

SWR Kultur lesenswert - Literatur
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Episodes
Mentioned books

Nov 14, 2025 • 4min
Das Pinseläffchen Mitz – und wie es die Welt sah
Ein winziges Pinseläffchen namens Mitz bringt Freude und auch ein bisschen Chaos in das Leben der Woolfs. Bei ihrer Reise durch Nazi-Deutschland hilft Mitz, die Polizisten zu besänftigen. Leonard adoptiert das Tier von den Rothschilds, und Virginia findet in ihm einen seltsamen menschlichen Ausdruck. Mitz wird Teil des häuslichen Lebens, freundet sich mit dem Hund an und besucht gesellige Zusammenkünfte. Die Erzählkraft von Nunez und die Verbindung zwischen Mitz und Virginia bieten eine tiefgründige und berührende Perspektive auf die Zeit.

Nov 14, 2025 • 6min
Berliner Märchentage: Alte Sagen, neue Fragen
Petra Venzke, erfahrene Erzählerin und Teilnehmerin der Berliner Märchentage, bringt die Magie von Ovids Metamorphosen auf die Bühne. Sie diskutiert, wie alte Mythen politisch wirken und aktuelle Themen spiegeln. Ihre Erzählungen über Prometheus und die menschliche Natur zeigen, wie Harmonie ins Chaos kippen kann. Das Publikum reflektiert eindringlich die Bedeutung dieser Geschichten, die zwischen Einsichten und Herausforderungen pendeln, ohne einfache Lösungen zu bieten. Ein faszinierender Abend, der alte Sagen lebendig in die Gegenwart holt.

Nov 14, 2025 • 6min
Die Drehung der Schraube
Venedig als nebliges und unheimliches Setting prägt die düstere Atmosphäre der Geschichte. Evelyns erste Nacht wird zum Albtraum, als seine Frau Laura verschwindet. Er gerät in die Fänge von Frederick und Francesca und verliebt sich in die letztere. Der Roman thematisiert Erinnerungsverlust und Wahnsinn, während Evelyns gescheiterte Schriftstellerei stark im Vordergrund steht. Ironie und Misstrauen spielen eine zentrale Rolle, und die Verwendung klassischer Gothic-Elemente bleibt letztlich wirkungslos. Eine spannende Reflexion über literarische Verwandtschaften folgt.

Nov 14, 2025 • 7min
Auf Dan Browns Spuren in Prag
Jana Kimlova, eine erfahrene Stadtführerin in Prag, spricht über Dan Browns neue Stadtführung, die die geheimnisvolle Stadt im Kontext seines Thrillers beleuchtet. Sie erklärt Browns Faszination für Prag und seine geheimen Recherchen, die zu einer Hommage an die Stadt führen. Außerdem diskutiert sie die Reaktionen von Touristen und die Verknüpfungen von Mythen mit Wissenschaft in Browns Werk. Mit interessanten Einblicken zur Golem-Legende und unbekannten Schauplätzen zeigt sie, wie Prag zum idealen Setting für Browns Mischung aus Realität und Fiktion wird.

Nov 13, 2025 • 8min
„Wer erzählt, der lebt noch.“- Salman Rushdie meldet sich mit Kurzgeschichten zurück
Christoph Schröder, Literaturkritiker beim SWR, erörtert Salman Rushdies neuen Erzählungsband mit fünf Kurzgeschichten, den er nach dem Attentat veröffentlicht hat. Besonders bewegt ihn die Geschichte "Saumselig", in der ein toter Schriftsteller als Geist weiterlebt. Der Gesprächspartner beleuchtet die Themen Tod und Freiheit, die Rushdies Werk durchziehen. Zudem analysiert er den schwarzen Humor und die scharfe Kritik in der Erzählung "Oklahoma" und betont, dass Rushdies Geschichten sowohl für treue Fans als auch für Neugierige geeignet sind.

