ÄrzteTag

Ärzte Zeitung
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Mar 27, 2024 • 21min

Im Schlaf ein Rauschen anhören – wie stärkt das das Herz, Professor Schmied?

Ein Kardiologe zur auditiven Stimulation im Schlaf Verschiedene Geräusche wirken sich unterschiedlich auf den Schlaf aus. Während Straßenlärm einen negativen Einfluss auf die Schlafqualität hat, sorgt sogenannte „Pink Noise“ – ein Rauschen – für eine bessere Erholung. Welchen Effekt „Pink Noise“ auf das Herzen hat, untersuchte ein interdisziplinäres Forschungsteam des Universitätsspitals Zürich und der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Dazu spielte das Team den Probanden immer dann das Rauschen vor, wenn sie sich in der Tiefschlafphase befanden (Eur Heart J 2023, online 5. Oktober). Die Tiefschlafphase wurde durch die Intervention verstärkt und der Schaf stabiler gemacht, sagt Professor Christian Schmied vom Universitätsspital Zürich im „ÄrzteTag“-Podcast. Er betreute die Studienteilnehmer von kardiologischer Seite aus und beobachtete: Die systolische Funktion und einzelne Parameter der diastolischen Funktion hatten sich in den Nächten mit „Pink Noise“ verbessert. Im „ÄrzteTag“-Podcast beantwortet Christian Schmied, ob wir uns also alle präventiv nachts „Pink Noise“ anhören sollten. Zudem appelliert er an jede und jeden, das eigene Schlafverhalten zu hinterfragen und mehr auf eine angemessene Regenerationszeit zu achten.
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Mar 19, 2024 • 29min

Re-Budgetierung – wissen Sie schon, welche Kolleginnen und Kollegen es trifft, Dr. Bublitz?

Die Vorsitzende des Hausärzteverbands Baden-Württemberg über die Wiedereinführung der Budgetierung Hausärztliche Versorgung im Krankenhaus, geplant über den Referentenentwurf zur Krankenhausreform, und neue Budgetierung in Baden-Württemberg, weil die Rücklagen verbraucht sind: Für Hausärztinnen und Hausärzte könnte es zurzeit besser laufen in der Gesundheitspolitik. Nach dem Hausärztetag in Baden-Württemberg nimmt Dr. Susanne Bublitz, Co-Landesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Baden-Württemberg, im „ÄrzteTag“-Podcast Stellung zur aktuellen Entwicklung. Konkrete Zahlen dazu, wie sich die zum vierten Quartal 2023 wieder wirkende Budgetierung auf einzelne Praxen auswirken könnte, lägen dem Verband noch nicht vor, berichtet Bublitz im Gespräch. Allerdings habe die KV Baden-Württemberg darauf hingewiesen, dass in alten Honorarbescheiden im RLV-Zuweisungsbescheid nachgeschaut werden könne, wie stark das RLV überschritten worden sei. Bislang seien diese Überschreitungen aus den Rücklagen ausgeglichen worden, jetzt sei dies nicht mehr möglich. Sie habe mit einer Kollegin gesprochen, die sich ausgerechnet habe, wie stark ihre Praxis betroffen sein werde, wenn die Entbudgetierung, die Gesundheitsminister Lauterbach versprochen hat, zum 1. Januar 2025 greift. In den fünf Quartalen könnte dann insgesamt ein sechsstelliger Betrag auf dem Spiel stehen – jedenfalls in dieser einen Praxis, berichtet die Landeschefin des Verbands. Genaueres werde Mitte April zu erfahren sein, wenn die Bescheide von der KV verschickt werden. Höher bewertete Gesprächsleistungen und mehr abgerechnete Chronikerpauschalen sollen dafür verantwortlich sein, dass die Rücklagen nun aufgezehrt sind, hatte die KV berichtet. Dennoch blieben Fragen offen, warum trotz 966 nicht besetzter Hausarztsitze der hausärztliche Topf nicht für die Kolleginnen und Kollegen reiche, so Bublitz im Podcast. Klärung erhofft sich der Verband von der Sondervertreterversammlung, die im April stattfinden wird. Im Gespräch geht Bublitz auch darauf ein, warum ihr Verband trotz der Notlage das Gesamtpaket aus Entbudgetierung und Neuordnung der EBM-Pauschalen zu den Kontaktfrequenzen abwarten will – und nicht eine beschleunigte Entbudgetierung mit späterer gesetzlicher Vorgabe zur Änderung des EBM vorzieht. Ein Angebot hausärztlicher Versorgung in Kliniken, wie es der Referentenentwurf zur Krankenhausreform vorsieht, beurteilt wie der Bundesverband auch der Landesverband Baden-Württemberg mit Sorge. Bublitz fürchtet eine teure Überdiagnostik, weil Klinikärzte es gar nicht anders kennen. Sie nennt im Podcast auch weitere Gründe, warum ein hausärztliches Angebot in Krankenhäusern kontraproduktiv wäre.
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Mar 15, 2024 • 60min

