
SWR Kultur lesenswert - Literatur Von Feministinnen aus Lateinamerika lernen: „Revolution der Frauen“ von Sophia Boddenberg | Buchkritik
Apr 1, 2026
04:09
Lateinamerika ist für seinen Machismo berüchtigt, diese Form übersteigerter männlicher Dominanz, denn die Folgen sind oft tödlich. 2023 wurden zum Beispiel in Mexico 2.580 Frauen ermordet und 830 weitere Fälle als Femizide eingestuft, als Tötungsdelikte von Männern an weiblichen Personen wegen ihres Geschlechts.
Sie werden zwar dort seit 2012 als ein besonderer Straftatbestand anerkannt. Das ändert aber nichts daran, dass viele Verfahren ohne Urteil enden. Oft sind die Behörden einfach nicht bereit, Ermittlungen anzustellen.
Deshalb hat die lateinamerikanische Frauenbewegung den Kampf gegen die Straflosigkeit zu einem ihrer Ziele erklärt.
Feminismus als kollektive Praxis
Feminismus bedeutet nicht nur den Kampf gegen das Patriarchat, sondern auch gegen Kolonialismus, Kapitalismus und Rassismus, die eng miteinander verflochten sind.„Denn die Gewalt richtet sich nicht nur gegen Frauen, sondern ist auch eine Unterdrückung indigener Gemeinschaften in ganz Lateinamerika. Die feministische Praxis ist also eng mit der Gemeinschaft verbunden und somit immer kollektiv und nicht individuell.“ In diesem Zitat der Aktivistin Adriana Guzmán spiegelt sich die inhaltliche Bandbreite des Buchs von Sophia Boddenberg. Es ist keine wissenschaftliche Analyse – – „keine theoretische Abhandlung über akademische feministische Debatten. Stattdessen möchte ich meine Erfahrungen mit interessierten und neugierigen Leser:innen im deutschsprachigen Raum teilen.“Quelle: Sophia Boddenberg – Revolution der Frauen
Zum Feminismus habe ich nicht an der Universität oder durch Bücher gefunden, sondern durch meine persönliche Erfahrung als Frau in Lateinamerika.Quelle: Sophia Boddenberg – Revolution der Frauen
Küche als sozialer Ort
Und darin liegt die besondere Stärke ihres Buchs. Der Autorin ist u.a. bewusst geworden, dass die Küche sehr viel mehr bedeuten kann als einen Platz traditioneller Hausfrauentätigkeit. Für die Indigenen ist er ein sozialer Ort.In der Küche wird Wissen vermittelt, Wissen über die Geschichte, über Ernährung und Heilpflanzen. Die Küche hat eine zentrale gesellschaftliche Bedeutung. Denn was hier geschieht, hält die Kultur der Mapuche lebendig.Schreibt die Autorin.Quelle: Sophia Boddenberg – Revolution der Frauen
Gewalttätige Mächte
Ihre besondere Aufmerksamkeit gilt überhaupt den Indigenen – wie den Mapuche, dem größten indigenen Volk Chiles und Argentiniens. Sie werden bis heute von Großgrundbesitzern und politischen Machthabern unterdrückt, ausgebeutet, vertrieben, ihres Landes beraubt und oft auch getötet. Eines der schlimmsten Beispiele kommt aus Chile.Der sozialistische Präsident Salvador Allende gab den Mapuche Anfang der 1970er Jahre mehr als 130.00 Hektar Land zurück. Aber Diktator Pinochet enteignete es später wieder und ging mit Gewalt gegen die Indigenen vor.Noch immer kämpfen die Mapuche im Süden Chiles um ihr Land und ihre Autonomie, an ihrer Spitze die Frauen. Dagegen müssen in Argentinien die Feministinnen fürchten, dass sie ihre längst erworbenen Rechte wieder verlieren, seit Präsident Javier Milei an der Macht ist. Er hat als erstes das ‚Ministerium für Frauen, Gender und Vielfalt‘ abgeschafft und staatliche Hilfen für Frauen in Gewaltsituationen gestrichen. Denn:Quelle: Sophia Boddenberg – Revolution der Frauen
Geschlechtsspezifische Gewalt und Femizide existieren nach Mileis Ansicht nicht, deshalb sollte der Tatbestand des Femizids aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden. Feministinnen bezeichnet er als ‚Mörderinnen mit grünen Tüchern‘.Quelle: Sophia Boddenberg – Revolution der Frauen
