ÄrzteTag

Ärzte Zeitung
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Jan 20, 2025 • 21min

Was halten Sie von einer Primärversorgung über den EBM, Dr. Beier?

Der Co-Bundesvorsitzende des HÄV über eine Petition zur Rettung der wohnortnahen hausärztlichen Versorgung Zeitweise sah es politisch blendend aus für die Hausärztinnen und Hausärzte. Doch mit dem Scheitern des Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetzes (GVSG) platzten die Träume einer stärkeren Förderung der HZV – und es schien auch, dass es mit der Entbudgetierung nichts wird. Nun hat der Hausärztinnen- und Hausärzteverband zusammen mit dem Verband der medizinischen Fachangestellten (vmf) vor der Bundestagswahl eine Petition zur Rettung der wohnortnahen hausärztlichen Versorgung in Gang gesetzt, mit der den Forderungen der Verbände mehr Nachdruck verliehen werden soll. Im „ÄrzteTag“-Podcast spricht der Co-Bundesvorsitzende des Verbands Dr. Markus Beier darüber, warum eine solche Petition jetzt dringend erforderlich ist und welche Ziele die Verbände damit verfolgen. **Doch noch eine Chance auf Entbudgetierung ** Die Hausärztinnen und Hausärzte, so Beier außerdem, gäben die Hoffnung noch immer nicht auf, dass es doch noch etwas werden könnte mit der Entbudgetierung. Dies sei um so wichtiger, als immer mehr KV-Regionen zurück in die Budgetierung rutschten, klagt Beier. Am schlimmsten sei es in Hamburg, wo zuletzt eine Auszahlungsquote von 68 Prozent für Hausärzte erreicht worden sei. Im Podcast spricht Beier über die Gründe für die immer dünner werdende Honorardecke - bei zuletzt deutlich gestiegenen Kosten, vor allem für das Personal. Und die Hausärztinnen und Hausärzte könnten Glück haben: Die Rest-Ampel aus SPD und Grünen hat sich mit der FDP-Fraktion darauf verständigt, die Entbudgetierung auf den letzten Metern der laufenden Legislaturperiode doch noch umzusetzen. Das wurde nach der Aufnahme des Podcast-Gesprächs mit Beier bekannt. **Abschreckendes Beispiel NäPA-Pauschale ** Beier spricht im Podcast auch über die vom Verband seit langem geforderte Teampauschale. Diese sei ein schönes Beispiel für die Möglichkeiten einer sinnvollen Förderung einer guten Hausarztmedizin. Die Lösung im EBM mit der NäPA-Pauschale und vielen Einschränkungen sei dagegen ein typisches Beispiel für die Bürokratisierung der Versorgung, die für Praxisteams nur schwer nachzuvollziehen sei. Im Podcast erläutert der Hausärzte-Co-Chef, wieso es durchaus eine „gesunde Reaktion des Gehirns ist, sich nicht dauerhaft mit dem Wahnsinn des EBM zu beschäftigen“. Beier richtet den Blick aber auch nach vorne, auf die Chancen, die sich dadurch ergeben, dass die primärärztliche Versorgung in mehrere Wahlprogramme der Parteien geschafft haben. Dies sei vor der laufenden Legislaturperiode noch ganz anders gewesen. Aber auch darüber, warum ein Primärarztsystem in der Regelversorgung weder für Patienten noch für Ärztinnen und Ärzte erstrebenswert wäre, spricht der Verbands-Co-Vorsitzende im Podcast.
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Jan 17, 2025 • 1h 6min

Was unterscheidet gute von schlechten Lobbyisten, Martin Degenhardt?

