SWR Kultur lesenswert - Literatur

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May 26, 2024 • 6min

Carlos Fonseca – Ein außergewöhnlicher Schriftsteller aus Costa Rica

Carlos Fonseca kommt aus einem Land, das bei uns nicht gerade für seine Literatur bekannt ist, sondern eher für seine Schönheiten. Dieser 37-jährige Schriftsteller gilt jedoch bereits als „einer der 25 wichtigsten jüngeren Schriftsteller der spanisch-sprachigen Welt“. Dazu hat ihn jedenfalls vor einigen Jahren die einflussreiche, englische Literaturzeitschrift Granta-Magazine erklärt. Ich war also sehr gespannt auf diesen Autor aus einem Land, von dessen literarischen Stimmen sich bei uns bisher keine wirklich eingeprägt hatte. Liegt das nur an der Ignoranz unseres Buchmarktes? – fragte ich ihn. Und Carlos Fonseca begann unser Gespräch mit einem Zitat. Ein costa-ricanischer Kollege, den ich sehr schätze, Carlos Cortés, eröffnete seinen Roman Kreuz des Vergessens mit den ironischen Worten: „Über was soll man in einem Land schreiben, in dem nichts passiert bis zum Big Bang.“ Es ist nun mal so: Anders als in Nachbarländern wie Guatemala oder Nicaragua oder El Salvador, deren Geschichte eine Fülle von Gewalttaten, von politischen und klimatischen Katastrophen charakterisiert, kennzeichnet Costa Rica ein fortgesetzter Frieden. Deshalb dürfte unsere Literatur weniger sichtbar geworden sein als die der anderen Länder. Aber auch sie besitzt eine reiche Tradition. Quelle: Carlos Fonseca Bruch mit der literarischen Tradition Carlos Fonseca hat sie mit den drei Romanen, die er bisher veröffentlicht hat, auf außerordentliche Weise fortgesetzt. Er bricht darin mit dem traditionellen Erzählkanon der lateinamerikanischen Literatur, verzichtet auf eine sich linear entfaltende Story, fragmentiert vielmehr das Geschehen, besonders in Austral, seinem dritten Roman. Darin geht es um einen costa-ricanischen Schriftsteller, der den Auftrag erhält, das letzte Manuskript einer verstorbenen Freundin herauszubringen, von der er sich vor dreißig Jahren getrennt hat. Er begibt sich dazu auf eine Suche nach dieser Vergangenheit und damit seiner eigenen Identität. Carlos Fonseca beschreibt die Wege und Irrwege individueller und kollektiver Erinnerung mit einer Fülle von kulturellen, philosophischen, literarischen und historischen Bezügen oder Chroniken. Wir leben ja nicht in einem luftleeren Raum, sondern inmitten von Plänen und Ideen unserer Vorgänger, die ähnliche Fragen wie wir heute zu beantworten versuchten. Und deshalb bewegen sich meine Figuren auf den verschiedenen Ebenen der Vergangenheit, erinnern sich an Utopien und Dystopien, um von ihnen zu lernen. Ich möchte die Ideengeschichte, zumindest ihre Restbestände sichtbar machen, und so ist eine Collage von Geschichten anstelle einer linearen, klassischen Erzählweise entstanden. Quelle: Carlos Fonseca Autobiographische Bezüge Dieser Julio scheint autobiografische Züge seines Urhebers zu haben. Beide sind in Costa Rica geboren und leben seit langem im Ausland, vor allem in den USA. Nur hat Fonseca an der Princeton University promoviert, ist inzwischen nach England übergesiedelt und arbeitet an der University von Cambridge als Professor für lateinamerikanische Literatur. Gibt es darüber hinaus autobiografische Details? Julio ist Akademiker wie ich, ist Costa-Ricaner, lebt seit langem in den USA und beginnt sich irgendwann zu fragen, ob er überhaupt noch Lateinamerikaner ist oder nicht überall ein Fremder. Er glaubt sogar, seine Sprache zu verlieren, denn er vergisst spanische Wörter. Er fühlt sich als Fremder, als Tourist in Lateinamerika und denkt daran, zurückzukehren. Im Roman gelingt ihm das, weil er dieses Manuskript herausgeben will. Dabei findet er seine alten Wurzeln wieder. Aber was bedeutet wirklich Rückkehr? Das sind Fragen, die auch ich mir immer wieder stelle nach so vielen Jahren im Ausland. Quelle: Carlos Fonseca  Ergründung der karibischen Wurzeln In seinem nächsten Roman, an dem er gerade schreibt, wird es jedoch um eine ganz andere Frage gehen. Denn Carlos Fonseca ist zwar in Costa-Rica geboren, doch in Puerto Rico aufgewachsen, wo seine Mutter zu Hause ist. Und deshalb will er endlich seine puertoricanischen, seine karibischen Wurzeln ergründen. Doch erstmal wird er in Kürze den Anna-Seghers-Preis in Empfang nehmen. Die große, deutsche Schriftstellerin hat von 1941-1947 in Mexico im Exil gelebt, und deshalb wird der nach ihr benannte Preis auch jeweils an einen lateinamerikanischen Autor oder eine Autorin vergeben. Was bedeutet er für Carlos Fonseca? Er hat für mich einen sehr großen Stellenwert, denn durch ihn wird eine literarische Region wie Costa Rica, wie Mittelamerika wieder einmal sichtbar gemacht. Aber er hat auch durch den großen Namen von Anna Seghers besonderes Gewicht. Kurioserweise habe ich in der letzten Zeit an einer Studie über den berühmten kubanischen Künstler Wifredo Lam geschrieben, der auf demselben Schiff wie Anna Seghers von Marseille aus seine Reise nach Lateinamerika angetreten hat. Für ihn eine Rückreise, für sie eine Fahrt ins Exil. Als ich von dem Preis erfuhr, steckte ich also bereits tief in dieser transatlantischen Vorstellungswelt von Anna Seghers und der Beziehung zwischen Europa und Lateinamerika. Quelle: Carlos Fonseca Dem zentralen literarischen Thema von Carlos Fonseca, einem außergewöhnlichen Autor aus Costa Rica.
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May 26, 2024 • 6min

