ÄrzteTag

Ärzte Zeitung
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Dec 21, 2023 • 32min

Wann sind Abnehmspritzen sinnvoll, Herr Professor Martin?

Im „ÄrzteTag“-Podcast spricht der Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums (WDGZ) darüber, wie sich aufgrund der Studienlage und seinen Erfahrungen die Medikamente sinnvoll einsetzen lassen. Adipositas ist ein Riesenproblem und besonders auch in Deutschland: Seit vielen Jahren werden immer mehr Menschen krankhaft übergewichtig und das, obwohl seit Jahrzehnten pausenlos Ernährungs- und Diätempfehlungen, Werbung für Niedrigkalorien-Lebensmitteln, für Bewegung und Fitnessstudios auf uns einprasseln. Neue Hoffnung geben Betroffenen nun Medikamente wie Semaglutid und Tirzepatid, mit denen sich ähnlich stark abnehmen lässt, wie mit einer chirurgischen Magenverkleinerung. Die neuen Arzneien zur Gewichtsreduktion haben jedoch einen Pferdefuß: Um dauerhaft abzunehmen, müssen diese auch dauerhaft gespritzt werden, möglicherweise sogar ein Leben lang. Werden die Mittel abgesetzt, dann kommt die alte Körperfülle wieder zurück, wie gerade die Surmount-4-Studie mit Tirzepatid bestätigt hat. Für wen ist daher eine Gewichtsreduktion mit den Medikamenten medizinisch sinnvoll? Mit welchen Lebensstiländerungen lässt sich die Therapie mit den Arzneimitteln flankieren? Und von welchen alten Zöpfen bei der Ernährungsberatung müssen wir uns dabei verabschieden? Der Diabetologe Professor Stephan Martin aus Düsseldorf forscht mit seinem Team seit vielen Jahren zu Ernährung bei Typ-2-Diabetes und Übergewicht und nutzt auch Abnehmspritzen. Im „ÄrzteTag“-Podcast spricht der Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums (WDGZ) darüber, wie sich aufgrund der Studienlage und seinen Erfahrungen die Medikamente sinnvoll einsetzen lassen. (Dauer: 31:30 Minuten)
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Dec 19, 2023 • 54min

Kommt die psychotherapeutische Versorgung bei Reformen zu kurz, Frau Benecke und Frau Maur?

Die Bundespsychotherapeutenkammer fordert von der Ampelkoalition eine Reform der Bedarfsplanung Erst sah alles so gut aus: Im Koalitionsvertrag haben die Ampel-Parteien Reformpläne für eine bessere psychotherapeutische Versorgung festgehalten. Doch jetzt lassen diese Veränderungen auf sich warten. Entsprechend weniger Geduld hätten auch die Kolleginnen und Kollegen, die alltäglich mit Problemen wie dem hohen Bedarf, langen Wartezeiten und begrenzten Möglichkeiten konfrontiert sind. Davon berichten Dr. Andrea Benecke, seit diesem Sommer Präsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer, und Vize-Präsidentin Sabine Maur. „Sicher ist es so, dass es im ganzen Gesundheitsbereich sehr viel zu tun gibt. Warum aber anderes wichtiger ist als die gute Versorgung psychisch kranker Menschen, erschließt sich uns nicht“, sagt Maur. In der Bedarfsplanung sei dringend eine Anpassung nötig. „Wir fordern eine Reduktion der Verhältniszahlen um 20 Prozent“, erklärt Benecke. Nur so ließen sich die Wartezeiten gerade im ambulanten Bereich reduzieren. Umgerechnet bedeute das in etwa 1.600 mehr Kassensitze. Obwohl die Unzumutbarkeit der aktuellen Wartezeiten allen klar sein müsse, gehe es mit der versprochenen Reform nicht voran. Minister Lauterbach sei für sie nicht zu erreichen, berichten Maur und Benecke. „Aber unsere Anliegen, die Schwierigkeiten und Probleme, sind im BMG bekannt. Da kann sich keiner rausreden“, sagt Benecke. Warum beide müde sind, besonders gegenüber Krankenkassen und Politik immer wieder die gleichen Vorurteile entkräften zu müssen und wie sie mit ihren Anliegen durchdringen wollen, erklären die Psychotherapeutinnen im Podcast.
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Dec 15, 2023 • 47min

Wie geht es beim E-Rezept für die Praxen weiter, Herr Mazhari?