Nov 13, 2025 • 6min
Helga Schuberts „Luft zum Leben": Lebensnahe Erzählungen von 1960 bis heute | Buchkritik
Helga Schubert thematisiert in ihren Erzählungen die Übergänge des Lebens und Herausforderungen, die mit Mutterschaft einhergehen. Sie verarbeitet eigene Schuldgefühle als junge Mutter und das Gefühl, nicht gewollt zu sein. Zudem plädiert sie für die Abschaffung von Paragraph 218 und beleuchtet Euthanasie. Schuberts prägnanter Stil kombiniert trockenen Humor mit tiefem Empathievermögen. Ihre Erlebnisse aus der DDR-Zeit und als Psychotherapeutin bieten eine klare Analyse menschlicher Erfahrungen und den Wunsch nach Freiheit.

Nov 12, 2025 • 4min
Fake News, die die Welt verändern: „Historische Fälschungen“ von Emanuela Lucchetti | Buchkritik
Die Weltgeschichte ist voll von schamlosen Lügen und Verschwörungsbehauptungen. Emanuela Lucchetti beleuchtet, wie jede Epoche Desinformation erschuf, um alternative Realitäten zu schaffen. Ein faszinierendes Beispiel ist die Konstantinische Schenkung, die dem Papst jahrhundertelang immense Macht zuschrieb. Auch antisemitische Fälschungen wie die "Protokolle der Weisen von Zion" bleiben nicht unerwähnt. Die Diskussion wirft wichtige Fragen über Glaubwürdigkeit und die Lehren aus der Geschichte auf.

