

Papierstau Podcast
Robin Schneevogt, Meike Stein, Anika Falke
Papierstau Podcast ist eine unabhängige, privat produzierte Show von und für Literaturliebhaber*innen. Hier gibt es Neuigkeiten und Debatten aus der Welt der Literatur sowie Buchtipps auf die Ohren: Persönlich, nah und unverfälscht stellen Robin, Meike und Anika wöchentlich drei Bücher vor, geben profunde Einblick in Inhalte und Hintergründe der Werke.
Episodes
Mentioned books

Oct 9, 2019 • 1h 12min
Folge 75: Kafkanismus
Robin, Tim und Meike haben sich mal wieder zusammengesetzt, um über drei neue Bücher zu sprechen! Ein letztes Mal geht es dabei um Kandidaten für den diesjährigen deutschen Buchpreis.
Da der Literaturnobelpreis in diesem Jahr zwei Mal verliehen wird, dreht sich das Vorgeplänkel um die Tipps der findigen Vorstadtrezensent*innen, die jeweils zwei abgeben durften. Neben einigen bekannten Leuten werden auch Namen genannt, die vielleicht nicht jeder auf dem Schirm hat. Und wenn es am Ende wirklich eine*r unserer Kandidat*innen werden sollte, wisst ihr natürlich, wo ihr es zuerst gehört habt.
Den Anfang macht Tim mit „Das flüssige Land“ von Raphaela Edelbauer, welches sogar auf der Shortlist des Buchpreises steht. Die Protagonistin ist eine theoretische Physikerin, deren Eltern zu Beginn durch einen Autounfall sterben. Sie versucht, deren Heimatort Groß-Einland ausfindig zu machen, um sie dort zu begraben, was sich allerdings als schwierig herausstellt. Sie schafft es trotz dessen in die Stadt, in der viele Dinge anders laufen. Das Buch verbindet eine kafkaeske Narrative mit einer von Symbolen und Metaphern durchströmte Handlung, die das Buch zu einem von Tims bisherigen Highlights des Jahres werden lässt.
Meike macht weiter mit einem der wohl ungewöhnlichsten Bücher auf der Shortlist, „Nicht wie ihr“ von Tonio Schachinger. In seinem Debütroman dreht sich das Geschehen um einen Fußballer, der klischeebehafteter nicht sein könnte: er ist stinkreich, hat ein gigantisches Haus und Autos. Als jedoch seine Jugendliebe erneut in sein Leben tritt, ändern sich viele Sachen. Allem voran der Erzählstil mit seinen absurden Metaphern und seltsamen Einblicken in die Gedankenwelt des Protagonisten machen das Buch zu etwas besonderem, selbst wenn man mit der Fußballthematik ansonsten wenig am Hut hat.
Zum Schluss stellt Robin ein Buch vor, dass es nicht auf die Shortlist geschafft hat, dafür aber nicht weniger lesenswert ist: „Mobbing Dick“ von Tom Zürcher. Es geht um Dick, der bei seinen Eltern lebt und stets unter dem Druck von hohen Erwartungen steht; vor allem auch durch sein Jurastudium. Um dem zu entkommen, fängt er bei der Schweizer Bankanstalt an – was jedoch (surprise, surprise) wenig ändert. Aus Verzweiflung entwickelt er ein Alter Ego, den titelgebenden Mobbing Dick, um sich an seinen Peinigern zu rächen. Das Buch ist ungewöhnlich und hat einen bitterbösen Humor, der sich langsam zu einer Abwärtsspirale der menschlichen Psyche entwickelt.
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Timecodes:
00:00:00 - Vorgeplänkel: unsere Kandidaten für den Literatur-Nobelpreis 2019
00:21:24 - "Das flüssige Land" von Raphaela Edelbauer
00:42:00 - "Nicht wie ihr" von Tonio Schachinger
00:51:14 - "Mobbing Dick" von Tom Zürcher
Buch-Infos:
Titel: Das flüssige Land
Autorin: Raphaela Edelbauer
Verlag: Klett-Cotta (2019)
Preis (Buch/eBook): 22,00 € / 17,99 €
Länge: 350 Seiten
Genre: Gegenwartsliteratur, Gesellschaft
Form: Hardcover
ISBN: 978-3608964363
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(Rezensionsexemplar)
Titel: Nicht wie ihr
Autor: Tonio Schachinger
Verlag: Kremayr & Scheriau (2019)
Preis (Buch/eBook): 22,90 € / 14,99 €
Länge: 304 Seiten
Genre: Fußball, Entwicklungsroman
Form: Hardcover
ISBN: 978-3218011532
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Titel: Mobbing Dick
Autor: Tom Zürcher
Verlag: Salis Verlag (2019)
Preis (Buch/eBook): 24,00 € / 14,99 €
Länge: 288 Seiten
Genre: Satire, Gesellschaft
Form: Hardcover
ISBN: 978-3906195834
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(Rezensionsexemplar)
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Oct 2, 2019 • 56min
Folge 74: Family Business
Robin ist aus seinem Urlaub in Dänemark zurück und hat sich mit Tim und Meike mal wieder zusammengesetzt, um über drei aktuelle Bücher zu sprechen.
Im Vorgeplänkel geht es um den alten Streit der “Pop”- und der “Hohen”-Literatur. Dabei diskutieren die drei, ob die Leser*innen einfache Bücher bevorzugen und Preise nur noch eben solche würdigen oder ob es sich vielleicht doch die Waage hält. Sie nehmen Bestsellerlisten als Ausgangspunkt, gehen auf Vorwürfe ein, die dem Buchpreis gemacht werden und sprechen darüber, ob eine Einteilung in diese Kategorien überhaupt noch zeitgemäß ist.