Karl Ove Knausgård – Das dritte Königreich

Eine der vielen Figuren im literarischen Kosmos von Karl Ove Knausgård ist der Architekt Helge. Zu seinem 60. Geburtstag hat eine große norwegische Tageszeitung ein Interview mit ihm geführt, das er nun zu Hause in seinem Arbeitszimmer liest. Da sagt er unter anderem: Ich glaube, dass alle Menschen gleich viel wert sind. Und dass das, was zwischen den Menschen entsteht, was wir gemeinsam erschaffen, mehr ist als das, was jeder für sich ist. Und dass das vielleicht eine Form des Göttlichen ist. Quelle: Karl Ove Knausgård Eine Summe von Selbstporträts, die größer ist als ihre Teile An dieser Stelle hört der Architekt auf weiterzulesen, weil er den Blick auf sich selbst und seine Bedeutungshuberei nicht länger erträgt. Und doch sind diese Sätze zentral, weil sie genau das beschreiben, was Knausgård literarisch unternimmt: Alle seine Figuren – sympathische und weniger sympathische – sind gleich viel wert, schon deshalb, weil sie alle als Ich-Erzähler auftreten. Aus der Summe der Selbstporträts erschafft Knausgård zugleich etwas, das größer ist als jede einzelne Person. Da ist zum Beispiel der Lehrer Gaute, der von einer krankhaften Eifersucht auf seine Frau umgetrieben wird. Seine Frau Kathrine, eine Pastorin, ist von ihm schwanger, hat es ihm aber noch nicht gesagt, denn sie denkt über Trennung nach. Da ist der Polizist Geir, der einen grausamen Ritualmord an drei jungen Musikern einer Black-Metal-Band aufklären soll und der zwischen zwei Frauen lebt, die nichts voneinander wissen. Oder die neunzehnjährige Line, die sich in einen so undurchschaubaren wie attraktiven Philosophiestudenten verliebt und ihm zu einem geheim gehaltenen Konzert auf dem Land hinterher reist. Am Himmel erscheint ein neuer Stern „Das dritte Königreich“ ist der dritte, mit 650 Seiten vergleichsweise schmale Band eines groß angelegten Romanprojektes. Man muss die beiden ersten Bände nicht gelesen haben, um in den dritten hineinzufinden, doch ohne Kenntnis der früheren entgeht einem Vieles. Die Figuren und die Ereignisse sind zum größten Teil bekannt, denn Knausgård schildert erneut dieselben zwei Tage, bevor ein mysteriöser neuer Stern am Himmel erscheint. Nun jedoch dreht er Perspektiven um. So schilderte im ersten Band mit dem Titel „Der Morgenstern“ der Literaturwissenschaftler Arne seine Ferien mit den drei Kindern und seiner Frau Tove an einem fischreichen Fjord. Tove erleidet dort einen psychotischen Schub, so dass er sie schließlich in die Psychiatrie bringen muss. Jetzt erzählt Knausgård dieselbe Episode aus ihrer, Toves Sicht, so dass sich aus dem Bekannten eine ganz andere Ereignisfolge ergibt. Er erzählt nicht weiter, sondern verharrt an selber Stelle und geht über neue Einzelheiten in die Tiefe. Das ist raffiniert gemacht und aufregend zu lesen, weil es zeigt, wie sich Wirklichkeit und Wahrnehmung unterscheiden, wie Rationalität und Wahn als zwei Systeme getrennt nebeneinander existieren und die Figuren dennoch in derselben Welt leben. Tove ist es dann auch, die in ihrem Wahn als erste erfasst, dass sich seltsame Phänomene ereignen. Sie hört Stimmen, die zu ihr sprechen: In zwei Tagen wird ein Stern am Himmel aufsteigen. Die Tore zum Totenreich werden sich öffnen. Du wirst sehen, was kein anderer sehen kann. Das ist unser Geschenk an dich. Quelle: Karl Ove Knausgård – Das dritte Königreich All das sind spannende Geschichten, die Knausgård auch in diesem Band nicht zu Ende erzählt, sondern gekonnt in der Schwebe hält. Doch es geht ihm nicht primär um den Plot, sondern viel mehr um die Frage, was der Mensch überhaupt ist und was die Substanz des Lebens ist. Auch in diesem dritten Band lotet er immer wieder die Grenze von Leben und Tod aus und stellt dem detailversessen dargestellten Alltag das Unerklärliche, Unbegreifliche gegenüber. Dafür steht symbolhaft der neue Stern als Menetekel am Nachthimmel. Seit er erschienen ist, so stellt sich heraus, sind in ganz Norwegen keine Menschen mehr gestorben. Selbst ein Mann, der nach einem Unfall mit schweren Hirnschäden im Koma liegt und der von den Ärzten schon für tot erklärt wurde, zeigt zum Erstaunen der Mediziner Spuren von Bewusstsein. Knausgård wagt es sogar, ein Kapitel aus der Perspektive dieses Komapatienten zu schreiben und dessen traumartige Gedankenschleifen abzubilden. Die Experten, die sich über ihn beugen, versuchen, das Bewusstsein zu messen und zu verstehen, was ein Gedanke ist. Kann es Gedanken geben, wo kein Bewusstsein ist? Oder umgekehrt? Was ist ein Gedanke überhaupt? Und wie kann es sein, dass die fleischliche Materie des Leibes Immaterielles wie das Bewusstsein hervorbringt? Es war wie ein Blick ins Unbekannte. Es war eine Sprache, aber so fremd und unverständlich, dass sie aus den Tiefen des Weltalls zu uns hätte gesandt sein können. Es war unfassbar, dass wir uns selbst sahen. Dass unsere Kodierung der Welt und all dessen, was wir waren, sichtbar wurde. Das Mysterium bestand darin, dass es sich von innen nicht wie ein Code anfühlte, sondern wie die Welt. Quelle: Karl Ove Knausgård – Das dritte Königreich Dem Mysterium Leben auf der Spur Karl Ove Knausgårds „Das dritte Königreich“ ist wie das gesamte „Morgenstern“-Projekt ein abgründiger philosophischer Roman über die Liebe und das Leben mit Mystery-Elementen und einer Kriminalhandlung. Auch mit diesem dritten Teil ist nichts erklärt und nichts gelöst. Knausgård zieht es vor, Fragen zu stellen, die Unruhe und Unentschiedenheit der Menschen zu zeigen, um gerade durch diese Offenheit das Geheimnis der Existenz zu erfassen. Da draußen in der Welt geschehen viele seltsame Dinge. Das Allermerkwürdigste ist aber das eigene Leben und die Tatsache, als ein „Ich“ in der Welt zu sein. Diesem Mysterium ist Knausgård auf der Spur. Ihm dabei zu folgen ist ein Leseabenteuer mit enormem Suchtpotential.
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May 26, 2024 • 11min

Theresia Enzensberger – Schlafen

Die Schlaflosigkeit nimmt in unserer Gesellschaft rasant zu. Was sind die Ursachen? Theresia Enzensberger widmet dem Schlafen und auch seinen politischen Implikationen jetzt ein sehr interessantes Buch.
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May 24, 2024 • 57min

"Ich stelle mich schlafend" - Deniz Ohde erzählt von Liebe und Manipulation

Als 13-Jährige war Yasemin in Vito verliebt. Mit 35 lässt sie wieder auf ihn ein. Keine gute Idee. In „Ich stelle mich schlafend“ erzählt Deniz Ohde von einer haltlosen jungen Frau.
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May 23, 2024 • 4min