Wie es mit dem bald verpflichtendem E-Rezept im Praxisalltag läuft Die Anzahl der täglich eingelösten E-Rezepte wächst laut Dashboard der TI-Betriebsgesellschaft gematik und liegt mittlerweile an manchen Tagen bei über 300.000 Verordnungen. Der Anteil der E-Rezepte am gesamten Verordnungsvolumen geht damit in Richtung zehn Prozent. Doch ist damit alles bereit dafür, dass alle Vertragsärztinnen und -ärzte das elektronische Rezept in zweieinhalb Wochen verpflichtend können müssen? Darüber haben wir im „ÄrzteTag“-Podcast mit Reza Mazhari gesprochen, als Fachbereichsleiter IT-Service / eHealth und Digitalisierung in der Versorgung „Mister E-Rezept“ in der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Er berichtet über die Aktivitäten der KV, ihre Mitglieder zu schulen und die Erfolge, die damit erzielt worden sind. Nach seiner Schätzung dürften mittlerweile 90 Prozent der KV-Mitglieder in Niedersachsen E-Rezept-fähig sein, und erste Ärztinnen und Ärzte seien so weit, dass sie 70 bis 80 Prozent ihres täglichen Rezeptaufkommens über die elektronische Variante abwickeln. Mazhari berichtet aber auch über Probleme: Beispielsweise sei die Einlöse-Variante über das Stecken der elektronischen Gesundheitskarte sehr „ausfallanfällig“. Das wiederum bringe Probleme bei der Akzeptanz der elektronischen Verordnung, weil Patientinnen und Patienten im Fall der Fälle gezwungen seien, nochmals in die Praxis zu gehen, um sich den Papier-Beleg abzuholen, falls sie nicht über die E-Rezept-App der gematik verfügen. Das sei bei Muster 16 nicht so häufig erforderlich. Probleme gebe es auch immer noch in einigen Praxisverwaltungssystemen, weil die digitale Signatur nach wie vor zu viel Zeit in Anspruch nimmt, auch wenn Mazhari durchaus Fortschritte bei vielen Systemen sieht. Das E-Rezept sei dennoch „die allererste Anwendung, die Sinn ergibt und die Praxisabläufe beeinflussen wird“. Mazhari ruft die Ärztinnen und Ärzte, die sich über Wartezeiten – „die Sanduhr bei TI-Anwendungen“ – ärgern, dazu auf „fair zu bleiben“ und einmal den gewohnten analogen Ablauf mit der Stoppuhr zu begleiten und dann zu vergleichen. Immerhin werde mit der E-Rezept auch Papier gespart. Im Podcast spricht Mazhari außerdem darüber, welche Komponenten Ärzte fürs E-Rezept benötigen, über die Vorteile, die das E-Rezept bringen könnte, wenn es im Praxisalltag integriert ist, und über Qualitätsprobleme in den Praxisprogrammen.
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Dec 7, 2023 • 26min

Kann die Kooperation von KV und Kommunen die Versorgung sichern, Frau Dr. Moreno?