Den Anfang der Folge macht Robin mit dem Debütroman “Vater unser” von Angela Lehner, das auf der Longlist des diesjährigen Buchpreises stand. Das Buch spielt in einer psychiatrischen Klinik und die Protagonistin ist Insassin eben jener. Sie behauptet, eine Schulklasse getötet zu haben, was jedoch nicht der Wahrheit entspricht und gibt Pflegern wie Psychologen Rätsel auf. Dabei wird das ganze Geschehen aus ihrer Sicht geschildert und trifft mit zynischen, ironischen und bitter lustigen Kommentaren und Gedanken perfekt sitzende Pointen. Lange ist es her, dass Robin bei einem Buch so laut lachen musste. Große Empfehlung!
Meike macht weiter mit “Brüder” von Jackie Thomae, das es auf die Shortlist des Buchpreises geschafft hat. Es geht um zwei Brüder, die getrennt voneinander aufwachsen und sich in unterschiedlichen sozialen Verhältnissen wiederfinden. Dabei wird zuerst die Geschichte des einen Bruders erzählt, bevor es in der Mitte des Buches zu einem Bruch kommt und die des anderen erzählt wird. Dabei hat Meike vor allem die Geschichte des zweiten Bruders zugesagt und fand, dass die spannende erzählerische Ausgangslage gut genutzt und aufgelöst wurde.
Tim stellt das zweite Buch von Svenja Gräfen vor, “Freiraum”. Darin geht es um Vela und Maren, die in einer glücklichen Beziehung miteinander leben, in der Großstadt jedoch zunehmend unzufriedener werden. Marens Schwester wohnt bereits seit einigen Jahren mit ihrem Freund und Kind in einem Hausprojekt auf dem Land, das von einem ihrer Freunde initiiert wurde. Eines der Zimmer ist frei geworden, und die beiden nehmen die Chance wahr und ziehen ein. Es entspinnt sich ein interessantes Geflecht an zwischenmenschlichen Beziehungen, mit präzisen Beobachtungen und einem spannenden Handlungsverlauf, der ihrem Debüt in nichts nachsteht.
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Timecodes:
00:00:00 - Vorgeplänkel: zu viel 'leichte' Literatur?
00:16:25 - "Vater unser" von Angela Lehner
00:29:04 - "Brüder" von Jackie Thomae
00:39:03 - "Freiraum" von Svenja Gräfen
Buch-Infos:
Titel: Vater unser
Autorin: Angela Lehner
Verlag: Hanser Berlin (2019)
Preis (Buch/eBook): 22,00 € / 16,99 €
Länge: 284 Seiten
Genre: Tragikomödie, Familie
Form: Hardcover
ISBN: 978-3446262591
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(Rezensionsexemplar)
Titel: Brüder
Autorin: Jackie Thomae
Verlag: Hanser Berlin (2019)
Preis (Buch/eBook): 23,00 € / 16,99 €
Länge: 416 Seiten
Genre: Coming-of-Age, Familie
Form: Hardcover
ISBN: 978-3446264151
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Titel: Freiraum
Autorin: Svenja Gräfen
Verlag: Ullstein fünf (2019)
Preis (Buch/eBook): 20,00 € / 16,99 €
Länge: 304 Seiten
Genre: Beziehungen, Drama
Form: Hardcover
ISBN: 978-3961010370
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(Rezensionsexemplar)
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Sep 27, 2019 • 55min
Folge 73: Three's a Crowd
Robin genießt seinen Urlaub in Dänemark und Tim, Meike und Mara bestreiten zum ersten Mal eine Folge in der Konstellation. Und es lief überraschend gut!
Das Vorgeplänkel dreht sich wieder um den Buchpreis, da vor kurzem die Shortlist mit den fünf Werken veröffentlicht wurde, von denen eins den begehrten Preis gewinnen wird. Sie diskutieren über Liste, besprechen, ob die Aufregung darum wirklich so nötig war und reden darüber hinaus auch über Preise als solche.
Meike macht den Anfang mit “Nachts ist unser Blut schwarz” von David Diop. Darin geht es um einen dunkelhäutigen Soldaten im ersten Weltkrieg, der für Frankreich gegen Deutschland kämpft. Das Buch macht klar, wie er behandelt wurden, wie er zur Inszenierung genutzt wurden und was den Protagonisten durchdrehen lässt. Das Buch hat eine an die Nieren gehende Beschreibung von Gewalt und Brutalität, die durch die Sprache einmalig unterstrichen wird. Eine unbedingte Leseempfehlung!
Tim macht weiter mit dem Debütroman “Miroloi” von Karen Köhler, der auch auf der Longlist des Buchpreises stand. Das Buch handelt von einer jungen Frau, die auf einer abgeschotteten Insel in einem kleinen Dorf lebt. Sie wird von den Bewohnern geächtet und verflucht, Männern wie Frauen. Dabei zeigt sich, wie die Gesellschaft strukturiert ist, wie sie sich darin fühlt und mit ihrer ersten Liebe beginnt, hinter die Kulissen zu blicken. Der Roman wurde kontrovers aufgenommen, Tim fand ihn – mit einigen Abstrichen – allerdings mehr als gelungen und würde ihn als Jugendroman definitiv weiterempfehlen.