Rainald Goetz – Wrong | Buchkritik

Rainald Goetz trägt für seinen Vortrag einen pinkfarbenen Trainingsanzug. Aus einer gar nicht so großen Tasche packt er erstaunlich viele Bücher aus und deponiert sie vor sich auf dem Tisch. Das dauert ein bis zwei Minuten. Dann fördert er Papierstapel zu Tage. Rasch macht er sich noch ein paar letzte Notizen. Dann lässt sich der Vortrag nicht länger aufschieben: Rainald Goetz spricht. So geschehen vergangenen Herbst nach der Uraufführung seines Dramas „Baracke“ am Deutschen Theater in Berlin. So zu sehen auf Youtube. Pretty in Pink am Deutschen Theater Abgedruckt ist dieser Vortrag jetzt in einem Band mit Essays, Gesprächen, Kritiken, Notaten, Tagebüchern aus den letzten zwanzig Jahren. Er erscheint pünktlich zu Rainald Goetz‘ 70. Geburtstag unter dem Titel „Wrong“. Daraus ergibt sich das Bild eines originellen Denkers, seines irrlichternden Suchens, seines präzisen Empfindens und seiner ganz eigenen Art, Dinge und Menschen wahrzunehmen. Als „huschendes Schreiben“ und „flatterndes Denken“ hat Goetz selbst das bezeichnet. Dabei sehnt er sich, wie er 2022 in einem Interview verriet, nach Güte, Zärtlichkeit und Mitleidsfähigkeit. Dass Literatur dennoch „vor Negativität bersten“ soll, wie er 2019 in seinem Arbeitsjournal notierte, muss dazu nicht unbedingt ein Gegensatz sein.   Ich träume den irrationalen, extrem simplen Traum von GÜTE, dass die Leute nett miteinander umgehen, rücksichtsvoll, zartfühlend, vernünftig, höflich. Das wäre eine Revolution, das schon, aber die könnte nur jeder für sich selbst machen, wenn er sie machen wollen würde.  Quelle: Rainald Goetz – Wrong Der Körper im öffentlichen Raum Berühmt wurde Rainald Goetz 1983, als er sich bei seiner Bachmann-Preis-Lesung mit einer Rasierklinge in die Stirn schnitt und sein Blut aufs Papier tropfen ließ. Inzwischen lehnt er ab, was zu Performance und Verkleidung tendiert, auch wenn der Auftritt im pinkfarbenen Trainingsanzug dagegen sprechen mag. Über sein Erscheinungsbild nachzudenken ist schon deshalb unausweichlich, weil er in seinen Texten immer wieder über die Wirkung von Körpern im öffentlichen Raum nachdenkt. So beobachtete er jahrelang, weil er einen Roman über den Politikbetrieb schreiben wollte, Politikerauftritte im Bundestag. Ein Porträt seines verehrten Verlegers Siegfried Unseld beginnt er damit, wie der raumgreifende Mann sich rasch in den Schritt fasst, während er auf ihn zukommt. Und einen Vortrag im Berliner Wissenschaftskolleg leitete Goetz im Februar 2023 mit der Überlegung ein, was wohl in all den Köpfen vor ihm im Publikum vor sich geht:   Was sind das für Leute? Wie reden sie, wie bewegen sie sich, wie schauen sie aus und was haben sie an? Wie also drückt ihr körperliches Sein, ihre Kleidung und ihr Habitus das aus, was sie gedanklich sind. Wie steht das im Verhältnis zueinander, wie passt es zusammen?  Quelle: Rainald Goetz Jung mit 70 Rainald Goetz ist auch mit 70 noch jung, weil er sich eine unstillbare Neugier auf alles Gegenwärtige bewahrt hat. Coolness lehnt er erklärtermaßen ab. Sie passt schon deshalb nicht zu ihm, weil er sich vor allem durch eine überbordende Begeisterungsfähigkeit auszeichnet; das verbindet alle die disparaten Texte in „Wrong“. Goetz ist ein manischer Leser und auch ein vorzüglicher Kritiker, der aggressive Gedankenschärfe mit Empathie verbindet. So schrieb er unter anderem über Michel Houellebecq, über Joachim Bessing und die Popliteratur und immer wieder über Wolfgang Herrndorf und dessen Suizid, betätigte sich aber auch als Kunstkritiker, als er 2007 anlässlich der Berliner Impressionisten-Ausstellung über das Licht nachdachte. All sein Schreiben ist eine fortgesetzte, unendliche Verstehensbemühung. In „Wrong“ kann man Rainald Goetz dabei zuschauen. Seine quecksilbrigen „Textaktionen“ sind Protokolle dieser das Leben ausmachenden Gedankenbewegung. Das macht sie so lebendig wie unberechenbar.
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May 22, 2024 • 4min

