

Das Klima
Florian Freistetter, Claudia Frick
Die Klimakrise ist umfassend und global. Sie hat Auswirkungen auf alle und alles und wird ohne Zweifel unser Handeln und unseren Alltag in den nächsten Jahrzehnten in sämtlichen Bereichen bestimmen. Darum ist es nötig, dass möglichst viele Menschen über das Klima und die Wissenschaft hinter der Klimakrise Bescheid wissen. Der Weltklimarat IPCC veröffentlicht regelmäßig sogenannte “Sachstandsberichte” die das jeweils aktuelle Wissen zur Klimakrise zusammenfassen. Diese tausenden Seiten sind schwere Lektüre, die wir euch mit diesem Podcast ersparen wollen. Das gleiche gilt für die vielen anderen neuen Erkenntnisse der Klimaforschung. In jeder Folge wird aktuelle Forschung rund um die Klimakrise so vermittelt, dass sie auch ohne Studium der Klimawissenschaft verständlich sind.
Ein Podcast von Florian Freistetter (Astronom und Autor) und Claudia Frick (Meteorologin und Professorin für Wissenschaftskommunikation).
Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter.
Ein Podcast von Florian Freistetter (Astronom und Autor) und Claudia Frick (Meteorologin und Professorin für Wissenschaftskommunikation).
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Episodes
Mentioned books

Dec 13, 2021 • 1h 36min
DK019 - Bücher zur Klimakrise
und warum kann Amazon die Bibliothek nicht ersetzen…
DK019 - Bücher zur Klimakrise
und warum kann Amazon die Bibliothek nicht ersetzen…
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
Nachdem wir die ersten zwei Drittel des IPCC-Berichts gelesen haben, machen wir eine kurze Pause von der reinen Wissenschaft. Und widmen uns in einer Sonderfolge all den anderen Büchern, die zum Klima geschrieben wurde. Wir stellen populärwissenschaftliche Sachbücher vor, wir reden über Lehr- und Fachbücher und haben auch ein paar Romane der “Climate Fiction” aus dem Bücherregal gezogen. Es geht um das Klima, um Meteorologie, um Chaosforschung, Geschichte, Politik und Gesellschaft. Wer noch ein wenig Lesestoff zum Thema sucht, wird in dieser Folge hoffentlich fündig. Außerdem loben wir sehr ausführlich die wunderbare Institution der öffentlichen Bibliothek. Geht dort mal hin, es lohnt sich!
Bibliothekslob und “Fair lesen”
Claudia ist nicht nur Meteorologin und Wissenschaftskommunikatorin, sondern auch Bibliothekarin. Und Florian schreibt nicht nur Bücher, sondern liest sie auch gerne und in großer Anzahl. Wenig überraschend werden daher nicht nur Bücher, sondern auch Bibliotheken gelobt. Florian findet sie großartig und hält gar nichts davon, was mal in “Forbes” stand: Nämlich öffentliche Bibliotheken durch Amazonfilialen zu ersetzen: Im archivierten Originalartikel findet sich Claudias Lieblingszitat: “Im Grunde bietet Amazon etwas an, das besser ist als eine örtliche Bibliothek und das ohne Steuern zu verursachen. Aus diesem Grund sollte Amazon lokale Bibliotheken ersetzen. Das würde den Steuerzahlenden Geld sparen und den Aktienwert von Amazon auf einen Schlag steigern.” Halten wir für Quatsch und hier kann man mehr dazu lesen.
Hintergrundinformationen und eine Einordnung der Initiative “Fair lesen” gibt es bei irights.info und die Stellungnahme des deutschen Bibliotheksverbands mit den wichtigsten Fakten findet man hier.
Bücherliste
Diese Bücher haben wir in der Folge erwähnt (die Links sind zum Teil Affiliate-Links):
“The essence of chaos” von Edward N. Lorenz
"Chaos" von James Gleick. Gibt es auch als deutsche Übersetzung: "Chaos - die Ordnung des Universums: Vorstoss in Grenzbereiche d. modernen Physik"
“Heißzeit: Mit Vollgas in die Klimakatastrophe - und wie wir auf die Bremse treten” von Mojib Latif
“Zieht euch warm an, es wird heiß!: Wie wir noch verhindern können, dass unser Wetter immer extremer wird” von Sven Plöger
“Klimawandel: Fakten gegen Fake & Fiction” von Marcus Wadsak
“The Physics of Climate Change” von Lawrence Krauss
"123 superschlaue Dinge die du über das Klima wissen musst" von Mathilda Masters und Louize Perdieus
"Klima in 30 Sekunden" von Joanna Haigh
"Unsichtbar im Sturm" von Ian Roulstone und John Norbury
"The Weather Experiment: The Pioneers who Sought to see the Future" von Peter Moore. Gibt es auch auf deutsch: "Das Wetter-Experiment: Von Himmelsbeobachtern und den Pionieren der Meteorologie"
“Wütendes Wetter: Auf der Suche nach den Schuldigen für Hitzewellen, Hochwasser und Stürme” von Friederike Otto
“Under a White Sky: The Nature of the Future” von Elisabeth Kolbert. Gibt es auch auf deutsch: “Wir Klimawandler: Wie der Mensch die Natur der Zukunft erschafft”
“Meteorologie” von Hans Häckl
“Ändert sich nichts, ändert sich alles: Warum wir jetzt für unseren Planeten kämpfen müssen” von Katharina Rogenhofer und Florian Schlederer
"Inside Fridays for Future: Die faszinierende Geschichte der Klimabewegung in Österreich" von Benedikt Narodoslawsky
“Gemeinsam für die Zukunft - Fridays For Future und Scientists For Future: Vom Stockholmer Schulstreik zur weltweiten Klimabewegung” von David Fopp
“Die Klimaschmutzlobby: Wie Politiker und Wirtschaftslenker die Zukunft unseres Planeten verkaufen” von Susanne Götze und Annika Joeres
“Don't Even Think About It: Why Our Brains Are Wired to Ignore Climate Change” von George Marshall
"What We Think About When We Try Not To Think About Global Warming: Toward a New Psychology of Climate Action" von Espen Stokness
“The New Climate War: The Fight to Take Back Our Planet” von Michael Mann.
"Madhouse Effect: How Climate Change Denial Is Threatening Our Planet, Destroying Our Politics, and Driving Us Crazy" von Michael E. Mann gibt es auch als deutsche Übersetzung: "Der Tollhauseffekt: Wie die Leugnung des Klimawandels unseren Planeten bedroht, unsere Politik zerstört und uns in den Wahnsinn treibt".
"The Hockey Stick and the Climate Wars: Dispatches from the Front Lines" von Michael E. Mann
“How to Blow Up a Pipeline: Learning to Fight in a World on Fire” von Andreas Malm. Gibt es auch auf deutsch: “Wie man eine Pipeline in die Luft jagt: Kämpfen lernen in einer Welt in Flammen”
“Jet Stream: A Journey Through our Changing Climate” von Tim Woollings
“Clearing the Air” von Tim Smedley
“Die Welt aus den Angeln: Eine Geschichte der Kleinen Eiszeit von 1570 bis 1700 sowie der Entstehung der modernen Welt, verbunden mit einigen Überlegungen zum Klima der Gegenwart” von Philipp Bloom
“The Tide: The Science and Stories Behind the Greatest Force on Earth” von Hugh Aldersey-Williams. Gibt es auch auf deutsch: “Flut: Das wilde Leben der Gezeiten”
"Science in the Capital"-Trilogie von Kim Stanley Robinson
"The Ministry for the Future" von Kim Stanley Robinson. Gibt es auch auf deutsch: "Das Ministerium für die Zukunft". Dieses wirklich hervorragende Buch wurde auch ausführlich in der "Zeit" besprochen.
"Firewalkers" von Adrian Tchaikovsky
"Die Geschichte der Bienen", "Die Geschichte des Wassers" und "Die letzten ihrer Art" von Maja Lunde
"Abgrund" von Bernhard Kegel
Ausblick auf feuchte Kapitel 9
Im nächsten Kapitel bleibt es feucht, es geht um den Meeresspiegel, die Gezeiten, die eisigen Pole und den Rest des Wassers. Zur Einstimmung empfehlen wir euch das Video “Auf dem Weg in eine Welt ohne Eis?” von Dirk Notz, der auch einer der Autoren von Kapitel 9 ist.
Hinweis zur Werbung und zu Spenden
Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden.
Kontakt und weitere Projekte
Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.
Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.
Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.
Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien:
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Twitch Claudia | TikTok Claudia
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Dec 6, 2021 • 1h 7min
DK018 - Geoengineering macht alles nur noch schlimmer
…und was treibt die Meteorologin unterm LKW?
DK018 - Geoengineering macht alles nur noch schlimmer
…und was treibt die Meteorologin unterm LKW?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
Kapitel 8 des IPCC-Berichts beschäftigt sich mit dem Wasserkreislauf der Erde. Wo sich das Wasser rumtreibt, was sich daran ändern kann, geändert hat und in Zukunft ändern wird war das Thema der letzten Folge. Diesmal schauen wir auf die Unsicherheiten der Vorhersage und auf das, was sich am Wasserkreislauf abrupt ändern kann. Und stellen fest, dass solche abrupten Änderungen erstens schwer vorhersagbar und zweitens ziemlich erschreckend sind. Ganz besonders erschreckend ist das, was passieren kann, wenn wir anfangen absichtlich an der Atmosphäre rumzupfuschen. So ein “Geoengineering” hat das Potenzial, den Wasserkreislauf schnell und nachhaltig zu verändern und deswegen sollten wir das dringend lassen. Zum Abschluss reden wir noch ein wenig über das wenig erfreuliche Thema der Bodenversiegelung und das ein bisschen erfreulichere Thema des “Boden des Jahres”. Welcher das 2022 sein wird, wissen wir noch nicht - aber 2021 war es der Löss. Hurra!
Die Grenzen der Unsicherheit
Wenn man den Wasserkreislauf modellieren will, dann gibt es - wie immer in der Wissenschaft - Unsicherheiten. In diesem Fall gibt es dafür drei Quellen. Die interne Variabilität, die aber über lange Zeiträume keine große Rolle spielt. Dann gibt es die “Szenario-Unsicherheit” die entsteht, weil wir nicht wissen, wie wir in Zukunft auf die Klimakrise reagieren werden. Am wichtigsten ist aber die Modellunsicherheit und die gibt es, weil wir viel vom Klimasystem noch nicht gut genug verstehen.
Zum Beispiel wie Wolken mit Aerosolen wechselwirken, wie die Konvektion abläuft oder wie Pflanzen die Verdunstung beeinflussen, und so weiter. Zur sogenannten “feuchten Konvektion” hat Claudia eine ganz besondere Beziehung: In ihrer Studienzeit hat sie dabei geholfen, Daten für sehr lokale Modellierungen der Atmosphäre zu sammeln. Dazu muss man - anscheinend - manchmal auch für längere Zeit unter geparkten LKWs sitzen. Und es braucht mehr Leute, die so etwas machen, damit wir mehr Daten für die Zukunft und weniger Unsicherheit haben.