Mara macht den Abschluss mit “Achtsam morden” von Karsten Dusse. Protagonist ist ein Anwalt, der auf Anraten seiner Frau ein Achtsamkeitsseminar besucht. Darin lernt er einiges nützliches, vor allem, wie er mit seinem einzigen Klienten umzugehen hat. Dieser ist nämlich der Boss einer Gang und braucht den Anwalt, um ihn und seine Mitglieder auf heiklen Situationen rauszuholen. Der Anwalt entscheidet sich, ihn umzubringen und mach dies auch – und zwar achtsam. Aber natürlich gefällt das den Gangstern ganz und gar nicht. Es entspinnt sich ein lustiges und spannendes Buch, das Mara nur sehr empfehlen kann!
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Timecodes:
00:00:00 - Vorgeplänkel: Shortlist deutscher Buchpreis 2019
00:14:49 - "Nachts ist unser Blut schwarz" von David Diop
00:25:43 - "Miroloi" von Karen Köhler
00:43:48 - "Achtsam morden" von Karsten Dusse
Buch-Infos:
Titel: Nachts ist unser Blut schwarz
Autor: David Diop
Übersetzung: Andreas Jandl
Verlag: Aufbau Verlag (2019)
Preis (Buch/eBook): 18,00 € / 13,99 €
Länge: 160 Seiten
Genre: Krieg, Diskriminierung
Form: Hardcover
ISBN: 978-3351037918
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Titel: Miroloi
Autor: Karen Köhler
Verlag: Hanser (2019)
Preis (Buch/eBook): 24,00 € / 17,99 €
Länge: 464 Seiten
Genre: Dystopie, Buchpreis 2019
Form: Hardcover
ISBN: 978-3446261716
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Titel: Achtsam morden
Autor: Karsten Dusse
Verlag: Heyne (2019)
Preis (Buch/eBook): 9,99 € / 4,99 €
Länge: 416 Seiten
Genre: Thriller, Satire
Form: Taschenbuch
ISBN: 978-3453439689
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Sep 18, 2019 • 1h 4min
Folge 72: Around the World
Meike hat sich zu Robin und Tim gesellt, damit sie diese Folge mal wieder zu dritt bestreiten können!
Im Vorgeplänkel geht es, anlässlich der großen Releaseparty von „Die Zeuginnen“, um die Kommerzialisierung von Büchern. Sie diskutieren, ob Vorwürfe von Leuten á la „es geht ja nur ums Geld!!1!“ gerechtfertigt sind oder ob es der Buchbranche sogar gut tut, eine so große Veranstaltung zu feiern. Schließlich passiert so etwas nicht jeden Tag.
Robin macht den Anfang mit dem oben bereits erwähnten neuen Buch von Margret Atwood, „Die Zeuginnen“, der Fortsetzung eines ihrer berühmtesten Romane, „Der Report der Magd“. Darin geht es um die Geschichte von drei verschiedenen Frauen, die unterschiedliche Perspektiven auf den Staat Gilead werfen. Zum einen gibt es eine der Tanten, die mitgeholfen hat, die Rituale und Gesetze des Staates kurz nach der Gründung zu etablieren und ihre Beweggründe dahinter. Zum anderen wird aber auch durch einen Teenager aus Kanada ein spannender Blick von außen auf Gilead geworfen, der die Wahrnehmung des totalitären Regimes zugrunde geht. Atwood hat eine spannende Fortsetzung geschrieben, die zwar viel erklärt und dadurch entmystifiziert, allerdings nicht auf die gute alte Star-Wars-Methode, sondern auf eine interessante Art und Weise. Unbedingte Empfehlung für alle, die den Vorgänger bereits gelesen haben.
Tim macht weiter mit dem Debütroman von Svenja Gräfen, “Das Rauschen in unseren Köpfen”. Darin geht es um Lene, eine Studentin in Berlin, und ihren Freund Hendrick. Die beiden haben sich zufällig kennengelernt, haben eine große Anziehung zueinander gespürt und lieben sich. Darüber hinaus geht es um die Beziehungen zu ihrem Bruder und ihrer besten Freundin, die ebenfalls einen wichtigen Teil in ihrem Leben spielen. Dabei schafft es Gräfen, einen hoch realistischen, nicht kitschigen und tragischen Beziehungsroman zu schreiben, der in der Form fast einmalig ist. Eine unbedingte Empfehlung!
Meike stellt wieder ein Buch von der Longlist des aktuellen deutschen Buchpreises vor: “Schutzzone” von Nora Bossong. Darin geht es um eine Abgeordnete der Vereinten Nationen, die von Krisengebieten berichtet, mit Vertretern verfeindeter Staaten vermittelt und ihr Leben dazwischen. Dabei schafft es Bossong, detailliert hoch komplexe Sachverhalte zu schildern und macht durch eine Überflutung von Fakten und Faktoren, die man gegeneinander abwägen muss, deutlich, was für ein Job der einer Diplomatin ist. Es wird vermutlich viel anecken, steht aber völlig zurecht auf der Long-List!