Daniel Etter – Feldversuch

Folgen des Klimawandels  In Spanien sind die Folgen des Klimawandels früher und heftiger spürbar als in Deutschland. Dürren und Starkregen führen zu hohen Ernteeinbußen und vermindern die Bodenqualität.  Der 44 -jährige Fotojournalist und Hobby-Landwirt Daniel Etter beobachtet in seinem Buch „Feldversuch“, was dies in seiner Wahlheimat Spanien ganz konkret bedeutet: Etter folgt dem Lauf der Jahreszeiten auf seinem Hof in Katalonien, wo nach einem vielversprechenden Aufleben im Frühjahr die Pflanzen in der Sommerhitze kläglich verdorren. Er begibt sich auf die Suche nach Landwirten und überzeugten Quereinsteigern, die mit regenerativem Landbau neue Wege gehen. Die Rückbesinnung auf traditionelle Landbewirtschaftung ohne künstliche Düngemittel ist hier einer von vielen Ansätzen. In der Landwirtschaft sieht der Autor den größten Hebel, der uns im Kampf gegen die Klimakatastrophe verblieben ist.   Auf der Suche nach Alternativen  Journalistisch kommen in diesem Sachbuch die Vorteile der klassischen Reportage wieder zu Ehren. Daniel Etter recherchiert zwar auch Daten und Fakten im Internet, aber seine sinnlichen Eindrücke vor Ort sind durch kein online-Interview zu ersetzen. Er lernt Waldgärtner, Umweltaktivistinnen, ein junges Schäferehepaar und einen Biobauern persönlich kennen und geht mit ihnen in England, Frankreich und Deutschland über Felder, Äcker und Weiden. So bekommt er ein Gespür für die körperliche Anstrengung, die etwa mit den steilen Anstiegen in den französischen Cevennen verbunden ist und kann die psychischen Herausforderungen eines Landwirts nachempfinden, der in Brandenburg kilometerweit auf knochentrockenen Boden schaut. Etter sieht den Regenwürmern bei der Auflockerung des Bodens zu, teilt einfache Mahlzeiten mit zwei Schafhirten und provoziert den Zorn seiner Nachbarn, als er das Gras auf seinem Grundstück nicht kurz hält, sondern hoch wachsen lässt. Immer wieder probiert er neu Erlerntes auf seinem Hof aus und muss dabei auch Niederlagen verkraften. Als Leserin merkt man bald: Es gibt nicht die eine alternative Methode, mit der ausgelaugter Boden nach jahrzehntelanger Ausbeutung wieder in nährstoffreiches Ackerland verwandelt werden kann. Herauszufinden, was wo unter welchen Bedingungen funktioniert, erfordert Geduld und feinstes Austarieren.     Auch Leserinnen und Leser, die nichts mit Landwirtschaft zu tun haben, werden dieses Buch mit Interesse lesen, denn es vermittelt wichtige Grundsatzeinsichten. Ob es um die Speicherung von Kohlenstoff im Boden geht, um den Verzicht aufs Pflügen oder um klimaresistente Gemüsegärten: Entscheidend ist die Haltung, die wir alle gegenüber Boden und Tieren auf dieser Erde einnehmen. Das macht der Umweltrechtsanwalt Gus Speth deutlich, den Etter in seinem Buch zitiert:   Ich dachte, dass die größten Umweltprobleme der Verlust von Biodiversität, der Zusammenbruch von Ökosystemen und Klimawandel seien. Aber ich lag falsch. Die größten Umweltprobleme sind Egoismus, Gier und Apathie. Quelle: Daniel Etter – Feldversuch Ein Mutmacher-Buch  Was kann man diesen negativen Faktoren entgegensetzen? Nach Etter fängt es schon bei der Sprache an, die wir im Bereich Landwirtschaft benutzen. Den Begriff „konventionelle Landwirtschaft“ empfindet er als Euphemismus. Zutreffender sind für ihn Bezeichnungen wie „industrielle“ oder „chemische Landwirtschaft“. Wenn man sich das Ausmaß künstlicher Düngung vor Augen führt, kann man ihm nur zustimmen. Dass Gemüseanbau unter Plastikfolien weder nachhaltig noch „bio“ ist, selbst wenn das Etikett auf der Packung dies suggeriert, ist auch einsichtig. Wir sollten also den Mut haben, uns von irreführenden Bezeichnungen zu verabschieden. Fraglich ist auch, ob die Vorgabe der Ertragsmaximierung in der Landwirtschaft sich inzwischen nicht längst als Auslaufmodell erwiesen hat.    Letztendlich ist Daniel Etters Buch mit seinen eindrücklichen Fotos von Landschaften, Tieren und Menschen, die das Land anders bearbeiten wollen, ein Mutmacher -Buch. Dass sich Landwirte, die alternative Methoden der Landwirtschaft und Tierhaltung ausprobieren, oft den Unmut der Nachbarn zuziehen, muss auch Daniel Etter erfahren. Aber hier hilft vielleicht eine Rückbesinnung auf einen alten 68er-Spruch: „Revolution ist machbar, Herr Nachbar!“
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May 21, 2024 • 4min

