ÄrzteTag

Ärzte Zeitung
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Apr 23, 2024 • 22min

Was steckt hinter dem Alice-im-Wunderland-Syndrom, Dr. Jürgens?

Tipps für die Praxis zu diesem kuriosen Phänomen Eine 39-jährige Frau klagt über wiederkehrende Anfälle, bei denen sie das Gefühl hat, ihr Körper werde immer größer, bis er den ganzen Raum einzunehmen scheint. Manchmal hat sie auch das Gefühl, dass sie kleiner wird und völlig zusammenschrumpft. Was zunächst vor allem an das Kinderbuch „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll erinnert, spielte sich doch in der Realität ab und zeigt eine Fassade des „Alice-im-Wunderland-Syndroms“ (AIWS). Welche Symptome beim AIWS noch auftreten können, woher diese kommen und wie Ärztinnen und Ärzte ihren Patientinnen und Patienten helfen können, erklärt PD Dr. Tim Jürgens im „ÄrzteTag“-Podcast. Er ist Chefarzt der Klinik für Neurologie am KMG Klinikum Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern und Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Jürgens hat zum Alice-im-Wunderland-Syndrom bei Migräne-Patienten geforscht. Im Podcast erzählt er von einem Fallbericht (J Neurol Neurosurg Psychiatry 2011; 82(2):228-9) und eine Studie, an der er mitgewirkt hat (Neurology 2014; 82(16):1416-24).
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Apr 18, 2024 • 46min

Warum gibt es nur 90 neue OPS-Codes auf der Hybrid-DRG-Liste, Dr. Weinhart?

Der stellvertretende SpiFa-Chef zur Abrechnung In diesem Jahr muss Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) für die Erweiterung des Hybrid-DRG-Katalogs voraussichtlich keine eigene Verordnung erlassen. In diesem Jahr haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) in dreiseitigen Verhandlungen kurz vor Fristablauf auf 90 neue OPS-Codes auf der Hybrid-DRG-Liste geeinigt. Nur noch genehmigen muss das Bundesgesundheitsministerium diese Liste. Da es der erste Beschluss der Selbstverwaltung dieser Art ist, gibt es keine Präzedenzfälle. Die neuen Hybrid-DRG werden dann voraussichtlich vom Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus und vom Institut des Bewertungsausschusses noch kalkuliert und treten dann Anfang 2025 in Kraft. Dr. Helmut Weinhart hat die Diskussion um die Ambulantisierung und die Hybrid-DRG von Anfang an begleitet. Der Orthopäde und stellvertretende Vorsitzende des Spitzenverbands Fachärzte Deutschlands (SpiFa) erläutert im „ÄrzteTag“-Podcast, mit welchen Rahmenbedingungen sich die Verhandlungspartner herumschlagen mussten: So mussten die neuen Op-Indikationen für Hybrid-DRG aus Leistungen genommen werden, bei denen nur ein Tag Liegezeit im Krankenhaus vorgesehen ist. Außerdem sollten keine Leistungen genommen werden, die bereits zu großen Teilen ambulant erbracht werden, um Mitnahmeeffekte zu vermeiden. „Das ist vor allem für HNO-Ärzte enttäuschend“, so Weinhart. Diese hätten auf ein besseres Honorar vor allem für die Mandel-Operationen gehofft. Von den mehrere Tausend OPS-Codes umfassenden Vorschlägen der Fachärzte für ambulantisierbare Leistungen, auch bei Liegezeiten von zwei bis drei Tagen, ist die beschlossene Liste jedenfalls weit entfernt. Weinhart diskutiert auch die bisherigen Schwächen der Hybrid-DRG-Verordnung, die teilweise gleiche Vergütungen vorsehe bei unterschiedlichem Aufwand und auch deutlich divergierenden Sachkosten – und erklärt wie die Selbstverwaltung hier vorgehen will. Auch zur Abrechnung äußert sich der Orthopäde. Die sich nun bildenden Op-Teams aus operierenden Ärzten, Anästhesisten und Krankenhäusern müssten sich untereinander auf eine Aufteilung des Honorars einigen, abhängig von den Konstellationen, etwa wem das OP-Zentrum gehört, wer das Personal stellt und wer die Sachkosten trägt. Bei der Abrechnung der Hybrid-DRG sei ebenfalls noch vieles im Fluss, beschreibt Weinhart die Lage. KBV und Krankenkassen hätten sich bekanntlich auf einen Abrechnungsweg geeinigt, aber auch über Dienstleister oder direkt mit den Krankenkassen können die Op-Teams abrechnen. Der Vergleich der Kostensätze könnte sich also lohnen. (Länge: 45:47 Minuten)
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Apr 12, 2024 • 33min