Es grünt so grün
Der Wasserkreislauf kann sich auch abrupt ändern. Zum Beispiel wenn die atlantische Umwälzströmung (zu der auch der Golfstrom gehört) zusammenbricht. Was passieren kann, laut Modell aber eher nicht passieren wird. Auch die Abholzung der Wälder kann spontane Änderungen im Wasserkreislauf nach sich ziehen. Auch das lässt sich nur schwer modellieren, aber immerhin zeigt sich: Je diverser die Wälder sind, desto geringer sind die Effekte auf den Wasserkreislauf.
Was auch passieren kann: Dass die Sahara plötzlich grün wird. Vor vielen tausend Jahren war das schon mal so und es kann durchaus wieder passieren. Aber vermutlich eher nicht vor dem Jahr 2100.
Wer den Film Interstellar gesehen hat, wird sich an die Staubstürme erinnern, die dort die Erde unbewohnbar gemacht haben. Kann so etwas wirklich passieren? Theoretisch schon, ob es praktisch so sein wird, kann man nicht vorhersagen. Dafür sind die Staubkreisläufe noch zu kompliziert. Klar ist aber: Die geheime NASA wird uns in der Realität nicht retten!
Hände Weg vom Sonnenlicht!
In Folge 10 des Podcasts haben wir schon mal über Geoengineering gesprochen und um Techniken, wie man die Menge an Sonnenlicht verändern kann, das auf die Erde trifft. Das nennt sich “Solar Radiation Management” und umfasst alles von riesigen Spiegeln im Weltall bis hin zu weißen Dächern auf den Häusern. Natürlich hat das Auswirkungen auf den Wasserkreislauf und die treten sehr schnell ein. Es dauert keine 10 Jahre und plötzlich haben wir extreme Trockenheit in den Tropen oder einen fehlenden Monsun in Asien. Wir sollten also die Finger vom Solar Radiation Management lassen, vor allem weil es die gleichen radikalen und abrupten Änderungen auch gibt, wenn wir damit wieder aufhören. Dann kriegen wir nicht nur einen sehr schnellen und massiven Klimawandel sondern noch zusätzliche Störungen in der Atmosphäre, weil wir alles aus dem Ungleichgewicht gebracht haben!
Vulkanischer Populismus
Claudia erzählt noch kurz von den Effekten die Vulkanausbrüche auf den Wasserkreislauf haben können und die dem ähnlich sind, was man durch Geoengineering erreicht. Und Florian verweist auf die Möglichkeit von “Klima-Populismus”. Davon hat er hier schon mal erzählt und es geht dabei um die erschreckende Möglichkeit, dass die Populisten in der Politik irgendwann auf die Idee kommen könnten, durch Geoengineering den starken Mann zu spielen. Und das will wirklich niemand (Siehe: “Solar Radiation Modification ‐ A “Silver Bullet” Climate Policy for Populist and Authoritarian Regimes?”)
8 Punkte für die Zukunft
Das letzte Unterkapitel von Kapitel 8 umfasst nicht einmal eine Seite, enthält aber dennoch ein komplettes Forschungsprogramm für die Zukunft. Denn dort ist gelistet, was man alles noch erforschen sollte, wenn man den Wasserkreislauf besser verstehen und vorhersagen will. Wer also noch ein Forschungsinstitut rumliegen hat, dem gerade langweilig ist, kann ja einen Blick auf diese Liste werfen!
Lang lebe der Löss
Am Ende wirft Florian einen Blick auf die FAQ 8.1 und die entsprechende Abbildung:
Aber eigentlich möchte er vom Boden erzählen. Am 5. Dezember ist nämlich Weltbodentag. Und wie wichtig der Boden ist, haben wir jetzt ja gelernt. Der “Boden des Jahres” wird am Weltbodentag verkündet und im Jahr 2021 ist das der “Löss”. Was so etwas ähnliches wie Schluff ist und vermutlich auch ein bisschen wie Lehm. Florian ist aber vor allem deswegen davon begeistert, weil sein Heimatdorf Furth bei Göttweig die Welthauptstadt der Lössbodenforschung ist. Quasi. Beziehungsweise eigentlich nicht. Aber Furth taucht in diesem Kontext auf und das ist überraschend genug für dieses winzige Dorf.
Eigentlich geht es aber um die Bodenversiegelung. Die ist ein echtes Problem. Wir betonieren immer mehr Gegend zu, mit katastrophalen Folgen für Klima, Wasserkreislauf und Ökosysteme. In Deutschland sind es 178 km² pro Jahr (siehe hier), in Österreich sind es 48 km². Florian empfiehlt dazu die Lektüre dieses Artikels der von einer Ausstellung zum Thema Boden handelt, die man zwar nicht mehr besuchen, aber immerhin noch hier als Video nachvollziehen kann.
Die Zahlen sind jedenfalls erschreckend. In Österreich ist schon die fünffache Fläche von Wien von Straßen und Parkplätzen bedeckt und es wird ständig mehr. Man kann kann auch wunderbar Geld damit verdienen: In Österreich steigt der Wert des gesamten gewidmeten aber nicht bebauten Baulands pro Sekunde um 745 Euro!
Ausblick auf feuchte Kapitel 9
Im nächsten Kapitel bleibt es feucht, es geht um den Meeresspiegel, die Gezeiten, die eisigen Pole und den Rest des Wassers. Zur Einstimmung empfehlen wir euch das Video “Auf dem Weg in eine Welt ohne Eis?” von Dirk Notz, der auch einer der Autoren von Kapitel 9 ist.
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Weiterführende Informationen
Kapitel 8 des Klimaberichts ist hier als pdf downloadbar.
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Nov 29, 2021 • 1h 26min
DK017 - Weiße Weihnachten für niemanden!
…und wo treibt sich das Wasser der Erde überall herum?
DK018 - Weiße Weihnachten für niemanden!
…und wo treibt sich das Wasser der Erde überall herum?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
Kapitel 8 des IPCC-Berichts beschäftigt sich mit dem Wasserkreislauf der Erde. Das klingt erstmal simpel, ist es aber natürlich nicht. Wir haben jede Menge Wasser in allen möglichen Formen und überall. Nachdem wir eine aquatische Bestandsaufnahme gemacht haben und wissen, wo sich das Wasser überall herum treibt, schauen wir zuerst, was dazu führen könnte, dass sich an diesem Kreislauf etwas ändert. Dann untersuchen wir, wie sich der Kreislauf bisher verändert hat und schauen am Schluss, wie er sich in Zukunft verändern wird. Dabei lernen wir nicht nur so schöne Worte wie “Telekonnektion” oder “Evapotranspiration” sondern stellen auch fest: Die Chancen auf weiße Weihnachten schwinden zunehmend und zwar für alle Menschen auf der Erde. Tja.
Ausblick auf Kapitel 8
Florian musste mittlerweile so viel über Meteorologie lernen, dass er gerne einen Bachelor oder zumindest ein paar ECTS-Punkte dafür hätte. Kann ihm Claudia aber leider nicht beschaffen. Also muss er sich ohne akademische Weihen mit dem Wasserkreislauf beschäftigen. Aber immerhin haben Claudias frühere Kollegen an dem Kapitel mitgearbeitet und daher ist für ausreichend Expertise gesorgt!
Wo treibt sich das Wasser rum?
”Water is vital to all life on earth”: So beginnt Kapitel 8 und wir schauen daher zuerst auf Abbildung 8.1 die uns zeigt, wie viel Wasser da überhaupt so ist:
Das meiste Wasser ist Salzwasser, nur 1,8 Prozent sind Süßwasser und davon sind 97 Prozent gefroren. Nur 3 von den 1,8 Prozent (0,06 Prozent insgesamt) sind also zugängliches frisches Wasser für uns und für die Ökosysteme. In der Atmosphäre sind überhaupt nur 0,001 Prozent allen Wassers, die aber trotzdem das gesamte Wetter machen! Florian wirft noch kurz ein, dass der Großteil des Wassers auf der Erde aus dem All kommt, was mit dem Klima zwar nichts zu tun hat, aber trotzdem interessant ist. Claudia erklärt kurz, wie der Wasserkreislauf abläuft.
Wird sich das Wasser vielleicht bald anderswo rumtreiben?
Warum soll sich etwas am Wasserkreislauf ändern? Weil sich die Energie ändert, die der Atmosphäre und dem Klimasystem zur Verfügung steht. Und der sogenannte “atmospheric evaporation demand” mit steigender Temperatur ebenfalls steigt. Damit wird beschrieben wie viel Feuchtigkeit die Atmosphäre aufnehmen kann: Pro Grad 7 Prozent mehr. Ob sie dann aber auch drin ist, hängt davon ab, wie viel Feuchtigkeit verfügbar ist.
Ein wenig kompliziert ist das Konzept des ”ausfällbaren Niederschlagswasser”. Claudia bemüht sich, mit Wassersocken in einem Atmosphärenkoffer für Klarheit zu sorgen. So oder so: Es geht um Wasser in der Luft, das dort als Regen rauskommen kann und die Menge steigt mit der Temperatur
Die hydrologische Sensitivität
Was die hydrologische Sensitivität ist, kann man sich in Abbildung 8.3 anschauen. Die ist aber nicht so gut und hat Florian mehr verwirrt als geholfen. Da muss man lange hinschauen bis man versteht, was gemeint ist:
Simpel gesagt ist die hydrologische Sensitivität die lineare Veränderung im mittleren Niederschlag in Abhängigkeit der Temperatur. Ihr Wert ist schwer zu bestimmen, aber es läuft darauf hinaus, dass es pro Grad Erwärmung 2-3 Prozent Änderung im Niederschlag geben wird.
Nass macht mehr nass und trocken macht mehr trocken
Dort wo es nass ist wird es nasser und dort wo es trocken ist, wird es trockener. Das ist eine simple Prognose, die man aber nur treffen kann, wenn man sich die Sache ganz genau anschaut. Was die Leute vom IPCC zum Glück getan haben.
Dürre-Variationen
Florian wirft einen kurzen Blick auf alle Mechanismen, die den Wasserkreislauf verändern können. Wenn Eis und Schnee schmelzen zum Beispiel, beeinflusst dass das Grundwasser. Wann das Eis schmilzt, beeinflusst den Wasserstand von Flüssen; ebenso das Verhältnis von Schnee und Regen beim Niederschlag.