George Saunders – Tag der Befreiung

Für manche ist George Saunders der amtierende Weltmeister der Kurzgeschichte. Bei ihm ist jede Erzählung ein liebevoll und mit höchstem Formbewusstsein gearbeitetes Werkstück. Seine neue Sammlung „Tag der Befreiung“ beweist aber auch, dass Saunders die formale Experimentierfreude mit hoher sozialer Erzählmoral verbindet. So verschieden die Themen seiner Geschichten auch sind – immer schlägt sein Erzähler-Herz für die Benachteiligten und Gedemütigten. Büro-Intrige mit Kaffeekapseln  Beispielhaft zeigt das „Eine Sache auf der Arbeit“, die Geschichte einer Büro-Intrige. Drei Perspektiven stehen hier gegeneinander. Da ist die ehrgeizige, etwas arrogante Genevieve, die ihren Mann während der Arbeitszeit mit einem Kollegen im nahen Hotel betrügt. Sie blickt herab auf die mollige Brenda aus eher prekären Verhältnissen, die in der Firma die Drecksarbeit erledigt und gelegentlich Kaffeekapseln mitgehen lässt. Und dann ist da noch Chef Tim, der Konflikten lieber aus dem Weg geht, sich aber als guter Mensch fühlen möchte und deshalb Brenda nach ihrem kleinen, nun ja, Gefängnisaufenthalt eingestellt hat. Als Genevieve über Brenda ablästert, macht er nicht mit:  Stattdessen kriegte sie eine betrübte, mit Rüge gewürzte Miene serviert. „Na ja“, sagte Tim. „Sie hatte zuletzt einen ganz schön schweren Packen wegzustecken.“ Was? Na super. Jetzt sah Tim sie als den Snob, der auf gute Weine und hausgemachte Senfsorten stand und gern auf der weißen Proll-Lady rumhackte, wenn sie schon am Boden lag? Eine oberflächliche Elitäre, die die Wohnmobil-Tussi disste?  Quelle: George Saunders – Tag der Befreiung Bissige Komödie mit psychologischer Tiefenschärfe  Wie diese drei Menschen sich einschätzen und abschätzen, wie sie übereinander denken und herziehen, wie Genevieve Brenda wegen der kleinen Diebstähle denunziert, Brenda im Gegenzug Genevieves firmenfinanzierte Liebesfreuden verrät und Tim schließlich eine Lösung für den Konflikt findet, die naturgemäß auf Kosten der Schwächsten geht – das erzählt Saunders als bissige Komödie. Erzählt es mit psychologischer Tiefenschärfe, in figurennaher, plastisch-drastischer Sprache, glänzend übersetzt von Frank Heibert.  Menschen als Apparaturen an der Wand  Zugespitzt wird die soziale Konfrontation in den drei dystopischen Erzählungen des Bandes. In der achtzigseitigen Titelgeschichte „Tag der Befreiung“ etwa werden Menschen als Apparaturen versklavt. Sie sind Accessoires der Wohlhabenden, werden in arrangierten Posen an die Wand gehängt, um als sogenannte „Künder“ zu dienen. Ihre Identitäten sind gelöscht, stattdessen bekommen sie einen Bewusstseinsinput, den sie wie Sprechpuppen aufsagen. Mitten in der großen Show vor geladenen Gästen aber lässt der renitente Sohn des Hauses ein Befreiungskommando herein, das sich nicht von der Behauptung entwaffnen lässt, dass die „Künder“ einvernehmlich arbeiten würden:   Wie kann es einvernehmlich sein, wenn ihr Opfer ein leergefegtes Hirn hat, an eine Wand fixiert ist und sich an nichts außerhalb des Raumes erinnern kann? Erklären sie uns das doch mal. Ist es aber, sage ich. Quelle: George Saunders – Tag der Befreiung Dieses „Ich“, das hier dazwischenfunkt, ist die Hauptfigur der Geschichte, der Künder Jeremy. Weil er sich in die Hausherrin verliebt hat, schlägt er sich auf die Seite seiner Unterdrücker und sabotiert die Aktion. Es ist ein altes Lied: Die Ausgebeuteten verweigern sich der Revolution, wollen sich partout nicht befreien lassen.   Diese Geschichte ist voller grotesker Einfälle, und sie entfaltet eine komplexe Psychologie des Herr-Knecht-Verhältnisses. Dennoch wirkt sie allzu ausgetüftelt und konstruiert. George Saunders hat uns so viel über die wirklichen Verstrickungen zwischen Menschen mitzuteilen, dass er sich eigentlich keine dystopischen Gleichnisse ausdenken muss, in denen ausgebeutete Menschen an Wänden hängen. In den besten Geschichten dieses Bandes werden die inneren und äußeren Gefangenschaften, in denen Menschen feststecken, mit den Mitteln eines nuancierten Realismus deutlich genug.
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May 19, 2024 • 7min