Warum ist die „Junge DGIM“ auch noch für Ärzte mit 40 Jahren zuständig, Frau Brägelmann?

Die angehende Endokrinologin spricht über die Aufgaben der „Jungen DGIM“ Der Weg der fachärztlichen Weiterbildung ist manchmal sehr weit. Die sechs Jahre bis zum Internisten oder zur Internistin mit Schwerpunktbezeichnung können manchmal lang werden, wenn auch noch eine Babypause oder Elternzeit oder Teilzeitabschnitte dazukommen. Das ist auch der Grund dafür, warum die Arbeitsgruppe „Junge DGIM“ sich als zuständig für Ärztinnen und Ärzte bis 40 Jahre ansieht, berichtet Dr. Johanna Brägelmann, angehende Endokrinologin von der Universitätsmedizin Essen, im „ÄrzteTag“-Podcast. Brägelmann engagiert sich in der Arbeitsgruppe für junge Internistinnen und Internisten, die beim 130. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) mit eigenen Programmpunkten aufwartet und jungen Ärztinnen und Ärzten auf dem Kongress auch Kontaktpunkt sein will für die weitere Karriereplanung und für die Lösung beruflicher Probleme. Der Kongress beginnt am Samstag (13. April) in Wiesbaden. Die angehende Fachärztin sieht durchaus Vorteile für Ärztinnen und Ärzte in Deutschland im Vergleich zu Kolleginnen und Kollegen im Ausland, wenn es um die Möglichkeiten geht, Elternzeit zu nehmen. Es hätten sich manche Bedingungen in der Weiterbildung auch verbessert, auch wenn überall Personalengpässe die Arbeit verdichten, sagt sie. Brägelmann spricht im Podcast aber auch Probleme an, zum Beispiel die überwiegend immer noch unzureichende Bezahlung im Praktischen Jahr. Nicht zuletzt geht es im Gespräch um die Entscheidungen in den ersten Berufsjahren: Internistische Hausärztin oder Fachärztin, Klinik oder Praxis, Einzelpraxis oder Kooperation, und um die Rolle, die die Lehrstühle dabei spielen und wie die „Junge DGIM“ Kolleginnen und Kollegen bei diesen Entscheidungen unterstützen kann.
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Apr 11, 2024 • 18min

Kommt die rasante Entwicklung der IT jetzt auch im Gesundheitswesen an, Herr Meierhofer?

Der bvitg-Chef über Digitalisierung Mehr Aussteller, rund 20 Prozent mehr Besucher: Die Gesundheits-IT-Messe DMEA (Digital Medical Expertise and Applications) geht am Donnerstag (11. April) zu Ende und nach Auskunft des ausrichtenden Verbands ist die Dynamik der Veranstaltung auch zwei Jahre nach Ende der Pandemie ungebrochen. Das hat auch mit der Entwicklung der Branche aufgrund der politischen Vorgaben aus dem Digitalgesetz und dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz zu tun. Im „ÄrzteTag“-Podcast nimmt der Vorsitzende des ausrichtenden Bundesverbands Gesundheits-IT (bvitg) Matthias Meierhofer Stellung zu den Anforderungen aus der Politik und der Rolle der Industrie, Innovationen voranzutreiben. Auch die Rolle der Messe als gemeinsame Plattform für Politiker, Industrie, Krankenhäuser und, wie Meierhofer sagt, zunehmend auch für Ärztinnen und Ärzte als Anwender, kommt im Podcast zur Sprache. Optimistisch zeigt sich Meierhofer dazu, dass der Einführungstermin der ePA im Januar 2025 eingehalten werden kann, auch wenn nicht gleich alles zu 100 Prozent funktionieren werde. Es gehe ja auch um organisatorische Veränderungen in den Krankenhäusern und in den Praxen, die zunächst zu bewältigen sein würden. Meierhofer sieht große Fortschritte in der Digitalisierung von Krankenhäusern, die durch den Krankenhauszukunftsfonds aktuell gerade erreicht würden und er gibt Einschätzungen dazu ab, wie KI den Praxis- und Klinikalltag in Zukunft verändern könnte.
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Apr 11, 2024 • 40min