Gespräch mit dem FALK-GF Martin Degenhardt ist Politikwissenschaftler. Er hat für Abgeordnete gearbeitet und den damaligen CSU-Chef Horst Seehofer. Seit vielen Jahren ist er Geschäftsführer der Freien Allianz der Länder-KVen (FALK). In Berlin vertritt er als Lobbyist die Interessen „seiner“ KVen und insbesondere die der niedergelassene Ärztinnen und Ärzte und Psychotherapeuten. „Ich bin stolzer Lobbyist“, sagt er. Warum? „Weil ich legitime Interessen vertrete.“ In der öffentlichen Wahrnehmung sei Lobbyismus oft mit Korruption und undurchsichtigen Machenschaften verbunden. Doch für Degenhardt ist Transparenz der Schlüssel: „Gesprächspartner müssen wissen, wer ich bin, von wem ich bezahlt werde und welche Interessen ich vertrete.“ Seine Arbeit betrachtet er als unverzichtbar für die Demokratie. „Ein Arzt in seiner Praxis hat weder die Zeit noch die Ressourcen, sich mit den Details gesetzlicher Regelungen auseinanderzusetzen. Dafür braucht es uns.“ Als wichtigen Erfolg seiner Arbeit nennt er die Rückverlagerung der Honorarverteilung auf die Landesebene. „Das war unser erster großer Erfolg. Entscheidungen vor Ort sind näher an den Bedürfnissen der Praxen und sorgen für mehr Gerechtigkeit.“ Doch Herausforderungen wie die starre Budgetierung und steigende Bürokratie lasteten weiterhin schwer auf den Praxen. „Wenn Prozesse nicht praktikabel sind, steigen die Kosten für die Praxen. Das können wir uns nicht leisten.“ Schlechter Lobbyismus und politische Abhängigkeit Degenhardt kritisiert, was er „schlechten Lobbyismus“ nennt: Agenturen, die Termine mit politisch irrelevanten Akteuren arrangieren oder bewusst falsche Zahlen verbreiten. „Das ist hochgradig unseriös und beschädigt den gesamten Berufsstand.“ Er warnt aber auch vor einer immer stärkeren Aufblähung der Ministerien bei gleichzeitiger Unterausstattung des Parlaments. „Die Augenhöhe zwischen Exekutive und Legislative hat abgenommen. Das Parlament muss personell besser ausgestattet werden, um seiner Kontrollfunktion gerecht zu werden.“ Zur Erinnerung: Mit dem neuen Wahlrecht wird der Deutsche Bundestag nach der Wahl am 23. Februar rund 100 Abgeordnete weniger haben. Unterm Strich müssen die dann weniger Abgeordneten sich mit mehr Themen beschäftigen, wodurch die Tiefe beim Sachverstand leiden wird. Das wiederum könnte Abgeordnete für Lobby-Einflüsterungen empfänglicher machen. Demokratie heißt Kompromiss Angesprochen auf die Forderung nach einer Entbudgetierung ärztlicher Leistungen bleibt Degenhardt realistisch: „Eine Umsetzung bis Januar 2026 ist möglich, aber nur, wenn wir die Kassenlage berücksichtigen.“ Ein blindes „Mehr, mehr, mehr“ sei nicht zielführend: „Wir müssen priorisieren und uns auf die Punkte konzentrieren, die den Praxen am meisten helfen.“ Trotz aller Herausforderungen sieht Degenhardt die Demokratie als unverzichtbar, gerade in ihrer mühsamen Komplexität. „Kompromissfähigkeit ist essenziell. Wer das nicht akzeptiert, will Absolutismus – und das ist nicht unser Weg.“ Der Streit innerhalb der Ärzteschaft, etwa über eine neue Gebührenordnung GOÄ, zeigt für ihn, wie schwer es sein kann, unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen. „Es wird Verlierer geben. Aber ohne Kompromisse kann eine Demokratie nicht funktionieren.“ Degenhardt fordert, dass die neue Bundesregierung schnell ein Entlastungsgesetz auf den Weg bringt. „Die Entbudgetierung muss kommen, und zwar gleich zu Beginn der nächsten Legislaturperiode.“ Für ihn ist klar: „Ohne politische Unterstützung wird die Schere zwischen steigenden Kosten und sinkenden Einnahmen in den Praxen weiter auseinandergehen – und das System an seine Grenzen bringen.“ (Länge: 1:05:34 Stunden)
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Jan 16, 2025 • 27min

Hurra, wir sind pleite! Und wie kommen wir aus der Geldnot des Gesundheitssystems heraus, Herr Hager?