Wann ziehen Haus- und Fachärzte endlich an einem Strang, Dr. Heinrich?

Der SpiFa-Vorsitzende steht beim Fachärztetag vor Publikum Rede und Antwort. Ein „ÄrzteTag“-Podcast einmal ganz anders: Am Ende des 10. SpiFa-Fachärztetages am Freitag stellte sich Dr. Dirk Heinrich, Vorsitzender des Spitzenverbands Fachärzte Deutschlands, den Fragen der Ärzte Zeitung – vor Publikum vor Ort in Berlin. Die Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung konnten sich einbringen und selbst Fragen stellen. Nachzuhören in dieser besonderen Folge des „ÄrzteTag vor Ort“-Podcasts. Der Bundesvorsitzende des Spitzenverbands äußert sich zur Rivalität von Hausärzten und Fachärzten und erläutert, was er von der Ampel-Koalition bis zum Ende der Legislaturperiode erwartet und wie die Fachärzte in der politischen Großwetterlage ihre Position halten können.
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Mar 14, 2024 • 28min

Wie groß ist der medizinisch-ökonomische Fußabdruck der Fachärzte, Herr Schneider?

SpiFa-Hauptgeschäftsführer zur Rolle der ambulanten Facharztmedizin Medizin nur als Kostenfaktor? Das wird der Sache nicht gerecht, sagt Robert Schneider, Hauptgeschäftsführer des Spitzenverbands Fachärzte Deutschlands (SpiFa) im „ÄrzteTag“-Podcast. Schneider ist auch Ko-Autor einer Studie zum medizinisch-ökonomischen Fußabdruck der ambulanten Facharztmedizin in Deutschland. Die Arbeit stellt wichtige ökonomische Kennzahlen der Gesundheitswirtschaft in Zusammenhang mit denen aus der medizinischen Versorgung. So wird auf Basis von Zahlen aus dem Bundeswirtschaftsministerium gezeigt, dass für jeden Euro, der in die Gesundheitswirtschaft fließt, über einen Multiplikatoreffekt gut 70 Cent weitere Wertschöpfung entstehen. Insgesamt führt das zu einem ökonomischen Fußabdruck der Gesundheitswirtschaft von insgesamt rund 775 Milliarden Euro, gut ein Drittel davon geht auf die medizinische Versorgung zurück. Schneider erklärt im Podcast, wie dieser Effekt zustande kommt und warum das ein Argument dagegen sein könnte, im Gesundheitswesen die Sparschraube immer weiter anzuziehen. Schneider erläutert außerdem, welchen Impact die Fachärzte als Teil der Gesundheitswirtschaft für die Volkswirtschaft haben und welche Rolle sie in der medizinischen Versorgung spielen. Nicht zuletzt führt er aus, wie eine Entbudgetierung helfen könnte, die ambulante medizinische Versorgung zu stärken.
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Mar 13, 2024 • 33min

Wie kommen Belegärzte mit den Hybrid-DRG zurecht, Dr. van Rhee?