Wie hoch müsste die Vorhaltepauschale für Hausärzte sein, Herr Sommerbrodt?

Hessens Hausärztechef über Reformentwürfe Entbudgetierung oder Re-Budgetierung, Krankenhäuser in der Primärversorgung, Vorhaltepauschalen und weitere neue Möglichkeiten der Abrechnung bei chronisch kranken Patienten: Für Hausärztinnen und Hausärzte stehen in den kommenden Monaten möglicherweise einige richtungsweisende Veränderungen an – wenn der Gesetzgeber mitmacht, was der Bundesgesundheitsminister ins Gesetzgebungsverfahren bringt. Und wenn es denn überhaupt ins Gesetzgebungsverfahren kommt. Im „ÄrzteTag“-Podcast gibt Christian Sommerbrodt, Landesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands in Hessen, Einschätzungen dazu ab, was die Änderungen für seine Kolleginnen und Kollegen bedeuten können. Er verweist vor allem darauf, dass die Gesetzesinitiativen „noch nebulös“ seien, weil sie eben noch nicht beschlossen seien. Und er warnt vor verfrühter „Panikmache“, wie sie jetzt in einem Brief von Kassenärztlichen Vereinigungen und in Berechnungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zum Ausdruck kämen. Der Hausarzt aus Wiesbaden erklärt außerdem, warum der Not-HVM aus Hessen die hessischen Hausärzte kaum tangiert und wie der Stand der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) in dem Bundesland ist. Er berichtet auch über die Erfahrungen mit der Strukturpauschale aus Hessen, die dort seit einiger Zeit in unterschiedlicher Höhe ausgezahlt wird, das schwanke zwischen einem und 2,50 Euro pro Patient, so Sommerbrodt. Auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) plant bekanntlich eine Art Vorhaltepauschale für hausärztlich arbeitende Praxen, die unter anderem Hausbesuche erbringen und eine Mindestanzahl an Patienten betreuen. Es werde spannend, aus welchen Mitteln der Minister diese Pauschale speisen könne, so Sommerbrodt weiter, dies könnte am Ende über deren Höhe entscheiden. Im Gespräch geht der Landeschef aus Hessen auf die Absurditäten des aktuellen Versorgungs- und Abrechnungssystems ein und erklärt, wie es gelingen kann, mehr Luft für Patienten zu schaffen, die eine intensivere ärztliche Betreuung benötigen. Auch zu weiteren Teilen der Reformgesetzgebung der Bundesregierung nimmt Sommerbrodt Stellung, zum Beispiel zur Primärversorgung im Krankenhaus, zu Gesundheitskiosken, Primärversorgungszentren, Regionalisierung und zu höheren Bagatellgrenzen bei Regressen. Die Zeiten für die Ärztinnen und Ärzte in der Primärversorgung bleiben spannend.
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Apr 10, 2024 • 23min