Der BMC-Vorsitzende Lutz Hager im Gespräch Krankenhausreform, Medizinforschungsgesetz, Digitalisierung mit eAU, E-Rezept und ePA – war es das mit der Ampel-Koalition? In der Zeit zwischen zwei Legislaturperioden geschieht gestalterisch in der Politik in der Regel nicht mehr viel. Es ist die Zeit, in der Bilanz gezogen wird und in der dann Pläne für die Zukunft geschmiedet werden. Die Bilanz, die der Vorsitzende des Bundesverbands Managed Care (BMC), Professor Lutz Hager, im Vorfeld des BMC-Kongresses Ende Januar im „ÄrzteTag“-Podcast zieht, wirft kein gutes Licht auf die Gesundheitspolitik von Gesundheitsminister Professor Karl Lauterbach. Die Ampel habe mit dem Koalitionsvertrag gut begonnen, „aber von da an ging‘s bergab“. Nach den drei Jahren Ampel-Koalition sei das Gesundheitssystem an einem Endpunkt angekommen. „Wir haben es geschafft, alle Mittel zu verbrauchen, die die Gesellschaft für das Gesundheitswesen auszugeben bereit ist“, so Hager. Man könne am Ende der Ära Scholz nach den Beitragssatzerhöhungen Anfang des Jahres sarkastisch sagen, „Hurrah, wir sind pleite, wir sind am Ende des Geldes.“ Hager führt im Gespräch aus, wie das System aus dieser Misere der Geldknappheit herauskommen könnte. Er erläutert zudem die Vorschläge des BMC in dem Anfang des Jahres publizierten Impulspapier, etwa wie die Inanspruchnahme des Gesundheitswesens durch die Patientinnen und Patienten besser gesteuert werden könnte, welche Veränderung ein Primärarztsystem bringen könnte und wie das Thema Gesunderhaltung und Prävention statt Reparaturmedizin für Entlastung sorgen könnte. Patienten bei der Navigation durch das System an der Hand zu nehmen, „das ist unser Job, unser Thema“, sagt Hager. Er setzt dabei unter anderem auf digitale Lösungen, die helfen können, gleich die richtige Versorgungsebene anzusteuern. Und er hofft auf mehr Freiheiten für die Akteure vor Ort, die Gesundheitsversorung regional zu gestalten. Für die Weiterentwicklung des Systems könne man durchaus auf das Erarbeitete aus der ablaufenden Legislaturperiode zurückgreifen, etwa bei der Notfallreform. Nicht alles müsse in der nächsten Reformrunde der nächsten Koalition von Grund auf neu ausgearbeitet werden. (Länge: 27:21 Minuten)
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Jan 8, 2025 • 40min

E-Patientenakte gehackt – können Ärzte und Patienten der ePA noch vertrauen, Frau Kastl und Herr Tschirsich?

Die Hacker berichten, welche Sicherheitslücken die elektronische Patientenakte hat. „Konnte bisher noch nie gehackt werden: Die elektronische Patientenakte kommt – jetzt für alle!“ Es war der – erwartete – Paukenschlag in der Digitalisierungsszene für das Gesundheitswesen, als kurz vor Jahresschluss beim alljährlichen Kongress des Chaos Computer Clubs Martin Tschirsich und seine Hacker-Kollegin Bianca Kastl live und online verfolgbar Wege aufzeigten, wie Angreifer mit erstaunlich wenig Mühe an Daten in der elektronischen Patientenakte herankommen könnten. Im „ÄrzteTag“-Podcast beschreiben die beiden Gesundheits-IT-Spezialisten nochmals, wie sie vorgegangen sind, um auf die Akten zuzugreifen, welchen Aufwand sie dafür betreiben mussten – und welche Konsequenzen das haben sollte. Um drei Szenarien geht es: den Zugriff auf eine bestimmte Akte, den Zugriff auf Akten von Patienten, die in einer Arztpraxis behandelt werden, und den Zugriff auf potenziell alle ePA. „Wir sind in der glücklichen Situation, dass die ePA für alle noch nicht live ist“, betonte Martin Tschirsich. Man könne also durchaus noch reagieren, um das Sicherheitskonzept noch zu verbessern. Seit August seien die Hacker mit der gematik und den Sicherheitsbehörden im Kontakt. So arbeite die gematik daran, einen massenhaften Datenabfluss, der im dritten Szenario möglich wäre, zu verhindern. Wären PIN-Nummern als Zugriffsschutz besser gewesen? Kastl und Tschirsich stellen im Podcast infrage, ob die Entscheidung zugunsten einer einfacheren Handhabbarkeit ganz auf PIN-Nummern für den Zugriffsschutz zu verzichten, klug gewesen sei. Sie legen nochmals den Finger in die Wunde, dass das Sicherheitsbewusstsein in den Organisationen, zum Beispiel in den Krankenkassen, bei der Ausgabe von elektronischen Gesundheitskarten, noch zu gering ausgeprägt sei. Und es sei nach wie vor zu leicht, an ausrangierte Hardware zu kommen, die es ermögliche, in die Telematikinfrastruktur einzudringen. Nicht zuletzt teilen die beiden IT-Spezialisten ihre Gedanken dazu, wie vertrauenswürdig die ePA für alle angesichts der bisher noch offensichtlichen Sicherheitslücken ist und wie sie selbst zur Entscheidung über einen individuellen Opt-out aus der ePA stehen. BÄK-Präsident Klaus Reinhardt hatte sich zuletzt dazu skeptisch geäußert und formuliert, er würde aktuell Patienten nicht empfehlen, die ePA zu nutzen.
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Jan 6, 2025 • 26min