Nov 11, 2025 • 4min
Peter Schneider – Die Frau an der Bushaltestelle | Buchkritik
Von einer begehrenswerten Frau, die nichts als gute Gespräche und Freundschaft in Aussicht stellt, sollte ein liebender Mann sich fernhalten. Allerdings muss auch der leidenschaftlich Geliebte mit Schwierigkeiten aller Art rechnen:
Wer von der größten Liebe seines Lebens spricht, meint damit eine, die neben den euphorischen Augenblicken auch das größte Unglück und die schlimmsten Verletzungen hervorgebracht hat.
Quelle: Peter Schneider – Die Frau an der Bushaltestelle
Von so einer schicksalhaften Begegnung handelt Peter Schneiders neuer Roman „Die Frau an der Bushaltestelle“. Es ist die im Westberlin der 1960er Jahre angesiedelte Geschichte des eher unscheinbaren Studenten Nick, der widerstandslos der wunderschönen, alle Männer betörenden Isabel verfällt, die kurz vor dem Mauerbau aus der DDR in den Westen kam.
Einer fürs Bett und einer für die Seele
Die Geschichte wird – im Abstand von mehr als fünfzig Jahren – aus der Perspektive des liebenden Freundes erzählt, dem damals nur die Rolle des Beobachters und Beraters zukam, oder, wie er das formuliert: Nick war fürs Bett und er für die Seele zuständig.
Dieser Ich-Erzähler, als millionenschwerer Erbe eines Textilunternehmens mit Sportwagen und sehr viel Selbstbewusstsein, erinnert sich der Epoche des jugendlichen Aufbegehrens und der beginnenden Studentenrevolte. Es ist die Zeit politischer Leidenschaften und ideologischer Verblendung, die für Peter Schneider zu einem Lebensthema geworden ist.
Vielleicht waren diese Monate des Umherschweifens die beste Zeit – dieses Mitschwimmen, Sichbegeistern, und Sich-auch-wieder-Abstoßen von einem Aufbruch, der noch keinen Namen und kein Programm hatte. Wenn es ein Motiv gab, das all diese jungen Leute einte, so war es die Suche nach einer anderen, einer besseren Art zu leben.
Quelle: Peter Schneider – Die Frau an der Bushaltestelle
Schneiders Erzähler ist aber auch in Sachen Politik mehr Beobachter als Mitspieler. Am Beispiel der beiden so heftig wie unglücklich Verliebten zeigt er, wie das Scheitern der Beziehung zur politischen Radikalisierung führte – jedenfalls auf Seiten Isabels.
Anfang der 1970er Jahre gleitet sie in eine linksterroristische Gruppierung ab, ohne dass Nick oder der allzu vernünftige Erzähler sie davon abhalten könnten. Das tragische Ende ist vorgezeichnet.
Aus Liebesnot wird Terrorismus
Das Private ist politisch, hieß es damals. Bei Peter Schneider wird das verfehlt Politische zur Konsequenz privater Liebesunfähigkeit und persönlicher Verwundungen. Diese eher schlichte These wäre akzeptabler, wenn sie mit etwas weniger Zwangsläufigkeit und Bescheidwissertum vorgetragen würde.
Tatsächlich aber ist Schneiders altherrenhaft abgeklärter Erzähler mit der 68er-Epoche längst fertig; da gibt es keine Überraschungen mehr und nichts in seinen Erinnerungen, was man nicht schon wüsste – vom berechtigten Zorn auf das Schweigen der Väter über ihre NS-Vergangenheit bis hin zur eskapistischen K-Grüppchenhaftigkeit all der ideologischen Spezial-Rechthaber am Ende der Epoche.
Ein wenig mehr Verunsicherung hätte dem zurückblickenden Erzähler da gut gestanden. Stattdessen füllt er all die zahlreichen Leerstellen der Liebesgeschichte mit seiner literarischen Fiktion, ohne auch nur ansatzweise zu zögern, wenn er intime Streits oder Bettszenen von Nick und Isabel ausmalt, von denen er doch gar nichts wissen kann.
Historische Fehler
Diese erzählerische und historisch nachgetragene Selbstgewissheit führt zu einer konventionellen, geradezu papierenen Sprache.
Sie wird umso mehr zur Schwäche des Buches, als Schneider ein paar grobe historische Fehler unterlaufen: Die Defa-Verfilmung von „Jakob der Lügner“ aus dem Jahr 1974 kann von Isabel unmöglich schon 1965 gesehen worden sein. Und wenn für 1970 auf die Militärdiktatur in Chile verwiesen wird, dann geraten auch da die Zeiten durcheinander.
Das dürfte einem, der alles überblickt und längst eingeordnet hat, wahrlich nicht passieren.