Die Leiterin der Abteilung Sicherstellung für KV Rheinland-Pfalz im Interview Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe: Mit einer eigenen Initiative versucht die KV im ländlich geprägten Rheinland-Pfalz die Gemeinden und kleinen Städte mit ins Boot zu holen, um jüngeren Ärztinnen und Ärzten die Niederlassung schmackhaft zu machen. Dabei geht es nicht nur um eine finanzielle Förderung, sondern auch um das Umfeld. Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Dr. Nadja Moreno, die Leiterin der Abteilung Sicherstellung der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz, wie über die Initiative der KV die Zusammenarbeit tatsächlich vorankommt. Dabei geht es nicht nur um das Fördergeld, sondern „die Gesamtumstände müssen passen“, so Moreno im Podcast. Die KV schüttet nach Auskunft der Leiterin der Abteilung Sicherstellung einen mittleren fünfstelligen Betrag aus, zusätzlich kommen teilweise Geld oder auch günstige Räumlichkeiten hinzu. Die KVen müssten manchmal aber auch „Purzelbäume schlagen“, um trotz Bedarfsplanung auf einen absehbaren Ärztemangel in einer Region reagieren zu können, die aber noch gesperrt sei wegen Überversorgung, so Moreno weiter. Sehr wichtig sei es auch, dass es im Land „viele Ärztinnen und Ärzte“, die „dynamisch“ die Verantwortung für die Versorgung in die Hand nehmen. Auch Ärztenetze im Land seien teilweise sehr aktiv, etwa das Netz in Worms. Gemeinden seien in Rheinland-Pfalz auch aktiv als Träger kommunaler MVZ, unter anderem in Montabaur und in Grünstadt – diese im SGB V eröffnete Möglichkeit helfe durchaus an der einen oder anderen Stelle. Im Podcast gibt die KV-Vertreterin auch eine Einschätzung über die Projekte in der Gesetzgebung, die Versorgung auf dem Land voranzubringen, etwa Gesundheitskioske auf dem Land, Telemedizin in der Apotheke oder Primärversorgungszentren. (Dauer: 25:39 Minuten)
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Dec 4, 2023 • 19min

Gibt es Antisemitismus auch in Praxen jüdischer Ärzte, Herr Dr. Schuster?

Arzt und Präsident des Zentralrats der Juden Ob in Demonstrationen, über Schmierereien auf Häusern oder über Anfeindungen von Jüdinnen und Juden auf der Straße: So viel offenen Antisemitismus gab es nie in Deutschland seit dem Ende der Diktatur der Nationalsozialisten und seit dem Ende des Holocausts wie seit dem Terroranschlag der Hamas und dem Beginn des Krieges im Gazastreifen. „Enttäuscht und alarmiert“ sei er von dieser Entwicklung, äußert sich der Arzt und Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Dr. Josef Schuster im „ÄrzteTag“-Podcast. Der lange Zeit als Internist in Würzburg niedergelassene Mediziner macht sich vor allem Sorgen über das „Hufeisen-Syndrom“ – dass nun auch vom linken politischen Lager offen antisemitische Töne kommen: „Das gemeinsame Feindbild verbindet jetzt Rechte, Linke und Menschen mit Migrationshintergrund“, beschreibt Schuster die Entwicklung. Persönlich habe er antisemitische Äußerungen in der Praxis nie erlebt. Er sei als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Würzburg aber auch hinreichend bekannt gewesen. „Wer zu mir in die Praxis kam, wusste in der Regel, dass ich Jude bin. Wer nicht zu einem jüdischen Arzt gehen wollte, der konnte unter vielen anderen internistischen Praxen wählen.“ In Notdienst-Einsätzen werde er zwar gelegentlich erkannt, aber „eine negative Reaktion habe ich nie erfahren“, erzählt er weiter. Seinen jüdischen Kolleginnen und Kollegen gehe dies nach seinen Informationen ähnlich, das Thema spiele dort in der Regel keine Rolle. In Krankenhäusern, besonders an Universitäten und in den großen Städten sei dies teilweise anders, weil es dort Aktivitäten von der linken politischen Seite gebe. Die Klinikleitungen reagierten allerdings meist schnell auf diese Vorfälle. Im Gespräch geht Schuster weiter darauf ein, inwieweit es auch innerärztlich antisemitische Vorfälle gibt und ob aus seiner Sicht die ärztlichen Organisationen angemessen auf die Situation in Israel reagieren. „Im individuellen Bereich gibt es eigentlich nie Probleme, Kontakte mit Menschen muslimischen Glaubens haben kaum gelitten“, berichtet Schuster. Nicht zuletzt die Bedeutung der Erinnerungskultur, um möglichst viele Menschen „gegen Antisemitismus zu impfen“ hebt Schuster hervor.
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Nov 30, 2023 • 33min

Wie reagiert die Gesundheitspolitik auf das Urteil zum Nachtragshaushalt, Herr Lindemann?

