
Die Leichtigkeit der Kunst - Kunstpodcast Kunstsammlung NRW – No Fear. No Shame. No Confusion
Kunstsammlung NRW – No Fear. No Shame. No Confusion. | Prof. Dr. Susanne Gaensheimer & Dr. Isabelle Malz über Andrea Büttner
Kunstpodcast Die Leichtigkeit der Kunst
Hinweis: Diese Episode entstand in Zusammenarbeit mit der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West.
Scham ist ein Gefühl, das selten öffentlich werden darf. Es zieht sich zurück, bevor es sich zeigt. Und genau deshalb ist es gesellschaftlich so wirksam: Scham reguliert Verhalten. Sie formt Zugehörigkeit. Sie entscheidet darüber, wer spricht – und wer lieber still bleibt.
Diese Folge führt in die Kunstsammlung NRW und in die Ausstellung „No Fear. No Shame. No Confusion.“ der Künstlerin Andrea Büttner in der Bel Etage, gefördert durch die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West. Im Gespräch mit Prof. Dr. Susanne Gaensheimer, Direktorin der Kunstsammlung NRW, und Dr. Isabelle Malz, Kuratorin der Ausstellung, geht es um Scham als Thema, als Struktur und als kulturelle Erfahrung.
Kunstsammlung NRW
Die Kunstsammlung NRW ist ein Ort, an dem sich Gegenwart in Kunst übersetzen lässt – und an dem sich Fragen stellen, die weit über das Museum hinausreichen. In dieser Episode wird deutlich, wie sehr ein Haus wie dieses gesellschaftliche Spannungen sichtbar macht: zwischen Bildung und Ausschluss, zwischen Blick und Bewertung, zwischen persönlicher Erfahrung und kultureller Norm.
Susanne Gaensheimer spricht über den Weg zur Kunst, über institutionelle Verantwortung und über die Frage, wie Museen Themen verhandeln können, die im Alltag oft nur im Privaten stattfinden.
Andrea Büttner: Scham, Würde und der Blick auf das Kleine
Andrea Büttner ist bekannt für eine künstlerische Praxis, die sich nicht auf große Gesten verlässt. Ihre Arbeiten kreisen um Würde, um Armut, um Moral, um Religion, um Formen von Sichtbarkeit – und um das, was in unserer Gesellschaft schnell als „klein“ oder „peinlich“ abgetan wird.
Die Ausstellung „No Fear. No Shame. No Confusion.“ stellt Scham nicht als individuelles Problem dar, sondern als kulturelles Phänomen. Im Gespräch geht es um die Frage, wie Scham entsteht: in Sprache, in Blicken, in Erwartungen. Und darum, wie stark Scham mit Macht verbunden ist.
No Fear. No Shame. No Confusion.
Der Ausstellungstitel klingt wie ein Versprechen – und zugleich wie eine Herausforderung. Denn die Wirklichkeit ist oft das Gegenteil: Angst, Scham und Verwirrung gehören zu vielen Biografien. Besonders dort, wo soziale Herkunft, Bildung, Körper, Religion oder Klassenzugehörigkeit mitsprechen.
Dr. Isabelle Malz gibt Einblick in die kuratorische Perspektive: Welche Themen stehen im Raum? Wie wird eine Ausstellung gebaut, die nicht moralisiert – und trotzdem klar ist? Wie kann ein Museum Scham verhandeln, ohne sie zu reproduzieren?
Im Gespräch wird sichtbar, wie sehr kuratorische Arbeit auch eine Arbeit an Sprache ist: an dem, was gesagt werden kann – und an dem, was sonst oft ungesagt bleibt.
Scham als soziale Kraft: Wer profitiert davon?
Ein zentraler Gedanke dieser Folge ist die Frage: Wer möchte eigentlich, dass wir uns schämen?
Scham ist selten neutral. Sie kann gesellschaftlich eingesetzt werden: um Menschen klein zu halten, um Zugehörigkeit zu definieren, um Normen durchzusetzen.
Die Folge führt dabei nicht in theoretische Abhandlungen, sondern bleibt nah an Beobachtungen: Situationen, in denen man sich „falsch“ fühlt. Momente, in denen man sich zurücknimmt. Oder auch Momente, in denen man merkt, dass Scham ein Mechanismus ist – und keine Wahrheit.
Kunst als Ort für Klarheit
Diese Episode ist auch ein Gespräch darüber, was Kunst leisten kann, ohne etwas zu erklären. Sie kann einen Raum öffnen, in dem man sich selbst und die Gesellschaft anders betrachtet. Nicht, weil ein Werk eine Lösung liefert, sondern weil es präzise setzt, was sonst oft diffus bleibt.
Die Ausstellung von Andrea Büttner in der Kunstsammlung NRW ist in diesem Sinne ein Angebot: sich Scham nicht als individuelles Scheitern zu erzählen, sondern als gesellschaftliche Struktur. Und damit eine neue Form von Klarheit zu finden.
Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West
Diese Folge entstand in Zusammenarbeit mit der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West. Die Stiftung unterstützt Kulturprojekte in Nordrhein-Westfalen mit einem Fokus auf Teilhabe, Bildung und langfristige Sichtbarkeit. Gefördert werden Vorhaben, die Kultur als Teil des Alltags stärken – in Museen, Institutionen und im öffentlichen Raum. Die Unterstützung dieser Episode ermöglicht, dass Ausstellungen wie „No Fear. No Shame. No Confusion.“ auch im digitalen Raum weiterwirken: als Gespräch, als Kontext, als Einladung zum Weiterdenken.
Themen dieser Folge
Kunstsammlung NRW · Andrea Büttner · No Fear. No Shame. No Confusion. · Scham · Würde · kuratorische Praxis · Museum und Öffentlichkeit · gesellschaftliche Normen
Gäste
Prof. Dr. Susanne Gaensheimer · Direktorin Kunstsammlung NRW
Dr. Isabelle Malz · Kuratorin
Links & Credits
Kunstsammlung NRW · Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West
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