
SWR Kultur lesenswert - Literatur Alena Jabarine – Der letzte Himmel. Meine Suche nach Palästina
Aug 17, 2025
03:52
Die Bilder, die uns heute aus dem Gazastreifen erreichen, sind nur schwer erträglich. So unvorstellbar ist das Ausmaß von Leid und Zerstörung, seitdem Israel seine massive Militäroffensive auf den Gazastreifen begann, nachdem bewaffnete Kämpfer der Hamas Grenzanlagen durchbrachen, über 1.200 Menschen – überwiegend Zivilisten – töteten und zahlreiche Geiseln nach Gaza verschleppten.
Privileg der Herkunft
Das Palästina, in das uns die deutsch-palästinensische Autorin Alena Jabarine mitnimmt, ist noch ein ganz anderes. Eine „enorme Diskrepanz“ zwischen dem, was sie in der Zeit ihres Aufenthaltes in Ramallah zwischen 2020 und 2022 selbst erlebt hat, „und dem, was in Deutschland über Palästina berichtet wurde“, hat sie motiviert, ihre Erfahrungen in einem Buch zusammenzufassen. Geboren und aufgewachsen ist die Autorin in Hamburg. Die Familie ihres Vaters besteht aus Palästinensern mit israelischer Staatsbürgerschaft. Dieses Privileg nutzte sie für ihre ausführlichen Recherchen. In einem Interview teilte sie mit:Durch meinen israelischen Pass hatte ich mehr Möglichkeiten als Millionen staatenloser Palästinenser:innen. Ich konnte mein Heimatland bereisen und auch Kontakt zu jüdischen Israelis aufbauen, was vielen verwehrt bleibt.Quelle: Alena Jabarine – Der letzte Himmel. Meine Suche nach Palästina
Einblicke in den palästinensischen Alltag
In ihrem Buch bietet sie keine politische Analyse, sondern in 30 Kapiteln Einblicke in das Alltagsleben in einem besetzten Land, in dem Menschen ständig auf Mauern stoßen, auf Checkpoints und auf Straßen, die nur Leute mit israelischem Pass benützen dürfen. Sogenannte „sterile Gebiete“ werden von Hunderttausenden israelischer Siedler bevölkert, denn nur noch rund 18 Prozent des Westjordanlands kontrolliert die Palästinensische Autonomiebehörde.Ich bin in dieser Straße geboren. Mein Haus steht dort hinten rechts um die Ecke. Aber, er zeigte auf einen undefinierbaren Punkt auf der leeren Straße, ich darf hier nicht mehr weitergehen. Ihr schon.Erzählt Alena Jabarine von einem Bewohner, den sie getroffen hat. Selbst in ihren Zonen sind sie nicht vor Siedlerangriffen sicher oder vor israelischen Soldaten, die ins Haus stürmen und vermeintlich nach Waffen suchen oder auch Menschen willkürlich verhaften wie einst den Vater der Autorin.Quelle: Alena Jabarine – Der letzte Himmel. Meine Suche nach Palästina
Appell zur Verantwortung
Gefangenschaft ist ein normalisierter Bestandteil der palästinensischen Realität. Sie ist ein Versuch, den Widerstand zu brechen und jegliche Form politischer Organisation zu sabotieren. Die klügsten Köpfe Palästinas haben Monate oder Jahre ihres Lebens hinter Gitterstäben verbracht.Alena Jabarine will mit ihrem Buch die israelischen Besatzer keineswegs verteufeln, doch sehr wohl verantwortlich machen für die harten Lebensbedingungen der Bevölkerung. Akte der Grausamkeit, wie sie beispielsweise an der 17-jährigen Schülerin Lina verübt wurden. Ihr schoss ein israelischer Soldat auf dem Nachhauseweg in den Kopf. Sie hatte an einer Demonstration teilgenommen und war von ihm verfolgt worden. Ihr Bild wurde zur Ikone des Widerstands.Quelle: Alena Jabarine – Der letzte Himmel. Meine Suche nach Palästina