Wie vermeiden Sie Regresse in der Wundversorgung, Herr Sommerbrodt?

Der Wiesbadener Hausarzt gibt Tipps, worauf Ärztinnen und Ärzte achten sollten. Die Versorgung von Patientinnen und Patienten, die chronische Wunden haben, kann eine teure Angelegenheit sein, wenn Produkte der modernen Wundversorgung zum Einsatz kommen. Seit den ersten Dezember-Tagen 2024 laufen verordnende Ärztinnen und Ärzte Gefahr, dass ihnen diese Kosten im Nachgang in Rechnung gestellt werden – in Form von Regressen. Der Grund: Die Erstattungsfähigkeit für Wundprodukte der Klasse III, die mit pharmakologischen Wirkstoffen im Wundprodukt in der Wunde arbeiten, ist Anfang Dezember vergangenen Jahres ausgelaufen, wenn noch kein Nutzennachweis für das Produkt über Studien erbracht worden ist. Hintergrund ist, dass der Gesetzgeber es nicht mehr vor dem Bruch der Ampel-Koalition geschafft hat, die Verlängerung der Erstattungsfähigkeit dieser „sonstigen Produkte der Wundbehandlung“ umzusetzen. Dies war eigentlich geplant gewesen. Einstufung nicht immer ganz eindeutig Wie Ärztinnen und Ärzte mit dieser Regelungslücke aktuell umgehen können, erläutert Hausarzt Christian Sommerbrodt aus Wiesbaden im „ÄrzteTag“-Podcast. Ein Problem dabei sei, dass Preise und Einstufung in die Produktgruppe der Wundversorgung über die Praxisverwaltungssysteme (PVS) nicht geleistet werden, berichtet der Mediziner, der Mitglied des Bundesvorstands des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands ist und auch Landesvorsitzender des Verbands in Hessen. Da aber die Einstufung eines Wundprodukts in Klasse II (zum Beispiel Alginate oder Hydrokolloide und Schaumstoffe) oder in Klasse III nicht immer ganz eindeutig sei, müssten Hausärztinnen und Hausärzte eigentlich in den Produktbeschreibungen nachschauen, um dies abzuklären. „Das ist in der Sprechstunde bei hohem Patientenandrang aber nicht leistbar“, betont Sommerbrodt. Im Podcast beschreibt er mögliche Lösungsstrategien für Praxen, aber auch Hilfen, die beispielsweise die KV Hessen für ihre Mitglieder bereitstelle. Auch die AOK Niedersachsen habe – mit Einschränkungen – einen guten Überblick über die Produkte der Wundversorgung erarbeitet. Neue Möglichkeiten der Abrechnung Thema im Gespräch sind auch die neuen Gebührenordnungspositionen zur Versorgung von Long-COVID-Patienten im neuen EBM-Unterkapitel 37.8. Sommerbrodt beschreibt die Relevanz dieses Krankheitsbildes im Versorgungsgeschehen einer Hausarztpraxis, das Vorgehen im Zusammenwirken mit den Fachkolleginnen und -kollegen. Und er beschreibt die neuen Möglichkeiten der Abrechnung. Diese könnten durchaus dazu beitragen, die Versorgung dieser Patientengruppe zu verbessern, glaubt der Hausarzt aus Wiesbaden.
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Jan 3, 2025 • 35min