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Timecodes:
00:00:00 - Vorgeplänkel: Kommerzialisierung der Literatur
00:18:31 - "Die Zeuginnen" von Margaret Atwood
00:35:20 - "Das Rauschen in unseren Köpfen" von Svenja Gräfen
00:48:17 - "Schutzzone" von Nora Bossong
Buch-Infos:
Titel: Die Zeuginnen
Autor: Margaret Atwood
Übersetzung: Monika Baark
Verlag: Berlin Verlag (2019)
Preis (Buch/eBook): 25,00 € / 22,99 €
Länge: 576 Seiten
Genre: Thriller, Dystopie
Form: Hardcover
ISBN: 978-3827014047
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Titel: Das Rauschen in unseren Köpfen
Autor: Svenja Gräfen
Verlag: Ullstein (2017)
Preis (Buch/eBook): 16,00 € / 9,99 €
Länge: 240 Seiten
Genre: Beziehungen, Entwicklungsroman
Form: Hardcover
ISBN: 978-3961010042
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Titel: Schutzzone
Autor: Nora Bossong
Verlag: Suhrkamp (2019)
Preis (Buch/eBook): 24,00 € / 21,99 €
Länge: 332 Seiten
Genre: Politik, Gesellschaft
Form: Hardcover
ISBN: 978-3518428825
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Der Beitrag Folge 72: Around the World erschien zuerst auf Papierstau Podcast.

Sep 11, 2019 • 1h 9min
Folge 71: Abenteuerzeit
Nach längerer Zeit gibt es mal wieder eine Folge, die Robin und Tim zu zweit bestreiten. Es gibt außerdem schlechte Neuigkeiten, denn aus zeitlichen Gründen schafft es Kayleigh nicht mehr, festes Mitglied des Podcast zu sein. Das Team wünscht ihr alles Gute für ihre neuen beruflichen Wege und hofft, sie vielleicht trotzdem hin und wieder begrüßen zu dürfen.
Im Vorgeplänkel geht es um die baldige Änderung bei der Besteuerung von eBooks. Diese werden bis jetzt (irrsinniger Weise) mit 19% besteuert, während analoge Bücher unter die 7% fallen. Die beiden sprechen über die Möglichkeiten, die sich dadurch eröffnen, wie sinnvoll es ist, dass Hörbücher digital auch mit 19% besteuert werden und was für Vor- und Nachteile das Ganze bietet.
Robin stellt mit “Ich bin ein Schicksal” von Rachel Kushner das erste Buch der Folge vor. Die Protagonistin des Romans sitzt mit einer zweimal lebenslänglichen Haftstrafe im Gefängnis. Mit viel Sorgfalt, einem Blick für Details und interessanten gesellschaftlichen Beobachtungen schafft es die Autorin, einen spannenden und kritischen Blick auf die USA zu werfen. Dabei sind alle Figuren nicht einfach gut oder böse, sondern in einer wohl ausschraffierten Mitte, die einen jedes Schicksal empathisch nachfühlen lässt. Eine unbedingte Empfehlung!
Tim stellt mit “Der Junge hat doch nichts davongetragen?” den Nachfolger des von ihm und der Presse hoch gelobten Debüts “Oma Martha & Ich” von Marco Göllner vor. Das Buch geht in eine ähnliche Richtung wie sein Vorgänger, indem es hauptsächliche lustige und extrem gut geschriebene Kurzgeschichten aus seiner Kindheit schildert, macht jedoch auch einiges anders. So wird der erweiterte Familienkreis geöffnet und es geht nicht in jeder Geschichte um Oma Martha. Außerdem schlägt das Buch neben den absurden Geschichten auch wirkungsvoll ernste und sehr persönliche Töne an, die das Ganze Emotional breiter aufstellen, als Tim es erwartet hat. Auch hier eine unbedingte Empfehlung!
Das letzte Buch der Folge stellt Robin vor, der sich mit “20.000 Meilen unter den Meeren” von Jules Vernes einen echten Klassiker vorgenommen hat. Irgendetwas, wahrscheinlich ein Monster, lässt viele Schiffe der Walfänger Leck laufen. Was der Naturforscher und seine wackeren Begleiter finden übersteigt jedoch ihre Vorstellungskraft. Das Buch ist, gelinde gesagt, nicht so gut gealtert. Die Beschreibungen sind viel zu ausschweifend, die technischen Details zu genau und die Handlung zu konventionell und wenig spannend, als dass es heute noch funktionieren könnte. Zwar war der Gedanke eines U-Boots bahnbrechend, die Handlung drumherum kann jedoch nicht überzeugen.
Das war’s für diese Folge, bis zum nächsten Mal – lest was Gutes!
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Timecodes:
00:00:00 - Vorgeplänkel: eBook-Steuer
00:21:18 - "Ich bin ein Schicksal" von Rachel Kuschner
00:42:05 - "Der Junge hat doch nichts davongetragen?" von Marco Göllner
00:53:42 - "20.000 Meilen unter den Meeren" von Jules Verne
Buch-Infos:
Titel: Ich bin ein Schicksal
Autor: Rachel Kushner
Übersetzung: Bettina Abarbanell
Verlag: Rowohlt (2019)
Preis (Buch/eBook): 24,00 € / 19,00 €
Länge: 400 Seiten
Genre: Frauengefängnis, Haftstrafe
Form: Hardcover
ISBN: 978-3498035808
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Titel: Der Junge hat doch nichts davongetragen?
Autor: Marco Göllner
Verlag: Rowohlt (2019)
Preis (Buch/eBook): 12,00 € / 9,99 €
Länge: 192 Seiten
Genre: Familie, Humor
Form: Taschenbuch
ISBN: 978-3499000263
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Titel: 20.000 Meilen unter den Meeren
Autor: Jules Verne
Übersetzung: unbekannt
Verlag: Anaconda (2013)
Preis (Buch/eBook): 6,95 € / ab 0,99 €
Länge: 644 Seiten
Genre: Abenteuer, Klassiker
Form: Hardcover
ISBN: 978-3866479340
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Sep 4, 2019 • 1h 1min
Folge 70: Award Season
Robin, Tim und Meike haben sich mal wieder zusammengesetzt, um über drei neue Bücher zu sprechen. Nachdem die letzte Folge durch ein Interview ersetzt wurde und die drei davor ein zusammenhängendes Thema hatten, geht es nun wieder ganz klassisch zu.