Wie Hausärzte Fortbildung jetzt „feiern“

Über BAM, den Bundesfortbildungskongress Allgemeinmedizin In dieser Episode vom „ÄrzteTag“-Podcast dreht sich alles um die ärztliche Fortbildung – und wie man die „feiern“ kann, selbst wenn man auch mal „einen Tubus an den Kopf kriegt“. Immerhin kennt die Musterberufsordnung die Pflicht, „sich in dem Umfange beruflich fortzubilden, wie es zur Erhaltung und Entwicklung der zu ihrer Berufsausübung erforderlichen Fachkenntnisse notwendig ist“. Ruben Bernau, Dr. Sandra Blumenthal und Professor Christoph Heintze, alle drei Fachärzte für Allgemeinmedizin, stellen die wissenschaftliche Leitung des neuen „Bundesfortbildungskongresses Allgemeinmedizin“, kurz BAM. Der findet erstmals am 31.05. und 1.06. in Berlin statt. Warum noch ein Fortbildungskongress für Hausärztinnen und Hausärzte? Ruben Bernau sagt: „Wir wollen Fortbildung zum Anfassen machen.“ Sandra Blumenthal verweist auf innovative Formate: „Es gibt so viele Fortbildungen und so wenig gute.“ Und Christoph Heintze sagt, dass die Verbindung von Forschung, Wissenschaft und Praxis zentral ist, um „evidenzbasierte Medizin“ zu fördern. Der Kongress in Berlin soll Fortbildung interaktiv und praxisnah gestalten. Es geht darum, „dass die Leute wirklich was mitnehmen und am Montag in die Praxis gehen und sagen: Wow, das mache ich heute anders“, so Blumenthal. Ein besonderer Fokus liegt auf der Einbeziehung von Medizinischen Fachangestellten (MFA) und der Nutzung digitaler Tools für mehr Teilnahme und Interaktion. Bei einem Notfallkurs könne auch schon mal ein Tubus „fliegen“. Und im „Updatestrang“ sollen „ganz viele Leuten in Wallung“ gebracht werden. Den BAM-Kongress wollen die drei als Plattform sehen, um die ärztliche Fortbildung neu zu definieren und als Gemeinschaftserlebnis zu zelebrieren, bei dem Vernetzung und Austausch im Mittelpunkt stehen.
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Apr 9, 2024 • 14min

Wird das klappen mit der automatisierten ePA, Frau Ozegowski?

BMG-Abteilungsleiterin Ozegowski zeigt sich optimistisch für eine praxistaugliche ePA Nach dem Digitalgesetz und dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz ist vor dem Digitalagenturgesetz. Darauf hat Dr. Susanne Ozegowski im „ÄrzteTag vor Ort“, direkt bei der Gesundheits-IT-Messe DMEA, hingewiesen. Im Gespräch deutet sie an, dass ein Schwerpunkt im Gesetz sein werde, „die Performanz der Primärsysteme zu steigern“. So werde die dann neu aufgestellte gematik in Zukunft noch klarere Vorgaben geben können, wie die Umsetzung von Anwendungen in den Programmen konkret aussehen soll. Zunächst steht nach ihren Worten aber die Umsetzung der jüngst in Kraft getretenen Gesetze im Vordergrund. So ist Ozegowski trotz der Klagen über den ambitionierten Zeitplan aus der Industrie optimistisch, dass die automatisierte Übernahme der Medikationsdaten aus dem E-Rezept tatsächlich zum Start der ePA für alle im Januar 2025 zu schaffen ist. Ärztinnen und Ärzte dürften die aktuelle ePA auf keinen Fall gleichsetzen mit der zukünftigen mit dem automatisierten Abgleich der Daten. Die Abteilungsleiterin im BMG nimmt auch Stellung zu Fragen, wie die Datenübernahme von einem System in ein anderes verbindlich gestaltet werden kann (Interoperabilität), welche Chancen ältere Primärsysteme in Praxen und Kliniken in der neuen Welt der E-Identitäten und TI 2.0 noch haben und was das Krankenhauszukunftsgesetz mit Zuschüssen von insgesamt 4,3 Milliarden Euro für die Digitalisierung von Kliniken gebracht hat.
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Apr 8, 2024 • 31min

TI-Messenger: Wie komme ich mit meinem Smartphone eigentlich in die TI, Herr Frank?