25 Jahre ICD-10: Haben die Hausärzte ihren Frieden mit der Kodierung gemacht, Dr. Claus?

Wie es mit der Kodierung nach ICD-10 inzwischen im Praxisalltag läuft Lässt sich ein komplexes Krankheitsgeschehen einfach so auf einen fünfstelligen Schlüssel reduzieren? Und lässt sich so nachvollziehbar über alle Ärztinnen und Ärzte und über alle Patientinnen und Patienten hinweg das Krankheitsgeschehen der Bevölkerung transparent und vergleichbar machen? Vor diesen Fragen standen vor 25 Jahren die Hausärztinnen und Hausärzte, als die ICD-10, die Internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, für Vertragsärzte verpflichtend eingeführt wurde. Im „ÄrzteTag“-Podcast erinnert Dr. Christoph Claus, Hausarzt in Grebenstein in Nordhessen, an die Zeit, als die Kodierpflicht vor 25 Jahren ins SGB V aufgenommen wurde. Bis der Paragraph 295 in Form der ICD-10 über die „German Modification“ (GM) in der täglichen Dokumentationsarbeit wirksam wurde, vergingen damals nochmals einige Jahre, was auch einem gewissen Widerwillen auf Seiten der Ärztinnen und Ärzte geschuldet war, die gewohnt waren, die Krankheiten im Klartext zu dokumentieren. Claus beschreibt auch die Vorteile des einheitlichen Kodiersystems, zum Beispiel, dass zuweisende Ärzte und ihre Kolleginnen und Kollegen in der Klinik dieselbe „Sprache“ nutzten und die Diagnosenschlüssel aus den Arztbriefen in die eigene Kartei übernommen werden konnten. Im Gespräch lässt der Hausarzt nochmals die Zeit der Einführung der ICD-10 und des ersten Versuchs einer Einführung von Kodierrichtlinien Revue passieren, der damals am Widerstand vor allem der Hausärzte gescheitert war. Die Begründung schon damals: eine drohende zeitliche Überlastung der Praxen. Auch die Verknüpfung der Diagnosenverschlüsselung mit dem Arzthonorar und die Bedürfnisse der Krankenkassen, von einer guten Verschlüsselung über den morbiditätsbedingten Risikostrukturausgleich mehr Mittel zu mobilisieren, kommt zur Sprache. Claus erläutert aber auch, wofür die ICD-10-Schlüssel in guten Praxisverwaltungssystemen genutzt werden können, zum Beispiel für Suchläufe, um Regresse für Medikamentenverordnungen zu vermeiden. Nicht zuletzt erläutert Claus, warum bis heute in manchen Fällen ein Spickzettel mit den wichtigsten ICD-10-Schlüsseln schneller helfen kann als der beste Thesaurus in einem Praxisverwaltungssystem.
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Dec 23, 2024 • 26min

Was bleibt von der Gesundheitspolitik der Ampel, Professor Greiner?