Richard Russo – Von guten Eltern | Gespräch

Rezession, Rassismus und Polizeigewalt in einer Kleinstadt in Upstate New York: Richard Russo zeichnet ein packendes Stimmungsbild der US-Gesellschaft vor der Trump-Ära. Der bislang politischste Roman des Pulitzer-Preisträgers, der seinen Figuren trotz aller Katastrophen immer eine Portion Optimismus mitgibt. Ein Gespräch mit dem Literaturkritiker Christoph Schröder
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May 19, 2024 • 11min

Elke Heidenreich – Altern | Autorengespräch

Ein lebenskluges Buch Wer solle über das Altern schreiben, wenn nicht Elke Heidenreich mit über 80?, das fragte sich die Bestsellerautorin und Journalistin selbst und legt nun den Essay „Altern" vor. Das Buch ist in der Reihen „Das Leben lesen" bei Hanser Berlin erschienen. Warum sie das Buch zunächst gar nicht schreiben wollte, verrät die Schriftstellerin im Gespräch mit Anja Brockert. Außerdem spricht sie darüber, welche Herausforderungen mit dem Altern einhergehen - und welche Vorteile. „Die Gegenwart ist ein Geschenk" In ihrem Essay schreibt Heidenreich von ihren persönlichen Erfahrungen und wandert auch durch die Literaturgeschichte: Ob Philip Roth, Silvia Bovenschen oder Jane Campbell in „Kleine Kratzer", viele schrieben über das Altern. Sogar eine Todesanzeige für sich selbst entwarf sie. Ein Buch, das Mut macht für ein zufriedenes Alter.
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May 19, 2024 • 7min