Welche Möglichkeiten durch die TI-Messenger ergeben und welche Kosten auf Ärzte zukommen Eine neue Anwendung in der Telematikinfrastruktur – ohne Verpflichtung für Ärztinnen und Ärzte, diese auch zu nutzen! Aber mit Chancen für den Praxisalltag? Der TI-Messenger (TIM), ein Messenger-Dienst, der über die Telematikinfrastruktur nutzbar ist, kann ab sofort laufen – nachdem mit Famedly der erste Anbieter von der gematik zertifiziert worden ist. Im „ÄrzteTag“-Podcast erläutert Timo Frank, TIM-Produktmanager bei der gematik, welche Möglichkeiten für Ärzte sich durch die neue Anwendung ergeben, welche Kosten auf Praxen zukommen könnten und welche weiteren Anbieter noch zu erwarten sind. Frank äußert sich zufrieden, dass nicht nur die etablierten Praxis- und Klinik-IT-Unternehmen Angebote für den TI-Messenger entwickelt haben, sondern auch Start-ups wie Famedly. Dadurch ergäben sich neue Ansätze für Innovationen in der Telematikinfrastruktur. An dieser Stelle sieht der TIM-Produktmanager auch tatsächlich Vorteile für das Marktmodell im Vergleich zur Ausschreibung eines einzigen TI-Messengers für das Gesundheitswesen. Smartphones sind in der Regel die Kommunikationsmedien für Messenger-Dienste. Warum das beim TI-Messenger während des Praxisbetriebs nicht so sein wird, erläutert Frank ebenfalls im Podcast. Bei Hausbesuchen könne allerdings durchaus das Smartphone zum Einsatz kommen. Warum ein Arzt, der mit Smartphone unterwegs ist, keinen Konnektor benötigt, um eine Message abzusetzen, kommt ebenfalls im Podcast zur Sprache: Tatsächlich wird die Telematikinfrastruktur zur Authentifizierung und Registrierung der Nutzer benötigt, der Messenger-Dienst selber, so Frank, laufe verschlüsselt über ganz normale Internet-Leitungen. Die Besonderheit der TI-Messenger ist es bekanntlich, dass vom Messenger eines Unternehmens Nachrichten an Nutzer eines TI-Messengers eines anderen Unternehmens geschickt werden können. Diese Interoperabilität wird unter anderem durch einen einheitlichen Verzeichnisdienst – das Telefonbuch mit allen TI-Adressen angeschlossener Leistungserbringer und Kostenträger – ermöglicht. Die Pflege dieses Telefonbuchs sei eine echte Herausforderung, sie sei aber Voraussetzung dafür, dass ein Dienst wie TIM läuft, so Frank weiter.
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Apr 5, 2024 • 26min

Raus aus der Tretmühle Praxis-EDV – wie kann das funktionieren, Herr Gaber?

Hausarzt Sami Gaber will Kollegen von der Last Praxis-EDV befreien Eine voll digitalisierte Praxis als Komplettlösung – mit standardisierter Hardware, Software und standardisierten Praxisprozessen: Mit dieser Idee hat Hausarzt Sami Gaber, der zuvor die Praxis von seinem Vater übernommen und modernisiert hatte, vor gut vier Jahren zusammen mit seinem Weiterbildungsassistenten Dr. Bahman Afzali und der Praxismanagerin Nina Kuhfuß das Unternehmen docport mit Sitz in Essen gegründet. Zwei weitere Gründer kamen dazu, und jetzt hat das Unternehmen mit der PVS Westfalen-Nord einen ersten, ärztlichen Investor gefunden, der die Expansion unterstützt. Mittlerweile arbeiten gut 20 Mitarbeiter für docport. Im „ÄrzteTag“-Podcast berichtet Gaber, wie sich die Idee „Praxis-as-a-Service“ über die vier Jahre seit Unternehmensgründung entwickelt hat. Die Ärztinnen und Ärzte, die den Dienst in Anspruch nehmen, bleiben weiterhin selbstständig, nur die Verwaltungsarbeit – bei Bedarf bis hin zur Abrechnung – werde ihnen und ihrem Team abgenommen. Es bleibe mehr Zeit für Patienten oder auch für Freizeit. 18 Praxen mit zusammen 40 Ärztinnen und Ärzten haben den Service mittlerweile bei docport gebucht, „das ist erst der Anfang“, sagt der Start-up-Gründer im Gespräch. Das Thema Modernisierung der Praxisverwaltungssysteme wird aktuell auch von Gesundheitspolitikern im Bundestag immer wieder aufgegriffen. Im Hintergrund steht die Befürchtung, dass ältere Systeme den Anforderungen in der Telematikinfrastruktur nicht mehr gewachsen sein könnten, etwa wenn die (halb-)automatische Aktualisierung der elektronischen Patientenakte kommt. Im Podcast beschreibt Gaber den Übergang von einem alten System zum neuen, ob Probleme beim Datentransfer zu erwarten sind, welche Kosten entstehen und wie die Praxisteams in Schulungen auf neue Prozesse vorbereitet werden.
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Mar 28, 2024 • 35min