Ein langjähriges Mitglied des Sachverständigenrates zieht Bilanz Aus dem Herbst der Reformen, den Gesundheitsminister Lauterbach angekündigt hatte, ist nicht viel geworden. Das Scheitern der Koalition brachte jäh (fast) alle Gesetzesprojekte aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) zum Stillstand. Das Ende der Koalition sei „für die Gesundheitspolitik kein guter Zeitpunkt gewesen“, so die Einschätzung von Gesundheitsökonom Professor Wolfgang Greiner aus Bielefeld im „ÄrzteTag“-Podcast. Bitter sei vor allem das Scheitern der Notfallreform, nun schon im dritten Anlauf. Der Gesetzentwurf sei „außer in einigen Details“ ziemlich genau das, was der Sachverständigenrat vor Jahren in einem Gutachten empfohlen habe. Greiner hofft jetzt darauf, dass die nächste Bundesregierung das Projekt wieder aufgreift und nicht von Grund auf neu aufzieht. Aber auch in anderen Bereichen, etwa bei den Plänen zur Digitalagentur, zum Bundesinstitut für die öffentliche Gesundheit oder auch zu den Apotheken sei es „frustrierend“, dass die Vorhaben auf diese Weise gescheitert seien. Glücklich zeigt sich Greiner dagegen darüber, dass das Gesunde-Herz-Gesetz nicht umgesetzt wird, vor allem weil die Pläne in die fachliche Hoheit der Selbstverwaltung eingegriffen hätten. Es wäre keine gute Entwicklung gewesen, wenn der Gesetzgeber darüber entscheidet, wann Statine verordnet werden sollen und wann nicht, glaubt Greiner. Der Gesundheitsökonom hofft hier auf „Lerneffekte bei allen Beteiligten“. Aber Lauterbach habe auch einige Punkte auf der Haben-Seite, zum Beispiel, dass er die Digitalisierungspläne seines Vorgängers konsequent fortgeführt habe und zum Beispiel bei der E-Patientenakte „ganz mutig“ auf das Opt-out-Modell gesetzt habe, dass auch der Sachverständigenrat empfohlen habe. Positiv sieht Greiner auch, dass die Koalition die Krankenhausstruktur angegangen sei und die Spezialisierung der Kliniken jetzt allgemein akzeptiert werde. Im Podcast geht Greiner auch darauf ein, wie die Verzahnung von ambulant und stationär vorangekommen ist und wie dies weitergehen könnte, etwa durch ein Ausgreifen der klinischen Tätigkeit bis auf die Ebene der Primärversorgung. Eine Chance böten zum Beispiel die sektorübergreifenden Versorgungseinrichtungen, glaubt das ehemalige Mitglied des Sachverständigenrats. Aus seiner Sicht ist es allerdings noch nicht ausgemacht, ob diese Einrichtungen für MVZ oder auch für kleinere Kliniken eine attraktive Möglichkeit der Weiterentwicklung bringen könnte. Nicht zuletzt geht Greiner auf die blinden Flecken der Gesundheitspolitik der Ampel ein, vor allem die fehlende Finanzreform. Im Podcast erläutert Greiner, warum es für die Politik gefährlich sei, sich zu konkret festzulegen, zum Beispiel Leistungskürzungen komplett abzulehnen. Und er wirft einen Blick in die Agenda der nächsten Bundesregierung – zum Beispiel auf das Thema Steuerzuschuss für die GKV oder Möglichkeiten der Erhöhung der Selbstbeteiligung. (Dauer: 25:37 Minuten)
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Dec 19, 2024 • 37min

Videosprechstunde von kommerziellen Anbietern – Konkurrenz oder Ergänzung zur ambulanten Versorgung?

Gründer und CEO sowie der Leiter des medizinischen Beirats von Wellster im Gespräch Nehmen kommerzielle Videosprechstundenanbieter, die Lifestyle-Themen aus dem Bereich Gesundheit aufgreifen, Ärztinnen und Ärzten in Praxen Patienten weg? Oder erreichen sie über diese eher anonyme Konsultation Patientinnen und Patienten, die eine Behandlung brauchen, aber sich mit ihren eher Scham-behafteten Themen nicht trauen, ihre behandelnden Ärzte anzusprechen? Im „ÄrzteTag“-Podcast diskutieren Dr. Manuel Nothelfer, Gründer und CEO des Videosprechstundenplattform-Anbieters Wellster, und der Leiter des medizinischen Beirats und Urologe Professor Christian Wülfing die Möglichkeiten, an welchen Stellen solche Plattformen als Ergänzung zur Regelversorgung sinnvoll sein können – vor allem bei Intimfragen oder wenn die Wartezeit auf einen Facharzttermin zu lange währt. Kolleginnen und Kollegen aller Altersstufen kommen nach Auskunft von Nothelfer und Wülfing für Sprechstundendienste auf den Plattformen infrage: Junge Klinikärzte, die sich ein bisschen Geld dazu verdienen wollen, aber auch ältere Kollegen, die in der Praxis kürzer treten wollen. Im Gespräch geht es auch um die Frage, warum nach der Pandemie die Akzeptanz der Videosprechstunden wieder zurückgegangen ist und welche Aspekte in bestimmten Fällen für eine telemedizinische Konsultation sprechen könnten. Nothelfer und Wülfing bedauern, dass das Honorarsystem immer noch die persönliche Anwesenheit von Patienten in der Praxis incentiviere, nicht aber eine Telekonsultation. Nicht zuletzt plädieren sie dafür, zusätzlich zur Konsultation Informationen über Anamnesebögen und ähnliches zu sammeln, um dann in der virtuellen Sprechstunde genug Daten der Patienten vorliegen zu haben. Dies könne zur Modernisierung der Arzt-Patienten-Kommunikation insgesamt beitragen. Auch der Kritik an den kommerziellen Angeboten im Bereich Telemedizin stellen sich Nothelfer und Wülfing: Letztlich, so ihre These, seien kommerzielle Anbieter aus der Versorgung heute kaum noch wegzudenken, sondern auch diese Angebote trügen ihren Anteil zur Versorgung bei. (Länge: 36:32 Minuten)
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Dec 13, 2024 • 27min

Ist „Künstler*innenmedizin“ Medizin für Künstler oder von Künstlern?