Doch zuvor gibt es große Neuigkeiten, denn die Longlist für den diesjährigen deutschen Buchpreis ist bekanntgegeben worden. Dabei sind 20 Werke, die einen spannenden Querschnitt durch die aktuelle Literatur geben und breiter aufgestellt kaum sein könnten. Meike war fleißig und hat bereits einige der Nominierten gelesen und auch Robin konnte bereits einen Blick in das ein oder andere Buch werfen. Sie diskutieren die Auswahl, besprechen, was fehlt und die Vor- und Nachteile dieses Preises.
Den Anfang der Folge macht Robin mit “Dort dort” von Tommy Orange. Das Buch bietet einen Einblick in das Leben und die Kultur der Cheyenne, einem Stamm von amerikanischen Ureinwohnern in Oakland. Dabei verarbeitet Orange verschiedene unverarbeitete Traumata der Bevölkerung, klärt beispielsweise über Traditionen wie Tänze auf und lässt seine Figuren in einem schicksalhaften Tag zusammenfinden, der in einem unvergleichlichen Finale endet. Für Meike war es DAS Buch des letzten Jahres, und auch Robin ist vollauf begeistert. Eine absolute Empfehlung!
Meike stellt eines der nominierten Werke und einen heißen Anwärter für den Buchpreis vor: “HERKUNFT” von Saša Stanišić. Das Buch ist eine in Fragmenten erzählte, autobiografische Aufarbeitung Stanišićs, der als Flüchtling während der Jugoslawienkriege nach Deutschland kam. Er musste einen handschriftlichen Lebenslauf abgeben und fragt sich, was das wirklich über ihn, als Mensch, aussagt. Er berichtet über seinen Alltag mit seinen Eltern, als sie Geflüchtete waren, sammelt Erinnerungen und Gespräche. Das Ganze wird auf eine einmalige Art und Weise geschildert, die traurig und lustig zugleich ist. Ein extrem lesenswertes Buch.
Tim macht den Abschluss mit dem neuen Buch von Paul Bokowski, “Bitte nehmen Sie meine Hand da weg”. Wie in den zwei vorangegangenen Bänden handelt es sich hier um eine Sammlung von Kurzgeschichten, die teils absurd, grotesk, aufrichtig – aber immer lustig sind. Mit einem ausgefeilten Erzählstil bringt er hervorragende Pointen, zeigt alltägliche Absurditäten auf und schafft es dabei stets, dass man sich in die Situationen hineinversetzen kann. Wer mal wieder Lust auf etwas lustiges hat, sollte dringend zugreifen.
Das war’s mit dieser Folge, bis zum nächsten Mal – lest was Gutes!
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Timecodes:
00:00:00 - Vorgeplänkel: Deutscher Buchpreis 2019
00:17:36 - "Dort Dort" von Tommy Orange
00:37:21 - "HERKUNFT" von Saša Stanišić
00:51:49 - "Bitte nehmen Sie meine Hand da weg" von Paul Bokowski
Buch-Infos:
Titel: Dort Dort
Autor: Tommy Orange
Übersetzung: Hannes Meyer
Verlag: Hanser Berlin (2019)
Preis (Buch/eBook): 22,00 € / 16,99 €
Länge: 298 Seiten
Genre: Indianische Kultur, Diskriminierung
Form: Hardcover
ISBN: 978-3446264137
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(Rezensionsexemplar)
Titel: HERKUNFT
Autor: Saša Stanišić
Verlag: Luchterhand (2019)
Preis (Buch/eBook): 22,00 € / 17,99 €
Länge: 368 Seiten
Genre: Integration, Heimat
Form: Hardcover
ISBN: 978-3630874739
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(Rezensionsexemplar)
Titel: Bitte nehmen Sie meine Hand da weg
Autor: Paul Bokowski
Verlag: Goldmann (2019)
Preis (Buch/eBook): 10,00 € / 9,99 €
Länge: 192 Seiten
Genre: Humor, Kurzgeschichten
Form: Taschenbuch
ISBN: 978-3442488957
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(Rezensionsexemplar)
Der Beitrag Folge 70: Award Season erschien zuerst auf Papierstau Podcast.

Aug 28, 2019 • 1h 20min
Interview: Friedemann Karig
Aufgrund diverser Erkrankungen, Schwierigkeiten bei der Terminfindung und allem, was sonst so schiefgehen kann, gibt es heute anstatt einer neuen Folge ein Interview. Tim hat vor kurzem mit Friedemann Karig gesprochen, der in Folge 68 gleich zwei Mal Thema war. 2017 erschien sein Sachbuch “Wie wir lieben: Vom Ende der Monogamie” im Aufbau Verlag und hat ob des Themas und des Inhalts hohe Wellen geschlagen. Im Mai 2019 kam sein erster Roman “Dschungel” bei Ullstein raus, bei dem Tim auch mit auf der Bootstour des Verlags war. Gemeinsam sprechen sie über die Entstehung der beiden Bücher, seinen Weg zum Autorendasein und über Thomas Gottschalk. Tjanun. Das Ganze auf einer Länge von 80 Minuten, sogar länger als eine reguläre Folge!