Ein FDP-Abgeordneter über die Folgen des BverfG-Urteils Wenn das Geld knapp ist, muss die Politik die Kraft aufbringen, klare Prioritäten zu setzen, was geht und was nicht mehr geht. Darauf verweist der FDP-Gesundheitspolitiker und Bundestagsabgeordnete Lars F. Lindemann im „ÄrzteTag“-Podcast. In Zeiten, in denen der Staat so viele Steuern einnehme wie noch nie, müsse es möglich sein, sich bei den Ausgaben zu disziplinieren, postuliert der FDP-Politiker. Der Bund werde nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Nachtragshaushalt 2021 auf jeden Fall darauf achten, dass die „Zuschüsse in den Gesundheitsfonds nicht weiter steigen“, zeigte sich Lindemann überzeugt. Hinterfragen müsse man auch das „Dogma“ von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), „dass es keinerlei Leistungskürzungen geben darf“. Das könne man so nicht aufrechterhalten, so lange der Staat nicht bereit sei, für versicherungsfremde Leistungen kostentragende Beiträge zu bezahlen. Lindemann spricht sich im Gespräch auch dafür aus, dass Ärztinnen und Ärzte, außer wenn sie sich freiwillig in ein Anstellungsverhältnis begeben, das Recht haben müssten, „für höhere Dienste ein Honorar zu liquidieren“ – ohne dafür sozialversicherungspflichtig zu werden. Das gelte nicht nur, aber auch im Bereitschaftsdienst. Hier hatte ein Urteil des Bundessozialgerichts jüngst für Aufregung in vielen Kassenärztlichen Vereinigungen gesorgt, die Poolärzten im Bereitschaftsdienst daraufhin gekündigt haben und drohen, Bereitschaftspraxen auszudünnen und Dienste einzuschränken. Lindemann nimmt auch Stellung zu weiteren Konfliktfeldern in der Koalition wie den investoren-getragenen MVZ, zu Gesundheitskiosken und zum Verordnungsentwurf über die Ambulantisierung. Lindemann plädiert hier für ein mutigeres Vorgehen, damit sich an der Schnittstelle ambulant-stationär tatsächlich etwas ändert. Bislang seien zu wenige Leistungen für Hybrid-DRG ausgewählt, und auch das weitere geplante Vorgehen sei „zu langsam“. (Dauer: 33:26 Minuten)
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Nov 27, 2023 • 25min

Was wird nach dem Umbruch aus der STIKO, Dr. Terhardt?

