur
Mit Jochen Kibel über kollektive Identitäten durch Museumsbauten

Apr 22, 2020 • 1h 53min
Höher, schneller, weiter – Mit Dirk van Laak über die Geschichte der Infrastruktur
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Ob die morgendliche Dusche, das Pendeln zur Arbeit oder das Hören von Podcasts – unser Alltag ist nicht denkbar ohne die Leistungen, die Infrastrukturen bereitstellen. Bewusst wird uns das nur, wenn sie nicht funktionieren, das Internet zu langsam, das Wasser kalt, der Strom ausgefallen ist. Hinter dieser Selbstverständlichkeit stecken Jahrhunderte von technischem Fortschritt und der Entwicklung von Nutzungspraktiken – inklusive dem, was inzwischen wieder vergessen ist.
In seinem Buch Alles im Fluss hat Dirk van Laak (Uni Leipzig) sich mit der modernen Geschichte der Infrastruktur auseinandergesetzt. Für ihn war Infrastruktur nie ein einheitliches Großprojekt, das einfach von oben nach unten durchgesetzt wurde. Unterschiedliche Akteure verbanden ganz unterschiedliche Interessen und Vorstellungen mit ihr. Aus dem Stückwerk entstanden jedoch die modernen „Fließräume“: einheitliche Strukturen von Zeit und Raum, in denen die Weltgesellschaft bis heute wächst und sich beschleunigt.
Neben der Geschichte, die wir ausführlich besprechen, landen wir auch im Heute. Denn Infrastrukturen spielen eine wichtige Rolle bei der Abschätzung, wie wir ökologischen, biologischen und sicherheitspolitischen Herausforderungen begegnen können. Was ist echter Sachzwang und was historische Kontingenz?
Transkript
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Gast
Dirk van Laak
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Apr 6, 2020 • 5min
Call for Papers: Podcasts in der Soziologie
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Die Wissenschaft ist in einer Phase des Experimentierens. Sie sieht sich mit einer digitalen Welt konfrontiert, die ungeahnte Möglichkeiten der Verbreitung von Informationen bietet und zugleich eine handfeste Herausforderung jeder akademischen Autorität darstellt. Podcasts haben innerhalb dieser Phase eine außerordentliche Popularität erlangt. Zugleich ist ihre epistemologische, medienwissenschaftliche und intellektuelle Bestimmung gerade auch für die Sozial- und Geisteswissenschaften noch weitgehend offen.
Um die verschiedenen Zugänge, Ansätze und Erfahrungen für die deutsche Soziologie zu vernetzen, haben wir eine Ad-hoc-Gruppe unter dem Titel „Podcasts in der Soziologie“ auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie beantragt, der vom 14. bis 25. September – wegen der Corona-Krise nun mehr online – stattfindet. Diese wurde glücklicherweise aufgenommen!
In der Ad-hoc-Gruppe wollen wir in Vorträgen und Diskussionen abstecken, was der Podcast für die Soziologie leisten kann: als Verbreitungsweg klassischer Formate, als neue Form von Wissenschaftskommunikation oder gar als Erkenntnismethode.
Fragen sind: Welche Funktionen können Podcasts für die soziologische Wissensproduktion entfalten? Welche disziplinären und praktischen Hürden gibt es dafür? Wie lässt sich ihr Verhältnis zur wissenschaftlichen Publikation, zu anderen digitalen Formaten (Blogs, Social Media) und zu klassischen Massenmedien bestimmen? Wie lässt sich der Podcast im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Journalismus und PR einordnen?
Zur Beantwortung dieser Fragen möchten wir verschiedene Perspektiven zusammenbringen. Wenn ihr Lust habt, euer Thema vorzustellen, dann reicht also eure Abstracts ein! Die Vorträge sollten eine Länge von ca. 20 Minuten haben.
Schickt euren Vorschlag mit dem Titel des Vortrags sowie einem Abstract (ca. 2400 Zeichen) bitte bis zum 29. Mai 2020 an hierist@dasneue.berlin. Im Vorfeld beantworten wir über diese Adresse natürlich auch gerne alle Fragen.
Achtung: Um einen Vortrag in der Ad-hoc-Gruppe zu halten, müsst ihr am Kongress teilnehmen. Wegen der Corona-Krise findet dieser nun online statt. Alle weiteren Informationen findet ihr hier.