Das BdB-Vorstandsmitglied im Gespräch über Abrechnungsprobleme Kommt mit der Einigung zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen zur Umsetzung der Abrechnung der speziellen sektorengleichen Vergütung nun Schwung in die Umsetzung der Hybrid-DRG? Zumindest ermöglicht die Einigung abrechnenden Operateuren, bei der Abrechnung gewohnte Wege zu gehen – mit der Eingabe von EBM-Positionen und dem Versand der Abrechnung an die KV der Region, sagt Orthopäde und Belegarzt Dr. Ryszard van Rhee im „ÄrzteTag“-Podcast. Das Vorstandsmitglied im Bundesverband der Belegärzte und Belegkrankenhäuser benennt im Gespräch aber auch die weiter bestehenden Probleme bei der Abrechnung der Hybrid-DRG, zum Beispiel die Ergänzung der Praxissoftware um einen Grouper zur Bestimmung der korrekten DRG. Außerdem müssen sich operierende Ärztinnen und Ärzte, Anästhesisten und – falls involviert – auch Krankenhäuser darüber einigen, wer die Leistungen gegenüber der Krankenkasse abrechnet und wie die Honorare unter den Beteiligten aufgeteilt werden. Im Gespräch beschreibt der Belegarzt, wie die Akteure zu einer Einigung kommen können. Belegärztinnen und Belegärzte, so van Rhee, seien letztlich prädestiniert für die neuen Hybrid-DRG, weil sie ohnehin an der Schnittstelle ambulant-stationär unterwegs seien und ihre Patienten von der Diagnose bis zur Op und zur Nachsorge begleiten. Er erwartet, dass Hybrid-DRG, wenn sie denn vor Ende der Legislaturperiode „mit Leben gefüllt werden“, künftig eine größere Rolle spielen als dies beispielsweise bei der Einführung der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) der Fall gewesen sei. Nötig seien dafür aber auch Rahmenbedingungen, die dazu motivieren, in das neue Versorgungsmodell einzusteigen. Kritik übt der Orthopäde vor allem daran, dass die Materialkosten in die Hybrid-DRG inkludiert sind. Die Gefahr sei, dass dann auf Kosten der Qualität gespart werde, so van Rhee. Wenn allein die Platte für eine Arthrodesenversteifung 400 Euro koste, „dann werden Op-Zentren-Betreiber, Operateur und Anästhesist nicht satt, wenn die Hybrid-DRG bei gut 900 Euro liegt“, so seine Einschätzung. Die Versuchung sei dann, mit zwei Schrauben statt mit einer Platte zu arbeiten – was letztlich zu einer schlechteren Versorgung führen könnte.
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Mar 11, 2024 • 33min

Brauchen iMVZ mehr Kontrolle, damit sie nicht nur Rosinen picken, Herr Dr. Müller?

Der ALM-Chef über das Reizthema Investoren und Arztpraxen Wie lassen sich schwarze Schafe unter Betreibern investoren-getragener Medizinischer Versorgungszentren (iMVZ) finden? Unter anderem mit dieser Frage beschäftigt sich ein aktuelles Gutachten, das die Verbände Akkreditierte Labore in der Medizin ALM e. V. und der Bundesverband der Betreiber medizinischer Versorgungszentren (BBMV) am Montag (11. März) vorgelegt haben. Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Laborarzt und ALM-Vorstandsvorsitzender Dr. Michael Müller die Zielrichtung des Gutachtens: den Nachweis zu erbringen, dass gesetzliche Änderungen nicht nötig sind, um einen möglichen Missbrauch von Abrechnungsregeln und Rosinenpickerei durch iMVZ zu verhindern. Hintergrund sind Ankündigungen von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), iMVZ stärker zu regulieren. Diese Ankündigungen haben bislang aber noch nicht Eingang in einen Gesetzentwurf gefunden. Das Gutachten, so Müller im Podcast, zeige, dass es möglich sei, Transparenz über das Abrechnungsgeschehen zu bekommen, wenn Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) nur das vorhandene Instrumentarium der Wirtschaftlichkeits- und Plausibilitätsprüfungen nutzten – zum Beispiel über den Vergleich von Fallwerten oder über die Entwicklung der Häufigkeitsverteilung bestimmter Gebührenordnungspositionen (GOP) nach Übernahme eines MVZ durch einen Investor. Sein Credo: „Evidenz hilft“ – um die Debatte zu vertiefen und Vorurteile gegen Investoren zu entkräften. Müller bekräftigt sogar die Forderung, dass die Gründung von MVZ wieder stärker dereguliert werden und der Kauf einer Klinik für nicht-ärztliche Betreiber als Bedingung für eine MVZ-Gründung gestrichen werden müsste. Zur Wehr setzt sich Müller auch gegen „pauschale Vorwürfe“ gegen investoren-getragene MVZ, diese würden in der Abrechnung von Privatleistungen ohne Kontrolle durch die KVen häufig nicht korrekt vorgehen. Hintergrund sind Vorwürfe gegen einen Betreiber eines augenärztlichen MVZ, angestellte Ärztinnen und Ärzte angestiftet zu haben, möglichst häufig den Höchstsatz anzusetzen und auch bestimmte Leistungen, die eigentlich pauschal abgegolten sind, einzeln abzurechnen. Ärztinnen und Ärzte hätten hier offensichtlich Störgefühle und hätten entsprechend reagiert und so erst mögliche Beugungen der Abrechnungsregeln bekannt gemacht, betont Müller im Gespräch mit Blick auf einen Bericht im ARD-Magazin „Panorama“. Hinzu komme nicht zuletzt, dass die „Ärzteschaft unter Druck“ sei bei der Abrechnung über die veraltete GOÄ. Am Ende seien Ärztinnen und Ärzte dem Gemeinwohl verpflichtet – egal, ob sie als Selbstständige oder als Angestellte in einem iMVZ arbeiten.
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Mar 4, 2024 • 21min