Viel Spaß mit dem Interview, die nächste Folge wird hoffentlich wieder wie gewohnt stattfinden. Bis dahin – lest was Gutes!
Der Beitrag Interview: Friedemann Karig erschien zuerst auf Papierstau Podcast.

Aug 21, 2019 • 49min
Folge 69: Hollywood-Madness
Robin und Tim haben mal wieder einen neuen Gast! Meike hat sich netterweise bereit erklärt, mit den beiden diese Folge zu bestreiten und zum ersten Mal in einem Podcast über Bücher zu sprechen. Da sie aber eine der Top-Rezensent*Innen auf Goodreads ist und vermutlich so viel liest wie die beiden zusammen, dürfte das keine große Herausforderung darstellen!
Das leitende Thema dieser Folge ist Hollywood, im weitesten Sinne. Ausschlaggebend ist die Veröffentlichung von Quentin Tarantinos neuem Film “Once upon a Time in… Hollywood” – und um eben das dreht sich auch das Vorgeplänkel. Sie besprechen über Tarantino als Autor, welcher Film sich am besten als Roman lesen lassen würde und, am allerwichtigsten, wie sein neuer Film geworden ist. Tim konnte es sich nicht nehmen lassen, ihn einen Tag vor Release in der Vorpremiere zu sehen.
Das erste Buch der Folge stellt Meike vor, die sich “Die Toten” von Christian Kracht ausgesucht hat. Der Roman spielt in den 1930er Jahren, am Übergang vom Stumm- zum Tonfilm. Die Nazis entdecken Film als Propagandamedium für sich und wollen sich mit Japan zusammenschließen, um große propagandistische Filme zu produzieren, um Hollywood etwas entgegen zu halten. Dabei setzt Kracht viel auf Filmgeschichte, berühmte Persönlichkeiten und eine Geschichte mit vielen Schichten, die es sich lohnt, zu lesen.
Tim hat, passend zum neuen Tarantino, das erfolgreichste True-Crime-Buch aller Zeiten gelesen: “Helter Skelter” von Vincent Bugliosi und Curt Gentry. Das Buch schildert die Morde der Manson-Family an Sharon Tate und ihren Freund*Innen in der Nacht vom 09. August 1969, von den ersten Untersuchungen bis zum Gerichtsprozess. Dabei spielt vor allem Bugliosi eine tragende Rolle, denn der Autor war als Staatanwalt leitender Ermittler in den Fällen um die Manson-Family. Er bietet einen umfangreichen Blick auf den Fall, die Ermittlungen und den Prozess, ohne dabei reißerisch oder polemisch zu sein. In großer Detailarbeit wird auf jede Kleinigkeit eingegangen, die mit dem Fall zu tun hat. Ein sehr lesenswertes, wenn auch sperrig lesen lassendes Buch.
Den Abschluss macht Robin mit “Der Metropolist”, dem Debütroman von Seth Fried. Es geht um einen Beamten, der im Ministerium für Infrastruktur arbeitet und pedantischer nicht sein kann. Im Amt sorgt die KI OWEN dafür, dass alles reibungslos abläuft, bis das Ministerium gehackt wird und OWEN beginnt, sich komisch zu verhalten. Parallel dazu wurde die Tochter des Bürgermeisters von Metropolis entführt, und es ist nun an dem überkorrekten Beamten und der KI, die sich durch den Angriff wie ein Spinner verhält, die Tochter zu finden. Das Buch wird beworben mit “Pulp Fiction meets Science-Fiction” und vergleiche zu Tarantino lassen die Erwartungen in die Höhe schnellen. Robin hat das Buch nicht enttäuscht, und mit der Genremischung, dem Humor und der Geschichte überzeugt.
Das war’s für diese Folge, bis zum nächsten Mal – lest was Gutes!
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Timecodes:
00:00:00 - Vorgeplänkel: Tarantino als Autor
00:10:28 - "Die Toten" von Christian Kracht
00:22:17 - "Helter Skelter" von Vincent Bugliosi
00:34:08 - "Der Metropolist" von Seth Fried
Buch-Infos:
Titel: Die Toten
Autor: Christian Kracht
Verlag: FISCHER (2019)
Preis (Buch/eBook): 12,00 € / 10,99 €
Länge: 208 Seiten
Genre: Nationalsozialismus, Propaganda
Form: Hardcover
ISBN: 978-3596522057
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Titel: Helter Skelter: Die wahre Geschichte des Serienmörders Charles Manson
Autor: Vincent Bugliosi
Mitwirkung: Curt Gentry
Verlag: Riva (2017)
Preis (Buch/eBook): 16,99 €
Länge: 788 Seiten
Genre: Mordserie, Dokumentation
Form: Taschenbuch
ISBN: 978-3742302496
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Titel: Der Metropolist
Autor: Seth Fried
Übersetzung: Astrid Finke
Verlag: Heyne (2019)
Preis (Buch/eBook): 12,99 € / 9,99 €
Länge: 320 Seiten
Genre: Science-Fiction, Buddy Movie
Form: Taschenbuch
ISBN: 978-3453320147
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Der Beitrag Folge 69: Hollywood-Madness erschien zuerst auf Papierstau Podcast.

Aug 14, 2019 • 1h 10min
Folge 68: Poesie des 'F**k you!'
Robin, Tim und Mara haben sich, nachdem es eine ganze Reihe von Specials gab (und noch geben wird), mal wieder zu einer normalen Folge zusammengesetzt, um über drei Bücher zu sprechen.