Ein STIKO-Mitglied über die anstehenden Reformen des Gremiums In der vergangenen Woche schlugen die Wellen hoch, als bekannt wurde, dass zwölf von 17 STIKO-Mitgliedern für die kommende Amtsperiode nicht wieder berufen werden sollen, so der Wille des Bundesgesundheitsministeriums. Demnach solle in Zukunft ein Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) nur noch über maximal drei Amtsperioden dieses Ehrenamt ausüben, also maximal neun Jahre, hieß es. Dies sei den Mitgliedern vor der letzten Sitzung des Gremiums im November mitgeteilt worden, berichtet STIKO-Mitglied Dr. Martin Terhardt im „ÄrzteTag“-Podcast. Der Pädiater ist selbst seit 2011 Mitglied der STIKO und wird damit voraussichtlich ebenfalls ausscheiden. Vor zwölf Jahren habe die STIKO unter anderem nach der Entscheidung für die HPV-Impfung wegen großer Industrienähe in der Kritik gestanden, erinnert Terhardt. Die Kommission habe dann ihre Methoden auf leichter nachvollziehbare und stärker evidenzbasierte Kriterien umgestellt. Im Podcast beschreibt er, wie die STIKO seitdem in Zusammenarbeit mit der „chronisch unterbesetzten“ Geschäftsstelle bei anstehenden Entscheidungen vorgeht und wie sich dieses durchaus zeitraubende Verfahren in der Pandemie beschleunigt habe. „Die Art und Weise, wie in Deutschland Impfempfehlungen entstehen, ist international jetzt anerkannt“, hebt Terhardt hervor. Da in den vergangenen Jahren aufgrund der Pandemie viele Themen „liegengeblieben“ seien – zum Beispiel die Influenza-Impfung für gesunde Kinder, Meningokokken B, Meningokokken ACWY, der „sehr diffizile Komplex“ RSV, Pneumokokken, Pertussis-Wiederholungsimpfungen für Erwachsene – sorgen sich die ausscheidenden STIKO-Mitglieder, dass Sand ins Getriebe der STIKO-Arbeit kommen könnte, da die neuen Mitglieder sich zunächst in die Methoden einarbeiten müssten. Aber Angebote, im Übergang für einen Teil der ausscheidenden Mitglieder nochmals ein oder zwei Jahre zu verlängern, seien vom Ministerium bisher nicht angenommen worden, so Terhardt. Die neue STIKO müsse zunächst die Prioritätenliste aktualisieren, die Mitglieder müssten in der Methodik ausgebildet werden, daher erwartet er „eine Unterbrechung in der Geschwindigkeit“ der Arbeit der Kommission. Auch die Zusammensetzung der STIKO könnte sich in Zukunft ändern, fürchtet Terhardt. Genug Fachleute für die neue STIKO gebe es, allerdings sei das Verfahren der Berufung „intransparent“. Er hebt die Bedeutung der Praktiker in der Kommission hervor – er vertritt beispielsweise die in der ambulanten Versorgung impfenden Pädiater. Diese sei in Zukunft „fast überhaupt nicht mehr vorgesehen“. Zukünftig sollten auch Kommunikationswissenschaften in der Kommission Berücksichtigung finden. Die Kommissionsmitglieder versuchten noch, Ratschläge zu geben, „aber ich weiß nicht, wie viel davon ankommt“.
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Nov 17, 2023 • 24min

Hybrid-DRG: Was sind die Perspektiven für ambulante Operateure, Herr Schneider?