Schließt das Digitalgesetz die Versorgungslücken in der Psychotherapie, Frau Dr. Beintner und Herr Büchtmann?

Chancen und Grenzen digitaler Lösungen für die Psychotherapie angesichts neuer gesetzlicher Rahmenbedingungen Das Digitalgesetz ist beschlossen, und es wirkt sich auf viele Bereiche des Gesundheitswesens aus, nicht zuletzt auf die Möglichkeiten für Psychotherapeuten, aber auch für Anbieter Digitaler Gesundheitsleistungen. Besonders wichtig für Psychotherapeuten ist der Wegfall der Mengenbegrenzung von Videosprechstunden, die bislang noch bei 30 Prozent „je berechneter Gebührenordnungsposition je Vertragsarzt und Quartal“ liegt. Der Gesetzgeber hat allerdings noch der KBV und dem GKV-Spitzenverband die Aufgabe gegeben, „Ausführungsbestimmungen“ für die Umsetzung festzulegen. Im „ÄrzteTag“-Podcast sprechen Dr. Ina Beintner und Markus Büchtmann vom Unternehmen MindDoc, das sowohl Videosprechstunden als auch neuerdings eine Digitale Gesundheitsanwendung für Menschen mit depressiven Störungen anbietet, über die Chancen und die Grenzen digitaler Lösungen für die Psychotherapie angesichts der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen. So hebt Dr. Ina Beintner, Chief Science and Clinical Officer des Tochterunternehmens der Schön Kliniken, den „Fortschritt“ hervor, um die „riesigen Versorgungslücken“ in der Psychotherapie zu schließen. So könnten DiGA, die ja immer „in der Hosentasche“ mit dabei seien, durch eine Nutzung bei Bedarf sehr gut dabei helfen, neue Verhaltensweisen einzuüben. In einer gesprächsbasierten Psychotherapie gebe es dagegen nur die vorgegebenen Termine. Deshalb gebe es auch so viele DiGA für den Indikationsbereich der Psychotherapie – sei es mit festen Kursen, variablen Kursbestandteilen oder auch ganz eng in der Therapiebegleitung. Der Übergang zur Psychotherapie sollte dann erfolgen, wenn eine Patientin oder ein Patient mit der DiGA nicht weiterkomme – „in einer idealen Welt“, wie Beintner angesichts der Versorgungslücken im Gespräch betont. Markus Büchtmann, Geschäftsführer von MindDoc, erläutert, warum er einen echten Fortschritt beim Schließen der Versorgungslücken ausschließlich in einem ortsungebundenen Szenario sieht. Der Anbieter hat diese Möglichkeiten durch Selektivverträge mit einigen Krankenkassen bereits vor dem Inkrafttreten des Digitalgesetzes realisiert. Im Podcast nehmen Büchtmann und Beintner auch Stellung dazu, wie eine Software, ein Algorithmus tatsächlich helfen kann, welche Möglichkeiten in Zukunft durch noch stärkeren Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Psychotherapie entstehen könnten und inwieweit Psychotherapeutinnen und -therapeuten am Ende durch solche Programme ersetzt werden könnten. Auch die neuen Möglichkeiten, probatorische Sitzungen ebenfalls per Videosprechstunde zu machen, kommen im Podcast zur Sprache.
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Feb 20, 2024 • 37min

Welche sind die drei Herausforderung der Onkologie, Dr. Johannes Bruns?