Da sie schon ahnten, dass es mit einigen Büchern in der Folge Potential für längere Diskussionen geben wird, haben sie das Vorgeplänkel geskipped und sich stattdessen länger über die Bücher ausgetauscht. Da Robin krank war hat es sich ergeben, dass er und Mara nur ein Buch gelesen haben, während Tim sich mit allen drei Büchern dieser Folge beschäftigt hat.
So ist das erste Buch der Folge auch gleichzeitig der erste Roman: “Dschungel” von Friedemann Karig. In seinem Debüt geht es um einen namenlosen Erzähler, der auf der Suche nach Felix, seinem besten Freund ist. Dieser ist in Kambodscha verschollen, und nachdem die Polizei nichts zu machen scheint, bittet dessen Mutter nun den Erzähler darum, ihm nachzureisen und zu suchen. Die beiden kennen sich seit ihrer Kindheit und in Rückblenden werden Ereignisse aus ihrer Kindheit und Jugend geschildert. Für ein Erstlingswerk schafft Karig einen bereits ausgeschliffenen, wiedererkennbaren Stil an den Tag zu legen, der einen Flow erzeugt, dass man förmlich durch die Seiten fliegt. Die kleineren Längen im Mittelteil sind dank des guten Anfangs und der hervorragenden Auflösung verzeihbar, was es insgesamt zu einem der besten Debütromane des Jahres macht.
Beim nächsten Buch handelt es sich um das erste Buch von Friedemann Karig, der mit “Wie wir lieben: Das Ende der Monogamie” ein Sachbuch über Polygamie und Polyamorie geschrieben hat. Dabei beschreibt er zum einen die gesellschaftliche Tragweite, die historische Entwicklung und Stigmata und Vorurteile gegen Menschen in offenen Beziehungen. Zum anderen führt er Interviews mit mehreren Paaren, die in einer polyamoren Beziehung leben, wobei ein möglichst breites Spektrum genommen wurde. Einige Paare haben Kinder, bei einigen funktioniert es gut, bei einigen wiederum nicht. Das Buch zeichnet einen breiten Schnitt, zweifelt das aktuell vorherrschende Beziehungsmodell an und bietet gleichzeitig eine tiefe Betrachtung zwischenmenschlicher Beziehungen, die sich sehen lassen kann. Ein beeindruckendes Erstlingswerk.
Den Abschluss und den größten Teil der Folge bildet “Untenrum frei” von Margarete Stokowski. Nachdem bereits ihre Kolumnen- und Essaysammlung “Die letzten Tage des Patriarchats” Thema im Podcast war, befassen sich die drei nun mit ihrem ersten Buch. Darin beschreibt sie, anhand ihrer eigenen Geschichte von der Kindheit bis heute, gesellschaftliche Missstände, Gleichberechtigung, Feminismus und vieles mehr. Mit ihrem brillanten, pointierten Stil gelingt es ihr, sich selbst und sein Handeln zu hinterfragen, ohne dabei mit gebieterisch zu wirken oder den erhobenen Zeigefinger zu zeigen. Ein Buch, dass jeder und jede gelesen haben sollte.
Das war’s mit dieser Folge, bis zum nächsten Mal – lest was Gutes!
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Timecodes:
00:00:00 - "Dschungel" von Friedemann Karig
00:16:06 - "Wie wir lieben: Vom Ende der Monogamie" von Friedemann Karig
00:29:38 - "Untenrum frei" von Margarete Stokowski
Buch-Infos:
Titel: Dschungel
Autor: Friedemann Karig
Verlag: Ullstein (2019)
Preis (Buch/eBook): 22,00 € / 18,99 €
Länge: 384 Seiten
Genre: Freundschaft, Reise
Form: Hardcover
ISBN: 978-3550200137
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(Rezensionsexemplar)
Titel: Wie wir lieben: Vom Ende der Monogamie
Autor: Friedemann Karig
Verlag: Aufbau (2018)
Preis (Buch/eBook): 12,00 € / 8,99 €
Länge: 304 Seiten
Genre: Beziehungen, Sexualität
Form: Taschenbuch
ISBN: 978-3746634562
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(Rezensionsexemplar)
Titel: Untenrum frei
Autor: Margarete Stokowski
Verlag: Rowohlt (2016)
Preis (Buch/eBook): 20,00 € / 9,99 €
Länge: 256 Seiten
Genre: Feminismus, Selbstbestimmung
Form: Hardcover
ISBN: 978-3498064396
Links: Verlag | genialokal (Affiliate) | LChoice (Affiliate)
(Rezensionsexemplar)
Der Beitrag Folge 68: Poesie des ‚F**k you!‘ erschien zuerst auf Papierstau Podcast.

Aug 7, 2019 • 1h 23min
Special: DDR-Literatur
Dieses Special widmet sich zum ersten Mal in der Papierstau-Podcast-Geschichte nicht einem/einer Autor*in oder einer Reihe, sondern einer ganzen Epoche, und zwar dreht es sich um die Literatur in der DDR. Zumindest wird es mit drei Büchern versucht. Robin und Tim freuen sich sehr, zu diesem Thema Dr. Franziska Thiel begrüßen zu dürfen, die derzeit Dozentin an der Universität Leipzig ist.
Anstelle des Vorgeplänkels gibt Franziska einen kleinen Überblick über die Epoche, erzählt von den verschiedenen Strömungen und vom Literaturbetrieb. Außerdem geht es um die ersten Kontakte, welche die drei mit Büchern aus der DDR hatten, wobei sich Franziska durch ihre Eltern bereits seit ihrer Kindheit damit beschäftigt hat, Tim durch die Schule und die Uni dazu gekommen ist, sich mehr damit auseinanderzusetzen und Robin bis zu dieser Folge noch gar keinen bewussten Kontakt damit hatte. Eine spannende Konstellation!