André Kubiczek – Nostalgia | Buchkritik

Wegen der Liebe ist sie 1969 in die geschlossene Gesellschaft der DDR eingewandert, die junge Frau aus Laos. Sie hat ihren Mann beim Studium in Moskau kennengelernt. Auch wenn der proletarische Internationalismus groß geschrieben wird in der DDR – befremdete Blicke muss sie ertragen unter den Ostdeutschen, und Sohn André bekommt gelegentlich „Schlitzauge“-Rufe zu hören. Immerhin gibt es eine Lehrerin, die sich für ihn einsetzt: ‚Und euch anderen will ich eins sagen‘, hat Fräulein Heumann ihre Belehrung fortgesetzt, ‚ich will nicht, dass ihr euren Mitschüler hänselt, bloß weil er ein Mischling ist. Kein Mensch kann etwas für sein Aussehen. Es ist nicht seine Schuld, dass er anders ist als ihr, habt ihr das verstanden?‘‚Ja‘, hat die Klasse im Chor geantwortet. Quelle: André Kubiczek – Nostalgia Gut gemeint, auch wenn es nach den heutigen Maßstäben nicht politisch korrekt klingt. Aber darum geht es André Kubiczek nicht. Untergründiger Rassismus in der DDR Ihm geht es um die historische Korrektheit, auch bei der Thematisierung des untergründigen Rassismus in der DDR. Es ist nicht das erste Mal, dass der Schriftsteller in einem Roman die eigene Familiengeschichte literarisch verarbeitet. Noch nie aber ist er den biographischen Leidensuntergründen, die seit je sein Schreiben bestimmen, so nahe gekommen. Im Zentrum von „Nostalgia“ steht eine Frau zwischen zwei Welten. Der Vater der Mutter war kurzfristig Außenminister des Königreichs Laos, bis er von der eigenen Leibgarde ermordet wurde. Schon aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung missbilligt die laotische Familie die Beziehung mit einem deutschen Arbeitersohn aus der DDR und schickt der Mutter vietnamesische Spione auf den Hals. Ihr Mann wiederum, der sich mit seinem Studium auf den diplomatischen Dienst vorbereitet und deshalb zu besonders staatstreuem Verhalten verpflichtet ist, erregt bei der Stasi Verdacht wegen seiner Liebe zu einer Frau aus dem reaktionären Königreich Laos. Dass das junge Paar überraschend schnell einen Telefonanschluss bekommt, liegt nur daran, dass man sie dann besser abhören kann. Die Mutter übersetzt aus dem Laotischen Die Lage bessert sich, als in Laos 1975 die Monarchie gestürzt wird und eine sozialistische Regierung an die Macht kommt. Im Zeichen der internationalen sozialistischen Bruderschaft öffnet sich für die Mutter die Tür zu einer akademischen Karriere, und sie ist gefragt als Übersetzerin: Sie übersetzt Sachen für Intertext oder sie dolmetscht, wenn eine Delegation aus ihrer alten Heimat kommt, was häufiger passiert, seit Laos ein fortschrittliches Land geworden ist. Es gibt Fotos, auf denen Mama redet und daneben steht Erich Honecker mit seinen Männern und hört ihr zu. (…) Alle haben weiße Kittel an und tragen weiße Helme, denn die Fotos wurden in einer Melkanlage aufgenommen. Quelle: André Kubiczek – Nostalgia Erzählt wird der Roman aus der Perspektive des 1969 geborenen Sohnes André. Zunächst erleben wir mit ihm die Unannehmlichkeiten des realsozialistischen Schulalltags, lernen Freunde und Freundinnen aus der Nachbarschaft von Potsdam-Waldstadt II kennen und erhalten Einblicke in die Popsozialisation eines Ostjugendlichen um 1980, der heimische musikalische Gewächse wie die Puhdys schlimm findet und lieber Hitparadenmaterial aus dem Westen auf seinen Cassettenrecorder schmuggelt. Und dann ist Weihnachten 1981, und mit großer Ausführlichkeit wird erzählt, wie der Junge seine Großeltern aus dem Harz