Ein musikalischer Mediziner und ein Pianist diskutieren Es passiert nicht alle Tage, dass eine Universität der Künste eine Stelle für einen Mediziner ausschreibt. So geschehen jetzt in Essen von der Folkwang Universität der Künste, die aktuell eine „Professur für Künstlerinnenmedizin“ auslobt. Ein Anlass, im „ÄrzteTag“-Podcast über die Möglichkeiten und Perspektiven in der „Künstlerinnenmedizin“ zu sprechen, aber auch darüber, wie Ärzte und Musizierende und andere Künstler miteinander harmonieren können. Prächtig funktioniert im „ÄrzteTag“-Podcast das Zusammenspiel von Cellist Professor Sebastian Schellong, im Hauptberuf Internist und aktuell als Medizinischer Direktor am Städtischen Klinikum Dresden tätig, und Pianist Professor Matthias Sakel, Vorstand der Folkwang Universität der Künste und dort als Hochschullehrer für die Instrumentalausbildung Klavier tätig. „Künstler*innenmedizin“ sei tatsächlich vor allem als Medizin für Künstlerinnen und Künstler gedacht und nicht eine besondere Form der künstlerischen Tätigkeit, erläutert Sakel im Gespräch. In der Musik oder auch im Tanz oder im Schauspiel gehe es häufig darum, über Stunden jeden Tag zu üben und zu trainieren, um sich ein Musikstück oder eine Choreografie oder ein Schauspiel zu erarbeiten, so Schellong und Sakel weiter – teilweise wie im Hochleistungssport. Hier seien von Ärztinnen und Ärzten sportmedizinische Fähigkeiten gefragt, belastete Schwachstellen des Körpers zu entlasten sowie Fehlhaltungen präventiv zu korrigieren, bevor es zu schweren Schäden kommt. Es gehe aber ebenso darum, mit Ängsten oder Lampenfieber umzugehen, den „Leib-Seele-Zusammenhang“ zu verstehen. Sakel und Schellung sprechen im Podcast darüber, welche Fähigkeiten ein Mediziner mitbringen muss, um Künstlerinnen und Künstler zu begleiten und zu betreuen, warum so viele Ärztinnen und Ärzte auch in der Musik häufig sehr aktiv und erfolgreich sind, welche musischen Fähigkeiten in der Medizin hilfreich sind und welche Rolle Teamfähigkeit und Empathie dabei spielen. Nicht zuletzt geht es darum, wie sich eine Universität der Künste und eine ebenfalls in Essen ansässige Medizin-Fakultät gegenseitig befruchten können. (Dauer: 27:20 Minuten)
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Nov 27, 2024 • 25min

Tanorexie – wann wird Sonnenbaden zum Zwang, Professor Baune?

Über den zu starken Drang zum Solarium Tanorexie beschreibt ein zwanghaftes Bräunungsverhalten. Betroffene haben das Gefühl, dass ihre Haut zu blass ist, obwohl sie eigentlich bereits stark gebräunt ist. Im Gehirn von Personen mit Tanorexie spielt sich womöglich etwas ganz ähnliches ab, wie bei Personen mit Anorexie. Im Gegensatz zur Anorexie ist die Tanorexie bisher jedoch nicht als offizielle Erkrankung anerkannt. Personen mit Tanorexie besuchen mehrmals wöchentlich Solarien, einige nutzen sogar off-label medikamentöse Mittel, um eine dunklere Haut bekommen. Sobald der Bräunungseffekt nachlässt, setzen die Entzugserscheinungen ein, erklärt Professor Bernhard Baune im „ÄrzteTag“-Podcast. Er ist Direktor der Klinik für Psychische Gesundheit am Universitätsklinikum Münster. Wie können Ärztinnen und Ärzte Personen mit Tanorexie erkennen? Gebräunte Haut haben schließlich auch Personen, die kein zwanghaftes Verhalten zeigen. Welche Therapiemaßnahmen sind möglich? Antworten dazu gibt Baune im Podcastgespräch. (Dauer: 24:31 Minuten)

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