Nov 10, 2025 • 4min
Unbekannte Marilyn – Sam Shaws Fotos zeigen die Monroe in einem neuen Licht
Der in New York geborene Sam Shaw gehört zu den renommiertesten Porträtfotografen des 20. Jahrhunderts. Bei wichtigen Hollywood- Produktionen schoss er zudem die Film-Stills, also die Fotos während der Drehs am Set. Shaw war mit Marylin Monroe eng befreundet, schon zuzeiten, als sie noch ein Starlett war.
Marilyns Wirbelrock
Billy Wilders Film „Das verflixte 7. Jahr“ hat vor allem mit einer Szene der Monroe zu Starruhm verholfen: Ihr schneeweißer Rock wurde durch die Abluft eines U-Bahn-Schachts aufgewirbelt.
Die Fotos kennt man – aber beileibe nicht alle. Denn Sam Shaw schoss die Film-Stills und all seine Fotos sind im Buch „Dear Marylin“ zu sehen – einschließlich des Mannes, der die Windmaschine unter dem Gitterrost betätigte.
Du hast es geschafft. Nicht, dass ich Harper’s Bazaar und Vogue für Gott den Allmächtigen halte – aber es gibt Parallelen.
Quelle: Sam Shaw – Dear Marilyn
Sam Shaws Marilyn-Fotos – im Rampenlicht und ganz privat
Ab den frühen 1950er Jahren war die Monroe ein Superstar. Sie hatte es auf die Titelblätter der führenden Modemagazine geschafft – so wie es Sam Shaw in seinem Brief an Marilyn beschreibt. Diese Korrespondenz ist auch Teil des Buchs.
Shaw verstarb 1999, aber seine Familie hat die Briefe und bislang weitgehend unbekanntes Fotomaterial erst vor kurzem veröffentlicht.
Man sieht die Monroe im Negligé beim Telefonieren, beim Erlernen des Klavierspielens, Marilyn stets lächelnd mit Reportern oder mit Hollywood-Produzenten, dann wieder privat beim Bootsrudern oder unerkannt an einer Burgerbude. Eine besondere Sequenz stellt Marilyn am Schminktisch dar – ein voll konzentrierter Profi.
Shaw inszenierte aber auch Fotoszenen: In einer setzt sich die Monroe im Central Park neben ein junges Paar auf die Bank und tut so, als würde sie intensiv Zeitung lesen.
Sam Shaws Fotografien faszinieren nicht nur durch den steten Wechsel von Aufnahmen der Monroe im Rampenlicht und solchen abseits in privater Umgebung, sondern auch dadurch, dass Shaw sowohl mit Farb- als auch Schwarz/Weiß-Material arbeitet. Das ergibt ganz unterschiedliche Facetten der Diva.
Marilyn – Kunst, Literatur, Religion
Shaw räumt aber auch mit dem Blondinen-Image der Monroe auf. Sie interessierte sich für moderne Kunst – und Shaw half ihr dabei.
Wie gehen wir Deine Kunstsammlung an – gib mir ein Budget und ob Du Gemälde willst oder Zeichnungen – oder Skulpturen. Ich denke, Du solltest bescheiden anfangen, mit Zeichnungen oder Aquarellen und kleinen Ölbildern – dann sehen wir, wie sie auf Dich wirken.
Quelle: Sam Shaw – Dear Marilyn
Sam Shaw stellt auch einen Aspekt von Marilyn Monroe heraus, vom dem wohl nur wenige wissen, dass er sie intensiv beschäftigt hat.
Sie interessierte sich ein Leben lang für Religion. Sie war auf der Suche nach Gott, nach Wissen. Als sie Arthur Miller heiratete, widmete sie sich dem Studium und der Akzeptanz des Judentums.
Quelle: Sam Shaw – Dear Marilyn
Im Juni 1956 heirateten Marilyn Monroe und Arthur Miller, der vor allem als Dramatiker Bekanntheit erlangt hatte. Er schrieb auch das Drehbuch zu „Misfits – nicht gesellschaftsfähig“ – Marilyns letzter Film 1961. Die Ehe ging in die Brüche, doch Sam Shaw hat eine atemberaubende Fotoserie der beiden festgehalten.
Marilyn und Miller fahren in seinem Cabriolet Ford Thunderbird durch New York. Er am Steuer, sie an seine Schulter gelehnt, sie lächelnd und den Leuten zuwinkend, er ganz konzentriert. Die Fotos wirken wie Standfotos zu einem Film – nur dass dieser Film kein Happy End hat.
Sam Shaws Buch „Dear Marilyn” ist auch für eingefleischte Monroe-Fans eine klare Bereicherung. Für weniger Kundige ist die Publikation eine ideale Einstiegsdroge. Nicht nur mit Fotos, sondern auch in Worten hat Sam Shaw Marilyns Aura auf den Punkt gebracht
She was love / she was loved / and she loved… you.
Quelle: Sam Shaw – Dear Marilyn

Nov 9, 2025 • 56min
Mit neuen Büchern von Ursula K. Le Guin, Hannah Lühmann, Caroline Schmitt, Clara Heinrich, Natascha Wodin und Christoph Wagner
Von Ursula K. Le Guin bis Clara Heinrich: Geschichten über Freiheit, Fürsorge und Erinnerung. Und: Ein Blick auf die Rockjahre im Südwesten.