Zu wenige Leistungen, unklare Perspektiven für die weitere Ambulantisierung, Krankenhäuser bevorzugt, inkludierte Sachkosten bei den Hybrid-DRG: Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) hat mit harter Kritik auf den lange erwarteten Entwurf der Verordnung zu einer speziellen sektorengleichen Vergütung (Hybrid-DRG) reagiert. Nach der Anhörung der Verbände warten jetzt alle Akteure darauf, welche Punkte das Bundesgesundheitsministerium noch in der Verordnung ändern wird, die dann im Bundesanzeiger veröffentlicht wird und nach aktuellem Stand Anfang des Jahres in Kraft treten soll. SpiFa-Hauptgeschäftsführer Robert Schneider erwartet nicht, dass sich Anfang Januar sofort viel in der Angebotsstruktur bei ambulanten Operationen ändern wird. Dafür seien in der Verordnung bislang einfach zu wenige Leistungen enthalten. Außerdem seien manche Voraussetzungen, diese Leistungen zu erbringen, nicht von jetzt auf gleich zu erfüllen, die Zeit für eine Umsetzung sei kurz bemessen, erläutert Schneider im aktuellen „ÄrzteTag“-Podcast. Die Fachgruppen seien unterschiedlich von den bisher aufgenommenen Leistungen betroffen, führt Schneider weiter aus. Er erneuert die Kritik daran, dass Sachkosten in die Hybrid-DRG inkludiert werden, dies sei besonders im Bereich der Orthopädie und Unfallchirurgie relevant. Wenn die Sachkosten so hoch seien, dass eine Leistung mit Hybrid-DRG nicht wirtschaftlich erbracht werden könne, dann werde die Ambulantisierung nicht vorankommen. Der Berufsverband der Deutschen Urologen dagegen hatte sich jüngst positiv dazu geäußert, wie die Ureteroenoskopien nun vergütet werden. Hier hatte es zuvor viel Kritik an der Honorierung der Leistung im EBM über den AOP-Katalog gegeben. Auch wenn im „ÄrzteTag“-Podcast zuletzt Kassenvertreter Dr. Wulf-Dietrich Leber Befürchtungen zur Ambulantisierung geäußert hatte, die Akteure könnten Hybrid-DRG dazu missbrauchen, Leistungen ambulant zu erbringen, aber „stationär“ zu kassieren: SpiFa-Vertreter Schneider sieht die Positionen von Ärzten und Krankenkassen gar nicht so weit voneinander entfernt. Allerdings sieht er eine Notwendigkeit bei der Umstrukturierung an der Schnittstelle von ambulanter und stationärer Versorgung: Wer wirklich Änderungen erreichen wolle, müsse zuerst immer Geld in die Hand nehmen, um die Anreize dafür zu setzen. Im Podcast, beschreibt der SpiFa-Vertreter die Hürden, wenn die Ambulantisierung im kommenden Jahr von der Selbstverwaltung weiter getrieben werden soll, und er fasst die Positionen des Spitzenverbands zu einer echten sektorverbindenden Versorgung zusammen.
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Nov 10, 2023 • 26min

Wie gewinnen Sie Ärzte für Forschung zur digitalen Transformation, Frau Dr. Müller?

Wie Praxen in die digitale Transformation des Gesundheitswesens einbezogen werden können Entscheidungsunterstützungssysteme, Digitale Gesundheitsanwendungen, neue Anforderungen in der sektorübergreifenden Kommunikation: Wie können Praxen der Allgemeinmedizin sinnvoll in die digitale Transformation des Gesundheitswesens einbezogen werden? Dazu forscht – unter anderem – Dr. Angelina Müller vom Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Müller, die am Lehrstuhl von Professor Ferdinand Gerlach angesiedelt ist, wie Forschung an Universitäten dazu beitragen kann, die digitale Transformation voranbringen kann – bei allen Zeitverzögerungen durch Aufsetzen von Projekten, Akquise von Teilnehmern an Studien etc., während gleichzeitig die Entwicklung rasant voranschreitet. Es gehe vor allem darum, die Forschungsschwerpunkte so zu setzen, dass am Ende im Prozess der Transformation alle mitgenommen werden, Ärztinnen und Ärzte, MFA, Studentinnen und Studenten und letztlich auch die Patientinnen und Patienten. Hausärzte könnten auch bei der Entwicklung digitaler Tools mitwirken, glaubt Müller. Dabei gehe es nicht um die Programmierung, sondern darum, wie die Kommunikation der Akteure untereinander strukturiert wird, also um den Rahmen. Wenn in einer solchen App tatsächlich die Bedürfnisse der Praxen getroffen werden, dann falle es auch nicht schwer, Teilnehmer für Studien zu finden. Zum Beispiel die Erreichbarkeit einer Praxis zu verbessern. Im Gespräch nimmt Angelina Müller auch Stellung dazu, welche Fortschritte durch diese Projekte tatsächlich erzielt werden, zum Beispiel überhaupt erst einmal eine Zusammenarbeit zu etablieren und dafür passende Kommunikationsstrukturen für einen Austausch aufzubauen. Wie für solche Projekte Praxen gewonnen werden, wie die digitale Transformation weiter gestaltet werden kann und wie die Digitalisierung trotz aller Probleme der Telematikinfrastruktur Praxen schmackhaft gemacht werden kann, sind weitere Themen im Gespräch. Die Aufnahme des Podcasts ist bereits vor einigen Tagen erfolgt. Seitdem hat die Universitätsklinik Frankfurt nach dem Cyber-Angriff, der auch kurz Thema im Podcast ist, einige Notmaßnahmen ergriffen, um die Erreichbarkeit der Institute und Stationen wieder einigermaßen zu ermöglichen. Nach wie vor aber ist die reguläre Website des Uniklinikums nicht online und kämpft das Krankenhaus mit den Folgen des Cyber-Angriffs.
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Nov 6, 2023 • 31min