Überschwemmungen dagegen sind schwer zu modellieren und bei den Dürren hat der IPCC-Bericht gleich drei unterschiedliche Arten zur Verfügung, wie Abbildung 8.6 zeigt:
Natürlich gibt es auch einen direkten menschlichen Einfluss auf den Wasserzyklus. Zum Beispiel wenn wir Wälder abholzen. Wenn wir das in großem Maßstab tun, lässt sich das leicht modellieren; wenn wir nur ein bisschen an den Wäldern rumschnippeln hat das auch Einfluß, der ist aber viel schwerer in Modelle zu fassen…
Staubiger Regen
Claudia erklärt einen Weg wie der Wasserkreislauf verändert werden kann, im Detail. Es geht um Aerosole in der Luft und die Auswirkungen auf den Niederschlag. Das ist komplex und zuerst gibt es eine kurze Diskussion, ob man zur Veranschaulichung eher Luftpakete oder Luftballons verwenden soll. So oder so - die Aerosole haben einerseits Einfluss auf die Verdunstung, hemmen aber auch das Aufsteigen der Luft und damit den Niederschlag. Zumindest den leichten Niederschlag. Am Ende stellt sich raus: Aerosole sorgen sowohl für mehr, als auch für weniger Niederschlag. Und zwar gleichzeitig, je nachdem. Und wer das schon für kompliziert hält: Da die Aersole auch noch als Ausgangspunkt für Tropfenbildung wirken und mehr Aersole zu kleinere Tropfen führen wird alles noch komplizierter und die Lage eher bewölkt als das es regnet.
Wie hat sich der Wasserkreislauf verändert?
Was hat sich beim Wasserkreislauf bisher verändert? Jede Menge und Florian präsentiert ein kleines “Best-of-Veränderung”:
Der Wasserdampf wurde mehr; der Transport von Feuchtigkeit stärker. Es gab eine Erhöhung des Niederschlags in der nördlicheren Hälfte der Erde über dem Land. Und der tägliche durchschnittliche Niederschlag ist stärker geworden. Die Verdunstung ist seit den 1980er Jahre gestiegen. Bei den Überschwemmungen wissen wir, dass es heute mehr Schmelzwasser und zu anderen Zeitpunkten gibt als früher; der Rest ist schwierig zu modellieren.
Häufigkeit und Stärke der Dürren ist in den letzten Jahrzehnten in Mittelmeerraum, Nordafrika und Australien gestiegen. Das Eis schmilzt überall, die Schneebedeckung ist seit den 1960er Jahren gesunken und der Advent somit verdorben.
Storm Tracks und Telekonnektion
Claudia wirft einen langen Blick auf Abbildung 8.21:
Darin sieht man, wie sich die großräumigen Oszillationen verändern und was das mit dem Wasserkreislauf zu tun hat. Über die haben wir schon in Folge 8 des Podcasts gesprochen und sie dort “Klimaschaukeln” genannt. Florian findet dieses Phänomen trotzdem noch verwirrend und freut sich stattdessen lieber über das schöne Wort ”Telekonnektion”. Claudia erklärt währenddessen, wie sich in Zukunft die Bahnen von Stürmen verändern werden und berichtet über ”stationäre Hochdruckgebiete” die Tiefdruckgebiete beim Wandern blockieren, was dazu führt, dass für längere Zeit das gleiche Wetter herrschen kann.
Was macht das Wasser in der Zukunft?
Sicher ist, dass sich die Intensität des Wasserkreislaufs verändern wird. Wie das genau aussehen kann, zeigt Tabelle 8.1:
Und zum Schluss gibt es ein kurzes “Worst of” für die Zukunft:
Der Wasserdampf in der Atmosphäre wird mehr, genau so die Feuchtigkeit in Stürmen. Der Niederschlag wird mehr (bis auf dort wo er weniger wird). Im Mittelmeerraum, Chile und Nordafrika werden die Dürren schlimmer als alles was wir in den letzten Jahrtausenden gesehen haben. Die Gletscher schmelzen auf jeden Fall und es wird weniger Schnee geben, weniger lang. Auch auf der Südhalbkugel. Frohe Weihnachten!
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Weiterführende Informationen
Kapitel 8 des Klimaberichts ist hier als pdf downloadbar.
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Nov 22, 2021 • 1h 8min
DK016 - Die Pole sind die Wellensittiche im Klimabergwerk
…und warum sind Wolken so kompliziert?
DK016 - Die Pole sind die Wellensittiche im Klimabergwerk
…und warum sind Wolken so kompliziert?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
Kapitel 7 ist ein heftiges Kapitel. Aber da geht es ja auch um das wissenschaftliche Fundament der Klimakrise. Wie ändert sich das Gleichgewicht des Klimasystems wenn wir daran rumpfuschen und was hat das für Konsequenzen auf die Temperatur der Atmosphäre? Dazu müssen wir in dieser Folge die Feedback-Mechanismen betrachten und die sind nicht nur zahlreich, sondern auch kompliziert. Dafür stellen wir aber fest, dass die Pole quasi die Wellensittiche im Klimabergwerk sind. Und dass niemand die Wolken so richtig versteht. Ok, ein bisschen schon. Eigentlich sogar recht viel. Aber die Wechselwirkung zwischen Wolken und Klima ist höllisch komplex! Am Ende stellen wir dann aber fest: Egal wie es kommt, es wird sehr schwer, die Erwärmung der Erde auf 1,5 Grad zu begrenzen, wenn wir den CO2-Gehalt erstmal verdoppelt haben. Also lassen wir das doch!
Rückblick auf die letzte Folge
Kapitel 7 handelt vom Energiebudget der Erde. Wie viel Energie kommt von außen rein und wie viel von innen raus? Der ganze Prozess ist im Gleichgewicht - wenn wir aber zum Beispiel Treibhausgase in die Atmosphäre werfen, dann stören wir das Gleichgewicht. Das führt zu einem Feedback mit diversen anderen Mechanismen und am Ende kriegen wir ein neues Gleichgewicht bei einer anderen Temperatur. Das würden wir gerne verstehen und mit jeder Menge Wissenschaft tun wir das auch.
Das Klima gibt uns Feedback
Es gibt erstaunlich viele Feedbackmechanismen im Klimasystem. Wir fangen mit einem simplen an, dem Planck-Feedback: Je heißer die Erde wird, desto mehr Wärme strahlt sie auch ins Weltall ab. Der Rest der Feedbackmechanismen ist ein wenig komplizierter…
Die Pole sind die Wellensittiche im Klimabergwerk
Wir fangen mit der Polaren Verstärkung an. Damit beschreibt man das Phänomen, dass 1) die Polargebiete der Erde sich deutlich stärker erwärmen als der Rest und 2) dass die Arktis sehr viel wärmer wird als die Antarktis. Das kann man in dieser Abbildung gut sehen:
Dafür gibt es diverse Gründe. Zum Beispiel die Eis-Albedo-Rückkopplung: Je mehr Eis, desto mehr Sonnenlicht kann reflektiert werden und desto kälter wird es. Umgekehrt geht es aber auch. Die Eisdecke in der Arktis isoliert das Wasser auf gegen die Luft - und wenn es schmilzt, gibt es Feedback. Die Meeresströmungen spielen eine Rolle: Die Antarktis ist ein Kontinent um den herum die Ozeane strömen. Die Arktis ist reines Meer, das von immer weniger Eis bedeckt ist. Die Wolken in der Arktis bilden sich anders als in der Antarktis, weil andere Wettermuster vorherrschen und all das führt dazu, dass die Polarregionen sehr viel sensibler auf die Klimakrise reagieren als der Rest der Welt. Was auch bedeutet: Die Menschen die dort leben werden sehr viel früher mit den Folgen der Krise konfrontiert als anderswo. Die Pole sind die Wellensittiche im Klimabergwerk.
Wasserdampf ist gar nicht so harmlos
In der Atmosphäre ist Wasserdampf, so viel ist klar. Und Wasserdampf ist ein Treibhausgas. Aber was passiert, wenn die Atmosphäre wärmer wird? Dann gibt es eine Rückkopplung! Einerseits über die Clausius-Clapeyron-Gleichung: Je wärmer, desto mehr Wasserdampf kann in der Atmosphäre sein und desto mehr Treibhauseffekt gibt es. Dann gibt es aber auch noch die “Lapse-Rate”: Die Atmosphärenschichten erwärmen sich unterschiedlich stark und schnell und das kann zu einer negativen Rückkopplung führen. Insgesamt zeigt sich aber: Das kombinierte Feedback ist positiv; der Wasserdampf macht den Klimawandel als schlimmer.
Niemand versteht die Wolken
Wenn der Wasserdampf schon kompliziert war, dann ist Wasser in Form von Wolken noch komplizierter. Wolken können kühlend oder erwärmend wirken. Es kommt darauf an welche Art von Wolken man anschaut und wo sie sich befinden. Der Treibhauseffekt von Wolken nimmt mit der Höhe zu. Das liegt an der je nach Höhe unterschiedlichen Durchlässigkeit und Dichte.
Was wir über das Klimafeedback der Wolken wissen, zeigen Tabelle 7.9 und Abbildung 7.9.
Wir wissen immer noch nicht so viel, wie wir gerne wissen wollen. Aber immerhin mehr als wir früher gewusst haben!
Das totale Feedback
Abbildung 7.10 zeigt uns alle Feedbacks die es gibt:
Das totale Nettofeedback liegt knapp unter 0, das Planck-Feedback hat uns rausgerissen. Und zum Glück ist es kleiner als 0. Denn ansonsten hätten wir es mit einem sich selbst verstärkenden Prozess zu tun und die Erde würde immer wärmer werden, egal was wir tun. So haben wir zumindest noch eine Chance, den Klimawandel irgendwann zu stoppen.
Das große Finale
Was hat das alles für Auswirkungen für die Temperatur? Das ist die Frage, die Kapitel 7 eigentlich beantworten will und dafür müssen wir jetzt aus all dem Feedback die Equilibrium Climate Sensitiviy ( ECS) und die Transient Climate Response (TCR) berechnen. Das kann man auf viele verschiedene Arten tun und Kapitel 7 zählt sie alle auf!
Abbildung 7.18 zeigt das Resultat:
Die besten Werte lauten also für ECS: +3 Grad. Das heißt, die Erde wird um drei Grad wärmer sein, wenn wir die Menge an CO2 verdoppelt haben. Kann auch 4 oder 5 Grad sein - aber so gut wie sicher ist es auf jeden Fall mehr als 1,5 Grad.
Wenn wir die Temperaturänderung nach einer Verdoppelung des CO2-Gehalts mit der alternative TCS berechnen, die eine kontinuierliche Zunahme des CO2 annimmt, dann werden wir es auf jeden Fall mit +1,8 Grad zu haben. Oder auch +2,4 Grad. Auf jeden Fall aber auch hier mit mehr als 1,5 Grad,
Die Unsicherheit kommt bei den Berechnungen kommt übrigens hauptsächlich von den Wolken. Wir müssen die Dinger unbedingt besser verstehen!