vom Bahnhof abholt und wie es im Verlauf der Feiertage nicht nur Freuden, sondern auch Streit und das eine oder andere Malheur gibt. Wird die Geduld der Leser hier womöglich überstrapaziert? Familienwelt vor der Abbruchkante Erst später fällt ein anderes Licht auf die breit ausgerollte „Nostalgia“ dieser Passagen, die eine noch halbwegs heile Familienwelt kurz vor der Abbruchkante in Szene setzen. Denn am Ende dieser Ferien setzt das fürchterliche Siechtum der Mutter ein. Sie ist unheilbar an Krebs erkrankt. Für André ist die Leichtigkeit der Jugend dahin. Er erlebt seine Mutter fortan nur noch stark abgemagert auf dem Sofa liegend. Es schaudert ihn vor den Beuteln ihres künstlichen Darmausgangs. ‚Bringst Du das bitte in den Mülleimer‘, hat Frau Gottschalk gesagt und ihm das Päckchen mit dem benutzten Beutel in die Hand gedrückt. Vorsichtig wie eine entsicherte Handgranate hat er das Päckchen in die Küche getragen. ‚Keine Angst‘, hat Frau Gottschalk ihm hinterhergerufen, ‚da läuft nichts aus. Die Beutel sind aus dem Westen und haben ein Ventil.“ Quelle: André Kubiczek – Nostalgia Ost-West-Motive, wohin man blickt und wo man sie nicht vermutet. Das ganze Leben scheint damals durchwirkt von der Systemkonkurrenz.  Auch Andrés ein Jahr jüngerer Bruder Alain leidet an einer Krankheit, einer sich von Jahr zu Jahr verschlimmernden geistigen Einschränkung. Für André taugt er nur schlecht zum Spielkameraden, weil er vieles nicht begreift. Irgendwann büßt er auch seine gewisse liebenswerte Niedlichkeit ein und wird von den Menschen offenbar nur noch als Zumutung empfunden. Hier ist der Bruderblick erbarmungslos, weil mitbetroffen. Als seine erste kurzzeitige Freundin André fragt, ob er Geschwister habe, verleugnet er den Bruder und bringt sich damit selbst in die Klemme. Er kann morgen im Orion schlecht sagen: ‚Entschuldige, Bianca, ich habe mich geirrt. Kurz vor dem Einschlafen ist mir eingefallen, dass ich doch einen Bruder habe, und zwar einen, der geistig behindert ist.‘ Quelle: André Kubiczek – Nostalgia Zur Tragik gehört es, dass sich die Krankheiten von Bruder und Mutter durch medizinische Fehlbehandlungen und missglückte Operationen verschlimmern. Eindrücklich und authentisch erzählt Die Vorgeschichte insbesondere der Mutter lässt sich nicht allein durch die Perspektive des Sohns vermitteln. Deshalb wechselt der Roman in der zweiten Hälfte mehrfach überraschend in die Gedankenwelt der Mutter, was erzähltechnisch inkonsequent wirkt, aber inhaltlich erheblichen Zugewinn bringt. Die Sehnsucht nach ihrer laotischen Herkunftswelt wird immer mächtiger und das Fremdheitsgefühl in der DDR mit dem scheußlichen Kochbeutelreis immer größer. Ein starkes, anrührendes Kapitel schildert die letzte Reise der Sterbenskranken zur Familie nach Laos. „Nostalgia“ hätte einige Straffungen gut vertragen. Aber es ist eine eindringliche Lektüre, die durch Authentizität und Ehrlichkeit überzeugt. Der Roman lebt von den atmosphärischen Details und kontrastiert die Tragik mit einem leichten, bisweilen gewitzten Ton. Erinnerungsschwere Romane mit DDR-Hintergrund gibt es inzwischen viele, aber durch die ungewöhnliche, interessante laotische Komponente bricht „Nostalgia“ aus dem Gewohnten aus. André Kubiczek macht aus seinem autobiographischen Verfahren keinen Hehl. Am Ende widmet er das Buch den beiden früh verstorbenen Hauptfiguren: seiner Mutter, die nur vierzig, und seinem Bruder Alain, der nur siebzehn Jahre alt wurde.

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