Zum Start des 36. Deutschen Krebskongresses 2024 In der Fachrichtung Onkologie und Hämatologie gibt es ständige Veränderungen, möglicherweise mehr als in vielen anderen Fachgebieten. Der 36. Deutsche Krebskongress ist daher mit über 300 Sitzungen vollgepackt. Doch nicht nur in Bezug auf Moleküle, Medizin und Pflege gibt es viel Neues, auch die Struktur der onkologischen Versorgung wandelt sich. In dieser Episode des „ÄrzteTag“-Podcasts spricht Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), über drei große Herausforderungen für das Fach. Die erste Herausforderung sind die neuen Modellvorhaben zur genomischen Medizin gemäß Paragraf 64e SGB V, die in diesem Jahr starten sollen. Bruns bezeichnet sie als „ein völlig neues Produkt in der Gesundheitsversorgung“. Diese geplanten Zentren, für die sich Klinikabteilungen bewerben können, bezeichnet er als „Vision, die wir schon immer hatten“. Denn in der Onkologie sollte „nicht jeder alles machen, insbesondere bei Hightech-Technologien“. Durch diese Modellvorhaben besteht die Chance, „ausgewählten qualifizierten Leistungserbringern das Recht zu geben, bestimmte Leistungen finanziert zu bekommen“. Gleichzeitig haben diese Zentren die Verpflichtung, sich in das übrige Versorgungsnetzwerk einzubinden, um „den Nutzen für alle möglichen Patienten“ anzubieten. Damit greifen diese Vorhaben einen wesentlichen Punkt der noch ausstehenden Krankenhausreform auf, nämlich die Bündelung von Leistungsangeboten dort, wo sie mit hoher Qualität erbracht werden können. „In der Onkologie haben wir bereits seit vielen Jahren zertifizierte Zentren, Netzwerke und eine integrierte sektorenübergreifende Versorgung“, sagt Bruns. „Wir hoffen immer noch, dass die derzeitigen gesetzgeberischen Veränderungen den Versorgungsprozess an der Patient Journey ausrichten und nicht nur einfach Strukturen und Finanzierungen neu regeln“, fügt Bruns mit kritischem Unterton zu den aktuellen Verhandlungen zwischen Bund und Bundesländern hinzu. Für den Generalsekretär der DKG sind die Netzwerke nicht nur Versorgungselemente, sondern auch „eine echte Chance, um aus der Versorgung besser lernen zu können“. In der Nationalen Dekade gegen Krebs (NDK) ist die Wissen generierende Versorgung bereits angelegt, ebenso wie das Thema Survivorship. Bruns spricht von einer „Übersetzung in beide Richtungen“, die in Zukunft noch besser gestaltet werden muss. „Denn wir müssen noch mehr darüber erfahren, wie unsere Versorgung aussieht, um besser daraus lernen zu können.“
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Feb 13, 2024 • 28min

Ist die ePA schon bereit für den Praxisalltag, Frau Dr. Spöhrer?

Sprecherin der AG Digitales des DHÄV über die Digitalisierung in den Praxen Anfang Februar hat der Bundesrat das Digitalgesetz und das Gesundheitsdatennutzungsgesetz ohne Änderungen beschlossen, nun fehlen nur noch die Unterschrift des Bundespräsidenten und die Veröffentlichung im Bundesanzeiger, dann treten die neuen Regelungen in Kraft. Umsetzung der elektronischen Patientenakte (ePA), Videosprechstunde, Interoperabilität, Digitale Gesundheitsanwendungen, Digitalisierung des DMP Diabetes Mellitus: Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Dr. Kristina Spöhrer, Sprecherin der AG Digitales des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands (DHÄV), an welchen Stellen sich Änderungen ergeben und wie sich Praxen darauf vorbereiten können. So sieht Spöhrer, die auch Mitglied des DHÄV-Vorstandes ist, bei der ePA noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Wenn sie einen Patienten oder eine Patientin, die bereits eine ePA hat, einbestelle, dann immer ans Ende der Sprechstunde, beschreibt die Fachärztin für Allgemeinmedizin ihren Umgang mit der ePA. Der Grund: Der Umgang mit den ePA-Daten dauere seine Zeit. Wenn dieser nächste Schritt der Digitalisierung ein Erfolg werden solle, dann müssten gematik und Hersteller von Praxisverwaltungssystemen noch „gründlich arbeiten“, so Spöhrer. Grundsätzlich begrüße der DHÄV die ePA, aber „wir brauchen für den Alltag ePA-Ladezeiten unter drei Sekunden“. Beim E-Rezept hätten sie in ihrer Praxis das Glück gehabt, dass kurz vor dem Jahreswechsel ein Update des PVS die Geschwindigkeit bei der digitalen Signatur nochmals deutlich verbessert habe. Nun sei sie „ziemlich angetan“ von der Lösung – es gebe allerdings immer noch Rückmeldungen von Kolleginnen und Kollegen, dass der Umgang mit dem E-Rezept keineswegs „holperfrei“ laufe, so Spöhrer. Der große Aufwand in allen Praxen sei allerdings jetzt, dass die Patientinnen und Patienten über den neuen Ablauf aufgeklärt werden müssten, das sei in der aktuellen Infektwelle eine große Herausforderung. Insgesamt seien die Gesetze durchaus ein Schritt in die richtige Richtung, allein weil die Digitalisierung „Teil unseres Lebens“ werde. Digitalisierung allein, etwa die Einrichtung von Videosprechstunden, reiche allerdings nicht, sie brauche immer die Einbettung in ein gutes Versorgungskonzept, zum Beispiel bei Bedarf die Möglichkeit der Weiterbehandlung vor Ort in der Praxis. An dieser Stelle sei der Bewertungsausschuss bei der Ausgestaltung der Regelungen noch gefragt, so Spöhrer.
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Feb 9, 2024 • 25min