Schlechte Dramaturgie und Metriken
Kapitel 7 ist schlecht aufgebaut, nach dem großen Finale geht es mit den Metriken weiter. Welche Zahlen verwendet man, um die Erwärmungspotenziale von Treibhausgasen u.ä. zu beschreiben. Es gibt das AGWP (Absolute globale Erwärmungspotential) und das AGTP (Absolute globale Temperaturänderungspotenzial). Ersters ist eine integrierte Größe, berücksichtigt also, wie lange zum Beispiel ein Treibhausgas in der Atmosphäre ist. Zweiteres ist eine “Endpunktgröße”, sagt uns also den Effekt den ein Treibhausgas in einem bestimmten Moment hat. Und man muss sich immer gut überlegen, welche Größe man für welchen Zweck einsetzt.
Die Zukunft wird teilweise bewölkt
Die FAQs sind diesmal ein wenig verwirrend. Wir schauen uns die Abbildung in FAQ 7.2 an:
Da geht es um die Rolle der Wolken in einer wärmeren Welt. Sie ist ein wenig verwirrend. Aber wir stellen fest: Die Zukunft wird zumindest teilweise bewölkt.
Vorschau auf Kapitel 8
In den nächsten beiden Folgen werden wir uns ausführlich mit dem Wasserhaushalt der Erde beschäftigen. Überschwemmungen, Dürren, Regen und Schnee: Es wird wieder spannend (und komplex).
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Nov 15, 2021 • 1h 25min
DK015 - Volle Kraft mit Strahlungsantrieb
…und was kann die Astronomie eigentlich fürs Klima?
DK015 - Volle Kraft mit Strahlungsantrieb
…und was kann die Astronomie eigentlich fürs Klima?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
Kapitel 7 ist ein heftiges Kapitel. Immerhin geht es ja auch um das Energiebudget der Erde! Es geht um all das, was das Gleichgewicht im Energiesystem der Atmosphäre stören kann und um das, was dann passiert. Dazu müssen wir uns mit CO2 beschäftigen. Aber auch mit Wolken und Wolkenbildung, mit den Vorgängen im Inneren der Sonne, mit der kosmischen Strahlung und jeder Menge anderen Sachen. Und das erste Mal werden wir über eine mathematische Formel reden! Aber keine Sorge, es ist eine brave Folge, die tut nix und will nur rechnen. Außerdem ist sie fundamental wichtig, wenn man verstehen will, wie das Klima auf das reagiert, was wir damit anstellen.
Das Energiebudget der Erde
Es gibt schon wieder ein Budget zu besprechen. Diesmal aber kein CO2-Budget, sondern das Energiebudget der Erde. Was so viel heißt wie: Wir stellen uns vor wir sitzen am oberen Rand der Atmosphäre und notieren, wie viele Energie von außen rein kommt und von unten hinaus ins All geht. Dazu gibt es jede Menge Abkürzungen, die alle ein klein wenig verwirrend sind. Ein bisschen weniger verwirrend macht die Sache Abbildung 7.1:
Im Wesentlichen müssen wir drei Komponenten betrachten: Den Strahlungsantrieb, das Klimafeedback und die Klimasensitivität. Der Strahlungsantrieb umfasst all das, was den Energiehaushalt der Erde aus dem Gleichgewicht bringt, das Klimafeedback beschreibt wie das System auf dieses Ungleichgewicht reagiert und die Klimasensitivität sagt uns, was das für Auswirkungen auf die Temperatur hat. Alles ganz simpel eigentlich.
Wer überwacht die Energiebilanz?
Jede Bilanz muss geprüft werden und dass gilt auch für das Energiebudget der Erde. Deswegen erklärt Claudia zuerst einmal, wie genau man in diesem Fall misst. Und wir stellen fest: Der Korrekturteil des IPCC-Berichts ist durchaus sinnvoll und muss beachtet werden. Die relevanten Daten finden wir dann in Tabelle 7.1:
Was machen Wolken (außer schlechte Laune)?
Wolken mögen wir nicht, wenn sie uns im Sommer das Licht blockieren. Wenn sie Regen bringen, können sie wahlweise erwünscht oder nervig sein. Aber für das Klima sind sie in jeder Hinsicht relevant, wie Claudia erklärt.
Außerdem machen wir uns Gedanken, wie man den Einfluss der Wolken auf das Klima durch Laserpointer beschreiben kann und wie viele man davon brauchen würde.
Abbildung 7.2. hilft uns, den Einfluss der Wolken zu verstehen:
Und dann werfen wir noch einen Blick auf Abbildung 1 der Box 7.2:
Der Strahlungsantrieb muss effektiver werden
Florian ist ob der ganzen Meteorologie in Kapitel 7 ein wenig verwirrt. Nicht nur muss man zum Beispiel verstehen, was der Strahlunmgsantrieb ist, man braucht auch noch einen “effektiven Strahlungsantrieb”. Wie wir feststellen ist das der Strahlungsantrieb, aber korrigiert um kurzfristige Effekte.
Was ändert den Strahlungsantrieb?
Treibhausgase erzeugen ein Ungleichgewicht im Energiehaushalt der Erde. Deswegen widmet sich Kapitel 7 in aller Ausführlichkeit den verschiedenen Gasen und ihrem Einfluss auf den Strahlungsantrieb. Natürlich spielt CO2 die Hauptrolle, aber auch Methan und Stickoxide darf man nicht vernachlässigen. Was wirklich arg ist, sind die FCKWs (ja, die gibt es immer noch) und die FKWs, die wir eingesetzt haben, um die FCKWs zu ersetzen sind sogar noch schlimmer was das Klima angeht. Das zeigt Tabelle 7.5 sind eindringlich:
Neben den Treibhausgasen kann aber auch all der Dreck den wir in die Atmosphäre werfen den Strahlungsantrieb verändern. Und auch die Landnutzung! Denn dadurch verändern wir die Art und Weise wie die Erdoberfläche Licht reflektiert. Es kommt also durchaus darauf an, ob wir Wälder stehen lassen oder abholzen.
Sonne und Vulkan
Manche behaupten, wir Menschen könnten nichts für den Klimawandel und alles wäre nur der Sonne zu verdanken. Und die Sonne hat natürlich auch einen Einfluss. Der ist aber geringer, als man denken würde. In Kapitel 7 wird das genau erklärt. Außerdem ärgern wir uns ein wenig darüber, dass wir keine Polarlichter sehen konnten.
Galaktische kosmische Strahlung
Florian freut sich besonders, dass auch die “Galaktische Kosmische Strahlung” ihren Weg in den Bericht gefunden hat. Natürlich weil es ein astronomisches Thema ist, aber nicht nur. Kosmische Strahlung ist ganz normal, die ist überall und wird von Sternen und diversen anderen astronomischen Phänomenen produziert. Im All ist sie gefährlich, auf dem Erdboden sind wir durch Atmosphäre und Magnetfeld geschützt. Wenn die kosmische Strahlung auf die Atmosphäre trifft, kann sie dort dafür sorgen, dass sich Wolken leichter bilden können. Deswegen hat der Astronom Henrik Svensmark behauptet, dass der Einfluss der kosmischen Strahlung für den Klimawandel verantwortlich ist. Es wird wärmer und kälter, nicht durch das was wir Menschen treiben, sondern je nach Intensität der kosmischen Strahlung. Diese These ist prinzipiell plausibel und wurde ausführlich geprüft. In der Realität hat sich aber herausgestellt, dass dieser Einfluss vernachlässigbar gering ist. Florian hat die ganze Geschichte dieser These in einer Folge seines “Sternengeschichten”-Podcast zusammengefasst.
Auch das IPCC ignoriert die Hypothese nicht, stellt aber ebenso fest: Der Einfluss der kosmischen Strahlung auf das Klima ist so winzig, dass man sich damit nicht weiter aufhalten muss.
Große Balken im Strahlungsantrieb
Nachdem wir nun alles betrachtet haben, was Einfluss auf den Strahlungsantrieb hat, können wir uns das Gesamtbild auch grafisch betrachten:
Die beiden Diagramme zeigen noch einmal gut, was wie viel Einfluss hat und was das für die Temperatur bedeutet. Abbildung 7.8 haben wir so auch schon in anderen Kapiteln gesehen, ist in diesem Kontext aber dennoch interessant:
Huch, eine Formel!
Claudia beschäftigt sich mit Box 7.1. des Kapitels und findet dort eine mathematische Formel. Die kommen überraschend selten vor im IPCC-Bericht; vor dieser speziellen Gleichung muss man aber keine Angst haben. Sie ist mathematisch simpel und wichtig. Sie sagt uns, wie Ungleichgewichte im Strahlungsantrieb “abgebaut” werden und bei welcher Temperatur ein neuer Gleichgewichtszustand erreicht wird.
Die Klimaforschung hat sich zwei leicht verwirrende Konzepte ausgedacht, um das zu beschreiben, die man in Abbildung 1 von Box 7.1 sehen kann.
Bei der “Equilibrium Climate Sensitiviy (ECS)” stellt man sich vor, man würde die Menge an CO2 in der Atmosphäre schlagartig verdoppeln. Das stört natürlich das Klimasystem und man wartet nun ab, bis sich ein neuer Gleichgewichtszustand einstellt. Die ECS ist nun genau die Temperatur, bei der das passiert. Ein wenig anders funktioniert die “Transient Climate Response (TCR)”. Hier stellt man sich vor, dass die Menge an CO2 in der Atmosphäre Jahr für Jahr um einen fixen Prozentsatz erhöht wird, so lange bis sich die Menge verdoppelt hat. Die Temperatur zu diesem Zeitpunkt ist die TCR. Beides sind natürlich theoretische Konzepte - aber sie erlauben es mit den Klimamodellen vorherzusagen, wie die Atmosphäre auf Veränderungen im Strahlungsantrieb reagiert. Einmal langfristig, einmal kurzfristig - und genau deswegen ist die Bestimmung von ECS und TCR von enormer Bedeutung für die Wissenschaft.
Claudia steht im IPCC!
Zum Abschluss betrachten wir noch unsere ganz persönliche Beziehung zum IPCC-Bericht. Bei Florian ist sie sehr indirekt; er hat sich früher mal sehr über die Hypothese von Svensmark geärgert und wurde dafür von Svensmark persönlich angegriffen. Claudias Beziehung zum Bericht ist viel besser, sie wurde dort sogar zitiert! In “Table AI.1: Observational products used by Working Group I in the Sixth Assessment Report”, also auf Seite 12 von Annex I: Observational Products wird Claudias Arbeit “Central European high-resolution gridded daily data sets (HYRAS): Mean temperature and relative humidity” zitiert.
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Weiterführende Informationen
Kapitel 7 des Klimaberichts ist hier als pdf downloadbar.
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Nov 8, 2021 • 1h 13min
DK014 - Dreckige Luft ist gut für das Klima (manchmal)
…und was hat uns eigentlich die Pandemie gebracht?