Warum verklagt die Kreisklinik Groß-Gerau das Bundesgesundheitsministerium auf Schadenersatz, Prof. Raab?

Die Geschäftsführerin spricht über Gründe und Aussicht der Klage gegen Lauterbach Die Bundesregierung ist gesetzlich verpflichtet, für eine auskömmliche Krankenhausfinanzierung zu sorgen. Das sagt zumindest Professor Erika Raab im „ÄrzteTag“-Podcast. Diese „auskömmliche Krankenhausfinanzierung“ sei der Hebel für eine Klage auf 1,7 Millionen Euro Schadenersatz gegen Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) als oberstem Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums (BMG). Erhoben hat diese Klage die Kreisklinik Groß-Gerau, deren Geschäftsführerin Raab ist. Das Grundproblem ist für die Juristin klar: „Wenn Sie Brötchen für zwei Euro verkaufen müssen, aber die Kosten fürs Backen liegen bei drei Euro, dann erhöht jedes zusätzlich verkaufte Brötchen den Verlust.“ Für Raab ist dieser Fall in der stationären Versorgung längst eingetreten, wie sie im Gespräch weiter ausführt. Der Landesbasisfallwert gebe gerade ein Plus von 4,32 Prozent her, aber die Energiepreise seien um neun Prozent gestiegen, Medizinprodukte lägen im Preis teilweise zweistellig höher, und auch die Personalkosten seien viel stärker gestiegen als der Fallwert. Die Zahlen habe die Kreisklinik in Groß-Gerau gut im Griff, nachdem das 220-Betten-Haus vor ein paar Jahren erst ein geordnetes Insolvenzverfahren durchlaufen habe. Deshalb könne man auch den Schaden durch aufgelaufene Verluste aufgrund gestiegener Kosten so genau beziffern. Groß-Gerau ist nach den Worten der Klinikmanagerin das erste Haus gewesen, das Klage gegen das BMG erhoben habe, aber mittlerweile bereiteten mehr als 80 Krankenhäuser eine Klage vor, auch größere Häuser, deren Verluste sich auf zweistellige Millionenbeträge beliefen. Im Podcast wendet sich Raab gegen eine „Neiddebatte“, wenn niedergelassene Ärztinnen und Ärzte die hohen Zuschüsse für Krankenhäuser beklagten, während sie selbst keine Förderung bekämen. Tatsächlich liege der Fall bei den Vertragsärzten ähnlich wie in den Krankenhäusern. Auch hier tue sich eine Finanzierungslücke bei den Punktwerten und in der EBM-Struktur auf. Und auch hier könnten Ärztinnen und Ärzte Klagen auf Schadenersatz in Erwägung ziehen. Im Podcast schätzt Raab außerdem die Aussichten für einen Erfolg der Klage des eigenen Hauses ein. Sie erklärt, warum es auch Wettbewerbsklagen von Krankenhäusern gegen einzelne Kommunen gibt, die bei eigenen Häusern Verluste ausgleichen, bei anderen aber nicht. Und nicht zuletzt erläutert sie Modelle, wie eine geordnete Krankenhausplanung auf regionaler Basis aussehen könnte – und inwieweit das Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz dazu einen Beitrag leisten könnte.

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