Den Anfang macht Robin mit einem der wohl auch international bekanntesten Werke, die aus der DDR hervorgegangen sind – “Jakob der Lügner” von Jurek Becker. Das Buch schildert die Erlebnisse des Jungen Jakob, der in einem nicht näher benannten Ghetto zur Zeit des zweiten Weltkriegs ist. Weil für Juden ab einer bestimmten Zeit Ausgangsverbot herrscht, wird Jakob von einem Polizisten aufgegriffen, der ihm sagt, dass er nicht mehr draußen sein darf und sich deshalb beim Vorsteher melden soll. Weil sich viele Gerüchte um diesen Ort, von dem wohl keine Menschen mehr zurückkehren ranken, hat Jakob fürchterliche Angst davor, geht aber trotzdem hinein. Es stellt sich heraus, dass sich der Polizist einen Spaß erlaubt hat, denn er war gar nicht nach der Ausgangssperre draußen, und er wird laufen gelassen. Auf seinem Weg nach draußen, hört er im Radio, dass die Russen möglicherweise an den Grenzen stehen und dem Krieg ein Ende machen könnten. Er muss diese Information mit den anderen Teilen, sagt ihnen aber, dass er das in einem Radio gehört habe. Die Leute erwarten von da an stets neue Nachrichten von ihm, und da er keins hat, muss er sich welche ausdenken. Beck ist es gelungen, Schrecken, Hoffnung, Humor und Ernst in einem Buch zu vereinen, das vollkommen zurecht als Klassiker gilt.
Tim macht mit einem Buch weiter, das in der DDR nicht veröffentlicht werden durfte und daher erst im Jahr 2000 erschien: “Die Stadt der tausend Augen” von Klaus Frühauf. In dem Science-Fiction Roman geht es um Aaron Munch, ein junger Mann, der für das Amt für Stabilität als Observierer arbeitet und Leute abhört. Seine Freundin hat wegen dieses Jobs mit ihm Schluss gemacht und er wacht zu spät auf. Er beeilt sich, und im Fahrstuhl trifft er eine Frau, in die er sich schlagartig verliebt. Sie ist jedoch eine Kategorie unter ihm angesiedelt, was ihn verwundert, da sie sich einen Transporter nehmen kann – ein Privileg, dass eigentlich nur höhergestellten vorbehalten ist. Auf Arbeit angekommen findet er auch schnell heraus, wer sie ist. Allerdings schaltet sich sein Chef ein, der ihn darauf hinweist, dass er sich lieber auf seine Arbeit konzentrieren soll, da sie eine Nummer zu groß für ihn sei. Er beginnt nach und nach, das System zu hinterfragen. Das Buch bietet offensichtliche Parallelen zur Stasi, zur Mauer und Machtmissbrauch und übt starke Kritik am Regime der DDR. Trotz eines mitreißenden Anfangs und einem wirklich gelungenen Ende, gab es im Mittelteil der Handlung einige Längen, die der ansonsten gelungenen Buch nicht zu einer 100%igen Empfehlungen bringen.
Franziska macht den Abschluss mit einer der DDR Autorinnen und einer der wahrscheinlich wichtigsten Autorin des 20. Jahrhundert: “Der geteilte Himmel” von Christa Wolf. Die Protagonistin des Romans hat sich versucht, umzubringen, und in Rückblenden wird nach und nach ihre Geschichte aufgeklärt. Das Buch spielt in Halle zu der Zeit, in der gerade angefangen wurde, die Mauer zu bauen. Ihr Geliebter will in den Westen, während sie daran glaubt, mit der DDR einen sozialen Staat aufbauen zu können. Die Geschichte wird packend und poetisch erzählt, und hat nach Erscheinen großen Anklang gefunden und liest sich, vor allem sprachlich, heute noch genau so gut wie damals.
Das war’s für diese Folge. Großen Dank an Franziska, die das alles mitgemacht hat! Bis zum nächsten Mal – lest was Gutes!
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Timecodes:
00:00:00 - Überblick DDR-Literatur
00:19:54 - "Jakob der Lügner" von Jurek Becker
00:37:30 - "Die Stadt der tausend Augen" von Klaus Frühauf
01:04:40 - "Der geteilte Himmel" von Christa Wolf
Buch-Infos:
Titel: Jakob der Lügner
Autor: Jurek Becker
Verlag: Suhrkamp (1969)
Preis (Buch/eBook): 9,00 € / 8,99 €
Länge: 288 Seiten
Genre: Nationalsozialismus, Holocaust
Form: Taschenbuch
ISBN: 978-3518372746
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Titel: Die Stadt der tausend Augen
Autor: Klaus Frühauf
Verlag: H & F Verlag (2000)
Preis (Buch/eBook): nicht erhältlich
Länge: —
Genre: Science-Fiction, Dystopie
Form: Taschenbuch
ISBN: 978-3933625304
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Titel: Der geteilte Himmel
Autor: Christa Wolf
Verlag: dtv (1973)
Preis (Buch): 9,99 €
Länge: 240 Seiten
Genre: Politik, DDR
Form: Taschenbuch
ISBN: 978-3423009157
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Der Beitrag Special: DDR-Literatur erschien zuerst auf Papierstau Podcast.