DK014 - Dreckige Luft ist gut für das Klima (manchmal)
…und was hat uns eigentlich die Pandemie gebracht?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
Im zweiten Teil von Kapitel 6 geht es um die Luftverschmutzung. Das ist was anderes als die Klimakrise, aber auch nicht so super. Und Luftverschmutzung hängt natürlich mit dem Klima zusammen. Der Dreck in der Luft kann die Atmosphäre wärmer machen. Oder kälter. Oder die Produktion von Zeug auslösen, dass die Atmosphäre wärmer macht. Oder kälter. Es ist alles sehr komplex (was auch sonst!). Wir müssen uns um die Luftqualität kümmern und auch um das Klima. Und müssen dabei jeweils immer das andere mitdenken, sonst funktioniert das nicht. In der neuen Folge reden wir über Gesetze zur Verbesserung der Luftqualität und deren Auswirkungen auf das Klima. Über den Einfluss, den Corona auf Luft und Klima hatte. Außerdem stellen wir fest: Kochen kann fies für das Klima sein; Schifffahrt aber super.
Luftverschmutzung und Klima
Luftverschmutzung ist fies, soviel ist klar. Die Klimakrise ebenfalls. Und blöderweise wirkt beides zusammen und durcheinander. Was sich nur schwer vorhersagen lässt. Die Ozonbelastung wird in einer wärmeren Welt vielleicht geringer; beim Feinstaub kann man es nicht so genau sagen. Und wenn es um die extreme Verschmutzung geht, ist ebenfalls unklar, ob der Klimawandel sie steigen lässt oder nicht. Man muss genau hinschauen und das tun wir in dieser Folge.
Wie fein ist Feinstaub?
Wir reden hier immer von Aerosolen oder Staub, dabei wird im Kontext Luftverschmutzung doch immer von Feinstaub (particular matter, kurz PM) gesprochen. Was also ist Feinstaub, was Grobstaub und kann man den eigentlich einatmen? Ja, manchen schon und das ist nicht immer gesund. Deshalb gibt auch gesetzliche Grenzwerte für deren erlaubten Mengen in der Luft. In Deutschland hält man die in den verschiedenen BundesImmissionsschutzverordnungen (BImSchV) fest. Was für ein schönes Wort. Wie sich die verschiedenen Arten von Feinstaub, denn Dreck ist nicht gleich Dreck, sich über die Welt verteilen, kann man an Abbildung 6.7 erahnen. Hier lernen wir auch was Violinendiagramme sind.
Luftqualität vs. Klimaschutz
Wir wollen nicht nur das Klima schützen sondern auch die Luftqualität. Für beides gibt es aber unterschiedliche Motivationen, die unter anderem davon abhängen, wie schnell man einen Erfolg von Maßnahmen sieht.
Stellen wir uns vor, wir schmeißen alle Emissionen eines Jahres in die Atmosphäre und dann nie wieder was? Wie würde die Temperatur dann in 10 beziehungsweise 100 Jahren aussehen? So:
Nach 10 Jahren hätten wir eine Erwärmung von 0,03 Grad - was nach wenig klingt. Aber viel ist, wenn man berücksichtigt, dass wir halt JEDES Jahr Zeug in die Atmosphäre schmeißen und nicht nur einmal, wie in dieser Abbildung angenommen. Wir sehen außerdem, warum CO2 so enorm relevant ist. Das bleibt nämlich und dominiert den Temperaturanstieg für die nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte.
Richtig Kochen für das Klima
Kochen hat Einfluss auf Klima UND Luftverschmutzung. Und zwar nicht nur durch die Nahrung, sondern auch den Brennstoff. Das, was wir so verheizen wird für eine Erwärmung von 0,0017 beziehungsweise 0,0001 Grad in 10 und 100 Jahren sorgen. Was wenig klingt, aber es kommt eben auf alles an. Und die Luftverschmutzung durch das Verbrennen ist alles andere als gering..
Klima-Contrails
Wir reden ganz explizit nicht über Chemtrails. Sondern über Contrails, also Kondensstreifen. Die sind nicht mysteriös, sondern ganz normale Phänomene. Haben aber dennoch einen Einfluss auf das Klima. Das CO2, dass die Flieger rauspusten auch und auch wenn das nur wenig ist, ist es genau dort, hoch oben in der Atmosphäre, wo es besonders lange schädlich sein kann.
Schiffe sind super fürs Klima (aber schlecht für die Luft)
Mit großen Schiffen über das Meer zu schippern ist super für das Klima. Aber leider nur deswegen, weil die SO viel Dreck in die Luft pusten, dass es reicht, um relevante Mengen an Sonnenstrahlung zu blockieren und so für eine Abkühlung der Atmosphäre zu sorgen. Das ist leider keine vernünftige Strategie zum Klimaschutz.
Autos sind schlecht für das Klima (und schlecht für die Luft)
Das IPCC stellt noch einmal offiziell das fest, was wir eh alle wissen: Autos sind schlecht für das Klima und Autos sind schlecht für die Luft. Sowohl kurzfristig als auch langfristig.
Die Zukunft des Drecks in der Atmosphäre
Das schlechteste Klimaszenario unserer Zukunft ist nicht unbedingt auch das schlechteste für die Luft. Denn wenn wir Aerosole aus der Luft raus halten, können sie unsere Atmosphäre nicht mehr kühlen, aber eben auch nicht mehr verschmutzen. Das beste Szenario ist aber in allen Fällen das beste.
Die Luftschutzpolitik und ihre Auswirkungen auf das Klima
Wir haben - glücklicherweise! - in der Vergangenheit immer wieder Gesetze gemacht um die Luftqualität zu verbessern und zu schützen. Das hat auch Auswirkungen auf das Klima und welche das sind, hat sich das IPCC angesehen. Es stellt sich heraus: Nicht alles, was die Luft schützt, hilft uns auch dabei, die Erwärmung der Erde zu stoppen. Denn der ganze Dreck kühlt die Erde ab, wie man in Abbildung 6.11 sehen kann. Je weniger Schmutz in der Atmosphäre, desto wärmer wird es.
Wenn zum Beispiel die ”International shipping emissions regulation” von Januar 2020 umgesetzt wird, werden Schiffe in Zukunft wesentlich sauberer über die Meere fahren. Aber dafür wird es ein wenig wärmer werden.
Noch wichtiger ist das Kigali Amendment. Das hat man 2016 beschlossen, um die Stoffe einzuschränken, die man ab 1987 eingesetzt hat, weil man die FCKWs nicht mehr in die Atmosphäre posten wollte. Zu Recht, denn das war schlecht für die Ozonschicht. Die Ersatzstoffe, die Fluorkohlenwasserstoffe, schädigen die Ozonschicht nicht - sind aber extrem fiese Treibhausgase. Und deswegen will man jetzt auch die reduzieren. Was bis 2050 zu einer Abkühlung der Erde von mindestens 0,05 Grad und bis zu 0,1 Grad führen kann.
Am Ende stellt sich heraus: Luftschutz ist wichtig und Klimaschutz auch. Wenn man beides vernünftig machen will, braucht es allerdings “integrated policies”, also Maßnahmen, die aufeinander abgestimmt sind und nicht nebeneinander her laufen und sich vielleicht sogar in die Quere kommen.
Bessere Luft macht eine bessere Welt
Wenn wir uns um die Luft kümmern, dann ist das nicht nur gut für die Luft. Auch die Sustainable Development Goals der UN, also die Ziele für eine bessere und nachhaltige Welt in jeglicher Hinsicht, profitieren davon ebenfalls. Weniger Ernteschäden, weniger Hunger, mehr Biodiversität. Die Luft sauber halten, macht unsere Welt besser und nachhaltiger.
Corona, Klima und die Luftverschmutzung
Die Lockdowns zu Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 haben kurzfristig zu einer relevanten Reduktion der Luftverschmutzung geführt. Und zu einer kleinen Reduktion was den CO2-Ausstoß angeht. Aber: Langfristig hat das nichts geändert; auf die Zusammensetzung der Atmosphäre hat das alles keinen bleibenden Einfluss gehabt. Wer das Klima schützen will, sollte sich mehr ausdenken als nur einen Lockdown.
Der beste Weg in die Zukunft (ist verwirrend)
In der letzten Woche hatten wir uns angesehen wie nicht nur Aerosole, sondern auch andere Short-Lived Climate Forcers (SLCFs) unser Klima bisher dank ihrem Strahlungsantrieb beeinflusst haben. Heute schauen wir in die Zukunft und hier zeigt sich nochmal deutlich, wie komplex das alles ist. Weniger Aerosole in der Luft im besten Szenario bedeuten zwar weniger Kühlungseffekt, aber auf lange Sicht ist es der richtige Weg.
Wie komplex alles ist, sieht man nochmal in den FAQs. Speziell in FAQ 6.2: Die Abbildung dort ist enorm kompliziert. Und demonstriert wunderbar wie verwirrend die Zusammenhänge zwischen Luftschutz und Klima sind.
Zum Beispiel: Wer Holz verbrennt, zuhause im Kamin, ist eigentlich CO2-neutral. Verschmutzt die Luft aber enorm. Und wer das nicht glaubt, sollte einen Blick in das Buch “Clearing the Air” von Tim Smedley werfen!
Ausblick auf Kapitel 7
In den nächsten Folgen wird es um das Energiebudget der Erde gehen. Und wir werden offensichtlich einen Haufen alter Bekannter wieder treffen.
Weiterführende Informationen
Kapitel 6 des Klimaberichts ist hier als pdf downloadbar.
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Nov 1, 2021 • 1h 30min
DK013 - Blutstaub in der Atmosphärenkammer
…und was hat Ozon mit dem Advent zu tun?
DK013 - Blutstaub in der Atmosphärenkammer
…und was hat Ozon mit dem Advent zu tun?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
Wir widmen uns dem ersten Teil von Kapitel 6. Beziehungsweise widmen wir uns eigentlich zuerst der COP26. Das ist die UN-Klimakonferenz, die jetzt gerade in Glasgow stattfindet und in deren Vorfeld es jede Menge mediale Aufregung rund um das Klima und den IPCC-Bericht gab. Dann widmen wir uns Kapitel 6. Das ist spannend, denn darin geht es um all das, was nur kurz in der Atmosphäre ist, aber trotzdem einen relevanten und sehr komplexen Einfluss auf das Klima hat. Es geht um die Short-lived climate forcers (SLFCs). Die sind vielfältig und sie sind fies. Mal machen sie die Erde wärmer, mal kälter und mal beides gleichzeitig. Alles wirkt auf alles zurück und das macht die Sache auch nicht einfacher. Wir fangen daher mal mit einem Überblick an: Was gibt es da alles für Stoffe und wer produziert sie? Asien! lautet die Antwort in erster Näherung, aber so simpel ist die Sache natürlich auch wieder nicht. Wir reden ein wenig über Blitze, die ebenfalls einen Einfluss auf das Klima haben und über Staub, der mehr macht, als nur staubig, sondern in Sachen Klima wirklich sehr genau angeschaut werden sollte. Wir sprechen über Dinge, die verbrannt werden, aber nicht verbrannt werden sollten. Und über das Ozon, dass man nicht nur oben und unten in der Atmosphäre findet, wo es mal gut und mal schlecht für uns ist, sondern auch in der Literatur des 19. Jahrhunderts und der Adventsbäckerei. Es ist eine vielfältige und volle Folge, genau so wie SLFCs vielfältig sind und und die Atmosphäre voll davon ist.