Transkript
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Mar 28, 2020 • 1h 34min
Die kommenden Welten – Mit Kirsten Meyer über Zukunftsethik
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Die Zukunft ist ungewiss. Sie ist genuin offen und entzieht sich immer wieder unseren Vorhersagen. Das stellt eine ethische Reflexion des politisch Wünschenswerten vor handfeste Probleme. Welche Rechte haben Menschen, die noch gar nicht existieren? Welche Ansprüche an ein gutes Leben darf man zukünftigen Lebensformen unterstellen? Gibt es einen moralischen Generationenvertrag, der jeder Generation verbietet, die kommende schlechterzustellen? Ist das Überleben der Spezies überhaupt intrinsisch wertvoll und moralisch geboten? „Was schulden wir künftigen Generationen?“, fragt die Philosophin Kirsten Meyer in ihrem gleichnamigen Buch. Darin versucht sie, die Ansprüche der Milliarden Ungeborenen präziser zu bestimmen und philosophisch zu rechtfertigen. Für sie widerspricht unser Ressourcenverbauch nicht nur intergenarationeller Gerecktigkeit, sondern auch Prinzipien fundamentaler Menschlichkeit.Wir diskutieren mit ihr darüber, in welchen Kategorien sich über Zukunftsethik nachdenken lässt und ob ethische Überlegungen überhaupt eine politische Relevanz besitzen. Sind sie gegenüber globalen Dynamiken mehr als fromme Wünsche?
Transkript
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Gast
Kirsten Meyer
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Mar 15, 2020 • 1h 48min
Drei Farben: Gelb – Mit Guillaume Paoli über die Gelbwestenbewegung als politisches Ereignis
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Ein Ereignis sprengt bisherige Begriffe. Man muss sich vorbehaltlos darauf einlassen, wenn man etwas lernen will. Für unseren Gast Guillaume Paoli sind die französischen Gelbwesten genau so ein Ereignis. In seinem Buch Soziale Gelbsucht versucht er, der Bewegung in all ihrer Mehrdeutigkeit gerecht zu werden.Seit November 2018 sind die Gilets Jaunes auf der Straße. Ohne Parteibuch, ohne Gewerkschaftsaufruf: Es sind überwiegend politische Anfänger auf den ersten Demonstrationen ihres Lebens. Sie kommen aus der unteren Mittelschicht, kleine Angestellte, prekäre Selbstständige. An den gesellschaftlichen Nicht-Orten versammeln sie sich, an den großen Kreisverkehren und verlangsamen die Zirkulation der Dinge. Wir diskutieren mit Paoli darüber, wie sich die spontane Entstehung der Bewegung erklären lässt und analysieren ihr hierachiefreies und unprogrammatisches Aufbegehren. Wir lassen uns die gesellschaftlichen Bedingungen vom „perfekten Elitensystem in Frankreich“ (Michael Hartmann) über die Polizeigewalt bis hin zum Präsidialsystem der Fünften Republik erklären. Und landen schließlich doch wieder bei der Frage: Was lässt sich von den Gelbwesten lernen?
Transkript
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Gast
Guillaume Paoli
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Feb 11, 2020 • 59min
Platz an der Sonne – Mit Ulrike Schaper über postkoloniale Kolonialgeschichte
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Die Forderung des tansanischen Botschafters nach Wiedergutmachung für deutsche Kolonialverbrechen hat zuletzt einmal mehr daran erinnert, dass die deutsche Kolonialgeschichte nicht als historisch „abgeschlossen“ gelten kann. Die koloniale Phase von 1884 bis 1919 war lange Zeit ein blinder Fleck im kulturellen Gedächtnis. Wo lag nochmal Deutsch-Ostafrika? Die wichtigste intellektuelle Strömung in der Auseinandersetzung mit der europäischen Expansionspolitik ist nach wie vor der Postkolonialismus, der sich seit den 1980ern in den angelsächsischen Literatur- und Kulturwissenschaften entwickelt hat. Prägend waren unter anderen Edward Said, Homi Bhabha oder Gayatri Chakravorty Spivak. Wie sich diese Ansätze für die deutsche Geschichtsschreibung anwenden lassen, darüber hat Ulrike Schaper einen Beitrag für Aus Politik und Zeitgeschichte geschrieben.Wir sprechen mit ihr über die Besonderheiten des deutschen Kolonialismus, über dessen Bedeutung für das Verständnis des 20. Jahrhunderts, über die postkoloniale „Methode“ und ihre historiographische Reichweite sowie über postkoloniale Perspektiven für die Erinnerungskultur.
Transkript
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Gast
Ulrike Schaper
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