Warum müssen Digitale Gesundheitsanwendungen so viel Geld kosten, Frau Dr. Geier?

Die SVDGV-Geschäftsführerin über DiGA 55 zugelassene Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), 370.000 Freischaltungen für Kassenpatienten, hohe Verordnungszahlen vor allem in den großen Indikationen wie Diabetes, aber auch dort, wo Versorgungslücken bestehen, etwa bei Endometriose. Im „ÄrzteTag“-Podcast beschreibt Dr. Anne Sophie Geier, Geschäftsführerin des Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung (SVDGV), wie die DiGA „peu à peu“ in der Versorgung angekommen sind, seit sie über das Digitale Versorgung Gesetz noch unter Gesundheitsminister Jens Spahn eingeführt wurden. Seit Jahresanfang hat es einige Publikationen zu DiGA gegeben, die sehr unterschiedlich ausgerichtet waren: Die DiGA-Reports des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen und des SVDGV sowie eine Umfrage der Stiftung Gesundheit, die zeigte, dass mittlerweile jeder zweite Hausarzt zumindest gelegentlich DiGA verordnet. Vor allem Kritik kam vom Spitzenverband der Krankenkassen, weil DiGA zu teuer seien und weil nur jede fünfte DiGA direkt einen nachweisbaren therapeutischen Nutzen habe. Solche tendenziösen Aussagen ärgern Anne Sophie Geier, denn tatsächlich habe etwa die Hälfte der zugelassenen DiGA den Nutzennachweis erbracht, die andere Hälfte sei noch im Erprobungsjahr, nach dessen Ende in einer randomisierten, kontrollierten Studie der Nutzen und ein „positiver Versorgungseffekt“ nachgewiesen sein müssten. Letzteres betrifft zum Beispiel eine Verbesserung der Adhärenz durch die digitale Therapiebegleitung. Die meisten DiGA, so Geier, überspringen diese Hürde, nur wenige Anbieter würden mit ihrer Anwendung nach der Erprobungsphase nicht dauerhaft zugelassen. Das Erprobungsjahr, so Geier, sei ein entscheidender Erfolgsfaktor für die DiGA, betont Geier im Podcast. Bei der „kleinen Schwester“ der DiGA, den Digitalen Pflegeanwendungen, gebe es kein solches Erprobungsjahr. Die Folge: Bisher sei noch keine einzige Anwendung zugelassen. Im Gespräch erläutert Geier den Aufwand, den Hersteller betreiben müssen, um die Zulassung zu erreichen – das sei auch ein Grund für die Preise im mittleren dreistelligen Euro-Bereich für die Nutzung einer Gesundheits-App über ein Quartal hinweg. Auch Geier sieht ein Missverhältnis darin, dass die Verlaufskontrolle durch betreuende Ärztinnen und Ärzte vergleichsweise niedrig bewertet ist, in der Regel liegt die Vergütung über den EBM bei 7,50 Euro im Behandlungsfall. „Ärzte könnten hier viel lauter sein“, meint die Geschäftsführerin des SVDGV. Nicht zuletzt erläutert Anne Sophie Geier die Änderungen, die jetzt nach Verabschiedung des Digitalgesetzes auf Patienten, Krankenkassen, Ärzte und Anbieter zukommen: unter anderem DiGA in weiteren Risikoklassen, Nutzung von DiGA in DMP sowie anwendungsbegleitende Erfolgsmessungen.

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