COP 26 und was will die Klimakonferenz andauernd in Bonn?
Von 31.10 bis 12.11.2021 findet in Glasgow die UN-Klimakonferenz 2021statt, die offiziell ”United Nations Framework Convention on Climate Change, 26th Conference of the Parties)” heißt beziehungsweise kurz COP26. Was das ist und was dort passiert kann man hier nachlesen. Idealerweise passiert dort mehr als in der Vergangenheit bei Klimakonferenzen passiert ist. Denn da ist wenig passiert. Es steht zum Beispiel ein Update zu den Maßnahmen nach dem Pariser Klimaabkommen an und da ist viel nachzubessern.
Wie die Politik den Klimabericht gerne hätte
Im Vorfeld von COP26 sind die Kommentare und Änderungen geleakt worden die diverse Länder und Organisation sich vom IPCC für die kommende Teile des Sachstandsberichts gewünscht haben. Wenig überraschend wollen die, die immer noch massiv auf fossile Brennstoffe setzen, dass sie das auch weiter tun können und hätten gerne, dass das IPCC nicht davon erzählt, dass man damit aufhören soll. Argentinien will weiterhin Fleisch exportieren und wünscht sich, dass das IPCC nicht die Klimavorteile einer pflanzlichen Ernährung erwähnt. Und so weiter. Zum Glück kann die Wissenschaft aber selbst entscheiden, was im Bericht steht (hört dazu gerne auch nochmal Folge 2 von “Das Klima”. Aber immerhin wissen wir jetzt, wer da gerne in welcher Hinsicht lobbyiert.
Was treibt eigentlich ein Chapter Scientist
Bevor wir voll in Kapitel 6 starten, schauen wir noch ein wenig auf die Leute, die es geschrieben haben. Nämlich unter anderem Astrid Kiendler-Scharr. Und wir lernen, was ein “Chapter Scientist” macht.
Kurz da, aber trotzdem fies
Dann wird es ernst. Wir schauen in Tabelle 6.1 und auf all die SLCFs die die Welt für uns zu bieten hat. Manche wirken direkt auf das Klima, manche indirekt, in dem sie die Produktion von Stoffen ankurbeln, die das Klima beeinflussen. Manche kennt man, wie zum Beispiel Methan oder Ammoniak. Manche eher nicht, wie das, was sich hinter Abkürzungen wie HCHFs oder NMVOCs versteckt. Manche erscheinen ganz harmlos, wie Staub oder Meeresgischt, und alle sind sie komplexer zu verstehen als man denken würde.
Aus Asien kommt ziemlich viel
Schaut man sich an, wer die ganzen SLCFs produziert, dann kommt der Großteil davon geografisch aus Richtung Asien. Schaut man nach den konkreten Quellen, dann wird es diverser. Ammoniak kommt zum überwiegenden Teil aus der Landwirtschaft. Stickoxide dagegen aus Schiffen, Flugzeugen und Autos. Schwefeldioxid machen Industrie und die Verbrennung fossiler Stoffe, Methan dagegen kommt nicht nur aus Kühen, sondern auch von der Herstellung von Brennstoffen. Es ist komplex, aber Abbildung 6.3 schafft ein wenig Klarheit.
Best of Short-Lived Climate Forcers
Ein kurzes “Best of” der SLCFs bringt die wenig überraschende Erkenntnis, dass da eigentlich gar nicht so viel “Best” zu finden ist. Das, von dem wir gern weniger in der Atmosphäre hätten ,wird immer mehr. Unter anderem, weil das, was am einen Ende der Welt eingespart wird, anderswo umso mehr wieder freigesetzt wird. Tja.
Blutstaub!!
Staub kommt nicht einfach so in die Luft, jedenfalls nicht immer. Manchmal muss man den Boden auch erst mit Staub bombardieren, um noch mehr Staub loszulösen. Ja, das heißt wirklich so. Stellt Euch das so vor als würden ganz viele Mini-Asteroiden über den Boden hüpfen und dabei Staub aufwirbeln. Deshalb ist übrigens auch der Mond so staubig: Er wird ständig mit Mini-Asteroiden bombardiert. Da die Erde eine Atmosphäre hat, bleibt ihr das erspart, aber wir haben ja auch so schon genug Staub in der Luft, z.B. über der Sahara. Wenn dort dank heftigem Wind Sandkörner anfangen über den sandigen Boden zu hüpfen und dieses Bombardement immer mehr Sandkörner los schlägt fehlt nur noch ein ordentlicher Westwind und schon weht Saharastaub über Europa. Der legt sich nicht nur trocken auf alles drauf, sondern regnet manchmal auch aus und dann haben wir ihn, den Blutregen. Denn Saharahstaub ist rot, weil er so eisenhaltig ist.
Blitze!!
Blitze sind dramatisch. Dass sie aber auch einen Einfluss auf das Klima haben, ist überraschend. Haben sie aber. Denn durch die hohen Temperaturen erzeugen sie Stickoxid in der Atmosphäre; 10 Prozent der gesamten Emissionen gehen auf sie zurück. Denn es gibt viele Blitze: ein paar Millionen pro Tag! Dass sich die Gewittertätigkeit durch den Klimawandel ändern wird, ist sicher. Unklar ist aber noch, was das für Auswirkungen auf die Stickoxidmenge haben wird.
Stickoxiod aus dem Boden
Aus dem Boden kommt auch Stickoxid. Ungefähr so viel, wie die Blitze erzeugen. Wie sich das verändern wird, ist ebenfalls unklar. Denn das hängt vom Pflanzenwachstum ab und vor allem, wie wir die Landnutzung in Zukunft gestalten.
Klimagischt
Wenn die Wellen an den Strand rauschen, die Gischt spritzt und alles nach Ozean riecht, kann das ziemlich cool sein. Auf das Klima hat aber auch das Einfluss. Denn das Zeug, dass die Wellen mit der Gischt in die Luft schleudern, kann als Ausgangspunkt für die Wolkenbildung dienen.
Warum man nicht so viel Zeug verbrennen soll
Es ist kaum überraschend, dass es einen Einfluss auf das Klima hat, wenn man Sachen verbrennt. Und brennen tut viel auf der Erde. Der Wald, die Steppen, die Moore und wir verbrennen Müll. All das erzeugt viel und verschiedenste SLCFs. Und wenn es wärmer wird, ist auch mit sehr viel mehr Bränden zu rechnen…
Auf in die Atmosphärenkammer
Wie wir eigentlich zu den erkenntnissen über SLCFs kommen, verrät uns Box 6.1 in einer wunderbaren schematischen Darstellung. Da sieht man wie die komplexe Chemie einerseits theoretisiert und gemessen wird und andererseits die globalen Chemiemodelle mit beschränkter Rechenlaufzeit diese abbilden sollen. Dass man nicht jedes CO2-Molekül der Atmosphäre einzeln modellieren kann und wie es dann zu CO und O zerfällt, ist schade, aber damit müssen wir erstmal leben und umgehen. Also parametrisiert man wieder und versucht die komplexe Chemie korrekt aber rechenbar zu vereinfachen. Wie chemische Prozesse in der Atmosphäre ablaufen oder diese beeinflussen, kann man übrigens in sogenannten Atmosphärenkammern beobachten. Das ist tatsächlich sowas wie eine kleine abgeschlossene künstliche Atmosphäre in einer Box. Ja gut, einem Druckbehälter wie der AIDA oder einem Teflonschlauch wie bei SAPHIR.
Ozon und Effi Briest
Ozon ist komplex. Man findet es oben und unten in der Atmosphäre und es taucht sogar in der Literatur auf. Claudia hat eine sehr spezielle Arbeit zutage befördert. Sie heißt ”Das Ozon als Pharmakon in Fontanes literarischen, epistolarischen und autobiographischen Werken” und kann hier als pdf runtergeladen werden. wer hätte geahnt, dass Ozon so literarisch wertvoll ist.
Ozon und Advent
Noch mehr Funfacts über Ozon: Eugenol kommt in Gewürznelken vor und wenn man das ganze mit Ozon oxidiert, dann entsteht Vanillin. Nelken und Vanille: Im Ozon steckt also auch jede Menge Advent.
Der Strahlungsantrieb der SLCFs
Wie viel die SLCFs an unserer Klimaherdplatte drehen, schauen wir uns natürlich auch noch an. Aber zunächst geht der Blick auf das Wo, denn dank ihrer kurzen Lebensdauer sind SLCFs natürlich sehr unterschiedlich verteilt und damit auch ihr Strahlungsantrieb. Abbilung 6.10a verrät uns zunächst wo Aerosole, als die SLCFs mit einem negativen Strahlungsantrieb, die Erwärmung etwas abschwächen. Nicht wirklich überraschend ist das meistens dort, wo besonders viel Dreck in die Luft gelangt, egal ob natürlich oder anthropogen.
Richtig spannend und gar nicht so leicht zu verstehen ist Abbildung 6.12, aber da führt Claudia uns einmal zusammen durch. Bei SLCFs muss man nämlich ihren Strahlungsantrieb basierend auf ihren Emissionen und basierend auf ihren Konzentrationen unterscheiden. Ozon emittieren wir z.B. gar nicht. Deshalb gibt es keinen eigenen Balken, denn ihr emissionsbasierter Strahlungsantrieb ist nicht existent. Ozon entsteht aber aus anderen SLCFs und hat damit einen konzentrationsbasierten Strahlungsantrieb, der grün dargestellt ist. So wandeln sich einzelne SLCFs eifrig in andere um und es entsteht eine wilde Gemengelage.
Ausblick auf die Luftverschmutzung
Wir blicken auf die Luftverschmutzung. Denn die wird uns im nächsten Teil den Blick auf die Atmosphäre verstellen. Und das Klima beeinflussen - was sonst.
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Oct 25, 2021 • 1h 12min
DK012 - Von Lachgas und chaotischer Forschung
…und warum sollte uns eigentlich der Permafrost kümmern?
DK012 - Von Lachgas und chaotischer Forschung
…und warum sollte uns eigentlich der Permafrost kümmern?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
Wir widmen uns dem zweiten Teil von Kapitel 5. Oder besser gesagt: Dem, was noch übrig ist, nachdem wir in der letzten Folge vom Klimaforscher Sönke Zaehle ausführlich erklären lassen haben, was da drin steht. Wir arbeiten uns jetzt durch den Rest: Es geht noch ein letztes Mal um den Kohlenstoffzyklus und seine Komplexität. Wir reden über Permafrost und die Eiskeilpolygondegradierung, die nicht nur bei Scrabble der Hit ist, sondern auch dem gefrorenen Boden zu schaffen macht. Wir diskutieren Corona und das Klima und schauen nach, wo eigentlich das ganze Lachgas in der Atmosphäre herkommt und wie man das Methan da wieder raus kriegt. Und dann geht es um den Nobelpreis! Der wurde dieses Jahr nämlich an zwei Klimaforscher verliehen. Wir erklären, was die beiden getan haben und warum da so viel Chaos involviert ist.