Wie sehen die Krankenkassen die Ambulantisierung, Dr. Leber?

Der Abteilungsleiter Krankenhaus beim GKV-Spitzenverband über sektorengleiche Vergütung Wir haben in Deutschland mindestens zwei Millionen Krankenhausfälle, die genauso gut ambulant versorgt werden könnten, Deutschland hinkt bei der Ambulantisierung von Leistungen hinterher, und es ist höchste Zeit, dass sich etwas ändert: Dr. Wulf-Dietrich Leber, Abteilungsleiter Krankenhaus beim GKV-Spitzenverband, redet gleich zu Beginn des „ÄrzteTag“-Podcasts Klartext. Die Krankenkassen wollen, dass mehr Leistungen, bei denen das möglich wäre, ambulantisiert werden. Bei den Zielen sind sie sich damit einig mit den niedergelassenen Ärzten und dem Bundesgesundheitsministerium (BMG), das den Referentenentwurf für die Verordnung zur sektorengleichen Vergütung (Hybrid-DRG-V) vorgelegt hat. Der Weg zu dem Ziel ist allerdings umstritten. Leber erläutert im Gespräch die Befürchtung, dass der Paragraf 115f, der die Basis für eine sektorengleiche Vergütung gelegt hat, dazu verlocken könnte, Leistungen ambulant zu erbringen, aber dass dann dennoch stationär kassiert werden könnte. 115f oder 115b? Er regt an, statt der Leistungen nach Paragraf 115f, für die das BMG mit dem Referentenentwurf einen Startkatalog vorgelegt hat, die ambulanten Operationen nach Paragraf 115b stärker ins Auge zu fassen. Dieser hatte bereits vor mehr als 20 Jahren Krankenhäusern die Möglichkeit gegeben, bestimmte Leistungen auch ambulant zu erbringen. Entscheidend sei zu differenzieren, bei welchen Leistungen „ein Bett“ benötigt wird und bei welchen nicht. Im Podcast geht der Kassenvertreter auf die Probleme bei der Kalkulation der neuen Hybrid-DRG ein und beschreibt die Grenzen des Referentenentwurfs zur sektorengleichen Vergütung: Er sei zu spät und in zu vielen Teilen gehe er über „Überschriften“ kaum hinaus. Kritik übt Leber auch an der Möglichkeit, bei Leistungen nach Paragraf 115f alternativ zur Hybrid-DRG nach EBM abzurechnen. Das sei für ihn fast wie eine Meistbegünstigungsklausel: Die Fallpauschale sei höher bewertet als der EBM, aber wenn man mit den Sachkosten nicht so gut hinkomme, dann könne auch der EBM genutzt werden. Leber geht im Podcast auch darauf ein, ob die über den Verordnungsentwurf festgelegt Höhe der Vergütung adäquat ist, beschreibt das Procedere, wie in Zukunft weitere Leistungen inkludiert werden sollen und warum das nicht ganz so schnell gehen kann, wie es sich manche vielleicht erhoffen. Auch spricht er über die Erwartungen der niedergelassenen Ärzte an die Ambulantisierung und wägt sie ab mit den Chancen der Krankenhäuser, stärker in den ambulanten Bereich vorzustoßen. Nicht zuletzt nennt er einen Grund, warum es dieses Mal mit der Ambulantisierung wirklich vorangehen könnte, nachdem Deutschland so viele Jahre in diesem Bereich nicht vorangekommen ist.

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