Rückblick auf den Kohlenstoffzyklus
Wir schauen noch einmal auf den Kohlenstoffzyklus. Denn die Abbildung 1 in Box 5.3 des Berichts fasst noch mal grafisch sehr schön zusammen, wie und wohin der Kohlenstoff normalerweise fließen würde und wohin er jetzt fließt, wo wir das ganze Werk durcheinander gebracht haben:
Permafrost
Der Permafrost taut auf, so viel ist sicher. Aber warum sollte uns das beschäftigen? Das fragt sich die Box 5.1 des Berichts und die ist sehr lehrreich. Zuerst einmal stellen wir fest, dass da sehr viel Permafrost ist. Und die Sache komplizierter als dass das Gefrorene einfach nur flüssig wird. Denn da wird nicht nur Methan und CO2 frei; sondern auch Nährstoffe. Das kann das Pflanzenwachstum fördern und das wiederum bindet CO2.
Tendenziell taut der Permafrost langsam. Es ist allerdings auch möglich, dass er abrupt abtaut, zum Beispiel durch Phänomene wie die schön benannte “Eiskeilpolygondegradierung”. Und wer gerne wissen mächte, wie solche Eiskeile aussehen, kann hier nachsehen. Wir empfehlen außerdem einen Blick auf die FAQ 5.2 und die dortige Abbildung:
Das Global Carbon Project und Corona
Das Global Carbon Project hat zwar nichts mit dem Klima zu tun, zeigt aber trotzdem sehr schöne Abbildungen und Wissenschaft. Unter anderem wird dort ein neues Paper vorgestellt, das sich mit der CO2-Reduktion durch Corona beschäftigt. Die hat stattgefunden - war aber weder groß, noch nachhaltig, wie man in dieser Grafik sehen kann:
SPM Abbildung SPM.7
Außerdem schaut Claudia tatsächlich noch einmal in die “Summary for Policymakers” des Berichts. Die wollten wir eigentlich für den Schluss aufsparen. Aber dort wird grafisch noch einmal sehr schön dargestellt, dass der Anteil des CO2s, den Ozean und Land aufnehmen, zwar mit steigendem CO2 steigt, relativ gesehen aber sinkt. Und darauf kommt es leider an:
Wie macht man Methan zu CO2 (und warum?!)
Der kurze Unterabschnitt 5.6.2.2.5 verbirgt spannende Information. Methan ist ja auch ein Treibhausgas und ein sehr starkes noch dazu. Es wäre cool, wenn man das loswerden könnte. Was man im Prinzip auch kann: Man kann es aus der Luft filtern und dann in CO2 umwandeln. Das klingt bescheuert, ist es aber nicht. Denn CO2 ist zwar fies für das Klima, Methan allerdings ist fieser! Insgesamt sind aber alle Techniken zur Methanentfernung noch bei weitem nicht ausgereift genug, um darüber irgendwas wissenschaftlich sinnvolles prognostizieren zu können.
Warum Lachgas gar nicht komisch ist
Lachgas! Klingt lustig, ist aber ein Problem für das Klima. So wie CO2 und Methan ist es ein Treibhausgas und wir setzen es zum Beispiel in Landwirtschaft und Industrie frei. Wie das Lachgasbudget aussieht, kann man sich in Tabelle 5.3 ansehen:
Lachgas… wer hätte gedacht, dass das solche Probleme schafft!
Diamant-Deutschland
Nach ein paar Folgen, in denen wir Klimafolgen durch gigantische Schokowürfel visualisiert haben, hat Claudia eine neue Idee: Wenn man das ganze menschgemachte CO2 aus der Atmosphäre holen und zu Diamant verdichten würde, dann bekäme man eine 50 Zentimeter dicke Schicht, mit der man ganz Deutschland bedecken könnte. Wenn das mal kein Ansporn ist!
Wie viel Nobel steckt im IPCC-Bericht
Die Nobelpreise für Physik des Jahres 2021 wurden für Klimaforschung vergeben. Unter anderem an Klaus Hasselmann, der in einem Telefoninterview immer noch ein wenig überrascht von der Angelegenheit ist. Wie wichtig die Forschung und Hasselmann und dem zweiten Klimaforscher unter den Preisträgern - Syukuro Manabe - ist, kann man auch daran sein, dass ihre Arbeiten ausgiebig im Sachstandsbericht des IPCC zitiert werden.
Klimaforschung braucht Chaos
Florian erklärt noch ein wenig, wieso Hasselmann und Manabe eigentlich ihren Preis bekommen haben. Manabe für seine Modelle zur Bestimmung der Klimasensitivität, also der Reaktion der Temperatur auf die CO2-Menge in der Atmosphäre. Und Hasselmann für seine Modelle mit denen man aus dem Chaos des Wetters das Klima der Zukunft und den Einfluss der Menschen vorhersagen kann. Und es wird deswegen von Florian erklärt, weil das alles sehr viel mit Chaos zu tun hat, was sein Forschungsgebiet in der Astronomie war. Zwischendurch wird noch kurz Albert Einsteins Arbeit über die Mäanderbildung von Flüssen erwähnt, die zwar nix mit dem Thema zu tun hat, aber trotzdem cool ist.
Wer nochmal nachlesen will, wie das mit dem Chaos und dem Nobelpreis ist, kann das in Florians Blog tun. Und wer es ganz genau wissen will, schaut entweder in den kurzen Bericht des Nobelpreiskomitees - oder in den sehr langen.
Kontakt und Ausblick
Wer uns Feedback, Grüße oder sonstige Nachrichten schicken will, tut das am besten über podcast@dasklima.fm. Ansonsten freuen wir uns schon auf Kapitel 6. Da geht es um das, was das Klima auf kurzen Zeitskalen ändern kann. Und die Luftverschmutzung…
Weiterführende Informationen
Kapitel 5 des Klimaberichts ist hier als pdf downloadbar.
Kontakt und weitere Projekte
Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an podcast@dasklima.fm. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm.
Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.
Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.
Ansonsten findet ihr uns in den üblichen sozialen Medien:
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Veranstaltungen Florian

Oct 18, 2021 • 1h 5min
DK011 - Das Budget wird knapp
…und wo treibt sich eigentlich der ganze Kohlenstoff rum?
DK011 - Das Budget wird knapp
…und wo treibt sich eigentlich der ganze Kohlenstoff rum?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
Wir sind in Kapitel 5 des Berichts angekommen. Da geht es um Biochemie und das klingt schwierig. Darin geht es aber auch um die sehr wichtigen Kreisläufe, die Kohlenstoff und andere klimarelevante Gase auf unserem Planeten durchlaufen. Und vor allem geht es um die Berechnung des CO2-Budgets. Wie viel CO2 können wir noch in die Luft pusten bevor wir eine eventuell katastrophale Grenze überschreiten? Das kann man ausrechnen und in Kapitel 5 wurde genau das getan. Und weil das ganze durchaus knifflig zu erklären ist, haben wir uns dafür Sönke Zaehle eingeladen, der an Kapitel 5 des Berichts mitgeschrieben hat. Er erklärt uns, wie der Kohlenstoffkreislauf auf der Erde funktioniert, wo CO2 aufgenommen wird und wo es wieder rauskommt. Wir lernen, wie man ein CO2-Budget berechnet. Außerdem: Warum wir heute noch Probleme haben, weil vor 300 Jahren jede Menge Wald in den USA abgeholzt worden ist und was das Problem mit der Berechnung der historischen CO2-Emissionen ist.
Zu Gast: Sönke Zaehle
Gast in der heutigen Episode ist Dr. Sönke Zaehle, Direktor am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena. Er war einer der Hauptautoren von Kapitel 5 des IPCC-Reports und hilft uns, die komplexen Zusammenhänge der Biogeochemie zu verstehen.
Wozu braucht man Kapitel 5?
Kapitel 5 ist bis jetzt das längste Kapitel. Es muss also wichtig sein. Und wenn ihr die Folge bis zum Ende gehört habt, werdet ihr auch genau wissen, warum das so ist!
Wohin kreist der Kohlenstoff?
Der Kohlenstoffkreislauf ist fundamental für das Klimasystem. Das CO2 ist ja nicht nur in der Luft. Der Ozean nimmt einen Teil davon auf; der Boden und die Pflanzen die dort wachsen ebenso. Der Kohlenstoff kreist ständig herum, von einer Komponente in die andere. Und das ist gut so, denn dadurch landet nur die Hälfte unserer Emissionen in der Atmosphäre. Das Problem ist aber: Wir bringen diesen Kreislauf aus dem Gleichgewicht. Wir buddeln ständig Kohlenstoff aus dem Boden, der dort Jahrmillionen gespeichert war und schmeißen ihn in diesen Kreislauf hinein. Dort ist der aber gar nicht vorgesehen; wir schließen den Kohlenstoffzyklus kurz und das hat nicht so gute Konsequenzen für das Klima, aber auch den Kreislauf selbst.
Eine erstaunlich gerade Linie
Je mehr CO2 in der Atmosphäre, umso wärmer wird es. So viel ist klar. Aber wie läuft das genau und wie sieht dieser Zusammenhang wirklich aus? Überraschend linear! Soll heißen: Trotz der enormen Komplexität des Klimasystems gilt der simple Zusammenhang: Je mehr CO2 in der Luft, desto höher die Temperatur. Was man in Abbildung 5.31 des Berichts sehr gut sehen kann.
Die große Budgetrede
Weil der Zusammenhang zwischen CO2 und Temperatur so simpel linear ist, kann man daraus ein CO2-Budget basteln. Also berechnen, wie viel CO2 wir noch emittieren können, bis eine bestimmte Erwärmung der Atmosphäre erreicht wird. Insbesondere kann man bestimmen, wie viel wir noch freisetzen können, bevor wir das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens überschritten haben. Die Details sind dennoch - wie immer - komplex und deswegen erklärt Sönke Zaehle das ganze Prozedere mal für uns im Detail. Und wir erfahren, was passieren würde, wenn wir die Emissionen ganz auf null runterfahren. Da kann es unter Umständen sogar trotzdem wärmer werden. Weil das Klima komplex ist, das sollten ja alle mittlerweile verstanden haben.
Kompliziert ist auch die Tabelle 5.8. Aber da steht sehr im Detail drin, wie viel CO2 wir noch übrig haben. 400 Gigatonnen CO2, wenn wir das 1,5-Grad-Ziel erreichen wollen:
Wie man diese Tabelle lesen muss, erklärt Dr. Zaehle ausführlich im Podcast.
Das historische CO2-Budget und die Abholzung der Wälder
Florian ist ein wenig verwirrt, denn zwischen den IPCC-Daten, die die CO2-Emissionen in der Vergangenheit angeben und den Daten, die man beim “Global Carbon Project” finden kann gibt es eine Diskrepanz. Das ist aber kein Fehler. Florian war nur zu blöd, die Bildunterschriften richtig zu lesen. Denn es macht einen riesigen Unterschied, ob man nur die CO2-Emissionen zählt, die durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe erzeugt werden oder auch die mitrechnet, die durch die Veränderung in der Landnutzung, also zum Beispiel durch das Abholzen der Wälder, erzeugt worden sind. Das kann man auch in Abbildung 5.5 gut sehen:
Wie viel Zeit haben wir noch?
Claudia stellt die fundamentale Frage: Wie viel Zeit haben wir denn jetzt noch? Das hängt natürlich davon ab, wie viel CO2 wir in Zukunft freisetzen. Machen wir so weiter wie bisher, dann haben wir noch circa 8 bis 9 Jahre bis wir die Erde um 1,5 Grad wärmer gemacht haben als sie vor der industriellen Revolution war. Aber wir können natürlich nicht einfach weitermachen und dann auf irgendeinen Knopf drücken und alles stoppen. Wir müssen jetzt schon anfangen und die Emissionen reduzieren, damit unser Budget länger reicht.
Wenn der Ozean aufhört unser Freund zu sein
Momentan nimmt der Ozean einen großen Teil des CO2 auf, das wir in die Luft pusten. Das kann sich aber ändern, im nächsten Jahrhundert und zwar sowohl, wenn wir sehr viel mehr CO2 freisetzen als auch wenn wir komplett damit aufhören. Denn egal in welche Richtung wir die Dinge ändern: Das Klimasystem gerät aus dem Gleichgewicht. Und es braucht ein bisschen Zeit, bis sich alles wieder normalisiert.
CO2 entfernen, aber schnell
Über Techniken mit denen CO2 künstlich aus der Atmosphäre geholt werden kann, haben wir ja schon in der letzten Folge gesprochen. Das Problem an der Sache: Auch das stört das Gleichgewicht des Klimasystems. Und je länger wir damit warten, desto mehr müssen wir rausholen und desto stärker gerät alles aus dem Takt.
Kontakt
Wer uns Feedback, Grüße oder sonstige Nachrichten schicken will, tut das am besten über podcast@dasklima.fm. Ansonsten freuen wir uns schon auf Kapitel 4. Denn da blicken wir in die Zukunft! Obwohl die Chancen gut stehen, dass wir uns nach der Lektüre nicht mehr freuen…
Weiterführende Informationen
Kapitel 5 des Klimaberichts ist hier als pdf downloadbar.
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Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.
Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.
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Oct 11, 2021 • 1h 13min
DK010 - Geoengineering sagt man nicht
…und wie schnell sehen wir den Erfolg des Klimaschutz?
DK010 - Geoengineering sagt man nicht
…und wie schnell sehen wir den Erfolg des Klimaschutz?
"Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung.
Wir feiern das erste kleine Jubiläum des Podcasts und blicken in Folge Nummer 10 in die zweite Hälfte von Kapitel 4 des IPCC-Berichts. Und das hat ein paar wirklich große Themen für uns parat. Zum Beispiel die fundamentale Frage nach dem Klima der Zukunft. Was passiert mit der Welt, wenn wir sie um 2 Grad wärmer machen? Oder um 4 Grad wärmer? Claudia erklärt die langfristige Klimaprognose während Florian einen Blick auf das “Overshooting” wirft. Wir sollen ja eigentlich darauf achten, die Welt um nicht mehr als 1,5 Grad zu erwärmen. Aber was passiert, wenn wir da - auch nur kurzfristig - drüber kommen.
Und dann reden wir über Geoengineering: Ist es eine gute Idee, irgendwelche globalen Manipulationen an Wolken, Wetter oder ähnlich grandiosen Dingen zu machen? Spoiler: Eher nicht. Am Ende schauen wir dann noch kurz auf die unwahrscheinlichen aber potentiell sehr dramatischen Klimazukünfte und klären, wann wir eigentlich bemerken würden, dass Klimaschutzmaßnahmen erfolgreich sind.
In welchem Klima landen wir in der Zukunft
Bisher haben wir immer geschaut wie sich abhängig vom angenommenen menschlichen Verhalten, also je nach Szenario, das Klima entwickeln wird. Jetzt fragen wir uns, was es eigentlich heißt in einer 2 oder 4 Grad wärmeren Welt zu leben. Wo wird es wie viel wärmer? Wo fällt mehr oder weniger Niederschlag? Die Wissenschaft setzt zur Beantwortung dieser Fragen auf den “Epochenansatz” (Moving Average) und schaut sich die Welt 20 Jahre rund um das Jahr an, in dem wir den jeweiligen Temperaturschwellwert überschreiten. Bei der Temperatur wird es überall wärmer, das überrascht nicht viel. Ganz besonders viel wärmer wird es aber in der Arktis (Das nennt sich “Arctic Amplification”). Beim Niederschlag sieht das Bild ganz anders aus. In manchen Gegenden der Welt wird es in einer immer wärmeren Welt immer mehr regnen, z.B. in beiden Polarregionen und im tropischen Pazifik. In anderen Gegenden der Welt wird es in einer immer wärmer werdenden Welt immer weniger regnen, z.B. im Atlantik und im Mittelmeerraum. In einer 4 Grad wärmeren Welt wird es dort deutlich trockener und eine solche Welt ist nach dem aktuellen Stand der Dinge absolut realistisch.
Und sollten wir es schaffe, die Welt um noch mehr als um 4 Grad zu erwärmen, wird es schwierig, sichere Aussagen zu treffen
Wirklich dramatisch könnte es werden, wenn wir in die ganz ferne Zukunft, bis zum Jahr 2300 schauen. Da könnte die Welt dann komplett anders sein als heute
Bitte nicht übertreten
Wir wollen ja eigentlich, dass die Welt um nicht mehr als 1,5 Grad wärmer wird. Das ist das Ziel des Pariser Klimaabkommens. Aber selbst wenn wir es schaffen, dass im Jahr 2100 die Temperatur unter diesem Schwellenwert liegt, werden wir ihn zwischendurch auf jeden Fall zumindest kurz überschritten haben. Das zeigen alle Modelle, egal wie sehr wir uns anstrengen werden. Das nennt sich “Overshoot” und die Frage ist: Was passiert dann? Mit etwas Pech können auch durch kurzzeitiges Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze schon Kipppunkte ausgelöst werden, die dann nicht mehr reversibel sind. Und die Chance wird umso größer, je weite und länger wir die Grenze übertreten.
Wo vergraben wir das CO2?
Wir werden das 1,5 Grad Ziel nur dann erreichen können, wenn wir in Zukunft nicht nur Emissionen einsparen, sondern müssen dafür auch aktiv CO2 wieder aus der Atmosphäre herausholen. Das nennt sich “CDR - Carbon Dioxide Removal” und ist zwar im Prinzip möglich, in der Praxis aber noch schwer. In Island gibt es seit kurzem eine Anlange die das kann, allerdings sind die CO2-Mengen die damit gefiltert werden eher symbolisch und können keinen relevanten Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Geoengineering sagt man nicht!
Techniken wie das CDR fallen unter den Überbegriff “Geoengineering”. Dazu gehört auch “SRM”, das “Solar Radiation Manangement”. Dabei verwendet man Methoden, um die Menge an Sonnenstrahlen zu reduzieren, die auf dem Erdboden auftreffen. Das IPCC verwendet das Wort “Geoengineering” nicht; dafür ist es zu missverständlich. Beschäftigt sich aber durchaus mit CDR und SRM. Zum Beispiel mit der Frage, was passiert, wenn man solche Methoden einsetzt und dann wieder aufhört damit (ist keine so gute Idee). Es werden auch sehr ausführlich die verschiedenen Methoden zum SRM evaluiert und allen gemeinsam ist: Sie wären zwar in der Lage, die Auswirkungen der globalen Erwärmung zu mildern. Haben aber so viele unvorhersehbare Nebenwirkungen, dass man es besser lassen sollt.
Mehr über die Wissenschaft zu Spiegeln im Weltall und Geoengineering kann man im Science Busters Podcast hören.
Die Top 10 der Tipping Points
Das Klima kann sich nicht nur langsam und kontinuierlich verändern. Sondern unter Umständen auch schnell und so, dass diese Veränderung nicht mehr umgekehrt werden kann. Solche abrupten Änderungen des Klimasystems sind besonders hinterhältig und in Kapitel 4 findet man in Tabell 4.10 eine ganze Liste davon.
Was passiert nach dem Emissions-Stop
Was würde eigentlich passieren, wenn wir es doch irgendwie schaffen, die CO2-Emissionen komplett zu stoppen? Dann würden Temperatur und Meeresspiegel trotzdem noch weiter ansteigen. Wenn man in die ferne Zukunft schaut, sind auch bei Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels noch Meeresspiegelanstiege von bis zu 10 Meter drin.
Das, was wir in diesem Jahrhundert mit dem Klima anstellen, hat Auswirkungen, die bis zu 10.000 Jahre in die Zukunft reichen können.
Extrem unwahrscheinlich aber sehr heiß
Ein Asteroideneinschlag ist unwahrscheinlich, aber wenn er stattfindet, sind die Folgen dramatisch. Auch beim Klima gibt es Zukünfte, die zwar nicht sehr wahrscheinlich sind, aber deren Auswirkungen so dramatisch sind, das man sich trotzdem damit beschäftigen sollte. Was Abschnitt 4.8 des Berichts deswegen auch tut, wie Claudia berichtet.
Wie schnell sehen wir den Erfolg von Klimaschutz
Klimaschutz ist gemein. Wir müssen uns JETZT anstrengen und unangenehme Sachen machen, unser Leben ändern, und so weiter. Den Erfolg sehen wir aber erst viel später. Wir müssen mindestens 5 bis 10 Jahre warten, bevor wir die Auswirkungen effektiver Klimaschutzmaßnahmen in den Daten erkennen können. Eine Änderung in der Temperatur würde erst nach 20 bis 30 Jahren messbaren werden und im Niederschlag würde man erst nach einigen Jahrzehnten merken, dass sich was getan hat. Das ist die etwas deprimierende Aussage von FAQ 4.2 - aus der trotzdem nicht folgt, dass wir NICHTS tun sollen.
Kontakt
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Weiterführende Informationen
Kapitel 4 des Klimaberichts ist hier als pdf downloadbar.
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Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es ebenfalls bei Spotify gibt). Mit der Astronomin Ruth Grützbauch veröffentlicht er den Podcast “Das Universum”.
Claudia forscht und lehrt an der TH Köln rund um Wissenschaftskommunikation und Bibliotheken und plaudert im Twitch-Stream “Forschungstrom” regelmäßig über Wissenschaft.
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